Fellinis Satyricon

Satyricon (1969), IT/FR
Laufzeit 135 Minuten, FSK 18, Drama, Komödie, Kinostart 06.03.1970

6.8 Kritiker
10 Bewertungen
Skala 0 bis 10
6.4 Community
190 Bewertungen
4 Kommentare
Fellinis Satyricon - Bild 6067072
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von Federico Fellini, mit Martin Potter und Hiram Keller

Mit diesem ebenso gebildeten wie raffinierten Film lieferte einer der größten Regisseure der Filmgeschichte sein Meisterwerk ab. Federico Fellini, Schöpfer von Klassikern wie La Dolce Vita, La Strada und 8 ½ wurde dank Satyricon für den Oscar nominiert. Mit einer nie gesehenen visuellen Kraft, nimmt der Film den Zuschauer mit auf eine phantastische Reise durch eine absolut dekadente Gesellschaft. Die Zeitreise führt in das derbe, erotisch ausschweifende und hedonistische Rom unter Kaiser Nero. Dort versuchen zwei Jünglinge, sich bei der Werbung um die Gunst eines Lustknaben gegenseitig auszustechen. Der Film zieht Parallelen zur Ich-Bezogenheit moderner Gesellschaften: Für die Bürger Roms steht ihr Vergnügen an erster Stelle. So erfahren sie zwar höchste Sinnesfreuden aber auch tiefste Verzweiflung und Leere. All das zeigt Fellini in visuell verführerischen Szenen, die den Zuschauer zugleich schockieren und in ihren Bann ziehen.

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Kommentare (4) — Film: Fellinis Satyricon

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David "Noodles" Aaronson

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Rome
Before Christ
After Fellini

So die englische Tagline. Tatsächlich könnte keine Beschreibung treffender sein.

Fellinis Versuch ein "La Dolce Vita" der Antike zu veranstalten. Wer immer auch anderen Mitmenschen römische Dekadenz bescheinigt, hat "Satyricon" noch nicht gesehen, ansonsten würde er angesichts des dargestellten jegliche Beschuldigungen zurücknehmen.
Selbst für Fellini ist das ganze extrem bizarr. Deformierte und grotesk geschminkte Gestalten treiben sich in, anscheinend wahllos, aneinander gepappten Episoden herum.

Neben Kubrick dürfte es damals keinen anderen etablierten Regisseur gegeben haben, der die neuen Möglichkeiten der (kinematographischen) Freizügigkeit so unverblümt auf die, überborden bunte, Leinwand geworfen hat. Sex, Gewalt, Wollüstigkeit ziehen sich als einzige Konstante durch das Werk. Übertroffen nur noch durch Gier, Gier nach allem möglichen und unmöglichen Dingen, wessen ein Mensch habhaft werden kann (gerne auch andere Menschen). Gemeint sind hierbei freilich die späten 1960er Jahre. Aus heutiger Perspektive ist dies z.t. nicht gleich offensichtlich. Zu verschroben sind einige Bilder, manchmal auch zu plump (wie z.b. Trimalchios Auftritt als Adliger/Kapitalist, der seine eigenen Ländereien nicht kennt, da er schlicht zu viele besitzt).

"Satyricon" ist dennoch weit davon entfernt ein abgeschmacktes Historien-Flick zu sein; jene Streifen die schon nach 10 Jahren hoffnungslos veraltet sind. Aus der Undeutbarkeit diverser Szenarien resultiert zweifelsfrei eine gewisse Zeitlosigkeit. Was auch daran liegen mag dass Fellinis Film überhaupt keine fest zu ortbare Geschichtsepoche zeigt, nicht einmal im Ansatz.
Also doch wieder der ungemütliche Weltzustand des Menschen, als filmisches Spektakel? An dem sich trotzdem keiner satt sehen kann? (und hier gibt es wirklich was zu sehen!) Was ist denn nun "Satyricon"?

Überlasse ich, zum Verständnis, lieber John Lennon das letzte Wort: „Die Tourneen der Beatles liefen ab wie Satyricon“

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patcharisma

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Bewertung7.0Sehenswert

"Satyricon" war auch für Hippies 1969, mit ihrer gerade erlernten und neu definierten Ideologie der Toleranz, eine Extremerfahrung. Mein Stiefvater war damals besessen von Fellini, aber diesen Film hasste er als sein einziger aufs Blut. Warum denn wohl nur? In keinem anderen von Fellini's Filmen ist das Aufgebot an monströsen Figuren verstörender als hier, nirgends ist die (alb-)traumhafte Desorientierung weiter fortgeschritten. Die damals bei 68ern, Baby-Boomers, Mao-Jüngern etc. verhasste Homosexualität wird hier als ein normativer Side-Effekt des Ganzen dargestellt, nur schon das alleine war krass genug.

Sagen lässt sich immerhin als Hintergrund: Der Film ist die freie Umsetzung des gleichnamigen Romanfragments von Petronius Arbiter (ca. 14 - 66 n.Chr.), eines satirischen Sittengemäldes über das dekadente Rom zur Zeit Kaiser Neros.

An der Seite des Jünglings Encolpiums (Martin Potter) werden Lusthöhlen und Fressgelagen durchschritten, man gelangt auf ein Sklavenschiff und begegnet lauter mythischen Gestalten. Versucht man die sinnverwirrende Oppulenz auf zwei Begriffe zu reduzieren, sind es Lust und Tod: Der ist allgegenwärtig, vom Sex besessen scheinen hier eh alle. Encolpius, der mit Freund und Widersacher Ascyltos um einen Lustknaben konkurriert und teliweise mit Impotenz bestraft wird, begleitet man durch die ganze Odyssee hindurch. Die verkannten, mediokraten Dichter, die dekadenten Neureichen, Hermaphroditen, Huren, Pädophilen und Zauberer, nur solche Figuren scheint es hier zu geben.

Der Punkt: Man kann den Film auch als kritische Auseinandersetzung mit dem Hedonismus der Hippie-Bewegung verstehen. Ist die "Lust" (freie Liebe und endloser Drogen-Konsum) einmal zum reinen Selbstzweck geworden, verkommt sie zu einem Mittel der Unterwerfung oder verdeckt die erschreckende Leere dahinter. Und trotzdem sind es die Jungen, die sich von der verkommenen Welt der alten, besitzgierigen Männern für eine lichtere Zukunft abwenden. Ihnen könnte mit dem schrägen Panoptikum als Fazit etwas Sympathie von Fellini zugetragen geworden sein.

16 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

patcharisma

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Well go for the L$D-Trip... xD


fabel

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Eigentlich wollte ich mir ja nicht mehr soviel vormerken..aber hier nach komm ich nicht drum rum. Hört sich spannend an. ;)


caliban

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

irgendwie trashig, aber eben auch Kult

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dAShEIKO

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Bewertung1.0Ärgerlich

Fellini kann man gut finden - muß man aber nicht. Und ich tus nicht;)

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