Rashomon - Das Lustwäldchen

Rashômon (1950), JP Laufzeit 88 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 04.08.1952


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7.9
Kritiker
34 Bewertungen
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5.8
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3176 Bewertungen
56 Kommentare
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von Akira Kurosawa, mit Toshirô Mifune und Machiko Kyô

Rashomon ist ein japanischer Klassiker von Akira Kurosawa, bei dem ein Verbrechen aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der drei Beteiligten geschildert wird.

Ein heftiger Wolkenbruch überrascht drei Menschen aus unterschiedlichsten Schichten. Sie alle suchen unter dem halb verfallenen Dach einer Tempelruine Schutz vor den Wassermassen. Ein Priester (Minoru Chiaki), ein Holzfäller (Takashi Shimura) und ein Knecht (Kichijirô Ueda). Sowohl der Holzfäller als auch der Priester machen einen sehr bedrückten Eindruck auf den zuletzt eingetroffenen Knecht. Es stellt sich heraus, dass beide Zeuge eines Verbrechens waren, welches sich vor drei Tagen ereignete. Und beide sind sich noch immer nicht klar darüber, wie das Verbrechen begangen wurde, denn es gibt völlig unterschiedliche Versionen über das Geschehene, die sich widersprechen.

Hintergrund & Infos zu Rashomon
Kernthema von Rashomon ist die subjektive Wahrnehmung von Ursache, Wirkung und Schuld bei einem vermeintlichen Verbrechen. Gerade bei Zeugenaussagen wird dieser nach dem Film benannte “Rashomon-Effekt” immer wieder beobachtet, wenn sich Zeugen bei ihren – wie sie glauben – objektiven Tatbeschreibungen gegenseitig wiedersprechen. Diese Auffassung richtet sich gegen die Vermutung, dass eine objektive Wahrheit aus Zeugenaussagen rekonstruiert werden kann, da sowohl die Erinnerung als auch die Wahrnehmung der Ereignisse selbst subjektiv geprägt sind.

Rashomon basiert auf der Kurzgeschichte ‘Im Dickicht’ von Ryûnosuke Akutagawa. Für seine Verfilmung gewann der japanische Meisterregisseur Akira Kurosawa nicht nur den Goldenen Löwen von Venedig, sondern auch den Ehrenpreis als Bester ausländischer Film bei den Oscars 1952.

1964 erschien das Western-Remake Carrasco, der Schänder von Martin Ritt, das trotz Paul Newman in der Rolle des Banditen und William Shatner als Priester nicht den Erfolg der Wiederholen konnte. Auch für das Remake wurde Akira Kurosawa als Drehbuchautor im Abspann geführt. (ST)


Cast & Crew


Kommentare (54) — Film: Rashomon - Das Lustwäldchen


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TheNumber

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Eine oft kopierte Strategie (und verallgemeinert der unzuverlässige Erzähler) hat hier ihren Ursprung, die sogar nach dem Film benannt ist. Rashomon zeigt uns 4 verschiedene Versionen des selben Geschehens, die sich alle jeweils in einem Punkt widersprechen. Dadurch ist der Zuschauer gebannt permanent am Rätseln, was denn nun wirklich geschehen ist. Viel mehr möchte ich auch nicht sagen, sodass man den Film noch selber erleben kann. Der Film ist sehr tiefgründig, man kann eine Zeit lang darüber nachdenken, was der Film aussagt. (Sehr empfehlenswerte Lektüre dazu ist u.a. die hervorragende Review von Roger Ebert) Der Film ist ein Meisterwerk, sowohl technisch als auch dramaturgisch, das man als geneigter Filmfan definitiv gesehen haben muss. Er zieht sich leider ein kleines bisschen und man braucht auch etwas Zeit (und viele wohl auch Zusatzlektüre), um ihn wirklich zu begreifen.

