Fargo

Fargo (1996), US Laufzeit 97 Minuten, FSK 16, Drama, Komödie, Kriminalfilm, Thriller, Kinostart 14.11.1996

noch nicht bewertet

Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
8.0
Kritiker
88 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.7
Community
12586 Bewertungen
150 Kommentare
admin image admin trailer admin edit edit group memberships sweep cache Moviemaster:Movie

von Ethan Coen und Joel Coen, mit William H. Macy und Steve Buscemi

Im schwarzhumorigen Thriller Fargo von den Coen-Brüdern lässt William H Macy seine eigene Frau von zwei idiotischen Gangstern entführen, um seinen Schwiegervater zu erpressen. Dafür gab es 1997 zwei Oscars.

Der Plan des Autohändlers Jerry Lundegaard (William H. Macy) scheint simpel, doch wie so oft bei den Coens, ist auch dieser Antiheld Fargos zum Scheitern verurteilt. Jerrys akute Finanznot bringt ihn auf die folgenreiche Idee, seine Frau von zwei Kleinkriminellen entführen zu lassen und so seinen reichen aber knausrigen Schwiegervater Wade um eine Million Dollar zu erpressen. Die beiden Entführer Carl und Gaear wiederum sollen mit 40.000 Dollar abgespeist werden. Doch so weit kommt es nicht: Die Entführung, die eigentlich gänzlich unblutig verlaufen sollte, gerät völlig aus dem Ruder, als Gaear während einer Verkehrskontrolle völlig überreagiert und einen Polizisten und zwei Passanten erschießt. Zudem misstraut Wade seinem Schwiegersohn Jerry und will die Geldübergabe selbst in die Hand nehmen, was für weitere Schwierigkeiten sorgt. Schließlich ist es die wunderbare Frances McDormand als schwangere Polizeichefin Marge Gunderson die sich auf die blutige Fährte der Kidnapper macht und versucht, Licht in die düstere Welt Fargos zu bringen.

Hintergrund & Infos zu Fargo
Mit Fargo haben die Brüder Joel und Ethan Coen einen der besten Filme der Neunziger vorgelegt. Zwei Jahre vor ihrem Kulthit The Big Lebowski (1998) kam dieser moderne Film Noir in die Kinos und wurde von nahezu allen Kritikern aufs Äußerste gelobt. Es sind die schneebedeckten Weiten des verschlafenen amerikanischen Mittelwestens in denen sich die tragi-komische Geschichte Fargos um Erpressung, Misstrauen und Gewalt auf unvorhersehbare Weise entfaltet. Dabei gelingt den Coen-Brüdern mit Fargo eine eindrucksvolle Balance zwischen Glaubwürdigkeit und Groteske. Wie so oft bei ihnen gibt es auch hier nur einen schmalen Grat zwischen tiefschwarzen Humor und bitterem Ernst. Für das brillante Drehbuch zu Fargo wurden die Coens schließlich mit dem Oscar ausgezeichnet und auch Frances McDormand (übrigens seit 1984 mit Joel Coen verheiratet) erhielt für ihre Darstellung der schwangeren und resoluten Polizistin Marge die begehrte Trophäe. Außerdem wurde Fargo nominiert in den Kategorien Bester Film, Beste Regie (Joel Coen), Bester Nebendarsteller (William H. Macy), Beste Kamera (Roger Deakins) und Bester Schnitt.™

  • 37795279001_1859722386001_th-5061a99154eeb0e43cbb5856-590065938001
  • Fargo
  • Fargo
  • Fargo
  • Fargo

Mehr Bilder (12) und Videos (2) zu Fargo


Cast & Crew


Kritiken (5) — Film: Fargo

Oceanic6: CinemaForever

Kommentar löschen
9.0Herausragend

"Kennst du schon den Witz über den Kerl, der sich kein Nummernschild mit seinen Initialen leisten konnte und seinen Namen in J3L-2404 ändern ließ?"

"Fargo" ist in sämtlichen Aspekten eine Meisterleistung. Er ist lustig ohne lustig sein zu wollen, traurig ohne traurig sein zu wollen und kritisch ohne mit der Moralkeule auf den Zuschauer einzuprügeln. Und vor allen Dingen ist er absolut untypisch für Hollywood. Auch ist es schwer "Fargo" einem Genre zuzuordnen. Er ist die verdammt beste Thriller-Romance-Drama-Crime-Story, die das Kino jemals gesehen hat.

Wie fast jeder Coen Film startet auch "Fargo" mit einer scheinbar harmlosen Ausgangssituation. Mr. Lunegaard lässt seine Frau von zwei Hinterwäldlern für Lösegeld entführen, um sich für eine Investition ein wenig Geld zu verschaffen. Der wohlhabende Vater seiner Frau soll dann für das Lösegeld aufkommen. Dass die ursprünglich simpel angedachte Geschichte vollkommen aus dem Ruder läuft,…

31 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

Sigmund

Antwort löschen

Sehr schön das Wesentliche auf den Punkt gebracht!


Oceanic6

Antwort löschen

Vielen Dank!


Stefan_R.: Mann beisst Film

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

Bei der nächsten Gartenarbeit wird man zum Kompost-Schredder etwas Sicherheitsabstand halten. Welcher Film kann schon von sich behaupten, so etwas zu schaffen?

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

dAJaro

Antwort löschen

Wenn die Filme, die ich im Regal stehen habe, sprechen könnten, könnten sie alle von sich behaupten, dass sie es geschafft haben zeit ihres Daseins einen großen Sicherheitsabstand zu Kompost-Schreddern im allgemeinen zu halten.


Stefan_R.

Antwort löschen

Wohl wahr ;) Aber "FARGO" war mit seiner zweckentfremdeten Verwendung des Schredders für mich immer der beste Beweis dafür, dass diese Geräte gefährlicher sind, als sie vielleicht aussehen.


SiameseAlex: SiameseMovies

Kommentar löschen
6.0Ganz gut

Leider muss hier ein weiteres Mal das leidige Coen-Fazit herhalten: Überdurchschnittliche, aber knallharte, geschmacksspektral schwarz-weiße Kost. Denn 'Fargo' wirklich anzugreifen gestaltet sich schwer, wenn nicht gar unmöglich. Sämtliche Angriffspunkte sind bei näherem Hinschauen als nahezu objektiv positiv zu werten (siehe Xebeches Kritik). Die schauspielerische Leistung ist wirklich herausragend und wurde bereits hinlänglich beschrieben, das Setting, der Plot, sämtliche Wendungen - schlichtweg alle Ereignisse sind derart durchgestylt, dass bei meinem filmischen Erlebnis (und einer 8.5er Vorhersage) der überspringende Funke auf der Strecke Richtung Brainerd blieb.
[...]
Mit Coen-Filmen ist es ja so kompliziert - ein Dilemma! Wenn es den Lebowski nicht gäbe, wäre dies mit Sicherheit mein letzter Coen-Film gewesen, doch ausgerechnet dieser hat es geschafft erst bei der dritten Sichtung absolute Begeisterung zu wecken - warum dann nicht auch 'Fargo - Blutiger Schnee'? Die Begründung lautet Missmut und die Folge daraus ist die wohl subjektivste Bewertung aller Zeiten (und das bei aller objektiver Güte): 6.0 / 10.

