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Der Junge im gestreiften Pyjama

The Boy in the Striped Pyjamas (2008), GB/US Laufzeit 94 Minuten, FSK 12, Drama, Thriller, Kinostart 07.05.2009


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5.9
Kritiker
18 Bewertungen
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7.5
Community
2488 Bewertungen
114 Kommentare
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von Mark Herman, mit Asa Butterfield und Zac Mattoon O'Brien

Berlin, Anfang der 40er Jahre. Der achtjährige Bruno ist der behütete Sohn eines Nazioffiziers. Als sein Vater befördert wird, muss er mit seiner Familie aus dem gediegenen Zuhause in Berlin in eine trostlose Gegend umziehen, wo der einsame Junge keinerlei Ablenkung geschweige denn einen Spielgefährten findet. Von Langeweile und Neugier getrieben, schlägt Bruno die Anweisungen seiner Mutter in den Wind, er solle auf keinen Fall den Garten und den Wald hinter dem Haus erkunden. So schleicht sich Bruno zu einer seltsamen Ansammlung von Gebäuden und Menschen, die er von seinem Zimmerfenster aus gesehen hat und die er zunächst für einen Bauernhof hält. Dort trifft er auf den gleichaltrigen Schmuel, der auf der anderen Seite eines hohen Stacheldrahtzauns lebt – der Beginn einer intensiven Freundschaft. Zuerst versteht Bruno nicht, was es mit dem Lager und seinen Bewohnern auf sich hat, aber dann beginnt er den Schrecken zu ahnen. Eines Tages will er sich Gewissheit verschaffen und gerät selbst in die Maschinerie der erbarmungslosen Lagerrealität.

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Cast & Crew

Drehbuch
Filmdetails Der Junge im gestreiften Pyjama
Genre
Drama, Thriller, Kriegsfilm
Zeit
1940er Jahre, Vergangenheit, Zweiter Weltkrieg
Ort
Berlin, Deutschland
Handlung
Antisemitismus, Bruder-Schwester Beziehung, Ehekrise, Ehemann-Ehefrau-Beziehung, Freundschaft, Gaskammer, Jude, KZ-Häftling, Kommandant, Konzentrationslager, Mutter-Sohn-Beziehung, Nationalsozialismus, Nazi, Offizier, Pyjama, Schutzstaffel (SS), Soldat, Vater-Sohn-Beziehung
Stimmung
Berührend, Ernst, Traurig, Verstörend
Verleiher
Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
Produktionsfirma
Heyday Films, Miramax Films

Kritiken (12) — Film: Der Junge im gestreiften Pyjama

SoulReaver: CinemaForever, D3M

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3.0Schwach

»SoulReaver und lieber_tee in den Untiefen des ganz normalen Genrewahnsinns«

Teil 8
H...wie Holocaust.

[http://www.moviepilot.de/liste/soulreaver-und-lieber_tee-in-den-untiefen-des-ganz-normalen-genrewahnsinns-soulreaver]

Leichtfüßig sausen Bruno und seine Freunde mit ausgebreiteten Armen durch die belebten Straßen Berlins; hinter ihnen heben sich die Hakenkreuzfahnen mit dem Wind sanft von den steilen Hauswänden ab, während vor ihm Juden unter Tränen gewaltsam aus ihren Wohnungen auf die Ladeflächen der LKW's gestoßen werden. Bruno hat kein Auge für das Grauen dieser Zeit, welches sich genau vor seiner Nase abspielt, er konzentriert sich hingegen ganz auf die Imitation der brummenden Motorengeräusche deutscher Jagdflieger. Genauso wenig kann der 8-jährige Sohn eines frisch zum Kommandanten eines Vernichtungslagers nahe Auschwitz' beförderten Nationalsozialisten verstehen, warum er und seine Familie nun auch noch aufs Land ziehen müssen, weg vom Trubel der Metropole, weg von seinen Freunden und seiner liebgewonnenen Schule. Dies ist die bedeutungsschwangere und auf Kontraste erpichte Exposition von Mark Hermans polarisierender Romanadaption „Der Junge im gestreiften Pyjama“. Sie kündigt bereits an, wie behutsam er eigentlich anhand der kindlichen Perspektive durch das schwarze Kapitel internationaler Historie führen möchte, die subtile Sensibilität aber schnell gegen plakative Symbole eintauscht, um das dröge Spiel auf der Manipulationsklaviatur nachhaltig zu intonieren.

Es ist ja immer ein Schwieriges, den Holocaust adäquat mit filmischen Mitteln zu thematisieren. Exemplarisch dafür dient Steven Spielbergs gemeinhin als Meisterwerk verschrienes Drama „Schindlers Liste“, der in seiner Intention sicher Ehrenwertes erzielen wollte, sich in seiner subjektiven Umsetzung aber in den Mechanismen blanker Hollywoodblockbuster verheddert und formal gar zur geschmacklosen Spannungsklimax in der Gaskammer auffährt. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ hat gegen Ende eine ähnliche Szene zu bieten, ebenfalls in der Gaskammer, zwar nicht auf blankem Suspense gebettet, aber mit einer existenzialistischen Frage im Schlepptau, die in einem Film dieser Couleur aus ethischer Sicht wenig vereinbar scheint. Bis „Der Junge im gestreiften Pyjama“ aber zum großen Finale schlägt und seine primäre Absicht, die Illustration des Schreckens der Schoah durch den naiven Blick eines Kindes, endgültig über den Haufen wirft, trifft der Film in den gut 80 Minuten zuvor, im Kontext seines Inhalts respektive seines Anliegens, kaum einen geraden Ton. Den Holocaust durch die Augen eines Kindes zu vermitteln, ist an und wir sich nicht verwerflich, „Der Junge im gestreiften Pyjama“ aber fiktionalisiert die Geschehnisse vor und hinter dem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun nicht nur, er trivialisiert sie ebenfalls. Auch wenn Bruno nicht hinter den Horror des Vernichtungslagers schauen kann, der Zuschauer erkennt die Verschiebung genereller Tatsachen von vornherein.