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Mirabilis

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Bewertung7.0Sehenswert

[Erste Bewertung:] Oha, so viele tolle Bewertungen... da kann ich ja jetzt nicht der Combo Breaker sein. Also der Film... ging so. Jedenfalls war das Ansehen nicht allzu schmerzhaft. Und es muss ja auch etwas dran sein, wenn so viele Menschen ihn großartig finden. Vielleicht werde ich ihn irgendwann mehr zu schätzen wissen, aber im Moment erschließt sich mir seine Genialität noch nicht. [Edit:] Nach erneuter Überlegung kam ich doch noch zu einer etwas anderen Bewertung dieses Films. Der Sinneswandel begann damit, dass ich mich erinnert habe, wie neugierig ich von Mal zu Mal auf den Bericht des nächsten Augenzeugen wurde. So uninteressant, wie ich es zunächst in Erinnerung hatte, war der Film also schon mal nicht. Sofern man dabei niemanden stört, kann man zwischen den Berichten hin und her springen, sie sich mehrmals ansehen und beobachten, wie einem immer mehr kleine Unterschiede auffallen, die zu einem völlig anderem Ende der Geschichte führen. Das mutet zunächst an wie ein kurzweiliges Suchspiel, aber schnell kommt man dann ins Grübeln. Der Film solle, so sagte man mir, vor allem aufzeigen, wie unterschiedlich Augenzeugenberichte ein und desselben Vorfalls ausfallen können. Er solle dem Zuschauer klar machen, wie subjektiv unsere Auffassung der Realität sei, obwohl wir doch alle intuitiv den Eindruck haben, unsere Wahrnehmung sei objektiv. Er solle uns deutlich machen, wie stark deshalb auch unser Urteil über beteiligte Personen sich unterscheide, je nachdem, was wir meinen gesehen zu haben, und dass dieses Urteil deshalb auf einem äußerst wackeligem Fundament steht. Soweit die Intention des Machers, wie es mir vorab vermittelt wurde. Und das allein ist schon beeindruckend für die Zeit, in der der Film entstanden ist. Es gelingt ihm nämlich vollkommen, das rüberzubringen. Aber mich hat etwas anderes noch viel mehr bewegt und interessiert. Es war der Inhalt der Augenzeugenberichte selbst und die Frage, nicht nur WIE die Beteiligten darin jeweils handeln, sondern warum. Klar, es sind letztendlich nur die Interpretationen der Zeugen, die sich einen Reim darauf zu machen versuchen, was geschehen ist und weshalb. Aber sie alle stellen doch plausible Ausgänge ein und derselben Ausgangssituation dar; keine davon wirkt unwahrscheinlich oder an den Haaren herbeigezogen. Sie alle hätten sich genau so abspielen können. Wie kommt es also, dass ein und derselbe Vorfall so viele mögliche, sogar tödliche Ausgänge haben kann, obwohl es immer die gleichen Beteiligten sind? Hängt es allein vom Glück ab, ob am Ende alles in einer Katastrophe ausartet oder vielleicht doch noch alles "gut" werden kann? Der Knackpunkt liegt darin, was die Beteiligten nach Ansicht der Zeugen motiviert hat und wie sie die Situation interpretiert haben. An der Tatsache, dass die Frau vergewaltigt wurde, lässt sich nichts mehr drehen. Aber die Überzeugung darüber, was ihnen da eigentlich geschehen ist und was es alles bedeutet, bestimmt die Anstrengungen der Personen, wie sie sich im Nachhinein für ihre eigene Rolle rechtfertigen und die der anderen verurteilen. Obwohl sich all das nur im Kopf abspielt, hat es zur Folge, dass sich für diese Menschen schlagartig alles ändert, und in welche Richtung. Dinge, die noch vor Kurzem völlig undenkbar waren, sind von jetzt auf gleich bittere Realität. Ein Mann, der eben noch seine Frau liebte und schützte, verachtet diese plötzlich und verstößt sie, weil sie entehrt ist. Ein Verbrecher, dessen unlauteres Verlangen nach einer Frau ihn zu einer Schandtat trieb, beschimpft diese und stellt sich moralisch über sie, weil sie sich ihm scheinbar zu leicht in die Hände gegeben hat. Eine Frau, die ihren Mann respektiert und achtet, vielleicht sogar liebt, erfleht bei niemand anderem als ihrem Vergewaltiger dessen Tod, um ihre Ehre wiederherzustellen, da sie so nicht zwei Männern gleichzeitig gehört. Das alles sind mögliche Konsequenzen daraus, was die Beteiligten erlebt zu haben meinen, und sie alle sind so schicksalhaft wie sie letztendlich willkürlich sind. Denn sie basieren auf nichts anderem als ihrer subjektiven Realität, und diese ist, wie wir gesehen haben, nicht besonders verlässlich. Darin erinnert mich der Film an das Zitat: "Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden [...] Dein Schicksal." Eben der Butterfly Effekt, der in unserem Kopf beginnt. Und das und was es im Alltag für uns bedeuten kann musste ich mir erst vor Augen führen, um den Wert dieses Films zu erkennen.

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tigranes.levantus

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Toll finde ich deinen Sinneswandel! Die meisten gehen ohne Vorgedanken ins Kino, setzen sich in einen Film dessen Thema Sie von vornherein nicht interessiert, und mäkeln dann herum wie schlecht der Film sei. Aktuelles Beispiel: "American Hustle" ist ein absoluter Topfilm,
viele sehr gute Schauspielerleistungen. Aber in den ganzen Filmforen findet man, meist jüngeres, Publikum die ihn langweilig finden (passiert ja nichts, versteh ich nicht). Man macht sich heute anscheinend keine Gedanken mehr. Weder vorher, noch nachher! Ich habe gelernt, dass sich diese Gedanken lohnen. Denn ein erstmal nicht so guter Film verändert sich zum Guten, oder man findet wenigstens interessante Ansätze. Aber auch das Gegenteil ist oft der Fall, z.B. fand ich "Wolf of Wall Street" im Kino zuerst ziemlich gut. Das hat sich allerdings etwas gewandelt. Mit Hife von Info über die damaligen Vorgänge und Personen, mit etwas Nachbetrachtung des Gesehenen finde ich den Film nicht schlecht, aber er ist definitiv kein Meisterwerk.


Mirabilis

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Leute, Entschuldigung für die Wall of Text, die jetzt folgt, aber ich wäre einfach neugierig wie ihr das seht: Wer hat denn nun den Samurai auf dem Gewissen? Auch wenn es darum im Film ja letztendlich gar nicht geht, ich habe mir den Kopf zermartert und bin zu diesem Urteil gekommen: Es war der Räuber. Den Ablauf der Geschichte sehe ich im Großen und Ganzen etwa so: Der Räuber Tajomaru döst unter einem Baum. Als er die Augen öffnet, sieht er den Samurai Takehiro und dessen Frau Masako, die verschleiert auf einem Pferd sitzt, vorübergehen. Der Schleier wird von einem Windhauch zur Seite geweht und Tajomaru sieht die schöne, kindliche Masako. Von Begehren nach ihr gepackt lockt er den Samurai unter einem Vorwand auf eine Lichtung, überwältigt und fesselt ihn, um sich Masako ungestört nähern zu können. Wieder bei ihr angekommen wird er angesichts ihrer Schönheit von plötzlich aufwallendem Neid und Hass gegen ihren Mann ergriffen und bringt auch sie zur Lichtung, um ihr vorzuführen, wie wehrlos ihr Mann ist und ihn so zu demütigen. Sie, statt sich von ihrem Mann ab- und dem Banditen zuzuwenden, greift ihn daraufhin mit einem Dolch an, kann aber nichts ausrichten und wird von ihm, der durch den kurzen Kampf nun endgültig in Wallung ist, vergewaltigt. Danach redet er auf sie ein, mit ihm zu kommen, während sie weinend am Boden liegt. Sie springt auf und schneidet die Fesseln ihres Mannes durch, damit der den Banditen tötet. Es steht nun im Raum (bzw. im Wald), dass sich durch einen Zweikampf entscheiden würde, welcher der beiden Männer die Frau bekommt. Ihr Die möchte ihr Mann Takehiro aber gar nicht mehr haben, denn er verachtet sie inzwischen - wegen ihres Ehrverlusts, aber auch für die Initiierung eines Zweikampfs, der sie nun auch noch treulos erscheinen lässt. Treue hätte es demonstriert, wenn sie sich das Leben genommen hätte, da sie nur ihrem Mann gehören wolle, mit ihrer Entehrung nicht leben könne und eine Entscheidung deshalb gar nicht zur Debatte stehe. Den Dolch hatte sie ja. Der Räuber ist ebenfalls entsetzt, dass sie ihren Mann dem möglichen Tod im Zweikampf aussetzt, statt anstandslos mit ihm zu kommen. Er verkündet, er wolle sie ebenfalls nicht mehr haben, da ihr Handeln so abscheulich sei. Die Frau klagt daraufhin beide an, wie sie es wagen, sie als ehrlos zu bezeichnen, da sie doch beide zu feige seien um sie zu kämpfen, obwohl sie doch einer wie der andere Anspruch auf sie erhoben haben. Die Männer lassen sich davon beschämen und kämpfen zögerlich und wenig heroisch miteinander, wobei der Samurai schließlich getötet wird. Als sie den Tod ihres Mannes beobachten muss, flieht die Frau voller Entsetzen in den Wald. Der Räuber folgt ihr zwar, aber es gelingt ihr zu entkommen. Daraufhin versteckt sie sich zunächst, macht sich jedoch zum Vorwurf, ihren Mann dem Tod preisgegeben zu haben, und stellt sich deshalb der Polizei, als diese sie auffindet, als Mörderin ihres Mannes.