Kritik im Original 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 4 Antworten

Xebeche

Antwort löschen

Wenn man das wüsste... Bei den Coens geht's mir allerdings recht unterschiedlich: Mir gefallen fast alle ihre Werke auf Anhieb sehr gut (Ausnahme ist "Ein (un)möglicher Härtefall"). Manche, wie Lebowsky und Fargo, steigerten sich noch von Mal zu Mal, andere wie "Burn after reading" oder "O brother, where art thou" haben mich bei der zweiten Sichtung leider weniger begeistert. Bin da auch ein bisschen ratlos... ;)


The_Comedian

Antwort löschen

... mir geht´s genauso mit ´No Country For Old Man´.


Kubrick_obscura: CinemaForever

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

Das alles ist herrlich absurd und unkontrolliert. Außerdem macht es auch Spaß. Den blutigen Schnee vergisst man nicht. Aber wirklich begeistert war ich nicht.

11 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Zu recht der erfolgreichste und bekannteste Coen-Bros. FIlm. Lakonischer Humor und absurde Gewalt in einer frostigen Kriminalstory.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 11 Antworten

Janus Winter

Antwort löschen

nö. dir?


Filmfano

Antwort löschen

True Grit, Burn after Reading & No Country for old Men sind die erfolgreichsten Filme der Coen-Brüder. Wo hast du denn diesen Schmaren her? Aber Fargo auch einer meiner Lieblingsfilme von ihnen. Zusammen mit Barton Fink, Big Lebowsky, Hudsucker & Arizona Junior!



Kommentare (144) — Film: Fargo


Sortierung

LeMarin

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Ein lupenreiner, ganz ganz böser Coen-Brüder-Film der besten Art. Fargo ist cooles Kino der Neunziger Jahre, exzentrisch, brutal, schreiend komisch und mit wahnsinnig starken Charakteren.
Wie meist bei den Coens geht es um eine Handvoll Gestalten , von denen die meisten kleinkriminellen Dreck am Stecken haben. Gemeinsam ist den meisten dieser Typen, dass das, was sie anzetteln, ihren beschränkten Verstand weit überschreiten. Das löst eine Spirale aus Chaos und Gewalt aus, und die Lösung besteht nur darin, dass ein Großteil der Protagonisten ins Gras beißt - so ist es in Fargo, und so ist es auch im 2009er-Coen-Film "No Country for old men".
Tatsächlich haben die Filme viel miteinander gemeinsam. Wo in No Country die Wüste Texas das Bild beherrschte, ist es in Fargo die Schnee-Wüste der nördlichen USA. Die Figuren ähneln sich: Wir haben den Loser, der ein bisschen Geld einsacken will und sich dabei völlig übernimmt, den psychopathischen Killer, den Exzentriker.
Die Besetzung ist phantastisch. William H. Macy spielt hier als windiger Autoverkäufer, zu dem niemand freundlich ist, der überall versagt und zu dem man dennoch kein Mitleid hat, die Rolle seines Lebens. Steve Buscemi spielt Steve Buscemi, und das besser als jemals zuvor. PEter Stormare als wortkarger, völlig un-empathischer Massenmörder ist verdammt gruselig. Frances McDormand wirkt in ihrer Aufrichtigkeit wie ein Lichblick bei all diesen fiesen Typen.
Der Film ist toll gedreht, der düstere, melodische Soundtrackn unterstreicht die kargen Schnee-Bilder wunderbar. Interessante Einblicke in die amerikanische nördliche Provinz!
Was den Film aber zu einem wirklichen Meisterwerk macht, ist sein Zynismus. Da wird eine eigentlich gar nicht mal so spektakuläre Geschichte einiger Kleinkrimineller erzählt, aber durch die "Skurpellosigkeit" der Erzählung entwickelt die Story wahnsinnig Rumms. Personen sterben, ohne irgendwie schuldig zu sein, keiner ist sicher, man weiß nie, wen es als nächstes trifft. Der Wortwitz ist grandios, manche Szenen zum Schreien komisch – und die grausamen Gewalt-Szenen, die wie aus dem Nichts auftauchen und über den Film verteilt sind, deshalb umso schockierender. Am besten ist Fargo immer dann, wenn man nicht weiß, ob man lachen oder erschrecken soll... ich sage nur: Holzschredder...
Alles in allem brillant erzähltes, provokatives Kino, dass keine Absolution erteilt, sondern in seiner ganzen Bosheit und Genialität wie ein harter kalter Eiskristall in der Filmlandschaft funkelt.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Demine

Antwort löschen

mein Lieblings-Coen :)


Alienator

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Entweder oder...

Entweder man mag die Filme der Coen-Brüder oder man mag sie nicht. Ein Dazwischen gibts nicht wirklich. Die Filme polarisieren weil sie zum Teil sehr eigenartig sind. Dieser Film gehört dazu. Er ist komisch und skurril, nicht jeder versteht ihn sofort.
Um die Grundideen der Coens zu verstehen, muss man eigentlich Amerikaner sein. Wo Fargo spielt und welche Personen der Film karikiert hängt schon mit Amerika und seinen Bewohnern zusammen. So ist es für einen "Nicht-Amerikaner" manchmal sehr schwer verständlich. Davon abgesehen ist Fargo ein Film, der das amerikanische "Einödenleben" aufs Korn nimmt. Die Figuren sind gleichzeitig realitätnah und überzogen, dass man nur darüber lachen kann.
Die "Demontage" des normalen Lebens ist der Coens Ziel. Und das schaffen sie mit ihrem schwarzen Humor, der als Farce endet.
Perfekte Karikaturen, skurrile Einfälle und eine perfekte Optik runden den Film ab.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

doktormovie

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Jesses!

bedenklich? 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

schoenchenfremder

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

Die Coen Brüder wissen echt wie man eine spannende geschichte und skurille schrullige Charaktere in einem Film vereint... wirklich großartiger Film mit großartigen Schauspielern... jesses ;-)

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Martin Oberndorf

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

"Und wofür das alles?
Einfach nur für ein bisschen Geld."
Heute berichte ich über einen Film, den ich schon seit einigen Monaten kenne, und auch bewertet habe, allerdings erst seit wenigen Stunden mit einem Herz bedacht wurde.
Ein Film aus der Feder der Coen-Brüder, gewürzt mit Brillanz und tollen Charakteren.
Es handelt sich dabei um den Film "Fargo".

Ich liebe die Coen-Brüder. Und wie ich sie liebe.
Sei es "The Big Lebowski", "Miller's Crossing" oder "No Country for Old Men", ich finde sie genial.
Ich nenne sie in einem Atemzug mit Quentin Tarantino, Alfred Hitchcock und Stanley Kubrick, wenn es um meine Lieblingsregisseure geht. Nur dass sie bisher noch keinen Film hatten, der für mich 10 Punkte würdig war.

