Die dritte Generation

Die dritte Generation (1979), DE
Laufzeit 110 Minuten, FSK 16, Thriller, Komödie, Kinostart 14.09.1979

6.7 Kritiker
8 Bewertungen
Skala 0 bis 10
6.2 Community
68 Bewertungen
7 Kommentare
Die dritte Generation - Bild 6300352
  • DVD
Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
noch nicht bewertet

von Rainer Werner Fassbinder, mit Eddie Constantine und Hanna Schygulla

Westberlin 1978. Ein Haufen gelangweilter Aussteiger verübt aus Protest eine Reihe von Anschlägen. Was die Möchtegern-Terroristen nicht ahnen: Sie werden manipuliert. Ein internationaler Computerkonzern nutzt ihre Aktionen geschickt für seine eigenen Zwecke. Der Staat soll gezwungen werden, neue Fahndungscomputer zu kaufen.

  • Die dritte Generation - Bild 3857
  • Die dritte Generation
  • Die dritte Generation
  • Die dritte Generation

Mehr Bilder und Videos zu Die dritte Generation


Cast & Crew


Kritiken (1) — Film: Die dritte Generation

Ulrich Behrens

Kommentar löschen
10.0Herausragend

„Die dritte Generation” ist insoweit – als Farce, als „komische Oper” – zugleich ein Blick in das Bürgertum und in die Geschichte des deutschen Bürgertums. Im Film selbst werden Hinweise gegeben, etwa, wenn Hilde Krieger über die Konsequenzen des feigen Handelns des feigen Bürgertums 1848 (das die begonnene Revolution nur halbherzig unterstützte, um sich dann der Obrigkeit zu beugen) nicht mit ihren Schülern sprechen will. Oder wenn Opa Gast in seiner ganzen Unwissenheit und Unbewusstheit der eigenen Geschichte gegenüber meint, nur regelmäßige Kriege könnten die Menschen wieder daran erinnern, die Werte (welche eigentlich?) zu schätzen.

Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten


Kommentare (6) — Film: Die dritte Generation

Kommentar schreiben
Sortierung

DerDude_

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ich denke das ich seit "Posession" nicht mehr so verwirrt war.
Was war das ?
Endloslange Dialoge , die fast völlig unverständlich sind ,weil der im Hintergrund laufende Fernseher oft viel lauter als die Dialoge erscheinen. Die Szenenabfolge scheint zu machen was sie will : Ein Ortswechsel folgt dem nächsten und alles passt schwer zusammen. Darsteller ,die erst ganz ruhig erscheinen nur um im nächsten Moment in Hysterie zusammenzubrechen. Dazu kommen dann noch Zwischentitel ala Lars von Trier , die offenbar aus obszönen Zeitungsmeldungen und Toilettenschriften bestehen ,alleinstehend aber wie aus dem Tagebuch eines Geisteskranken wirken.
Was will Fassbinder hier ? Inszeniert er ein erschreckendes Bild einer feindseeligen und alles hassenden Welt voller Idioten und ohne Motivation ? Eine Welt die heute noch aktueller ist als die Welt aus Brazil.
Verammt , allein der Vorspann steht für den ganzen Film : Völlig unkontrolliert , verwirrend , anstrengend und doch lässt mich das Gefühl nicht los das dahinter noch mehr steht.
Defenitiv mehr als einmal sehenswert und der Beweis , das Deutsche doch gute Filme drehen können. Ein echter Mindfuck !

9 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

BigDi

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

Es gibt Filme, bei denen reicht ein Satz aus der Storybeschreibung oder auch ein winziges Zitat aus dem Drehbuch, um die Erwartungen in ungeahnte Höhen schellen zu lassen.
Und als man sie zu schauen beginnt und im letzten Moment seine absurden Erwartungen zurückstellt, um nicht doch enttäuscht zu werden, und einen Schokocroissant in die Hand nimmt, um dem erwarteten Ungeheuer mit der nötigen Gelassenheit gegenübertreten zu können, da macht der Film etwas, was einen den Croissant auf halbem Wege zum Mund in der Luft stecken bleiben lässt.
Und zieht es nicht einmal die gesamte Laufzeit durch, sondern schafft es, sich zunehmend zu steigern, bis seine Absurdität die der vorangegangenen Hoffnung erreicht, sie sogar noch um Meilen übertrifft.

