Die Reifeprüfung
The Graduate, US 1967
- Genre
- Tragikomödie, Romanze, Erwachsenwerden
- Inhalt
Nach seinem Collegeabschluss verbringt der junge Benjamin den Sommer plan- und tatenlos auf einer Luftmatratze im Pool - sehr zum Missfallen seiner Eltern. Als ihn die elterliche Freundin Mrs. Robinson überraschend zu verführen versucht, wehrt er… — Mehr
Nach seinem Collegeabschluss verbringt der junge Benjamin den Sommer plan- und tatenlos auf einer Luftmatratze im Pool - sehr zum Missfallen seiner Eltern. Als ihn die elterliche Freundin Mrs. Robinson überraschend zu verführen versucht, wehrt er sich zunächst, lässt sich dann aber doch auf eine Affäre mit der verheirateten Frau ein. Für eine Weile trifft er die attraktive Mittvierzigerin heimlich in Hotels. Als sich Benjamin jedoch unsterblich in Mrs. Robinsons Tochter Elaine verliebt, wird es kompliziert.
- Cast
- Katharine Ross, Anne Bancroft, Brian Avery, Elizabeth Wilson, Murray Hamilton, William Daniels, Dustin Hoffman — Mehr
- Regisseure
- Mike Nichols
- Autoren
- Buck Henry, Calder Willingham
- Laufzeit
- 105 Minuten
- Zeit
- 1960er Jahre
- Ort
- Berkeley, Bus
- Handlung
- Absolvent, Affäre, Alltag, Betrogener Ehemann, Braut, Bräutigam, College, Ehebruch, Ehepaar, Eheversprechen, Erotik, Erste Liebe, Erstes Mal, Erwachsenwerden, Familienfest, Feier, Heimliche Liebe, Hochzeit, Jugendlicher, Kirche, Langeweile, Mutter-Tochter-Beziehung, Mutterrolle, Pubertät, Rebellion, Scheidung, Schulabschluss, Schwangerschaft, Sex, Sexuelle Begierde, Skandal, Strip-Club, Swimming Pool, Vater-Sohn-Beziehung, Verbotene Liebe, Verlobter, Vernunftehe, Ältere Frau verführt jüngeren Mann
- Stimmung
- Entspannt, Ernst, Geistreich, Sexy
Über diesen Film
Handlung
Benjamin Braddock hat gerade erst das College abgeschlossen und noch keine Vorstellung, welche berufliche Karriere er einschlagen will. Um seinen Abschluss zu feiern, geben seine Eltern ihm zu Ehren eine Party, zu der neben an… — Mehr
Handlung
Benjamin Braddock hat gerade erst das College abgeschlossen und noch keine Vorstellung, welche berufliche Karriere er einschlagen will. Um seinen Abschluss zu feiern, geben seine Eltern ihm zu Ehren eine Party, zu der neben anderen auch das geschäftlich befreundete Ehepaar Robinson eingeladen ist.
Mrs. Robinson bittet Benjamin, der den Partygästen zu entfliehen versucht und lieber die nachdenkliche Stille und Einsamkeit sucht, sie nach Hause zu fahren. Dort versucht sie ihn zu verführen, wird aber vom plötzlichen Auftauchen ihres Ehemanns daran gehindert. Angetrieben durch Benjamins Neugier und Langeweile und Mr. Robinsons gut gemeinten Ratschlag, seine Jugend und das Leben zu genießen, entwickelt sich aber schon bald eine sexuelle Beziehung zwischen den beiden. Sie treffen sich dabei regelmäßig in einem Hotel. Ihr Umgang miteinander bleibt dennoch sehr oberflächlich – Benjamin spricht sie stets mit „Mrs. Robinson“ an und Mrs. Robinson unterbindet Benjamins Versuche, sie besser kennen zu lernen. Ein kläglicher Versuch, miteinander zu reden, endet im Streit und beinahe im Zerwürfnis. Mrs. Robinson erzählt, dass sie ihren Mann nur deshalb geheiratet hat, weil sie damals von ihm schwanger war; sie haben getrennte Schlafzimmer. Benjamin beschreibt später seine Beziehung zu Mrs. Robinson, nachdem deren Ehemann Wind von der Affäre bekommen hat, mit den Worten: „Wir hätten uns genauso gut die Hände schütteln können“.