Ich habe "Fargo" im Sommer 2012 im Zuge meiner Wut, alles, was im Filmbereich Rang und Namen hat, anzuschauen, gesehen. 2 Oscars, einen für das beste Drehbuch, einen für die beste Hauptdarstellerin (Frances McDormand). Ein Film der Coen-Brüder, von denen ich damals "The Big Lebowski", "True Grit" und "Burn After Reading" kannte.
Ich empfand den Film als gut, wirklich gut, aber nicht ihren besten.
Ich gab ihm in der Originalwertung 7.5 Punkte. Diese Wertung quälte mich über die Monate hinweg. Ich hatte immer das Gefühl, ich habe ihn zu niedrig bewertet. Im Laufe der Monate hab ich es durchdacht und zwischen 8.0 bis 9.5 alles Mögliche gegeben.
Da hab ich mir gedacht: Frisch dein Hirn doch noch mal auf!
Du hast die DVD im Schrank, es ist schon einige Monate her, schau dir den Streifen nochmal an!
Und ich muss sagen: Ich habe ihn unterbewertet. Definitiv.

Zunächst:
Worum geht es?
Ein Mann lässt seine Frau von zwei Profis entführen, um von seinem Schwiegervater Lösegeld abzukassieren, doch alles kommt anders als gedacht.
So einfach lässt sich die Handlung beschreiben, doch so gewaltig ist der Film, wenn er sich über den Bildschirm erstreckt.

"Fargo" ist eine Perle der Erzählkunst.
Er kann sanft sein, er fällt wie der Schnee, der sich durch die gesamte Laufzeit zieht.
Dann aber ist er brachial, strömt wie das Blut, welches sich in mehreren Szenen ergießt
(Hier wäre noch anzumerken, dass es sich hier nicht um einen extrem brutalen Streifen handelt, aber er hat vereinzelt blutrünstige Momente).
Der Film versinkt in der Alltäglichkeit einer auf den ersten Blick idyllischen Kleinstadt, stellt uns Charaktere vor, die realer nicht sein können, die reale Probleme haben, die reale Beziehungen zueinander haben.
"This is a true Story" zieht sich gleich zu Beginn über den Bildschirm. Auch wenn es mittlerweile bekannt sein dürfte, erzähle ich es trotzdem: "Fargo" ist zwar von mehreren Kriminalfällen inspiriert worden, ist aber KEINE wahre Geschichte.
Dennoch möchte man es nur allzu gern glauben, denn die Charaktere wirken so echt wie schon lange nicht mehr.
Leider. Grundsätzlich herrscht eine kalte, berechnende Atmosphäre in dieser Odyssee durch die unscheinbarsten Kleinstädte.
Doch durch die ganzen Massen aus verächtlichen, hartherzigen Eigenschaften sticht ein Charakter hervor.

Und das ist der Einsatz von Frances McDormand, und ihrer Figur Marge Gunderson, der schwangeren Polizistin. Obwohl sie erst nach 32 Minuten das erste Mal in Erscheinung tritt, ist sie der Mittelpunkt, beansprucht die ganze Aufmerksamkeit für sich.
Sie hat Ausstrahlung, ist herzlich, unschuldig, scheint die einzige Person im ganzen Film zu sein, die noch über echte Gefühle, Werte und Vorstellungen von Moral besitzt.
"Es gibt mehr im Leben als ein Bisschen Geld, wissen sie?"
Ach, Marge, gäbe es doch nur mehr Leute wie dich. Die Welt würde sie brauchen und dankend annehmen.

Der Film wird unterstrichen von einem gewaltigen Score, der die düsteren Klänge Carter Burwells mit dem melancholischem, bezaubernden Klang des Liedes "Den Bortkomne Sauen" vereinigt. Dieser kleidet den Film noch mit Emotionen ein, die sich schwer in Worte fassen lassen, dem Film aber genau die Atmosphäre gibt, die er braucht und in der er letztlich scheint.

Ja. Ich habe "Fargo" unterbewertet. Ja, und wie!
Die Coen Brüder haben es drauf, und dieser Film, nein, dieses Kunstwerk hier stellt ihr Highlight dar (obwohl "No Country for Old Men" dem sehr nahe kommt.)
Diese Sage von emotionaler wie physischer Eiseskälte verdient durchaus die höchste Auszeichnung, die ich vergeben kann - ein Herz.
"Und es ist so ein wunderschöner Tag."

bedenklich? 11 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

T00BI

Antwort löschen

Super Kommi! Hab schon viel vom Film gehört, aber noch nie gesehen, werd ich nach dem Kommentar aber bald mal nachholen ;)


Martin Oberndorf

Antwort löschen

Mach das mal! Ich find ich ihn klasse!
Aber meinem Vater zum Besipiel hat er allerdings nicht gefallen, obwohl er und ich beinahe immer einer Meinung sind, was Filme betrifft. Also kann ich keine 100 Prozent-Empfehlung geben.


bianca.gleissinger

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Steve Buscemi und Peter Stormare sind einfach eine großartige Kombination.
Subtiler Humor, einzigartige Rollenzeichnungen, super Story und geniale Dialoge.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

WZRDOnTheMoon

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Jesses!" -
"Fargo" glänzt mit Brutalität, Skurrilität und einer großen Portion schwarzem Humor. Zusätzlich durchzogen von durchgehendem Misstrauen, Missverständnissen und Missetaten schaffen es Joel und Ethan Coen wieder einmal, dass es zu keiner Zeit langweilig, geschweige denn langatmig oder uninteressant wird.
William H. Macy spielt seine Rolle als glückloser Autohändler eigentlich gut, auch Frances McDormand weiß als schwangere, liebenswerte und teilweise einzig menschlich wirkende Polizistin und Hauptakteurin zu überzeugen. Doch meine zwei Stars sind Steve Buscemi, der für mich wieder einmal herausragend spielt, sowie Peter Stormare. Während Buscemi quasi nur am quatschen und schnell genervt ist, gibt Stormare den wortkargen, unberechenbaren und scheinbar an keinerlei Konversation interessierten Psycho. Da sich diese Eigenschaften zum Schluss hin schlecht vertragen, wird Erstgenannter unkonventionell und im wahrsten Sinne des Wortes 'entsorgt' - was für eine, mit schwarzem Humor durchzogene Situationskomik - köstlich!
Der Streifen ist wie fast alle Filme der Coen-Bruder sehr speziell und handwerklich einwandfrei, der Stil ist wieder schnell erkennbar - das Drehbuch selbst strotzt nur so vor skurrilen Einfällen, die jedoch, was den Humor anbelangt, nicht jedermanns Sache sein dürfte - wer aber auf sowas steht, ist hier goldrichtig.

bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Jek-Hyde

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Fargo erinnert mich immer ein wenig an ein Twin Peaks ohne Mysteriösen Firlefanz. Die leicht trotteligen und vor allem liebenswerten Charaktere leben ihr kleines Leben eingeschneit in einer weißen, fast schon reinen Wüste aus Schnee, bis ein besonders dummes Exemplar von ihnen durch vorschnelle und unüberlegte Handlungen den Frieden zerstört. Mit zwei Gaunern, der Eine nervös, der Andere ein stiller Psychopath bricht das blutige Böse über Fargo ein.
Die Inkonsequenz der Charaktere, die alle zu tief in ihrer kleinen, netten Welt stecken, ist ab und an schon zum Haare ausreißen. Trotzdem mag ich den Film mit seinen interessanten Dialogen und diesem merkwürdigen Coen Humor, der den Großteil der Filme dieser beiden Brüder ausmacht.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

beast667

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Die Coens machen einfach gute Filme. Allerdings ist das alles Geschmackssache. Ich mag diesen tiefschwarzen und bösen Humor. Grossartig besetzt und umgesetzt.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

