Le Havre

Le Havre (2011), DE/FI/FR Laufzeit 93 Minuten, FSK 0, Drama, Komödie, Kinostart 08.09.2011


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6.7
Kritiker
30 Bewertungen
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7.0
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820 Bewertungen
29 Kommentare
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von Aki Kaurismäki, mit André Wilms und Kati Outinen

Eigentlich wollte er sich in Le Havre zur Ruhe setzen, doch für Marcel Marx (André Wilms) stehen noch einige Abenteuer ins Haus. Bislang führte der gescheiterte Buchautor und Bohemien ein beschauliches Leben in kleinen Verhältnissen: Mit Schuhputzen verdient er seinen Lebensunterhalt, zuhause wartet seine geliebte Frau Arletty (Kati Outinen) und im Hafenviertel von Le Havre hat er nicht nur gute Nachbaren, sondern auch Freunde gefunden.

Der Trubel beginnt, als ein Schiff mit Flüchtlingen aus Afrika in Le Havre einläuft und von der Polizei gestellt wird. Nur der Junge Idrissa (Blondin Miguel) kann fliehen und sucht bei Marcel Unterschlupf. Dieser braucht nun die Hilfe seines gesamten Viertels, um Idrissa vor der Polizei zu verstecken.

Der Film Le Havre ist seit langem der erste des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki (Lichter der Vorstadt, Leningrad Cowboys Go America), der nicht in seiner Heimat Finnland gedreht wurde. In der Vorbereitung des Filmes, der – wie er sagt – überall in Europa spielen könnte, fuhr er die gesamte Europäische Küste von Genua bis Holland ab. Fündig wurde er letztlich in der nordfranzösischen Fischer-Stadt Le Havre, da er hier das ‘Nashville Frankreichs’ entdeckte und die Rock’n’Roll-Musik des ansässigen Musikers Little Bob eine wichtige Rolle im Film spielt.

Auch seine Liebe für die Filme der französischen Nouvelle Vague dürfte für seine Entscheidung in Frankreich zu drehen von Bedeutung gewesen sein. Immerhin hat eine der Ikonen der Bewegung, der Schauspieler Jean-Pierre Léaud, einen Gastauftritt in Le Havre. Die Franzosen dankten es ihm und würdigten Le Havre, der seine Premiere auf den 64. Filmfestspielen von Cannes feierte, mit dem Fipresci-Kritikerpreis.

Parallel zum Film erscheint auch ein spezieller Cuvée-Rotwein, der ebenfalls nach dem Film Le Havre benannt und ist. Aki Kaurismäki persönlich wählte die Rebsorten des Verschnitts, der auf der Domaine de Courbissac abgefüllt wurde. Dieser Wein ist limitiert auf 5400 Flaschen.

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Le Havre
Genre
Drama, Komödie
Zeit
Gegenwart
Ort
Le Havre
Handlung
Durchbrennen, Ehemann-Ehefrau-Beziehung, Einwanderer, Ermittler, Fahndung, Fluchthelfer, Flüchtling, Immigration, Küstenwache, Polizist, Versteck
Stimmung
Berührend, Geistreich
Verleiher
Pandora Filmverleih
Produktionsfirma
Pandora Filmproduktion, Pyramide Productions, Sputnik, Yleisradio

Kommentare (28) — Film: Le Havre


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jeffcostello

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Bei der Betrachtung von "Le Havre" muss eins von vorhe herein klar sein: Kaurismäki gibt nie vor, das dass was er zeigt die Realität ist, das es ehrlich ist, ganz im Gegenteil, Kaurismäki ist in keiner Sekunde an der Realität interessiert und so inszeniert er "Le Havre" von der Ersten bis zur Letzten Sekunde als Märchen.
Wie alle Kaurismäki Filme ist auch Le Havre ein wohlig nostalgischer Film, ein sehnsüchtiger Film, der es geschickt schafft, brandaktuelle politische Problematiken mit seiner altmodisch-märchenhaften Handlung zu verweben, ohne dabei den Zynismus und die Unfähigkeit der aktuellen Politik auszublenden.
Die Protgonisten sind wie immer einfache und hart arbeitende, ehrliche Menschen, die in Kaurismäkis Mikrokosmos "Le Havre" täglich ums überleben kämpfen und trotzdem einander helfen wo sie nur können.
Eine Ode an Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, ein Film der schier unumstößlich an den Menschen glaubt, ein Film in dem alles was gut gehen kann auch gut geht, eine bittersüße Utopie, die den Zuschauer sehr unentschlossen zurückläst, einerseits in Hochstimmung aber andererseits auch in Ernüchterung wenn man sich nach ausschalten des Fernsehers wieder in die kalte Realität zurückbegeben muss, wenn Kaurismäkis Märchen zuende ist.

