Zwischen Dystopie & Hoffnung

Jahr der fantastischen Welten & Zukunftsvisionen

2012 offenbarten fantastische Science-Fiction-Welten auf der Leinwand
© X-Verleih/Fox/moviepilot
2012 offenbarten fantastische Science-Fiction-Welten auf der Leinwand

Im Rahmen unserer Jahresrückblicke bleibt der Science-Fiction-Film verschont. Auch im Jahr 2012 beschlagnahmten atemberaubende Welten die Leinwände und mit dem Lösen einer Kinokarte wurden wir in ein fantastisches Abenteuer hineingezogen. Die Auswahl war durchaus illuster und reichte vom straighten Actioner bis zum nachdenklichen Sinnieren auf unterschiedlichen Ebenen zwischen Raum und Zeit. Dabei ist natürlich auch die ein oder andere Enttäuschung eingeschlossen, aber spätestens mit ihrer fesselnden Bildergewalt vermochten es die meisten Blockbuster des angesprochenen Genres zu überzeugen und entfalteten sowohl im klassischen Look als auch mit fortschrittlichen 3D-Aufnahmen eine packende Atmosphäre.

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Invasionen, Materialschlachten und ordentlich Action im Gepäck
Die erste Station auf dem Weg in die Zukunft anno 2012 ist unsere Erde selbst. Im überschaubaren Szenario versammelte sich die Menschheit auf dem Erdball, um einer außerirdischen oder zumindest kriegerischen Rasse Kontra zu bieten. Während Regisseur Peter Berg (Operation: Kingdom) in seiner Materialschlacht Battleship im besten Fall einen Kreuzer nach dem anderen im puren Schaulaufen der Effekte versenkte, fiel das Crowdfunding-Projekt Iron Sky von Timo Vuorensola (Jeremiah Harm) um ein paar Ecken ambitionierter aus. Die irrsinnige Idee, Weltraumnazis vom Mond ihr Unwesen treiben zu lassen, bot durchaus Potential für ein absurdes Invasionsereignis und nicht zuletzt beherbergte der Film eine großartige Prämisse, die abseits des Independentkinos vermutlich nie den Schritt auf die Leinwand geschafft hätte. Doch all dieser guten Eigenschaften zum Trotz, bleibt am Ende das Eingeständnis, dass Iron Sky nur halb so viel gewagt hat, als er hätte wagen können. So verläuft sich irgendwann die bissige Satire im Science-Fiction-Gewand in konventionellen Witzeleien.

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Während die Zerstörung in Battleship auf einem ziemlich uninspiriertem Niveau vonstattenging, lässt sich beim Total Recall Remake mit Colin Farrell (7 Psychos) in puncto Krawall eine deutliche Steigerung erkennen. Selbst wenn der Actioner hauptsächlich durch seine aalglatte Oberfläche und den inflationären Einsatz von Lens Flares glänzte, konnten zumindest einzelne Passagen für schnelllebige Unterhaltung sorgen – keine fünf Minuten später ist trotzdem alles wieder vergessen. Dagegen entpuppte sich das anfangs belächelte Remake Dredd als konsequentes sowie ultrabrutales Actionfeuerwerk, das sich sogar mit cleverem Einsatz der 3D-Technik ins Gedächtnis der Kinozuschauer brannte. Pete Travis (8 Blickwinkel) verzichtete auf überschwänglichen Mumpitz und entließ Karl Urban (Star Trek) auf engem Raum ins visuell beeindruckende Gemetzel, das ähnlich mitreißend wie der indonesische Action-Kracher The Raid-2 über die Bühne geht – eben nur im dystopischen Gewand.

Trostlose Dystopien, Zeitreisen & tödliche Spiele
Mit dieser Vision einer Welt, in der sich alles zum schlechten gewendet hat – oder zumindest eine dystopische Grundstimmung herrscht – geht es auch außerhalb der dreckigen Megahochhausblöcke aus Dredd weiter. Der bereits erwähnte Total Recall versuchte die Geschichte aus dem Original von 1990 in ein hoffnungsloses Zukunftsszenario einzubetten, scheiterte jedoch aufgrund der im 21. Jahrhundert standardisierten Hochglanzoptik, die Ecken und Kanten keinen Platz gewährt. Umso erfreulicher fiel im Gegenzug der dritte Spielfilm von Rian Johnson (The Brothers Bloom) aus. Wie schon in Brick vereinte er in Looper eigentlich unpassende Elemente zu einem unkonventionellen Werk. Das Resultat enthält eindeutige Referenzen an Werke wie Blade Runner, setzt jedoch dank des eigensinnigen Genre-Clashs ebenso eigene Akzente. Außerdem ermöglicht die Handlungsgrundlage nicht nur interessante moralische Diskurse, sondern entwirft ebenfalls ein düsteres Gesellschaftsbild.

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