JanoX

Kommentar löschen
Bewertung6.0Ganz gut

Dass dieser Film noir nur so von Drehbuchstärke, schauspielerischem Talent und wunderbar tragikomischem Humor nur so strotzt, steht außer Frage.
Das Setting ist wunderbar, Steve Buscemi ist sowieso einer der besten Schauspieler die ich kenne und die schonungslose Art und Weise, lustigen Wortwitz mit Blutspritzern zu kombinieren gefällt auch! Ich kann auch wirklich jeden Coen Fan verstehen, der auch diesen Film mindestens in seine Top 10 setzt. Mich hat er aber nie in seinen Bann gezogen. Teilweise langatmig und am Ende nicht aussagekräftig genug. Aber wer weiß, vielleicht muss ich ihn mir auch einfach nochmal ansehen.

bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

jacker

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Bei der Dichte an Coen-Fans um mich rum kann und will ich zu "Fargo" eigentlich nichts mehr bezüglich des Inhalts, der überragenden schauspielerischen Leistungen, der trist-intensiven Kulissen und dem phänomenal guten Drehbuch der Coens - was völlig beiläufig auf einer Sub-Ebene eine vollständige Reflektion über zwischenmenschliche Gefühle, Nähe, Liebe und was sie uns zu geben vermag einstreut - sagen.

Fakt ist für mich: "Fargo" ist einer dieser Filme die nie abbauen, sondern immer nur wachsen wenn man sie wieder und wieder sieht!
So oft war das bei mir gar nicht, ich habe ihn erst zum dritten mal gesehen und bin von anfänglichen 7.5 auf mittlerweile 9 Punkte hochgeklettert. Weil (und das ist einfach Coen-typisch) die Feinheiten, die subtilen Mimiken, die kleinen zwischenmenschlichen Gesten diesen Film besonders machen und so viel menschliches darin steckt, dass es sich einfach nicht abnutzt!

Menschliches aber vor allem tiefschwarzes, bitterböses, schmerzhaft makaberes, denn die Geschichte ist einfach schaurig-schief. Wie sagte unser allseits geschätzter Hannibal doch immer: 'I love it when a plan comes together!'. Weiter entfernt von diesem Ausspruch, als die katastrophalen Ereignisse in Brainerd und den Twin-Cities welche "Fargo" uns vorsetzt, geht es vermutlich gar nicht. Die falschen Leute, zur falschen Zeit, am falschen Ort und in den falschen, unmenschlich bitteren Coup involviert: der eine 'kind of funny-looking, in a general way', der andere nicht sehr gesprächig, allerdings was den Wahnsinn betrifft ein sleeping-Giant.

Ja, wenn man erst mal anfängt, dann kommt man doch auf die Charaktere, die verrückten Gangster, die liebenswerte Margie und ihren treuen Norm, den verzweifelten Jerry Lunderberg, etc.
Und wenn man dann weiter schreibt kommt man auch zu den vielen Charakteristiken des Films: das 'einfache' Leben in der amerikanischen verschneiten Einöde, die Bedeutung des Geldes, der Egoismus, die fehlende Moral und allem was die Coens uns hier noch, und aufgrund der teilweise fast dokumentarischen Art angenehm wertungsfrei vorsetzen.

Aber davon fange ich gar nicht an, guckt einfach "Fargo" und erfreut euch an diesem Film, der amüsiert, unterhält und eben auch zwangsweise nachdenklich und betroffen macht!

bedenklich? 19 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 9 Antworten

DonChris

Antwort löschen

niceeddy hat vollkommen Recht, die Coens können nichts schlechtes machen, dafür fehlen ihnen die Gene ;)


jacker

Antwort löschen

Jeder findet ab und an mal zu nem Film der eigentlich eine sichere 8 sein müsste keinen Zugang (hab ich in letzter Zeit sogar öfter erlebt), da ist Geschmack dann (zum Glück) einfach wieder voll subjektiv und trotz Prognosen gibt es nie die völlige Sicherheit! Dem hartigan85 sei es also gegönnt und ich freue mich sogar auf den Verriß, weil es immer spannend ist Seiten, oder Sichtweisen aufgezeigt zu bekommen, die man so nie gedacht/gesehen hätte :)

Für mich gilt: Alle Coens die ich kenne ("Blood Simple" und "Hudsucker" fehlen noch) sind mindestens etwas besser als nur gut. Und "Intolerable Cruelty" kann ich nur empfehelen noch mal zu sehen (am besten unvoreingenommen), der Film ist eine göttliche Satire auf Hollywood, auf die oberen 10000 und überhaupt auf das Leben. Die Coens und auch Clooney spielen da ganz groß auf !


NewFilmkonsument

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Man könnte meinen, jeder Film der Coen-Brüder sei eine Abhandlung über Murphys Gesetz: Was schief gehen kann, geht schief. Auch in ihrem 1995 erschienenen Film "Fargo" gibt es einige unerwartete Turbulenzen: Pechvogel Jerry Lundegaard braucht dringend Geld. Der Autoverkäufer kommt auf die glorreiche Idee, seine Frau entführen zu lassen, um seinen stinkreichen Schwiegervater zu erpressen. Er heuert zwei Kriminelle an, die er mit einem winzigen Bruchteil des Lösegeldes abspeisen will. Dummerweise erweisen sich die beiden Gangster nicht umbedingt als ideale Wahl für den Job, denn wie es das Schicksal (bzw. die Coens) will, gibt es schon bald erste Tote... Blutiger Schnee, schwarzer Humor: "Fargo" ist ein clever konstruierter Krimi, der immer wieder unerwartete Richtungen einschlägt und mit bösem Witz aufwartet. Vordergründig ein Thriller, ist "Fargo" im Kern eine Satire über eine kranke Gesellschaft, die von Gier, Misstrauen und Gewalt verdorben ist. Die Unschuldsfarbe Weiß verdient hier nur der Schnee, die meisten der Charaktere sind wahre Missetäter. Die reine Seele ist die verschrobene Polizistin Marge, dargestellt von Joel Coens Ehefrau Frances McDormand, die auf Mörderjagd geht, zwischendurch viel futtert und den Fall eher zufällig löst. Neben der Oscar-prämierten McDormand überzeugt auch William H. Macy als Strippenzieher, der die Kontrolle über das Geschehen verliert. Die beiden Kidnapper werden von einem aufgedrehten Steve Buscemi und einem verschwiegenen, kaltblütigen Peter Stormare verkörpert. Mit "Fargo" haben Joel und Ethan Coen wohl das beste Drehbuch ihrer Laufbahn abgeliefert und beweisen ihr außergewöhnliches Talent für Charaktere, Spannung, Humor und Story. Dass die Handlung zwar hier und da etwas überfrachtet wirkt, fällt nicht groß ins Gewicht. Im Gegenzug lässt "Fargo" sogar noch Platz für Interpretationen. Fazit: Eine pechschwarze und vielschichtige Satire; nicht nur für Coen-Fans zu empfehlen.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

