Der Junge mit dem Fahrrad

Le gamin au vélo (2011), FR Laufzeit 87 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 09.02.2012

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6.8
Kritiker
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6.6
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von Luc Dardenne und Jean-Pierre Dardenne, mit Cécile De France und Thomas Doret

Nachdem sein Vater ihn für unbestimmte Zeit in ein Kinderheim gesteckt hat, hat der zwölfjährige Cyril (Thomas Doret) nur den Wunsch, seinen Vater endlich wiederzusehen. Doch als er an dessen Wohnungstür klingelt, muss er erfahren, dass der Vater unbekannt verzogen ist. Die Besitzerin eines nahgelegenen Friseursalons, Samantha (Cécile De France), erbarmt sich seiner und nimmt den Jungen mit dem Fahrrad bei sich auf. Aber der Zorn des Verlassenen stellt Samantha vor so manche harte Probe, da Cyril ihre Mutterliebe nicht sogleich zu erkennen vermag.

Hintergrund & Infos zu Der Junge mit dem Fahrrad

Der Junge mit dem Fahrrad (OT: Le Gamin au Vélo) stammt von den Brüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne. Die beiden Regisseure sind Festival-Lieblinge und haben schon zahlreiche Preise gewonnen, so z.B. die Golden Palme von Cannes für Rosetta sowie für Das Kind.
Erwartungsgemäß war auch Der Junge mit dem Fahrrad künstlerisch wieder ein Erfolg. In Cannes 2011 war er für wieder für die Goldene Palme nominiert und gewann schließlich den Großen Preis der Jury. Auch in Übersee erregte Der Junge mit dem Fahrrad große Aufmerksamkeit: So war er für den Golden Globe als Bester Fremdsprachiger Film nominiert. (EM)

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Cast & Crew


Kritiken (10) — Film: Der Junge mit dem Fahrrad

Mr Vincent Vega: Die 5 Filmfreunde, gamona, ...

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8.0Ausgezeichnet

Der genaue Blick, in immer wieder langen Shots, schwerelos behutsam. Die Feinheiten eines jeden Bildes, präzis vor Augen, unmittelbar am Jungen mit dem Fahrrad. Und keine Nahaufnahme für Cécile De France. Inszenierung, die jeden Ton trifft, ohne überhaupt je melodisch sein zu können. In der emphatischen Sicht auf die Dinge, im Gleichmut ihres Sujets liegt der Dardennes große Meisterschaft. Seicht und bodennah, ja, angekommen in einem gemäßigten Spätwerk seien die Brüder, hieß es aus Cannes, hieß es in der Filmkritik. So dies wirklich ihr Kino moderato ist, möchte ich nie mehr ein anderes betreten. Von hier aus: Kann es überall hingehen. Auch und gerade doch: Mit leicht klapprigen Pedalen.

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P. Wellinski: Filmszene.de P. Wellinski: Filmszene.de

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8.5Ausgezeichnet

Kaum ein anderes Kino versteht es so eindringlich und trotzdem dezent von einer reinen Menschlichkeit und Brüderlichkeit zu sprechen, ohne in Pathos zu verfallen.

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Anke Leweke: taz, Deutschland Radio Anke Leweke: taz, Deutschland Radio

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8.0Ausgezeichnet

Mit Der Junge mit dem Fahrrad machen die belgischen Brüder Dardenne das Kino wieder einmal zum wahren Ort des Lebens.

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Luiz Vasquez: Kino Kino Luiz Vasquez: Kino Kino

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8.5Ausgezeichnet

Mit Der Junge mit dem Fahrrad ist den Dardennes wieder ein starker, nuancierter Film gelungen.

