Dogville

Dogville (2003), DE/DK/FI/FR/GB/IT/JP/NL/NO/SE/US Laufzeit 170 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 23.10.2003


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7.4
Kritiker
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5.9
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121 Kommentare
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von Lars von Trier, mit John Hurt und Nicole Kidman

Auf der Flucht vor der Mafia landet Grace Mulligan (Nicole Kidman) in Dogville, einem abgelegenen Bergdorf mit nicht einmal 100 Einwohnern. Der dort ansässige Schriftsteller Tom Edison (Paul Bettany) überredet sie, sich erst einmal in Dogville zu verstecken. Er hofft den anderen Einwohnern durch die Hilfsbedürftige einige überfällige Lektionen in Sachen Bürgerpflicht und über das Wesen der Gemeinschaft beibringen zu können. Widerwillig lässt sich Grace darauf ein. Was folgt, erfüllt nicht direkt Toms Erwartungen, enthüllt aber viel vom Wesen der Gemeinschaft – und den dunklen Seiten der menschlichen Natur.

Regie-Maestro und Exzentriker par excellence Lars von Trier begann mit Dogville seine „USA – Land der Möglichkeiten“-Trilogie. 2005 folgte mit Manderlay der zweite Teil, in dem Bryce Dallas Howard die Rolle der Grace spielte. Die Realisation des dritten Teiles mit dem Titel Wasington steht noch aus. Seine Premiere hatte Dogville 2003 auf dem Filmfestival in Cannes und galt dort als heißer Favorit für die goldene Palme. Bei der Preisverleihung ging der Film jedoch leer aus.

Auffällig an Dogville ist die ausgesprochen karge Austattung des Films. Statt Häuser und Straßen als Filmkulissen sind lediglich Kreidestriche auf den Boden des Filmstudios gezeichnet. Mag diese reduzierte filmische Wirklichkeit illusionsstörend auf den Zuschauer wirken, so ist dies beabsichtigt: Dogville ist zum Teil inspiriert von Bertold Brechts “Ballade von der Seeraeuber-Jenny” aus der “Dreigroschenoper”. Aus diesem Stück des Meisters des epischen Theaters zitiert Grace denn auch an einer Stelle fast wortwörtlich. Dabei waren die Dreharbeiten von Dogville wohl recht beschwerlich: So wurde Paul Bettany von seinem Freund Stellan Skarsgård unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu der Mitarbeit an Dogville bewegt. Skarsgard behauptete vor dem Beginn der Dreharbeiten, die Arbeit mit von Trier sei “spaßig”, um einem vollkommen verdutzen Bettany dann bei der Arbeit zu erklären, dass das offensichtlich eine Lüge gewesen sei. (KJ)

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Dogville
Genre
Gangsterfilm, Psychodrama, Sozialdrama, Drama
Zeit
1930er Jahre
Ort
Bergdorf, Dorfleben, Vereinigte Staaten von Amerika
Handlung
Amerikanischer Traum, Ausbeutung, Außenseiter, Bankräuber, Barmherzigkeit, Bergdorf, Bergwerk, Bestrafung, Demokratie, Dorfleben, Erpressung, Flucht, Fluchtversuch, Fluchtwagen, Flüchtling, Folter, Fremder, Freundschaft, Gangster, Gangsterboss, Gebirge, Gemeinde, Gerechtigkeitssinn, Gnade, Gut und Böse, Heuchelei, Jüngstes Gericht, Knechtschaft, Körperliche Arbeit, Mafia, Massaker, Misogynie, Mitgefühl, Mitleid, Moral, Märtyrerin, Poet, Polizei, Porzellanfigur, Rezession, Rocky Mountains, Schießerei, Schuld, Sklave, Sklaverei, Steckbrief, Strafe, Treffen, Vergebung, Vergeltung, Vergewaltigung, Verschwörung, Zwangsarbeit
Stimmung
Berührend, Eigenwillig, Geistreich, Verstörend
Tag
Avantgarde und Experimentalfilm, Kammerspiel
Verleiher
Concorde Filmverleih GmbH
Produktionsfirma
Filmmek, Zentropa Entertainments

Kommentare (114) — Film: Dogville


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doro.kopp

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Dogville ist Minimalismus. Lediglich die Häuser nur mit ihrem Grundriss darzustellen hat mich sehr begeistert. Der Film hat was von Theater.
Wodurch er sich wegen seiner 170minütigen Spieldauer doch etwas zieht.
Nicht unbedingt der richtige Film, wenn es mitten in der Nacht und man totmüde ist (so wie in meinem Fall )
Dennoch sehenswert.