florian.fiele

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Fargo

Fargo ist kein Thriller, auch wenn Story und Beginn selbiges vermuten lassen. Man darf hier keine 97 Minuten Thrill erwarten. Aber wenn die Coens dies dem Zuschauer hätten bieten wollen, Potential dazu war da. Es wurde aller Voraussicht nach bewusst nicht angerührt, um die gesellschaftssatirischen Aspekte des Films nicht in den Hintergrund treten zu lassen. Etwa genau die erste Stunde ist dabei hervorragend gelungen, Spannung und grotesk komödiantische Unterhaltung halten sich die Waage. Storyidee, kleinstädtische Schneeatmosphäre, Darsteller+Figuren und Dialoge sind grandios. Leider geht dem Film dann etwas die Luft aus in den letzten 30 Minuten. Zum Teil musste das geschehen, aus verschiedenen Gründen. Zu einem Teil kann man darüber hinwegsehen, gerade nach mehrfachem Ansehen. Andererseits wurde hier aber auch einfach nicht das volle Potential ausgeschöpft. Die 10.0-Wertung, die ich zunächst anvisiert hatte, ist daher nicht drin. Die Grundspannung ist weg, ein paar Szenen gefallen mir einfach nicht, wobei andererseits aber in der letzten halben Stunde auch wieder grandiose Momente und Szenen dabei sind. "Junge, ich werd noch total verrückt dort draußen am See." - verdammt geiler Monolog :D
--------------------------------------------------------------------------------------------
Auf einer wahren Gegebenheit basiert Fargo selbstverständlich nicht. Die Andeutung zu Beginn und gleichzeitige Entkräftung im Abspann zeigt aber zusätzlich, dass die Coens sich etwas hinter diesem Drehbuch und Gesellschaftsabbild gedacht haben. Tolle Idee! Und eine starke Umsetzung. Die geradezu liebevolle musikalische Untermalung ist hervorzuheben, die Darsteller spielen stark auf. Macys Paraderolle. Frances McDormand beweist Mut und wird mit einem Oscar belohnt. Peter Stormare gefällt eigentlich immer. Und Steve Buscemi? Schräger Typ. "Er war jedenfalls nicht beschnitten." Im Originalton ansehen ist zu empfehlen, auch wenn ich selbst gerne mal zu faul dafür bin. Dennoch macht Fargo in beiden Sprachen Spaß.
--------------------------------------------------------------------------------------------
Aber worum geht es eigentlich? Es geht um Geld. Jerry Lundegaard und Schwiegervater Wade Gustafson zerstören in ungewohnter familiärer Einigkeit für eine Million Dollar ihr Leben sowie ihre Familie. Jerrys Grundidee gefällt dabei auf Anhieb, erscheint aber nur auf den ersten Blick sinnvoll. Aber: Jerry reicht ein Blick, und er weiß Bescheid! Das Gangsterduo, das eigentlich nicht so wirklich ein Duo ist, aber auf den ersten Blick wie eins aussieht, wobei Jerry auch hier wiederum ein Blick genügt...dieses kongeniale Gangsterduo zerstört ihr Leben sowie das von über den Daumen gepeilt einem halben Dutzend anderen Menschen. Wofür? Für Geld. Für jeweils verschissene 40.000 Dollar, sowie jeweils einen halben Truck und einen halben Ford Sierra. Übrig bleiben am Schluss ein langweiliges, aber glücklich verheiratetes, Ehepaar, ein Kind ohne Eltern und Großvater, ein Koffer mit 920.000 Dollar, und die Reste, die von den Leichen noch übrig geblieben sind. "Wenn der Schnee schmilzt, sieht man, wo die Kacke liegt."
--------------------------------------------------------------------------------------------
Besonderes Highlight ist die Winterlandschaftsatmosphäre, wegen der ich mir den Film heute passenderweise noch einmal angesehen habe. Kein einfaches Entertainment, viel Spaß gewinnt der Film (gerade bei mehrfachem Sehen) durch eigenes Durchkauen von Szenarien, durch was-wäre-wenn?-Gedanken, denn gerade diese lassen die Skurrilität der Story zum Vorschein kommen. Speziell der im Schnee nicht besonders tief vergrabene Geldkoffer, von dem keine lebende Person mehr etwas weiß, macht mir zu schaffen. Fargo bekommt 9 Schneeflocken - immer wieder einen Winterausflug wert

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

florian.fiele

Antwort löschen

Und nicht vergessen Kinder: Immer den Kopf zuerst schreddern.


wurzel.mann

Antwort löschen

Dieses ständige "Jesus" ging mir so auf die Nerven und hat für mich den ganzen Film zerstört...


RoosterCogburn

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Dieser Film der zwei Brüder war tatsächlich meine erste Kinoerfahrung mit ihnen. Ethan und Joel Coen.

Endlose, schneebedeckte Landschaft. Äußerst stilisiert und dominiert von einer surrealen Atmosphäre, so wirkt "Fargo". Und damit meine ich sowohl den Coen-Film als auch die Stadt in North Dakota im nördlichen Mittelwesten der USA - zumindest so wie sie hier dargestellt wird. Dies ist keine Gegend in die sich normalerweise Touristen verirren. Wie bei den Coen-Brüdern üblich, wird hier an Figuren, Genres und Absurditäten so ziemlich alles zusammengewürfelt, was nur irgendwie zusammen passt. Das macht ihn zum einen so interessant, zum anderen für Ungeübte nicht leicht zugänglich. Ich finde auch, das er ein zwiespältiges Verhältnis zu seinen Charakteren besitzt. Einerseits zielen die Gags auf die Kosten der Charaktere des Filmes ab und ihr seltsames Verhalten, genau wie ihre naive Einstellung werden oft lächerlich gemacht. Aber auf der anderen Seite respektiert "Fargo" auch diese Menschen, die sich in der leeren, weiten Landschaft, so beharrlich durchs Leben schlagen müssen. Insofern ist Fargo auch eine Widmung der Coens an ihre ehemalige Heimat, dem nördlichen Mittelwesten, der Gegend um Minneapolis.
Lakonisch, total schräg und grotesk wird hier eine absurde Geschichte vom Stapel gelassen. Als grandiosen Witz habe ich die Behauptung empfunden, der Film sei nach einem wirklichen Kriminalfall entstanden - wobei ich am Ende des Filmes lese, dass "keine Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen beabsichtigt" sei. So kann man das dann auch wieder relativieren ^^

Abgesehen vom herrlichen Setting passt "Fargo" zwar relativ mäßig in die vorweihnachtliche Zeit. ABER wer mal was anderes sehen möchte und auf schwarzen Humor steht ... der Film spielt immerhin im Schnee - blutigen Schnee.