Zu dieser Version bin ich gekommen, nachdem ich den Gehalt der einzelnen Schilderungen dagegen aufgewogen habe, wie glaubwürdig mir die Zeugen jeweils vorkommen.

- Der erste Bericht des Holzfällers, er habe im Grunde nichts gesehen und lediglich die Leiche des Samurais gefunden, wird als Lüge entlarvt, die er erfunden hat, um den Diebstahl des Dolches zu verdecken.
- Der Bericht des Priesters besagt eigentlich nur, dass er den Samurai und dessen Frau vor dem Mord im Wald gesehen hat.
- Der Bericht des Räubers Tajomaru ist im Kern wohl war, denn er ist arrogant genug, um mit seinen Taten zu prahlen. Seine Geschichte ist jedoch ausgeschmückt. So stellt er sich selbst darin als von Liebe getrieben dar, den Akt zwischen sich und der Frau als beidseitig leidenschaftlich und den Kampf um sie als besonders heroisch - zumindest letzteres erweist sich später als unwahr. Auch seine Schilderung, wie die Frau an die Ehre der Männer appelliert und sie zum Kampf auffordert, dürfte ausgeschmückt sein - vermutlich hat sie lediglich ihre Chance gesehen ihren Mann zu befreien, damit der ihren Vergewaltiger endlich tötet. Aber das kann Tajomaru, der sich als großer Liebhaber betrachtet, ja schlecht zugeben.
- Der Bericht der Frau selbst wirkt vage und verzerrt. Sie erinnert sich im Grunde nur noch daran, wie sie sich nach der Vergewaltigung an ihren Mann wendet, von diesem jedoch keine Hilfe erhält. Dazu gesellt sich die diffuse Annahme, ihn wahrscheinlich getötet zu haben, da sie sehr wütend auf ihn war und beim Erwachen aus etwas, das wohl eine Ohnmacht gewesen sein muss, Grauen und Schuld empfindet, als sie ihren Mann tot sieht. Vermutlich ist sie aber einfach endgültig abgestürzt, nachdem sich zuerst ihr Ehemann von ihr abwendet und anschließend nicht einmal der Bandit sich mehr zu ihr herablässt, und kann sich deshalb nicht mehr an den Kampf und ihre Rolle bei dessen Initiierung erinnern.
- Der Bericht der Schamanin sagt eigentlich nichts Neues mehr und dürfte sowieso am zweifelhaftesten sein, da sie gar nicht zugegen war. Interessant ist aber, dass sie sich bezüglich des Zustandekommens des Kampfes der Interpretation Tajomarus anschließt, nämlich: Die Frau habe aus Gründen der Ehre eiskalt dazu aufgefordert, dass der Räuber ihren Mann tötet. Damit im Einklang bringt sich Takehiro in ihrer Geschichte um.
- Der zweite Bericht des Holzfällers besagt so ziemlich das gleiche wie der des Räubers, aber ohne dessen Ausschmückung. Ich halte seine Schilderung deshalb für die glaubhafteste. Die erste Version hatte er erfunden, um mit seinem Diebstahl davonzukommen - nachdem sein Motiv durchschaut wurde, hat er keinen Grund mehr zu lügen.

Deshalb: Es war der Bandit.


Daymare

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Bewertung6.0Ganz gut

Tolles Konzept, aber die Umsetzung hat mich einfach nicht gepackt. Generell bin ich offenbar unempfänglich für Kurosawas "Meisterwerke"...

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MurmelTV

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Bewertung9.0Herausragend

Japanisches Kino
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"Der Großmeister" #1 - Akira Kurosawa

Vorweg: Wer mehr über diese Reihe erfahren möchte, sollte einen Blick auf meine neu angelegte Liste hierzu werfen.

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Rashomon soll also mein Einstieg in das japanische Kino sein, einer Welt, die mir bis heute komplett fremd war, abgesehen von einigen Animes und irgendwelchen schlechten Martial Arts Filmen, die irgendwann mal zu unmenschlichen Zeit im Abendprogramm zu sehen waren.

