Angst essen Seele auf
Angst essen Seele auf (1974), DE Laufzeit 93 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 05.03.1974
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von Rainer Werner Fassbinder, mit Brigitte Mira und El Hedi ben Salem
Emmi ist um die 60, Witwe und verdient ihr Geld als Putzfrau. Ihr eintöniger Alltag endet abrupt, als sie sich in den 20 Jahre jüngeren marokkanischen Gastarbeiter Ali verliebt. Ihre Heirat wird zum Skandal und das Paar bekommt die Ablehnung seiner Umwelt in voller Härte zu spüren: Emmis erwachsene Kinder schämen sich ihrer Mutter, die Nachbarn tuscheln, die Arbeitskollegen verachten sie und der Kolonialwarenhändler weist Emmi sogar aus dem Laden. Doch die junge Ehe wird nicht nur von außen bedroht. Die innere Krise wird deutlich, als Ali ein Verhältnis mit einer Kellnerin beginnt.
Mit Angst essen Seele auf führt Rainer Werner Fassbinder seine Adaptionen von Douglas Sirk-Filmen fort. Die Übertragung der Hollywood-Melodramatik Sirks auf das deutsche Kleinbürgertum in Kombination mit der stilistischen Inszenierung Fassbinders, schuf etwas völlig Neues. Der Film trug entscheidend zum Durchbruch des Neuen Deutschen Films im Ausland bei.
Handlung
“Das Glück ist nicht immer lustig” – diesen Satz stellt Rainer Werner Fassbinder an den Anfang des Filmes
Wo die Liebe hinfällt
Die verwitwete, sechzigjährige Emmi Kurowski (Brigitte Mira) hat drei Kinder. Um ihre Rente aufzubessern, geht sie tagsüber putzen. Abends sitzt sie vor dem Fernsehgerät. Als sie eines Tages vor einem Regenschauer in eine marrokanische Bar flüchtet, lernt sie Ali (El Hedi ben Salem) kennen. Der zwanzig Jahre jüngere Marokkaner fordert – animiert von einer Bekannten – Emmi zum Tanzen auf. Sie unterhalten sich. Er begleitet sie nach Hause, hat ein offenes Ohr für sie und bleibt nach einer Tasse Kaffe über Nacht. Am nächsten Morgen verspürt Emmi Angst ob der neuen Situation. Doch Ali weiß ihr erregtes Gemüt mit seinem gebrochenen Deutsch zu beruhigen: “Nix Angst. Angst essen Seele auf!” Die beide verlieben sich ineinander.
Druck von Außen
Die Liebe zu einem jüngeren Ausländer wird von Emmis…
Emmi ist um die 60, Witwe und verdient ihr Geld als Putzfrau. Ihr eintöniger Alltag endet abrupt, als sie sich in den 20 Jahre jüngeren marokkanischen Gastarbeiter Ali verliebt. Ihre Heirat wird zum Skandal und das Paar bekommt die Ablehnung seiner Umwelt in voller Härte zu spüren: Emmis erwachsene Kinder schämen sich ihrer Mutter, die Nachbarn tuscheln, die Arbeitskollegen verachten sie und der Kolonialwarenhändler weist Emmi sogar aus dem Laden. Doch die junge Ehe wird nicht nur von außen bedroht. Die innere Krise wird deutlich, als Ali ein Verhältnis mit einer Kellnerin beginnt.
Mit Angst essen Seele auf führt Rainer Werner Fassbinder seine Adaptionen von Douglas Sirk-Filmen fort. Die Übertragung der Hollywood-Melodramatik Sirks auf das deutsche Kleinbürgertum in Kombination mit der stilistischen Inszenierung Fassbinders, schuf etwas völlig Neues. Der Film trug entscheidend zum Durchbruch des Neuen Deutschen Films im Ausland bei.
Handlung
“Das Glück ist nicht immer lustig” – diesen Satz stellt Rainer Werner Fassbinder an den Anfang des Filmes
Wo die Liebe hinfällt
Die verwitwete, sechzigjährige Emmi Kurowski (Brigitte Mira) hat drei Kinder. Um ihre Rente aufzubessern, geht sie tagsüber putzen. Abends sitzt sie vor dem Fernsehgerät. Als sie eines Tages vor einem Regenschauer in eine marrokanische Bar flüchtet, lernt sie Ali (El Hedi ben Salem) kennen. Der zwanzig Jahre jüngere Marokkaner fordert – animiert von einer Bekannten – Emmi zum Tanzen auf. Sie unterhalten sich. Er begleitet sie nach Hause, hat ein offenes Ohr für sie und bleibt nach einer Tasse Kaffe über Nacht. Am nächsten Morgen verspürt Emmi Angst ob der neuen Situation. Doch Ali weiß ihr erregtes Gemüt mit seinem gebrochenen Deutsch zu beruhigen: “Nix Angst. Angst essen Seele auf!” Die beide verlieben sich ineinander.
Druck von Außen
Die Liebe zu einem jüngeren Ausländer wird von Emmis Umfeld nicht verstanden. Widerstand baut sich auf. Die Nachbarinnen Frau Kargus (Elma Karlowa), Frau Ellis (Anita Bucher) und Frau Münchmeyer (Lilo Pempeit) tuscheln im Hausflur. Das Ehepaar Angermayer (Walter Sedlmayr (doppelt), Doris Mattes] verweigert Ali in ihrem Kolonialwarenladen einzukaufen. Ihre Arbeitskolleginnen Paula (Gusti Kreissl), Hedwig (Margit Symo) schließen sie aus. Selbst ihre Söhne (Karl Scheydt, Peter Gauhe), sowie ihre Tochter Krista (Irm Hermann) und deren Mann Eugen (Rainer Werner Fassbinder) bringen gegenüber dem Verhältnis nur feindseliges Unverständnis auf.
