Der Prozeß

Le Procès (1962), FR/IT/DE
Laufzeit 118 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 02.04.1963

7.2 Kritiker
9 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.3 Community
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von Orson Welles, mit Anthony Perkins und Jeanne Moreau

Der kleine Angestellte Josef K. wird beschuldigt, ein Verbrechen begangen zu haben. Er ist sich keiner Schuld bewusst. Alle Nachforschungen nach den Gründen der Anklage bleiben erfolglos, und auch alle Versuche, seine Unschuld zu beweisen, scheitern.


Cast & Crew


Kritiken (1) — Film: Der Prozeß

Flibbo: wieistderfilm.de

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6.5Ganz gut

[...] Man weiß, dass die Kapitel des Romans keine feste Reihenfolge haben, da es sich bei „Der Proceß“ um ein Fragment handelt. Dies löst der Regisseur durch Weglassen und Umdeutung einiger Begebenheiten, was im fertigen Film schließlich recht plump wirkt, wenn verschiedene Stellen aus dem Buch nahtlos aneinandergereiht werden. Das lässt sich wiederum damit entschuldigen, dass ohnehin alles ein albtraumhaftes und völlig surreales Szenario ist.
Was Orson Welles neben seiner strittigen Auslegung von Kafkas Originaltext zweifellos gelang, ist, die bedrückende, rätselhafte Grundstimmung und die triste Anonymität der Stadt, wie sie auch der Roman transportiert, eindrucksvoll einzufangen. Die Drehorte und Sets sind das klare Herzstück des Films, sorgfältig ausgearbeitet, großartig und einfach… kafkaesk. [...]

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Kommentare (6) — Film: Der Prozeß

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Flab

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Bewertung0.0Hassfilm

dass dieser film eine 7er bewertung hat kann doch wohl nicht euer ernst sein.
er ist so unglaublich schlecht.
die handlung ergibt kaum sinn, die kameraführung, musik und kulissen sind unpassend und schlecht.
die dialoge ergeben wenig sinn und bringen einen eher unfreiwillig zum lachen als auch nur ansatzweise spannung aufzubauen.
die einzig gute idee, den am anfang gezeigten clip später nocheinmal zu erwähnen wurde total verhunzt.
anscheinend wurde hier versucht einen surrealer film zu produzieren, was jedoch total in die hose ging.
eine szene wirkt gut, wo die hauptfigur durch enge tunnel läuft (relativ am ende).
der rest ist unter hobbyfilm-niveau.
absolute qual sich diesen film komplett anschauen zu müssen

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Koschka

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Bewertung4.0Uninteressant

Das Buch ist super. Der Film nicht so.

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derOlli.

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Bewertung9.0Herausragend

Wie viele Erzählungen des anerkannten Autors handelt auch „Der Prozeß“ von einer Figur, die in einer albtraumhaften Welt voller Gesetze und Regeln zum Opfer der Justiz, einer übermächtigen Autorität wird.

Bevor der Titel des Films und seine Mitwirkenden eingeblendet werden, wird ein Auszug aus einem Artikel der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ von Louis Chauvet zitiert: „Ausgehend von einer relativ einfachen Idee, stürzt uns Kafka in eine inkohärente, absurde und surreale Welt. Hier die Idee. Die Bürokraten, die Verwaltung, die Macht erdrücken das Individuum. Der einzelne Mensch wird zu einem erstickenden Opfer der Gesellschaft, wenn sie ihn durch Zufall – oder Unglück – in das Getriebe ihres Systems zieht.“ Damit liefert Orson Welles bereits zu Beginn einen Interpretationsansatz für die Geschichte um Joseph K. Er ist ein Opfer eines politischen Systems, das den Einzelnen zum Teil willkürlich zur Rechenschaft zieht.

