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Angst essen Seele auf

Angst essen Seele auf (1974), DE Laufzeit 93 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 05.03.1974


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7.8
Kritiker
23 Bewertungen
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7.3
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1191 Bewertungen
37 Kommentare
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von Rainer Werner Fassbinder, mit Brigitte Mira und El Hedi ben Salem

Emmi (Brigitte Mira) ist um die 60, Witwe und verdient ihr Geld als Putzfrau. Ihr eintöniger Alltag endet abrupt, als sie sich in den 20 Jahre jüngeren marokkanischen Gastarbeiter Ali (El Hedi ben Salem) verliebt. Ihre Heirat wird zum Skandal und das Paar bekommt die Ablehnung seiner Umwelt in voller Härte zu spüren: Emmis erwachsene Kinder schämen sich ihrer Mutter, die Nachbarn tuscheln, die Arbeitskollegen verachten sie und der Kolonialwarenhändler weist Emmi sogar aus dem Laden. Doch die junge Ehe wird nicht nur von außen bedroht. Die innere Krise wird deutlich, als Ali ein Verhältnis mit einer Kellnerin beginnt.

Mit Angst essen Seele auf führt Rainer Werner Fassbinder seine Adaptionen von Douglas Sirk -Filmen fort. Die Übertragung der Hollywood-Melodramatik Sirks auf das deutsche Kleinbürgertum in Kombination mit der stilistischen Inszenierung Fassbinders, schuf etwas völlig Neues. Der Film trug entscheidend zum Durchbruch des Neuen Deutschen Films im Ausland bei.

(Quelle: OMDB)


Cast & Crew

Regie
Schauspieler

Kritiken (7) — Film: Angst essen Seele auf

SoulReaver: CinemaForever, D3M

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8.0Ausgezeichnet

[...] Das „Fremde“ und „Unbekannte“ will jedoch nicht akzeptiert werden und wenn Ali doch ein Lächeln geschenkt wird, dann nur aus eigendienlichen Gründen. Fassbinder entblättert die kleinbürgerliche Rassendiskriminierung, alles erscheint grau und kalt, doch die zweisame Schönheit, gefangen in der äußeren Hässlichkeit, wird zunehmend erdrückt von den eigenen Ängsten und Veränderungen erweisen sich nicht immer als Verbesserungen, sondern offenbaren neue, persönliche Probleme. "Angst essen Seele auf" ist ein einfühlsames, zeitloses und deshalb erschreckendes Drama der wichtigsten Sorte. [...]

Kritik im Original 17 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

JackoXL: Die Drei Muscheln

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8.0Ausgezeichnet

Inhaltlich ist Fassbinder ein wirklich zeitloser Film gelungen. Vorurteile, Spießbürgertum, die kultivierte Höflichkeit endet spätestens dann, wenn "der Fremde" Einzug in den eigenen Wohlfühlkreis hält. Die Aussage des Film hat nichts an Wirkung verloren und wird sie trauriger Weise wohl auch nie. Wenn der fremdländische Kerl mir das Essen serviert oder das Klo repariert ist das in Ordnung, wenn er in mein Haus einzieht, in meinem Laden einkaufen will oder am aller schlimmsten, plötzlich ein Familienmitglied ist, hört die "Toleranz" aber ganz schnell auf. Das zeigt Fassbinder glasklar und sehr deutlich, fast schon überdeutlich. Es wirkt wie eine krasse Überzeichnung der Realität, bei der Figurenzeichnung und deren Darstellern. Im realen Leben wäre das in der Quintessenz genau so, in seiner Präsentation wirkt das etwas statisch und künstlich. Vielleicht soll diese Überzeichnung das Problem bei den Hinterläufen packen und wach rütteln, dem Leben einen Spiegel vorhalten, der ein vereinfachtes, aber im Kern wahres Bild wiedergibt. Nicht nur vielleicht, sogar sehr wahrscheinlich.

Unbestreitbar großartig ist Brigitte Mira, grandiose Leistung. Gerade weil ihre Figur als wohl einzige nicht so künstlich und klischeehaft wirkt, sondern so echt, einsam und bedauernswert, dass man wahnsinnig mit ihr mitleiden kann. Wenn sie eingeschüchtert "ein Cola" bestellt, dabei nur mit spöttischen Blick belächelt wird, sich aber nur nach etwas Zuneigung sehnt. Diese bekommt sie, aber für einen hohen Preis und mit der Ernüchterung versehen, das auch Selbstaufopferung nicht zwangsläufig mit Treue belohnt wird. Das sind die Momente, die "Angst essen Seele auf" ganz groß machen.

21 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 4 Antworten

Kamell

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Wenn ich mich recht erinnere, war einer der fünf Ehemänner Brigitte Miras tatsächlich Ausländer und sie hat auf einem Filmfestival darüber gesprochen, dass ihr die Rolle so lag, weil sie manche Szenen 1:1 erlebt hat. Fassbinder hat sich das zunutzen gemacht - vieles ist als gar nicht übertrieben (leider).


