Viridiana

Viridiana (1961), MX/ES
Laufzeit 90 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 27.04.1962

8.2 Kritiker
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Skala 0 bis 10
7.4 Community
62 Bewertungen
3 Kommentare
Viridiana - Bild 17483
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von Luis Buñuel, mit Silvia Pinal und Francisco Rabal

Die junge spanische Novizin Viridiana besucht ihren Onkel Don Jaime auf seinem Landgut. Ihre verblüffende Ähnlichkeit mit Don Jaimes verstorbener Frau fasziniert ihn zutiefst. In seiner Obsession wirbt er um ihre Hand. Als sie ihn abweist, erhängt er sich. Von Schuldgefühlen geplagt, lädt Viridiana Bettler, Landstreicher und Kranke auf das Gut ein. Jedoch wird Viridianas Mitleid von den Armen skrupellos ausgebeutet: Im Herrenhaus feiern sie eine verheerende Orgie, die im Chaos endet.

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Kommentare (3) — Film: Viridiana

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Squidward

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Bewertung3.0Schwach

Keine Ahnung, wieso der Film als religionskritisch bezeichnet werden könnte. Viridiana steht ja am Ende nicht als Siegerin da, nachdem sie ihre Frömmigkeit aufgegeben hat. Das relativ offene Ende fand ich diesmal doch noch recht versöhnlich. Insgesamt ein netter Film, zwar moralisch, aber ohne erhobenen Zeigefinger.

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Squidward

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Schon klar: Dadurch, dass Viridiana sich zum Mitspielen überreden lässt, beginnt sie ein lasterhaftes Leben. "Offen" ist das Ende aber, weil man nicht weiß, wie es in dieser Dreiecksbeziehung weitergeht, also ob Jorge sich für Ramona oder Viridiana (oder beide, oder keine) entscheidet. "Versöhnlich" ist das Ende deshalb, weil es immer noch angenehmer anzusehen ist, wie die drei friedlich miteinander Karten spielen, als wenn sie z.B. offen über ihre Situation sprechen oder streiten würden.
Das mit der Symbolik - ist nicht böse gemeint ;-) - halte ich für Quatsch. Das Kartenspiel hat hier die gegenteilige Bedeutung, nämlich als Unschuldsbeteuerung Jorges: Als Viridiana ihn mit Ramona zusammen im Zimmer antrifft, behauptet er, lediglich mit ihr Karten zu spielen, obwohl er ja sonst weniger unschuldige Spielchen mit ihr treibt.


rkuehne

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Bewertung4.5Uninteressant

Wichtig und wegweisend, tiefgründig und religionskritisch - das alles mag der Film sein, das will ich gar nicht abstreiten. Aber heute, 50 Jahre nach seinem Erscheinen, hat er nicht mehr wirklich viel zu meiner Unterhaltung beigetragen.

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filmfan90

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Bewertung9.0Herausragend

In „Viridiana“ setzt sich Luis Buñuel mit der Polarität zwischen den Wertansichten der katholischen Kirche und der Lebenswirklichkeit der unteren Gesellschaftsschichten auseinander.
Die Novizin Viridiana erbt das Anwesen ihres Onkels Don Jaime und fasst daraufhin den Entschluss, aus dem Herrenhaus ein Heim für Arme und Hilfsbedürftige zu machen. Sie lädt daher sämtliche Obdachlose des Ortes und den unehelichen Sohn ihres Onkels, Jorge, auf das Anwesen ein. Getreu ihren christlichen Prinzipien versucht die junge Frau, allen ihren Gästen mit Nächstenliebe und Verständnis gegenüber zu treten. Während der Abwesenheit Viridianas und Jorges schleichen sich die Obdachlosen, die eigentlich im Zeughaus untergebracht worden sind, in das prunkvolle Herrenhaus und feiern eine maßlose Orgie…
Viridiana, die nach strengen katholischen Prinzipien lebt, wird von den Obdachlosen in keinster Weise ernst genommen, geschweige denn respektiert; man erklärt die Gönnerin für verrückt und mokiert sich über deren „hohe Ideale“.
Jorge hingegen, der aus den Ländereien möglichst viel Kapital schlagen will und sich an seinem neu erworbenen Wohlstand ergötzt, verkörpert den Typus des bourgeoisen „Neureichen“.
Buñuel gelingt es in seinem kammerspielartig inszenierten Film, grundlegende gesellschaftliche Konflikte in verdichteter Form darzustellen und der Lächerlichkeit preis zu geben- Viridiana scheitert bei dem Versuch, die Lebensverhältnisse und – ansichten der Obdachlosen nach christlichen Wertvorstellungen neu zu ordnen und gerät außerdem mit Jorge, der wiederum seine eigenen Interessen durchzusetzen versucht, in Konflikt. Durch die Darstellung dieser Auseinandersetzungen, die in einem maßlosen, vulgären Saufgelage gipfeln, verdeutlicht Buñuel die Weltfremdheit des Katholizismus‘.
„Viridiana“ ist des Weiteren von einer beachtenswerten filmischen Virtuosität- zahlreiche denkwürdige, symbolische Bilder/ Szenen (ein brennender Dornenkranz, eine Katze, die eine Maus fängt, Anspielungen auf Da Vincis „Das letzte Abendmahl“ etc.) und ein Score, wie er zynischer nicht sein könnte (v.a. Händels „Hallelujah“)- die dem Film zusätzlich an Substanz verleihen.
Überdies nimmt sich der Regisseur, wie man es von ihm gewohnt ist, die Freiheit, die verschiedensten menschlichen Perversionen darzustellen und zahlreiche sexuelle Anspielungen in seinen Film einfließen zu lassen…
Buñuel verarbeitet erneut Themen, die sein ganzes Schaffen durchziehen, doch erreicht er in stilistischer Hinsicht mit "Viridiana" einen Höhepunkt seiner Filmkarriere!

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