nachdenklich - Kommentare

Alle Kommentare von nachdenklich

  • In dem Film machte Charles Dickens auf mich ständig den Eindruck, als ob er nicht sich selbst sei, sondern sich selbst spiele. Das erinnert an eine Passage aus seinen "Aufzeichnungen aus Amerika" (Nördlingen 1987). Da vergleicht er die "forcierte gute Laune", den geschwätzigen Leichtmut und die Verstellung der Frühstücksgesellschaft mit Treibhauserbsen: nichts ist echt, fast bis zum Schluß (S. 13).

    Nachdem er sich bis zum Erscheinen seines neuen Buchs ständig so benommen hat, daß keiner ihn aushält, ist er danach plötzlich so, daß es dem Menschenideal seiner "Weihnachtsgeschichte" entspricht. Das heißt: Auch diesmal kann man es ihm nicht abnehmen. Weihnachten erscheint als Eldorado der Heuchelei.

    • 10

      Das Interessanteste in dem Film sind die Reaktionen der Probanden: Im Grund ist keiner darunter, der Blooms Erinnerungsmaschine gut findet. Und mehrere plädieren für das Vergessen, das sie für heilsamer halten, als von Erinnerungen gequält zu werden.

        • Den Film anzuschauen ist, wie ein Buch zu lesen oder ein Hörspiel zu hören: Man erschafft die Geschehnisse in inneren Bildern bzw. Szenen, ist also mitschöpferisch tätig.

          Man kann sich überlegen, ob der Filmtitel nun als Singular oder als Plural aufzufassen ist. Beide, Asger und Iben, wollten mit einer Tat etwas Böses aus der Welt schaffen. Nun kann man überlegen, inwieweit Iben schuldunfähiger ist als Asger. Zumindest der Denkfehler ist bei beiden gleich.

          • Es geht um verschiedene Spielarten von Gewalt: Sonja Brunner fragt ihren Mann und ihre Tochter nicht, was sie von ihrem Versetzungsgesuch halten. Die Tochter läßt keine Ruhe, bis sie ihr Smartphone hat. Der mehrfache Mörder Robert Sturm zieht Sonja in sein Universum aus Sadismus, Macht über Schlägertypen, Hoffnung auf Normalität und die Gewißheit, nichts zu bereuen. Walter und Michael Zeuner führen Korruption (den Deal) und Mobbing als Spielarten der Gewalt vor. Und sie zeigen das, was normalerweise unter Gewalt verstanden wird: die Drohung, einem das Leben täglich zur Hölle zu machen, und den konkreten körperlichen Angriff.

            Hätte Sonja eine Chance gehabt, wenn sie ihre Familie in ihre Entscheidung einbezogen hätte? Wer selbst Gewalt ausübt, wird auch anfällig dafür ...

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            • 10

              Interessant ist das Pädagogische: Antonius van Verten zwingt seinen Kunststudenten nichts auf, sondern versucht ihnen dabei zu helfen, das auszudrücken, was in ihnen lebt. Bei Kurt Barnert ist das die Vorstellung, daß eine gewöhnliche Folge von sechs Zahlen eine andere Bedeutung hat als ein Sechser im Lotto. Ebenso haben die von ihm gemalten Photos für seinen Schwiegervater eine andere Bedeutung als für Fremde, die seine NS-Vergangenheit nicht kennen.

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              • Ich empfand die Atmosphäre bedrückend: Diese Kinder spielen nicht, sondern sie lernen zu arbeiten. Das Schöpferische kommt dabei zu kurz - ich sah keinen Baukasten, mit dem man verschiedene Dinge (ein Haus, eine Stadt ...) hätte bauen können, keinen Sandkasten. Die bereitgestellten Materialien wirken auf mich wie die Vorbereitung auf einen Handwerker- und Dienstleistungsberuf (Kellner, Gärtner, Ingenieur, Geograph). Warum sollen schon Kinder unter sechs Jahren schreiben und lesen lernen?