Nach Beschwerden der Nachbarn bei dem Vermieter wird Emmi darauf hingewiesen, dass es ihr nicht gestattet ist, Untermieter in ihre Wohnung aufzunehmen. Kurzerhand teilt sie mit, dass Ali kein Untermieter sei, sondern ihr künftiger Ehemann. Die beiden nehmen die Aussage als Anlass und heiraten wirklich. Die Feindseligkeit nimmt nicht ab. Verzweifelt bricht Emmi bei einem Restaurantbesuch, bei dem das Ehepaar von den Kellnern nicht bedient wird, in Tränen aus. Beide beschließen in die Flitterwochen zu fahren und danach einen neuen Anfang zu wagen.
Die innere Zerreißprobe
Und in der Tat sieht nach der Rückkehr die Welt völlig anders aus. Das Paar wird anscheinend akzeptiert, wenn auch aus eigensüchtigen Gründen: Angermayer komplimentiert Emmi wieder in seinen Laden hinein, da er auf ihren Konsum nicht weiter verzichten mag. Emmis Kinder brauchen sie als Babysitterin. Die Nachbarinnen können einen starken und vor allem belastbaren Mann im Haus gut gebrauchen. Und die Kolleginnen haben eine neue Vorarbeiterin bekommen und hoffen auf Emmis Solidarität. Zudem stellen sie fest, dass Ali so gar nicht dem Klischee vom schmutzigen, faulen Ausländer entspricht.
Doch als der äußere Druck abnimmt, wächst der innere: Die Atmosphäre zwischen ihnen wird frostiger. Als Emmi beginnt Ali als nützliches Objekt zu behandeln anstatt als Menschen mit dem Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Zuwendung, geht Ali wieder häufiger in die Kneipe. Mit der vollbusigen Bardame Barbara (Barbara Valentin) fängt er ein Verhältnis an. Er übernachtet bei ihr und kommt irgendwann überhaupt nicht mehr nach Hause zu Emmi. Sie sucht ihn beri seiner Arbeitsstelle auf und erklärt ihm, dass sie Verständnis für seine Bedürfnisse hat. Sei sei bereit ihm seine Freiheiten zu lassen, aber er solle doch bitte zu ihr zurückkehren. Da bricht Ali zusammen: Im Krankenhaus erläutert ein Arzt, dass Ali ein Magengeschwür hat. Da Gastarbeitern aber kein Kuraufenthalt gewährt wird und sie nur operieren können, werde das Geschwür erfahrungsgemäß immer wieder kommen. Emmi weint an Alis Krankenbett.
Weiterführende Informationen
Douglas Sirks Einfluss auf Fassbinder
Fassbinders Adaption von All That Heavens Allows
Wissenswertes
Neuer Deutscher Film
Weitere Informationen im Netz
Filmkritik auf Viva Lifestyle Portal
Filminformationen und Trailer zum Amschauen auf der Seite der Rainer Werner Fassbinder Foundation
Filmkritik auf www.filmzentrale.com
Quellen und Literatur
Angst essen Seele auf bei Wikipedia (dts.)
Ali: Fear eats the soul bei Wikipedia (eng.)
Thomas Elsaesser: Rainer Werner Fassbinder, 3. Auflage, Ort: Berlin, Bertz + Fischer, 2001
Cast & Crew
-
Rainer Werner Fassbinder
-
Brigitte Mira
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Emmi Kurowski
-
El Hedi ben Salem
-
Barbara Valentin
-
Irm Hermann
-
Karl Scheydt
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Albert Kurowski
-
Walter Sedlmayr
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Angermayer
Regie
Schauspieler
-
Doris Mattes
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Frau Angermeyer
-
Lilo Pempeit
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Frau Münchmeyer
-
Gusti Kreissl
-
Margit Symo
-
Elisabeth Bertram
-
Helga Ballhaus
-
Elma Karlowa
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Frau Kargus
-
Anita Bucher
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Frau Ellis
-
Peter Gauhe
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Bruno Kurowski
-
Hannes Gromball
-
Katharina Herberg
-
Rudolf Waldemar Brem
-
Peter Moland
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Mechaniker
-
Hark Bohm
-
Ingrid Caven
-
Rainer Werner Fassbinder
-
Wolfgang Hess
-
Kurt Raab
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Mechaniker
-
Rainer Werner Fassbinder
- Genre
- Sozialdrama, Melodram, Ehedrama
- Ort
- Deutschland
- Handlung
- Affäre, Araber, Ausländer, Coca-Cola, Deutsch-Türkisches Zusammenleben, Dieb, Diebstahl, Ehefrau-Ehemann-Beziehung, Eifersucht, Einsamkeit, Eltern-Kinder-Beziehung, Entlassung aus dem Gefängnis, Essen und Trinken, Freundschaft, Geld, Glücksspiel, Großmutter, Jukebox, Klassiker, Kneipe, Krankenhaus, Lebensmittelhändler, Liebe, Magengeschwür, Mann-Frau-Beziehung, Mechaniker, Mutter-Sohn-Beziehung, Mutter-Tochter-Beziehung, Nacktheit, Polizei, Pyjama, Rassismus, Rauchen, Regen, Reinigungskraft, Tanzen, Ungeselligkeit, Untermieter, Verwandtschaft, Vorurteil, Weinen, Witwe, Zerrüttete Beziehung, Zigarette
- Stimmung
- Berührend, Ernst, Traurig, Verstörend
- Mitmachen
- Wie gut passen diese Schlagworte? Stimm ab und hilf uns sie neu zu gewichten!
Drehbuch
Filmdetails Angst essen Seele auf
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Kritiken (4) — Film: Angst essen Seele auf
Hitmanski: Reihe Sieben / MehrFilm / I...
