Der Kontrakt des Zeichners

The Draughtman’s Contract (1983), GB Laufzeit 103 Minuten, FSK 16, Drama, Kriminalfilm, Komödie, Kinostart 30.03.1984

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6.8
Kritiker
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7.1
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264 Bewertungen
7 Kommentare
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von Peter Greenaway, mit Anthony Higgins und Janet Suzman

Sommer 1694. Nur zögernd erklärt sich der erfolgreiche Maler Neville bereit, den Herrensitz Compton Anstey in der südenglischen Grafschaft Witshire zu zeichnen. Allerdings besteht der arrogante Künstler darauf, daß die Dame des Hauses ihm neben ihrer Gastfreundschaft auch ihre intimste Aufmerksamkeit widmet. Die Gelegenheit ist günstig, da sich der Inhaber Mr. Herbert gerade in Southampton amüsiert. So bleibt es nicht bei den Schäferstündchen mit Mrs. Herbert, auch deren unglücklich verheiratete Tochter Mrs. Talmann ist bereit für amouröse Gefälligkeiten. Als überraschend Mr. Herberts Leiche aus dem Teich des Anwesens gefischt wird, gerät Neville in Schwierigkeiten. Seine geradezu pedantisch genauen Zeichnungen offenbaren ein paar sonderbare Details.


Cast & Crew

Regie
Schauspieler

Kritiken (1) — Film: Der Kontrakt des Zeichners

Kubrick_obscura: CinemaForever

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7.0Sehenswert

Die Kameraarbeit des Films, die nie an Montage denkt und in der Echtzeit der Aufnahme schwelgt, unterwirft sich der geometrischen Ästhetik des 17. Jahrhunderts. In starren Totalen finden die Dialoggefechte, in denen die Worte den Film beherrschen, statt. Das ist schade. Handelt der Film doch von der Abbildbarkeit der Wirklichkeit. Einem sehr filmischen Thema, was leider nur angesprochen wird. Meistens kreisen sich die Dialoge wirklich um das Intrigenspiel, was ich doch arg uninteressant fand bzw. der Frage nach dem Whodunit. Das Ende wiederum ist in seiner Konsequenz äußerst sehenswert, bringt es doch das tragische Schicksal des Zeichners auf den Punkt. Ein Mann der nur das zeichnete was er sah, aber nie das was er wusste, muss bestraft werden, weil er Zeuge wurde, Zeuge eines Verbrechens, Zeuge der Hässlichkeit dieser Welt, die sich doch eigentlich nach Symmetrie und Gleichgewicht sehnt. Der Künstler als entlarvernder Beobachter der Realität!

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Yivro

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Nein, nein... bist in kein Haus gefallen :D
Deine Interpretation gefällt mir auch gut, habe das Ganze bis jetzt anders gesehen; also der Künstler, der nicht in der Lage ist, hinter das Subjekt seiner Arbeit zu schauen und deswegen den Mord am Hausherren zeichnet, ohne ihn zu verstehen - und dafür dann bestraft wird.
Letztlich könnte man aber auch fragen, ob Greenaway (der die Bilder im Film ja selbst zeichnete) jemals unästhetisch arbeiten könnte... :D
Aber das liegt dann wohl im Auge des Betrachters.


Brentano

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ja sehr interessante Deduktion, das hilft auch mir weiter, ...
halte ebenso sonstige Szenen des Films für sehr interessant und gelungen, (habe ihn im Original gesehen, da musste ich schon 2x hinhören, manchmal) wie die gesamte Atmo, ein Rundum Kunstwerk in gewissem Maße, auch hübsch die beherzten Attacken gegen den deutschen Adel, ..



Kommentare (6) — Film: Der Kontrakt des Zeichners


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Bewertung9.0Herausragend

"Warum lässt euer Gatte nicht den Wassergraben säubern?"
"Er sieht die Fische nicht all zu gerne, Karpfen leben zu lange, außerdem erinnern sie ihn an Katholiken".
(Dialog zwischen Maler und Hausherrin)

Mein erster Greenaway und was für einer. DER KONTRAKT DES ZEICHNERS ist so überfüllt von Anspielungen, Symbolen und tiefgründigen Dialogen, dass ich wahrscheinlich noch Jahre und unzählige Sichtungen brauchen werde, um ihm zu verstehen Er ist ein so komplexes Werk, dass man unmöglich nach der ersten Sichtung richtig erfassen kann und dennoch hat er mich begeistert zurückgelassen, doch warum ist das so ?

