Reporter des Satans

Ace in the Hole (1951), US Laufzeit 111 Minuten, FSK 16, Drama, Thriller, Kriminalfilm, Kinostart 15.02.1952


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7.7
Kritiker
5 Bewertungen
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8.0
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127 Bewertungen
5 Kommentare
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von Billy Wilder, mit Kirk Douglas und Jan Sterling

Charles Tatum hatte einst eine große Karriere vor sich, doch er ist bei allen großen Zeitungen inzwischen gefeuert worden und arbeitet nun als kleiner Reporter bei einer Lokalzeitung. Als er eines Tages erfährt, daß in einem nahegelegenen Bergwerk ein Mann verschüttet wurde, macht er sich sofort auf den Weg dorthin und berichtet exclusiv von dem Unfall, wobei er alle Möglichkeiten ausnutzt, um aus dem tragischen Unfall eine große Story zu machen, die ihm die letzte Chance eröffnen soll, doch noch ein großer Vertreter seines Gewerbes zu werden.


Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Reporter des Satans
Genre
Drama, Thriller, Film Noir
Handlung
Eingesperrtsein, Höhle, Reporter, Sensationspresse, Sterben und Tod
Verleiher
Paramount Pictures
Produktionsfirma
Paramount Pictures

Kommentare (5) — Film: Reporter des Satans


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franticfury

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Diesen feinen Film kann man in der großartigen Filmografie von Regiegenie Billy Wilder gerne mal übersehen, neben Meisterwerken wie "Sunset Blvd." oder "The Apartment", dabei ist "Ace in the Hole" womöglich gar sein zeitlosester Film. Denn schließlich hatte Wilder die zwielichtigen Machenschaften der Presse bereits 1951 durchschaut - und auf bitterböse Art und Weise mit ihnen abgerechnet.
In "Ace in the Hole" nutzt Kirk Douglas als gescheiterter Reporter Chuck Tatum das Unglück eines Minenarbeiters rücksichtslos für seine eigenen Zwecke aus. Durch Zufall kommt er als erster an die Unglückstelle, wo der Arbeiter Leo Minosa verschüttet liegt. Schnell bemerkt er, dass sich Leos Unglück als sein Glück erweisen könnte, denn schließlich war Tatum einst Reporter einer großen New Yorker Zeitung und diesen Job möchte er sich gerne wieder zurückholen. Da es Tatum mit der Wahrheit von jeher nicht ganz so genau nimmt, beginnt er die Sachlage so hinzustellen, wie es für seine Zwecke am günstigsten erscheint. Er lügt, schließt Abmachungen mit dem korrupten Sheriff, um seine Konkurrenten bei der Berichterstattung zu behindern, er setzt Leos Leben bewusst aufs Spiel, beordert extra einen Spezialbohrer, der die Rettungsarbeiten unnötig in die Länge zieht, um die Geldkuh so lange zu melken, wie nur irgendmöglich. Schnell entwickelt sich ein Hype um Leo, der alle Grenzen des gesunden Menschenverstands sprengt. Eine Art Vergnügungspark entsteht nur hunderte Meter vom Eingang der Mine entfernt, wo Leo weiterhin eingeschlossen um sein Leben kämpft, wo sich die Menschen amüsieren und hin und wieder mal ein Liedchen für den eingeschlossenen trällern. Man muss es lieben das menschliche Mitleid...
Leo wird dabei immer mehr zum Spielball persönlicher Interessen. Tatum sieht in ihm einen Weg die Karriereleiter emporzusteigen, der Sheriff hofft durch das Unglück seine Wiederwahl in trockene Tücher zu bringen und Leos Ehefrau, die ach so besorgte, liebende Ehefrau, sieht einen Weg auf schnellen, unverhofften Reichtum. Wilder ist dabei ein bitterböses Meisterwerk gelungen, das nicht nur mit dem Sensationsjournalismus abrechnet, sondern auch mit der Heuchelei menschlichen Zusammengehörigkeitsgefühls. Denn irgendwann hat fast jeder vergessen, worum es hier eigentlich geht. Nicht um Geld, nicht um Posten und Ämter und schon gar nicht ums persönliche Vergnügen, sondern um ein Menschenleben, das es zu retten gilt.