Obgleich die Vorlage von John Boyne bereits mit geschichtlicher Inkorrektheit glänzte, blieb der Freiraum der eigenen Gestaltung der beschriebenen Umgebung. Im Film wird das Arbeitslager, welches für Bruno ein Bauernhof darstellt, zu reinen Farce. Mit Zäunen, durch deren Maschen man mit einem Kopfsprung wohl verschwinden könnte und nicht existenten Wachen, haben wir hier das Abbild eines milderen Gefangenenlagers, nicht aber das eines Arbeitslagers. Die Ansichten Brunos hätten nach seinen Vorstellungen deutlich gemacht werden dürfen, „Der Junge im gestreiften Pyjama“ versucht diskret  zu verhandeln, um dann im nächsten Augenblick das transparente Fundament doch mit heulenden Sirenen auf das Elend aufmerksam zu entblättern und findet dadurch keinen kombinierten Weg, die permanente Irritation des Zuschauers zu umschiffen. Versucht man sich mit diesen Ungereimtheiten zu arrangieren und Teil der Freundschaft Brunos und Schmuels zu werden, die offen miteinander reden dürfen, während die familiären Strukturen auf beiden Seiten langsam zerbrechen, bekommt man es mit schemenhaften Skizzen kindlicher Unschuld zu tun. Pausbäckchen und strahlend blaue Augen interagieren, lachen, schmieden Pläne, lassen den Zuschauer aber nicht angesichts ihrer Lage verzweifeln, sondern aufgrund der vom Drehbuch auferlegten Plakative, die alles ins Reißerische drängt.

Wer sich bei „Der Junge im gestreiften Pyjama“ unfähig zur Empathie fühlt, der muss nicht mit schlechtem Gewissen das Weite suchen. Das Problem liegt im bedrängend manipulativen Habitus der gesamten Inszenierung, die natürlich noch durch James Horners hochdramatisches Gesäusel weitreichend untermalt wird, während gesichtslose Stereotypen in einer erst unbefangenen, dann überemotionalisierten und schließlich gänzlich entrückten Welt aus matten Symbolen und törichten Metaphern zum Scheitern verurteilt sind – Genau wie der Zuschauer allein auf einsamer Flur verweilt und sich jeder mechanischen Stimulation verwehrt. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ wird zum überfrachteten Kino ohne grünen Zweig, Kino zum Vergessen, zum Übergehen und Ignorieren. Und genau das sollte ein Film dieses Themas doch nun wirklich nicht sein.

„Childhood is measured out by sounds and smells and sights, before the dark hour of reason grows.“ John Betjeman

Kritik im Original 25 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 6 Antworten

SoulReaver

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Vielen Dank!


JackoXL

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Siehe die Antwort zu dem Kommentar von tee. ;)


stuforcedyou: Die Drei Muscheln, CinemaFo...

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3.5Schwach

Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers schafft es nicht die grausamen Verbrechen in den KZs komplett aus dem Blickwinkel eines Kindes zu erzählen. Immer wieder driftet Regisseur Mark Herman ins reißerische ab und zerstört so viel von der bedrohlichen und erschütternden Atmosphäre. Doch das Ende, das gleichermaßen bedrückt wie schockiert, setzt einen adäquaten Schlusspunkt in einem gut gemeinten aber nicht immer geglückten Film gegen das Vergessen.

18 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...

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4.0Uninteressant

Die Geschichte, so packend auch erzählt, ist reiflich naiv, märchenhaft, konstruiert und unrealistisch. Kinder wurden in den Lagern in der Regel schon nach der Ankunft umgebracht, dass ein jüdischer 8-jähriger Junge hier noch am Leben ist und einfach so am Zaun rumsitzen kann, gar mit dem Sohn eines deutschen Lagerkommandanten an einem einfachen Maschenzaun Dame spielt- total wirklichkeitsfremd. Besonders hanebüchen der Schluss: Wenn es so einfach wäre, ein Loch zu buddeln und unter dem Zaun hindurch zu krabbeln, dann wären wohl viele Häftlinge geflohen. In Wirklichkeit haben zahlreiche KZ-Insassen am gefährlichen Elektrozaun Selbstmord gemacht.

3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 9 Antworten

julius.hibert

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"aber jeder Film gegen Nazis ist auf dem richtigen Weg. "

finde ich nicht. Jeder Film der Aufklärt ist auf dem richtigen Weg!


Kate Portman

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@julius.hilbert: Wieso?


Philipp Bühler: Berliner Zeitung, fluter Philipp Bühler: Berliner Zeitung, fluter

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2.0Ärgerlich

Gedreht nach dem gleichnamigen Kinderbuch von John Boyne, ist die an Roberto Benignis "Das Leben ist schön" (1997) erinnernde Herangehensweise des Films nicht unbedingt illegitim. Die allzu eleganten Bilder – eher englischer Landadel als deutscher Muff – wirken zwar kaum authentisch. Aber der perfide Täuschungsapparat der Nazi-Scheinwelt ist hier gewissermaßen Thema. Und der Schrecken bleibt mit ein wenig Vorinformation stets präsent. Dennoch muss man auch den drastischen Schluss erwähnen, um den viele Kritiker/innen einen Bogen machen. Manche Filme verharmlosen den Holocaust. Manche nutzen ihn für brutale Schockeffekte. "Der Junge im gestreiften Pyjama" schafft beides und hinterlässt damit große Ratlosigkeit. Wo von den Gaskammern erzählt wird, ist das unvermeidbar. Aber Sehen ist nicht gleichbedeutend mit Verstehen. Das zu suggerieren, ist die größte Täuschung von allen.

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ThomasNeuhauser: arte ThomasNeuhauser: arte

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7.5Sehenswert

Schon die Romanvorlage wurde kontrovers diskutiert und auch die solide und relativ aufwändig inszenierte Verfilmung dürfte unterschiedlich aufgenommen werden – kalt wird sie jedoch niemanden lassen. Die Stärke und gleichzeitig das Problem des Films ist seine extreme Emotionalisierung dieser schrecklichen Geschichte, indem er sie aus der Perspektive unschuldiger Kinderaugen erzählt.

