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Schreie und Flüstern
Viskningar och rop (1972), SE Laufzeit 88 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 20.09.1973
8.0
Kritiker
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Moviemaster:Movie
von Ingmar Bergman, mit Harriet Andersson und Kari Sylwan
Schweden, Ende des 18. Jahrhunderts. Karin und Maria kehren auf den elterlichen Landsitz zurück, um sich von ihrer krebskranken Schwester Agnes zu verabschieden, die das düstere Anwesen allein mit der Haushälterin Anna bewohnt. Angesichts des nahen Todes nehmen die Besucher ihren Aufenthalt zum Anlass, eigene Ängste und Enttäuschungen zu reflektieren. Mit sich selbst beschäftigt, sind sie nicht in der Lage, ihrer Schwester Trost und Liebe zu geben.
Mehr Bilder (6) und Videos (1) zu Schreie und Flüstern
Cast & Crew
Drehbuch
Filmdetails Schreie und Flüstern
- Genre
- Familiendrama, Drama
- Zeit
- 18. Jahrhundert
- Ort
- Schweden
- Handlung
- Schwester-Schwester-Beziehung, Sterben und Tod
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Kritiken (1) — Film: Schreie und Flüstern
Ulrich Behrens
Kommentar löschen„Schreie und Flüstern” zeigt eine Welt der seelischen Gefängnisse, zeigt uns Menschen, die ihr Gefängnis nicht bewusst als solches verstehen können, denen aber angesichts des Todes der Schwester genau diese Wahrheit vor Augen gehalten wird. Die Angst als Schutzmechanismus treibt sie in die Unbewusstheit ihres Lebens zurück, in dem sie ihr eigenes Inneres genausowenig kennen wie die Außenwelt. Sie kennen nur die ihnen aufgezwungenen Regeln der Disziplinierung, die sie längst als etwas quasi Naturwüchsiges akzeptiert haben.
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Kommentare (14) — Film: Schreie und Flüstern
Pyro 91 Mon, 07 Jan 2013 23:52:40 -0000
Kommentar löschenErst mal: WOW! Wenn Bergman Filme über menschliches Leiden dreht, dann ist man es ja gewohnt, dass er tief in seine Charaktere eindringt und jegliche Schwächen offenlegt. In "Cries and Whispers" lässt er allerdings gar nichts ungeschönt und zeigt uns drei entfremdete Schwestern von ihren hässlichsten Seiten.
Vor unseren Augen bricht er sie volkommen entzwei und schafft damit wohl einen der deprimierendsten Filme, die ich je gesehen habe. Die Frauen im Film sind - bis auf eine Ausnahme - entweder physisch oder emotional richtige Monster und alle Männer sind nutzlos in ihrer Blindheit für die Gefühle ihrer Frauen. Die einzige Frau, die eine Art Mutterrolle übernimmt, ist das Dienstmädchen, das dabei kläglich scheitert und ihr eigenes Kind und ihre Patientin nicht am Leben erhalten kann.
Was den Film besonders interessant macht, sind die Flashbacks, durch die wir die Charaktere besser kennenlernen. Bergman gibt dabei keine klare Unterscheidung zwischen Realität und Traum/Wunschvorstellung vor. Denn was ist eigentlich Realität? Sprechen unsere intimsten Träume und Wünsche nicht manchmal deutlicher als unsere Taten? Sind diese kleinen Einblicke in die menschliche Seele - völlig ungefiltert und einmalig - nicht weitaus bedeutender und vielsagender als unser konditioniertes, soziales Verhalten, das vieles unterschlägt und beschönigt?
Bergman macht dies ganz deutlich, als Karin zum ersten Mal tacheless mit ihrer Schwester Maria redet und ihr gifige Worte voller Hass entgegenschleudert, die sich seit Jahren bei ihr aufgestaut hatten. Für kurze Zeit hat man den Eindruck, es würde den Schwester vielleicht helfen sich auszusprechen, doch beide schaffen es trotz den Tod ihrer anderen Schwester nicht sich zu versöhnen oder ins Reine zu kommen.
Hier passt der Filmtitel "Schreie und Flüstern" wirklich perfekt. "Schreie" verbindet man eher mit Leiden, Hass, Angst, Konflikten, "Flüstern" mit Liebe, Zuneigung und Verbundenheit.
