Joker: 6 wichtige Filme zur Vorbereitung auf den DC-Wahnsinn

Joaquin Phoenix in Joker
© Warner Bros.
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Jenny von T Jennifer Ullrich
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Junior Redakteurin bei Moviepilot. Mag Arthouse-Filme, HBO-Shows, Stanley Kubrick und Cersei Lannister.

Der neue Joker-Film von Todd Phillips ist anders als jede Comic-Adaption, die ihr bislang aus dem Hause DC oder Marvel gesehen habt - so viel ist nach der Premiere in Venedig sicher. Dort nämlich sorgte der neueste Streich des Hangover-Regisseurs mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle bereits für heftige Diskussionen und ließ niemanden kalt.

Ein Grund für die Reaktionen, die der Film entfacht, liegt womöglich schon in seinen Vorbildern - bei diesen handelt es sich nämlich um Charakterstudien aus den 1970er und 1980er Jahren, die ihrerseits ebenfalls einen empfindlichen Nerv trafen. Wir stellen euch die Filme vor, die Todd Phillips unter anderem gegenüber Comic Book als Inspiration für seinen Joker nannte.

Die Vorbilder für Joker: Taxi Driver von Martin Scorsese

Der Klassiker Taxi Driver mit Robert De Niro ist der womöglich wichtigste Einfluss für Joker - entsprechende Parallelen zeigt beispielsweise auch unsere Redakteurin Jenny in ihrer Kritik direkt aus Venedig auf. So scheint die US-Metropole New York (bzw. Gotham City) auch in Todd Phillips' Film einen ganz eigenen Charakter darzustellen, der wie ein tiefer, dunkler Schlund alles in sich aufsaugt - nicht zuletzt natürlich unsere Hauptfigur.

Zwischen den Protagonisten Travis Bickle und Arthur Fleck gibt es darüber hinaus so manche Parallele. Beide sind psychisch instabil und verfangen sich in einer Abwärtsspirale, die irgendwann gewaltsam ihren absoluten Tiefpunkt erreichen muss.

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Die Vorbilder für Joker: King of Comedy von Martin Scorsese

Todd Phillips macht keinen Hehl aus seiner Verehrung für Martin Scorsese und so befindet sich auch dessen zu Unrecht oft übersehenes Meisterstück King of Comedy auf der Liste jener Filme, die für Joker Pate standen.

Auch hier sind die Berührungspunkte evident, denn Phillips hat den Joker in seiner Adaption als gescheiterten Stand-up-Comedian angelegt. Ein eben solcher ist auch Rupert Pupkin (Robert De Niro) aus King of Comedy, der in der Satire unbedingt die Aufmerksamkeit seines großen Idols Jerry Langford gewinnen will und dafür nichts unversucht lässt.

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Die Vorbilder für Joker: Wie ein wilder Stier von Martin Scorsese

Mit Wie ein wilder Stier erzählte Martin Scorsese die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Boxers Jake LaMotta, der es zwischenzeitlich nach ganz oben schafft, allerdings nur durch ein Bündnis mit der Mafia. Joaquin Phoenix' Joker, der schon im ersten Trailer einzig Spott durch sein Umfeld erntet, kann davon wohl nur träumen.

Aus gutem Grund jedoch währt LaMottas Ruhm als Boxer nicht lange, denn die Figur kann mit dem Erfolg nicht umgehen und so tritt der Absturz unweigerlich ein - ganz am Boden also können sich der Joker und Scorseses Antiheld also durchaus treffen, wobei Wie ein wilder Stier am Ende immerhin noch eine kuriose, gleichwohl hoffnungsvolle Wendung bereit hält.

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Die Vorbilder für Joker: Einer flog über das Kuckucksnest von Miloš Forman

In Einer flog über das Kuckucksnest dient eine Nervenheilanstalt als Sinnbild für ein geschlossenes System, das seine Insassen bevormundet und unterdrückt und ihnen damit eben gerade nicht hilft. Unter anderem dank Jack Nicholson in einer seiner ikonischsten Rollen hat die gesellschaftskritische Parabel von Regisseur Miloš Forman nicht an Durchschlagskraft verloren.