                • Das ist ein psychotherapiekritischer Film: Der Paarberater erkennt, daß Valentin und Joana auch nicht besser dran sind als er selbst mit seiner Frau Annika. So wenig, wie er sich selbst helfen kann, kann er den beiden helfen. Erst mit seiner "paradoxen Intervention" erzielt er einen Durchbruch. Doch die beiden wollen am Filmende wiederkommen - wie soll es nun weitergehen? Wie lange kann der Therapeut ihnen die Wahrheit verheimlichen, nämlich, daß er sie belogen hat? Und: Was passiert dann? Wird der vorübergehende Therapieerfolg nicht dadurch zunichte gemacht?

                  • Dostojewskis Sanfte kehrt nicht in die Ehe zurück, sondern bringt sich um; Sergei Lotznitsas Sanfte geht in ihrem Traum am Schluß des Films nicht durch die Tür zu der Festgesellschaft, der der Gefängnisdirektor die Erfüllung ihres Wunsches verkündet, nämlich ein Treffen mit ihrem zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilten Mann. Stattdessen wird sie gruppenvergewaltigt, während sie hofft, zu ihrem Mann gebracht zu werden. Wie dann die Wirklichkeit aussieht, erfährt man nicht mehr, doch sie beginnt gleich wie der Traum.

                    Kafkaesk in dem Film ist nicht nur der Bittstellermarathon der Sanften (vgl. "Das Schloß"), sondern vor allem die Parallele zu Kafkas Geschichte vom Türhüter ("Vor dem Gesetz"), die auch in "Der Prozeß" enthalten ist.

                    • Der Film ist mehrdeutig – wie die zugrundeliegende griechische, jüdische und christliche Mythologie: Kim Murphy schreibt über die Opferung der Iphigenie; der Eingangschor handelt von Christus, dessen Hinrichtung von den frühen Christen ebenfalls als Opferung für die Sünden der Menschen interpretiert wurde (Mt 1,21; 26,28; Joh 1,29; Röm 5,8; 1 Kor 15,3; 2 Kor 5,21; Gal 1,4; Eph 1,7; Hebr 9,26; 1 Petr 2,24; 3,18; 1 Joh 1,7). Diese Interpretation ist nicht denkbar ohne die alttestamentliche Erzählung von der Opferung Isaaks (Gen 22,1-18).

                      Der Hauptunterschied zwischen dem Film und der zugrundeliegenden Mythologie: Isaak, Iphigenie und Jesus werden gerettet, Bob nicht (der Filmtitel rührt daher, daß Iphigenie und Isaak durch ein Tier ersetzt werden). Martin ist ein Mensch, der in seiner Hybris alle Rollen in sich vereinigen will: die der fordernden Gottheit (Artemis, Elohim, ?), die des wissenden Sehers (Kalchas, biblische Autoren), die des Opfers (er wird von Steven gefoltert) und die des Vollstreckers (er beißt sich, nachdem er Steven in den Unterarm gebissen hat, zu Illustrationszwecken auch selbst in den Arm, um Steven klarzumachen, daß man das begangene Unrecht auch sich selbst zufügen müsse, um das Gleichgewicht wieder herzustellen).

                      In den Mythologien ist die Gottheit undurchsichtig. Bei Iphigenie gibt es mehrere Versionen für den Grund des Opfers:
                      - weil Agamemnon meinte, er könne so gut schießen wie Artemis?
                      - weil er die heilige Ziege der Artemis getötet hat?
                      - weil er versprochen hat, das schönste neugeborene Lebewesen zu opfern?
                      Ebenso gibt es mehrere Versionen über die Rettung von Iphigenie: Hat Artemis sie entführt und durch eine Hirschkuh, eine Bärin oder eine Greisin ersetzt? Hat Achilleus sie zu den Skythen geschickt oder geheiratet?