Alle Charaktere im Film tragen diesen Konflikt mit sich und miteinander aus und scheinen unsicher darüber zu sein, ob sie aufeinander einen Schritt zugehen oder ob sie lieber ihre sichere Distanz wahren sollten. Als würde eine körperliche oder emotionale Annäherung wie ein Griff auf eine heiße Herdplatte sein, deren Wärme einen unterträgliche Schmerzen zufügt.
Bergman erweist sich in diesem Film vor allem als kleiner Sadist;): Er macht nicht vor den körperlichen Verfall seiner Figuren halt; zeigt ungeschönte und intensive Konflikte, die nicht gelöst werden; visualisiert mit kalter Präzision unerwiderte und unausgesprochene Gefühle, die kein offenes Ohr finden und als würde das noch nicht reichen, schenkt er uns nur in den allerletzten 15 Sekunden einen kleinen Hoffnungsschimmer, der einsam und auf verlorenen Posten dazustehen scheint.
Wir sehen ein Flashblack, in dem die drei Schwestern fast schon engelsgleich miteinander durch den Garten spazieren. Agnes´tödliche Krankheit wächst bereits in ihr und ihre Schwestern Maria und Karin sind aus Sorge zu ihr gekommen. Alle drei sitzen auf einer Schwingschaukel und das Dienstmädchen schubst sie langsam an. Agnes erzählt: "Come what may, this is happiness. I cannot wish for anything better. Now, for a few minutes, I can experience perfection. And I feel profoundly grateful to my life, which gives me so much."
Sie erlebte damals einen kurzen, lebensbejahenden Moment, in dem alle drei die gegenseitige Präsenz und das bloße "Dasein" geschätzt haben.
Es stimmt, Bergman zeigt in "Cries and Whispers" hauptsächlich menschliches Leiden in all seinen Formen und Ausprägungen und vor allem macht er deutlich, wie allein der Mensch doch ist und wie schwer und fast schon "albern" es ist, eine bedeutende Verbindung/Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen zu wollen. Er scheint das Dienstmädchen in ihrem naiven Glauben schon fast belächen zu wollen. "Leben heißt Leiden", scheint seine Devise zu sein.
Dennoch ist es möglich Glück in der Stille zu finden, im leeren Raum, unkonditioniert und ohne Einschränkungen. Es geschieht in Momenten, die wir nicht planen können, nicht vorhersehen, in denen unsere Seelen im gleichen Takt schlagen.
Ein Mysterium also, genau wie das Leben.
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DerDude_ Mon, 10 Sep 2012 18:31:11 -0000
Kommentar löschenEs ist nicht etwa die detailreiche Ausstattung, die enormen Darstellerleistungen oder die wahrhaft epische, zurecht mit dem Oscar ausgezeichnete Kamera die Bergmanns "Schreie und Flüstern" so verstörend machen. Es ist nichtmal die drastische Verstümmlungsszene oder das unanhörbare Gekeuche und Geschreie. Was "Schreie und Flüstern" unaushaltbar macht ist die enorme Menschlichkeit. Bergmann opfert seine Figuren nicht nur der Menschlichkeit sondern nimmt sie förmlich auseinander, lässt sie emotional zerfallen. Am Ende wird der Zuschauer emotional zusammen geschlagen und mit der letzten Einstellung endgültig in den Dreck getreten.
Eine verstörende Studie über Menschlichkeit.....in Rot.
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Brentano Mon, 10 Sep 2012 20:26:05 -0000
Antwort löschenemotional übertrieben drastisch insistiert?
Geralt von Riva Sun, 16 Sep 2012 15:41:09 -0000
Antwort löschen-Bergman nicht "Bergmann"
Alle 4 Antworten zeigen
Brentano Sun, 16 Sep 2012 16:03:08 -0000
Antwort löschenKrtik an Bergleuten, einem ehrenhaften und aufreibenden Berufsstand, das ist ja die Höhe!? (der Tiefe?)