Kommentar löschen[...] In schmucklos-tristen Bildern seziert der Film (dessen Arbeitstitel „Alle Türken heißen Ali“ fast noch besser gepasst hätte) dabei nicht weniger als den deutschen Kleingeist und die Probleme eines Zuwanderungslandes, das mental noch immer auf Abschottung zu setzen scheint. Der Blick von Fassbinder, der sich selbst in der Bürgergesellschaft, die ihn umgab, nie wirklich wohl fühlte, ist ein pessimistischer; auch, oder gerade weil eine ungleiche Romanze als Aufhänger seiner Geschichte dient. Die Liaison von deutscher Putzfrau und marokkanischen Gastarbeiter (großartig: Brigitte Mira und El Hedi ben Salem) ist bei ihm kein Hort der Wärme, sondern eine aus der Not geborene Zweckgemeinschaft zweier einsamer Seelen, und selbst das schlussendliche Zusammenfinden scheint eher auf Gewöhnung den Liebe zu fußen, und steht unter keinem guten Stern.[...]
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doctorgonzo 2012/01/04 13:29:45
Antwort löschenVielleicht etwas zu gnädig, weil er mich zwischenzeitlich doch gern mal sehnsüchtig an der Uhr drehen ließ. Vom Umgang mit der Thematik her aber zweifellos ein großer Film.
Hitmanski 2012/01/04 14:07:44
Antwort löschenIch würde ihn zwar auch nicht unbedingt als "kurzweilig" bezeichnen, aber auf seine Art und Weise fand ich schon durchweg "unterhaltend".
Anj S: Mann beisst Film
Kommentar löschenAuffällig ist die wenig pompöse Darstellung im Film, der zudem keinerlei musikalische Szenenuntermalung aufweist. Sicher ist dies ein Stilmittel, um nicht von den wahren Handlung und den Dialogen abzulenken, was sehr gut zu „Angst essen Seele auf“ passen zu scheint, denn immerhin geht es hierbei um eine ernste und reale Problematik, der es keiner künstlichen Untermalung bedarf, um erschreckend zu sein und nachdenklich zu stimmen.
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Flibbo: wieistderfilm.de
Kommentar löschenEin Meer von Blicken – bohrende Blicke – ist nahezu alles, wovon sich Rainer Werner Fassbinder in „Angst essen Seele auf“ bedient, um ein Liebesdrama zu bebildern. So gewinnt der Film auf eine ganz eigene Art viel Kraft, obwohl er zu direkt ist um wirklich authentisch zu wirken und obwohl er so minimalistisch daherkommt, dass er beinahe langatmig ist. [...]
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Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde
Kommentar löschenJa es ist ein wichtiger Film, der eine wichtige Thematik behandelt und für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich war. Und ja Biggi Mira spielt gut. Dennoch hat der Film für mich in seiner freudlosen Art wenig Unterhaltungswert und ist ein gutes Beispiel für das was in den 80ern gern despektierlich als "Deprifilm" bezeichnet wurde.
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Kommentare (18) — Film: Angst essen Seele auf
Kommentar schreibenCanis Majoris 2012/01/11 23:39:14
Kommentar löschenEiner der sehr wenigen wirklich guten deutschen Filme nach 1943.
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Roco De Long 2012/01/10 21:38:42
Kommentar löschenRainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte der älteren Dame Emmi (Brigitte Mira) und des deutlich jüngeren Marokkaners Ali (El Hedi ben Salem).
Inspiriert von Douglas Sirks "All That Heaven Allows" verlegt Fassbinder die Geschichte ins Deutschland der 1970er Jahre, in dem es Unterschiede in Alter und besonders Nationalität der Liebenden sind, die bei der Umwelt auf Intoleranz und Zynismus stoßen.
Nach dem großen Vorbild von Sirks Melodramen kommt der Bildsprache auch bei "Angst essen Seele auf" eine entscheidende Bedeutung zu. Ist die Mise-en-Scène bei Sirk jedoch bis ins Detail komponierter Ausdruck überbordender Leidenschaften, bestechen die Bilder von Kameramann Jürgen Jürges durch Reduktion. Die asketische Kamera bleibt dezent im Hintergrund und lenkt den Fokus somit stets auf die Geschichte dieses ungleichen Paares, das seine Liebe inmitten der Engstirnigkeit seiner Mitmenschen zu bewahren versucht.
Fassbinder beobachtet das zwischen(un)menschliche Verhalten der Spießer treffend und überzogen, fast schon satirisch. Daraus entsteht eine teils absurd wirkende Präzision der Dialoge. Alis Aussprache, aus der auch der zentrale Satz und Titel des Films hervorgeht, wirkt aus heutiger Sicht wie die sprachhistorische Parodie von gebrochenem Ausländerdeutsch. All das ist natürlich mehr als komischer Selbstzweck, erwächst aus dieser Sprachgestaltung doch eine figurenbezogene Einfachheit: im Falle der Mitmenschen einfach dumm; im Falle Alis einfach ehrlich.
Was den Film herausragend macht, ist, dass er nicht nur als böse und entlarvende Gesellschaftssatire funktioniert, sondern als Liebesdrama ebenso bewegt. In ihrer Aufrichtigkeit zueinander und ihrer rührenden Allianz gegen den Rest der Welt fungieren Emmi und Ali als strahlendes Exemplar für den Glauben an die Liebe und den Mut, sich über Konventionen hinweg zu setzen.
So ergeben kleine Gesten in zurückhaltenden Bildkompositionen am Ende einen großen Film. Mit seinem ungewöhnlichen Inszenierungsstil, seiner ästhetischen Schlichtheit und emotionalen Direktheit gehört "Angst essen Seele auf" zum Stärksten, was das Deutsche Kino in den 70er Jahren und bis heute hervorgebracht hat.
