3D-Renaissance oder nur eine Mode? Bearbeiten

Veröffentlicht am 10.11.2009, 09:10

Nachdem der Stereo-Ton wieder zum alten Eisen gehört, soll mit der Digitalisierung der Kinosäle nun das Stereo-Bild zum Standard werden – rund 50 Jahre nach der ersten 3D-Kino-Welle, 100 Jahre nach dem ersten 3D-Film und 150 Jahre nach dem ersten 3D-Foto.

Zuschauer in den 1950ern Zuschauer in den 1950ern © photobucket

Genau genommen ist die Stereoskopie schon über 170 Jahre alt. Bereits 1838 demonstrierte Sir Charles Wheatstone seine Erkenntnisse zum räumlichen Sehen mit Hilfe des von ihm erfundenen “Stereoskops”, einem Betrachtungsgerät für 3D-Bilder. Nach diversen Weiterentwicklungen und der Erfindung der Fotografie war das Stereoskop schließlich der letzte Schrei auf der Londoner Weltausstellung von 1851 und trat von da an seinen Siegeszug über Europa und die USA an. Bis zur Erfindung des Films konnte es sich etwa 50 Jahre lang als Massenmedium behaupten. Auch die Pioniere des Films waren an der Stereoskopie interessiert, wie beispielsweise die Brüder Lumiére, die sogar eine 3D-Remake ihres berühmten “ankommenden Zuges” gedreht haben sollen. Allerdings erwies sich die Herstellung und Verbreitung von stereoskopischen Filmen als sehr schwierig.

Wenn man sich heute an 3D erinnert, dann meistens an die kurzen 3D-Kino-Booms der 50er und 80er Jahre. In den 50ern trat das Fernsehen als neuer Konkurrent des Kinos auf, worauf Hollywood mit der Einführung des 3D-Kinos reagierte. Vor allem die Horror- und Monsterfilme stürzten sich auf die neue alte Technik: Gefahr aus dem Weltall, Das Kabinett des Professor Bondi, Der Würger von Paris, Der Schrecken vom Amazonas, Die Rache des Ungeheuers und sogar Alfred Hitchcock s Bei Anruf: Mord stachen aus der Leinwand. In den 80ern gab es erneut eine kleinere 3D-Welle – damals scheint es Mode gewesen zu sein, den jeweils dritten Teil populärer Horror-Reihen in 3D-stereo zu präsentieren: Und wieder ist Freitag der 13., Amityville 3 und Der Weiße Hai III hatten es auf die Zuschauer abgesehen. Der Werbetext auf dem Jaws-3D-Filmplakat bringt auf den Punkt, was man sich damals von 3D versprach: “The third Dimension is Terror.”

Hier ein Paar Filmausschnitte im neuen YouTube3D-Format (welches leider noch nicht einbettungsfähig ist):
Bei Anruf: Mordyoutube
Der Weiße Hai IIIyoutube
Und wieder ist Freitag der 13.youtube

Wie bereits in den 50er Jahren, so hat das Kino heute wieder mit neuen Konkurrenten zu kämpfen – HD-Heimkinos, VideoOnDemand, illegale Downloads. Abermals wird auf den 3D-Film zurück gegriffen, welcher dem Kino einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinen Konkurrenzmedien verschaffen soll. Das dominierende Genre der neuen 3D-Welle ist der Animationsfilm, da dieser besonders unkompliziert in der Stereo-Produktion ist. Robert Zemeckis realisiert seine Animationsprojekte bereits seit 2004 in 3D: Der Polarexpress, Monster House und Die Legende von Beowulf. 2006 wurde Nightmare Before Christmas in den USA in 3D wiederaufgeführt. Weitere 3D-Releases vor 2009 waren: Himmel und Huhn, Jagdfieber, Lucas, der Ameisenschreck, Triff die Robinsons, Reise zum Mittelpunkt der Erde und Bolt – Ein Hund für alle Fälle. Dieses Jahr ging es dann richtig los: Monsters vs. Aliens, My Bloody Valentine 3D, Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los, Final Destination 4, Coraline, Oben, G-Force – Agenten mit Biss und Eine Weihnachtsgeschichte, Avatar – Aufbruch nach Pandora und Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen laufen auch hierzulande in 3D. Seit 2009 produzieren Pixar sowie DreamWorks Animation regulär in Stereo.

Der 3D-Boom der 50er hielt jedoch nur wenige Jahre. Die Stereoskopie hatte sich offensichtlich nicht durchsetzen können und wurde in den nachfolgenden Jahren als triviales Spektakel, als Jahrmarktsattraktion belächelt. Warum sollte es heute anders kommen? Die Fürsprecher machen vor allem technische Probleme für das Scheitern des analogen 3D-Kinos verantwortlich. Diese seien jedoch durch die Digitalisierung der Kinos gelöst.

Was ist Eure Meinung zum 3D-Film? Ist die Stereoskopie die Zukunft des Kinos oder wird sie abermals in der Versenkung verschwinden?
Mit der Teilnahme an der Online-Umfrage 3D-Kino (soweit noch nicht geschehen) unterstützt Ihr meine Bachelor-Arbeit mit dem Titel Stereo-Kinematografie.
Vielen Dank!

Infos zur Umfrage:
Dauer: etwa 5 Minuten (10 bis 12 Fragen)
Endet am: 15.11.2009
Alle Daten werden anonym gespeichert.
Hier der Link zur Online-Umfrage

Der Text stammt von Marten Reiß; er ist User auf moviepilot. Wenn Ihr ihn direkt ansprechen wollt, dann geht doch bitte auf sein Profil.


Ines Walk (Ines Walk)

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Kommentare

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Amalthea

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Also ich bin (zur Zeit) begeistert von 3d, es macht einfach Spaß und ist ein Ereignis der besonderen Art. Um sich als Marktführer zu etablieren ist es meiner Meinung nach aber zu umständlich und zur Zeit extrem überteuert. Und brauchen wir wirklich alles in 3d? Was ist mit dem guten alten Film, der im Kopf abläuft? Nichts ist so real, wie die Vorstellungskraft.

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Aranur

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Ich kann auf einem Auge leider nur sehr, sehr wenig sehen, von daher nutzt eine 3D Brille nicht viel :/
Ansonsten tat es damals eher in den Augen weh, dauerhaft so eine Brille zu tragen, wie es heute aussieht kann ich nicht genau sagen.

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dAShEIKO

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Ich sehe diese Technik eher als interessantes Stilmittel, so wie Cinemascope, Surround-Sound, Farbfilm. Dass der Einsatz freilich deutlich plakativer stattfindet, steht auf einem anderen Blatt. Denn eigentlich würde 3D ausreichen, um dem Bilderlebnis eine Tiefe zu geben, besse in den Film einzutauchen. Stattdessen fordern die Studios offensichtlich brachiale Effekthascherei um in alter Jahrmarktsmanier Kunden anzulocken.
So sehe ich auch die nachträgliche ver-3D-ung vorhandenen Filmmaterials (Titanic/StarWars) eher kritisch, da eben keine Stereoskopischen Kameras zum Einsatz kamen und die Tiefeninformation de facto NICHT vorhanden ist.

Aber grundsätzlich bin ich begeistert und halte es so wie die Betonindustrie: "Es kommt drauf an, was man daraus macht"

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