Auf Bitten seiner Eltern und von Mr. Robinson geht Benjamin mit Elaine, der Tochter von Mrs. Robinson, aus und verliebt sich in sie. Mrs. Robinson versucht dagegen, diese Liebe von Anfang an zu unterbinden. Sie verkuppelt Elaine mit dem Sportler Carl und arrangiert eine Hochzeit.
In dem dramatischen Höhepunkt des Filmes findet Benjamin heraus, wo diese Hochzeit stattfindet – doch er kommt zu spät. Die Ehe ist gerade geschlossen, das Paar küsst sich. Ein verzweifelter Auftritt Bens auf der verglasten Kirchenempore verändert dennoch alles: Elaine wendet sich ihm zu (Mrs. Robinson: „Es ist zu spät.“ – Elaine: „Nicht für mich.“). Nach kurzem Kampf mit den Anwesenden flüchten Ben und Elaine aus der Kirche und fahren in einem vollbesetzten Linienbus davon.
Anmerkungen
- Der Film wirkte in mehrfacher Hinsicht für damalige Verhältnisse revolutionär. So wurde das erste Mal publikumswirksam und vorurteilsfrei die Beziehung einer verheirateten Frau zu einem jüngeren Liebhaber geschildert.
- Der Film nimmt die verkalkte Moral des amerikanischen Establishments und die Weltfremdheit der jungen Generation aufs Korn.
- Das erste Mal wurde in einem Film Popmusik gezielt eingesetzt, um die Stimmung einer Szene zu transportieren. Der von Simon and Garfunkel eingespielte Soundtrack (mit The Sound Of Silence, Mrs. Robinson und Scarborough Fair) wurde für das Duo zu einem ihrer größten Erfolge.
- Der Film unternahm die erste professionelle Produktplazierung in Form eines Alfa Romeo, womit der Film in seiner Finanzierungsstrategie Neuland betrat. Die betreffende Baureihe wird in den USA hete noch vielerorts Graduate Spider genannt
- Insoweit war der Film eine Reaktion auf die sich ankündigenden gesellschaftlichen und moralischen Umbrüche und somit Vorbote von New Hollywood. * Dies war die erste große Rolle von Dustin Hoffman, der danach zu einem Hollywood-Star aufstieg. Die Rolle erhielt er, weil er beim Vorsprechen sehr unsicher und nervös wirkte, obwohl er mit damals 30 Jahren eigentlich schon zu alt war.
- In den letzten Jahren erlebte der Film durch erfolgreiche Theater-Aufführungen ein Comeback, so in London, wo Mrs. Robinson mit großem Erfolg von Jerry Hall dargestellt wurde.
- In dem Film Wo die Liebe hinfällt wird der Film in gewisser Weise fortgesponnen: eine junge Frau erfährt kurz vor ihrer Hochzeit, dass ihre Familie das Vorbild für den Film darstellt. Shirley MacLaine übernahm die Rolle von Mrs. Robinson, Kevin Costner gibt Benjamin Braddock.
- Ursprünglich war Robert Redford für die Rolle des Benjamin Braddock vorgesehen. Er strahlte jedoch nicht die nötige Unsicherheit aus.
- In der berühmten Szene, in welcher Dustin Hoffman im Türrahmen steht und das Bein von „Mrs. Robinson“ zu sehen ist, kam ein Bodydouble (Linda Gray) zum Einsatz.
- Für einen Werbespot für den damals neuen Audi A6 kehrt Dustin Hoffman 2004 in seine Rolle zurück: Man sieht ein Hochzeitspaar, Hoffman auf der Galerie der Kirche, die junge Braut flüchtet mit ihm im Audi – Darauf sie: „Danke Dad!“, er: „Wie deine Mutter“.
- Die Eröffnungssequenz inspirierte Quentin Tarantino für den Vorspann in seinem Film Jackie Brown.
- Das Ende wurde mehrmals im Fernsehen parodiert. So z. B. in King of Queens, Die Simpsons und Wayne’s World 2.