Es beginnt mit pulsierenden Anfangscredits, auf die Gaspar Noé neidisch sein könnte, und es endet, wie ein guter Lynch-Film endet: Im (scheinbar!) absoluten Chaos, inhaltlich wie stilistisch wie inszenatorisch, und doch einer eigenen, bitterbösen und furchtbar ehrlichen Logik folgend, welche, ist man in der Lage, sie zu begreifen, einem für kurze Zeit und mit langer Nachwirkung den verrotetten Kern der Welt vor Augen führt.
Dazwischen liegt Gott alias Fassbinder und tut nichts anderes, als den Zuschauer auf der einen Seite zu verwöhnen und ihm auf der anderen Seite die Sichtung zur Hölle im Bildschirm zu machen.
Da gibt es großartige Darsteller - Volker Spengler und Margit Carstensen und Vitus Zeplichal und die kälteste und schönste Frau, die je von einer Kamera betrachtet werden durfte (Hanna Schygulla) - und es gibt Szenen, in denen man durch eben diese vor den Kopf gestoßen wird, durch wildes Geschreie und niemals nachvollziehbare Ausrufe.
Und es gibt scharfsinnige Dialoge, die in die Unendlichkeit scheinen - welche durch die permanente Kakofonie aus Radio- und Fernsehansagen, verstörend-widerliche Hintergrundgeräusche aus dem Nichts und plötzlich auftauchende Musikuntermalung kaum zu hören sind und keine Konzentration der Welt kann einem aus dem überbrodelnden akustischen Chaos befreien.
Ein Chaos, welches nicht Selbstzweck, sondern vielmehr Blick in eine Zukunft, welche vor Informationsübergewicht nicht mehr dazu in der Lage ist, Informationen zu filtern. (wer Chuck Palahniuks "Lullaby" gelesen hat, weiß, was ich meine)

Es gibt Anklänge an das Noir-Genre, wundervoll melancholisch, und Brüche, mittendrin, Ausbrüche unbarmherziger, ekelerregender, verstörender Gewalt, wie man sie niemals erwartet hätte.
Und doch bleibt "Die dritte Generation" in ihrem Herzen, wie schon zu Beginn angekündigt, "Eine Komödie in 6 Teilen um Gesellschaftsspiele voll Spannung, Erregung und Logik, Grausamkeit und Wahnsinn, ähnlich den Märchen, die man Kindern erzählt, ihr Leben zum Tod ertragen zu helfen".
Eine Satire als Tragödie, die nichts anderes tut, als sich selbst auszulachen.
Terroristen als Farce auf zwei Beinen, die sich bei ihren sinnlosen Missionen in die Hose pinkeln vor Angst, die sich als Zirkusleute verkleiden, um dem großen und grausamen Zirkus BRD gerecht zu werden, die nichts wissen, aber alles tun, um...um...um...
Und im letzten Bild, im letzen Lächeln, dort steckt trotz all der Anarchie, welche am Schluss einem Gehirnmassaker gleicht, trotz all der Ironie und des Sarkasmus, in diesem Lächeln steckt doch mehr an politischem und medialem Weltschmerz, als "Network" und "Brazil" zusammen beinhalten.