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Helmholtz

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Bewertung9.0Herausragend

Ein Meisterwerk... Mehr fällt mir im Moment zu diesem Film nicht ein.

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Megaman156

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Bewertung9.0Herausragend

Die erste halbe Stunde fühlt sich etwas komisch an, dauert etwas bis man sich auf den Film eingelassen hat. Dadurch das es mehr oder weniger ein abgefilmtes Theaterstück ist, muss man etwas Fantasie aufwenden sich das ganze vorzustellen, ist alles sehr minimalistisch gehalten.

Aber dann taucht man völlig in die Welt von Dogville ein und bekommt eine extrem fesselnde Parabel über die Moral der Menschen geboten, sehr episch. Hat auch an die 3 Stunden Laufzeit, aber ohne wirklich langweilig zu wirken, denn das war auch meine größte Sorge bevor ich den Film gesehen hatte. Doch manchmal reicht eben schon eine gut erzählte Geschichte alleine aus, um zu begeistern.
Wer sich auf sowas einlassen kann, sollte sich den Film wirklich mal anschauen, mehr als nur sehenswert.

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PaJeRo

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Nach gut 60 Minuten vergisst man das außergewöhnliche Setting und nimmt es wie eine Selbstverständlichkeit wahr. Sehr guter Film. Nicole Kidman, rawr. Und meine Güte, was ein Scheißdorf.

Kudos an das Moviepilot-Dingsel. Die Vorhersage war mal wieder richtig.
___________
Bewertung #500!!!

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Caroline Schönsee

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Bewertung7.0Sehenswert

Schon allein wegen der Szenografie muss man den Film gesehen haben!

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Moo-Zart

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt, diesen Film zu gucken!
Ich dachte, was ist das für ein Schwachsinn!
Ein Film ohne Wände?? Nein! Niemals!

Dann wurde ich doch gezwungen ihn zu gucken und genötigt, während der 3 Stunden kein bisschen zu nörgeln. Das mit dem nicht-nörgeln war hart, jedoch nur ca. die ersten 15-20 Minuten. Danach taucht man in die Welt von Dogville ein und nimmt alles für selbstverständlich hin. Schwer zu beschreiben. Man muss ihn gesehen haben!

Ich wurde noch nie von einem Film so überrascht!!!

Für schwachsinnig halte ich ihn übrigends immer noch, aber für genialen Schwachsinn á la Trier!

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midnightmeteora

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Bewertung9.0Herausragend

Dogville ist Minimalismus. Ob dies mit in die Interpretation und die Symbolik des Filmes mit einbezogen werden kann, oder ob von Trier bloß etwas ganz anderes machen wollte, kann ich nach der ersten Sichtung nicht wirklich sagen. Passen würde beides. Was ich jedoch sagen kann, dass hier mit so manch großer Hollywoodproduktion der Boden aufgewischt wird, denn wenn mir während des Films wieder eines aufgefallen ist, dann die Tatsache, dass einem Film mit bombastischen Effekten und ausgefeilter Kulisse, ohne guter Handlung, ein großer Teil fehlt. Denn manchmal, kann eine gut erzählte Geschichte alleine schon reichen.
Da stört es mich persönlich auch nicht, dass der Film fast drei Stunden dauert, solange diese Zeit angemessen genutzt wird. Trotz seiner Langatmigkeit, kam bei mir nicht eine Sekunde Langeweile auf, da, auch wenn es sich hier im Prinzip "nur" um ein abgefilmtes Theaterstück handelt, die Kamera immer sowohl bewusst, als auch gewusst eingesetzt wurde. Die Beleuchtung und die Kameraführung, welche sich anfühlt als wäre sie von einem Amateur übernommen, lassen das Geschehen echt wirken.
Genau so echt wie die Darstellung. Alle Schauspieler verkörpern die Rolle, bis auf klitzekleine Aussetzer, tadellos. Allen voran Nicole Kidman, von der ich wohl zu wenige Filme mit Verstand geguckt habe, als dass ich das hätte erwarten können. Hinzu kommt John Hurt als Erzähler, was der ganzen Atmosphäre etwas märchenhaftes gibt. Etwas, dass nur in bösen Märchen vorkommt.
Ich für meinen Teil bin von meinem ersten Lars von Trier Film begeistert und werde mir so schnell wie möglich seine weiteren Werke, unter denen sich ja auch noch eine Fortsetzung befindet, anschauen und hoffen, dass es da noch ein paar weitere Perlen gibt.