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Peter Zander: Welt, Berliner Morgenpost Peter Zander: Welt, Berliner Morgenpost

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7.5Sehenswert

Nur ganz am Ende geht dieses Konzept nicht mehr auf. Dann nämlich - dürfen wir auch das schon verraten? - wenn der Junge draußen sich schließlich auch einen "Pyjama" überzieht und unter dem Zaun ins Lager kriecht. Im Roman wird das viel zu spät bemerkt; der Film aber spielt spannungsdramaturgisch mit dem Kitzel, ob die Eltern ihn doch noch rechtzeitig vor dem Gang in die Gaskammer retten können. Hier wird um ein arisches, ein Täterkind mehr geweint als um das Los zahlloser Opfer. Das freilich ist eine Zumutung, die kaum zu ertragen ist - und dem pädagogischen Ansatz vollkommen zuwiderläuft.

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patcharisma

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Nur weil Du für die lokale Pfadfinder-Postille Lagerberichte verfasst & Dich deshalb Kritiker nennst, musst Du deswegen nicht Filme SPOILERN- das ist eine endlose Sauerei!


JimSommer

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>>> SPOILER-WARNUNG!!! <<<

"... dürfen wir auch das schon verraten?
NEIN!!! Das ist doch schon bösartig und dann auch noch für so eine unreflektierte Kritik ohne jeden Mehrwert. Du zerstörst hiermit gezielt die Dramatik - was soll das? ;-(

Der Junge nur Vehikel um das Grauen erfahrbar zu machen, wir werden im dreifachen Sinne Opfer, als Junge, als Mutter und Teil der Gruppe der, pädagogischen Ansatz ist radikal und geht voll auf.

>>> SPOILER-WARNUNG!!! <<<


Enk: Mental Savage Enk: Mental Savage

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4.0Uninteressant

[...] Die Inszenierung des Briten Mark Herman strotzt vor Platitütden und Trivial-Symbolik. Da geht der Schreibtischtäter mit einem dramatischen Federstrich zu Werke, die Nazi-Familie sitzt am reich gedeckten Tisch während der ausgemergelte KZ-Häftling in gestreifter Insassenuniform direkt daneben Kartoffeln schälen muss, der kleine Junge schaukelt fröhlich im Garten, während vom KZ-Schornstein am Horizont schwarzer Rauch aufsteigt [...]

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isinesunshine: isinesunshine.de

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7.0Sehenswert

Neben der infantil-naiven Wahrnehmung und Sicht z.B. auf die KZs schneidet der Film durch die Mutter des Protagonisten auch die allgemeine naive Sicht an. So weiß die Frau des Konzentrationslager-Vorstehers nicht, dass die Inhaftierten das Lager nur auf einem Weg verlassen - durch den Schornstein. Dies wird heute oft als Augenverschließen zutiefst missbilligt; aus Zeitzeugenberichten weiß ich allerdings, dass das Nicht-Wissen gerade unter Frauen stark verbreitet war - selbst dann, wenn sie in der nähe eines Konzentrations- bzw. Endlagers lebten. Insofern ist dem Film ein hoher Grad an Realitätsnähe diesbezüglich kaum abzuschreiben.

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G. Jekubzik: Filmtabs G. Jekubzik: Filmtabs

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5.0Geht so

Die zynische „Tragödie“, die den Clou der Geschichte bildet, wird nach kurzem Aufwallen grausam nüchtern verzeichnet, ein bitterer Hohn. Und der finale Missklang, dass einem über den Umweg eines kleinen nicht-jüdischen Jungen das Schicksal von Millionen umgebrachter Juden nahe gebracht werden soll.

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Christian H.: Kino, TV und Co, Wicked Vis...

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9.0Herausragend

Handwerklich, wie schauspielerisch auf hohem Niveau, inhaltlich aufrüttelnd und berührend, wird sich „Der Junge im gestreiften Pyjama“ mühelos seinen Platz in den zahlreichen Filmen über den Holocaust sichern. Ein Film, der vielleicht der bessere „Das Leben ist schön“ ist, weil er der unaufgeregtere, stimmigere, aufwühlendere und bewegendere Film von beiden ist. Ein Film noch dazu, der in seinem letztlichen Abschluss, von einer unerbittlichen Konsequenz ist, die gerade mit dem Roman nicht vertraute Zuschauer in einen Zustand der Erschütterung versetzen wird, der lange über den Kinobesuch anhalten wird, und somit von nachhaltiger Natur ist.

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Dirk Lüneberg: Stadtmagazin [030], film.de...

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6.5Ganz gut

Vom Umzug aus Berlin aufs Land ist Bruno (Asa Butterfield) alles andere als begeistert. Nicht nur das tolle große Haus, in dem er mit seiner Familie wohlbehütet aufgewachsen ist, muss der Achtjährige verlassen, auch all seine Freunde bleiben zurück. Und als die Familie in einem zwar ebenso geräumigen, aber auch reichlich tristen Anwesen ankommt, ist eins schnell klar: So bald wird Bruno hier keine neuen Freunde finden, denn Nachbarn sind weit und breit nicht in Sicht.

Ein wenig Hoffnung schöpft der Junge, als er ein paar hundert Meter entfernt so etwas wie einen Bauernhof entdeckt. Zwar wird Bruno von seiner Mutter strikt untersagt, das Grundstück zu verlassen, doch die Neugierde eines Achtjährigen ist naturgemäß stärker als alle elterlichen Verbote. So schleicht er sich heimlich davon und entdeckt ein eingezäuntes Barackengelände. Jenseits des Stacheldrahtzauns hockt der ungefähr gleichaltrige (Jack Scanlon), der zu Brunos Verwunderung am helllichten Tag einen gestreiften Schlafanzug trägt. Die beiden freunden sich durch den Zaun hindurch an und Bruno besucht Shmuel von nun an regelmäßig.

Wenn man noch weiß, dass die Handlung Anfang der 1940er Jahre einsetzt und Brunos Vater ein hochrangiger SS-Offizier ist, wird schnell klar, was es mit der Geschichte auf sich hat. Diese wird dramaturgisch schnörkellos, in schlicht gehaltenen Bildern und mit leichtem Hang zur gepflegten Langeweile erzählt. Gebrochen wird dieses vermeintliche Heile-Schuljungenwelt-Szenario durch ein drastisches Ende, das einen in seiner unerwarteten Radikalität betroffen bis erschreckt zurücklässt.