Anmerkung: Im September 2012 wurden Pläne präsentiert, den Kinofilm in eine Fernsehserie umzusetzen. Das Drehbuch zur bereits bestellten Pilotfolge wird von Noah Hawley zusammen mit Ethan und Joel Coen verfasst, die auch ausführende Produzenten werden sollen.

siehe auch http://www.moviepilot.de/liste/advent-advent-roostercogburn

bedenklich? 14 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

craax

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Das Hinterwäldlerische, Verlangsamte, Vereinfachte ist wohl beabsichtigt. Nichts ist hier kompliziert. Da ist kein Rätselraten, kein Who‘sdonit und nicht mal Spannung. Das Geschehen spult ab, ohne das irgendjemand Notiz nimmt : Zuschauer des Lebens. Alle sind so unbeteiligt wie möglich. Die hochschwangere Dorfpolizisitin ist mindestens so wie mit ihrem Fall, den sie so nebenher mit minimalen Aufwand der Auflösung sich zuführen läßt (das sie übermäßig selbst Mühe investierte, wäre eine hoffnungslose Übertreibung) – damit beschäftigt, das nächste Bewirtungslokal zur Stillung ihres permanenten Heißhungers ausfindig zu machen. Nebenher wird so gemetzelt und gemeuchelt; alles comme il faut.
Ein paar Dinge gaukeln vor unseren Augen: eine permanente Schneelandschaft, als Hauptdarsteller; ständiger suspense; ein völlig beknackt spießiger Autohändler, der Dinge ins Rollen bringt, die mehr als drei Schuhnummern zu groß für seine Kragenweite sind ; ein stumpfsinniger Totschläger und Killer, der wie ferngesteuert der Erwartungshaltung Genüge tut; ein hartherzig fixierter Geschäftsmann, dessen einziger Lebensinhalt sein Abonnement auf die gewohnte Hosenanhaber-Rolle ist; Polizisten, die so unbeschäftigt wie möglich ihrem Brotberuf nachgehen, auch wenn sie zufällig mal dran glauben müssen. Jeder funktioniert hier automatisch; und es gibt nur eines weiter zu sagen: so unveränderlich gleich Jahreszeiten, wie die Protagonisten all dieser Scheinereignisse ihr Ding abspulen,- haben wohl auch die Coenbrothers ihren Film abgedreht. Hier ereignet sich ein Triumph der Ereignis- und Interesselosigkeit; selbst, wenn Menschen so pervers wie nur denkbar nacheinander aus dem Spiel ausscheiden (allemal wieder: kaum gezogen werden),- ist das fast kein Hinsehen und Seitenblick wert.
Das soll wohl eine liebgemeinte Allegorie auf die Entgleisung ins krankhaft Normale dessen, zu dem unsere alltägliche blinde Realität mittlerweile mutiert ist, sein ; mir ist, geb ich zu, immer noch etwas riskanter Außergewöhnlich zu Mute. Ich hab mich immer noch nicht an diesen Blickwinkel, das Normale ansehen zu sollen, gewöhnt; und deswegen kann ich auch nicht in die Haut dieses Films schlüpfen. So lethargisch, wie dieses Werk tut, möchte ich nie vor dem Bildschirm hocken – des Lebens.
Das ist was für Leute, die bereits alles gesehen, und alles erlebt haben – jedoch nur innerhalb ihrer vier Wände, genauer, im rechteckigen Rahmen. Sehr sophisticated, das Ganze; da bleib ich doch lieber naiv. Humor? Ok, bis ich diese Art schwarzhaftes Vergnügen zu akzeptieren gelernt habe: hoffe ich doch, noch rechtzeitig den Löffel zuvor anderweitig abzugeben.

Müssen Sie diesen Film sehen? – Müssen Sie nicht. Nur, wenn Sie sich in dieser Art Realität häuslich einzurichten gedenken : nehmen Sie ihn besser mit hinein, denn anders wäre sie, zugegeben, kaum zu ertragen: ist man in ihr gefangen oder hat sich gefangennehmen lassen, hilft es schon, um nicht ganz durchzudrehen all dessen, wessen man notgedrungen Zeuge wird,- so unbeteiligt wie möglich. - Aber es gibt eine viel bessere Variante: lassen Sie diese Realität einfach Realität sein und überlassen Sie sie denjenigen, die es nicht anders wollen oder können. Zählen Sie dazu?- Für Sie könnte es doch eine eigene Welt geben: die Ihre. Warum nicht? – nur müssen Sie wohl selbst etwas dafür tun, sich Gelegenheit zu verschaffen, sie kennenzulernen. Tun Sie’s doch, einfach ; fast so einfach, wie dieser Film vorgibt, simpel zu sein; einfach tun, und los; und schwupps,- brauchen Sie Placebo-Ersatz, wie diesen LutschLollie im Kindermund, nicht mehr. Denn lernen tun Sie dort bestenfalls nichts: nur bestätigen – was eh jedermann schon weiß, ohne weiter Wert drauf zu legen. Also?

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

ShayaNova

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

bis heute noch einer meiner liebsten filme. ist bestimmt nicht für jeden geschmack, aber ich mag die stimmung, die skurrilen charaktere und die dubiosen aktionen derselben.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Uli Kunkel