Geralt von Riva Mon, 17 Sep 2012 21:57:27 -0000
Antwort löschen-DIE Tiefe
franticfury Mon, 10 Sep 2012 14:22:37 -0000
Kommentar löschen"Man könnte sich jeden meiner Filme auch in schwarz/weiß vorstellen - bis auf Schreie und Flüstern" - Ingmar Bergman
Bergmans ultimatives Feel-Bad Movie! Mit Pauken und Trompeten reißt Bergman die Fassade eines aristokratischen Herrenhauses nieder und lässt uns mal so richtig tief in menschliche Abgründe blicken. Diese hasserfüllte Dreiecksbeziehung unter Schwestern sucht bis heute ihres gleichen und ist zugleich eines der eindrucksvollsten Beispiele von Bergmans Genie. Nur ein wahrer Meister hätte mit solch simplen Bausteinen ein derart komplexes, beeindruckendes und verstörendes Werk schaffen können. Eine Farbe genügt schon, und schon ist alles gesagt: Rot. Bei Bergman ist sie nicht mehr länger die Farbe der Liebe, sondern die des Teufels, des Feuers, des Hass. Tatsächlich fühlt sich "Schreie und Flüstern" in etwa so an, als würde man am Eingang der Hölle stehen und hinabschauen in den Schlund, auf die Menschen und auf einmal fühlt sich alles so erschreckend sinnlos und kalt an. Nie war Bergman pessimistischer, nie zynischer und ja, nie war er besser! "Schreie und Flüstern" ist wie die Hand, die sich erst sanft um den Hals des Zuschauers legt, nur um im nächsten Moment gnadenlos zuzudrücken! Wenn dann nach gerade mal 90 Minuten der Abspann über den Bildschirm flimmert und die finale Einstellung, Bergmans letzter gezielter Magenschlag noch nachwirkt, ist man doch irgendwie froh, dass man wieder aus den beklämmenden blutroten Wänden des Hauses ausbrechen kann, weiß aber gleichzeitig, dass man eines der beeindruckendsten Kunstwerke gesehen hat, die der schwedische Meisterregisseur je hervorgebracht hat.
Genial, verstörend, genial verstörend! Bergman zeigt uns einmal mehr, dass der wahre Horror gut versteckt unter der Oberfläche liegt. Hinter den Fenstern eines Hauses, einer scheinbar belanglosen Geste, einem Lächeln... Und Bergmans Genie liegt darin diesen so zu entfesseln, dass sich dieser mit einer wahren Urgewalt auf den Zuschauer entlädt.
Bergman auf der Höhe seines Schaffens!
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DerDude_ Mon, 10 Sep 2012 14:48:23 -0000
Antwort löschenHeftiger Film
franticfury Mon, 10 Sep 2012 14:59:32 -0000
Antwort löschenAuf jeden Fall, böser war Bergman nie :)
fkfilmkritik Mon, 06 Aug 2012 21:51:42 -0000
Kommentar löschenEin Film, der langsam und schmerzhaft im inneren des Zuschauers vor sich hinbrodelt. Dieses Setting, diese roten Wände in die man gefangen genommen wird und dabei auch noch diese unheimlichen Klänge. Ingmar Bergman führt uns mit einer höchst unbequemen Ruhe in die Ängste zweier Schwestern, die nicht in der Lage sind Mitgefühl für ihre Krebskranke Schwester bewahren. Sie schlagen sich mit eigenen Problemen herum. In Rückblenden wird demonstriert an welchen Gedanken sie eigentlich festhalten, nach und nach werden ihre Sehnsüchte und Hoffnungen gezeigt. Am Ende ist man wie gelähmt, wenn man sieht wie die drei Schwestern in weißen Kleidern in einem kitschigen Park spazieren gehen (siehe das Cover). So böse war Bergman nie.
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Geralt von Riva Mon, 06 Aug 2012 22:06:37 -0000
Antwort löschenSo isses. Großartiger Film!
Und natürlich eine tolle Kritik.
fkfilmkritik Mon, 06 Aug 2012 22:15:28 -0000
Antwort löschenDankeschön.
VisitorQ Fri, 02 Dec 2011 19:17:09 -0000
Kommentar löschenBergman ist ja allseits bekannt für seine intensiven und verstörenden Dramen. Schreie und Flüstern übertrifft die meisten seiner Werke aber noch einmal um ein vielfaches. Dieses packende Kammerspiel ist ein so düsteres Werk, dass ich manchmal verdränge, dass ich ihn überhaupt gesehen habe. Ich denke dann hin und wieder "Ach ja, Bergman. Ein Genie. Die Jungfrauenquelle, Fanny och Alexander, Das Schweigen und... OHGOTT! Schreie und Flüstern!! NEEEIN!". Wenn ich mich dann hin und wieder aber dennoch an diesen Film traue bin ich immer wieder aufs neue begeistert: Die Kameraführung, die Geschichte, diese Schauspielerinnen. Filmkunst in Perfektion.
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BigDi Wed, 03 Aug 2011 09:25:47 -0000
Kommentar löschenWillkommen in der Hölle.