Nun bin ich natürlich skeptisch, was mich mit Rashomon erwartet, davon ausgehend, dass es ein überzogener und theatralischer Samurai Film ist.
Zu meinem Glück wurde ich aber komplett überrascht, denn Rashomon ist ein kleveres, ja sogar tiefsinniges und wunderschön inszeniertes Drama über das menschliche Wesen.

Schwarz-weiß Filme können bekanntlich wunderschön sein, doch das Setting von Rashomon ist schlicht und ergreifend atemberaubend. Von der ersten Sekunde an war ich mittendrin, so sehr haben mich die Bilder verzaubert. Das Sonnenlicht, das durch die Äste des dichten Waldes strahlt, oder der Regen, der auf die kahlen Steine des heruntergekommenen Tores von Rashomon niederprasselt.
Dazu ein Soundtrack, der nicht besser hätte sein können und stilsichere Kostüme, die keinen Wunsch offen lassen.

Leider muss ich aber einen Punkt abziehen, da mir die übertriebene Theatralik missfällt, sprich die eher merkwürdig wirkenden Lachanfälle/Schreie, sowie das "Rumgehüpfe" vom Banditen.

Nichtsdestotrotz ist und bleibt Rashomon ein herausragender Film und dient (in meinen Augen) hervorragend für den Einstieg in die japanische Filmkunst.

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Zimtmond

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Jede hohe Bewertung zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht. Schöner Kommentar, Murmel. Ich hab mich eben schon gefragt, ob da noch was kommt ;)


MurmelTV

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Soeben auch mehrere Filme von Akira Kurosawa bestellt, die nicht in dieser Reihe vorkommen werden.


Shentenza

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Bewertung9.0Herausragend

Mein zweiter Film von Akira Kurosawa. Und wie schon Die sieben Samurai ein absolut großartiger Film. Die Geschichte und die Erzählstruktur ist einfach fantastisch. Die Musik, das Setting, die Kostüme es passt alles so perfekt zusammen.

Ich hab mich dabei ertappt, wie ich selber versucht habe zu überlegen, wer denn nun eigentlich der Mörder ist und wer lügt. Immer wieder wechselte die Sympathie und das Mitleid für einer der drei Protagonisten nur um am Ende mit gar keinem in irgendeiner weise etwas wie Mitleid oder Sympathie zu empfinden. Alle drei zeigen wie grausam und monströs Menschen sein können. Dies liegt auch an den Schauspielern allen voran mal wieder Toshirô Mifune, der alle überstrahlt. Das Ende regt dann auch zum nachdenken an.

Schön auch, die relativ kurze Spieldauer, denn aus dem Stoff ein 3 Stunden Film zu machen wäre ein Genickbruch gewesen und so passt die Laufzeit von 88 Minuten und komischerweise fühlte ich mich an "Die 12 Geschworenen" erinnert. Dort steht auch mehr der Mensch und sein Verhalten im Fokus. Auch wenn es hier natürlich eine Auflösung gibt.

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Yowan

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Bewertung7.5Sehenswert

"Hast du nie von dem Dämon gehört, der entsetzt war, als er erkannte wie schlecht die Menschen sind, und geflohen ist?

Bin ich eigentlich der Einzige hier, den es genervt hat, dass die Darstellerinnen mitten auf die Stirn gemalte Augenbrauen hatten? Hat mich total irritiert.

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Mirabilis

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Ja, die Schönheitsideale anderer Kulturen ist nicht für jeden was :) Mich hat ihr Erscheinungsbild auch etwas irritiert, aber es scheint für den Film wichtig zu sein darzustellen, wie unirdisch schön diese Frau war - nach japanischen Maßsstäben.


heikschn

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Bewertung5.0Geht so

Rashomon mag ein Meilenstein der Filmgeschichte sein. Mich hat er nicht erreicht. Dabei finde ich die Grundidee faszinierend. Dass jeder Mensch eine Situation anders wahrnimmt und erinnert, ist ein klasse Thema. Die Geschichte, die Kurosawa um diese Idee gestrickt hat, ist aus meiner Sicht ungeeignet, wirkt auf mich zu konstruiert. Die Figuren sind mir zudem zu überspitzt kreiert und die Schauspieler übertreiben es dann auch noch bei der Interpretation ihrer Rollen. So war der Film für mich eher anstrengend zu ertragen.

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Mr. Pink

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Na, da hat mich die Deutsche Titel-Mafia mal wieder ordentlich reingelegt. Das Lustwäldchen. Da habe ich mich schon auf liebestollen Sinnestaumel und barbusige Maiden in freier Natur gefreut, und stattdessen nur so eine toll gefilmt und erzählte Geschichte bekommen, in der es um Schein und Sein, Wahrnehmung und Wahrheit, Wahrheit und Lüge geht, darum, ob es überhaupt so etwas wie die Wahrheit gibt, wenn sowieso jeder lügt, und um die Natur des Menschen. So eine Enttäuschung! Aber wenigstens weiß ich jetzt, dass, egal wie viel es regnet, am Ende immer noch die Sonne scheint. Und das ist doch irgendwie ein gutes Gefühl.

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JimiHendrix

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mein "gefällt mir" ist auch gelogen... EHRLICH!^^


lieber_tee

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...und das mit dem Wetter auch...;)