SKURRIL

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Ich habe zwar nicht in den 70ern gelebt, aber ich glaube nicht, dass Fassbinder die Charaktere überzeichnet, da ich alle Darstellungen, Dialoge sehr realistisch finde. Es hat sich zwar vieles verändert, aber dennoch oft nur aus ökonomischen Zwecken. Deswegen sind die Szenen nach Rückkehr aus dem Urlaub meiner Meinung nach die besten, allen voran die des Ladenbesitzers, dessen aufgesetzte Höflichkeit die zwischenmenschlichen, profitambitionierten Beziehungen perfekt erklärt.


Hitmanski: It's just a film, Reihe Sie...

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9.0Herausragend

[...] In schmucklos-tristen Bildern seziert der Film (dessen Arbeitstitel „Alle Türken heißen Ali“ fast noch besser gepasst hätte) dabei nicht weniger als den deutschen Kleingeist und die Probleme eines Zuwanderungslandes, das mental noch immer auf Abschottung zu setzen scheint. Der Blick von Fassbinder, der sich selbst in der Bürgergesellschaft, die ihn umgab, nie wirklich wohl fühlte, ist ein pessimistischer; auch, oder gerade weil eine ungleiche Romanze als Aufhänger seiner Geschichte dient. Die Liaison von deutscher Putzfrau und marokkanischen Gastarbeiter (großartig: Brigitte Mira und El Hedi ben Salem) ist bei ihm kein Hort der Wärme, sondern eine aus der Not geborene Zweckgemeinschaft zweier einsamer Seelen, und selbst das schlussendliche Zusammenfinden scheint eher auf Gewöhnung den Liebe zu fußen, und steht unter keinem guten Stern.[...]

Kritik im Original 32 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

doctorgonzo

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Vielleicht etwas zu gnädig, weil er mich zwischenzeitlich doch gern mal sehnsüchtig an der Uhr drehen ließ. Vom Umgang mit der Thematik her aber zweifellos ein großer Film.


Hitmanski

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Ich würde ihn zwar auch nicht unbedingt als "kurzweilig" bezeichnen, aber auf seine Art und Weise fand ich schon durchweg "unterhaltend".


Anj S: Mann beisst Film

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7.0Sehenswert

Auffällig ist die wenig pompöse Darstellung im Film, der zudem keinerlei musikalische Szenenuntermalung aufweist. Sicher ist dies ein Stilmittel, um nicht von den wahren Handlung und den Dialogen abzulenken, was sehr gut zu „Angst essen Seele auf“ passen zu scheint, denn immerhin geht es hierbei um eine ernste und reale Problematik, der es keiner künstlichen Untermalung bedarf, um erschreckend zu sein und nachdenklich zu stimmen.

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Flibbo: Wie ist der Film?

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7.0Sehenswert

Ein Meer von Blicken – bohrende Blicke – ist nahezu alles, wovon sich Rainer Werner Fassbinder in „Angst essen Seele auf“ bedient, um ein Liebesdrama zu bebildern. So gewinnt der Film auf eine ganz eigene Art viel Kraft, obwohl er zu direkt ist um wirklich authentisch zu wirken und obwohl er so minimalistisch daherkommt, dass er beinahe langatmig ist. [...]

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Kubrick_obscura: CinemaForever, arte

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8.0Ausgezeichnet

Toller Deprifilm!

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Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde

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5.0Geht so

Ja es ist ein wichtiger Film, der eine wichtige Thematik behandelt und für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich war. Und ja Biggi Mira spielt gut. Dennoch hat der Film für mich in seiner freudlosen Art wenig Unterhaltungswert und ist ein gutes Beispiel für das was in den 80ern gern despektierlich als "Deprifilm" bezeichnet wurde.

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Kommentare (30) — Film: Angst essen Seele auf


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Cinepheel

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Bewertung6.5Ganz gut

Schnitt: straff. Dramaturgie: stark. Dialog: fürchterlich. Charakterzeichnung: schwach.

Hätte mir mehr erwartet. Als Kind fand ich ihn besser.

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Cinepheel

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@Bob Loblaw:
Hab per se nichts gegen die Stelle. Ich find sie aber nicht wichtig. In dem Film gibt es genug Momente, in denen Emmi Ali die Bedeutung eines Ausdrucks erklärt.
Zum Punkt mit dem Kindsein: Ich denke, man lässt sich als Kind schneller von einem Film beeindrucken, weil der Bildungsstand noch gering ist und die entsprechenden Vergleichsmöglichkeiten fehlen. An eine Reinheit der Seele, die im Laufe der Zeit verlorengegangen ist, glaube ich in meinem Fall nicht.


lieber_tee

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Diesen Punkt finde ich interessant. Als Kind werden Filme unvoreingenommener aber auch weniger (anders) kritisch gesehen, da Vergleiche weniger möglich sind, der Reiz des Neuen stärker wirkt, überwiegt. Später dann wird das Seherlebnis zunehmen mit vorhanden Filmerfahrungen verglichen und die Filme kritischer betrachtet, der Reiz des unschuldig Neuem geht verloren, wird mit dem Kritisch-Vergleichendem ersetzt. Natürlich nicht bei allen Menschen, da spielt das Bildungsniveau eine zentrale Rolle.
Aber ich glaube das habt ihr beide so oder so ähnlich gemeint.


jacker

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Nix Viel denken gut. Aber viel denken, viel weinen."