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Schlegel Wed, 03 Aug 2011 14:36:48 -0000
Antwort löschenAber mit toller Kamera.
dae-su Mon, 16 May 2011 15:39:20 -0000
Kommentar löschenWas als zwar recht eigenwillige, aber doch nachvollziehbare und verständliche Erzählung beginnt, wird bald zu einem undurchschaubaren Dickicht der menschlichen Psyche - ein Psychogramm gebrochener Frauen, eine Messwaage des Schmerzes, des Verlustes, des Versagens. Schwer - wenn überhaupt - zugänglich und sperrig und anstrengend kommt der Film daher. Aber von unglaublicher visueller und erzählerischer Kraft. Innerhalb von Minuten hat SCHREIE UND FLÜSTERN eine Intensitität erreicht, die bedrückend und für den Zuschauer körperlich schmerzhaft ist. Eine Stimmung von Elend, Krankheit und Unfähigkeit zur Erlösung liegt in der Luft, ein verdorbenes Gefühl der Machtlosigkeit und Faule.
SCHREIE UND FLÜSTERN ist dabei in jeglicher Hinsicht so stark, dass man sich fragt, wie Bergman all das aus seinen Darstellern und all das aus seinem Kopf herausholen konnte. Polanski, Lynch - alle haben bei Bergman abgeguckt und hier wird es einmal mehr deutlich. Ein brillantes Meisterwerk.
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cannibal83 Sun, 20 Feb 2011 15:27:36 -0000
Kommentar löschenDa hat Ingmar Bergman mal wieder einen Film geschaffen der auf so viele verschiedenen Arten unglaublich ist, das es hier den Rahmen sprengen würde. Ich mach's kurz und knapp und sage: "Schreie und Flüstern" ist einer der bildgewaltigsten Filme die ich je gesehen habe, und in Kombination mit Bergman's typischen Blick für das menschliche Innenleben ergibt sich ein weiteres Meisterwerk in der Filmographie des schwedischen Regisseurs. Ansonsten empfehle ich filmfan90's Kommentar der dem Film in puncto Klasse in nichts nachsteht.
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Sigmund Sat, 12 Feb 2011 20:48:47 -0000
Kommentar löschenDrastisch und unbequem, erweist sich Bergman einmal mehr als Meister der eindringlichen Momente. Neben der berüchtigten Genitalverstümmelungsszene und einigen anderen Magengrubenschwingern wird mir auch eine besonders subtile Grausamkeit unvergesslich bleiben: wenn Marias Ex-Geliebter ihr anhand ihrer Gesichtslinien en Detail "aufzeigt", welche Spuren ihr eigener Charakter in sie gezeichnet hat – als Fanal ihrer Makel, die fortan wohl jeden Blick überschatten werden, den sie in den Spiegel wirft.
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Tyler__Durden Sat, 18 Sep 2010 20:54:31 -0000
Kommentar löschenIn dem großen Spektrum von Farben ist es wohl ohne Zweifel Rot welchem wir Menschen uns am nächsten fühlen. Eine wärmende Farbe die nicht selten mit Liebe und Zuneigung in Verbindung gebracht wird. Aber auch das schöne Rot hat seine Schatten Seiten. Eine Farbe voller Wut und Aggression sowie Scheu und Abscheu. Feuer. Blut. Rot. Eine Farbe die dem Menschlichen Geist wohl sehr nahe kommt. Deswegen bleibt mir für Bergman's "Cries and Whispers" auch nur ein Wort welches die Kraft dieses Films beschreibt. Ihr wisst wohl welches ich meine.
Genau.
ROT.
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filmfan90 Mon, 22 Mar 2010 12:00:39 -0000
Kommentar löschenIn „Schreie und Flüstern“ porträtiert Regisseur Ingmar Bergman drei Schwestern, die sich in seelischen Extremsituationen befinden. Die Haupthandlung des Films spielt in einem vornehmen Landhaus Ende des 19. Jahrhunderts.
Karin und Maria sind mit ihren Ehemännern angereist, um der im Sterben liegenden Schwester Agnes beizustehen. Statt sich um die Schwerkranke zu kümmern und ihr die ersehnte Wärme und Zuneigung zu schenken, sind beide Schwestern viel zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftig.