Filmkenner77

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Bewertung7.5Sehenswert

"Rashomon - Das Lustwäldchen" besitzt durch den Kunstgriff des seinerzeit innovativen Perspektivwechsels und den gekonnt gesetzten Rückblenden zweifelsohne filmhistorische Bedeutung.
Dem Film gelingt der Spagat, die fernöstliche Tradition in eine eher westlich geprägte Erzählform zu gießen und somit eine ganz besondere filmische Symbiose der unterschiedlichen Kulturen zu erzeugen. Durch die geschickt umwobene Handlung vermeidet der Film eine allgemeingültige Deutungshoheit und wirkt somit zeitlos. Vielmehr fordert er den Zuschauer, lädt diesen zu einem Diskurs über philosophische Fragen wie "Was ist Wahrheit und was ist Dichtung?" oder "Was ist Lüge und was ist Unwissenheit?" ein.
"Rashomon - Das Lustwäldchen" stellt viele kluge Fragen, gibt aber nicht die eine ultimative Antwort, sondern verweist auf das Auge des Betrachters.
Insgesamt werden vier Versionen einer Geschichte erzählt, jeweils aus der subjektiven Sicht eines Protagonisten und jedes Mal stellt sich das Geschehen für den objektiven Betrachter, das Gericht oder aber den Zuschauer, anders dar. Gleichzeitig wird verdeutlicht, wie leicht und schnell der vermeintlich objektive Betrachter manipuliert werden kann, so dass er am Ende nicht mehr einschätzen kann, wer denn nun die Wahrheit gesagt hat oder ob überhaupt jemand den "richtigen" Tathergang geschildert hat. Dem Zuschauer bleibt nichts anderes übrig als sich aus den Mosaikstücken der vier Versionen seine eigene Wahrheit abzuleiten. Hierdurch entsteht praktisch im Kopf des Betrachters eine fünfte, subjektive Version. Damit ist der Perspektivwechsel von der objektiven zur subjektiven Sichtweise schließlich vollendet und im Gesamtkonzept des Films das Ende gleichzeitig der Anfang. Interessant ist die Figur des Mönchs als moralische Instanz, die den Glauben an die Menschheit und ihre Werte verliert und in einen Gewissenskonflikt gerät. Es sind die Nächstenliebe (der Holzfäller nimmt trotz seiner Armut den ausgesetzten Säugling auf) und die Hoffnung auf zukünftige, bessere Generationen, symbolisiert durch den Säugling, die seine Zweifel letztlich zerstreuen.
"Rashomon - Das Lustwäldchen" wurde national zunächst wenig beachtet, kam aber auf internationaler Ebene u.a. in Cannes und bei den Oscars (Ehrenoscar für den besten ausländischen Film 1952) zu höheren Weihen. Akira Kurosawa wurde durch den Film schlagartig im Westen bekannt und in der Folgezeit zu einem der bedeutendsten asiastischen Regisseure aller Zeiten. Toshirō Mifune schaffte später als einer der ersten asiatischen Schauspieler den Sprung nach Hollywood.
"Rashomon – Das Lustwäldchen" trägt als wegweisendes filmhistorisches Dokument zu Recht den Status eines Klassikers. Ähnlich wie beim vier Jahre später entstandenen "Die sieben Samurai" versuchte sich Hollywood mit "Carrasco, der Schänder" an einem Westernremake, das aber an den Kinokassen im Gegensatz zu "Die glorreichen Sieben" floppte.

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Audreyfan

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

» We all want to forget something, so we tell stories. It's easier that way. «

Was ist der Mensch? Selbstlos oder egoistisch? Ein Lügner oder sagt er stets die Wahrheit? Was ist überhaupt die Wahrheit? Existiert sie einmalig oder wird sie verzerrt vom Sprecher selber, sodass sie eigentlich nur ein Synonym der Lüge ist? Es sind nur einige der Fragen, die von "Rashômon" aufgeworfen werden.
Ein Mann ist tot, offensichtlich ermordet von einem Schwert und es gibt vier Zeugen: seine Ehefrau, ein Priester, ein Holzfäller und ein Räuber. Sie alle stehen vor Gericht und geben ihre Aussagen ab. Zu dem allem kommt auch noch die Aussage des Toten hinzu, die von einer Totensprecherin vom Jenseits ins Diesseits übertragen wird. Jeder der Zeugen sagt aufrichtig die Wahrheit, es gibt nur ein Problem: Die Aussagen widersprechen sich. Und keiner weiß, was Wahrheit und Lüge ist.
Der Priester und der Holzfäller sind verzweifelt über diese Zwicklage, sitzen in einer Tempelruine bei strömenden Regen und fragen sich, warum der Mensch lügt, warum der Mensch so ist, wie er ist. Ein unbeteiligter Knecht, der sozusagen die Position des unwissenden Zuschauers einnimmt, will die Geschichten wissen und der Holzfäller fungiert ihm als Erzähler. Zuerst scheint er nur ein unschuldiger Zeuge zu sein, der lediglich die Leiche des toten Manns gefunden hat, doch die Zeit wird die Lügen und Wahrheiten hervorbringen.
Der Holzfäller erzählt von jeder Zeugenaussage. Von der einmal wilden, einmal verachteten, einmal launischen, einmal verräterischen Frau. Von dem einmal grausamen, einmal verliebten, einmal feigen, einmal davonlaufenden Räuber. Von dem einmal verachtenden, einmal stummen, einmal kämpferischen, einmal feigen Ehemann. Und von sich selber, dem entdeckenden, unschuldigen, unsichtbaren, klauenden und lügenden Wahrheitserzähler.
Es ist nicht so, dass man bei jeder neuen Aussage erkennt, dass das letzte die Lüge/die Wahrheit war. Vielmehr ist es so, dass man weder beweisen kann, was Lüge ist und was Wahrheit ist, beziehungsweise was es nicht ist. Am einfachsten wäre es beide Begriffe, die nach diesem Film so hohl und falsch klingen wie kaum etwas anderes, für nicht existent zu erklären. Doch was würde dann bleiben? Wir müssen das Gesehene doch irgendwie in Richtig und Falsch einteilen, doch das verwehrt einem der Film. Er entlarvt den Mensch als vollkommen subjektives Wesen. Die Wahrheit, die Lüge ist subjektiv. Der Mensch ist gut und böse. Der Mensch ist egoistisch und selbstlos. Es gibt keinen Mittelweg. Nicht bei "Rashômon".

http://planetofpictures.blogspot.de/2014/01/rashomon-jp-1950-akira-kurosawa-die.html

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based_god

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein wegweisendes Werk, das auch heute noch prächtig funktioniert.