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Claudia Puig: USA Today Claudia Puig: USA Today

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9.0Herausragend

Zweifel müssen, was die Geschichte angeht, ausgelassen werden, um sie hypnotisierend und beunruhigend wirken zu lassen. Die Schauspielerleistungen sind gut, das Visuelle atemberaubend und die Geschichte packend genug, um ihr einige Inkonsistenzen oder Inauthentizität zu verzeihen. Beispielsweise haben alle Darsteller einen britischen anstatt deutschen Akzent und die Sicherheitsmaßnahmen im KZ sind lax.

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Kommentare (102) — Film: Der Junge im gestreiften Pyjama


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tobiderboss

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Bewertung9.5Herausragend

Ich finde den Film traurig und hart. Jeder sollte sich den zumindest mal angesehen haben. Ob das Buch besser ist als der Film ist scheiß egal. Fakt ist der Film ist hart und überzeugt (zumindest in meinen Augen) mit authentischen Bildern.

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Lili 9ochefort

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Bewertung7.5Sehenswert

Stimmt schon man der Junge im gestreiften Pyjama an manchen Stellen besser machen können, aber mich hat der Film dennoch bewegt. Mir hat die Freundschaft zwischen Bruno und Schmul gefallen. Die anderen Charaktere werden größtenteils gut beleuchtet, so ist der Vater der Soldat der eben der (in die Irre geführten wurde, das es zwei unterschiedliche Menschen auf der Welt gibt, die Herrenrasse und die Untermenschen) und bei der Tochter funktioniert dieser Mechanismus auch so langsam, nur die Mutter stellt schon die Frage,.. *was hat das mit Krieg zu tun,... (tja gar nicht wie ich meine, leider sind die Lügner und Verführer viel zu spät entlarvt worden)
Tja, wie gesagt ich fand den Film bewegend, eben wegen Schmul, und auch nicht so oberflächlich wie manch anderer hier obwohl ich schon sagen muss das ab und zu mehr Tiefe nicht geschadet hätte.
Ich vergabe 7,5 Punkte, aber ganz zu meinen Favoriten zähle ich den Film nicht. Mir hat Sophie Scholl, Das Tagebuch der Anne Frank oder Schindlers Liste da eben besser gefallen.
Aber den Jungen im getstreiften Pyjama kann man sich auf jeden Fall auch ansehen. :)

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RoboMaus

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Den Film haben meine Kids im Alter von ca. 10 und 12 J. aus eigenem Antrieb gesehen und fanden ihn gut. Ein grösseres Kompliment kann es für einen Film mit dieser Thematik kaum geben :)
Gerade in Deutschland ist der Umgang damit häufig immer noch krampfhaft, und man erreicht mit der sogenannten Aufklärung eher das Gegenteil. Kein Wunder, dass die Kids das verarschen und sich gegenseitig 'hitlern', auch auf den Handys. Eigentlich recht witzig.


lieber_tee

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Bewertung5.0Geht so

»SoulReaver und lieber_tee in den Untiefen des ganz normalen Genrewahnsinns«
#8
H…wie Holocaust-Film.
Der Holocaust-Film hat meist melodramatische Merkmale. Er stellt (Einzel-) Schicksale im Kontext der Geschichte. Auf einen Roman oder Zeitzeugenbericht begründet wird im Rahmen einer warnenden Erinnerungskultur vom Zuschauer Wissen um die historischen Hintergründe vorausgesetzt um diese emotional erfahrbar zu machen. Die Schwierigkeit der filmischen Darstellung eines Völkermordes liegt in den Grenzen von Bildern, einhergehende Verharmlosung und reißerische bzw. trivialisierende Ausbeutung ist möglich.
„Der Junge im gestreiften Pyjama“ bewegt sich in diesem Spannungsfeld. Die Idee (nach einer Romanvorlage) den Holocaust durch das Prisma eines achtjährigen, deutschen Jungen dem Zuschauer nahe zu bringen ist zugleich seine Stärke und Schwäche. Als Jugendfilm angelegt, versucht er das komplexe Thema der Judenvernichtung auf die wesentliche und notwendige Empathie herunter zu brechen. Etwas Unvorstellbares aus der naiven Sicht eines Kindes zeigen um es erfahrbar und spürbar zu machen. Relativ konsequent bleibt der Film auf Augenhöhe seines jungen Protagonisten. Mit Forschergeist, Neugierde und Einfachheit erkunden wir die Grausamkeiten der Schoah.
Die Randfiguren (Familie, Bedienstete) bleiben dabei allerdings seltsam flach, werden nur fahrig in ihren Konflikten angerissen. Ebenso Themen wie Nazi-Propaganda, -Erziehung, -Manipulation, Familienhierarchien, unkritischer Gehorsam und latenter Widerstand. Alles wird kurz angesprochen, stark (aus Kindersicht?) vereinfacht. Selbst das Kernthema, die Freundschaft zwischen zwei Buben, bekommt nur symbolische Sequenzen, bleibt oberflächlich.
Der wichtigste Aspekt des Films ist Naivität. Nicht nur die Arglosigkeit von Kindern auch entsprechende Versionen bei Erwachsenen (siehe z.B. Mutterrolle). Die Dauerhaftigkeit dieses Motivs untergräbt zunehmend die Glaubwürdigkeit des Films, sie wird bis zum Maximum ausgereizt. Der hohe Pegel an Unwissenheit (und an unkorrekten historischen Fakten) aller Beteiligten, auch die des Jungen im KZ, wirkt unrealistisch. Er hat offensichtlich den zweckdienlichen Sinn der Geschichte den vorhersehbaren und mehrmals angedeuteten letzten erschütternden Akt mit moralischen und pädagogischen Zeigefinger aufzudrücken.
So wirkungsvoll und grausam am Ende den Unschuldigen die Unschuld geraubt wird, so zwiespältig ist der Beigeschmack, das hier aus Täten (die Eltern) Opfer gemacht werden. Hier folgt der Film einer einfachen, linear-moralischen Bestrafungs-Logik. Unter dem Motto „Man erntet, was man sät“. Das mag emotional verständlich sein, dem komplexen Thema der einzigartigen Massenvernichtung von Juden unter der nationalsozialistischen Herrschaft wird es nicht gerecht. Es wirkt trivial, banal auf ein melodramatisches Klischee reduziert.
Letztlich ist „Der Junge im gestreiften Pyjama“ dann doch nur Betroffenheitskino. Betroffenheit ist per se nicht schlimm, im Gegenteil es setzt Einfühlungsvermögen, Identifikation und Mitgefühl voraus. Der Film bleibt aber bei diesem Aspekt stehen, geht nicht weiter. Eine weitergehende oder konkrete Reflektion findet nicht statt. Das ist aber bei einem Holocaust-Film unersetzbar, notwendig. Wohlwollend gesehen kann diese Romanverfilmung die mögliche Grundlage für eine tiefer-gehende Auseinandersetzung sein. Auf mich wirkt seine gute Absicht die Judenvernichtung erfahrbar zu machen zu flach und gewollt.
[http://www.moviepilot.de/liste/soulreaver-und-lieber_tee-in-den-untiefen-des-ganz-normalen-genrewahnsinns-soulreaver]

