Tops & Flops 2009

Anna Sitas persönliche Top-Filme 2009

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30.12.2009 - 08:50 UhrVor 10 Jahren aktualisiert
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© moviepilot
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Etliche Filme haben es mir dieses Jahr besonders angetan: Vom weißen Band, über den unbekannten DVD-Film Vinyan bishin zum schönsten Liebesfilm des Jahres Away We Go.

Eines vorweg, ich muss mit den meisten von euch übereinstimmen: Gran Torino war für mich der beste Film des Jahres 2009. Eine Schande, dass Clint Eastwood keinen Oscar für diese humanistische Lehrstück erhielt, dessen Hauptdarsteller den Blick einer Bulldogge perfektionierte. Gran Torino hat für mich alles, was großes Kino ausmacht und war der erste Film, den ich mir bei Amazon vorbestellt habe. Und den ich an Weihnachten weiterverschenkt habe! Meine weiteren Topfilme 2009 möchte ich euch in groben Kategorien wiedergeben, um nicht Äpfel mit Bananen vergleichen zu müssen…

Die emotionalsten Filme 2009

Slumdog Millionär hat mir die ein oder andere Träne aus dem Auge laufen lassen. Natürlich ist der Film “unrealistisch” und “kitschig” und ja, das Bild Indiens wird irgendwo schon verzerrt dargestellt. Aber mal ehrlich: Wann wurde zuletzt ein solch farbenprächtiges, musikalisches, lebensfrohes Werk ins Kino gebracht mit einer derart traurigen Geschichte? Die Kombination aus Freude und Sozialkritik, aus Spaß und Nachdenklichkeit hat mich überzeugt. Als großartig und keineswegs verlogen, wie von einigen Kritikern angeprangt, empfand ich den Ansatz einer Fusion zwischen den beiden cinematografischen Schulen Indiens und Westeuropas.

Der zweite Film, bei dem ich das Taschentuch zücken musste, war Away We Go – Auf nach Irgendwo, der schönste Liebesfilm des Jahres. Überrascht hat mich vor allem, dass Sam Mendes hier Regie führte. Zum einen stammt das Drehbuch aus der Feder eines ziemlich unbekannten Autorenduos, zum anderen engagierte Mendes unbekannte Schauspieler für die Hauptrollen, konnte aber die Nebenrollen mit Namen wie Maggie Gyllenhaal besetzen (die auch eine meiner liebsten Schauspielerinnen ist).

Die handwerklich besten Filme 2009

Unheimlich, wie die Kinder in Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte von Michael Haneke durch das norddeutsche Dorf geistern. In schwarzweiß und langen Einstellungen rekonstruiert Haneke eine Gesellschaft, die in Zucht und Sorgfalt aufwuchs. Den Kindern wird jegliches Aufbäumen verweht, die Rebellion im Keim erstickt. Was im Kindesalter nicht herausbrechen durfte, wird zwanzig Jahre später im Zweiten Weltkrieg wüsten, das wissen wir, die Zuschauer, die stummen Zeugen, die den schmerzhaften Aufschrei des gezüchtigten Kindes hinter der schweren Holztür hören. Als der stumme Abspann lief, verließ ich mit einem beklemmenden Gefühl den Kinosaal, der noch lange Zeit nachwirken sollte.

Wenn Christoph Waltz keinen Oscar für seine überragende Schauspielleistung in Inglourious Basterds erhält, weiß der Academy keiner mehr zu helfen. Der perfekteste Film von Quentin Tarantino hatte meine Enttäuschung bereits gebucht, als er in Cannes präsentiert wurde und auf eher verhaltene Resonanz stieß. Einen Cut später präsentierte Tarantino plötzlich ein Meilenstein eines Films, das einerseits das Genre des Holocaustfilms neu aufrollt, andererseits Raum gibt für das Aufblühen eines ganzen Schauspielerensembles – ja, inklusive Til Schweiger. Was das deutsche Kino bis dato nicht geschafft hat, machte uns dieses Jahr Tarantino vor: Daniel Brühl ist böse und Til Schweiger äußerst selbstironisch!

Die schönsten Überraschungen

C’est la vie – So sind wir, so ist das Leben. Zunächst ärgerte mich noch der deutsche Verleihtitel (aus Der erste Tag vom Rest deines Lebens wurde plötzlich C’est la vie, so sind wir, so ist das Leben). Aufgrund der hohen Prognose auf moviepilot führte ich mir den französischen Streifen dann aber doch zu Gemüte…und siehe da: Der Film unterhielt auf höchstem Niveau und berührte mich durch die verzwickte, charmant erzählte Familiengeschichte.

Ricky – Wunder geschehen von François Ozon. Was haben die Kritiker auf der Berlinale geschimpft, als sie Ricky zu sehen bekamen. Hätte ich nicht schon längst die Karten dafür gekauft gehabt, ich wäre nicht ins Kino gegangen. Da saß ich nun, im kalten Februar im Kino am Potsdamer Platz – und wurde von Alexandra Lamy verzaubert. Die französische Darstellerin war mir bis dato noch nicht aufgefallen, jetzt wäre sie für mich der Grund, mir einen Film mit ihr anzusehen. Ricky ist anders, komisch, süß, bescheuert – und typisch Ozon.

Auch der britische Independent-Film Fish Tank bot mir zunächst keinerlei Anlass, mich auf einen grandiosen Streifen einzustellen. Eher teilnahmslos ging ich in den Film – und war schockiert, wie intensiv die noch sehr unerfahrene Regisseurin diese knallharte Coming-of-Age-Story aus der britischen Unterschicht verfilmte. Von der jungen Hauptdarstelllerin werden wir sicherlich noch einiges hören!