"Rashomon" zeigt einen Mordfall aus vier Perspektiven, namentlich: Der Hauptverdächtigte, der Tote (mit Geisterbeschwörung), die Frau des Toten und der Hauptzeuge. Alle erzählen, wie sich herausstellt, widersprüchliche Geschichten, um sich selbst nur im besten Licht zu zeigen. Allesamt haben eigene Interessen und denken an den eigenen Profit – Die Wahrheit bleibt aussen vor. Am Ende bietet sich für den Hauptzeugen zumindest die Chance auf Wiedergutmachung. Ich möchte nicht spoilern, deshalb lasse ich das mal aussen vor. Es ist aber eine sehr geglückte Metapher, die den Film auf der moralischen Ebene deutlich aufwertet.

Die Idee, die allwissende Erzählperspektive zu verlassen und die Sichtweisen der Protagonisten zu vergleichen, war zu diesem Zeitpunkt neu. (Man schaue sich nur mal Filme an, die älter waren als "Rashomon"). Der Film ist aber zum Glück nicht "nur" ein Meilenstein der Filmtechnik sondern auch ein sehr ansehnliches Werk über die Menschen, ihre Werte und über Tugenden.

Moviepiloten! Schaut euch den Film an, sofern ihr ihn noch nicht kennt, lernt etwas dabei und helft mir dabei etwas gegen die wahrlich blasphemische 5.7-Community-Wertung zu unternehmen...

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brainchild

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Bewertung7.5Sehenswert

Das Jidai-geki-Werk 'Rashōmon' rechtfertigt seine fast beispiellose Kanonisierung in Form der cinematografischen und erzählstrukturellen Nova sowie den erkenntnistheoretischen, letztlich philanthropisch begründeten Diskursen über die conditio humana. Seine eigentliche Raison d'être liegt jedoch essenziell darin, im weitgehend archaisch-paternalistischen, noch immer okkupierten Post-WWII-Japan nicht nur die expliziten Geschlechtsdisparitäten seiner Zeit, sondern gleich das über Jahrhunderte tradierte Hagakure ad absurdum zu führen. Chapeau, Kurosawa-sensei!

#cinehipster
#sovieldazu

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Gabster

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Bewertung9.0Herausragend

Es regnet. Mit so viel Regen hat wohl kaum ein Film je angefangen. Und während sich die ersten japanischen Buchstaben vor endlose Bilder verregneter, einsamer Landschaften schieben, merke ich schon: Hier wird es düster, hier gehen wir ganz tief hinein in die Psyche des Menschen und das, was wir sehen, wird uns vielleicht nicht gefallen. Und viel trostloser könnte eine Handlung auch nicht beginnen: Drei einsame Gestalten suchen unter einer Bruchbude vor dem Unwetter Unterschlupf, zwei von ihnen scheinen traumatisiert, der Dritte ist ein pöbelhafter Aufschneider. Der fordert die beiden auf, ihm zu erzählen, was mit ihnen los ist, mehr aus Langeweile denn aus Interesse und also fangen sie an. Sie sind darin selber unsicher, denn so ganz wissen sie noch nicht, was sie mit dem gehörten anfangen sollten:
"Diese Geschichte, wenn ich sie nur vergessen könnte."
Ein Jahr vor Rashomon hatte der großartige Alfred Hitchcock für einen Skandal gesorgt, weil er in seinem Film "Stage Fright" eine Rückblende zeigt, die sich im weiteren Verlauf des Filmes als gelogen herausstellt (und die -nebenbei gesagt- genial ist). Wie Hitchcock, so hat auch Kurosawa begriffen: a)wir glauben, was wir hören und vor allem, was wir sehen und b) Wir erinnern uns nie an etwas so, wie es gewesen ist. (Vielleicht sind auch deswegen die Rückblenden so sonnendurchflutet, weil es dem erzählenden Mönch, während er im Regenschauer sitzt, rückblickend so sonnig vorkam).
Viermal wird dieselbe Geschichte erzählt, einmal sogar aus dem Reich der Toten heraus, viermal ist sie auf der Faktenebene ähnlich bis fast gleich, doch die Aussage der Episoden könnte nicht gegensätzlicher sein: Mal ist einer ein Feigling und Lustmolch, dann wieder ein draufgängerischer Frauenheld, mal ist die Frau eine bösartige Femme Fatale, mal das Opfer patriachalischer Strukturen. Zusammen mit den Figuren versucht der Zuschauer herauszufinden, wer gelogen hat und was nun tatsächlich passiert ist, bis einem klar wird: Gelogen hat keiner. Jeder hat die Geschichte so erzählt, wie er sie erlebt hat, jeder hat sich so dargestellt, wie er sich sieht, denn niemand glaubt von sich, dass er ein schlechter Mensch ist. Was wir gesehen haben, entsprach nicht den Fakten, aber hat uns doch mehr über die Figuren gezeigt als die "Wahrheit" es hätte tun können.
Zum Schluss bleibt die Frage: Sind wir denn dann alle verkommen? Und gerade als allgemeine Resignation um sich greift, taucht von irgendwoher ein kleines Kind auf, der Inbegriff der Unschuld. Und die Figuren beweisen uns, dass es noch Menschlichkeit gibt, dass nicht alles schlecht ist. Der Mensch hat Fehler, aber damit kommen wir schon klar.
Kurosawa hat gesprochen.
Amen.

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Zimtmond

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Großartiger Kommentar zu diesem großartigen Film! Hab ich dir eigentlich schonmal gesagt wie toll ich deinen Schreibstil finde? Es macht wirklich immer wieder Freude von dir zu lesen und ich bin froh, dass du mir eine Freundschaftanfrage geschickt hast :)


Gabster

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Wow, danke Zimtmond. Das hört man gern. Und ich bereu es auch nicht, dich unter meinen Freunden zu haben. :)


mikadoapache

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

ein zeitloser Noir - Mifunes exaltierte Darstellung der Bestie Mensch und eine märchenhafte Inszenierung - bei Kurosawa sind Bühne und Objektiv vereint

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EvertonHirsch

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein Mord, zwei Zeugen, zwei Verdächtige, eine Geisterbeschwörung – vier unterschiedliche Geschichten. Der Zuschauer lernt als erstes die zwei ratlosen Zeugen kennen (die scheinbar nicht unmittelbare Tatzeugen gewesen sind). Auch sie haben mehrere Geschichten gehört – aber welche ist wahr? Warum unterscheiden sich alle so immens voneinander? Und nicht nur in den Handlungen, auch in den Persönlichkeiten?

