Portrait

Antonio Banderas - Ein Spanier in Hollywood

Antonio Banderas mit Elena Anaya in Die Haut, in der ich wohne
© Tobis
Antonio Banderas mit Elena Anaya in Die Haut, in der ich wohne

In dieser Woche können wir Antonio Banderas wieder in einem spanischen Film, in Die Haut, in der ich wohne, im Kino bewundern. Diese Rückkehr zu seinen Wurzeln ist für uns ein Anlass, uns die Biographie des Schauspielers einmal genauer anzusehen.

Spanische Anfänge mit Pedro Almodóvar
Alles begann in Südspanien in Málaga, der Stadt, in der auch Pablo Picasso das Licht der Welt erblickte. 1960 wurde Antonio Banderas auf diesem sonnigen Fleckchen Erde geboren und träumte zunächst von einer Karriere als Profifußballer. Doch eine Verletzung setzte diesem ambitionierten Vorhaben vorschnell ein Ende. So besucht er die Schauspielschule in seiner Heimatstadt und ging anschließend nach Madrid, wo er auf verschiedenen Theaterbühnen spielte. Es war die Zeit nach der Franco-Diktatur, das kulturelle Leben im Land explodierte und setzte jede Menge kreative Energie frei. Eines Tages wurde der damals noch mittellose Schauspieler zufällig auf der Straße von einem Regisseur entdeckt, der seinen weiteren Lebensweg prägen würde: Pedro Almodóvar.

Labyrinth der Leidenschaften war die erste einer Reihe von Zusammenarbeiten des Regisseurs mit Antonio Banderas. Die Geschichte über einen schwulen islamischen Terroristen sorgte für Aufruhr und kam bei seinen Eltern nicht besonders gut an. In den 80ern arbeitete das Duo noch an drei weiteren Filmen: Matador, Das Gesetz der Begierde und Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Nachdem er in Das Gesetz der Begierde erneut einen Homosexuellen verkörperte, traute sich Antonio Banderas angeblich ein Jahr lang nicht nach Hause zu seinen Eltern. 1989 wurde Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs als Bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert und so kam es, dass Hollywood erstmals auf Antonio Banderas aufmerksam wurde. Es lässt sich also mit gutem Gewissen behaupten, dass Pedro Almodóvar dem Schauspieler zum internationalen Durchbruch verholfen hat.

Der Sprung über den Teich: Durchbruch in Hollywood
Eine weitere Person, die die Prominenz von Antonio Banderas in den USA voran trieb, war Madonna. In dem Dokumentarfilm In Bed with Madonna, in dem der Schauspieler auch selbst einen kleinen Auftritt hat, gibt sie offen zu, dem Charme des Spaniers verfallen zu sein. Es wird sicher nicht nur an dieser Fürsprache gelegen haben, dass Antonio Banderas 1992 mit seinem ersten amerikanischen Film Mambo Kings in die Kinos kam. Er hatte sich entschieden, für seine Karriere in die USA überzusiedeln, sprach jedoch noch kein Englisch. Daher musste er den Text für diese erste englischsprachige Rolle noch rein phonetisch auswendig lernen, ohne den Inhalt vollkommen zu erfassen.

Im kommenden Jahr wurde er für die Verfilmung eines Romans der lateinamerikanischen Autorin Isabel Allende besetzt: Das Geisterhaus. Nur ein Jahr später durfte er mit Von Liebe und Schatten erneut in einer Leinwandadaption der Schriftstellerin mitwirken. Diese Rollen waren auf Grund ihres Settings in Südamerika für den spanischen Schauspieler natürlich gut geeignet, aber spätestens mit seiner Nebenrolle in dem Oscar prämierten Film Philadelphia konnte er endgültig zeigen, dass er nicht auf die Rolle das Latinos festgelegt werden konnte. Die Figur des schwulen Lebensgefährten von Tom Hanks in dem AIDS-Drama bedeutete den finalen Durchbruch für Antonio Banderas. Kurz darauf spielte er neben den ganz großen Hollywoodschauspielern in Interview mit einem Vampir, Desperado und Assassins – Die Killer.

Ausflüge in die Welt der Musik und der Regie
In der Musicalverfilmung Evita traf er dann 1996 Madonna wieder, doch die Sängerin konnte auch diesmal sein Herz nicht erobern, das schon längst Melanie Griffith gehörte, die Antonio Banderas im selben Jahr heiratete. Die Gesangseinlagen in Evita bestritt er alle selbst. Daran fand er offensichtlich so großen Gefallen, dass er wenig später vorübergehend eine Musical-Karriere am Broadway verfolgte. Für seine Rolle in dem Musical Nine wurde er sogar für den Tony Award nominiert.

Neben seinem Interesse für die Musik wagte Antonio Banderas auch den Schritt hinter die Kamera. Schon 1999 drehte er den Film Verrückt in Alabama, mit Ehefrau Melanie Griffith in der Hauptrolle. 2006 folgte der Film Sommerregen, der in seiner Heimatstadt Málaga spielt. In Deutschland war dieser sehr persönliche Film des Schauspielers leider nur auf der Berlinale zu sehen. Auch für sein nächstes Regiewerk, Solo, gibt es noch keinen Termin eines deutschen Kinostarts.

Verspielte Filme und die Rückkehr nach Spanien
Abgesehen von dramatischen und musikalischen Performances hatte Antonio Banderas auch schon immer etwas für die kleinen Kinozuschauer übrig. So spielte er in den Spy Kids Filmen von Robert Rodriguez und lieh seine Stimme auch einer Figur in Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück, die in Der gestiefelte Kater nun auch Protagonist eines eigenen Films wird.

Aktuell ist Antonio Banderas mit Die Haut, in der ich wohne wieder in einem Film von Pedro Almodóvar zu sehen, also dem Mann, mit dem seine Schauspielkarriere begann. Wie es nun weitergehen soll, weiß er noch nicht genau, aber er sagt, die Chance stünden gut, dass er zukünftig wieder mehr spanische Filme mache. Die erneute Zusammenarbeit mit Pedro Almodóvar nach so langer Zeit habe beiden jedenfalls viel Spaß gemacht: „Die ganze Zeit während des Drehs sagte Pedro mir immer wieder: ’Weißt du was? Du hast dich gar nicht verändert. Es ist, als wären diese 22 Jahre gar nicht passiert."

Ab dem Kinostart am 20. Oktober können dann auch wir beurteilen, ob Antonio Banderas und Pedro Almodóvar nach wie vor ein Dream Team sind.

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