Verblendung …Was soll ich sagen. Dieser Film inspirierte mich zum Lesen der Millenium-Trilogie und schleuderte mich in die soziale Abgeschiedenheit, denn ich las das ein paar Tausend Seiten umfassende Werk an einem Stück weg. Verblendung nimmt sich alle nötigen Freiheiten, um sich von der Romanvorlage abzusetzen und bleibt dennoch ganz nah am hervorragenden Stil von Stieg Larsson, dem leider verstorbenen großartigen schwedischen Journalisten und Kriminalautor.

Ich war in der Videothek, ohne zu wissen, was ich ausleihen sollte. Klassischer Fall, wo ich die I-Phone-App für moviepilot benötigt hätte. Nur dass ich kein I-Phone habe…Das Cover von Vinyan sprang mir deshalb ins Auge, weil dort die dicklippige, von mir sehr geschätzte Emmanuelle Béart darauf zu sehen war und ich las, der Film würde in Thailand spielen. Zuhause angekommen blieb mir fast das Abendessen im Halse stecken, als sich vor meinen Augen eine Psychofahrt durch den burmesischen Dschungel abspielte. Die Bilder der tötenden Kinder stecken mir noch heute in der Seele. Emanuelle Béart als französischer, weiblicher Klaus Kinski. Wirklich abgefahren! Ich habe es zwar noch nicht geschafft, muss aber unbedingt das Debüt des Belgiers Fabrice Du Welz, den Horrorfilm Calvaire – Tortur des Wahnsinns, anschauen.

Whatever Works – Liebe sich wer kann von Woody Allen muss hier auch noch rein. Ich liebe Woody Allen, ich liebe seine Filme und sorge mich vor jedem weiteren Werk, welches der Alte im Rekordtempo ausspuckt. Nur dass jeder weitere Film großartig ist. Ich bin wohl die perfekte Zielgruppe für Allen: Auch wenn der nächste Film wieder “nur” den Stadtneurotiker in einer neuen Variante hervorbringen würde, wäre ich glücklich.

Die besten TV-Film des Jahres

Jenseits der Mauer und Marcel Reich Ranicki – Mein Leben. Während ersterer eine Adoptionsgeschichte in der DDR erzählt, handelt der zweite von Leben des einzigen deutschen Literaturkritikers Marcel Reich Ranicki. Jenseits der Mauer schaffte es für mich, dieim deutschen TV ewig vorherrschende Ostalgie auszusparen. Wir wollen keine 60er-Jahre-Tapete mehr und Ostsandmännchen, sondern wahre Geschichten mit ungekünstelten Darstellern! Katja Flint s Rolle aus verzweifelte Mutter, die ihr Kind bei Grenzüberschreitung in ein DDR-Kinderheim geben musste, empfand ich als äußerst berührend, weil überzeugend gespielt und von einem sehr guten Drehbuch gestützt.

Mit Marcel Reich Ranicki – Mein Leben wiederum zeigte Matthias Schweighöfer, was in ihm steckt. Das Leben von Reich Ranicki ist ohnehin schon bewegend genug, ich hatte damals die Autobiografie gelesen und war sehr gespannt auf die filmische Umsetzung. Geglückt ist den Machern dieser bewegende Film, weil sie darauf verzichteten, den gesamten Stoff in einen Film zu pressen. Einer der besten deutschen Filme über ein Holocaustschicksal ist das Resultat.

Die besten Science-Fiction-Filme

District 9 ist eindeutig der beste Science-Fiction-Film des Jahres. Andersartig, neu, aus Südafrika: Die Kombination aus Alienfilm und Sozialdrama ist darüber hinaus das beste Regiedebüt des Jahres. Gelobt sei Peter Jackson, der das kreative Talent von Neill Blomkamp zu Tage beförderte.

Star Trek. Der beste Blockbuster des Jahres bislang. Ein schneller, bombastischer, teurer, perfekt besetzter, lustiger Science-Fiction-Film mit vertrautem 1990er-Jahre-Soundtrack, der zeigt, dass J.J. Abrams zu den besten Mainstream-Blockbuster-Regisseuren unserer Zeit gehört. Habe den Film zweimal im Kino gesehen – sowas mache ich sonst nie (aus Zeitgründen, versteht sich ;-) ).

Die witzigste Komödie 2009

Eindeutig Hangover 2. Ich habe beim ersten Szenenbild gelacht, den Trailer zwanzig Mal gesehen und gelacht, den Trailer noch einmal im Kino gesehen und gelacht, den Film auf englisch gesehen und gelacht, den Film auf deutsch gesehen und gelacht und ihn dann nochmal auf DVD gesehen und gelacht. Die Komödie mit dem besten Abspann seit – …ich weiß gar nicht seit wann – brachte Millionen von Menschen in den Kinosälen zum hysterischen Gegackere. Ja, ich gebe es zu: Manche von euch hassten den Film auch. Nicht jedoch ich! Hangover ist die beste Buddy-Komödie des Jahres. Punkt.

Mein Award für den besten Animationsfilm

Oben und partly.cloudy waren DAS Highlight aus dem Bereich des Animationsfilms. Einfach großartig, wie das Pixarstudio diesen gezeichneten Abenteuer-Buddyfilm für Erwachsene so liebevoll umgesetzt hat. Themen wie Verlust des Lebenspartners, Kinderlosigkeit oder Alter und Einsamkeit wurden nicht, wie sonst im US-Animationsfilm üblich, beiseite geschoben, sondern direkt angesprochen. In Oben habe ich gelacht und geweint – und ging mit einem verdammt guten Gefühl anschließend nach Hause. Presto bot passend dazu einen grandiosen Auftakt. Wenn ich jemals einen besseren Kurzfilm gesehen habe, dann muss es Lifted gewesen sein, der Vorfilm zu Ratatouille

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