Über die Rebellion seinen Hauptcharakters Randle McMurphy vermittelt uns das Drama eindringlich, dass jeder eine menschenwürdige Behandlung verdient und die Außenseiter der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung erfahren sollten - Außenseiter, zu denen gewiss auch der Joker zählt.

Hätte der DC-Schurke in jüngeren Jahren mehr Respekt erfahren, würde der Wahnsinn wahrscheinlich nicht im selben Maß Besitz von ihm ergreifen wie von Todd Phillips dargestellt. Ob wir mit dem neuen Joker auch Mitleid haben müssen, wird nach dem Kinostart freilich noch mal eine ganz andere Frage sein ...

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Die Vorbilder für Joker: Serpico von Sidney Lumet

Für Sidney Lumets Serpico schlüpfte Al Pacino in die Rolle eines Polizisten, der erkennen muss, dass sein Berufsstand von Korruption und Zwang durchsetzt ist. Seine Versuche, dagegen anzukämpfen, befördern ihn ins Abseits und so wird das Kriminaldrama zu einer zermürbenden Erfahrung, die nicht allzu viel Raum für Idealismus lässt.

Serpico entstand Anfang der 1970er Jahre und war einer der ersten Filme, die offen die Missstände innerhalb des US-amerikanischen Polizeiapparats anprangerten. Protagonist Frank und der Joker dürften zwar nicht viel gemeinsam haben, doch wird Serpico von einem düsteren, kompromisslosen Erzählton getragen, der Todd Phillips durchaus beeindruckt haben dürfte.

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Die Vorbilder für Joker: Der Mann, der lacht von Paul Leni

Der Mann, der lacht fällt unter den Inspirationen für Joker ein wenig aus der Reihe, entstand der Stummfilm doch bereits in den 1920er Jahren und damit viel früher als die anderen genannten Vorbilder. Andererseits genügt es, sich Szenenbilder mit Conrad Veidt aus dem expressionistischen Drama von Paul Leni anzusehen, um eine optische Verbindung zwischen der Hauptfigur und dem ikonischen DC-Schurken zu erkennen.

Im Zentrum der Geschichte steht Gwynplaine, der wahrlich ein schweres Kreuz zu tragen hat: Nachdem sein Vater einst den König beleidigte, wurde Gwynplaine zur Strafe durch einen Chirurgen derart entstellt, dass sein Gesicht ein permanentes künstliches Grinsen ziert. Dieses soll ihn dazu verurteilen, ewig über die Dummheit des eigenen Vaters zu lachen.

Dass der gebrandmarkte Gwynplaine im Leben nur schwer glücklich werden kann, liegt auf der Hand, und so navigiert er durch sein schwieriges Schicksal, das in der Buchvorlage noch weitaus drastischer ausfällt als im Film.

  • Streamen: Der Mann, der lacht ist in Deutschland momentan leider nicht als Stream verfügbar.

Joker: Was die Vorbilder für den DC-Film bedeuten können

Alle Filme, die Todd Phillips als Inspirationsquelle für Joker nannte, zeichnen sich durch eine starke Fixierung auf ihren Hauptcharakter aus, der wiederum immer auf irgendeine Weise durch die Hölle geht. Mit beispielsweise der erzählerischen Leichtigkeit der MCU-Filme solltet ihr auf keinen Fall rechnen - eher schon mit dem genauen Gegenteil.

Offenbar präsentiert uns Phillips einen sehr ambivalenten Joker, der sich durch das Publikum nur schwer greifen lässt. Die teils harten Vorwürfe gegen den Film aus Vendig deuten bereits darauf hin, der Weg zur Kontroverse ist mehr als nur geebnet.

Joker dürfte die Konventionen des zeitgenössischen Comic-Kinos radikal auf den Kopf stellen und hat dafür mit Joaquin Phoenix glücklicherweise auch genau den richtigen Darsteller an Bord. Durch sein bloßes Charisma vermag der 44-Jährige einen Film im Alleingang zu tragen, was er zuletzt in You Were Never Really Here eindrucksvoll bewies. Sein unberechenbarer Joker wird definitiv Eindruck hinterlassen - auf die eine oder andere Art.

Habt ihr die filmischen Vorbilder von Joker alle schon gesehen?

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