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José Garcia: Textezumfilm

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9.0Herausragend

„Der Junge mit dem Fahrrad“ ist ein Loblied auf die Liebe und Geborgenheit, die jedes Kind sucht. Jean-Pierre Dardenne: „Unsere Gesellschaft huldigt dem Kult des Individuums. Vielleicht ist es als eine Reaktion darauf zu verstehen, wenn wir immer wieder das Thema menschlicher Bindungen aufgreifen.“ Ohne in Rührseligkeit zu verfallen, berührt der Film durch Cyrils rastlose Suche nach Liebe sowie durch Samanthas selbstlose Haltung den Zuschauer. Die menschliche Wärme und Zuwendung, die sie dem Jungen schenkt, korrespondiert mit den warmen Farben des Sommers – Jean-Pierre und Luc Dardenne haben erstmals einen Film im Sommer gedreht – sowie mit der Musik, was für das belgische Regisseurduo ebenfalls eine Premiere darstellt. Denn mit Ausnahme des Nachspanns in „Lornas Schweigen“ verzichteten sie stets auf jegliche Filmmusik. In ihrem neuen Film sind immer wieder ein paar Takte aus dem zweiten Satz von Beethovens fünftem Klavierkonzert zu hören.

Bei aller filmischer Kunstfertigkeit, die in der scheinbaren Schlichtheit der Inszenierung liegt, ragt das ausgezeichnete Schauspiel der Darsteller heraus: Nicht nur überzeugt die in Belgien geborene, vor allem in Frankreich bekannte Cécile de France, sondern insbesondere auch der erst zwölfjährige Thomas Doret, der bislang keinerlei Filmerfahrung hatte. Sein wild entschlossener Blick spiegelt die hartnäckige Verzweiflung bei der Suche nach dem Vater wider.

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Florian Lieb: moviemaze.de Florian Lieb: moviemaze.de

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4.0Uninteressant

Zu empfehlen ist Der Junge mit dem Fahrrad primär Fans der belgischen Brüder oder denjenigen, die ein Herz für Arschlochkinder haben.

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Sonja Hamann

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genauso ist es. sollen doch erstmal all die gutmenschen, die sich wieder angesprochen fühlen, ins gleich horn zu stoßen selbst mal so eine rotzrübe bei sich aufnehmen, dann sieht das leben gleich anders aus...


Thomas Engel: programmkino.de Thomas Engel: programmkino.de

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7.0Sehenswert

Der Junge mit dem Fahrrad ist aktuell, einfühlsam, sicherlich von einem gewissen filmischen Rang.

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Richard Lammel: DVD-Forum.at Richard Lammel: DVD-Forum.at

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7.0Sehenswert

Dieses Drama berührt kaum, sorgt aber für Realismus pur. Eine Komponente, die man speziell bei diesen Filmemachern [den Brüdern Dardenne] nie außeracht lassen darf.

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Luitgard Koch: programmkino.de Luitgard Koch: programmkino.de

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8.0Ausgezeichnet

Erneut zeigen sich die mehrfach preisgekrönten Belgier Luc und Jean-Pierre Dardenne als Meister wirklichkeitsnaher Alltagsdramen vom Rande der Gesellschaft. Auch in „Der Junge mit dem Fahrrad“ bleibt das Regisseurs-Duo seinem sozialrealistischen Ansatz treu. Gleichzeitig schaffen die Dardenne-Brüder dabei stilsicher perfekt komponiertes, emotional eindringliches Erzählkino über bedingungslose Liebe und den verzweifelten Versuch, im Leben nicht allein zu bleiben. In ihrem modernen Märchen brillieren der junge Thomas Doret, eine Entdeckung der wallonischen Autorenfilmer, und Schauspielerin Cécile de France, die zuletzt in Clint Eastwoods “Hereafter – Das Leben danach” zu sehen war.

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Andreas Borcholte: Spiegel Online Andreas Borcholte: Spiegel Online

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5.5Geht so

Routiniert und mit geübtem Blick für die Ödnis prekarisierter Existenzen, gelingt es den Dardenne-Brüdern, durchaus rührend und spannend zu schildern, wie sich Cyril erst gegen sein Schicksal wehrt, dann resigniert, fast auf die schiefe Bahn gerät, als er sich mit einem Vorort-Dealer einlässt, dann aber doch akzeptiert, dass er sein Leben mit einer neuen, anderen Art von Familie leben muss. Die im Film stetig stärker werdende Beziehung zwischen der engelsgleichen Samantha und dem biestigen Knaben bleibt jedoch eine unbefriedigende Behauptung: Warum eigentlich sollte sich eine attraktive Frau Ende Dreißig mit einem so ungestümen Balg belasten und für dessen Pflege und Hege sogar den Geliebten in die Wüste schicken?