                      Im Alten Testament kann man darüber nachdenken, wer sich hinter dem Sammelbegriff "Elohim" (Gen 22,1) verbirgt. Ist der Bote (Engel) Jahwes (Gen 22,11) der Abgesandte von jemand anders? Hier handelt es sich jedenfalls um eine Prüfung des Gehorsams von Abraham.

                      Im Film muß man zusätzlich an zwei mögliche psychologische Interpretationen denken:

                      1. Warum werden Bob und Kim erst dann krank, als Steven die immer mehr ausufernden Wünsche des ihm nachstellenden Martin nicht mehr erfüllt? Benutzt Martin nicht die griechische Mythologie, die er wahrscheinlich durch Kim kennengelernt hat, zur Durchsetzung seines Egoismus, nämlich den eigenen verstorbenen Vater durch Steven zu ersetzen, indem er ihn mit seiner Mutter verkuppelt? Macht er Bob und Kim krank durch eine voodooartige Konzentration seines Willens? Ist er also nicht Seher, sondern Schwarzmagier, wenn er den Krankheitsverlauf vorhersagt?

                      Bob und Kim sind durch das Kraftfeld der Eltern weniger geschützt, als sie es sein könnten, weil sie den Eltern nicht gehorchen: Bob schneidet seine überlangen Haare nicht und versäumt das Blumengießen, Kim fährt ohne Helm mit Martin Motorrad.

                      Der Grund für den Tod von Martins Vater bleibt unklar: Steven spricht von einem Schlaganfall, dem er als Chirurg nichts entgegenzusetzen hatte, Matthew gibt Steven die Schuld, weil er vor der Operation etwas Alkohol getrunken hat. Der Chirurg Steven nennt die Anästhesisten als Risikogruppe, der Anästhesist Matthew nennt die Chirurgen als Risikogruppe. Was in der Krankenakte steht, bleibt offen, ebenso, ob es mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Matthew macht sich dadurch verdächtig, daß er zuerst lügt (er behauptet, er erinnere sich nicht). Sein Gedächtnis kehrt plötzlich zurück, als er die Aussicht auf sexuelle Dienste von Anna bekommt.

                      2. Man könnte die sexuelle Vorliebe von Steven als Schlüssel für die Familienstruktur auffassen: Daß Anna für ihn im Bett eine Ohnmächtige spielt, ist ein Abbild dessen, daß die Eltern den Kindern das eigene Leben wegnehmen, sie quasi an die Wand drücken und auf ihre psychologischen Probleme (das Erwachsenwerden) nicht eingehen. Die gesamte Kommunikation wirkt wie ein Theater von gehirngewaschener political correctness, die sich wie eine Seuche auch auf Martin überträgt. Das Problem ist nicht, daß sie schlecht wäre, sondern, daß sie unecht ist, nicht authentisch. Bob und Kim somatisieren dieser Interpretation zufolge die von den Eltern verpaßte seelische Lähmung.

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                        nachdenklich 04.01.2018, 11:17 Geändert 04.01.2018, 16:35

                        Am wichtigsten sind die spirituellen Aspekte des Kampfs zwischen Gut und Böse in dem Film:

                        Snoke stellt nicht nur einen telepathischen Kontakt zwischen Kylo Ren und Rey her, sondern verlegt in Kylo auch einen inneren Konflikt, der Rey Hoffnung macht, ihn auf die Seite der Guten ziehen zu können. Erringt sie einen Teilerfolg, als Kylo Snoke tötet? Das ist nicht klar - womöglich hätte er das auch von sich aus getan. Man könnte denken: Da er sich der Unterstützung von Rey sicher sein konnte, faßte er den Mut zu etwas, das er eines Tages ohnehin getan hätte, um sich für die zahlreichen Demütigungen durch Snoke zu rächen. So gesehen hat Rey das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollte, und sich selbst völlig unnötig in Gefahr begeben.