In Alan Moores "From Hell" wird angedeutet, dass Jack the Ripper das 20. Jahrhundert geboren hat.
Nach Fassbinders vielleicht größtem Zuschauerfeind "Die dritte Generation" möchte man behaupten, dass die RAF und ihre Möchtegern-Nachfolger das 21. Jahrhundert geboren haben.
Wer das Vorwissen aus der ersten Unterhaltung von Peter Lurz und August - "...da hat das Kapital den Terrorismus erfunden, um den Staat zu zwingen, es besser zu schützen..." - während der gesamten Sichtung im Hinterkopf behält, wird verstehen, was ich meine.

Wahrhaftig ein Mephisto von einem Film. Fassbinder selbst sagte dazu: "Ich werfe keine Bomben, ich mache Filme." Fragt sich nur, was davon schmerzvoller und destruktiver ist...

24 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 12 Antworten

Jack_Torrance

Antwort löschen

"Gott alias Fassbinder" :)


alanger

Antwort löschen

scheiß film, tolle kritik!


Simonius

Kommentar löschen
Bewertung3.5Schwach

ein film wo es mir wirklich schwer fällt ihn richtig und dem anspruch des films gerechet werdent zu bewerten. das immer 2-3 tonspuren übereinander gereiht werden macht den film zu einem wirklich nervtötenden erlebniss, hauptsächlich belanglose und komisch geführte gespräche mit einigen teils schwarz humoristisch ausgelegten einlagen legen dem ganzen dann noch einen anstrengenden akzent dazu. die idee des films is gut, jedoch das über fast den ganzen film an den tag zu legen ohne einen wirklichen leitfaden ist auf dauer einfach nur unkreativ, schwer anschaubar und irgednwie auch teilweise fast schon platt. kanns nachvollziehn wenn man diesen film liebt, bei mir hat er leider nur das gegenteil bewirkt

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Joe Gillis

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

»Ich hatte neulich einen Traum, da hat das Kapital den Terrorismus erfunden, um den Staat zu zwingen, es besser zu schützen. Ist sehr komisch, nicht?« Terror als einzig verbliebenes Abenteuer, (Selbst-)Auslöschung als letztmögliche Lebensäußerung; mit anderen Worten: Furcht als Chance, Schrecken als Weg. Parole: »Die Welt als Wille und Vorstellung.« Rainer Werner Fassbinder schickt den trüben Rest des ausgebrannten Bürgertums (Baer, Carstensen, Kaufmann, Kier, Ogier, Schygulla) auf die finale Mission – aber die Revolution ist nur noch eine leere Pose, die Wahrheit ist eine nicht allzu schöne Lüge, und der Tod ist kein Wunschkonzert; will sagen: Widerstand ist lediglich eine Variable in der Gleichung, die das herrschende System beschreibt. PS: »Am Ende braucht man, was man früher zum Kotzen fand.«

12 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 7 Antworten

Le Samourai

Antwort löschen

Wohl wahr. Was machen erst die Filmfreaks in 100 Jahren, die können doch niemals alles aufholen :)


filmschauer

Antwort löschen

@Le Samourai: Absolut. Hoffen wir mal, dass bis dahin es moviepilot noch gibt... ;)


Skeim

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

ein sehr sehr anstrengender Fassbinder, aber ich liebe diesen Film trozdem

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

strangelet

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Gekünstelt wirkende Schauspielerei, langatmige Erzählweise und als stetiges Hintergrundgeräusch Radionachrichten aus den Siebzigern - normalerweise ist sowas ein sicheres Rezept für einen grottenschlechten, uninteressanten, geradezu nervtötenden Film. Aber ein Fassbinder kann sich das eben leisten.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Brentano

Antwort löschen

Wieder mal jemand der von Inszenierung und Stilfragen nie etwas gehört und gelesen zu haben scheint, das Thema deutscher Terrorismus und Verstrickungen darin, welches Fassbinder hier ansprach, ist ja auch völlig "uninteressant", bewerten sie doch bitte keine Filme, die sie in der Höhe, Tiefe und Tragweite nicht verstehen, ?..


Kommentar schreiben

Fans dieses Films gefiel auch