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Kommentare (14) — Film: Der Junge mit dem Fahrrad


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jacker

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Bodenständig.
Geerdet.
Realistisch.

Man kann es nennen wie man möchte, Fakt ist dass LE GAMIN AU VÉLO uns leise und still, fast passiv eine Ladung Realität serviert, die gerade aufgrund ihrer Unaufgeregtheit und zurückhaltenden Darreichungsform ins Schwarze trifft.

Im Endeffekt sehen wir nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben eines Jungen. Dieser Junge tut zwar sein bestes, sein Inneres nicht nach außen zu lassen, schnell wird jedoch klar: Er ist verletzt, verzweifelt und tieftraurig. Denn sein Vater will ihn nicht mehr. Und so simpel das zunächst klingt, so hart und bitter ist es. Weil es da weh tut wo jeder von uns sensibel ist, da wo man gewollt werden will, Anerkennung braucht, die Hand ausstreckt und sich wünscht, dass sie genommen wird.

Tasusendfach passiert so etwas irgendwo, das weiß man. Trotzdem erzeugt die präsente und offensive Kälte beim lang ersehnten Treffen von Cyril und seinem Vater einen herben Kloß im Hals. Und jede von Cyril's weiteren Handlungen tut eigentlich genau so weh, weil überall der Schrei nach Aufmerksamkeit hervorbricht. Wie viele sind schon aus solchen Gründen an Leute geraten, die den Drang sich zu beweisen und dafür anerkannt zu werden schamlos ausnutzen? Und wie tief muss das Loch sein, wenn anstatt Anerkennung und einer herzlichen Geste wieder nur Kälte entgegenstrahlt?

Alles Fragen, die die Geschwister Dardenne ohne große Gesten und ausufernde Geschichten aufwerfen. Ein kleines Fenster in ein (bzw. zwei) fremde(s) Leben deren Wege sich gekreuzt haben reicht, um tiefes Mitgefühl mit dem kleinen verzweifelten Jungen zu erzeugen, aber auch Bewunderung dafür wie er kämpft und einfach nicht aufgeben will. Hartnäckig, egal wie sehr er vor den Kopf gestoßen wird, aggressiv egal wie übermächtig der Gegner erscheint (Le 'Pibull').

Ein Sozialdrama, was genau die richtigen Hebel umlegt und aufgrund seiner fast dokumentarischen Machart (in der u. A. Filmmusik fast vollständig fehlt) lediglich wertungsfrei einen Zustand zeigt. Was wir daraus ziehen bleibt uns überlassen.

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jeffcostello

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Gerade mal 87 min kurz, entfaltet das französische Filmjuwehl "Der Junge mit dem Fahrrad" seine Kraft durch leise Töne, zerbrechlich und zart kommt es daher, und ist in seiner Wirkung enorm intensiv und mitreißend.
Aus der Existenznot oder der Feigheit heraus, gibt Guy Catoul seinen Sohn Cyril ins Heim, mit dem nie eingelösten Versprechen ihn irgendwann einmal anzurufen, zu besuchen und wieder zurück zu holen.
Durch Zufall trifft er auf die Dorffriseuse Samantha (Cécile de France), die beschließt ihn an den Wochenenden aufzunehmen. Auf der verzweifelten Suche nach Vaterfiguren gerät Cyril bald an die falschen Leute.
Die Regie der Dardennes vermeidet jegliches Werten des Geschehens, und so überlassen sie die Meinungsbildung gänzlich dem Zuschauer. Am Ende entlassen die Dardennes uns ohne Hinweise bezüglich des weiteren Geschicks der Protagonisten zu geben, nicht jdeoch ohne uns Hoffnung zu machen!
Die beidden Regisseure können sich voll und ganz auf ihren wunderbaren Cast verlassen, Cécile de France ist großartig, und vor allem das präzise Spiel des jungen Thomas Doret, der Cyrill spielt ist hervorragend.
Der Junge mit dem Fahrrad ist einer der schönsten, besten und einfühlsamsten Filme des letzten Jahres gewesen.