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

* Spoiler-Warnung *

-

Aus der an Meisterwerken nicht eben armen Filmographie der Coen-Brüder ragen einige noch einmal dieses eine, dieses kleine ganz besondere Stückchen heraus. Wie beispielsweise dieser nette Streifen hier.
"Fargo" taucht sein vordergründiges Thriller-Setting ganz tief ein in einen minimalistischen Realismus, der den Kern seiner Charaktere entblättert und sie dem Betrachter in schlichter reiner Klarheit wie die schneebedeckten Landschaften des amerikanischen Mittelwestens erscheinen läßt. Die bei den Coens meist anzutreffende Groteske ist hier nur eine leichte Unterströmung. Die Geschichte und die Umgebung in der sie stattfindet, sind so greifbar real und authentisch wie sie nur sein können. Wenn wir zu Beginn augenzwinkernd darauf hingewiesen werden, das Folgende basiere auf tatsächlichen Ereignissen, dann glauben wir das anschließend unhinterfragt.
Im Mittelpunkt steht ein einfacher Plan, den unser Protagonist in einer fatalen Mischung aus Naivität und Verzweiflung in Bewegung setzt, um sich endlich den ihm zustehenden Erfolg und eine Lebenswirklichkeit nach seiner Vorstellung zu verschaffen. William H. Macy legt seine Figur Jerry Lundegaard in für den Zuschauer exakter Balance zwischen Fremdscham und Mitgefühl an. Er verleiht seinem Spiel präzise dosiert genau so viel emotionalen Nachdruck, daß seine Nuanciertheit, Subtilität und Glaubwürdigkeit stets vollkommen intakt bleibt. Eine beeindruckende, reife Leistung, die jede nur erdenkliche Auszeichnung verdient hätte.
Auch Steve Buscemis manisch-geschwätziger und Peter Stormares unberechenbarer, stoisch wortkarger, durchdringend kalt blickender Charakter sind einfach nur klasse. Wann immer diese beiden auftreten, macht sich eine unterschwellige Bedrohung bemerkbar, kommendes Unheil kündigt sich an - und tritt natürlich erwartungsgemäß, aber mit dennoch spürbarer Wucht ein. Den beiden Gangstern wird ebenfalls viel an Aufmerksamkeit geschenkt. Die Abgerundetheit der Charakterzeichnung zeigt sich einmal mehr als einer der größten Trümpfe im narrativen Ärmel der Coens. Himmel, sogar der Angestellte im Kassenhäuschen des Parkhauses, den wir nur zwei winzige Szenen lang zu Gesicht bekommen, wirkt wie geradewegs aus dem alltäglichen Leben gegriffen. Wenn er zum Opfer von Gangster Carls gewissenloser Impulsivität wird, dann trifft uns das mit einer unerwarteten emotionalen Ladung. Dieser Typ, das hätte jeder von uns sein können. Script und Inszenierung brauchen nur wenige Momente, um diese Identifikation zu etablieren.
Bemerkenswert finde ich die Lakonie und Beiläufigkeit mit der die Geschehnisse ineinander greifen. Mit der auch die Todesfälle sich ereignen oder zur Kenntnis genommen werden. Alles steuert in immer kleineren konzentrischen Kreisen unaufgeregt fatalistisch dem Ende entgegen.
Wenn Jerry Lundegaard schließlich verhaftet wird, er aus der einsamen, tristen Anonymität eines Motels in seinen Unterhosen, strampelnd und heulend ins grelle Tageslicht geschleift wird, ist dieses Bild die perfekte Projektionsfläche für die Summe all unserer eigenen miesen Entscheidungen und zweifelhaften Verhaltensweisen. Es steht symbolisch für die würdelose Konsequenz von unreifer Dummheit und rücksichtslos-egoistischer Ambitioniertheit, zu der wir alle uns möglicherweise hinreißen lassen könnten.
Der Unterschied zwischen ihm und der anderen Hauptfigur, Frances McDormands Marge Gunderson, ist vor allem - neben ihrem unkorrumpierbaren ethischen Kompass - daß sie vollkommen und aufrichtig mit dem zufrieden ist, was das Schicksal zu geben bereit ist. Währenddessen Jerry Lundegaard seinen Angestelltenstatus, die Kleinbürgerlichkeit und Provinzialität mit seinem Selbstwertgefühl als unvereinbar empfindet. Es gilt persönliche Erwartungen zu erfüllen und die Anerkennung von Schwiegervater Wade zu erringen. Da darf dann der Zweck schon mal die Mittel heiligen.
Man kann, wenn man denn unbedingt möchte, den Coens tendenziellen Pessimismus oder gar Fatalismus zuschreiben, was ihren cineastischen Blick auf die Welt und den Menschen betrifft. Vereinzelt verzerrt sich der Fokus, wie etwa in "Burn After Reading", zur leicht bitter schmeckenden, tragik-komischen Karikatur. Mit wenigen herzerwärmenden Augenblicken allerdings, welche die Beziehung von Norm und Marge Gunderson zeigen, rücken sie das Bild bereits wieder gerade. Das, was die beiden haben, würde man einem jeden einzelnen Erdenbewohner wünschen. Die Vertrautheit, Behaglichkeit und Wärme, mit der sich Marge und Norm begegnen und umgeben, bildet einen sicheren Schutz vor den zuweilen äußerst frostigen Verhältnissen, die schon unmittelbar vor der eigenen Eingangstür beginnen können. Die beiden wissen was sie aneinander haben, und gleichsam wissen sie es zu schätzen. Selten fühlte sich ein einfacher, rituell vor dem Einschlafen gemurmelter Satz wie "Ich liebe dich" ergreifender und wahrhaftiger an. Die gesamte Handlung hindurch trägt Marge, deutlich sichtbar, die konkrete lebensbejahende Manifestation dieser Liebe unter ihrem Herzen.
Die Vermessung der moralischen Distanz sowie der inneren Daseinsfreude, im Kontrast zwischen dem sozial orientierten Paar und den ganzen selbstsüchtigen Typen um sie herum, trägt beträchtlich zum Reiz des Filmes bei.
So ist denn "Fargo" formal ein Thriller, letztlich aber auch ein leiser Lobgesang auf Stabilität und Normalität des Alltäglichen, auf Zufriedenheit und Dankbarkeit hinsichtlich essentieller gemeinschaftlicher Werte.

"Wofür das alles?
Nur für ein bißchen Geld.
Sie wissen hoffentlich, daß es mehr im Leben gibt als das.
Heute ist doch so ein schöner Tag."

bedenklich? 17 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 6 Antworten

Uli Kunkel

Antwort löschen

Danke für das Kompliment und die intressante Reflektion deiner eigenen Erfahrung mit den Werken der Coens. Kann ich durchaus nachvollziehen, wenn einem die emotionale Verbundenheit zu "ihren von abstrusen Charakteren bevölkerten merkwürdigen Geschichten" etwas abgeht. Vielleicht springt der Funke irgendwann noch über. Hatte selbst etwas gebraucht, um mit ihnen so richtig warm werden zu können. Über die Jahre und Anzahl der Sichtungen wuchs die Wertschätzung allerdings zusehends und mittlerweile bin ich Ethan & Joels ganz speziellem erzählerischen Charme vollkommen erlegen.
Was sie neben den brillanten Scripts und Inszenierungen vielleicht vor allem auszeichnet, ist ihre phänomenale und präzise Beobachtungsgabe für die tragik-komischen Seiten unserer Existenz. Wie da oftmals dramatische Ernsthaftigkeit und augenzwinkernde Groteske sich die Hand reichen, ist einzigartig und einfach köstlich.
"Fargo" dürfte dabei wohl definitiv unter deren tendenziell bodenständigeren Werken zu nennen sein.
Jedenfalls hast du mich mal wieder zum Nachdenken angeregt, Doc. (sorry für dieses fragwürdige Experiment einer möglichen persönlichen Ansprache) Leider hat das Eintauchen in die Erinnerung wenig konkret Ausformuliertes zutage gefördert.
Mal sehen, vielleicht fällt eine weitere Besprechung hinten raus, wenn ich mich demnächst erstmalig und die letzte Lücke schließend "The Man Who Wasnt There" widme.
"No Country For Old Men" (sofern ich mich überwinden kann, Anton C. wieder gegenüber zu treten, der ... also ... macht mir, echt ... Angst), sowie "A Serious Man" locken ebenfalls mit Zweitsichtungen, wollen noch tiefer durchdrungen und verstanden werden.
Könnte also reizvoll bleiben, den Aspekten weiterhin nachzuspüren, weshalb die Coens zu den interessantesten Filmemachern unserer Zeit gehören.


TheDrPepperPower

Antwort löschen

Wenn du mich "Doc" nennst, dann nenn ich dich "Marty";) Ich glaube meine Coen Favoriten waren eher die etwas abgedrehteren Werke wie "Burn After Reading" und "The Hudsucker Proxy". Ich werde mir auch bald mal endlich "Miller's Crossing" vornhemen, der gilt ja bei vielen auch als einer der besten Coens. Vielleicht finde ich ja auch mal einen Film von den Jungs, den ich als Favoriten bezeichnen kann. Das filmische Talent haben sie ja in jedem Fall.


nerdkiller

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

Da heute in meinem Heimatkaff urplötzlich der Winter, in Form von Schneefall, einbrach und ich gerade eben noch ein paar Besorgungen machen musste und dabei über schneebedeckte Äcker und Wiesen latschen musste, musste ich urplötzlich an "Fargo", von den von mir mehr als nur geschätzten Coen Brüdern, denken; und ihm so schnell wie möglich das verdiente Herz (zurück) geben, da mir klar wurde, wie faszinierend und großartig dieser Film ist. Und vor allem, wie sehr ich mich mit "Fargo" fast schon identifizieren kann.