Bloß nicht immer wieder nach dem warum fragen, denn eine sinnvolle Antwort gibt es nicht. Nach Resignation folgt Abschottung und schweigende Akzeptanz für unmenschliche Verhältnisse. Den Sinn im Wahnsinn zu suchen, führt unweigerlich zu selbigem, also wird geschluckt und ertragen.

"Keine Angst, Angst nix gut."

Was führt zu Fremdenhass?
Nicht Fakten, denn Fakten die so etwas rechtfertigen existieren nicht.
Nicht Wahrheiten, denn die Wahrheit ist nun mal, dass wir alle die selben sind, egal ob wir Schweinebraten oder Couscous Essen, egal was unsere Muttersprache ist uns egal ob wir hell oder dunkel sind.
Der Grund ist Angst.
Angst vor dem Unbekannten, was allein durch seine Natur als Bedrohung auf den sicheren, lang etablierten Lebensraum empfunden wird. Angst vor Veränderung, obwohl doch alles oberflächlich so gut scheint. Angst davor, den vertrauten Horizont hinter sich zu lassen und außerhalb der eigenen Festungsmauern hilflos ausgeliefert zu sein.

"Die waschen sich nicht. Und hausen wie die Tiere"

Und wie hält man sich die 'Bedrohung' vom Leibe?
Am einfachsten ist es wohl schnell die Fronten zu klären, sich selbst auf der hierarchischen Leiter des Lebens weiter oben zu positionieren, sich selbst einzureden, dass man diesem fremden Gesindel überlegen ist. Wer immer energisch schimpft und die Nase rümpft, hat keine Zeit sich der Falschheit seiner vorschnellen, an den Haaren herbeigezogenen Verurteilungen bewusst zu werden. Angriff ist die beste Verteidigung, kritische Nachfragen müssen einfach nur lauter überschrien werden. Gleichgesinnte suchen und Flagge zeigen.

"Und was er für schöne Muskeln hat. Zeig mal Ali!"

Wie lang kann ein 'Querdenker' dem gesellschaftlichen Druck standhalten, bevor er einknickt?
Was braucht man zu Leben?
Wie hoch ist die Gefahr, ohne es zu merken in Muster zu verfallen, die man vormals verurteilt hat?

Alles Fragen, denen Rainer Werner Fassbinder in ANGST ESSEN SEELE AUF - dem Film mit dem wohl best-gewähltesten Titel überhaupt - auf sehr direkte Art auf den Grund geht. Gesellschaftliche Phänomene, die tiefe Verankerung von beängtigenden Vorurteilen in der Menge der Bevölkerung, auf einen Mikrokosmos an Menschen heruntergeschrumpft. Nicht umsonst sind die Straßen in Fassbinders Film leer, nicht umsonst sitzt ausser den Figuren seiner Geschichte nie jemand in der Pinte. Völlige Leere und Verlorenheit, durch diese stilistischen Entscheidungen großartig transportiert. Die Stadt eine Bühne für einen Kreis Menschen, die den Kern der Sache mehr als verdeutlichen.

"Angst essen Seele auf"

Und ohne Seele keine Menschlichkeit!

[http://weltamdraht.blogsport.de/2013/10/17/angst-essen-seele-auf-1974]

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SKURRIL

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Sehr stark! Hast es genau auf den Punkt gebracht!


jacker

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Danke, das freut mich! Geht schon nah, auch weil Brigitte Mira stark spielt. Und lässt enormes Unverständnis in einem aufsteigen...


blue1

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Wunderbares romantisches, sozialkritisches Werk Fassbinders mit dem wohl besten deutschen Filmtitel überhaupt.

