Die Hölle von Henri-Georges Clouzot

L'enfer d'Henri-Georges Clouzot (2009), FR
Laufzeit 94 Minuten, FSK 16, Dokumentarfilm

- Kritiker
0 Bewertungen
Skala 0 bis 10
8.0 Community
11 Bewertungen
1 Kommentare
Die Hölle von Henri-Georges Clouzot - Bild 3893931
  • DVD
Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
noch nicht bewertet

von Serge Bromberg und Ruxandra Medrea, mit Romy Schneider und Bérénice Bejo

Romy Schneider und Serge Reggiani standen 1964 für einen Film mit dem Titel “L’enfer” vor der Kamera. Es ging damals um die Eifersucht in der Beziehung eines frisch verheirateten Paares. Wegen eines Herzinfarktes des Regisseurs Henri-Georges Clouzot während der Dreharbeiten wurde der Film nicht fertiggestellt, die damals als revolutionär bezeichneten Filmaufnahmen galten lange Jahre als verschollen und wurden erst 2009 wieder ausgegraben und in dieser Dokumentation gezeigt. Das Thema wurde 1994 auch von Claude Chabrol aufgegriffen und neu verfilmt.


Cast & Crew


Kommentar — Film: Die Hölle von Henri-Georges Clouzot

Kommentar schreiben
Sortierung

Joe Gillis

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Henri-Georges Clouzot hatte Großes vor, und er hielt einen Blankoscheck seiner Produzenten in Händen. »L’enfer« – die kinematographische Studie der rasenden Eifersucht eines Mannes in den sogenannten besten Jahren (Serge Reggiani) auf seine junge, schöne Ehefrau (Romy Schneider) – sollte kein simples Meisterwerk werden sondern der Film aller Filme. Clouzot suchte dabei weniger die Außenansicht als vielmehr die Innenperspektive der Umnachtung – die Kamera würde gleichsam mit den Augen des Wahnsinns schauen. Testweise wurden Kilometer von Zelluloid mit visuellen Experimenten belichtet, die sich auf Vorbildern aus Op Art und kinetischer Kunst bezogen. Mit dem Beginn der Dreharbeiten jedoch wurde aus der Höllenfahrt des Protagonisten die des Regisseurs. Clouzot scheiterte an seinem Perfektionismus und an der ungeheuren schöpferischer Freiheit, die er genoß. Drei Kamerateams warten auf die Inspiration des Meisters, der seinerseits nichts unterließ, Crew und Cast zur Weißglut zu treiben. Nach drei Wochen reiste der Hauptdarsteller enerviert ab, kurz darauf erlitt Clouzot einen Herzinfarkt. Der Film wurde abgebrochen. Fast ein halbes Jahrhundert lang waren Proben und Muster im Safe der Filmversicherung begraben, bis der Dokumentarist Serge Bromberg den Schatz gehoben hat, um aus dem bemerkenswerten Material und Interviews mit Zeitzeugen einen wunderbar-abgründigen Essay über künstlerische Obsession und die Grenzen der Kreativität zu komponieren – so atemberaubend wie ein Film von Henri-Georges Clouzot.

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kommentar schreiben