                        Luke Skywalker macht lauter Fehler: Zuerst will er sich physisch mit Kylo anlegen, obwohl er ihm nicht gewachsen ist, später dann geistig, was ihn das Leben kostet. Man könnte sagen: Er hat sich für den Widerstand geopfert wie Vice Admiral Holdo oder Rose Tico, die ihr Leben für die Rettung ihrer Freunde riskieren.

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                        • Der Film gibt einen guten Einblick in das Seelenleben eines Psychopathen: Ein Erlebnis aus der Kindheit wird falsch interpretiert und es werden die falschen Schlüsse daraus gezogen.

                          • Der Science-fiction führt vor, wohin der Glaube an den Klimaschwindel führt. Da zu Filmbeginn die zugrundeliegende Ideologie nur lückenhaft vorgestellt wird, bleibt sie unverständlich. Wenn man die Leerstellen ergänzt, lautet sie so:

                            Der Kohlendioxydausstoß der westlichen Industrialisierung führt zu einem Treibhauseffekt: In der Atmosphäre wirkt das Kohlendioxyd wie das Glasdach eines Treibhauses, das die Wärme der Sonne speichert. Die Folge ist ein Anstieg der Temperatur auf der Erde, was zu Dürren führt. Diese Dürren beeinträchtigen die Landwirtschaft, was zu Hunger führt. Hunger führt zu Überbevölkerung. Der Ersatz natürlicher Nahrungsmittel durch gentechnisch veränderte Nahrungsmittel löst das Problem nicht, sondern verstärkt es, da er zu Mehrlingsgeburten führt.

                            Daran ist fast alles falsch: Kohlendioxyd ist schwerer als Luft. Es steigt also gar nicht nach oben in die Atmosphäre und kann zu keinem Treibhauseffekt führen. Die Wärme der Erde entweicht ins All. Das Klima verändert sich schon immer, nicht erst seit der Industrialisierung. Die Pflanzen brauchen Kohlendioxyd für die Photosynthese. Wenn man es ihnen mit künstlichen Mitteln nimmt (z.B. durch Einlagerung ins Erdinnere), können sie nicht mehr wachsen. Das damit verschwendete Geld könnte man sinnvoller für die Bewässerung verwenden. Wenn man die armen Länder dazu zwingt, auf die Energieproduktion durch fossile Stoffe (Kohle, Öl, Gas) zu verzichten, macht man sie noch ärmer. Der richtige Weg zur Eindämmung der Überbevölkerung wäre, den armen Ländern zu gestatten, für den Wohlstand ihrer Bevölkerung zu sorgen. Das dafür notwendige Geld kann man nicht nur aus der fehlgeleiteten Klimapolitik abziehen, sondern auch aus der kriminellen Kriegspolitik, hinter der die Profitgier von Industriekonzernen steckt. Die Prognosen über die Knappheit fossiler Stoffe sind falsch, da diese sich ständig erneuern. Da die Klimapolitik nur ein staatlich finanzierter Raubzug auf Lügenbasis ist, genügt eine Umweltpolitik, insofern sie wirtschaftlich ist. Daß gentechnisch veränderte Nahrung den Hunger nicht stillt, liegt auf der Hand. Vielleicht könnten gentechnisch veränderte Menschen damit zufrieden sein …

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                            • Der Film beruht auf den Tagebüchern von Abdul Karim (gestorben 1909 in Agra), die 2010 entdeckt wurden. Er zeigt ein Stück europäischer Islamisierung und den Widerstand dagegen. Der Bezug zu Gegenwartsproblemen (Wie untersucht ein Arzt eine Muslimin mit Burka? Welche spirituellen Impulse bringt der Islam in eine weltanschaulich verknöcherte Gesellschaft? Ist das Lügen und Buckeln Voraussetzung zum Hinaufsteigen auf der Karriereleiter?) ist offensichtlich.