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Le Samourai 2012/01/10 22:52:52
Antwort löschenFinde ich zwar alles ganz und gar nicht (Wenders und vor allem Herzog sind da weitaus stärker gewesen), aber trotzdem schön geschrieben! Kommt morgen in den Klub der Söhne Blog! :)
Roco De Long 2012/01/11 18:12:18
Antwort löschenDeswegen ja auch "zum Stärksten", nicht etwas "das Stärkste"! Ich versuche mich ja stets in der Vermeidung von Superlativen zur Offenhaltung etwaiger Korrekturen.
Wobei unsere Stile da unterschiedlich sein dürften, da doch eine relativ hohe Anzahl deiner Texte die Zusätze "...aller Zeiten" oder "...der Filmgeschichte" trägt :)
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Le Samourai 2012/01/11 18:17:37
Antwort löschenhehe, aber immer mit einem "vermutlich" oder "wohl" versehen! :)
AASFRESSER 2012/01/19 20:53:45
Antwort löschenHaste schön geschrieben und im Gegensatz vom Samurai stimme ich auch zu... diese spröde Ästhetik ist zwar heute antiquiert, aber gerade dieser antike Blick (...durch die Türrahmen, zB beim Hochzeitsmahl) ist fantastisch, und die geschichte ist "stark" - sowas erlebt man eigentlich nur im Film, in einem guten, ausgezeichneten Film - für mich zehn Punkte
danseuse de rêve 2012/01/08 23:03:47
Kommentar löschen"Angst essen Seele auf" regt zum Nachdenken darüber an, wie man sich selbst gegenüber "Fremden" verhält. Ein kleines Manko für den Zuschauer ist das Alter des Filmes: Viele Situationen wirken überzeichnet, die gesellschaftliche Situation hat sich mittlerweile gewandelt.
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AASFRESSER 2012/01/19 20:55:30
Antwort löschenDas ist gerade der Vorteil, das Antike... es führt uns nämlich zurück auf nackte Empfindungen und Gedanken, hier bloßgestellt - es hilft der Behebung von Migrantenproblematik im Ansatz weit mehr als beispielsweise "Gegen die Wand"...
Le Samourai 2012/01/07 18:42:22
Kommentar löschenANGST ESSEN SEELE AUF - der wohl tollste Titel der deutschen Filmgeschichte. Der tollste Film allerdings bei Weitem nicht.
Fassbinders Absichten sind sicherlich nachvollziehbar und respektabel; die stimmige, trostlose Inszenierung mag sogar über weiteste Strecken zu überzeugen und rettet den Film vor der Bedeutungslosigkeit, täuscht aber nicht über sein größtes Problem hinweg: das Drehbuch. Zum Abwinken klischeebeladen, weltfremd und schlicht hölzern. Jeder einzelne Charakter ist übertrieben, zu eindeutig, nicht ambivalent genug. Der Großteil der Dialoge ist unfassbar hölzern und von einem relativ talentfreien Ensemble (mit Ausnahme von Brigitte Mira) unüberzeugend vorgetragen, sodass ich leider des Öfteren das Gefühl hatte, in einem Laientheater einer deutschen Kleinstadt zu sitzen. Höhepunkt dessen ist die Zusammenkunft im Wohnzimmer mit den beiden Söhnen und der Tochter ("Jetzt musst du vergessen, dass du Kinder hast! ich will mit einer Hure nichts mehr zu tun haben!"). Total daneben.
Das Prädikat "sehenswert" hat der Film alleine der stilsicheren Inszenierung Fassbinders zu verdanken, dessen beobachtende, ruhige Kamera mir sicherlich am stärksten in Erinnerung bleiben wird.
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BigDi 2012/01/07 18:51:02
Antwort löschen"Übertrieben", kann man das denn heute so genau wissen? Ich sehe schon, du hattest Glück, solchen Menschen nicht im echten Leben begegnet worden zu sein...
Le Samourai 2012/01/07 18:54:36
Antwort löschenÜbertrieben einseitig. Der urbayrische, rassistische Verkäufer. Die gelangweilten, vorurteilsbehafteten Nachbarinnen. Die vorurteilsbehafteten Putzkolleginnen. Ali, der Vorzeigearaber. Der asoziale, rassistische Ehemann Emmis' Tochter. Usw usw...
Le Samourai 2012/01/07 18:56:13
Antwort löschenKlar gibt es so Menschen. Aber es war einfach zu viel des Guten, zu konstruiert. Dazu noch schlecht geschrieben und gespielt.
Roco De Long 2012/01/07 19:30:21
Antwort löschenDann muss ich meinen Text über den Film, der seit längerem unfertig auf dem Desktop liegt, wohl mal zum KdS-Ausgleich nachreichen :)
Für mich einer der besten deutschen Filme überhaupt. Natürlich ist das alles überspitzt! Es ist ja auch vielmehr eine bitterböse Satire, kein realistische Story. Aber wie BigDi schon anmerkt: so unrealistisch ist es ganz und gar nicht, wenn man bedenkt, was derartige Menschen - damals wie heute - wirklich denken.
(Hatte den Text vorher nicht ausgeklappt, deswegen der Brigitte Mira Edit)
Le Samourai 2012/01/07 19:30:42
Antwort löschenHehe, Roco meldet sich zu Wort, sehr schön! :) Wenn du genau lesen würdest, bildet Brigitte Mira die Ausnahme des schlechten Ensembles. Sie ist gut. Aber der Rest ist ja wohl wirklich zu hölzern und unüberzeugend.
Kannst den Text gerne posten, wird mal wieder Zeit für ein KdS-Battle!
Aber "einer der besten deutschen Filme überhaupt"? Sicherlich nicht! Nicht mal Top 10. Und dabei hab ich nur geschätzte 20 gesehen :)
Le Samourai 2012/01/07 19:31:49
Antwort löschenAh, ok. Zu spät ;)
BigDi 2012/01/07 19:49:00
Antwort löschenEinseitig, stimmt. Aber Fassbinder ging es wohl kaum um ein hochpräzises Gesellschaftsmodell mit Pros und Kons auf allen Seiten, sondern mehr um eine (bestimmt nicht unberechtigte) Anklage. In dieser Hinsicht halte ich persönlich die Figuren für zweckmäßig sehr gelungen.