Zentralthema des Romans ist die Frage nach der Schuld. Ein Schlüssel zur Vertiefung dieses Themas ist Kafkas Beziehung zu seinem Vater, die er selber als extrem schwierig bis traumatisch beschreibt. Als besonders einprägsames Erlebnis nennt Franz Kafka eine Nacht in Prag, in der er am Bett seiner Eltern um Wasser gebettelt und gewinselt hat und damit seinen Vater in Wut brachte und von ihm bestraft wurde. Statt Wasser zu bekommen, wurde er von seinem Vater zum Balkon getragen und draußen ausgesetzt, wo er, nur mit einem Nachthemd bekleidet, bleiben musste.
Dieses Erlebnis hat immense Auswirkungen auf Franz Kafkas Denken, auf seine Ängste und auf sein literarisches Werk. „Noch nach Jahren litt ich unter der quälenden Vorstellung, dass der riesige Mann, mein Vater, die letzte Instanz, fast ohne Grund kommen und mich in der Nacht aus dem Bett auf die Pawlatsche tragen konnte und dass ich ein solches Nichts für ihn war.“ Franz Kafka befürchtet aufgrund dieses Kindheitsereignisses, die Schuld sei etwas im Menschen Verankertes. Er selber weiß nicht, was er Böses getan haben soll. Und doch wird er bestraft. Diese Ungerechtigkeit verarbeitet ein Kind, indem es Schuld in sich selbst sucht, um mit dem Urteil Frieden schließen zu können. Auch Josef K., der unschuldig ist und sich für unschuldig hält, nimmt zum Schluss Schuld an. Schuld ist hier eine Form der Flucht vor der Wahrheit. Wenn Josef K. im letzten Kapitel des Romans hingerichtet wird, so kann er dies für sich nur akzeptieren, indem er eine Grundschuld in seiner Person selbst sieht und die Justiz als Autorität, die keine Fehler macht, weiter anerkennt. Wenn er bestraft wird, dann wird es einen Grund geben. Nach diesem zu fragen ist sinnlos. Die Suche danach hat ihn entkräftet.

Anthony Perkins, der zwei Jahre zuvor durch seine Darstellung des geistesgestörten Killers Norman Bates aus dem Film „Psycho“ von Alfred Hitchcock weltweite Bekanntheit erlangte, gehörte zu einer aufstrebenden Generation von Schauspielern, die entgegen den Vorgängern wie John Wayne eine deutlich verletzlichere Seite in ihren Rollen zeigten. Er ist ein großer, hagerer, wenig muskulöser Josef K., der wahrscheinlich unter anderem auch wegen der äußeren Ähnlichkeit zu Franz Kafka selbst ausgewählt wurde. Diese Interpretation wird auch inhaltlich verfolgt, indem Josef K. neue Worte in den Mund gelegt wurden, als er mit Fräulein Bürstner spricht. Er berichtet ihr von einer schwierigen Beziehung zwischen ihm und seinem Vater und darüber, wie schnell er sich schuldig fühlt: „Ich erinnere mich genau, wie mein Vater mich angesehen hat, sie wissen schon, genau in die Augen. ‚Also mein Sohn‘, sagte er, ‚was hast du mal wieder ausgefressen.‘ Und selbst wenn ich überhaupt nichts ausgefressen hatte, fühlte ich mich schuldig. […] Oder wenn der Lehrer in der Schule bemerkte, dass etwas von seinem Pult verschwunden war: Nun Kinder, wer ist es gewesen? Sofort fühlte ich mich schuldig, mir wurde direkt schlecht vor lauter Schuld, dabei wusste ich nicht mal, was gefehlt hat.“
Vor allem aber fällt eines bei Josef K. auf, so wie er von Anthony Perkins dargestellt wird: Nervosität, Unruhe und Unsicherheit.