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jeffcostello

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Absolut!


niceeddy

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Kaurismäki bleibt auch in Frankreich Kaurismäki. Obwohl in der Grundstimmung optimistischer als in früheren Filmen, bleibt der Finne seiner Linie treu, sprich: er verschafft diversen Außenseitern der Gesellschat den großen Auftritt, ohne dabei ins Kitschige abzudriften. Dabei gelingt ihm das Kunststück trotz jeder Menge menschlichem Elend einen Feelgood-Movie geschaffen zu haben, der aber nicht so anbiedernd wirkt wie zB Ziemlich beste Freunde. Die Hauptfigur Marcel ist ein absoluter Sympathieträger und wird vortrefflich von André Wilms gespielt, begleitet von Kaurismäki-Ikone Kati Outinen. Aber auch die zahlreichen Nebendarsteller, die in ihrer Skurillität manchmal an den Jeunet-Kosmos erinnern, sind sehenswert. Kaurimäki hat dem Film eine leicht surreal wirkende, fast schon nostalgische Optik mit reduzierten Farben verpasst, die im Kontrast zu den aktuellen Themen Arbeitslosigkeit, Flüchtlingspolitik usw. steht. Eine eigenwillige Mischung, aber definitiv sehenswert.

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RLX-Devlin

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Bewertung9.5Herausragend

In den kleinen, unscheinbaren, oft naiven und so lakonisch dahin geplapperten Sätzen à la "j'aime la société", offenbart dieser Film seine wahre Größe. "Le Havre" ist eine Liebesbekundung an das Aufrichtige, Barmherzige und Gute im Menschen: Wer da Gutes sucht, dem widerfährt Gutes. Eine Botschaft, die so selbstverständlich scheint - heute aber leider die Ausnahme ist!

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Kuya

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Bewertung9.0Herausragend

Es gibt wohl niemand, der so gute Komödien drehen kann wie Kaurismäki. Das wage ich nach zwei gesehenen Filmen zu sagen.

LE HAVRE ist so ganz und gar vollkommen - reine Farben malen reine Menschen leben reines Leben.

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Dachsman

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Bewertung7.0Sehenswert

Eigenwilliges, aber ansprechendes Märchen. Wunderbar idealistisch, wenn auch teilweise gewollt naiv. Reißt zwar keine Bäume aus, macht aber ein wohliges Gefühl in der Magengegend. Für die Kleinsten allerdings zu schöngefärbt.

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dbeutner

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Bewertung7.0Sehenswert

Deutlich mehr Kaurismäki als Frankreich, aber die Mischung macht den Film natürlich schon aus. Mehr denn je passt die Umschreibung Kaurismäkis als "finnischer Fassbinder", so dass alleine diese Reminiszenzen Spaß machen.

Dass er "nur" sieben Punkte von mir bekommt ist diesmal ganz und gar subjektiv - Kaurimäki's Lakonie ist mir hier nicht konsequent genug, es ist schon fast "zu viel" Geschichte, die mich dann zu wenig gegriffen hat. Aber wie gesagt, das ist reine Geschmacksfrage; wie bei kaum einem anderen Film verstehe ich hier potentiell, wenn andere diesen Film "abgrundtief langweilig" oder auch "göttlich" finden würden, beides ist - je nach eigener Vorliebe - sicherlich berechtigt möglich.

In jedem Fall: Warmherzig, mit einer guten Moral ("Man kann etwas tun, egal wer man ist oder zu sein glaubt.") und grundsympathisch. FreundInnen des verlangsamten Kinos mit einem Herz für Flüchtlinge und gegen den Status Quo des westlichen Selbstverständnisses sollten in jedem Fall zugreifen.

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Rode

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Bewertung6.0Ganz gut

Ganz netter Film. Die Dialoge sind oft unglaubwürdig, aber dass liegt warscheinlich an einer schlechten Übersetzung

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uncut123

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Bewertung7.0Sehenswert

angenehm liebenswert...

