Marvel-Serien sind tot: Es lebe die neue Marvel-Serien-Ära

Einige MCU-TV-Helden
© Marvel Studios, ABC, Netflix, Disney
Einige MCU-TV-Helden
09.02.2020 - 09:00 Uhr
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Das ambitionierte Vorhaben eines komplett miteinander verbundenen Marvel Cinematic Universe hat nicht komplett funktioniert. Die Gründe dafür sind vor allem interner Natur.

Inzwischen herrscht Gewissheit: Marvels TV-Abteilung wird geschlossen und mit ihr geht ebenfalls das alte TV-MCU. Eine Entwicklung, die sich bereits abgezeichnet hatte, denn während es im Kino die vergangenen Jahre geradezu überragend lief und die MCU-Filme von Rekord zu Rekord eilten, stecken die Ableger für den kleinen Bildschirm bereits seit einiger Zeit in der Krise. Dabei begann alles so vielversprechend.

Alles ist im MCU verbunden - zumindest für einige Zeit

Nachdem Marvel's The Avengers 2012 einen neuen Meilenstein für das noch junge Marvel Cinematic Universe gelegt hatte, expandierte das Superhelden-Universum mit Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. erstmals ins TV-Programm. Geworben wurde damals mit dem Slogan "Es ist alles verbunden", dessen Anspruch mit Agent Coulsons (Clark Gregg) Comeback sowie kleineren Gast-Auftritten von Lady Sif (Jaimie Alexander), Maria Hill (Cobie Smulders) und Nick Fury (Samuel L. Jackson) untermauert werden sollte.

Jedoch zeichnete sich früh ab, dass dieser Anspruch wohl nicht allzu lange gehalten werden könne und, wie wir wissen, auch nicht allzu lange gehalten wurde. Seit der 2. Agents-Staffel müssen sich die Verantwortlichen eher auf kleine Referenzen beschränken, obgleich größere Crossover mit den Filmen theoretisch möglich gewesen wären. Diesen wurde jedoch, wie Screen Crush  schrieb, laut Joss Whedon früh ein Riegel vorgeschoben:

Mit einer TV-Serie musst du ... du musst vorsichtig sein. Dies bedeutet leider, dass die TV-Serie nur, du weißt schon, die Überreste bekommt.
Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.

Bald brechen die Agents of S.H.I.E.L.D., die sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder neu erfinden mussten, um irgendwie noch Brücken zu den MCU-Blockbustern schlagen zu können, zu ihrer letzten Mission auf. Mit Marvel's Runaways wurde derweil die letzte TV-Serie der alten MCU-Ära abgesetzt, deren Verantwortliche in einem Behind the Scenes-Video  geradezu prophetisch sagten, "nicht jeder wird diese Season überleben."

Film- und Serien-Crossover im MCU waren seit jeher schwer umsetzbar

Erschwert wurden potentielle Crossover-Events zwischen MCU-Filme und -Serien durch die Verhältnisse hinter den Kulissen. Während Kevin Feige die Geschicke von Marvel Studios lenkt, trug für Marvels TV-Abteilung lange Zeit Ike Perlmutter als CEO von Marvel die Verantwortung. Während Feige seit 2007 Alan Horn von Disney Bericht erstattet, musste Jeph Loeb, der Leiter von Marvel Television, Perlmutter berichten.

Unter Loeb erschuf Marvel Television seine eigene Nische im MCU, zu deren erfolgreichsten Ablegern ebenfalls die inzwischen allesamt eingestampften MCU-Serien rund um Marvel's Daredevil und Marvel's The Punisher auf Netflix gehörten. Wie aus einem Bericht von Variety  hervorgeht, schwand die Position von Marvel Television innerhalb des Unternehmens jedoch zusehends, etwa wegen Fehlschlägen wie Marvel's Inhumans.

Netflix' MCU-Helden

Zur eigenständigen Organisationsstruktur von Marvel Television, die unabhängig von der Kino-Abteilung agierte, gesellten sich weitere Probleme, beispielsweise die im Vergleich zu den großen MCU-Blockbustern bedeutend geringeren Budgets der TV- und Streaming-Produktionen. Hinzukamen Meinungsverschiedenheiten zwischen Feige und Perlmutter, die eine Zusammenarbeit ebenfalls erschwerten.

Diversität war für Perlmutter im MCU nicht wichtig - laut Kevin Feige

Aus dem bereits zuvor erwähnten Variety-Bericht geht des Weiteren hervor, dass es zwischen Kevin Feige und Ike Perlmutter wiederholt zu Spannungen gekommen sei, welche ihr Arbeitsverhältnis empfindlich gestört hätten. Disneys Bob Iger ging diesbezüglich etwas näher ins Detail und führte aus:

Kevin ist einer der talentiertesten Film-Manager im Geschäft, aber mein Gefühl war, dass die angespannte Beziehung zu New York seinen weiteren Erfolg bedrohte. [...] Ich wusste, dass ich eingreifen musste, und so traf ich im Mai 2015 die Entscheidung, Marvels Film-Team vom Rest von Marvel zu trennen [...].
Kevin würde nun direkt an Alan (Horn) berichten und von seiner Erfahrung profitieren und die Spannungen, die sich zwischen ihm und dem New Yorker Büro aufgebaut hatten, würden abgebaut.
Captain Marvel

Hinzukamen unterschiedliche Ansichten, wie das Marvel Cinematic Universe in die Zukunft geführt werden sollte. Während Feige sich in künftigen Filmen für mehr Diversität einsetzen wollte, habe sich Perlmutter einer solchen Ausrichtung gegenüber stur gestellt. Ein weiterer Grund, welcher zu seinem späteren Aus bei Marvel geführt haben dürfte. Kevin Feige bestätigte dies gegenüber The Hollywood Reporter : "Das ist ein Teil davon."

Das MCU der Zukunft: "Es ist alles verbunden"-2.0

Nach der deutlichen Trennung von Marvel Studios und Marvel Television erlangte Kevin Feige größere Kontrolle über die Blockbuster-Produktionen, während die MCU-Serien innerhalb des großen Ganzen des einstmals so stark verbundenen Universums immer weiter in der Bedeutungslosigkeit versanken. Das einstmals ausgerufene Motto "Es ist alles verbunden" wirkte nur noch wie eine hohle Phrase.

Nun ist die Schließung von Marvel Television beschlossene Sache. Serien, die sich gegenwärtig noch in Produktion befinden - die finale Agents of S.H.I.E.L.D.-Staffel, die 1. und letzte Staffel von Marvel's Helstrom sowie zwei von einstmals vier Zeichentrick-Serien für Hulu - werden noch abgeschlossen. Ein Großteil der Belegschaft von Marvel Television wird nach der Schließung ihren Job verlieren.

Hawkeye auf Disney+ (Key-Visual)

Mittlerweile gab Kevin Feige bekannt, dass Marvel ab Phase 4 des MCU seine alten Ziele wieder stärker ins Visier nehmen möchte, denn wie er bereits bestätigt hatte, werden die nächsten Blockbuster eng mit den kommenden Serien bei Disney+ verbunden sein. Somit steht dem Marvel Cinematic Universe ein "Es ist alles verbunden" 2.0 bevor.

Wie lange die Verantwortlichen diesmal daran festhalten werden, dürfte hingegen wohl auch vom Publikums-Feedback abhängen, denn vermutlich wird sich nicht jeder Fan der Filme gewillt sein, auch zwangsweise alle Serien als Vorbereitung auf die nächsten Kino-Abenteuer anschauen zu wollen.

Was haltet ihr von der Entwicklung bezüglich der Marvel-Serien?

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