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Kuya

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Trivialitäten, überall (scheinbare) Trivialitäten in diesem Film. Der Titel lässt uns keine Großkunst erwarten, doch was wir sehen ist menschliche, reine, wahre Tugendhaftigkeit.

Wo aber enden die Trivialitäten? Tun sie es in LE GAMIN AU VÉLO überhaupt?

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Jenny von T

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Bewertung9.0Herausragend

Der kleine Cyril – ein echter Pitbull. Sei es die Hartnäckigkeit, mit der der Junge versucht, seinen Vater zurückzugewinnen, der ihn verstoßen hat, sei es sein trotziges Verhalten gegenüber jedem, der ihm dabei im Weg steht, sei es seine Bereitschaft zu bedingungsloser und aufrichtiger Loyalität als Gegenleitung für ein bisschen Halt und Lebenskontinuität - LE GAMIN AU VÉLO berührt zutiefst.
Mit angemessener, aber auch absolut notwendiger Wärme nehmen die Dardennes' die Perspektive eines Kindes ein, das um seinen Platz in der Welt kämpft. Was ihren Film dabei von gewöhnlichen Sozialstudien und 08/15-Dramen abhebt, ist die Neutralität, mit der die beiden Regiebrüder auch diejenigen Charaktere und Verhaltensweisen abbilden, gegen welche der ein oder andere nur zu gerne den erhobenen Zeigefinger ausfahren würde. Hier ist keine Handlung lebensfern, so sehr dies an mancher Stelle auch schmerzt. Die Gewichtung jedoch – und das zeichnet anspruchsvolles Handwerk aus - muss das Publikum selbst entschlüsseln.
LE GAMIN AU VÉLO ist hierbei der vielleicht am Empfindsamsten inszenierte Dardennes-Film und - entgegen anderweitiger Behauptungen - dennoch weit entfernt von jeglicher Märchenhaftigkeit, denn wenn sich die Friseuse Samantha des zunächst rebellischen Cyril gnädig, aufopferungs- und liebevoll annimmt, ist das ebenso wenig wirklichkeitsfremd wie andererseits Cyrils trauriges Schicksal als de facto Elternloser. Das Leben ist nun einmal in keiner seiner Facetten durchgängig Schwarz-weiß und genau diese aus der puren Realität hinein in die Kunst übertragene Erkenntnis der belgischen Regisseure verleiht ihrem Film die ganz große Authentizität, welche die Möglichkeit zur Weiterentwicklung nicht im Keim erstickt, sondern sie, ganz im Gegenteil, als Nährboden voraussetzt. Das entscheidende, endgültige innere Bekenntnis Cyrils zum unverbitterten Leben ist mithin weder resignativer Defätismus noch eine plötzlich vom Himmel gefallene Erkenntnis weltlicher Schönheit, sondern schlechthin eine notwendige, beinahe schon obligatorische Konsequenz innerer Stärke, die sich zwar auch (ver)irren kann, aber am Ende immer auf den richtigen Pfad (zurück)findet. Gibt es denn eine schönere Huldigung an kindliche Unbeirrtheit und Größe?
Den Dardennes geht es erkennbar nicht darum, Gut und Böse gegeneinander abzuwägen, auszuspielen oder gar neue moralische Parameter zu entwickeln. Vielmehr erscheint mir in ihrem Fall der (äußerst bescheidene) Weg das Ziel: Menschen verstehen, indem man sie möglichst nah einfängt. Kurioserweise geben die Belgier allein durch diese scheinbar simple, aber immerzu neugierige Herangehensweise sehr viel ertragreichere Antworten als diejenigen Filmschaffenden, die ihre Werte-Raster aus Stahlketten nur allzu liebgewonnen haben und deshalb immer wieder abspulen und neu eingravieren – leider auch, weil der Zuschauer es gerne so hat.
Das ist in höchstem Maße bedauerlich, denn eigentlich liegt die Vermutung nahe, dass der unaufgeregte, aber keinesfalls spannungsarme Stil sowie die sich bei näherem Hinsehen offenbarende minuziöse Perfektion der beiden Regisseure potentiell noch viel mehr Filmbegeisterten zusagen könnte.