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filmschauer

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Mich hat der Film seinerzeit dann doch so sehr gepackt, dass ich seine formalen Schwächen dieser eingeschränkten Kinderperspektive nachsehen konnte. Ich habe den übrigens auch im Nachtprogramm gesehen, ganz unvorbereitet, bis zum bitteren Ende.


lieber_tee

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Der Film hat mich berührt. Ich war betroffen. Das war es dann aber auch. Kein Nachhall.


DKennyK

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Bewertung7.0Sehenswert

DER JUNGE IM GESTREIFTEN PYJAMA offeriert eine interessante Perspektive auf den Holocaust.
Leider spielt der Hauptdarsteller nicht sonderlich gut und kann mich auch nicht wirklich erreichen. Daher ist der Film auch über manche Strecken ein eher durchschnittliches Drama, das zudem teils über manche (kleineren) Aufbauprobleme verfügt. Dann jedoch überzeugt mich das gleichzeitig unerwartete und erfreulich konsequente Ende umso mehr, sodass ich den Streifen als Ganzes unterm Strich doch als "Gut" betiteln kann. Auch dank der stimmigen Filmmusik bleibt dieses Werk länger im Gedächnis.

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CrazyWizard

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Bewertung7.5Sehenswert

Toll, wie "Der Junge im gestreiften Pyjama" die Naivität eines Kindes im Angesicht des Grauens hinter dem eigenen Haus illustriert. Asa Butterfield spielt seine Rolle mittelmäßig, zu linear wirkte seine Mimik. Der restliche Cast macht seine Sache gut. Das Buch ist toll, das Ende berührt auch durch die starke Musik ungemein und lässt einen nicht nur einmal schlucken. Ausgezeichnet ist gelungen, dass man an der Figur der Gretel auch sehen kann, wie die Propaganda eben auch wirken konnte auf die Kinder. Ordentliche Umsetzung des Buches, auch wenn mir trotz der tollen Geschichte einfach noch Interaktion fehlte, der Film hätte tiefer gehen können, wenn er länger gewesen wäre. Hier wäre es angebracht gewesen!

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countcount

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Leider ist der Film in vielen Bereichen nicht ganz 100% realistisch denke ich. Er verharmloste sogar einiges. Jüdische Kinder wurden z.B. so weit ich weiß direkt nach Ankunft im KZ von der Familie getrennt und meist als erstes umgebracht und hätten sicher nicht dort am Rand miteinander spielen können. Auch das die Frau des Oberkommandanten so gar keinen Plan und ahnungslos gewesen sein konnte, bezweifel ich mal. Darüberhinaus gefiel der Film mir aber. Wegen dem starken Ende bekommt der Film von mir insgesamt noch 8 Punkte.
Noch etwas bessere Filme zu deisem Thema: "Das Leben ist schön", "Der Pianist" oder "Schindlers Liste" kann ich zu diesem Thema auch noch guten Gewissens empfehlen.

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monstermango

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Die Kinder wurden nicht immer von ihren Eltern getrennt. Es gab teilweise auch Baracken für Kinder. Und leider wussten die Angehörigen wirklich nicht immer,was genau dort ab lief.


oliver.dambeck

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Bewertung6.5Ganz gut

Ich weiss nicht mehr, ob es Claude Lanzmann oder Marcel Ophuels war der sagte, dass die Schamgrenze im KZ-Film immer an der Gaskammertuer endet. Weiter sollte man sich nicht trauen zu gehen in einem Film. Nun, dieser Film traut sich weiter (auch "Kornblumenblau" von Leszek Wosiewicz traute sich schon etwas weiter, bei Schindlers List war es eine "nur" echte Dusche) und hier ist es auch noch ein "Kinderfilm"! OK, das Zitat ist schon 20 Jahre alt und dass das funktioniert ist schon einzigartig, aber das ist nicht das einzig erstaunliche an diesem Film. Aber allein, dass ein Film versucht das Grauen der Judenvernichtung aus Kindersicht fuer juengere Menschen begreiflicher zu machen, ist schon toll.
Auch der ganze Spannungbogen, die Kinderneugierde vor dem grausigen Hintergrund und die hervorragend ausgearbeiteten Konflikte halten den Film am laufen.
Natuerlich gibt es auch viele Schwaechen: der englische Akzent der Nazis, die Logikloecher, so gross wie Bombenkrater (Freunschaft durch den Stromzaun? Einfach unter dem Zaun durchkettern? usw.) und die Gefahr der Trivialiserung durch das Aussparen vielen Tatsachen (die der Zuschauer eben einfach wissen muss), aber die Positve ueberweigt hier doch bei weitem.
Verna Farmiga spielt hervorrgend, David Thewils ist ok aber die kids bringen am meisten rueber: Asa Butterfield, der mit 10 Jahren fast den ganzen Film traegt, da er fast in jeder Szene ist und Jack Scanlon als Shmuel als er titelgebende Junge.
James Horners Soundtrack ist auch besonders zu erwaehnen, da er hier seine ganze Bandbreite passend einsetzt und die Stimmungen des Film dramatisch verstaerken kann.
Auch bleibt das ganze Thema aktuell, denn auch heute gibt es viele. die alle Moral sausen lassen, solange die Kohle stimmt.
So bleibt uns noch die Erinnerung an eben jene Kinderzeit, in der die Welt noch nicht begreifbar war und man dennoch einfach auf Entdeckungsreise gegangen ist, vor dem Verlust der Unschuld durch Erkenntnis.