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Punsha

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Bewertung9.0Herausragend

Hauptsächlich ist Rainer Werner Fassbinders Meisterwerk sicherlich als Antwort auf den naiven, deutschen Kleingeist und auf die fremdenfeindlichen Reaktionen zwei Jahre nach der Geiselnahme von München zu sehen, doch dient "Angst Essen Seele Auf" auch als eine Kritik an grundlegende veraltete Muster unserer Gesellschaft, indem hier Liebe, egal welchen Alters und egal welcher Abstammung, keinen gesellschaftlichen Normen unterliegt und das Recht haben sollte, in jeder möglichen Form, auch als einfachen Ausdruck der Verbundenheit, zu existieren. Die 60-jährige Witwe und Putzfrau Emmi hat sich in den 20 Jahre jüngeren marokkanischen Gastarbeiter Ali verliebt. Das Paar bekommt sogleich die Ablehnung ihrer Umwelt in voller Härte zu spüren. Der Marokkaner sei ein dreckiges, primitives Schwein, die Bindung sei vollkommen unanständig und würdelos. Entgegen dieser naiven Voreingenommenheit demaskiert Fassbinder die Scheinheiligkeit der Deutschen in zahlreichen Szenen, die die eigene Sittenlosigkeit untermauern oder die Gesamtheit betrachtend die Widersprüchlichkeit des Fremdenhasses aufzeigen, so zum Beispiel wenn der deutsche Ehemann seiner Frau Schläge androht, falls sie ihm kein Bier holt oder wenn in Hitlers ehemaligem Stammlokal der Stirn runzelnden Emmi ein "Aperitif" angeboten wird. Als blödsinnige Absurdität entlarvt, bleibt jedoch jene Feindseligkeit gegenüber Ausländern eine nur schwer erklärliche Größe in dieser tristen Welt, ein riesiges Fragezeichen, ein Paradoxon. Ebenso bleibt der gemeinsame Kampf zweier einsamer Menschen für Respekt und Akzeptanz ein hoffnungsloser, der Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes, und auch heute noch kann man jenes Problem längst nicht als gelöst ansehen, auch wenn bereits Fortschritte gemacht wurden und der hier dargestellte offensichtliche Rassismus meist nur noch einer der unterschwelligen Sorte ist. So ist "Angst Essen Seele Auf" nicht nur ein hell leuchtender Stern der deutschen Filmlandschaft, sondern auch ein extrem lehrreicher, Horizont erweiternder und kritischer Beitrag, der nicht nur im schulischen Lehrplan einen festen Platz einnehmen sollte.

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SKURRIL

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Da hast du Recht, dieser Film sollte Teil des Lehrplans werden, so wie viele andere auch. Super Text, gefällt mir sehr gut! :)


his_poisongirl

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Einer der besten deutschen Filme die ich jemals gesehen habe. Brigitte Mira spielt die Emmi so überzeugend, dass man sie einfach gern haben muss. Auch heute noch ist dieser Streifen topaktuell.

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AgentGuhl86

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Wieder ein überragendes Beispiel, dass nicht viel passieren muss, um Unterhaltung mit Niveau an den Mann/an die Frau zu bringen. "Angst essen Seele auf" ist ein anatomischer Blick auf eine verkommene Gesellschaft, deren herausstechendste Eigenschaften Intoleranz, Neid, Egoismus, Non-Bildung (?) und "falsche" Gruppendynamiken sind. Das ist Kern des Films und wird anhand der Ehe zwischen Ali und der von Brigitte Mira großartig verkörperten Hauptfigur dargestellt.
Ich wäre zwischendurch gerne mal ins Filmgeschehen reingerutscht um diesen dämlich-tratschenden Weibern das Maul zu stopfen, d.h. der Film ist definitiv emotional ansprechend, es sei denn man teilt die geäußerten und intoleranten Meinungen der Nebencharaktere. 8 Punkte!

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Filmkenner77

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Bewertung7.5Sehenswert

"Angst essen Seele auf" ist nicht nur Fassbinders vielleicht bekanntestes und vor allem im Ausland geschätztestes Werk, sondern auch ein Sozialdrama, das vor allem zum Zeitpunkt seiner Entstehung puren gesellschaftlichen Sprengstoff darstellte. Die Geschichte einer einfachen Putzfrau im fortgeschrittenen Alter, die sich in einen dunkelhäutigen, viel jüngeren Gastarbeiter verliebt, diesen schließlich heiratet und mit scheinbar unüberbrückbaren gesellschaftlichen Ressentiments konfrontiert wird, beeindruckt vor allem durch seine schnörkellose Klarheit, ohne jedoch jemals belehrend zu wirken. Fassbinder hält einer bigotten, von Doppelmoral und Scheinheiligkeit geprägten Gesellschaft gnadenlos den Spiegel vor, so dass der Zuschauer unweigerlich Scham und Wut verspürt.
"Angst essen Seele auf" führt den Zuschauer zurück in eine Zeit, in der Diskriminierung und Xenophobie noch wesentlich unverblümter den Alltag bestimmten. Gerade in seiner Deutlichkeit schockiert der Film heute.
Fassbinder schuf mit "Angst essen Seele auf" ein loses Remake des Sirk-Klassikers "Was der Himmel erlaubt" (1955) und setzte seinem Vorbild Douglas Sirk nach dem zwei Jahre zuvor entstandenen "Händler der vier Jahreszeiten" ein weiteres Denkmal. Ihm gelingt es nahezu perfekt, die Geschichte aus dem biederen Amerika der 50er Jahre in die deutsche Gegenwart der frühen 70er Jahre zu transportieren.
Fassbinder verbindet eine ungewöhliche Liebesgeschichte mit einer gesellschaftlich relevanten Thematik zu einer kongenialen Mischung. Durch seine karge, oftmals spröde Bildsprache schafft es Fassbinder, den Fokus einzig auf die Geschichte zu legen. Auf jegliche Ausschwückung oder Romantisierung wird gänzlich verzichtet. Ein in jeder Hinsicht starkes Plädoyer für Toleranz.