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Cayopei

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Bewertung7.5Sehenswert

Kaurismäki läßt sich nur schwerlich in eine Schublade stecken. Er ist wohl seine eigene Schublade. Diese hier habe ich wieder gerne aufgezogen.

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madseason

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Bewertung4.0Uninteressant

Bin ein wenig ratlos:
Ich mag Kaurismäki, mag Frankreich, mag es gern ein wenig skurril, habe eine 8.5 als Vorhersage und es ging total in die Hose. Schleppender Vortrag, haarsträubende Takes, abenteuerliche Handlung. Die "Leistung" von Blondin Miguel - als Beispiel sei seine "Flucht" genannt - lässt mich spekulieren: Ist das vielleicht gar kein Schauspieler, sondern wirklich ein Flüchtling, dem gesagt wurde "Spiel das mal!"? Weiss das jemand? Habe jedenfalls keinen weiteren Film mit ihm gefunden. Tja, sonst gähnende Langeweile (den _ganzen_ Song in drei Einstellungen? really?). Die vier Punkte für 1) den guten Willen, 2) das gelungene Styling, 3) den liebenswerten Clochard und 4) die herzensgut-naive Heile-Welt-Story.

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Co-Pilot

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Autenzität
"Ist das vielleicht gar kein Schauspieler, sondern wirklich ein Flüchtling, dem gesagt wurde "Spiel das mal!?"
Du hast soeben diesem kleinen Jungen das wohl größte Kompliment überhaupt gemacht: Du bescheinigst ihm AUTENZITÄT, das spricht für seine absolut fantastische Schauspielleistung.
Mal ehrlich was hätte der Film denn noch alles anders machen sollen um auf 10 Punkte bei dir zu kommen? Oder halt; sagen wir mal 8..?

Du tust Le Havre unrecht, really(!)


madseason

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Hehe, Danke. Schön, dass mir jemand antwortet.
Ich mag ja grundsätzlich die Art Erzählung. Und ich traue Kaurismäki auch so eine authentische Besetzung zu - sonst hätte ich ja gar nicht gefragt. Das Kompliment ginge bei der Argumentation aber an das Casting und nicht an den Schauspieler, denn den fand ich ja schlimm.

Was den Film als ganzes in meinen Augen besser machen würde, kann ich Dir nicht sagen. Ich kann nur beurteilen wie er auf mich wirkt und davon war ich ja selbst enttäuscht. Hat vielleicht auch mit der jeweiligen Erwartungshaltung zu tun. Meine war hoch und wurde enttäuscht.


Donnos

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Puh, schwer zu bewerten, wenn es in die Details geht: Ein warmherziger, liebevoll gemachter Film, in dem sicher eine ganz große Menge an Arbeit steckt - auch wenn der Film durchgehend eine gewisse Einfachheit suggeriert. Der Begriff "modernes Märchen", der oft fällt, gefällt mir persönlich sehr gut. Dass es möglich ist, 2012 einen Film stilecht im Stil der 60er zu drehen, was Beleuchtung, Kameraarbeit, Dialogregie etc etc. angeht, hat mich überrascht. Wären nicht die Szenen mit Euro oder Handy, ich hätte im Fernsehen auf 1965-1970 als Entstehungsjahr getippt.
Schade nur, dass mir die leichte darstellerische Überzeichnung, die in französischen Komödien irgendwie Pflicht zu sein scheint - aber wiederum gut in die Pseudo-Entstehungszeit passt - irgendwie keine Lacher abrufen kann und mich nach recht kurzer Zeit zum Gähnen bringt, auch wenn die Machart des Films so interessant war. Auch auf die lange Musikeinlage (siehe auch Ozon-Filme) kann ich gerne verzichten, aber das scheint tatsächlich eine andere Kinokultur zu sein. Die Handlung war, wenn man ehrlich ist, ja jetzt auch nicht so der Burner, aufgrund ihrer Einbettung in den Rest des Films in ihrem Verlauf und dramatischen Höhepunkten aber nur konsequent. Wegen eben dieser Konsequenz gibt es auch eine hohe Bewertung, sowas sieht man einfach selten. Nächstes Mal aber bitte mehr Lachpotential...