Was Darsteller und Dialoge angeht, so mochte ich auch beides, bin aber auch ziemlicher RWF-Fanboy. ;) Aber die anderen Fassis, die ich geschaut habe, gefallen mir generell auch einen Ticken besser. Vor allem, weil sie durch ihren Sarkasmus indirekt noch bösartiger wirken und auch sind...
Roco De Long 2012/01/07 20:05:27
Antwort löschenDem Besitzer eines Beamers kann und will ich nicht widersprechen.
Le Samourai 2012/01/07 20:16:47
Antwort löschenHm, also die Dialoge gingen wirklich nicht klar! Nicht meine Art von Film/ Schauspiel. Aber ich geb' ihm noch ne Chance, denn jetzt kommen noch WELT AM DRAHT und FAUSTRECHT DER FREIHEIT dran. Speziell von ersterem erwarte ich einiges... ;)
Roco De Long 2012/01/07 20:27:29
Antwort löschenEy, nicht so schnell! Lass mal zusammen mehr deutsche Filme aufarbeiten demnächst. Meine Lücken sind immer noch viel zu groß.
BigDi 2012/01/07 20:52:48
Antwort löschen@ Le Samurai: War das dein erster Fassbinder? Wenn ja: Die Dialoge in seinen anderen Filmen sind definitiv witziger. ;) Siehe vor allem "Satansbraten": "Siest du die Pistole? Damit kann man schießen." - "Fliegen schießen?" - "Nein, Fliegen sollst du ficken, nicht schießen."
"Welt am Draht" ist natürlich großartig, lass dich vom mE etwas langatmigen Beginn nicht abschrecken, das entwickelt sich so krass zum Schluss...hach. *____*
Le Samourai 2012/01/07 21:04:08
Antwort löschenEi klar Roco, morgen Welt am Draht!? Dann können wir auch mal das Musikvideo besprechen und du könntest meine Gewürze mitbringen :)
@ BigDi: Jep, war mein erster! Hab aber wie gesagt vor, die Wichtigsten zu schauen. Auf Welt am Draht hab ich am meisten Lust!
BigDi 2012/01/07 21:17:02
Antwort löschenViele sagen zwar, dass "Angst..." der beste Einstieg wäre, finde ich persönlich nicht unbedingt, da diesem wirklich zu oft der typische Fassbinder-Witz fehlt.
"Welt am Draht" dürfte dir mehr gefallen - man gewöhnt sich mit der Zeit zudem an den (eigentlich superben ^^) stil. Die BRD-Trilogie ist auch keinesfalls zu missen, bin mir da sehr sicher, dass du Gefallen daran finden wirst. ("Ich bin Reporter, ich habe keine eigene Meinung!" etc.) ;)
Le Samourai 2012/01/07 21:19:33
Antwort löschen"Welt am Draht" gefällt mir bestimmt. BRD-Trilogie kommt auch dran! Wie gesagt, sein Stil, seine Art zu inszenieren sagt mir auf jeden Fall zu. Mich haben bei "Angst" halt vor allem das klischeehafte Drehbuch und die unzureichenden, hölzernen Darsteller gestört...
Filmsuechtiger 2012/01/07 21:45:44
Antwort löschenMit hölzernen Darstellern muss man bei Fassbinder immer leben können. Seine Filme haben andere Stärken. Tipp von mir: Warum läuft Herr R. Amok?
Filmsuechtiger 2012/01/07 21:46:48
Antwort löschenUnd wenn dir Melville und Godard zusagen unbedingt Fassbinders Debütfilm Liebe ist kälter als der Tod - mit Uli Lommel als Alain Delon-Kopie. :-)
Le Samourai 2012/01/07 22:11:27
Antwort löschenHehe, das klingt in der Tat gut! Na wie es scheint hab ich Fassbinder-Wochen vor mir!
the traveler 2012/01/08 02:10:38
Antwort löschenIch bin gespannt, wie dir "Welt am Draht" gefällt.
Le Samourai 2012/01/08 02:21:00
Antwort löschenIch auch!! :)
BigDi 2012/01/08 10:08:51
Antwort löschenalle voll im Fassbinder-Rausch hier, fein. :D
Le Samourai 2012/01/08 11:26:57
Antwort löschenNaja, "Rausch" würde ich das noch nicht nennen. Eher pflichtbewusstes Abarbeiten der deutschen Filmgeschichte :) Aber ich denke schon, dass mir "Welt am Draht" mehr zusagen wird als "Angst"...
Anoirja 2012/01/08 16:21:26
Antwort löschenNach "Welt am Draht" gleich mit "Die dritte Generation" fortfahren. ;)
Le Samourai 2012/01/08 16:28:18
Antwort löschenAhhh, hört mal auf!! :)
BigDi 2012/01/08 17:00:11
Antwort löschenNicht bevor du dich zu Gott Fassbinder bekennst, du Heide! :P
Le Samourai 2012/01/08 17:43:17
Antwort löschenNeeneenee, glaub nicht dass das passieren wird. Wenn schon deutsches Nachkriegskino, dann Herzog und Wenders! ;)
Joe Gillis 2012/01/08 22:49:31
Antwort löschenDie BRD-Trilogie und »Lili Marleen« dürften Dir auch gefallen. (Wage ich mal zu prognostizieren.)