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annaberlin

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Vielleicht der beste deutsche Film überhaupt - und damit meine ich den wichtigsten. Lange habe ich mich nicht getraut, etwas zu diesem Film zu sagen, der noch nicht mal der beste Fassbinder ist. Was er aber ist, ahne ich nach dem vierten Mal heute: Ein Stück deutscher Kultur, welches unsere Gesellschaft anschiebt. Und das immer noch. Nichts aus diesem 70er Jahre-Film ist veraltet. Wenn Ali das Attentat von München erwähnt und sagt, davor sei alles besser gewesen, erinnert es stark an den 11. September. Danach haben alle behauptet, erst dann sei es schlimm für "die Ausländer" geworden, davor wäre es ja okay gewesen. Aber nein, das stimmt nicht. Die Deutschen als Volk haben noch so viel Weg vor sich, Integration kann niemals nur von einer Seite abstammen. Wir müssen ehrlich sein und sagen: Wir sind skeptisch, wir haben Angst vor "dem Ausländer". Aber: Angst essen Seelen auf, Angst darf kein Konzept für eine Gesellschaft sein und das wollen wir ja auch nicht. Wir wollen offen sein, liberal, liebenswürdig, wir wollen nichts mit Hitler und dem Dritten Reich zu tun haben, jeder von uns hat spanische Freunde, marokkanische, US-Freunde, wir sind ja ach so offen. Aber dann geht's plötzlich um die Wurst und du fragst dich: Wenn meine kleine Schwester einen Tunesier heiratet, bin ich frei von Vorbehalten? Bin ich ein offener Mensch? Ein freier Mensch? Oder sehe ich sie versklavt mit fünf Kindern in Tunesien und sie muss wie die weiße Massai fliehen zurück ins achso freie Deutschland? - Was dieser Fassbinder mir antut? Er stellt meine eigene und damit die gesellschaftliche Multikultidenke in Frage und zeigt den nur einen richtigen Ausweg: Nichtdeutsche Staatsangehörige müssen massiv gefördert werden, behördliche Angelegenheiten extrem vereinfacht und vermenschlicht werden und das Bild immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Wir sind immer noch meilenweit davon entfernt, ähnlich dem kanadischen oder amerikanischen Modell eine multinationale Gesellschaft zu sein. Ich will dorthin, meine Freunde wollen dahin - aber es funktioniert nur es durch aktives Bestreben, nicht durch passives Zuschauen.

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Titan30

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Bewertung6.5Ganz gut

Dieser film ist voller Klischees. Dieses aufgesetzte gebrochene deutsch klingt voll bescheuert. Die Schauspieler sind schlecht. Und trotzdem hatte der film Humor und dazu noch etwas fesselndes so das ich ihn die ganze Zeit gefesselt und interessiert geschaut habe.

Und dabei bin ich nur aus Langeweile beim zappen dabei hängen geblieben.

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Mr. Pink

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Bewertung7.0Sehenswert

Der Film mit dem wunderschönen Titel erzählt eine ebenso schöne, aber auch bedrückende Liebesgeschichte in einer von Hass und Intoleranz geprägten Umgebung. Die Dialoge waren mir zum Teil fast schon zu gestelzt, ansonsten ist "Angst essen Seele auf" allerdings ein gelungener Film, der durchaus nah geht, weil man sich wegen der warmen, teilnahmsvollen Inszenierung gut in die Protagonisten und deren dramatisches Schicksal versetzen kann.

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KilianPai

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Bewertung5.5Geht so

Eigentlich ein Schöner Film, doch leider viel zu vorhersehbar. Nichts an der Handlung war überraschend oder unvorhergesehen. Die Charaktere waren sofort klar und deutlich offen gelegt, der Plot simpel und nachvollziehbar. Zu seiner Zeit wahrscheinlich noch wesentlich eindrucksvoller, heute ist das Ganze etwas zu plump.

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Sinister Kid

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Bewertung9.0Herausragend

Einen Punkt Abzug für die überzeichnete Sprache Alis.

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benutzerbenutzer

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Sicherlich ist manches ziemlich gewöhnungsbedürftig an diesem für mich ersten Film von Rainer Werner Fassbinder. Das fängt bei den ungewöhnlichen Protagonisten, die weit entfernt vom heute üblichen Schönheitsideal sind, an, setzt sich in der teils grotesken Überzeichnung mancher Situationen fort und hört auch bei dem äußerst spärlichen Musikeinsatz, der jene Betroffenheit, wie sie heute im Kino häufig durch Musik suggeriert werden soll, noch nicht auf. Hat man sich aber an diese Umstände gewöhnt, erwartet den Zuschauer ein wirklich sehenswerter Film zur Frage nach dem Umgang mit Fremden in Deutschland, der sicherlich auch heute noch aktuell ist.
Zwar wirkt das Gezeigte manchmal etwas übertrieben, darin liegt aber gerade der Reiz des Films, da er so auf den ganz alltäglichen, unterschwellig bei eigentlich so ziemlich jedem vorhandenen Vorurteilen (die einem oftmals gar nicht selbst bewusst sind) aufmerksam macht und dadurch zu einer eigenständigen Aussage findet.

