Einer trage des anderen Last

Einer trage des anderen Last (1988), DE
Laufzeit 118 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 20.10.1988

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von Lothar Warneke, mit Johanna Clas und Karin Gregorek

Ein privates Lungensanatorium Anfang der 50er Jahre in der DDR. Zwei an Tuberkulose erkrankte Männer müssen sich ein Zimmer teilen: Josef Heiliger (Jörg Pose), Offizier der Volkspolizei, und Hubertus Koschenz (Manfred Möck), ein evangelischer Vikar. Dem Marxisten und dem Christen fällt es nicht leicht miteinander auszukommen. Denn während Heiliger ein Stalinbild über seinem Nachttisch aufhängt, lässt sich der Vikar nicht nehmen, ein Christusbild anzubringen. Heiliger liest Marx und Lenin, Koschenz die Bibel. Das geht nicht lange gut. Bald fordern beide vom Chefarzt, in getrennte Zimmer verlegt zu werden.


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Kommentar — Film: Einer trage des anderen Last

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Bewertung7.0Sehenswert

Als Lothar Warneke am 5. Juni 2005 verstarb, würdigte ihn Matthias Platzeck als einen der "ganz Großen" des deutschen Kinos, der mit seiner "leisen, menschlichen Art" in "Einer trage des anderen Last" "Millionen in die Kinos" gezogen habe. Dass dieser so erfolgreiche Film auch sein letzter war, verschweigt der Nachruf. In der gewendeten Republik fand Warneke keine Arbeit als Regisseur mehr. Dabei war er einer, der früh das Kino zum Leben zu öffnen verstand, lange vor der aufgeblasenen "Dogma '95"-Bewegung und im Gegensatz zu vielen seiner Regiekollegen in der DDR. "Der dokumentare Spielfilm" war anknüpfend an den italienischen Neorealismus Titel seiner Diplomarbeit von 1964 und Programm für ihn selbst. Seine Filme siedelten außerhalb der Künstlichkeit von Studiokulissen, im Spannungsfeld zwischen privaten Nöten und gesellschaftlichen Zwängen. Am besten gelang ihm das vielleicht in "Die Beunruhigung" (1982), wo Christine Schorn als krebskranke Eheberaterin Bilanz ihres Lebens zieht und ihre scheinbar geordnete Welt ins Wanken gerät.
In "Einer trage des anderen Last", dem bekanntesten Film Warnekes, streiten ein Volkspolizist und ein Vikar offen über ihre Weltanschauungen. Dafür erhielten die Darsteller bei der Berlinale 1988 den silbernen Bären. Damals vieldiskutiert, wirkt der Film heute wie ein Abgesang auf ein untergegangenes Land. Und auf einen vergessenen Regisseur. Wenn man Warnekes Filme heute wiedersieht, mag man das ein wenig bedauern.

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