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Louis Cyphre

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Bewertung9.5Herausragend

Meine Güte, was für ein wahnsinnig guter Film. Atmosphäre, Stimmung, Schauspielkunst, Kamera und Erzählweise haben mich 3 Stunden sabbernd in die Couch gepresst. Hollywood, bitte diese Regie genau ansehen, verstehen und sich dann ganz fürchterlich und erbärmlich schämen, dass man mit 100 Millionen $ + noch nicht mal in der Lage ist, halbwegs erträglichen Abschaum zu produzieren. Unverschämt, was eine gute Geschichte für einen Film bedeutet, der völlig ohne Effekte und sogar ohne Kulissen auskommt. Aber meine Meinung darf man eh nicht ernst nehmen, da ich halt auch ein übles und ver­ruchtes von Trier-Fangirl bin!

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EvertonHirsch

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Bewertung7.0Sehenswert

Für mich sehr durchwachsen. Das Setting ist für mich eigentlich sehr gut gewählt, jedenfalls finde ich die Idee, ein kleines Dorf mit einer Bühne ohne Mauern und Türen darzustellen, sehr gut. Gegen Ende des Films hätte ich mir aber gewünscht, dass von dieser Offenheit des Schauplatzes immer mehr verschwindet, da sich auch das Benehmen der einzelnen Bewohner erheblich ändert und sich radikal von dem unterscheidet, was die anfängliche Idylle vermuten lässt.

Der Film hat allerdings ewig gebraucht, ehe er mal angefangen hat, mich irgendwie von der Story her zu interessieren. Gegen Mitte des Films ändert sich das aber allmählich. Die Wendung, das Ende und die Erklärung für das Verhalten von Grace sind sehr gut und verhelfen dem Film so zu einem positivem Resümee. Hier profitiert der Film für mich aber eindeutig davon, dass das Ende einprägsamer ist, als der Anfangt und der Miteilteil.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass der Erzähler öfter einmal dem Zuschauer mehr Raum für die eigene Fantasie und eigene Interpretationen lässt, da doch sehr viel Gedankengänge kommentiert werden. Lediglich Andeutungen hätten gereicht.

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mary84

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Zunächst einmal ist die Bühnendarstellung wirklich gewöhnungsbedürftig am Anfang, jedoch verfliegt das irgendwann und man denkt sich in alles hinein. Jedoch verstehe ich nicht, warum es zum Ende hin - deiner Meinung nach - weniger werden soll bzw. die eigentlich gedachten Bestandteile verschwinden sollen, nur weil die Isylle bzw. die Thematik sich ändert. Häuser, Türen, Bäume und Gärten können nunmal nicht verschwinden, sie sind und bleiben Bestandteil des Filmes bzw. der Bühne.
Zu der Dauer muss ich auch sagen, er könnte kürzer sein, man denkt zwischen durch immer mal wieder daran, ob sich demnächst etwas ändert bzw. passiert oder nicht.
Ich fand den Erzähler, besonders die Stimme, sehr gelungen und auch passend. Ab und an ist man froh bei Lars von Trier Filmen nicht mitdenken zu müssen, da die meisten Filme von ihm nicht gerade einfach sind.
Alles in allem fand ich ihn sehr gelungen und würde mir ihn immer wieder angucken.