Wilder zeigt uns in "Ace in the Hole" meisterhaft auf, dass Massenhysterie kein Phänomen der Neuzeit ist, sondern der Sensationsdrang des Menschen seit jeher gestillt werden mag. Der Mensch liebt die Sensation, denn er liebt es seinem tristen Alltag zu entfliehen. Besonders dann wenn diese Sensation mit dem Unglück anderer einhergeht, denn schließlich hat es etwas ungeheuer Belebendes dem Tod ins Auge zu blicken, ohne selbst davon betroffen zu sein. Wie heißt es im Film so schön: "Only bad news is good news".
In Zeiten, in denen bestimmte Boulevardzeitungen (ich nenne mal keine Namen) jeden Tag aufs neue Millionen Leute verdummen, in denen die Geburt eines einzelnen Kindes wie die Ankunft eines Messias gefeiert wird, während anderswo auf der Welt jeden Tag tausende Kindern aufgrund fehlender medizinischer Versorgung gleich nach der Geburt wieder sterben, wenn der Tod eines einzelnen Popstars Wochen später noch jedes Titelblatt füllt und Millionen Leute mehr Tränen vergissen, als sie in einem Jahr mit drei Todesfällen in der eigenen Familie tun, dann könnte "Ace in the Hole" wohl nicht relevanter sein. Wilder hat nicht weniger als ein Meisterwerk geschaffen, das immer noch nachklingt, selbst über 60 Jahre später!

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BigDi

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Bewertung9.0Herausragend

Und wieder einmal zeitloses Kino vom Meister Billy Wilder. Damit sich Menschen füreinander interessieren, bedarf es entweder großer Taten oder großer Unfälle. Als ein einfacher Minenarbeiter mit Letzterem in Berührung kommt, ist das der erste Schritt zu einem lauten, vergnügten und profitbringenden "Leo-Land", einem Vergnügunspark für menschliche Sensations...pardon, für menschlichen Mitleid natürlich! Charles Tatum (so unerschütterlich in seinem Vorhaben, dass er sich nicht einmal von seinen Eiern etwas sagen lässt: Kirk Douglas) entfesselt einen Jahrmarkt um einen Sterbenden und sorgt mit aller Inbrust dafür, dass er ja nicht zu früh zurück an die frische Luft gelangt - denn nur Leid funktioniert als Publikumsmagnet und Karierreleiter zugleich. Ein korrupter Sherrif mit einer Schlange im Karton auf dem Weg zur Wiederwahl, ein Berichtserstattungsmonopol ("Come on, buddy, we're all in the same boat." - "I'm in the boat - you're in the river. Now let's see you swim...buddies.") und eine Ehefrau, der letzten Endes nichts Besseres hätte passieren können - der "Reporter des Satans" hat beim Informationspokern den "Ace in the Hole" und für eine gute Schlagzeile würde er sogar sich selbst verkaufen. Eine gleißende Noir-Satire ohne Verfallsdatum, aber was hätte man anderes erwarten können. Dass der Film hier nicht einmal auf 50 Bewertungen kommt, ist sehr traurig.

"Bad news sells best. Because good news is no news."

Vorgestern der hasserfüllte Anschlag in Norwegen, gestern der Tod von Amy, ansonsten...ähm, gab es sonst noch Neuigkeiten? Charles Tatum wird auf Ewigkeit Recht behalten.

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BigDi

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Da hast du sicherlich recht, aber "Reporter des Satans" hat schließlich einen sehr bekannten Regisseur und fristet dennoch ein kaum beachtetes Dasein.


the traveler

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Reporter des Satans bekommt man aber auch einfach nirgends.. Wo hast du ihn her?