Was Fassbinder in den Situationen, in denen das Liebespaar besonders drastisch mit Anfeindungen konfrontiert wird, den Schauspielern in den Mund legt, ist vielleicht nicht das, was jemand im wirklichen Leben sagen würde (vor allem nicht zur eigenen Mutter), es ist aber ganz sicher das, was viele Menschen denken und heute aus Angst, in ihrer Intoleranz bloßgestellt zu werden, nicht einmal mehr aussprechen. An ihrem latent vorhandenen Rassismus ändert das allerdings herzlich wenig. Genau diese festgefahrenen Denkmuster wollte Fassbinder meines Erachtens hier anprangern, und es ist mehr als verständlich, dass er dazu durchaus drastische Mittel wählte, die Szenen teilweise verfremdete und den Zuschauer somit ständig auffodert, über das Gesehene zu reflektieren.

Zwar wird im Verlauf des Films deutlich, dass "Angst essen Seele auf" eigentlich mehr Lehrstück als die Geschichte eines Liebspaares ist, aber dennoch stört es nicht selten, dass der Film immer wieder Auslassungen in der Entwicklung der Liebe der beiden Protagonisten zugunsten seines Kernthemas vornimmt, so ist zum Beispiel die Spanne zwischen dem Kennenlernen der beiden und ihrer Heirat viel zu knapp bemessen. Und auch den Schauspielern merkt man, vermutlich aus oben genanntem Grund, etwas zu oft an, dass sie eben "nur" spielen (obwohl gerade die beiden Hauptdarsteller sehr stark sind).

Aber das sind kleine Schwächen in einem sonst starken Film, bei dem schließlich die Aussage im Vordergrund steht, und die stimmt bei "Angst essen Seele auf" ganz gewiss. Dabei verlässt sich der Film allerdings nie ganz auf diese Aussage, sondern versucht, eine eigene Geschichte zu erzählen, und entlässt das ungleiche Paar, das er dankenswerterweise nicht romantisch verklärt, sondern auch die Probleme schildert, die mit dieser ungleichen Beziehung verbunden sind, am Ende in eine ungewisse Zukunft.

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Canis Majoris

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Einer der sehr wenigen wirklich guten deutschen Filme nach 1943.

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Sinister Kid

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:-D


Canis Majoris

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Münchhausen natürlich, what else?!


Roco De Long

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Bewertung9.0Herausragend

Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte der älteren Dame Emmi (Brigitte Mira) und des deutlich jüngeren Marokkaners Ali (El Hedi ben Salem).
Inspiriert von Douglas Sirks "All That Heaven Allows" verlegt Fassbinder die Geschichte ins Deutschland der 1970er Jahre, in dem es Unterschiede in Alter und besonders Nationalität der Liebenden sind, die bei der Umwelt auf Intoleranz und Zynismus stoßen.
Nach dem großen Vorbild von Sirks Melodramen kommt der Bildsprache auch bei "Angst essen Seele auf" eine entscheidende Bedeutung zu. Ist die Mise-en-Scène bei Sirk jedoch bis ins Detail komponierter Ausdruck überbordender Leidenschaften, bestechen die Bilder von Kameramann Jürgen Jürges durch Reduktion. Die asketische Kamera bleibt dezent im Hintergrund und lenkt den Fokus somit stets auf die Geschichte dieses ungleichen Paares, das seine Liebe inmitten der Engstirnigkeit seiner Mitmenschen zu bewahren versucht.
Fassbinder beobachtet das zwischen(un)menschliche Verhalten der Spießer treffend und überzogen, fast schon satirisch. Daraus entsteht eine teils absurd wirkende Präzision der Dialoge. Alis Aussprache, aus der auch der zentrale Satz und Titel des Films hervorgeht, wirkt aus heutiger Sicht wie die sprachhistorische Parodie von gebrochenem Ausländerdeutsch. All das ist natürlich mehr als komischer Selbstzweck, erwächst aus dieser Sprachgestaltung doch eine figurenbezogene Einfachheit: im Falle der Mitmenschen einfach dumm; im Falle Alis einfach ehrlich.
Was den Film herausragend macht, ist, dass er nicht nur als böse und entlarvende Gesellschaftssatire funktioniert, sondern als Liebesdrama ebenso bewegt. In ihrer Aufrichtigkeit zueinander und ihrer rührenden Allianz gegen den Rest der Welt fungieren Emmi und Ali als strahlendes Exemplar für den Glauben an die Liebe und den Mut, sich über Konventionen hinweg zu setzen.
So ergeben kleine Gesten in zurückhaltenden Bildkompositionen am Ende einen großen Film. Mit seinem ungewöhnlichen Inszenierungsstil, seiner ästhetischen Schlichtheit und emotionalen Direktheit gehört "Angst essen Seele auf" zum Stärksten, was das Deutsche Kino in den 70er Jahren und bis heute hervorgebracht hat.