EvertonHirsch

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Am Anfang hat das Dorf Grace noch mit offenen Armen aufgenommen, war freundlich usw. Es passierte nichts, ohne dass der Nachbar es mitbekommt (wie im Dorf halt), so hab ich das Bühnendesign mit den fehlenden Wänden jedenfalls verstanden. Zum Ende hin war alle Freundlichkeit verflogen, keiner hätte sich Grace mehr geöffnet, so dass dies für meinen Geschmack auch bildlich mit hochgezogenen Mauern hätte dargestellt werden können. Hätte ich besser gefunden

Und durch den Erzähler bleibt für mich höchstens das Motiv von Grace' Handeln bis zuletzt unklar. Alles andere eigentlich nicht. Das wird meistens vorgekaut. Z. B. gerade da, als Tom (Paul Bettany) bei seinem Spaziergang ebenfalls zu der Erkenntnis kommt, dass Grace verschwinden muss, da hätte man Platz für Interpretationen lassen können


WaltHeisenberg

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Dogville erwarb ich neulich auf DVD aus dem Grund, dass Lars von Trier draufstand. Sonst kenne ich nur Antichrist und Melancholia von ihm. Der Film kommt auch sehr interessant daher. Aber für die Art, auf die er gemacht ist (ein einziger, winziger Schauplatz; allein von den Dialogen abhängig), dauert er mindestens eine ganze Stunde zu lang...
Eine Bewertung kann ich hier (noch) nicht abgeben, da Dogville mich einfach nicht am Ball halten kann und ich ihn so nicht zu Ende gesehen habe.

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Masseltoff

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Bewertung9.5Herausragend

Wenn ich Dogville mit 3 Worten beschreiben müsste wären es wohl

-Minimalistisch
-Nicole Kidman
und
-Genial

Was der Larsi hier geschaffen hat ist schlichtweg genial, mit einfachstem Mittel so was großes zu schaffen ist unglaublich. Der Film wird mal wieder von Triers Grundeinstellung geleitet. Der Mensch ist die schlimmste Rasse und hat es nicht verdient zu leben, gebe man ihm Macht, er würde sie missbrauchen! So unrecht hat er damit nicht, oder ?

Nicole Kidman spielt genial (Was anderes hab ich aber auch nicht erwartet :D). Durch das minimalistische Bühnenbild wird vom Zuschauer auch noch ordentlich Fantasie abverlangt, was den einen oder anderen nicht gefallen wird. Der Film ist halt wie ein gutes Buch, du musst dir alles selber vorstellen, selbst die Sträucher und Büsche.

Das Ende fällt dann Relativ Krass aus, was aber zum Film passt. SPOILER!!! Genial dann die Symbolik am Ende, das der Hund überlebt, denn Tiere sind die einzigen Lebewesen die ihre Macht niemals missbrauchen würden. SPOILERENDE!!!!

Abschließend kann ich sagen ich habe es nicht bereut den Film zu sehen, ganz im Gegenteil heutzutage sollte es mehr Filmemacher geben, die sich sowas trauen und nicht ihre dünnen Stories in Effekthascherei verstecken. Natürlich muss auch sowas geben, den ab und zu brauch man auch Filme zum abschalten, denn dazu ist Dogville ganz sicher nicht geeignet :)

9/10

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Frankie Dunn

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Bewertung9.5Herausragend

Dogville

Lieblingsfilm, ohne Frage. Was ist Dogville? Es ist

- einzigartig
- fesselnd
- schockierend
- tiefgründig
- faszinierend
- wunderschön
- zynisch
- grauenhaft
- widerlich

Dogville ist sicher kein einfacher Film, den man einfach so an sich vorbeiziehen lassen kann. Es ist aber auch kein schwieriger, abschreckender Stoff; ein funktionsfähiges Gehirn sowie Interesse daran es während eines Films einzusetzen reichen völlig aus. Man muss kein Theater mögen; vielmehr ist Dogville mit einem Buch zu vergleichen, das dem Leser viel Raum zum Einsatz der eigenen Vorstellungskraft bietet. Eine Darstellung der Ergebnisse meiner individuellen Vorstellungskraft würde wohl kaum irgendeinem Zweck hier dienen...darum lasse ich dies an dieser Stelle. Möge bitte jeder die Abgründe des Menschen und der Gesellschaft von Dogville selbst erkunden.