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Wumz

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Na dann freut es mich ja umso mehr, dass der Film dir so gut gefallen hat. =)


Sigmund

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Stimmt, die Dardennes schaffen es immer wieder ihre anspruchsvollen und meist sehr ernsten Geschichten erstaunlich kurzweilig zu erzählen.


mariega

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Bewertung7.0Sehenswert

"Le gamin au vélo" bekommt von mir 7 Punkte, da ich nicht möchte, dass man diesen Film nicht anschaut : Er ist auf jeden Fall sehenswert, bloß nicht für mich. Die Erklärung ist einfach : Die beiden Regisseure, Jean-Pierre und Luc Dardenne, wie Ihr Name es andeutet, stammem aus der gleichen Gegend wie ich : Die Ardennen (sie, aus dem belgischen Teil und ich aus dem französischen). Ihre Darstellung der dortigen sozialen Verhältnisse, die für manche sehr realistisch vorkommen kann, bleibt für mich sehr oberflächlich und naiv. Die Realität dieser rauhen Gegend ist härter und die Trostlosigkeit größer. Also : Zu schön um wahr zu sein oder zu melodramatisch um Hoffnung zu schaffen! Für mich : Eine überhaupt nicht subtile Erzählung, die sich weit enfernt von der bitteren Realität bewegt und mich nicht berührt. Daher meine richtige ganz persönliche Bewertung : 5 Punkte

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Wumz

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Ich kann deine Meinung auch nachvollziehen, der Spruch bringt es dann schön auf den Punkt. =)


mariega

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:)


Wumz

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Der Film trägt einen schweren Mantel, der seiner Thematik geschuldet ist, rund um Cyril, der als Heimkind auf der Suche nach Geborgenheit ist. Der Film hat allerdings zu keiner Zeit die Absicht, den Schwermut dieser Situation auf den Zuschauer zu übertragen, man wird vielmehr Zeuge eines kleinen Wunders und so streift der Film seinen schweren Mantel ab. Die für den Film verantwortlichen Dardenne Brüder bleiben dabei aber immer an der Realität eines solchen Jungen orientiert, verzichten auf jeglichen Kitsch und setzen auf wahre emotionale Empfindsamkeit.

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Wumz

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Auch die Dreieinigkeit genannt =) höhö


Andy Dufresne

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:)


Prestigeww

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Was den Film so traurig macht, ist, dass die Dardenne-Brüder diesmal von ihrem Ultrarealismus abweichen. Denn es sind gerade die Dinge, die dem Film seinen Optimismus geben, welche eher ins Reich des Märchenhaften gehören: Samanthas sofortige Aufopferungsbereitschaft, ihre grenzenlose Geduld und ihre ungefragte Selbstverpflichtung erscheinen hier zwar als moralische Selbstverständlichkeit, aber wer kann einer solchen Selbstverständlichkeit schon gerecht werden.

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dgk

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Bewertung4.5Uninteressant

Ziemlich langweilig. Ein Film, der so nahe an der Realität spielt, muss sich sagen lassen, dass das Drehbuch abstrus ist. Cyril kann man sich vorstellen. Aber Samantha? Woher nimmt sie ihre Motivation?