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Co-Pilot

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Bewertung7.5Sehenswert

Holla, überrascht worden(!)
Hatte den Titel als Komödie "gebucht" und war Anfangs etwas enttäuscht weil es nun wahrlich keine Komödie ist. Aber irgendwie gefesselt von dem was ich da sah (den Reg. kannte ich bisher noch nicht) blieb ich zum Glück dran und muss sagen:

Selten einen Film gesehen der soviel Wärme und Herzlichkeit ausstrahlt wie Le Havre!
Und erstaunlich; ein Film der OHNE Sex & Gewalt in auch nur irgendeiner Form auskommt. Begeistert war ich vom kleinen Idrissi, so ein lieber guter Junge. Ich kenne privat eine Flüchtlingsfamilie aus dem Senegal und wirklich, die Kinder derer sind so "anders" wie die europäischen Kids (soll jetzt nicht negativ sein) das man meint "die machen irgendwas anders als wir".

Fazit: Le Havre ist nichts für jedermann oder Leute die die schnelle Unterhaltung suchen, aber wer mal was anderes sehen möchte sollte sich die 90 Minuten Zeit nehmen, lohnt. Tolle Schauspieler, herrlich-herzliche Story, und eine soooo schöne Kulisse in Francè - ich hab mich 90 Minuten lang wirklich gut gefühlt.

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Mr. Pink

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Schöner Film, der durch und durch optimistisch ist, und deshalb, trotz der relativ kühlen, mit einer bedachtsamen, beinahe stoischen Ruhe daherkommenden Atmosphäre, Hoffnung macht und gute Laune verbreitet. Die sympathische Geschichte vermittelt ein gutes Gefühl und spricht ganz nebenbei noch wichtige, ernste Themen, wie beispielsweise (illegale) Immigration an. Neben der tollen Inszenierung, lebt der Film vor allem vom genialen Spiel des Hauptdarstellers André Wilms, der die grenzenlose Ruhe und die Tragik seiner Figur sehr gut rüberbringt, einen dabei aber auch immer wieder zum Schmunzeln bringt.

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the-eraser-guy

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Bewertung3.0Schwach

Manchmal wollen Filme anspruchsvoll sein, sind es aber nicht. Manchmal wollen Filme drollig und süß sein, sind es aber nicht. Manchmal wollen Drehbücher ganz clever und intelligent sein, sind es aber nicht.
"Le Havre" hat mich, wie lange kein Film, sehr enttäuscht. Die Geschichte ist langweilig. Es gibt eigentlich gar keinen Plot, sondern nur die Ausgangssituation. Diese ist dann genauso vorhersehbar wie die Akkordeonmusik. Die Schauspieler machen ihre Sache dagegen wirklich gut. Leider bietet das Drehbuch nicht viel. Warum alle Charaktere in kurzen monotonen Sätzen sprechen weiß ich leider nicht.
Ich kann nicht glauben, dass "Le Havre" so viel Zuspruch bekommen hat. Ich konnte dem Film nichts abgewinnen und habe mich teilweise "fremdgeschämt" für den Regisseur (Das Wohltätigkeitskonzert. Was war da denn los?)
Eigentlich mag ich diese Art von Filmen und bin dem französischem Charme erlegen, doch dieses Werk hat nichts in mir ausgelöst außer Frust. Schade.

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Xebeche

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

„Ich habe mich schon immer gefühlt, als wäre ich etwas aus der Zeit gefallen. Ich mag keine modernen Gebäude, ich mag keine modernen Autos und ich mag auch die moderne Gesellschaft nicht besonders. Ich war immer schon etwas nostalgisch.“
(Aki Kaurismäki)

Dieses Zitat stammt aus einem ebenso aufschlussreichen wie amüsanten Interview mit dem Titel „Die Gummi-Ente ist mein Rosebud“ aus dem Jahr 2004. Sieben Jahre später zeigt Kaurismäki seine nostalgische Ader in LE HAVRE, indem er seinen Film in der Gegenwart mit Requisiten aus der Vergangenheit spielen lässt. Dieser Habitus jedoch ist keineswegs neu in seinen Filmen. Schon TATJANA (1994) ist ein „Film aus der Gegenwart in der Ausstattung der Vergangenheit“ so Kaurismäki. Auch LA VIE DE LA BOHÈME, quasi der Vorgänger von LE HAVRE, zeichnet ein nostalgisches Bild von Paris. Ein Paris, das Kaurismäki „das alte, noch nicht mcdonaldisierte Paris“ nennt.