AASFRESSER 2012/01/19 21:00:59
Antwort löschenIch denke auch, du irrst, ich denke auch, du bist keine Theater-Kenner: Schade. Diese Reduzierung auf das Blanke, dir banal Erscheinende (du sagst "hölzern" - nicht zu unrecht) - das gerade ist die Stätke Fassbinders in diesem Film und anderen. Hölzern, das ist es doch genau, was die Nachbarn, die eigenen Kinder, den Kämer (herrlich gespielt!!!) "auszeichnet"! Dieses spröde, realistische, unlyrische, das kalte, Herzlose, übertrieben Triste - gerade das ist fassbinders Sicht, das ist das Gute am Film
Le Samourai 2012/01/19 21:08:43
Antwort löschenNa und für mich halt das Schlechte. Mit hölzern meine ich auch nicht nur das (mittelmäßige) Schauspiel, sondern auch die Dialoge, das Script. So redet kein Mensch. Eigentlich schade, denn die Intention ist sicherlich aller Ehren wert und kameratechnisch ist das Ding exzellent.
AASFRESSER 2012/01/19 21:35:26
Antwort löschenneee, das "Hölzerne" ist in Wirklichkeit Theatertext - in gute Brechtscher, später Müllerscher Diktion, es reduziert eben auf den kern der Aussage, besonders krass finde ich dabei die Szene, wo die Kinder mit Eliis Eheabsichten konfrontiert werden. Da wird gerade durch die schnöde Schroffheit der Aussagen die Stärke der Emotionen - gefühllos - dargestellt, das ist meisterlich. Wenn du das (inhaltlich) mit den Dialogen von Unterhaltungsserien a la "Der Doktor Arschgesicht und die klinik XY" vergleichst, dann musst du anerkennen, dass hier effektiv schwerer Inhalt projiziert wird...
Le Samourai 2012/01/19 21:44:26
Antwort löschenGerade das ist für mich die unglaubwürdigste, schwächste Szene. :)
Mit Unterhaltungsquatsch-Serien vergleichen geht gar nicht, die sind auf ganz andere (natürlich viel primitivere und schlechtere Weise) unglaubwürdig. Ich tu' mich immer schwer mit theaterhaften Filmen. Das passt irgendwie nicht. Ich liebe Theater, ich liebe Brecht, ich liebe Film. Aber alles zusammen geht irgendwie nicht klar. Deswegen konnte ich auch dem neuen Polanski (Carnage) nicht viel abgewinnen...
AASFRESSER 2012/01/19 22:12:35
Antwort löschenWenn du Brecht magst, dann musst die das Simple seiner Aussage mögen: Erst kommt das Fressen, dann die Moral... / Die Szene ist nicht unglaubwüridig, wenn man sie nicht als "realistisch" begreifen will. Sie ist symbolisch, der Film ist doch glasklar eine Parabel, überzeichnet um in 90 Minuten zu zeigen, was in 25 Jahren nach dem WK II alles noch nicht funktioniert hat...
Apropos theater: Bis 2012 wird hoffentlich der einzige Vaclav-Havel-Film synchronisiert sein, das ist dann ganz starker Tobak!
Alle 33 Antworten zeigen
Joe Gillis 2012/01/20 00:57:53
Antwort löschenEntschuldige, Samourai, aber »So redet kein Mensch« ist ja nun wirklich ein äußerst schwaches Argument. Eine nachgesprochene Mitschrift realer Wortwechsel wird sich wohl keiner auf der Leinwand wünschen, und auch Deine Lieblingsfilme befleißigen sich ausgefeilter, geschriebener Dialoge – oder redet Don Corleone etwa wie Dein Patenonkel? ;)
Le Samourai 2012/01/20 01:32:31
Antwort löschen:D Wenn du wüßtest, wie mein Patenonkel redet... Nein Quatsch, generell finde ich Fassbinders Dialoge nun mal einfach etwas zu hölzern, und speziell die Szene, wo sie ihren Söhnen von der Eheschließung erzählt, war für mich befremdlich und einfach nicht überzeugend. So würde niemand im normalen Sprachgebrauch reden. Absicht/ Symbolik hin oder her. Da gefällt mir jeder Padrino-Monolog hundertmal besser!
Und jetzt lasst doch mal gut sein, es ist ja ein guter Film, verdammt noch mal. :)
David "Noodles" Aaronson 2011/12/16 07:21:18
Kommentar löschenEines von vielen großen Werken des Rainer Werner F. Der Höhepunkt seiner Douglas Sirk Phase, einfühlsam, fordernd und immer den Finger auf die offene Wunde gelegt. Im Gesamtwerk nimmt der Film nicht nur die “obligatorische Abrechnung“ mit Rassismus ein, sondern fügt sich nahtlos in ein Oeuvre, bestehend aus Außenseitertum, Abgrenzungen und Trotzigkeit, ein.
Die dunklen Schatten einer Gesellschaft, in der aber auch gar keiner wirklich gesellig sein will, breiten sich über die Hauptdarsteller Emmi und Ali gnadenlos aus. Beinahe unfassbare Szenen der Anfeindung finden durch die melodramatische Struktur direkten Anklang im Kopf und (wie soll ich’s anders ausdrücken?) im Herzen des Betrachters. Ja genau, die Leute stehen auch heute noch hinter den Fenstern, um zu gaffen, zu tratschen und was weiß ich nicht noch alles.
Das berüchtigte noch oben ducken aber nach unten treten wird mustergültig vorgeführt. Gott sei’s Gedankt dass auf der Gesellschaftsleiter immer noch Menschen unter einem selbst stehen! Den „unteren“ muss nicht einmal mit jener glasigen Höfflichkeit begegnet werden, die sowieso nur für die besser akzentuierten reserviert ist. Und jeder sollte sich selbst fragen, ob er die Definition seines eigenen Ich’s nicht hauptsächlich über aus- und abgrenzungen vollzieht. Die Beantwortung jener Frage würde die meisten, bei genauerer Selbstbetrachtung, sicher erschrecken (nehme mich da nicht aus). Gelebtes Motto: Ich und Wir das sind nicht die anderen!