Die Handlung überspringe ich mal, denn wer sich das hier durchließt und nicht schon nach der langweiligen Einführung aufgehört hat, der wird den Film ja hoffentlich auch zu schätzen wissen.
Gut, erstmal von Vorne:

Was ist denn "Fargo" überhaupt? Ein Thriller? Hmm, per Definition vielleicht, aber für mich nicht, "Fargo" lebt nämlich nicht von einer allgegenwärtigen Spannung, oder sonstigen Thrillermerkmalen. Für mich ist es was ganz, ganz anderes. Die Coens verlegen ihre herrlich absurd-durchdachte Geschichte in die Gegend, in der sie aufgewachsen sind, und das ist mitten im Nirgendwo. Absolut hinterwäldlerische Gegend. Da ich selbst auch ein Landei bin, war der Film für mich gleich schon bei der ersten Sichtung sehr zugänglich, und mir war klar, dass mich die Coens hier wieder nicht enttäuschen würden. Aber genug davon, wieder zum Film:
Klar, die Geschichte und die Figuren in "Fargo" sind - wie so oft bei den Coens - überspitzt und der ganze Film pendelt ständig zwischen bittererem Ernst und absurdem und schwarzem Humor hin und her. Doch, und das ist auch ein Grund, warum die Coens und ihre Filme bei mir so hoch im Kurs stehen: ich kauf es ihnen ab.

Ja, ich weiß zum Teil aus eigener Erfahrung/Bekanntschaft, dass es solche Leute wirklich, sicher nicht so hinterwäldlerisch-überspitzt wie in "Fargo", aber ich könnte mir dennoch gut vorstellen, dass sich ein solche Geschichte auch bei mir vor der Haustür zutragen könnte, wenn bestimmte Personen in eine ähnliche Situation geraten sollten.
Wie so oft bei den Coens entwickelt sich diese völlig absurde Geschichte aus etwas fast schon völlig Banalem heraus, bis sie zum Schluss in einem grotesken Verwirrspiel endet. Aber nicht nur das, es ist auch mal wieder eine sehr menschliche Geschichte, denn die komplette Geschichte wird von allen Figuren und ihrem ziemlich doofen, aber halt menschlichem, Verhalten vorangetrieben. Und dafür ist diese verschneite Pampa der perfekte Schauplatz. Die Coens präsentieren hier eine wunderschöne, verschneite Landschaft (untermalt natürlich mit dem bombastisch-genialen Score). Sie zeigen eine abgeschiedene Gegend, in der eigentlich jeder ein gemütliches Leben führen kann. Vorausgesetzt, er hält sich an die ungeschriebenen Gesetze dieser ländlichen Gegend. Man könnte sagen, dass die Umgebung perfekt mit den Figuren und ihrem dummen Handeln harmoniert. Es scheint so, als ob einer nach dem anderen mehr will, als ihm diese beschauliche Gegend mit ihren endlosen Weiten bietet. Aber das ist auch sehr menschlich, sie wollen hier den großen Coup landen. Jede der Figuren auf ihre Weise, und jeder hat unterschiedliche Ziele. Doch der Fehler ist einfach, dass sie gegen die Regeln des ländlichen Minnesotas verstoßen. Denn "Minnesota's nice", aber nur, solange du selbst auch zu ihm nett bist. Und wenn nicht, so wie die Figuren, kann es hier ganz böse enden. Und das tut es auch.

Natürlich ist das auch wieder überspitzt von den Coens dargestellt, aber auch in meinem Heimatkaff ist es nicht anders. Denn in fast jedem Dorf bestimmen immer noch irgendwelche, nicht auf Papier festgelegte, Regeln das Zusammenleben, und wer sich zu sehr gegen diese Regeln auflehnt, der macht langfristig eine Bruchlandung. Wenn man jetzt noch den Überfilm der Coens, "The Big Lebowski", der wenig später erschien, in Betracht zieht, könnte man fast schon sagen, dass "The Big Lebowski" "Fargo" in der Großstadt ist. Auch wenn man beide Filme natürlich nicht so einfach über einen Kamm scheren kann (dafür ist beim Dude noch lauter Meta-Zeugs mit drin), so haben sie doch einige Parallelen. Da beide Filme Geschichten erzählen, die aus einer banalen Sache heraus entstehen, jedoch durch das Fehlverhalten der einzelnen Figuren, im Fiasko Enden. "Fargo" könnte also fast schon die Fingerübung für "The Big Lebowski" sein, auch wenn beide Filme auf ihre Art und Weise einzigartig und genial sind. "Fargo" ist böser und härter, der Dude skurriler und lustiger...

Aber genug davon, abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass "Fargo" einfach einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist. Auch wenn er im Vergleich zum Dude relativ selten im Player landet, ist auch hier jede neue Sichtung eine Offenbarung, die ihres Gleichen sucht, und wie sie nur die Coens machen können. "Fargo" ist für mich nach längerem Überlegen einfach mehr als nur ein sehr guter Film. Und das macht doch einen Lieblingsfilm aus, oder?

bedenklich? 29 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 6 Antworten

hollygolightly1

Antwort löschen

Schöner Text mal wieder.
Ich könnt mich echt nicht entscheiden zwischen Fargo und dem Lebowski...


der cineast

Antwort löschen

Geralt? Rede keinen Quatsch.


Shady95

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Oh jeez!
Toller Film mit super Charakteren und Schauspielern. Auch das Setting hat die Kälte dieser Region perfekt herübergebracht.
Gefallen haben mir auch die Dialoge und die Situationskomik, die teilweise auftrat. Denn manche Figuren haben mich durch ihre unfreillige Tollpatschigkeit in ansonsten ernst gemeinten Szenen zum Lachen gebracht. Man erinner sich nur an die entführte Ehefrau, die mit Sack über dem Kopf blind herumstolpert. Klasse!
Deswegen kann man Fargo auch nicht als reinen Thriller bezeichnen. Aber warum nicht "herausragend"?.
Na ja, der Anfang war einfach zu langatmig und zwischenzeitlich kam keine Fahrt mehr in die ganze Sache, sodass sich die 90 Minuten Spieldauer viel länger anfühlten.
Noch ein Wort zu Frances McDormand: Ja sie hat super gespielt (wirklich Oscar-würdig?) , aber die anderen Schauspieler im Film stehen ihr in Nichts nach.
Das Drehbuch hat den Oscar dagegen eindeutig verdient!

Ansonsten eine ausgezeichnete kleine Filmperle und für Coen-Fans sicher ein Meisterwerk.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Ener

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Brilliante Darsteller in einem famosen Thriller. Wie hier eine vermeintlich harmlose Aktion aus dem Ruder läuft macht irre Spaß zu sehen. Es geht so ziemlich alles schief was kann, dadurch jagt in gekonnt inszenierten Bildern ein Höhepunkt den Nächsten, was während der Schlussminuten vollkommen krank endet und der Story den passenden Deckel aufsetzt. Carl (der großartig spielende Steve Buscemi) kann einem wirklich leid tun. Das passt.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten


Fans dieses Films mögen auch