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dreamtraveller

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sie ist einfach nur ein ''guter Mensch'', von denen leider viel zu wenige gibt.


jacker

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Außerdem gibt es sicher nicht wenige Frauen, die sich unbedingt ein Kind wünschen, aber nun mal aus den verschiedensten Gründen keins haben. Das kann ein Grund sein. Auch der Wunsch zu helfen, große Einsamkeit (trotz Partner), Mitleid, etc. etc.
Es ist hier sinnvoller keinen Grund zu nennen, denn so kann die Motivation vielfältiger Art sein!


Martin Quilitz

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Bewertung7.0Sehenswert

Ich weiss zwar nicht wie man hier auf Produktion in Frankfreich kommt, ich denke wohl eher der fanzösische Teil von Belgien. Es geht um einen schwer erziehbaren Jungen, der von seinem alleinerziehenden Vater abgegeben wurde und dessen Sohn verzweifelt versucht ihn zu finden um bei ihm zu bleiben. Eingekonnt umgesetztes Drama, Klasse!

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stalker

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Die Dardennes. Erzählen Geschichten von nebenan, von unten, von der Straße. Mit einer solchen Klarheit, einer solchen Wucht. Und zugleich so leicht, so sanft. Fast zärtlich gegenüber denjenigen, die in Schlagzeilen niemals gut wegkommen würden. Die Dardennes. Der Blick geht nach unten. Immer. Weil oben ohnehin nur Blendung. Weil unten man der Wahrheit näher. Vielleicht. Wahrheit. Die kann so einfach sein. Und in ihrer Bitterkeit so wunderschön. Eben wie Kino. Eben wie Leben. Ganz einfach.

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Dr.Demento

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Bewertung9.0Herausragend

Dieser Film ist nicht weniger als ein kleines Meisterwerk! Gerade die schlichte, gradlinige und authentische Inszenierung macht ihn so symphatisch. Die Schauspieler, allen voran der Junge Thomas Doret, aber auch die von Cécile de France verkörperte Samantha brillieren einfach auf ganzer Linie. Man ist von der ersten Sekunde an mitgerissen von der erzählerischen Kraft, und besonders von der Rastlosigkeit des Jungen Cyril, der tatsächlich fast den gesamten Film über in Bewegung zu sein scheint.
Die wenigen Momente, in denen er zur Ruhe kommt, wirken dann auch für den Zuschauer wie eine Verschnaufpause - man sehnt sich förmlich danach.
Ich frage mich, wie es französische Filme immer wieder schaffen, ganz ohne das übliche Hollywood Pathos derartig mittreissende Geschichten zu erzählen. Die Kunst liegt hier, wie so oft, im Detail: jede Szene in diesem Film, ist mit einer Genauigkeit inszeniert, die seinesgleichen sucht. Das der Film dennoch so unkünstlich und real wirkt, macht seine Faszination aus. In den Händen einiger Hollywoodregisseure hätte diese Geschichte auch leicht zu einer Schmonzette verkommen können, das ist sicher.
Also unbedingt anschauen, und bitte, OmU !

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stalker

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Ach, ich fand die Synchro voll in Ordnung.


freelucid

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fand die auch ok.


CihatG91

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Bewertung3.5Schwach

Es ist schon unglaublich, wie lebensnah der Film ist. Doch ist es umso unglaublicher, dass Filmemacher mit so einem klaren Blick nicht erkennen, dass die Thematik den Zuschauer erst dann wirklich berührt, wenn sie auch berührend vermittelt wird. Das muss nicht heißen, dass der Film total überstilisiert wird, wie viele Hollywood-Filme das sind. Aber der Mensch ist es gewohnt, den Alltag zu sehen, daher muss ein Film etwas entwickeln, das die Aufmerksamkeit der Zuschauer erweckt. Und genau das fehlt mir an "Der Junge mit dem Fahrrad" am meisten.

Wäre das gut umgesetzt worden, wäre eine Punktewertung von bis zu 8,0 Punkte drin gewesen – die Story und Thematik gibt leider mehr nicht her.