In der Szene, in der die erste Untersuchung stattfindet, greift Orson Welles einen ganz besonders wichtigen Aspekt auf, der durch die neue zeitliche Einordnung entsteht. Den Roman bezeichnet er als „pre-Auschwitz“ . In dieser Szene spielt er das erste Mal auf das an, was den Juden im Zweiten Weltkrieg angetan wurde. Damit folgt er stringent seiner teils autobiografisch angelehnten Interpretation des Romans. Er überträgt Kafkas jüdische Religion auf den Protagonisten. Auf dem Weg zu den Gerichtsgebäuden bahnt sich Josef K. einen Weg durch ausschließlich in Leinenhosen bekleidete Greise. Sie halten den Rest ihrer Kleidung in den Händen, um ihren Hals tragen sie Schilder auf denen Nummern stehen. Auf einer Empore steht eine Statue, gespenstisch von einem Bettlaken umhüllt, die Arme gen Himmel ausstreckend. Sie stehen für all die Juden, denen Unrecht angetan wurde, denen ebenfalls ein Prozess gemacht wurde, die eine angebliche Grundschuld mit sich herumtrugen, die nicht beweisbar war, sie waren rechtlos auch in der Hinsicht, nicht zu wissen, was man ihnen vorwirft, ohne einen Anklagespruch.
Eine weitere Anlehnung an den Holocaust und die Vernichtung von Millionen Juden findet sich in der abschließenden Szene, wenn Josef K. hingerichtet wird. Orson Welles, war das bisherige Ende zu ruhig. Nach eigenen Angaben macht er aus einem Wimpernschlag einen Riesenknall, als Josef K. nicht wie im Buch erstochen wird, sondern stattdessen in eine Grube gebracht wird, die man daraufhin sprengt. Damit erweitert er Josef K.s Sterben als einen symbolischen Tod, symbolisch für die Juden aus der Zeit des Nationalsozialismus, die in Vernichtungslagern starben. Dies bedeutet einen Unterschied zu der im Roman als Einzelfall dargestellten Hinrichtung Josef K.s durch ein Messer: „Wie ein Hund!“

Orson Welles Romanverfilmung erachte ich als außerordentlich interessant. Besonders Einsteiger, die sich vor dem Anschauen des Films noch nicht tiefergehend mit Kafkas literarischen Werken vertraut gemacht haben, finden hier einen Zugang zur Thematik. Orson Welles scheint sich vor Drehbeginn sehr gut darauf vorbereitet zu haben, auf welche Aspekte er besonders eingehen will. Natürlich sollte dem Konsumenten, der zuvor den Roman genauestens studiert hat, bewusst sein, dass es nicht möglich ist, jede Interpretation, die dieser zulässt, auf die Leinwand zu bringen. Stattdessen konzentriert sich Welles auf einige wenige Aspekte und legt dafür sein Augenmerk auf eine atmosphärische Umsetzung der Szenen. Durch den Einbezug modernisierter Thematiken und dem neu gegebenen Kontext der Nachkriegszeit und dem Elend in den Konzentrationslagern, fügt Orson Welles dem Film etwas sehr Eigenes hinzu und gibt ihm genug Substanz, für sich bestehen zu können. Allein dieser Punkte wegen ist die Verfilmung auf alle Fälle mindestens sehenswert.

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Filmkenner77

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Bewertung6.5Ganz gut

Weitestgehend originalgetreu, aber doch schwere Kost. Man muss Kafkas Surrealismus schon mögen.

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*frenzy_punk<3

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Bewertung6.0Ganz gut

kafka ist und bleibt einfach schwere kost. der film ist teilweise verworren, teilweise beeindruckend. man muss aufpassen um hinter den sinn des filmes zu kommen. anthony perkins lieferte eine grandiose inszenierung, dennoch wirkten manche passagen etwas zu langatmig.

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alanger

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"anthony perkins lieferte eine grandiose inszenierung", moment, inziniert hat das doch orson. ;)


Mr_Hart

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Bewertung5.0Geht so

Orson Welles hielt den Prozeß für seinen besten Film, und man kann dem Film keineswegs jegliche Qualitäten absprechen. Jedoch ist es keine Kunst aus einer exzellenten Romanvorlage einen guten Film zu machen. In Vergleich zu Kafkas wunderbar-verworren und dennoch sachlich kühlen Prosa die stets subtil ist, ohne dabei prätentiös zu werden wirkt der Film doch eher plump und offensichtlich.

Aber man kann Welles nicht allzu böse sein - er war ein talentierter Mann, jedoch keineswegs ein Genius und künstlerisch Kafka in jeder Hinsicht unterlegen.

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