Asche und Diamant

Popiól i diament (1958), PL Laufzeit 103 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 27.10.1961


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von Andrzej Wajda, mit Zbigniew Cybulski und Ewa Krzyzewska

Der ehemalige Widerstandskämpfer Maciek soll in Andrzej Wajdas Asche und Diamant den Anführer der Kommunisten töten, doch er beginnt sich nach einem neuen Leben nach dem Krieg zu sehnen.

Am Tag der deutschen Kapitulation ist der Krieg in Polen zwar schon seit Wochen vorbei, doch das Land ist noch nicht zur Ruhe gekommen. Es droht in einem Bürgerkrieg zu versinken, da viele die dominierenden Kommunisten als ebensolche Besatzer empfinden, wie die deutschen. Unter ihnen ist auch der ehemalige Widerstandskämpfer Maciek (Zbigniew Cybulski), der jetzt im Untergrund der Polnischen Heimatarmee gegen die Kommunisten kämpft. Er hat den Auftrag, gemeinsam mit seinem Vorgesetzten Andrzej (Adam Pawlikowski) den neuen Anführer der Kommunisten Szczuka (Waclaw Zastrzezynski) zu töten. Ein erster Anschlagsversuch schlägt fehl, doch es bietet sich eine neue Chance, als Szczuka ausgerechnet neben ihm im Hotel einquartiert wird. Doch im Hotel lernt Maciek auch die junge Kellnerin Krystyna (Ewa Krzyzewska) kennen und mit ihr die Hoffnung auf ein Leben nach dem Krieg.

Hintergrund & Infos zu Asche und Diamant
Asche und Diamant von Regisseur Andrzej Wajdas zählt als Beispiel, des ‘Warschauer Oktobers’ von 1956. In dieser kurzen Periode schafften es einige Filmemacher sich vom stalinistischen Kunstideal des sozialistischen Realismus zu lösen, und auch Filme zu produzieren, welche die Kommunistischen Machthaber zumindest in einem neutralen Licht zeigen und auch pessimistische Weltbilder erkennen lassen. Wajda war es sogar möglich, einen Antikommunisten zur – wenn auch tragischen – Hauptfigur des Filmes zu machen. (ST)

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Solveig

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Bewertung9.5Herausragend

"Roter Mohn auf dem Monte Cassino
Statt Ros tranken sie polnisches Blut.
Über diese Mohnfelder marschierten Soldaten und starben/verwelkten
Aber stärker als der Tod war die Wut.
Es vergehen Jahre und Jahrhunderte ziehen vorüber
Es bleiben die Spuren vergangener Tage.
Und alle Mohnblumen auf dem Monte Cassino werden röter, weil sie durch polnisches Blut wachsen." - Strophe des Lieds 'Czerwone maki na Monte Cassino' ('Roter Mohn auf dem Monte Cassino'), das im Film zitiert/gesungen wird -
-
8 Mai 1945: Deutschland hat kapituliert. Doch in dem bereits aus der Nazigewalt befreiten Polen herrscht politische Unruhe; der Grund hierfür: der sich zu etablieren drohende Kommunismus. Nicht schon wieder - für das polnische Nationalbewusstsein ein Kloß, den man da zu schlucken hat, denn Land und Leute lebten ihrer Meinung nach schon in ihrer Geschichte viel zu lange unter dem Joch anderer Nationen und Unterdrücker, eine Mentalität des Verlustes und der Melancholie, doch im Inneren, da lodert noch ein kleines Flämmchen des Widerstands, das sich schon bald entzünden soll. Motiv und Haltung, die sich bis heute in vielen polnischen Volksliedern und schließlich auch in der Nationalhymne manifestiert haben.
Und zwischen den Unruhen und einer ungewissen Hoffnung gibt es da Maciek und Andrzej, die zu Attentätern für die Volksarmee werden. Ihr Ziel ist der kommunistische Parteisekräter Szczuka. Doch es läuft schief. Statt des Sekräters ermorden sie zwei unschuldige Zivilisten, wie lange soll das noch so weitergehen? Doch die beiden erhalten noch eine zweite Chance, denn Szczuka wird den Abend und die Nacht in einem Hotel der Stadt verbringen, da dort ein Bankett für den künftigen Minister gegeben wird. Doch Maciek überkommen allmählich Zweifel und dann ist da noch das hübsche Mädchen an der Bar, Krystyna. Wie sinnvoll ist das weitere Morden nach dem Krieg - und dann noch, wenn man sich gerade verliebt hat?
Andrzej Wajda, einer der bedeutendsten polnischen Regisseure, inszeniert mit 'Asche und Diamant' einen sehr beeindruckenden Film, der atmosphärisch genau jene beschriebene Mentalität Polens einfängt: viel Tragik in der Geschichte, eine stets spürbare Trauer, dass egal was man tut, für immer etwas verloren ist, das Alte gibt es nicht mehr, es ist tot und das Neue ungewiss. Noch dazu durchzieht den Film eine gewisse Ironie, die immer wieder mal aufleuchtet, sei es, dass der kommunistische Parteisekräter amerikanische Zigaretten raucht oder ein Feuerwerk dem Himmel entgegenstrebt, nachdem Maciek gemordert hat. Sei es der sinnlose Tod, den Maciek zu verantworten hat, der ihm in einer Kirche vor Augen geführt wird oder sei es der Abgesang ehemaliger Werte, wenn in einer zerstörten Kirche eine Jesusfigur kopfüber sanft traurig im Bild schwingt.
Angesichts der Entstehungszeit des Films und des historisch-politischen Kontextes Polens ist Wajda mit 'Asche und Diamant' ein beachtenswertes Werk gelungen und ich freue mich sehr, dass es gegenwärtige Regisseure gibt, die diesen Film sogar zu ihren zehn Besten Filmen aller Zeiten zählen. Denn von seiner historischen Bedeutung einmal abgesehen empfand ich den Streifen auch fürs Auge großartig. So viele ausdrucksstarke und metaphorische Bilder, eine so melancholisch-ästhetischer Umgang mit Licht und Schatten, die wunderbaren Fotografien Jerzy Wójciks erzeugen eine eindringliche Atmosphäre: genau so bannt man die Mentalität einer als verloren geglaubten Generation, die ein bloßer Spielball der wechselseitigen Verhältnisse ist, auf die Leinwand (sehr schön und vielsagend auch, wenn das Orchester am Ende in ganz verschiedenen und überhaupt nicht miteinander harmonierenden Tönen spielt).
Ganz großes Kino!
Zudem hat mich das Ende irgendwie ziemlich berührt. Vielleicht gibt es Diamanten, doch Wind zieht auf und die Asche der Zeit verdeckt sie - so wie die vom polnischen Blut getränkten Mohnblumen auf dem Monte Cassino inzwischen noch röter blühen.
(Eine kleine Notiz am Rande: der Kritikerschnitt - sind aber zum Glück nur 2 Bewertungen - 6,0?? ... okay ...)

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