In unseren filmischen Fall kommt noch eine widerliche Form der Ausländerfeindlichkeit dazu. Doch wie Frau Lorenz im Bonusmaterial sicher richtig bemerkte, ist schon das Wort Ausländer ein Unding an sich, welches, neben seiner Verwaltungstechnischen Gebräuchlichkeit, bei nicht wenigen genau die Knöpfe und Schalter betätigt die oben genannte Ansichten in Gang setzen und/oder vervollständigen. Allerdings hätte es nahezu jeden - anderen eben - treffen können, das wird beim betrachten des Filmes mehr als deutlich, und darin liegt auch eine seiner großen stärken.
In dieser Form Ist „Angst essen Seele auf“ für mich der bedeutendste Film, nicht nur von Fassbinder, sondern auch des gesamten neuen deutschen Films. Somit auch einer der besten Filme der je gemacht wurde.
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Puni 2011/11/02 14:58:19
Kommentar löschenMein erster Ausflug in die Welt des Rainer Werner Fassbinders, und dann gleich so eine Wucht. Der Film beschreibt den Zeitgeist von damals so authentisch, dass es einem fast schon Angst macht - egal ob Arbeiter, Nachbarn, Vermieter oder Ladenbesitzer - zwar kommt in hin und wieder der Verdacht auf, dass Fassbinder sich in Klischees verirrt, aber aufgrund der Glaubwürdigkeit kauf ich ihm wirklich jede Rolle ab. Es ist ebenso bemerkenswert, was der Film für eine Atmosphäre schafft - man könnte meinen, es handelt sich nicht um die Nachkriegs-, sondern um die Vorkriegszeit, in der der Antisemitismus auf die Deutschen übergriff, und es braucht nur noch einen Funken bis zur Explosion. Auch fährt der Film keine völlig klare Linie, wie man sie am Anfang vielleicht vermutet hätte. "Ali" ist auch nur Mensch und kein reines Opfer der Gesellschaft und der Fremdenfeindlichkeit, Emmi auch nicht nur die total liebenswerte, hingebungsvolle Ehefrau - Fassbinders Aussage wurde für mich aufgrund dessen auch nicht zu hundert Prozent klar, aber das macht vielleicht auch gerade den Reiz aus.
All das und die Inszenierung, die seines gleichen sucht, runden das Gesamtpaket so stark ab, dass man für 90 Minuten ohne einen Anflug von Langeweile dieser tollen, kleinen Geschichte folgt. Von Fassbinder muss ich noch viel mehr sehen.
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Florian Albrecht 2011/11/02 17:31:04
Antwort löschenwillkommen in der Welt Rainer Werner Fassbinders
Jack_Torrance 2011/11/20 13:48:04
Antwort löschenEmpfehle "Die Ehe der Maria Braun"...
neenchen 2011/10/09 18:40:31
Kommentar löschenEin interessanter Film, der sich mit dem Rassismus in Deutschland in den 70er Jahren beschäftigt. Der Film besitzt eine aufklärende Wirkung und versucht die Vorurteile dieser Zeit zu bekämpfen. Die Darsteller spielen ihre Rollen gut und das triste Leben ist gut in hässlichen, grauen Bildern eingefangen. Das Unverständnis, was die Hauptdarstellerin Emmi empfindet, wird gut vermittelt. Vor allem die drei anderen Putzfrauen sind das Paradebeispiel für deutsche (heute noch genauso existierende) Intoleranz.
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AASFRESSER 2012/01/19 21:09:37
Antwort löschenIch glaube, dass diese "deutsche" Intoleranz eben nicht mehr dieselbe ist, ich habe eine zeit in der Ukraine gelebt und lebe jetzt schon lange in Tschechien... ich glaube, das in punkto tumber Fremdenfeindlichkeit, Xenophobie etc. die deutschen wirklich eine Menge gelernt haben - im Vergleich zu jenen Nationen... /vergleichbare themen oder Filme in einer vergleichbaren zeit gibt es in beiden Gesellschaften nicht. Es ist ein, wenn nicht DAS Verdienst Fassbinders, menschliche Primitivität und Herzlosigkeit so zu zeigen, wie er es u.a. hier tut.
veseria 2011/01/12 23:54:19
Kommentar löschenWirklich ein guter Film und dann auch noch aus Deutschland. Ich war sehr positiv überrascht das der Film kein Overacting hat obwohl er so alt ist!
Und wenn man überlegt wie alt der Film ist, ist er doch sehr seiner Zeit vorraus und ich kann mir gut vorstellen, wie skandalös er früher gewesen sein muss.
Er zeigt aber die 100% Wahrheit. Leider hat sich nach 40 Jahren nicht viel getan und es gibt immer noch so hohe Ausländerfeindlichkeit. Zwar schon weniger als damals doch dafür gibt es jetzt die "Schwulenfeindlichkeit" die wirklich nicht so schön ist! Hoffe das es sich irgendwann so bessert, dass wirklich jeder Mensch gleiche Rechte hat. Aber 100% zum guten wenden wird es nie. Der Mensch ist einfach so!
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doc_flunder 2010/11/11 19:10:17
Kommentar löschenein weiterer völlig überschätzter fassbinder-streifen, der sich am besten mit den worten "das gegenteil von gut ist gut gemeint" zusammenfassen lässt.
natürlich hat sich rwf in "angst essen seele auf" frühzeitig und kompromisslos mit rassismus und sozialer ausgrenzung in deutschland beschäftigt - dafür gebührt ihm respekt. einen guten film hat er aber leider nicht gedreht.
abgesehen von brigitte mira (die sehr ordentlich, aber nicht überragend spielt) und el hedi ben salem (dessen akzent etwas aufgesetzt wirkt) agieren hier praktisch alle schauspieler auf bauerntheaterniveau. das drehbuch ist unausgegoren, hölzern und überladen mit klischees. streckenweise konnte ich nur mühsam einen lachanfall unterdrücken: "das hättest du nicht tun dürfen, mutter! das nicht! diese schande! jetzt musst du vergessen, dass du kinder hast! ich will mit einer hure nichts mehr zu tun haben!" - platter geht's wohl kaum. auf die uninspirierte kameraarbeit will ich jetzt gar nicht näher eingehen...
warum das hier ein großartiger klassiker sein soll, wird mir wohl auf ewig ein rätsel bleiben.