Die Story-, Regie- und Kameraarbeit sind dabei so stark, dass der Film, zwar etwas anders dann, aber in selbiger Intensität, auch funktioniert hätte, wenn er in normalen, statt minimalistischen Settings gedreht worden wäre. Von der Art der Inszenierung braucht man sich nicht abschrecken zu lassen; von der Thematik schon eher. Sicher erwartet man von Lars von Trier kein lockeres Popcornkino mit HappyEnd, aber das Gesehene ist schon sehr, sehr schwer zu verdauen. Was Apocalypse Now in Bezug auf den Krieg zeigt, zeigt Dogville in Bezug auf die Gesellschaft: Das Grauen. Die menschlichen Abgründe. Macht und dessen Wirkung auf die Psyche eines Menschen.

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//Nearly all men can stand adversity, but if you want to test a man's character, give him power - Abraham Lincoln
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10.0 - nicht nur kunst-, sondern auch wirkungs- und aussagevoll

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"Grace hielt inne, und währenddessen zerstoben die Wolken und das Mondlicht zeigte sich...und Dogville machte wieder eine jener kleinen Lichtveränderungen durch....es war so als wenn das Licht, zuvor barmherzig und schwach, sich plötzlich weigerte die Stadt noch länger zu schützen. Plötzlich konnte man sich keine Beere mehr vorstellen, die eines Tages an einem Stachelbeerstrauch hängen würde. Man sah nur in aller Deutlichkeit die Dornen. Das Licht drang jetzt in alle Unebenmäßigkeiten und Makel an den Gebäuden. Und an den Menschen. Und mit einem Mal kannte sie die Antwort auf ihre Frage nur allzu gut. Hätte sie selbst so gehandelt wie die Menschen hier, nicht eine einzige ihrer Taten hätte sie verteidigen können, und nicht streng genug verurteilen. Es war so als hätten ihr Kummer und ihr Schmerz endlich den ihnen rechtmäßig zustehenden Platz eingenommen. Nein, was sie getan hatten, war nicht gut genug. Und wer die Macht besaß dies richtig zu stellen, hatte die Pflicht es auch zu tun, um anderer Städte willen, um der Menschheit willen, und nicht zuletzt auch des Menschen willen, der Grace selbst war."
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Besonders stark, dass das Thema Macht eben nicht nur in Bezug auf die Dorfbewohner eine Rolle spielt, sondern sich auch in der Persönlichkeit von Grace wiederfindet. Zunächst barmherzig und/weil schwach (wie das Licht); mit der Macht kommen aber auch ihre wahren Gefühle zum Vorschein. Von der (selbst eingeredeten) Barmherzigkeit keine Spur mehr, treten schließlich ihre unterdrückten Schmerzen hervor. Für mich kein normales Rape-and-revenge-Filmchen, auch kein Moralstück nach dem Schema "Morden für eine bessere Welt", sondern ein Film, der mit einem zutiefst negativen Menschenbild ausgestattet ist und Aussagen, Erkenntnisgewinn sowie Entscheidungen menschlichen Individuen überlässt. Der Mensch ist ein Tier und seine Entscheidungen trifft er eigenständig, nach individuellen Maßstäben auf egoistischer Basis dem Zweck der Selbsterhaltung dienend, nicht auf der Grundlage einer allgemeingültigen objektiven Moral. Die Fassaden jeglicher Gesellschaften werden somit komplett eingerissen.

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Anmerkung: FSK12. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wer Dogville für Minderjährige zugänglich machen wollte, sollte sich untersuchen lassen. Die FSK ist skandalös.

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Croton

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Ich bewerte mal noch nicht, die Zweitsichtung steht noch aus und ich habe den Film bisher nur bei seiner Kinopremiere gesehen. Bin begeisterter Trier Fan und es wird wohl etwas hohes herausspringen.
Was ich jedoch an den ganzen Kommentaren hier nicht verstehe ist das auf zwei wichtige Dinge überhaupt nicht eingegangen wird. Der Film ist am Anfang stinklangweilig, der gute Lars verwendet Langeweile als Stilmittel, da hierdurch das Finale um einiges intensiver und erlebbarer wird. Wieso erwähnt das kein Mensch? Habe damals im Kino echt gekämpft nicht einzuschlafen... Das andere was mir völlig abgeht ist fehlende Würdigung der Leistung von Lauren Bacall - Mein Gott es ist 10 Jahre her, dass ich den gesehen habe und meine wichtigste Erinnerung ist die unglaubliche Präsenz der grande Dame auf der Leinwand...