Wir werden mitgenommen auf eine Erkenntnisreise durch mehrere Wahrheiten, über für das Alter des Films klasse Kameraeinstellungen, über starke darstellerische Leistungen bis hin zu der Frage, ob es nicht mehrere Wahrheiten gibt. Oder gibt es überhaupt keine? Kann überhaupt eine reale Wahrheit in der Erinnerung eines Menschen existieren? Erlebtes (vor allem wie das hier Vorliegende) wird durch den Menschen wohl nie so wiedergegeben, wie es sich in Realität zugetragen hat. Die möglichen Gründe werden gleich mitgeliefert .

Kurosawa schafft hier etwas Einmaliges und Nachhaltiges. Etwas fast schon Philosophisches und bleibt doch immer auf dem Boden des leicht Verständlichen.

Und wer den wahrscheinlichen Ursprung in den gruseligen Gesichtern heutiger asiatischer Horrorfilme sucht, sollte mal einen Blick auf die Geisterbeschwörerin werfen.

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cpt. chaos

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Da hätte zum Ende des Films Goldstaub aus dem Fernseher rieseln müssen, um mir an diesem Abend letztendlich eine Bewertung über fünf Punkte abzuringen... Beim nächsten Mal klappt´s dann vielleicht auch auf herkömmliche Weise... ;o)


EvertonHirsch

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:)


8martin

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Bewertung6.5Ganz gut

Dieses ‘Lustwäldchen‘ ist nicht Kurosawas bester Film, dennoch ist er bemerkenswert. Zum einen spielt die erzählte Geschichte im Dauerregen, die tatsächliche samt Gerichtsverhandlung im Sonnenschein. Zum anderen sind es die verschiedenen Varianten der Handlung, die eine Reihe von Optionen aufzeigen. Bleibt die Frage: War es Mord oder Selbstmord, was da am Wegesrand geschehen sein muss? Hat der Räuber Tajomaru (Japans Filmlegende Toshiro Mifune) auf Bitten der gedemütigten Frau (Machiko Kyo) gehandelt oder hat er selbst den Ehemann (Masayuki Mori) umgebracht, weil er die Frau besitzen wollte? Hat diese vielleicht sogar ihren Ehemann gemeuchelt, weil er ein Feigling war? Hat der Ehemann vielleicht aus Scham Harakiri begangen? Haben die Männer um die Frau gekämpft (es sieht allerdings mehr nach Purzelbäumen aus, was die da aufführen!). Sogar eine Geisterbeschwörung wird zu Rate gezogen. Ständiger musikalischer Begleiter ist der Bolero von Ravel. (Zusätzliche schwere Kost).
Es geht Kurosawa offenbar nicht um eine endgültige Antwort und die Frage nach der Wahrheit wird ebenfalls verneint mit dem Zusatz ‘einen Welt ohne Wahrheit ist die Hölle‘. Am Ende gibt es noch etwas Stoff für Interpretationsfans: ein ausgesetztes Baby liegt plötzlich da und schreit. Ist es der Hoffnungsträger, der in der Zukunft die Wahrheit bringen wird? Eine Art Erlöser, der die Hölle vermeiden kann?

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metal1bob

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Bewertung5.0Geht so

Vier Versionen einer Geschichte, allesamt verzerrt durch die subjektive Wahrnehmung des jeweiligen Zeugen. Eine objektive Wahrheit scheint es nicht zu geben, jede einzelne Geschichte verformt sich durch den persönlichen Blickwinkel, durch eigene Wertevorstellungen, durch egoistisches Vorteilsdenken. Der Schurke ist der Andere, der Ehrenhafte ist man selbst. Kurosawa bietet mit "Rashomon" eine sehr treffliche, intelligente Beobachtung des menschlichen Wesens, die Realität zu schönen sowie andere und vor allem sich selbst zu belügen, sei es nun bewusst oder unbewusst. Das war 1951 etwas völlig Neues, auch die Erzählung auf drei Zeitebenen war für das damalige Publikum sehr ungewohnt.
Der Film war seiner Zeit weit voraus, damit dürfte sich auch ein Großteil der heutigen Verehrung dafür erklären lassen. Mich jedenfalls hat "Rashomon" nicht richtig erreichen können, ist er durch seinen sehr eigenen Stil doch sehr anstrengend geraten. Da mag vor allem Mifune ein noch so guter Schauspieler sein, das auf die Spitze getriebene Overacting ist nach einer gewissen Zeit nervtötend und ließ mich häufig mit den Augen rollen, ernst nehmen konnte ich diese krassen Gefühlsausbrüche nicht. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich mit dem Spiel in Stummfilmen im Allgemeinen nicht viel anfangen kann, und hier dürfte eindeutig eine Hommage an die Stummfilmzeit vorliegen. Schön gemacht war jedoch, dass sich die Figuren in den Geschichten aus der jeweils anderen Sicht anders verhalten, ein weiteres Unterstreichen des Sicht-selbst-Belügens. Ebenso positiv zurückbleiben wird mir Kurosawas Demontierung des japanischen Ehrenkodexes und das Aufbrechen der damaligen Geschlechterrollen. Das ist zeitlos!