Keoma

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Bewertung9.5Herausragend

Da dreht Billy Wilder 1950 SUNSET BOULEVARD, einen extrem pessimistischen Blick in die Abgründe Hollywoods. Der Film wird ein Erfolg und Billy Wilder darf seinen erfahrenen Blick (immerhin war er mal Reporter der B.Z.) auf das Mediengeschäft werfen. Und auch hier scheint er keine guten Erfahrungen gesammelt zu haben. ACE IN THE HOLE (dt.: REPORTER DES SATANS) ist der Abgrund, purer Zynismus, absolut hoffnungslos. Die wenigen guten Menschen, die ihn bevölkern, sind am Ende die Verlierer. Wilders Menschenbild (sensationsgeile Gaffer, Spaßsucher und korrupte Nutznießer) ist heute noch erschreckend aktuell und wird sich, wenn man sich die Entwicklung der modernen Massenmedien betrachtet (erinnert sich noch wer an den "Maschendrahtzaun"?), in den nächsten Jahren eher noch verfinstern. Vor dem endgültigen Absturz in die totale Depression rettet den Zuschauer vor allem Wilders Talent, selbst die düstersten Geschichten noch mit galligem Humor zu würzen. Zudem gibt Kirk Douglas einen selten coolen Dreckskerl. Man kann gar nicht umhin, ihn zu hass-lieben. Aus den Ideen, die dieser Film zu bieten hat, haben sich im Laufe der Jahre noch viele andere Meisterwerke bedient (spontan fallen einem da NETWORK und WAG THE DOG ein). Er ist schlicht ein Meisterwerk!

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makatu

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Bewertung9.0Herausragend

Welches ist der "böseste" Film von Billy Wilder, "Double Indemnity" oder "Sunset Blvd."? Ich denke keiner von beiden, sondern einer, der nur selten unter seinen besten Filmen genannt wird, obwohl er es verdient hätte. Der Grund ist simpel - kommerziell wurde "Ace in the Hole" ein riesiger Flop. Das kann kaum überraschen, so gnadenlos wie hier wurde der Zuschauer selbst wohl selten in einem Film angeklagt, und das hat er nicht gern.

Der Mann, der hier das schlimmste im Durchschnittsbürger hervorkehrt: Boulevardreporter Charles 'Chuck' Tatum (Kirk Douglas), ein cholerischer Säufer, der sich unter anderem deshalb nie lange in einer Redaktion hält, der aber unbedingt wieder aus der Provinz nach New York will, dafür braucht er eine möglichst große und erfolgreiche Story - koste es, was es wolle...

Kirk Douglas in dieser frühen Phase seiner Karriere ist der ideale Schauspieler für diese Rolle - wie er mit Leichtigkeit etwa einen jugendlichen Reporter, die Ehefrau des verschütteten Arbeiters sowie zahllose Schaulustige korrumpiert, hätte einen Oscar verdient gehabt, für den er natürlich nicht mal nominiert wurde. Die Szenen, die der zweite Titel des Films ("The Big Carnival") beschreibt, gehörten wohl zum zynischten, was je gedreht wurde.

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patcharisma

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Bewertung7.5Sehenswert

Unglaublich bösartige, zynische Gesellschafts-Kritik und Abrechnung über Sensations-Journalismus vom Regie-Genie Billy Wilder. Der fiese Original-Titel "Ace In The Hole", lässt keine Wünsche offen. Schier unglaublich: So garstig kann Kino 1951 sein!

(1974 verarbeitete Wilder dann das selbe Thema nochmals in "Extrablatt", diesmal mit dem ultra-schnellsprechenden Duo Lemmon/Matthau und etwas mehr Non-Chalance.)

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Filmsuechtiger

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Interessant ist, dass die Hauptfigur in Extrablatt ein Mann und im "Original" eine Frau ist.


patcharisma

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Habs mir grad vorgemerkt, danke für den Tipp!



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