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CihatG91

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Danke Brigittes, dass du mir meine eigene Sicht auf das Kino gewährst. Seltsam nur, dass du gleich im nächsten Satz dann sagst, dass meine Kritik keine Berechtigung hat. Wer hat denn bitteschön festgelegt, dass Kritiken nur dann nicht mit Schieflage sind, wenn sie deinem/eurem Verständnis von Kino entsprechen? Vor allem: du sagst selbst, dass ich solche Filme vermeiden sollte, um mir eine Enttäuschung zu ersparen. Aber woher soll ich den wissen, dass es sich um solch einen Film handelt, wenn es nirgendwo – auch in keiner Kritik – drin steht?

Falls ihr mir jetzt übrigens mit dem Argument der Mehrheit kommen wollt: die Mehrheit der Leute, mit denen ich den Film gesehen habe (es waren 12 Begleiterinnen und Begleiter), stimmen meiner Ansicht von Kino und folglich der Bewertung des Filmes zu. Nicht umsonst habe ich den Kommentar hier abgegeben (ich gebe nicht viele Kommentare ab).


CihatG91

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Oh verzeih, Brigittes Helm, dass ich dich falsch genannt habe. Dafür hast du dich von meinem Bild täuschen lassen, ich bin nämlich kein Mädel.

Der Film ist uns in einer Sneak Preview vorgesetzt worden, ich wäre sicherlich nicht absichtlich mit einer so großen Truppe in (für mich) unbekanntes Territorium marschiert. ;)


Sigmund

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Bewertung9.0Herausragend

Wie gerne wüsste ich ähnlich viel über das Leben wie die Brüder Dardenne!
Was die beiden Belgier in ihren Filmen erzählen und wie sie es tun, zeugt nicht nur von handwerklicher Virtuosität, sondern auch von einer Klarsicht, die scheinbar alles durchdringt.
Auch ihr neuestes in Cannes mit dem Großen Preis der Jury prämiertes Werk besticht durch sagenhaft dichtes, lineares Storytelling ohne falsche Töne.
Der Film überzeugt als hartes Sozialdrama ebenso wie als anschauliche Studie zum Thema Geborgenheit und der Suche danach. Von einer höheren Wertung hält mich einzig und allein ab, dass man derart Brillantes von den Brüdern bereits gewohnt ist.
Trotz des Heimkind/Pflegemutter Sujets ist LE GAMIN AU VELO in keiner Sekunde rührselig – jede kleinste Regung der hervorragenden Charaktere/Darsteller ist glaubhaft, aufs Stimmigste motiviert und für den Gesamtkontext von zwingender Bedeutung. Nimmt man eine beliebige Szene unter die Lupe und vergegenwärtigt sich, warum sie so und nicht anders inszeniert wurde, wird man bald feststellen, dass sie schlichtweg in dieser Form am treffendsten alle relevanten Erzählmittel vereint, wie z.B. visuelle Ausdruckskraft, Psychologie, Authentizität, Auslassungen, Spiegelungen, Rhythmus, sogar Spannungsaufbau – und dabei auch noch originell ist.
Um alles nachvollziehen zu können, empfiehlt es sich allerdings, nicht völlig auf den Kopf gefallen zu sein. Denn die Dardenne Brüder halten sich weder mit Erklärungen noch mit „publikumsfreundlicher“ Anbiederung auf. Sie setzen ganz auf ihre faszinierend lebensechte Geschichte – deren Wucht und tiefe Menschlichkeit sich dem Zuschauer umso eindringlicher offenbart, je größer sein Interesse an der Beschaffenheit unserer innersten Natur ist.

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Sigmund

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Altersmilde würde ich jetzt nicht sagen, dazu geht der Film dann doch zu sehr an die Nieren. Und die Hoffnung, die er uns gewährt, bleibt auch überschaubar.
Es gibt zwar Kritiken, die den Film wegen seiner wärmeren Momente gleich zum Märchen machen wollen, aber die Welt ist nun mal nicht völlig empathielos.


Tobias

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Bewertung5.0Geht so

Heute in Cannes gesehen und eher enttäuscht gewesen. Berührt nicht wirklich. Ein bisschen zu harmlos. Ein bisschen zu klein. Ein bisschen egal. Schade.

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