"Rashomon" ist aus filmhistorischer Sicht mit Sicherheit ein innovatives, herausstechendes Werk, in Anbetracht der philosophischen Diskussionen im Nachhinein wohl auch wichtig. Dennoch halte ich ihn für eine enttäuschende filmische Umsetzung des Themas, nahezu alle gelesenen Kritiken und Erläuterungen dazu fand ich interessanter als den Film selbst. Ich wünschte, ich könnte ebenso viel aus dem Film ziehen wie einige andere hier, die alles unter einer "Meisterwerk!!!"-Kritik als blanken Hohn ansehen und entrüstet sind. Ist aber leider nicht so.

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lukas.stracke

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Bewertung6.5Ganz gut

Ich habe bisher von Kurosawa nur "Die sieben Samurai" gesehen, von dem ich sehr angetan war. "Rashomon" konnte meine Erwartungen dann leider nicht erfüllen. Ich weiß, dass der Film viele Verehrer hat und dass er zu den ganz großen Klassikern des japanischen Kinos zählt. Mich konnte er leider nicht so sehr begeistern, wie ich gehofft hatte. Die Ausgangssituation hat mir gut gefallen. Ich mochte das Spiel mit Wahrheit und Lüge, das durch die verschiedenen Versionen der Tat zum Ausdruck kommt. Die Story war durchdacht und mit der Zeit konnte man sich (falls man von der Wahrheit der letzten Version ausgeht) gut zusammenreimen, wer wieso was berichtet hat und wieso die Geschichten diffundieren. Der Schlussdialog zwischen Holzfäller und Mönch hat mich in seiner tiefen Humanität bewegt. Visuell ist "Rashomon", nicht nur in Anbetracht seines Erscheinungsjahres, wirklich stark. Besonders die Rahmenhandlung, welche in einem abgebrannten Gebäude im strömenden Regen spielt, hat mich beeindruckt. Visuell konnten mich auch die Rückblenden im Wald überzeugen, jedoch nicht darstellerisch. Das ist in meinen Augen der große Schwachpunkt, der mir den Film verdorben hat: das Schauspiel vom Räuber Tajomaro und der Braut. Vielleicht fehlt mir da Wissen über die japanische Kultur oder den japanischen Film der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, vielleicht bin ich einfach zu verwöhnt in meinen Sehgewohnheiten, aber dieses Overacting, dieses irre Gelächter, das Herumgehampel war für mich schwer zu ertragen. Mit einer weniger guten Story oder ohne die visuelle Kraft, hätte ich den Film wohl nicht zu Ende geschaut. Meine derzeitige Hoffnung ist, dass meine Enttäuschung an der Synchronisation liegt, der Mifune wird ja auf Japanisch geradezu verehrt. Ich werde "Rashomon" wohl noch einmal auf Japanisch sichten müssen. Vielleicht folgt dann noch eine Aufwertung, aber zur Zeit kann ich mich beim besten Willen nicht zu einer besseren Bewertung durchringen.

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VisitorQ

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Mein Kollege eben beim Frühstück:
"Gestern habe ich so einen ollen japanischen Drecksfilm gesehen. Das war SO schlecht. Das wäre vielleicht ein geeignetes Schauspielstück für einen Behindertenkindergarten gewesen. Aber alle schreien sie oho oho, so ein toller Film nur weil da ein paar Idioten mit ihren Samuraischwertern rumfuchteln."
Auch wenn ich Rashomon sehr mag musste ich sehr lachen.

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Iamthesword

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@jacker: Glaub mir, die Antworten, die du hier bekommst, würden dir nicht gefallen...


jacker

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Hehe.. Ich bin ja so ein blasphemischer RASHOMON-Querschießer, der (den Film zwar nur ein mal gesehen hat, aber) die hochgelobte Qualität so gar nicht erkennt. Ich hab es aber diplomatischer ausgedrückt ^^


Zimtmond

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Bewertung10.0Herausragend

Wer um alles in der Welt hat sich denn diesen deutschen Zusatztitel ausgedacht? Das ist ja eine wahre Zumutung!!!

Da ich vor einiger Zeit erst "Yojimbo" sah, der mir wirklich sehr gut gefiel, musste ich diesen auf jeden Fall sehen. Ehrlich gesagt hätte ich nie vor einem Jahr nie gedacht, dass ich mir mal solche Filme ansehen werde.
Jetzt allerdings frage ich mich, wieso? Wieso tat ich das nicht schon früher?
Leider lief "Rashomon" auf deutsch, aber trotzdem gefiel er mir außerordentlich gut. Ich hätte ihn wirklich gern mit Originalton gesehen.
Und: Die Communitywertung ist wirklich ein Witz. Das hat dieser Film wirklich nicht verdient!

SPOILER hier und da enthalten.

Regen. Ein Holzfäller, ein Priester und ein Wanderer suchen Schutz unter einem heruntergekommenen Tor. Der Wanderer bemerkt, dass der Holzfäller und der Priester einen ratlosen und traurigen Eindruck machen. Er fragt sie danach. Dabei kommt raus, dass die beiden Zeuge eines Verbrechens waren. So beginnt der Holzfäller dem Wanderer die Geschichte zu erzählen.

Es ist die Geschichte eines Samurais, seiner Frau und dem Räuber Tajômaru. Es ist die Geschichte einer Vergewaltigung.
Diese wird aus den Sichtweisen dieser drei Personen und gegen Ende aus der Sicht des Holzfällers geschildert.
Dabei bleibt es offen, welche Geschichte nun der Wahrheit entspricht und ob überhaupt jemand die Wahrheit gesprochen hat.
Kurosawas "Rashomon" beschäftigt sich damit wie unsere Wahrnehmung durch die persönliche Motivation geändert wird und wie wir Dinge für uns zum Vorteil auslegen, um nicht zu Schaden zu kommen.

Man kann sich in keinster Weise mit einem dieser Personen persönlich identifizieren, was vermutlich einen objektive Sichtweise auf den vorliegenden Fall wecken soll.
Ist das also eine Schwäche des Films? oder vielleicht seine Stärke? Oder beides?

Ein wirklich intelligenter, gut inszenierter Film, mit guter Musik und großartigem Schauspiel. Allen voran Toshirô Mifune.

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