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jacker

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Vielleicht weil Langeweile viel zu subjektiv ist?
Ich z.B. empfinde DOGVILLE keineswegs als langweilig, in seiner ersten Hälfte aber eher gemütlich. Im Gegensatz dazu langweile ich mich zu Tode wenn Stunden lang irgendwo Dinge explodieren und ohne Sinn rumgeballert wird.
Ich denke die Leute die bewusst DOGVILLE schauen, haben da sicher ne andere Vorstellung von. Vielleicht überwiegt auch der Reiz der unkonventionellen Theaterinszenierung?


Croton

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Oh man, ich glaube ich muss den bald nochmal sehen ;-) Irgendwie scheint da aber was mit den Trier-Fans und den Actionszenen zu sein - Habe in fast jeder Bewertung eines Actionfilms stehen, dass mir da zu viele und zu lange Actionszenen drin sind... Auf mich hat das behäbige Tempo am Anfang halt sehr einlullend gewirkt, dementsprechend stärker halt die Eskalation.


Prival

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Bewertung9.0Herausragend

Im Prinzip gibt es nicht viel mehr zu "Dogville" zu sagen, als schon gesagt wurde. Ein Film, der den Zuschauer an seine Grenzen führt.
Denn wo immer der Ort des Geschehens ein kleines (US-amerikanisches) idyllisches Städtchen mit freundlichen, wenn auch distanziert misstrauischen Bewohnern ist, weiß der geübte Filmeschauer gleich: Hier ist was faul!
So auch in Dogville. Die zu Beginn freundlichen und hilfsbereiten Bürger entpuppen sich nach unverhofftem Machtzuwachs als alles andere als Verfechter der Moral und erliegen nach und nach ihren "Schwächen".
Umso verständlicher und zwingender ist die letztendliche Reaktion Graces, auch wenn wohl der Großteil derjenigen, welche den Film sichteten, vermutlich vor dem Erfahren behauptet hätten, es wäre nicht möglich sie dazu zu bewegen, derartiges gut zu heißen.
Bis Lars von Trier sie vom Gegenteil überzeugt. Und da wären wir bei meiner Frage zum Film: Was ist den überhaupt Moral?
Der Dialog im Cadillac lässt, obwohl frei von logischen Lücken der Schlussfolgerungen und eigentlich auf "Arroganz" bezogen, ein flaues Gefühl zurück. Denn faktisch sagt er uns eines: Wir sind so arrogant, wir glauben sogar besser als andere zu wissen, was richtig und was es nun einmal nicht ist.
Um mal Woyzecks Hauptmann zu bemühen: "Moral, das ist, wenn man moralisch ist, versteht Er." Und genau so geht es uns, wir befinden uns in einem von unseren Emotionen und Umfeldern definierten Zustand, der uns sagt, was wir als richtig zu empfinden haben. Und so handelt jede Figur dieses Filmes für SICH nachvollziehbar und, wenn auch gegen das eigene Gewissen, pragmatisch orientiert ohne logische Alternative.
Doch was diesen Film dann noch über diese "ausgezeichnete" Darstellung des menschlichen Wesens hebt, ist bemerkenswerte Mut von Triers was die Umsetzung betrifft. Man stelle sich dieses Stück mit realer Kulisse und aufwendigen Bauten vor... Es wäre längst nicht so eindrucksvoll, erinnerungswürdig und "herrausragend"!