                              • Der Film handelt nicht nur von der Liebe, sondern auch von Lügen und Korruption, falscher Verdächtigung und Vorurteilen, der Entwicklungsfähigkeit von Menschen und dem Leid von Tieren. Die gemeinsamen Träume von Endre und Mária werden nicht weiter interpretiert. Vordergründig suchen die beiden im Leben nach seelischer und geistiger Nahrung wie die Hirsche im Winter nach einem Blatt. Mária stellt ihrem Psychiater die Frage, ob es das gibt, daß zwei Menschen dasselbe träumen, erhält aber keine Antwort. Ich denke, daß jemand solche Träume macht und Situationen entwirft, um Menschen zusammenzuführen und ihnen Entwicklungsimpulse zu geben. Man könnte auch an Menschenversuche denken. Wer dieser Jemand ist (Gott, Außerirdische, Menschen, die mit technischen Mitteln Experimente zur Bewußtseinsmanipulation durchführen), wird im Film nicht thematisiert. Man kann die Träume der beiden Protagonisten sogar mit Platonischen Ideen (Urbilder des Physischen) vergleichen. Christlich gesprochen kann man an Vorsehung denken. Wer nur von Zufall und chemischen Vorgängen im Gehirn redet, greift jedenfalls zu kurz.

                                • nachdenklich 16.09.2017, 10:56 Geändert 16.09.2017, 10:58

                                  Die Themen dieser bitterbösen Politsatire:
                                  - die Grenze, bei der der schlechte Geschmack überschritten wird und die Straftat beginnt;
                                  - das schnelle "Du" mit Lizenz zum Beleidigen;
                                  - die Niveausenkung von Fernseh-Talkshows mit Profilierung durch Bashing;
                                  - False Flag-Operationen mit (beabsichtigten) "Fehlern", die aber nie bekannt werden dürfen;
                                  - die Instrumentalisierung und Verheizung von Frustrierten;
                                  - die Liebesunfähigkeit, bei der der Sex zur bloßen Geste verkommt;
                                  - die Erbärmlichkeit von Politikern, die nichts mehr zu sagen haben und denen keiner mehr auch nur ein Wort glaubt.

                                  • nachdenklich 14.09.2017, 14:10 Geändert 14.09.2017, 14:16

                                    Die Vermutung von Al Gore, daß die Umweltverschmutzung die Ursache von Erderwärmung, Überschwemmungen und Dürre sei, überzeugt mich nicht, da er HAARP, Chemtrails, Außerirdische, Naturgeister und karmische Ursachen außer acht läßt. Vor dem Hintergrund der Unwirtschaftlichkeit von Windrädern und Solarzellen wirkt der Film auf mich wie eine Werbekampagne für unrentable Produkte.

                                    • In dem Film geht es um den Gedanken einer Art Bürgerwehr vor dem Hintergrund, daß Polizei und Stadtrat der Aufgabe nicht gerecht werden, den Strand vor dem weiblichen Immobilien- und Drogenhai Leeds zu schützen, die mit den üblichen Mitteln von Bestechung, Erpressung, Kidnapping und Mord arbeitet. Das führt notwendig zu Kompetenzüberschreitungen der Strandwächter, bei denen die rechtlichen Komplikationen im Film zwar thematisiert, aber nicht aufgearbeitet werden. Letztlich setzt sich Mitch mit Hilfe eines Putsches durch. Zurück bleibt der Eindruck, daß im Dschungel die eine Anarchie (der Bösen) durch eine andere (der Guten) ersetzt wird.

                                      • Kriminaltragödie von Shakespeareschem Format, die 1880 in London spielt. Thema ist der Achill-Komplex: Wie werde ich berühmt? Modern ausgedrückt: es geht um Imagepflege, um die Erlangung oder Bewahrung eines guten Rufs und die Folgen, die das mit sich bringt: Ein sexuell mißbrauchtes und von der Mutter bestraftes (eigentlich: gefoltertes) Mädchen beherzigt die Lehre ihres Mentors beim Varieté, für ihre Grabschrift ihren eigenen Meißel zu benutzen und nicht in fremdem Fahrwasser zu fahren. Ein der Homosexualität verdächtigter Kriminalpolizist stellt seinen Ruf über die Wahrheit. Der Gerechtigkeit wird durch das Verhängnis des Schicksals trotzdem Genüge getan ...