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Markbln

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Fassbinder ist auf jeden Fall der Stärkste. Was er in 37 kurzen Jahren geschaffen hat, wird Wenders in 3 Leben nicht schaffen. "Angst..." ist wie viel Fassbinderwerke hochgradig stilisiert, Fassbinders Konzept entstandt aus dem so genannten Anti-Theater, was man hier noch schön erkennnen kann. Das ist keine method acting, sollte man einfach kapiert haben.


Le Samourai

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Wenders ist der vielleicht größte Poet unter den deutschen Filmemachern, der wie kein zweiter versteht, diese schwierige Sprache zu nutzen und was schönes draus zu machen. Fassbinders Stil sagt mir da weniger zu. Der Himmel über Berlin ist (neben Fitzcarraldo und M) für mich der beste deutsche Film aller Zeiten.


danseuse de rêve

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Angst essen Seele auf" regt zum Nachdenken darüber an, wie man sich selbst gegenüber "Fremden" verhält. Ein kleines Manko für den Zuschauer ist das Alter des Filmes: Viele Situationen wirken überzeichnet, die gesellschaftliche Situation hat sich mittlerweile gewandelt.

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AASFRESSER

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Das ist gerade der Vorteil, das Antike... es führt uns nämlich zurück auf nackte Empfindungen und Gedanken, hier bloßgestellt - es hilft der Behebung von Migrantenproblematik im Ansatz weit mehr als beispielsweise "Gegen die Wand"...


FumerTue

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Ich finde es gerade interessant, eine 60-jährige Frau zu sehen, die selbst noch "beim Hitler in der Partei" war... Ich mein, damals war es ganz normal, noch irgendwie was mit den Nazis zu tun gehabt zu haben, heute ist man da schon ein paar Generationen weiter; gleichzeitig aber weiß man, dass unsere Eltern zu dieser Zeit selber groß wurden... "Angst essen Seele auf" ist in sofern wichtiges deutsches Kulturgut, um auch als Kind des Internetzeitalters zu verstehen, wie die Menschen ein noch paar Dekaden vor einem gelebt haben und wie nahe wir noch am Nationalsozialismus dran sind.


Le Samourai

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Bewertung7.0Sehenswert

ANGST ESSEN SEELE AUF - der wohl tollste Titel der deutschen Filmgeschichte. Der tollste Film allerdings bei Weitem nicht.
Fassbinders Absichten sind sicherlich nachvollziehbar und respektabel; die stimmige, trostlose Inszenierung mag sogar über weiteste Strecken zu überzeugen und rettet den Film vor der Bedeutungslosigkeit, täuscht aber nicht über sein größtes Problem hinweg: das Drehbuch. Zum Abwinken klischeebeladen, weltfremd und schlicht hölzern. Jeder einzelne Charakter ist übertrieben, zu eindeutig, nicht ambivalent genug. Der Großteil der Dialoge ist unfassbar hölzern und von einem relativ talentfreien Ensemble (mit Ausnahme von Brigitte Mira) unüberzeugend vorgetragen, sodass ich leider des Öfteren das Gefühl hatte, in einem Laientheater einer deutschen Kleinstadt zu sitzen. Höhepunkt dessen ist die Zusammenkunft im Wohnzimmer mit den beiden Söhnen und der Tochter ("Jetzt musst du vergessen, dass du Kinder hast! ich will mit einer Hure nichts mehr zu tun haben!"). Total daneben.
Das Prädikat "sehenswert" hat der Film alleine der stilsicheren Inszenierung Fassbinders zu verdanken, dessen beobachtende, ruhige Kamera mir sicherlich am stärksten in Erinnerung bleiben wird.

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Mimuschka

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ok, aber ich kann im gegenzug mit schafen auf stelzen nichts anfangen, die wackeln immer so, was meinst du?
http://www.labbe.de/zzzebra/spielgeraete/stelzen5.gif


Le Samourai

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Schafe auf Stelzen gehen in der Tat noch weniger klar als Fassbinderfilme.


David "Noodles" Aaronson

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Eines von vielen großen Werken des Rainer Werner F. Der Höhepunkt seiner Douglas Sirk Phase, einfühlsam, fordernd und immer den Finger auf die offene Wunde gelegt. Im Gesamtwerk nimmt der Film nicht nur die 'obligatorische Abrechnung' mit Rassismus ein, sondern fügt sich nahtlos in ein Oeuvre, bestehend aus Außenseitertum, Abgrenzungen und Trotzigkeit, ein.