Der banalste Grund ist einfach die herausragende Optik, jede Einstellung gleicht einem wunderschönen Gemälde und kann es auf ästhetischer Ebene -und auf inhaltlicher ebenso, aber dazu später mehr- durchaus mit Stanley Kubricks BARRY LYNDON aufnehmen.Man merkt, dass Peter Greenaway selbst Maler ist und ein sehr treffsicheres Gespür für Schönheit hat.
Außerdem gefiel es mir sehr gut, wie Greenaway die bourgeoisen Charaktere der damaligen Zeit dargestellt hat. Ihm geht es nicht um ein realitätsnahes Bild der Epoche, ihm ist vielmehr die perfekte Groteske gelungen. Auf sehr bizarre Art und Weise persifliert er die Sitten und Bräuche sowie die Verhaltensweise der Bourgeoisie und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Alle Charaktere wirken unglaublich affektiert und künstlich, halten sich wie es sich gehört streng an die auferlegten Sitten, egal wie unsinnig sie sein mögen, sie verhalten sich extrem steif und unnatürlich, leben in Luxus und Überschwang, machen miserable, meist anzügliche Witze, leben in einer abgehobenen Realität fern ab der unseren und verhalten sich beinahe mittleidserregend unbeholfen, werden sie doch mal mit dem Alltagsgeschehen konfrontiert werden. Greenaway gibt sie ihrer eigenen Absurdität preis und lässt sie lächerlich und vor allem überaus witzig erscheinen. Betont wird der ganze Zirkus durch die Gestik und Mimik der Darsteller, die geschwollene Sprechweise, die übertriebene Kleidung und Schmuck , sowie exorbitanten Perücken hinter denen man teilweise kaum noch den Mensch wahrnehmen kann, der am Anfang des Kommentars zitierte Dialog -der mein Lieblingsdialog ist, weil ich über ihn am lautesten Lachen musste- gibt meiner Meinung nach sowohl die Absurdität, als auch die Lächerlichkeit, die die Charaktere verkörpern sehr gut wieder.

Natürlich darf man den Film jedoch nicht nur als Persiflage der Bourgeoisie verstehen, dass würde ihm nicht gerecht werden, da in ihm deutlich mehr steckt. Primär geht es darum, was Kunst darf, wie sie zu definieren ist, wie ein Künstler zu seinem eigenen Schaffen stehen sollte und was seine Aufgabe ist.
Der Protagonist, natürlich ein Maler, ist, was die Kunst angeht ziemlich nüchtern, er sieht nur das was da ist und zeichnet es Detail für Detail ab ohne darüber nachzudenken und eigene Ideen und Phantasien mit einfließen zu lassen, es schafft also nichts neues sondern malt schon existierendes einfach ab. Wenig verwunderlich ist es, dass Greenaway eine dieser Meinung entgegengesetzten position vertritt. Er ist der meinung, dass künstlerisches Schaffen der kreativität des Künstlers entspringen und ertwas neues, vorher nie dargewesenes hervorbringen soll. Kunst soll in fremde Welten entführen, die keine Grenzen kennen und sich nicht durch irdische Gegebenheiten einschränken lassen sollen. Die sehr festgefahrene Sicht des protagonisten bedeutet letztendlich -in einer unbeschreiblich skurrilen Mordszene- sein Ende.

Und wenn der Abspann erscheint und man über die schöne Optik wie auch die grotesken Elemente freut, aber letztendlich fragt, was Greenaway eigentlich mit seinem schönanzusehenen Film sagen wollte, wird man sich erst der Tragweite des Films bewusst. Genau, wie der Maler im Film stolpert man als Zuschauer durch die Geschichte und hat nur Augen für das offensichtlichste, die Fülle an Symbolen, Metaphern und tiefgründigen Aussagen, die nicht an der Öberfläche liegen und für deren Erkenntnis, tiefer einsteigen müsste, bleibt einem verborgen.

Ich glaube bei keinem Film werde ich auch nach 20 Sichtungen noch soviel neues entdecken, wie hier.

bedenklich? 8 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 8 Antworten

Absurda.

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Für mich nicht. Den Platz hat Greenaway eingenommen. Der hat mir vor kurzem gesagt, es wäre sehr gemütlich dort...


Brentano

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zudem es im "Kontrakt" auch um den Kunstbegriff und seine entsprechende "Rezeption" geht, ..