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CHF

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Bewertung5.0Geht so

Auschwitz als Ferienlager - oder die missverstandene Welt eines 8jährigen, der als dankbares Opfer der Nazi-Propaganda dargestellt wird.

Hm....

Da schwingt immer so eine britische Moralkeule zwischen den Zeilen herum, so nach dem Motto, seht her, es hat euch doch früher einen Scheiss interessiert, aber was wäre gewesen wenn ..... ja dann wäre das Geschrei gross.

Es gibt zwar Entlastung in Form von Unkenntnis, selbst die Frau des Lagerkommandanten glaubt eine Zeit lang an Müllverbrennung, wenn die schwarzen Wolken emporsteigen und es gibt auch einen Propaganda-Freifahrtschein, der die Vernichtungslager als eine Art Ferienwelt verschleiert.

Trotzdem, irgendwo ist dieser Film ein Vorwurf, gespielt von Asa Butterfield, mit der Botschaft, sucht es euch aus, entweder wart ihr blind,dumm, naiv oder nicht älter als 8, oder sogar alles gleichzeitig.

Ich möchte hier widersprechen, es gab Menschen, so wie mein Grossvater, die waren nicht angriffslustig und auch nicht besonders reisefreudig, aber dennoch sind sie nach Kiev gefahren, um die Pläne des Führers zu gestalten, nicht weil sie diese guthiessen, sondern einfach nur, weil die Entscheidungsfreiheit mit der Bajonett-Spitze am Hintern etwas "eingeschränkt" war.

Man kann sich diesen BBC-Stuss anschauen, aber wer einen echten Einblick in die damalige Zeit haben möchte, der sieht sich Polanski´s "Der Pianist" an.

Das hat mehrere Vorteile, zum einen bleibt man von dem miefigen Subtext verschont und zum anderen gibt es da jede Menge Beteiligte, die wissen wie man gute Filme macht und man erlebt die Betroffenheit nicht als Diktat, diese ergibt sich da von ganz alleine.

Fazit: 5 Punkte für die Intention (aber auch NUR dafür)

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pischti

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Mir gefiel er zwar etwas besser als Dir, kann aber die Kritik gut verstehen. Ich selbst habe den Pianisten leider mal irgendwann nebenbei gesehen, das bedeutet, dass ich nur Brocken wirklich konzentriert gesehen habe. Wird definitiv nochmal angesehen. Dem Lob für Deinen Kommi schließ ich mich an ^^


CHF

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Danke...ja nimm dir unbedingt mal Zeit für eine Zweitsichtung des Pianisten. Lohnt sich definitiv, am besten ohne Störfaktor.


jan christian

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Bewertung9.5Herausragend

„Der Junge im gestreiften Pyjama“ erzählt die Geschichte des achtjährigen Bruno, dessen Vater als SS-Offizier zu Beginn der Erzählung zum Kommandanten eines Arbeitslagers befördert wird. Die Familie bezieht eine Villa in unmittelbarer Nähe zum Lager; Bruno wird jedoch nicht eingeweiht, worum es sich bei der Anlage handelt – er hält das Gelände für einen Bauernhof. Auf einem heimlichen Streifzug durch die Umgebung gelangt Bruno an die Grenze des Arbeitslagers und freundet sich mit dem gleichaltrigen jüdischen Jungen Schmuel an, der sich auf der anderen Seite des Stacheldrahtzauns befindet.
Bruno ist gutherzig, unschuldig und naiv – ein achtjähriges Kind eben, und so betrachtet er die Welt. Als er Schmuel auf der anderen Seite des Zauns trifft, dessen Gefangenenkleidung er als Teil eines Spiels interpretiert, empört er sich: „Das ist ungerecht! Während ich ganz allein bin, kannst du den ganzen Tag mit deinen Freunden spielen.“ Später lädt er Schmuel zum Essen nach Hause ein; als dieser auf den Stacheldraht verweist, antwortet Bruno: „Ich dachte, das ist, damit die Tiere nicht weglaufen?“ Bruno ist somit weder Täter noch Opfer, gehört aber auch nicht zu denen, die nicht wissen, weil sie es nicht wollen und wegschauen – er kann es nicht besser wissen. Die Geschehnisse des Holocaust übersteigen den Horizont eines achtjährigen Jungen; durch die Augen dieses Kindes wird der Horror nicht ersichtlich. Mit seiner Naivität und Menschlichkeit bewahrt er sich die Unschuld – zu welchem [Mini-SPOILER] fürchterlichen Ende das führt, ist der schockierende, aber konsequente Schlusspunkt der Erzählung.
Als Film der 2000er-Jahre beschreitet „Der Junge im gestreiften Pyjama“ kein cineastisches Neuland. Es finden sich Motive vieler älterer Holocaust-Dramen wieder, insbesondere des 1997 erschienenen italienischen Films „Das Leben ist schön“, in dem ebenfalls die Geschichte eines Kindes in einem Konzentrationslager erzählt wird. Dennoch trägt dieser Film mit einem neuen Ansatz zur Pluralisierung der Erinnerungsdiskurse bei, indem die Geschichte ausschließlich aus der Perspektive des achtjährigen Kindes erzählt wird. Dabei sind filmische Auseinandersetzungen mit dem Holocaust alles andere als unproblematisch. Der französische Regisseur Claude Lanzmann sagte einmal, dass es jenseits der Dokumente keine Bilder geben könne, weder erfundene noch nachempfundene. So kann denn auch darüber gestritten werden, ob diese Dramaturgie im Gewand einer fiktiven Familiengeschichte und Coming-of-Age-Story notwendig ist, um darzustellen, wie falsch die Greueltaten der Nationalsozialisten waren. Die emotionale Bindung der Zuschauer und deren Erinnerung oder Bewusstwerden dieser Taten sind damit jedoch gewährleistet. Bruno und Schmuel, die Freunde, die eigentlich Feinde sein müssten, werden zu Hoffnungsträgern in grausamen Zeiten. Dies ist die große Stärke dieses Films: Mit ihrer packenden und bewegenden Inszenierung eines grausamen Ereignisses, das Generationen zurückliegt und leicht vergessen werden könnte, aber nicht vergessen werden darf, dürften die Macher vor allem bei einem jüngerem Publikum eine große Sensibilität für dieses Thema erreicht haben. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ ist nicht als Geschichtsstunde geeignet – er transportiert jedoch eine wertvolle Botschaft, die ihre Wirkung nicht verfehlt.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber auch sie wird sterben.“