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dmtjdc

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Bewertung7.5Sehenswert

Teils tiefgründiger, teils brachialer, auf jeden Fall aber extrem stilisierter Psychofilm, welcher zur Abwechslung mal ein ganz anderes "Gefangenen-Dilemma" präsentiert. Kidman in eine ihrer stärksten Rollen, Von Trier nicht ganz so dogmatisch wie gewohnt und das Ganze auch noch ohne nennenswerte Längen runtererzählt, tolle Sache. Warum kann Arthouse-Kino nicht öfter derartig unterhaltsam sein? Der Schluß schockt saugut, nur ein Kritikpunkt: Wenn die Moral unter anderem "Auge um Auge" ist (was ja durchaus legitim sein mag), wozu wird dann auch noch das letzte Opfer gefordert? Wenn ich da nicht irgendwas Wichtiges verpasst habe, war das wieder nur die übliche Provokation des melancholischen Teilzeit-Hitler-Fans. Billiger Nervenkitzel. Wirkt auf jeden Fall, ich kann so was aber nicht besonders leiden. Ansonsten topp.

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Chad

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Bewertung9.5Herausragend

Von instinktiver und selbstsüchtiger, zwischenmenschlicher Depression über amerikanisch gesellschaftliche Ohnmacht bis hin zur Leidensfähigkeit christlichen Glaubens und dem Dialog von Gott und Sohn.. Es gibt diverse Interpretationen. Und der Film erschlägt den Zuschauer in eigener existenzieller Auseinandersetzung über Ethik und Glaube an die Welt, an das Gute und Böse im Hier und Jetzt.
Jede zusätzliche Requisite, Kulisse oder Effekthascherei hätte keine Bedeutung gespielt. Der Film funktioniert gerade durch die beschränkte Inszenierung hervorragend!

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Pyro 91

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Bewertung9.0Herausragend

Auf einem spärlichen Set, das die hervorragenden Schauspielleistungen und messerscharfen Dialoge nur noch mehr in den Mittelpunkt rückt, kreiert Lars von Trier eine unerträglich-schmerzhafte, aber moralisch-hochspannende Geschichte.
Grace, gespielt von Nicole Kidman, ist dabei unser emotionaler Zugang zu diesem "netten" Dorf Dogville, welches zu Beginn noch den Anschein erweckt, es wäre von durchaus freundlichen Leuten bevölkert. Doch Grace, die sich ihnen zur Verfügung stellt und selbstlos jede Pflicht auf sich nimmt, wird schon bald von ihnen auf verschiedene Arten missbraucht. Was Lars von Trier dann zeigt, ist im höchsten Maße unerträglich und ich dachte wirklich, dass ich bald ausschalten muss, wenn das noch länger so weiter geht. Gut zwanzig Minuten des Films habe ich mit mir gerungen. Ich wollte mich schon darüber aufregen, dass das Ganze in dieser Ausführlichkeit gezeigt wird und den Film mit der Wertung "Sorry Lars, too much" abstempeln, aber nachdem der Film zu Ende war, schien alles durchaus Sinn zu machen.
"Dogville" funktioniert für mich nicht auf realistischer Ebene - wie mir dann klar wurde - sondern eher als Parabel über Sklaverei/Machtmissbrauch und als Kritik an fehlender Empathie und blinden Rudelverhaltens.
Mein moralischer Kompass hat jedenfalls im Laufe des Films in alle Himmelsrichtungen ausgeschlagen und speziell nach dem Ende, fühlte ich mich befriedigt und deprimiert im gleichen Maßen. Sobald ich aber dann die DVD aus meinen Player entfernt hatte, fand ich mich in einem unglaublichen euphorisierten Zustand vor, was daran lag, dass ich gerade wieder mal einen hervorragenden Film vom guten, alten Lars gesehen hatte!

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adamma

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Bewertung9.0Herausragend

SPOILER!:
Der erste Teil von "Die Patin" oder auch "Entstehungsgeschichte der Patin"!

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Uwe B.B.B.

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Bewertung3.0Schwach

Ein Film, der eigentlich keiner ist, an Langeweile unübertroffen.

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herbst

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Bewertung10.0Herausragend

Dieser Film gehört unangefochten zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.
Er ist vor allem eines nicht: normal!
Alle, die einen Hollywoodstreifen erwarten oder einen einfachen Film, die sollten die Finger davon lassen. Dieser Film ist etwas für den Kopf, nicht für die Augen.
Große Dramatik, toll umgesetzt mit einer grandiosen schauspielerischen Leistung.
Ich bin tief beeindruckt von diesem Meisterwerk!!!

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