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AASFRESSER 2012/01/19 21:12:23
Antwort löschenNun, aufgrund deiner hölzernen kritik, die nicht wirklich Tiefgründigkeit erkennen lässt, kann ich dir in Bezug auf die Löpsung des für dich ewigen Rätsels wohl kaum Hoffnung machen. Aber gut, es ist halt ein Film, der polarisiert...
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doc_flunder 2012/01/20 17:59:03
Antwort löschenerst mal besten dank für dein feedback. nach so langer zeit hatte ich gar nicht mehr mit einer reaktion gerechnet. leider kann ich deine antwort überhaupt nicht nachvollziehen. 1. verstehe ich nicht, was an meiner kritik hölzern und oberflächlich sein soll. 2. ist mir unklar, inwiefern eine in deinen augen bessere, ausführlichere, akademischere kritik, deren ergebnis trotzdem gleich ausgefallen wäre (schwacher film), bei der auflösung des klassikerrätsels hätte helfen sollen... was mich interessiert: was macht den film für dich denn sehenswert?
AASFRESSER 2012/01/20 19:05:53
Antwort löschenDer Film reduziert sehr stark, zeichnet schwarz-weiss (wobei beide Farben nicht endgültig sind), er reduziert sprachlich, er reduziert seine Bilder, er reduziert die Emotionen - er macht ein sehr komplexes und vielschichtiges Thema griffig und durchschaubar. Er scheint den Finger mehr in die Wunde zu stecken, als es notwendig sein sollte, er überzeichnet. Daran muss man sich gewöhnen und das verlangt einem auch etwas ab. Wer Brecht und Müller gewöhnt ist, hat damit aber wohl kaum Probleme. Denn was alles bei dieser Reduzierung auch herabfällt, - für dich offensichtlich ein Problem -, es bleibt eins stehen. Die Aussage. Die besteht meines Erachtens in der Primitivität der Menschen, wenn es darum geht, ihr Revier abzustecken, niemanden hereinzulassen, sein eigenes Reich mit seiner eigenen Wahrheit abzustecken, auch wenn es noch so unzulänglich sein sollte. Es zeigt die Erbärmlichkeit unseres Denkens - schonungslos, nicht realistisch, sondern symbolhaft. Wenn man diese Voraussetzung akzeptiert, dann ist auch das Argument, der Film sei schlecht gespielt, hinweg. Wir dürfen den Film natürlich nicht mit den Augen sehen, der an The Social Network gewöhnt ist, bzw. dies oder The King's Speech als das Nonplusultra ausmachen will... Es ist ein Film aus einer anderen Epoche. Übrigens bin ich auch nicht der ganz grosse Fassbinder-Fan, ich halte diesen Film für seinen mit gewissem Vorsprung für seinen besten...
baser 2010/05/03 21:12:08
Kommentar löschenDie schwächere Variante von "Der Händler der vier Jahreszeiten"
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maslobojew 2009/12/30 22:32:30
Kommentar löschenAngst essen Seele auf findet fernab vom Klischeekino statt, und zeigt sämtliche Figuren in ihren Mustern verstrickt. Wenn sie sich emotional in besonderen Situationen befinden, scheint es so, als könnten sie ausbrechen und auch mal das für sie Ungewöhnliche tun, aber sobald das Leben wieder in eingeschliffenen Bahnen verläuft, müssen sie mit ihren wieder hochgekommenen Gewohnheiten kämpfen und sind wieder nur ganz sie selbst, oder was die Umstände aus ihnen von je her gemacht haben.
Depimierend fand ich den Film nie, aber er taugt natürlich wenig, um sich selbst als Zuschauer vom Alltag abzulenken, auch nicht auf der "Das-hat-mich-(angenehm)-aufgerüttelt-Schiene". Dafür fordert der Film von vielen Zuschauern wahrscheinlich ab, selbst Abschied von (Seh-)gewohnheiten zu nehmen. Das mal für diese 90 Minuten zu versuchen, lohnt sich alle mal.
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moep0r 2009/12/10 19:28:38
Kommentar löschenSehr schwermuetiges Drama um eine alte Dame, die sich in Zeiten der Fremdenfeindlichkeit einen Marokkaner verliebt und ihn heiratet. Sehenswerter Klassiker.
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Kubrick_obscura 2008/06/08 02:17:24
Kommentar löschenToller Deprifilm!
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fisfra 2008/03/24 18:21:16
Kommentar löschenEine der anrührendsten "Lovestorys" aller Zeiten mit der großartigen Brigitte Mira in einer ihrer besten Rollen: ein Film für die Insel!
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tom-01 2008/03/10 16:21:30
Kommentar löschenFür mich der beste Fassbinder mit einer "Dame vom Grill" die alles an die Wand spielt. Respekt Brigitte!
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cinandré 2007/12/02 23:34:22
Kommentar löschenObwohl bestimmt parteilich läßt sich Fassbinder nicht dazu hinreißen, die Welt in Gut und Böse einzuteilen. Dies wird z.B. deutlich als auch 'Emmi' sich in vorurteilsbeladenen Reaktionen zu verlieren droht.
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Somima 2007/11/01 21:19:34
Kommentar löschenWunderbar gespielt und zu Herzen gehend - hat mich sehr beeindruckt
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käfer11 2007/05/19 19:48:04
Kommentar löschenSehr bewegende Geschichte mit einer unvergesslichen B. Mira
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