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Ansi

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Auch eine teils sehr schöne und auf der anderen Seite markerschütternde Filmmusik von James Horner ;-)


CriniWini

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Bewertung9.0Herausragend

Ich finde den Film "Der Junge im gestreiften Pyjama" ist ein sehr schöner Film. Ich weiß ja nicht wie es damals war, aber ich denke der Film hat es gut dargestellt und auch, dass man auch miteinander befreundet sein kann wenn man verschiedenen Religionen angehört... Wir haben erst letztens in der Schule über diese Lager geredet, da ich bei einem Polen-Austausch mitmache und dort ja viele Lager waren.
Ich habe mir bei diesem Film gedacht: "Wie bescheuert und dumm waren die Menschen früher...? Wieso erzählt man den Kindern so einen Sch***? Wie können WIR früher nur so dumm gewesen sein?"
Dieser Film ist wirklich zu empfehlen, da er echt schön ist und eine rührende Freundschaft präsentiert. Vor allem das Ende zeigt wie stark ein Freunschaft sein kann und wie sehr Rassissmus, Rassentrennung und dieser ganze andere Mist die Menschheit, die Gesellschaft (...) zerstört.

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Stardust.Spectre

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Erwartungen und Vorhersage (7.5) übertroffen. Bei diesem Film sticht besonders die Perspektive der Erzählung hervor: Die Sicht eines naiven Kindes.
Es wird auch nie erwähnt oder eingeblendet, wo und wann in Deutschland genau die Geschichte gerade spielt. Natürlich weiß der geschulte Zuschauer, dass es sich da um keinen "Bauernhof" handelt und auch dass es in den 40er Jahren spielen muss. Ich will eigentlich damit sagen, dadurch, dass nie Orte oder Daten eingeblendet werden stellen die Macher die Geschichte der Jungs und nicht die politischen und genauen historischen Abläufe dieser Zeit in den Brennpunkt, so wie es bei den meisten Filmen um das Dritte Reich der Fall sind.
"Trotz britischer/amerikanischer Produktion" (welche ich sonst bei "Naziverfilmungen" immer nur mit Vorsicht genieße, bsp. "Das Stauffenberg-Attentat") überragender Film mit bewegender Geschichte. Das Ende habe ich "so" nicht kommen sehen.
Wahnsinn.

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Gabuyasha

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Bewertung5.5Geht so

Ist eigentlich eine nette Vorführung über die Grausamkeit von Nazis. Allerdings wirkt dieser Film eher Langweilig als spannend. Das Drama am Ende ist zwar super gespielt, aber auch hier fehlt die Logik:SPOILER Warum passierte die Vergasung genau dann, wenn Bruno ins Lager kommt? Denn genau in dem Moment beschlossen die Nazis, sie zu vergasen. Warum?SPOILER ENDE
Fazit: In der Schule recht netter Einführungsfilm in die Grausamkeit des zweiten Weltkrieges. Allerdings nicht so meins.... A hui hou

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Gabuyasha

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Da hast du recht.


magic-dream

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Das war ein unglücklicher zufall, das zusätzlich symbolisch gemacht wurde, um deren Verbrechen nochmal zu untermalen und so ein faden beigeschmack auf das Ende nehmen wollte.


andosonnen

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Bewertung9.5Herausragend

Story/Idee : 7/10
Umsetzung/Handlungsaufbau: 9/10
Schauspiel/Cast : 9/10
Bild/Kulisse/Effekte : 8/10
Ton/Soundtrack : 8/10
[Bonus]: guter Spannungsaufbau, wirkendes Ende