- Ebenso findet sich eine Anspielung auf die Kirchenszene in dem Computerspiel The Secret of Monkey Island
Auszeichnungen
Mike Nichols erhielt 1968 einen Oscar für die beste Regie. Nominiert war der Film außerdem in den Kategorien Bester Film, Bestes adaptiertes Drehbuch (Calder Willingham und Buck Henry), Bester Hauptdarsteller (Dustin Hoffman), Beste Hauptdarstellerin (Anne Bancroft), Beste Kamera (Robert Surtees) und Beste Nebendarstellerin (Katharine Ross).
Den BAFTA-Award gewann der Film in den Kategorien Beste Regie, Bester Film, Bester Schnitt (Sam O’Steen), Bester Newcomer (Dustin Hoffman) und Bestes Drehbuch. Nominiert waren außerdem Anne Bancroft als Beste Hauptdarstellerin und Katharine Ross als Beste Newcomerin.
Neben fünf Golden Globes in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Beste Hauptdarstellerin“ (Anne Bancroft) und „Beste Newcomer“ (Dustin Hoffman und Katharine Ross), erhielt der Film Preise der Gilden der Regisseure und Drehbuchautoren sowie den Regie-Preis der Kritikervereinigung von New York. Hauptdarsteller Dustin Hoffman gewann 1969 zudem den französischen Étoile de Cristal als bester ausländischer Darsteller.
1998 landete er bei einer Wahl zum besten amerikanischen Film des American Film Institute auf dem 7. Platz.
Poster und Merchandise zum Film im Fanshop
Kommentare — Sehenswert 7.6
Der Film Die Reifeprüfung wurde von 2411 Mitgliedern bewertet.
doctorgonzo 2010/01/27 15:02:24
filmfan90 2010/01/07 04:07:48
Ein zeitloser Klassiker des "New Hollywood"- Kinos, der zu meinen Lieblingsfilmen gehört, ist Mike Nichols' "The Graduate". Dieser Film ist in nahezu jeder hinsicht perfekt durchdacht und ich habe auch nach dem fünften Ansehen des Films neue Metaphern und Symbole entdeckt, die dem Film einen hohen ästhetischen Wert geben. Als Ben beispielsweise widerwillig die Treppe hinuntergeht, um an der Party, die ihm und seinen Leistungen auf dem College zu Ehren veranstaltet wird, ist an der Wand das Bild eines Clowns zu sehen- ein Ausdruck des Gefühlszustands, in dem sich Ben in diesem Moment befindet. Selbst die Fahrbahnmarkierungen am Ende des Films und während Ben in seinem AR Spyder den Highway entlangfegt, besitzen eine ganz eigene Symbolik, die sogar maßgeblich zur Interpretation des Films beiträgt: (Spoiler!) Während Ben auf der Fahrt zu Elaines Hochzeit ständig auf der Überholspur rast, sitzen er und seine Geliebte am Ende des Films in einem Bus, der eine Straße, auf der Überholverbot gilt, entlang tuckert. Nachdem Ben die Hochzeit erfolgreich gestürmt hat, beginnt nun für die beiden Liebenden der Weg in die Bürgerlichkeit; die beiden werden Teil des Systems, gegen das sie wenige Minuten zuvor noch angekämpft haben. Man mag sich über meine Interpretation der Schlussszene streiten können, doch ist es eine Tatsache, dass "The Graduate" ein intelligenter, spritziger, lustiger, z.T. auch trauriger Film ist, der einiges an Substanz besitzt und nicht zuletzt durch den legendären Soundtrack von Simon and Garfunkel überzeugt. Auch das Schauspielerdreigestirn Hoffman/ Bancroft/ Ross ist unvergleichbar gut; jeder der drei Schauspieler wird seiner Rolle vollends gerecht und ich könnte mir keine bessere Besetzung vorstellen. Insbesondere dem zum Entstehungszeitpunkt des Films bereits 30 Jahre alten Dustin Hoffman gelingt es, die Zerrissenheit, Langeweile und jugendliche Naivität Bens auf wunderbare Weise darzustellen.
Einer der besten Filme aller Zeiten!
