Bitterer Grey's Anatomy-Abschied: Justin Chambers reißt ein Loch in die Serie

Grey's Anatomy - Staffel 16
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Grey's Anatomy - Staffel 16
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Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.

Wer eine Serie so lange wie Grey's Anatomy schaut, geht in gewisser Weise eine Beziehung mit den Figuren ein: also mit Meredith (Ellen Pompeo), Alex (Justin Chambers) und allen anderen Ärzten, die das Grey-Sloan-Krankenhaus noch so bevölkern.

Ich stecke seit 15 Jahren in einer Beziehung mit Grey's Anatomy. Während ich andere langlebige Serien längst abgebrochen habe, schaue ich die Ärzteserie immer noch. Sie ist für mich in gewisser Weise ein Überbleibsel einer anderen Zeit (meiner Jugend!), eine gefühlige Serie, auf die ich immer wieder zurückfallen kann, weil sie einfach immer noch da ist.

Doch wie das mit langjährigen Beziehungen so ist, besteht die Gefahr, dass wir sie irgendwann als gegeben hinnehmen. Zumindest so lange, bis etwas Einschneidendes passiert. So etwas Einschneidendes, wie ... dass Justin Chambers Grey's Anatomy verlässt.

Justin Chambers' Ausstieg aus Grey's Anatomy kommt vollkommen unerwartet

Die Meldung von Justin Chambers' Ausscheiden aus Grey's Anatomy traf mich vollkommen unvorbereitet. Neben Ellen Pompeo, Chandra Wilson und James Pickens Jr. war er schließlich einer der letzten noch verbleibenden Schauspieler der Urbesetzung. Und das, obwohl er ganz zu Beginn im Jahr 2005 als zusätzliche Figur erst nachträglich in die erste Folge geschnitten worden war.

In 15 Jahren Laufzeit musste Grey's Anatomy natürlich so manche Stars der ersten Stunde einbüßen. (Denken wir nur an T.R. Knight, Katherine Heigl, Patrick Dempsey und Sandra Oh.) Doch wer so lange dabei ist, hat doch nicht mehr vor zu gehen, oder? Offenbar doch. Justin Chambers lässt das Unvorstellbare real werden. Als etablierte Größe hallt sein Wegbrechen härter nach als das Ausscheiden frischerer Cast-Mitglieder.

Das Verrückte daran ist: Neben Hauptfigur Meredith Grey war Justin Chambers' Alex Karev derjenige, der in Staffel 16 so fest in der Serie verankert war, wie kaum eine andere Figur. Sein Weggang war von Fans vorher so gut wie gar nicht in Betracht gezogen worden - anders als etwa der des alternden Dr. Webber, über dessen Tod schon lange spekuliert wird.

Justin Chambers reißt ein Loch in Grey's Anatomy

Was dem Grey's Anatomy-Verlust zusätzlich einen bitteren Beigeschmack verleiht: Durch Justin Chambers plötzlichen Ausstieg scheint Alex Karev aus seiner Storyline herausgerissen zu werden. (Achtung, Spoiler zu Staffel 16.)

Justin Chambers' Alex hatte in Grey's Anatomy's 16. Season nicht nur gerade erst seine Beziehung zu Ehefrau Jo (Camilla Luddington) mit einem erneuten Heiratsantrag gekittet, sondern sich nach seiner Krankenhausentlassung auch neuen Seattle-Herausforderungen gestellt: Als Chef von Pacific North sollte er ein Konkurrenz-Krankenhaus auf Vordermann bringen.

Und nun erfahren wir: Offenbar haben Zuschauer die letzte Alex-Folge schon gesehen, ohne dass sie es wussten. In Episode 8 von Staffel 16 (My Shot) setzte er sich rührend dafür ein, dass seine langjährige Freundin Meredith Grey Ärztin bleiben kann. Das mag eine schöne letzte Geste sein. Doch dass Alex anschließend im Midseason-Finale fehlt, zeigt deutlich, dass Justin Chambers sehr plötzlich geht. (Spoiler-Ende)

Alles, was für Alex' Wegbleiben aus Grey's Anatomy im weiteren Verlauf der Staffel nun erdacht wird, muss sich zwangsläufig als nachträgliche Erklärung konstruiert anfühlen. Wird er sich am Ende vielleicht sogar dem wachsenden Friedhof der Toten von Grey's Anatomy anschließen?

Was auch immer passiert: Ein nun notwendiges Herausschreiben aus der Serie kann seiner langjährigen Präsenz nicht gerecht werden. Diesen übereilten Abschied durch die Hintertür hat die Figur des Alex nicht verdient. Doch hier trifft Schauspielrealität auf idealisierte Fiktion.

Justin Chambers meets Alex Karev: Eine notwendige Veränderung

Wer so lange als Figur (und Schauspieler) einer Serie treu bleibt, muss sich notgedrungen verändern. Wenn wir uns an die Anfänge von Alex Karev zurückerinnern, war er in Staffel 1 noch ein anderer Mensch: Arrogant, auf Streit aus, ein Macho, der ständig mit einer Krankenschwester oder Ärztin im Abstellzimmer anzutreffen war.

Die Wandlung einer Persönlichkeit ließ sich in Grey's Anatomy nirgends so gut beobachten wie an Alex, den seine Beziehungsrückschläge zu einem besseren Menschen reifen ließen.Mit der gedächtnislosen Ava/Rebecca klappte es ebensowenig wie mit Dr. Izzie Stevens. Als Kinderarzt fand er schließlich seine unerwartete Berufung und mit Jo Wilson schließlich auch die Frau fürs Leben.

Aber auch wenn Alex Karev sich entwickelte, bedeutete das für Justin Chambers doch einen schauspielerischen Stillstand: 15 Jahre bei einer Serie in der immergleichen Rolle sind fraglos eine lange Zeit und so nannte Justin Chambers als Begründung für seinen Abschied den Wunsch, seine Rollen wieder "vielfältiger" zu gestalten.

Grey's Anatomy: Alex nachtrauern und Justin Chambers gehen lassen

Als Mann, der am Anfang seiner Laufbahn nach einer erfolgreichen Modelkarriere Filme wie Wedding Planner und Der Zodiac-Killer zu seinen bekanntesten Werken zählte, sollte Justin Chambers sich im Alter von (schwer zu glaubenden) 50 Jahren noch einmal neu orientieren dürfen.

Traurig dürfen wir trotzdem sein, dass das Urgestein der Serie wegbricht und damit auch Grey's Anatomys Fundament weiter bröckelt. Eine langjährige Serien-Beziehung findet hier ihr unerwartetes Ende. Denn wenn Meredith nun ihre nächste "Person" verliert, tun wir das auch.

Seid ihr traurig über Justin Chambers Abgang oder denkt ihr Alex' Ausscheiden aus Grey's Anatomy war an der Zeit?

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