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Alienator

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Auschwitz aus Kindersicht

Ich hatte bereits mal in einen anderen Kommentar erwähnt, das man das Grauen des Holocaust unmöglich in seinem Ausmaß zeigen kann. Dies ist nicht fassbar. Man kann zwar versuchen einige Aspekte rauszunehmen, aber man kann nie das begreifen was in dieser Todesmaschinerie vor sich ging. Das können wir nicht, die nicht dabei waren. Wir sehen nur Dokus, Spielfilme, Reportagen, vermurkste Guido Knopp Pseudojournalistenfilme. Aber erklären können wir nichts. Wenn wir uns das schon nicht erklären können, wie sollen wir das dann unseren Kindern erklären? Wie sollen wir ihnen erklären und klarmachen, dass so etwas nie wieder passieren darf? Ein sehr heikles Thema. Und dieses dann auch noch filmisch umzusetzen ist noch schwieriger als darüber ein Buch zu schreiben. Die literarische Vorlage war schon gewagt als Kindergeschichte. Und dieser Film ist ebensolch ein Wagnis. Eine Kindergeschichte über bzw. mit den Holocaust? Geht das. Ja es geht. Auch wenn man denken könnte das Thema wird bagatalisiert und vereinfacht dargestellt, wird es das eben nicht. Durch die geschickte Inszenierung, welches durch die Kinderaugen der Holocaust gezeigt wird, ist genau das wie man Kindern erklären kann was vor sich ging ohne allzu belehrend zu wirken. Spielberg hatte eine ähnliche Geschichte (also nur aus Kindersicht meine ich) mit "Im Reich der Sonne" gedreht. Die war aber nicht mal annähernd so intensiv wie diese hier. Die Geschichte hier konzentriert sich vollkommen auf seine spartanische Umgebung. Einfach und subtil werden hier kleine Szenen gezeigt die aber genau das Grauen versuchen aus Kindersicht zu erklären. Harter Tobak wenn man bedenkt was passiert ist. Und grandios leicht umgesetzt. Nur um zum Schluß mit einem tiefen Loch in der Seele den Zuschauer allein zu lassen. Das Unausweichliche passiert, das Unerklärliche, das Grauen und die Naziideologie vernichtet sich (auch sinnbildlich) selbst. Das Ende ist so bitter wie simpel inszeniert. Ein Schlag in die Magengrube.
Die grandiosen Darsteller, allen vorran die Kinderdarsteller, agieren allesamt realistisch. Zwei Minuspunkte gibt es: Manche szenen wirken zu sehr theatralisch, fast Seifen- Operhaft. Und leider ergibt sich manchmal die Musik von james Horner in treifenden schleim. Die Schlussszene wäre noch intensiver wäre sie absolut geräuschlos. Ansonsten sei hier das Buch "Mama, was ist Ausschwitz?" von Anette Wieviorka zu empfehlen. Wer seine Kinder über den Holocaust aufklären möchte kann das mit dieser Lektüre tun.

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beast667

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Till Schweiger und Konsorten würden mich auch leicht verstören. Gesehen und für sehr gut befunden. Kommentar folgt...


Alienator

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Top.Das freut!


Sayuri Sama

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Bewertung7.0Sehenswert

Wer das Buch kennt, und dann den Film sieht, wird feststellen, dass das Buch detaillierter und ausgetüftelter ist. Aber es ist nie einfach, ein Buch perfekt umzusetzen. Trotzdem ist der Film sehr bewegend und gut besetzt. Ich würde ihn mir immer wieder anschauen.

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danklorix

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Bewertung5.5Geht so

Naja...weiß ja nicht wo die ganzen Bewertungen hier her kommen...kann dem Film irgendwie nichts abgewinnen. Klar ist das Thema immer wieder hart und sollte bei den ganzen glatzköpfigen Dösköppen, auch weiterhin ausreichend filmisch dargestellt werden, um nicht zu vergessen....
Aber dieser Film hat mich etwas enttäuscht...die Kinder spielen authentisch und eigentlich ist das Thema auch gut umgesetzt. Dann fragt man sich jedoch wie dieses Szenario damals ausgesehen hätte...
*SPOILER*... Ich komme dabei zu der Vermutung, dass es wohl nicht so einfach gewesen wäre so nah an ein Konzentrazions-Lager heranzukommen ohne einen Grossalarm auszulösen. Geschweige denn sich in das Lager hinnein zu buddeln...*SPOILER ENDE*
Auch das gerühmte Ende kommt bei mir nicht so gut weg, denn auch wenn die Story damit einen konsquenten Abschluss findet, ist die Auflösung doch vom ersten Moment an vorhersehbar...und genau das ist mein größter Kritikpunkt...es wirkt alles so aufgesetzt und ausgedacht, dabei gibt es doch genug realen Stoff der verfilmbar ist...siehe "Anne Frank" oder "der Pianist", zwei Filme die meiner Meinung nach wirklich zum trauern anregen...diesen Film hingegen finde ich fast schon überflüssig und störend...aber ich mag auch den "Untergang" nicht, bin manchmal halt einfach zu kritisch, grade bei dem Thema.

PRÄDIKAT: Tränendrücker mit Sternchen

"Jedem das Seine"
Leitsatz des Konzentrationslagers Buchenwald

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Alex.de.Large

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein Film der mich sehr bewegt und beeindruckt hat, und dessen Ende mich emotional von Innen nach Aussen gekrempelt zurückliess.
Einen Film über Kinder im KZ zu inszenieren ist ein enormer Balanceakt, der schnell verlogen, rührselig oder zu überzuckert werden kann.

Hier fällt mir der oft hochgelobte "Das Leben ist schön", von und mit Roberto Benigni ein, bei dem ich dachte:

"Sachen, die mein(zynisches)Gehirn sich ausdenkt, während ich einen Film schaue."

#6 "Pee-Wee Herman im KZ"

Gut, das wirkt jetzt in einem Kommentar zu diesem Film unpassend, aber über Benignis Film habe ich mich ehrlich geärgert, während mich dieser hier wirklich im tiefsten Inneren getroffen hat.

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Alex.de.Large

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Zum Glück vorbei. Lass uns das auch mal hier lassen. Hat doch sehr den Content des Ursprungskommentar´s vernachlässigt. Ich melde mich gleich kurz ausserhalb des Kommentar´s nochmal bei dir.


kobbi88

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is besser so :)


mel1202

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Puh, ein Film mit einer langanhaltenden Wirkung.
Die Freundschaft zwischen Bruno & Schmuel, diese traurigen Kinderaugen, Pavel's Schicksal, die Realitätnahen Bilder am Ende, das ist es was mich bei "Der Junge im gestreiften Pyjama" so bewegt hat.
Unsere grausame Geschichte aus Kindesaugen betrachtet.

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kalobo

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Bewertung5.5Geht so

Es gibt zu viele wichtige Lücken zum Buch und zu diesen aus der Sicht dess Jungesn sache kann ich nur sagen es ist ganz gut gemacht jedoch hält das nicht an. Bei jeder szene mit einem Judem will man im Stuhl versinken und diesen scheiss Nazis (eigentlich allen aber diesen am meisten) will man einfach nur die Fresse einschlagen. Das ende ist das beste am Film Gänsehaut pur.

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Nicki Minaj Lover

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Wie sehr ich das heutige Deutschland "liebe"
um so mehr HASSE ich aber das damalige Deutschland

Wenn ich so was wie in diesem Film sehe schäme ich mich doch das das unsere Vorfahren waren ...

mir fehlen die Worte

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