Maria versucht, Agnes‘ Arzt David, mit dem sie anscheinend früher bereits eine Affäre hatte, zu verführen und Karin ist stets darum bemüht, kalt und unnahbar auf ihr Umfeld zu wirken; jede Berührung oder Annäherung ist ihr zuwider. Es scheint, beide Schwestern haben die Fähigkeit zu lieben verloren und es ist lediglich Agnes‘ treue Haushälterin Anna, die sich der Pflege der Sterbenden annimmt. Nachdem Agnes gestorben ist, kommt es zu einer Reihe von Gefühlsausbrüchen, insbesondere seitens Karin, die einerseits zu heftigen Streitigkeiten und andererseits zu Annäherungsversuchen zwischen den Schwestern führen. Am Ende des Films verabschieden sich Maria und Karin im gewohnt kalten Tonfall voneinander…
Auch im vorliegenden Film verzichtet der schwedische Regisseur auf eine komplexe Handlung, sondern fokussiert vielmehr die Spannungen zwischen den Schwestern bzw. ihren Ehemännern vor dem Hintergrund des Krebstodes Agnes‘. Über die Ehemänner Marias und Karins erfährt der Zuschauer nur wenig- Joakim, Marias Gatte, erscheint als unfreiwillig komisch und verweichlicht und Fredrik, der Mann Karins, ist ein ignoranter und egoistischer Tyrann. Während Maria ihre Eheprobleme „ausblendet“, indem sie mit anderen Männern Affären eingeht, entladen sich Karins Spannungen in extremen Handlungen- sie verstümmelt sich mit einer Glasscherbe im Intimbereich…
Bergmans Film ist in der Inszenierung und insbesondere der Charakterzeichnung der Protagonistinnen schockierend und beeindruckend zugleich. Die scharlachroten Wände der Räumlichkeiten des Herrenhauses, das ständige Ticken der Uhren, der dezente Cello- bzw. Klavier- Soundtrack, die hervorragenden Schauspieler und nicht zu letzt die bewegende Geschichte- all jene Faktoren erzeugen ein Höchstmaß an atmosphärischer Dichte und Beklemmung. Erneut beweist Bergman seine Meisterschaft der visuellen Gestaltung seiner Filme, indem er „Schreie und Flüstern“ die Optik eines Biedermeier- Gemäldes verlieh, doch gleichzeitig in einigen Szenen mit christlichen Motiven der Renaissance- Kunst spielt.
„Schreie und Flüstern“ ist ein schonungsloses Meisterwerk, das sehr intime Einblicke in das ambivalente Innenleben der Protagonistinnen eröffnet. Bergman beschwört einen verstörenden Strudel aus Angst, (Selbst-) Hass, Entfremdung und den Abgründen der menschlichen Psyche; doch ist es gerade jener Pessimismus, der von einer demutsvollen Haltung gegenüber dem Leben an sich, man beachte vor allem das bewegende Schlussbild, in dem sich Agnes für ihr „so reiches Leben“ bedankt, und tief verinnerlichten Humanitätsidealen zeugt.
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spanky Tue, 29 Dec 2009 19:22:43 -0000
Kommentar löschenPuh! Alter Schwede, was ein starker Tobak! Wer auf heulende und in Agonie schreiende Frauen mit Duttfrisuren in schweren Roben und Korsagen steht, kommt hier voll auf seine Kosten.
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maxgoesche Thu, 17 Dec 2009 11:09:05 -0000
Kommentar löschenEmotionale Kälte, Selbstekel, Selbsthass, Tod - verdichtet in der erstickenden Atmosphäre eines aristokratischen Herrenhauses des 19. Jahrhunderts. Harriet Andersson, Ingrid Thulin und Liv Ullmann sind ein unglaublich intensives Gespann in einem Film von schwer zu ertragenden Qualen. Man weiß nicht, wer schlimmer dran ist: sind es die Schwestern Maria und Karin, die zu keinem Mitgefühl, keinerlei Zärtlichkeit mehr fähig sind? Oder ist es die krebskranke Agnes, die in ihrem grauenvollen Todeskampf einzig und allein von der Dienstmagd Anna Zuwendung und Liebe erfährt. Bergman porträtiert das in blutroten, gemäldeartigen Kulissen.
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filmbaum Sun, 03 May 2009 00:24:20 -0000
Kommentar löschenBergman: "Als Kind stellte ich mir die Seele als Drachen vor, ein riesiges geflügeltes Wesen, halb Vogel, halb Fisch. Aber im Inneren des Drachen war alles rot." In die Seele dreier Schwestern blickt dieser Film hinein wie in einen tiefen Schlund. Aber dieses Mal nicht in Pastell-Schwarz-Weiß wie bei den großen Erfolgen in den 50ern und 60ern, sondern in schreienden Tönen und Farben. Roter Drache.
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