Allerdings war es vorher niemals so radikal wie in seinem neuesten Werk. Telefone mit Wählscheiben tauchen neben Handys auf, Antiquierte Radios neben Euro-Banknoten. Aber Kaurismäki ist geschickt: Nach der Eingangsszene mit Noir-Charakter der 40er/50er Jahre sind es die Handys, Euroscheine und Polizisten mit modernster Ausrüstung, die seltsam fehl am Platze wirken. Wärmer und gemütlicher sind das pittoreske Stadtbild (es kommt wohl nicht von ungefähr, dass Kaurismäki in der französischen Hafenstadt gedreht hat) und Kommissar Monet, der mit Hut und Mantel direkt den 50ern entsprungen zu sein scheint.

LE HAVRE ist vielleicht nicht der beste Film des Finnen, aber er ist sein menschlichster und eine Klimax seines bisherigen Schaffens. Auf einmal erleben wir eine Hauptfigur, wie immer selbst ein Außenseiter der Gesellschaft, die sich nicht nur selbst helfen muss, sondern auch – fern aller Lethargie und Desillusion – in der Lage ist, einem noch ärmeren Menschen Hilfe zu geben. Schuhputzer und Ex-Bohemien Marcel (LA VIE DE LA BOHÈME) nimmt sich selbstlos eines Flüchtlingskindes an, ungeachtet der zu erwartenden Schwierigkeiten, ungeachtet seiner Geldsorgen, trotz der Sorgen um den Gesundheitszustand seiner Frau. Das ist Altruismus in reinster Form. Ein Gegenentwurf zur Gleichgültigkeit der heutigen Gesellschaft, ein Plädoyer für Solidarität. LE HAVRE als naiv und verklärend zu bezeichnen, wäre falsch. Er ist einfach nostalgisch mit einer Schwermut, die Hand in Hand geht mit Zuversicht und niemanden traurig macht. Ganz im Gegenteil.

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rkuehne

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Kaurismäki macht mal wieder das, was man von ihm erwartet - er erzählt es auf seine Weise. In Zeiten permanenten Getönes und geistlosen Geschreis ala "Geil ist Geil" wirken seine Filme wie aus der Zeit gefallen und treffen umso mehr ins Schwarze. Dabei ist "Le Havre" nicht wirklich ein stiller oder leiser Film, aber er ist Entspannung für Augen und Ohren und trotzdem kein gemütliches Geplänkel sondern vielmehr eine rührende Geschichte, eine laute Sozialkritik und ein heftiger Gedankenanstoß. Die skurrilen Charaktere würden in anderem Kontext fast als Klamauk durchgehen, hier liefern sie lediglich eine Nuance Humor und machen das Ganze zu einem großen Stück Kino. Dafür mag ich Kaurismäki so.

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Joeyjoejoe17

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein wahrhaft guter Film, der eine tolle und herzerwärmende Geschichte erzählt. Und das alles in einem Stil, dass man denkt, man hätte einen Film aus den 50ern oder 60ern vor sich (Im Abspann stand sogar, dass der Film auf 35mm-Film gedreht wurde)
- statische Kameraeinstellungen, sehr viele Dialoge, hauptsächlich durch Gestik verdeutlichte Körpersprache und Reaktionen, viele ausdrucksstarke Gesichtsaufnahmen, und es wird großer Wert auf das Erzählen (im wahrsten Sinne des Wortes) der Handlung gelegt.
Eine angenehme Alternative zum übergroßen (und überschlechten) Blockbusterkino, das zur Zeit läuft. Deswegen liebe ich meine Zeit hier in Mainz so sehr, es gibt satte drei(!!) Independent- und Arthouse-Kinos, wo ich herkomme gibt es nur ein bis zwei größere Kinos, in denen nur der übliche großkotzige Müll läuft. Indie ftw! :D

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Thomas479

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein Film, der einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert, das ist „Le Havre“. Dabei ist es keineswegs eine heile Welt, die hier dem Zuschauer vorgegaukelt wird. Es gibt genügend unschöne Dinge, die auch gezeigt werden. Doch Menschlichkeit ist hier noch mehr, als nur ein Wort und sie hat viele Gesichter.