Die dunklen Schatten einer Gesellschaft, in der aber auch gar keiner wirklich gesellig sein will, breiten sich über die Hauptdarsteller Emmi und Ali gnadenlos aus. Beinahe unfassbare Szenen der Anfeindung finden durch die melodramatische Struktur direkten Anklang im Kopf und (wie soll ich’s anders ausdrücken?) im Herzen des Betrachters. Ja genau, die Leute stehen auch heute noch hinter den Fenstern, um zu gaffen, zu tratschen und was weiß ich nicht noch alles.

Das berüchtigte noch oben ducken aber nach unten treten wird mustergültig vorgeführt. Gott sei's Gedankt dass auf der Gesellschaftsleiter immer noch Menschen unter einem selbst stehen! Den 'unteren' muss nicht einmal mit jener glasigen Höfflichkeit begegnet werden, die sowieso nur für die besser akzentuierten reserviert ist. Und jeder sollte sich selbst fragen, ob er die Definition seines eigenen Ichs nicht hauptsächlich über aus- und abgrenzungen vollzieht. Die Beantwortung jener Frage würde die meisten, bei genauerer Selbstbetrachtung, sicher erschrecken (nehme mich da nicht aus). Gelebtes Motto: Ich und Wir das sind nicht die anderen!

In unseren filmischen Fall kommt noch eine widerliche Form der Ausländerfeindlichkeit dazu. Doch wie Frau Lorenz im Bonusmaterial sicher richtig bemerkte, ist schon das Wort Ausländer ein Unding an sich, welches, neben seiner verwaltungstechnischen Gebräuchlichkeit, bei nicht wenigen genau die Knöpfe und Schalter betätigt die oben genannte Ansichten in Gang setzen und/oder vervollständigen. Allerdings hätte es nahezu jeden - anderen eben - treffen können, das wird beim betrachten des Filmes mehr als deutlich, und darin liegt auch eine seiner großen stärken.

In dieser Form Ist "Angst essen Seele auf" für mich der bedeutendste Film, nicht nur von Fassbinder, sondern auch des gesamten neuen deutschen Films. Somit auch einer der besten Filme der je gemacht wurde.

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Puni

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Mein erster Ausflug in die Welt des Rainer Werner Fassbinders, und dann gleich so eine Wucht. Der Film beschreibt den Zeitgeist von damals so authentisch, dass es einem fast schon Angst macht - egal ob Arbeiter, Nachbarn, Vermieter oder Ladenbesitzer - zwar kommt in hin und wieder der Verdacht auf, dass Fassbinder sich in Klischees verirrt, aber aufgrund der Glaubwürdigkeit kauf ich ihm wirklich jede Rolle ab. Es ist ebenso bemerkenswert, was der Film für eine Atmosphäre schafft - man könnte meinen, es handelt sich nicht um die Nachkriegs-, sondern um die Vorkriegszeit, in der der Antisemitismus auf die Deutschen übergriff, und es braucht nur noch einen Funken bis zur Explosion. Auch fährt der Film keine völlig klare Linie, wie man sie am Anfang vielleicht vermutet hätte. "Ali" ist auch nur Mensch und kein reines Opfer der Gesellschaft und der Fremdenfeindlichkeit, Emmi auch nicht nur die total liebenswerte, hingebungsvolle Ehefrau - Fassbinders Aussage wurde für mich aufgrund dessen auch nicht zu hundert Prozent klar, aber das macht vielleicht auch gerade den Reiz aus.
All das und die Inszenierung, die seines gleichen sucht, runden das Gesamtpaket so stark ab, dass man für 90 Minuten ohne einen Anflug von Langeweile dieser tollen, kleinen Geschichte folgt. Von Fassbinder muss ich noch viel mehr sehen.

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Florian Albrecht

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willkommen in der Welt Rainer Werner Fassbinders


neenchen

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Bewertung7.5Sehenswert

Ein interessanter Film, der sich mit dem Rassismus in Deutschland in den 70er Jahren beschäftigt. Der Film besitzt eine aufklärende Wirkung und versucht die Vorurteile dieser Zeit zu bekämpfen. Die Darsteller spielen ihre Rollen gut und das triste Leben ist gut in hässlichen, grauen Bildern eingefangen. Das Unverständnis, was die Hauptdarstellerin Emmi empfindet, wird gut vermittelt. Vor allem die drei anderen Putzfrauen sind das Paradebeispiel für deutsche (heute noch genauso existierende) Intoleranz.

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AASFRESSER

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Ich glaube, dass diese "deutsche" Intoleranz eben nicht mehr dieselbe ist, ich habe eine zeit in der Ukraine gelebt und lebe jetzt schon lange in Tschechien... ich glaube, das in punkto tumber Fremdenfeindlichkeit, Xenophobie etc. die deutschen wirklich eine Menge gelernt haben - im Vergleich zu jenen Nationen... /vergleichbare themen oder Filme in einer vergleichbaren zeit gibt es in beiden Gesellschaften nicht. Es ist ein, wenn nicht DAS Verdienst Fassbinders, menschliche Primitivität und Herzlosigkeit so zu zeigen, wie er es u.a. hier tut.



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