                                        • Der Film gibt einen guten Einblick in faschistisches Denken: Menschen werden als Schachfiguren behandelt. Man kann sich einfügen oder muß wieder gehen. Die Durchsetzung dieses Systems erfolgt durch Schlägertrupps, von denen sich die Partei nach außen hin selbstverständlich distanziert. Kurz: Faschisten wollen durch Lügen und Gewalt regieren. Wie das in der Gegenwart aussehen könnte, zeigt der Film.

                                          • 10

                                            Wer den Film nicht verstanden hat, sollte ihn nochmals unter dem Aspekt anschauen, daß Lorraine Quadrupelagentin ist. Thema des Films ist die Kritik an Geheimdiensten: Es wird viel gelogen und getötet, weil sie mit sich selbst beschäftigt sind, also den Fragen: Wer sind die Agenten der andern? Wer sind die Verräter in den eigenen Reihen?

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                                            • Der Filmtitel bedeutet m.E. nicht nur das autobiographische Manuskript von Leo, sondern weist über dessen Schicksal hinaus. Es geht darum, daß die Liebe so lange mit Füßen getreten wird, bis nur noch ein Wunsch nach Beachtung oder Aufmerksamkeit übrig bleibt. Trotzdem lebt die Liebe in Leo weiter. Das sieht man, als er am Sterbebett von Alma sitzt. Dasselbe gilt für die Geschichte der Menschheit: Die großen Liebesgeschichten enden tragisch (z.B. beruht Shakespeares "Romeo und Julia" auf einer tatsächlichen Begebenheit), doch die Liebe stirbt trotzdem nicht, auch wenn jemand mal prophezeite, daß eine Zeit kommen wird, zu der alle nur noch schreien.

                                              • 10

                                                Es ist eine Initiationsgeschichte mit den typischen Phasen der Absonderung (Ostwind wird eingefangen, gebrandmarkt und verkauft), des Übergangs (mit Prüfungen: Krankheit, Wettrennen, Kunstreiten) und Wiedereingliederung (als "Seele von Andalusien" wird Ostwind der Anführer seiner ursprünglichen Herde).

                                                Arnold van Gennep arbeitete diese Phasen aus den Übergangsriten von Naturvölkern heraus, doch sie finden sich auch zumindest noch rudimentär in der westlichen Gesellschaft als Aufnahmeriten in Geheimbünde, Handwerkerzünfte, Burschenschaften, Religionsgemeinschaften, die Welt der Erwachsenen (häufig informell: die erste Zigarette, der erste Alkohol, der erste Sex).

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                                                • 10

                                                  Das ist ein politischer Film, der sich mit folgenden Fragen auseinandersetzt: Wie reagiert eine Demokratie angesichts einer Bedrohung, für die es keinen Präzedenzfall gibt? Welche Mechanismen behindern tatkräftiges Handeln? Wie wird Eigeninitiative auf der Basis von Tatsachenkenntnis doch noch möglich? Welche diplomatischen Rücksichten müssen dabei genommen werden?

                                                  • Die Beziehungsunfähigkeit von Max Zorn wird daran festgemacht,
                                                    - daß er nicht da ist, wenn es darauf ankommt,
                                                    - daß er nur an sich denkt und sogar dann träumt, wenn er vor Rebecca steht,
                                                    - daß man bei ihm nie weiß, wann er etwas erfindet und wann etwas wahr ist, und er sich das auch noch als Schriftstellertugend zurechnet,
                                                    - daß er Claras Gedanken im Hinblick auf die Beziehung zu ihm vorschreiben will.