Kommentar gefällt mir 1 Antworten
Darbon 2010/02/02 02:12:20
Etwas mehr Clown angesichts des Clowns an der Treppe wäre bei Hoffmans Ben wünschenswert. Denn der bis zum Alarm in der Kirche und der Busfahrt immerzu steif gespielte Ben ist nicht annähernd ein Doinel. Und das verkopfte, steife "New Hollywood" ist ein hier ein Witz gegen sein so oft erklärtes Vorbild der "Nouvelle Vague". Während La Bancroft edel und verrucht dahinwelkt als Elaines Mutter und die atemberaubend schöne Katharine Ross, die selbst unter den baumelnden Titten einer Go-Go-Dame gedemütigt und hilflos unvergleichlich aufblühend undtraurig den Frühling spielt, der den Winter vertreibt (die überdeutlichen Postkarten-Motive an der Uni), ist Hoffman schnöde im Vergleich zur Reifeprüfung des Antoine Doinel in Truffauts etwa zeitgleich entstandenen "Geraubten Küssen". Christine Darbon...Elaine Robinson...
Die so langen wie statitschen Motive, die durchaus geschmackvoll und zeitlos schön sind, dümpeln leider dahin in diesem allzu larmoyanten Film, der sich der Revolution an den Swimmingpools der Reihenhäuser zu seicht verweigert: "The Graduate" ist bleischwer und weinerlich im Vergleich zu den federleichten "Baisers volés". Das Finale ("Elaine!" "Ben!") und die Fahrt im Bus reißen es dann nach einem Film, der mit seinem seichten Geplänkel ständig zu Pipi-Pausen einlädt, wieder raus.
Dein Verweis auf die etlichen Metaphern und Symbole adelt das hübsche Postkartenidyll, doch es bleibt bis auf das sehr europäische, fast weise und zurecht filmgeschichtlich zurecht bedeutende Ende eine amerikanische Schmonzette.
willy50 2009/12/13 06:06:48
wie man bei Käse die Reife prüft ? Einfach mal leicht draufdrücken und wenn er etwas nachgibt ist er alt. Und dieser beginnt schon leicht nachzugeben.... Nochmal 42 Jahre und es heißt dann: Hello Darkness, my old friend !
3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
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Der Film Die Reifeprüfung gehört zum Genre Tragikomödie, Romanze. Regie führte Mike Nichols.

Toll inszenierter Klassiker mit herrlichen Dialogen, großartiger Musik und wunderbar aufgelegten Hauptdarstellern. Bancroft und Hoffman ergänzen einander auf mitreißende Weise und die Dialoge scheinen ihnen selbst zu entspringen und nicht einem Drehbuch... "Wir hätten uns genausogut die Hände schütteln können" ist eine herrliche Erklärung über die Affäre. Dazu kommt ein Ende, das durch zahlreiche Reminiszenzen geadelt wurde, wie zum Beispiel durch Mike Myers oder durch die Simpsons. Zusätzliches Highlight ist das Product-Placement von Alfa Romeo, die Präsentation des damals neuen Spider im Film führte zu bemerkenswerten Kauferfolgen und auch heute noch sind die alten Spider Modelle in den USA als "Graduate" (orig. Kinotitel) bekannt. Vielleicht kein Meilenstein, da er ja nichts Bahnbrechendes oder Neues zeigt (auch wenn eine Affäre zwischen einer älteren, verheirateten Frau und einem College Bubi damals schockieren konnte), aber was er zeigt, und vor allem wie, machen aus diesem Film ganz eindeutig ein Must-See!
3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten
pellekraut007 2010/02/03 13:41:14
Gibt's etwas Vergleichbares aus dieser Zeit, das das Thema "ungleiche Liebespaare" so gut behandelt? Schade eigentlich, dass Mrs. Robinson fies und berechnend bleibt und Benji sich für Elaine entscheidet! Oder, was für ein Glück, sonst hätten wir die Kirchenszene nie erleben dürfen... xD
doctorgonzo 2010/02/04 00:18:38
Ich finde gerade, dass fiese und berechnende Element trägt entscheidend zum zeitlosen Charakter des ganzen Filmes bei.