Der Geschehnisse im neuen Film des Finnen Aki Kaurismäki sind eigentlich zu schön um wahr zu sein. Marcel Marx, ein Mann aus kleinen Verhältnissen, der sich mit Schuhputzen über Wasser hält, trifft den Flüchtlinsjungen Idrissa. Dieser kam in einem Container aus Afrika und wollte eigentlich zu seiner Mutter nach London. Jetzt ist er in Le Havre in der Normandie gestrandet und versteckt sich vor den Behörden und der Polizei. Marcel Marx nimmt sich dem Jungen an und schon bald finden sich noch viele weitere Helfer. Dabei hat Marx derzeit ganz andere Sorgen: gerade jetzt wurde bei seiner Frau eine unheilbare Krankheit diagnostiziert.

Der Film „Le Havre“ kommt wie ein modernes Märchen daher. Das Unschöne wird nicht ausgeblendet, doch es wird stets versucht, das Beste daraus zu machen. Menschen helfen Menschen, auch da, wo man es am wenigsten erwartet. Es wird nicht viel geredet, es wird gehandelt, in der Hoffnung, dass alles einen guten Verlauf nimmt. Das mag für manchen Zuschauer etwas befremdlich wirken, weil die Realität oftmals anders aussieht. Doch die wird für 90 Minuten ausgeblendet. Der Film hat ein ruhiges, fast bedächtiges Erzähltempo und man weiß nicht immer, in welcher Zeit er eigentlich spielt. In einem Augenblick fahren Autos aus den 70-er Jahren durchs Bild, im nächsten wird mit einem Handy telefo-niert. Doch mit Logik darf man dem Filmemacher Kaurismäki hier nicht kommen.

„Le Havre“ ist ein Filmerlebnis der völlig anderen Art. Spätestens am Ende, als die Kirschblüten blü-hen, ist das klar.

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ElMagico

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Toll!


8martin

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein an sich ernstes Thema (’Migrationshilfe’) wird ruhig und stilsicher inszeniert, fast mit leichter Hand. Kaurismäki versucht sich hier der Mentalität der Franzosen anzupassen. Dabei präsentiert er wie immer eine Reihe von skurrilen Typen, die dem Zuschauer ein Schmunzeln abverlangen, ohne direkt komisch zu sein. Sie wirken einfach in ihrer menschlichen Gesamtheit und fordern in ihrem Anders-Sein Anteilnahme ein. Natürlich sind seine beiden Lieblingsschauspieler André Wilms und Kati Outinen mit von der Partie. Diese sogenannten ’kleinen Leute’ wachsen alle in der Situation, in die sie hineingeraten, über sich hinaus, egal ob Schuhputzer, Kommissar, Bäckerin oder Tante-Emma-Laden Besitzer. Gegen Ende wird der märchenhafte Charakter des Films betont und das ist auch gut so. Deshalb nimmt man dem sonst eher herb-distanzierten bzw. etwas schrägen Kaurismäki diese ungewohnte Wärme auch durchaus ab. Auch wenn man das Ende schon bald ahnt, gibt es dazwischen noch Rockmusik, die die Stimmung hebt, und manch wundersame Wendung tut ein Übriges für das Wohlergehen.
Ein gelungener Gegenpol zu der Mainstream-Flut, die sonst so über uns hinwegschwappt.

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Kai Kressel

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Bewertung9.0Herausragend

Aki Kaurismäkis filmisches Pamphlet Le Havre

von Kai Kressel

Integrität, Höflichkeit und Würde für die Freiheit, die Gleichheit und die Brüderlichkeit !

Nicht wie Woody Allen, der vermutlich aus Kostengründen und wegen Absatzschwierigkeiten in den USA das alte Europa als neuen Schauplatz für seine Filme entdeckte und dafür seine obligatorische Filmkulisse Manhattan hinter sich lies, verlagert Aki Kaurismäki aus Protest die Handlung seines neuen Films in eine französische Hafenstadt, obgleich die visuellen und inhaltlichen Begebenheiten an allen Orten der Welt spielen könnte.
Aki Kaurismäki ist bekannt für die Farbgebung seiner installationsgleichen Sets. Die mittelstarken monochromen Farben der Interieurs, sowie die oft aschfahle Gesichtsfarbe seiner erwachsenen Protagonisten prägen seine Bildgebung. Diese immergleiche Erscheinung auf der Leinwand verbunden mit der schlicht höflichen Sprache der Schauspieler ist die Substanz der Kaurismäkschen Filmkunst, die die Projektionsfläche für das Sujet des Film Le Havre bildet. Der Zuschauer muss seine Ästhetik aushalten - andernfalls erfährt er nicht was man im althergebrachten Sinn unter Katharsis zu verstehen vermag, nämlich das Hinzulernen via Schaudern und Befremdung. Das richtige Leben transportiert sich mit dem Bewusstsein des Zuschauers aus dem virtuellen Raum des Kinos in das bis dahin gegebenenfalls nicht ganz richtige Leben.