TheRubiCube

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Bewertung7.5Sehenswert

Erster Greenaway.. für billig Geld einen glücklichen Fund im zweitausendeins-Shop gehabt. Schon länger hatte ich mir den Kerl vorgenommen, die Möglichkeit sprang mir endlich entgegen. Ich war wirklich gespannt.
Eine recht komplexe, krimiähnliche Verstrickung im Plot, der sich um und im Anwesen der Herberts, im Süden Englands, 1694, abspielt. Die Standbildaufnahmen besagten Anwesens aus jedem Winkel lassen einen gerne an die frühe Leidenschaft des Regisseurs Peter Greenaway glauben, auch er selbst studierte wohl Malerei, bevor er zum Film kam.
Visuell ein Genuss, Greenaway arbeitet perfide und detailverliebt! Ich hab tatsächlich ein paar mal pausiert, um mir die Aufnahmen näher anzusehen, auch bei 3 Zeichnungen hab ich den Film angehalten, da auch diese wirklich klasse aussehen (wobei ich mich ansonsten echt nicht sonderlich für bildende Kunst und/oder Malerei begeistern kann!).
Selbst die Gestaltung der Kostüme (diese Perücken sind der Wahnsinn!) und der Innenarchitektur fand ich einfach sehr stilvoll, obwohl ich auch hier eigentlich nie viel für die auffällige Kleidung der Zeit übrig hatte.
Die Story wird von ihren Charakteren und deren Intrigen, Listen und Tücken wunderbar geführt, in einer clever und ästethisch ausgearbeiteten Kombination mit den satten Bildern, dabei mit sarkastischem Witz in den genialen und teilweise herrlich bissigen Dialogen begleitet: ''When your speech is as coarse as your face, Louis, then you sound as impotent by day as you perform by night.''
Die Barockstücke, mit denen Michael Nyman den Film ziert, finden bei mir leider nur wenig Anklang, zwar passen sie zum Ambiente, dem Zeitgefühl, ja sie verstärken für mich sogar den ironischen Unterton, der unweigerlich die ganze Handlung über mitschwingt, trotzdem setzen sie in den für mich wichtigen Momenten von der Stimmung her falsch an, oder fehlen manchmal komplett. Andererseits.. hör ich auch einfach nich so gern Barock..
Gegen Ende wurde das Intrigengewebe für mich etwas zu hastig, das Ende war jedoch passend und hat die, ohnehin stimmige, Handlung angemessen abgeschlossen.

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Kate Portman

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Bewertung6.5Ganz gut

ich finde den Film schön gemacht.
seltsam.
und mit schöner Musik versehen.

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Miss Sophie

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Bewertung5.0Geht so

Bin ich, fürchte ich, zu doof für.

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Brentano

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können wir hier ,von hier aus schlecht "abschätzen",...


8martin

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Bewertung6.0Ganz gut

Wie der Opernfan das Libretto kennt, so ist es auch in Peter Greenaways Filmen ratsam, sich im Vorhinein mit der Handlung vertraut zu machen, denn es folgen lange Dialoge, in gespreizter Form klassischer Dichtung, die dem ungeübten Zuschauer/Hörer stellenweise wie der auf “la, da, sa, fa, ka“ reduzierte Gesang des Heldentenors in der Oper vorkommen können.
Ende des 17. Jahrhunderts soll ein renommierter Künstler, Mr. Neville, von einem Anwesen eines Adligen 12 Zeichnungen anfertigen und verlangt dafür vertraglich zugesichert als Entlohnung eine gewisse Summe und die Verlustierung mit dessen Ehefrau. In seiner grenzenlosen Anmaßung dehnt Neville seinen erotischen Eroberungsdrang auch auf die verheiratete Tochter des Hauses aus. Nachdem der Ehemann und Auftraggeber aus ungeklärten Gründen umkommt und Neville eine Verlängerung des Vertrages anstrebt, bahnt sich eine Racheaktion an oder ist es gar ein Komplott?
Wie in einem anderen Greenaway-Film kommt es zu „Einer Verschwörung der Frauen“. Sie morden nicht selbst, und sie agieren nicht. Doch erreichen sie ihr Ziel. Eine dunkle, stumme Gestalt steht wieder rätselhaft auf Sockeln und Balustraden.
Schwere Kost für den einen, aber eine beeindruckender Bereicherung für den anderen.

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magX

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Bewertung9.0Herausragend

Greenaways Meisterwerk, bei dem man durchaus einen gewöhnlichen Krimi oder einen historischen Schinken erwarten könnte. Wenn man sich trotz des Grundthemas auf den Film einlässt, wird man mit einer Geschichte voller Verzweigungen und Intrigen, Beziehungen und Verbrechen belohnt. Die Musik ist wie immer bei Greenaway überragend, die Landschaft wurden sehr gut eingefangen. Abgerundet wird der Film durch interessante Charaktere, witzige Szenen und einem Ende, über das man noch länger nachdenken kann.

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