Die Bildkunst ist bei Kaurismäki nicht bestechlich, weder von nationalen Gegebenheiten, noch von Festen zu denen sie vorgetragen wird. Sie ist überall gleich. Genauso gleich, wie sich die Menschen behandeln sollten, wenn sie die Menschenrechte achten. Dabei Kulissen gleich gültig und politische die Raison sollte keine Rolle spielen.

Der Film zeigt einen Schuhputzer, eigentlich ein Wiedergekehrter aus Kaurismäkis ‚La vie de Bohème’, der an einen jugendlichen Flüchtling aus Afrika gerät, welcher sich auf der Flucht vor der Polizei befindet. Die Polizei versucht mit den Mittel der vorgeschobenen Hilfebedürftigkeit des Jungen an ihn zu gelangen. Im kleinen gesellschaftlichen Kosmos des Herrn Marx befinden sich viele mitfühlende Nachbarn, die bei den Fluchtvorbereitungen für den Jungen von Frankreich nach London zu seiner Mutter helfen, auch wenn sich ein Verräter unter ihnen befindet. Dagegen entpuppt sich der ermittelnde Kommissar als Fluchthelfer.

Die Flüchtlingssituation in Frankreich, dem Land der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, veranlasste Kaurismäki einen Film von diese Misere zu machen. Mit dem Bewusstsein diesen Film genau in Cannes vorzustellen zu können und ihn da auch vorzustellen beweist der Finne sein extra hohes Maß an Integrität: Beim Festival selber politisch werden und die Gleichheit und Brüderlichkeit zu beschwören. Mit eben dieser Gesinnung verhelfen die Nachbarn und Freunde dem Jungen schließlich zur Flucht und als zusätzlicher Bonmot genest die Frau des Schuhe putzenden Poeten spontan von einem unheilbar geglaubten Krebsleiden.

Die Lage ist also nicht aussichtslos, dennoch wecken die Figuren und die Umstände Erinnerungen an die Zeit des 2. Weltkrieges, in der Verfolgung, Denunziation und Kollaboration mit dem Bösen nicht nur Einzelfälle sondern Methode waren. Die Botschaft ist damit wenig idealistisch, und deutet darauf hin, dass das Menschlein bei den eigenen Verbesserungsversuchen jedes Mal wieder von Null, nämlich der von weißen Tafel aus, anfangen muss.

Die meist finanziell weniger gut situierten, dafür mit großer Artikulationskraft in alle Richtungen ausgestatteten Figuren verhalten sich umso mehr wie Könige, desto weniger sie im modernen Sinn erwirtschaften. Sparsamkeit ist da eine Tugend, die sowohl das Überleben sichert als auch die Sprache klärt. Der Hauptdarsteller expliziert die Haltung mit unter aus der Bergpredigt in der es eigentlich keinen Kapitalismus geben darf – sonst würde man wohl auf Sand bauen müssen.

Die unverstellten Dialoge lassen den Figuren keinen Platz für Beeinflussung von außen. Sprachliche Moden existieren eben nicht, die die heute geschrieben Dialoge mit ihren affektierten Ausdrucksweisen oft in den Rang von Gewäsch befördern. Das Bildmaterial ist - bei aller Notwendigkeit - für den Kaurismäki Liebhaber, nicht den Kaurismäki Nostalgiker, manchmal etwas anstrengend. Aber mit seinen Filmen fängt man gerne, auch mit den lieben Kleinen, immer wieder von vorne an.

Bleibt zu hoffen, dass dieses Mal nicht das französische Tourismusministerium auf Argwohn sinnt, wie einst die selbe finnische Institution, die Kaurismäkis Bildgestaltung für das Vergraulen von potentiellen von Urlaubsgästen verantwortlich machen wollte.

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