Heute trage ich Rock!

La journee de la jupe (2008), FR
Laufzeit 87 Minuten, Drama

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von Jean-Paul Lilienfeld, mit Isabelle Adjani und Denis Podalydès

Sonia ist am Ende mit ihrem Latein. Eigentlich ist es ihre Aufgabe, den Schülern die Inhalte des Lehrplans zu vermitteln. Doch dazu kommt sie kaum, da sie sich tagtäglich den Großteil der Unterrichtsstunde mit ihren verzogenen Schülern herumschlagen muss. Der Alltag mit den Halbstarken ist gezeichnet von Respektlosigkeit, Autoritätsverlust und schlichter Demütigung. Um dem grenzenlosen Ärger noch standhalten zu können und nicht resignieren zu müssen, greift sie immer öfter zu Beruhigungsmitteln. Entgegen dem Rat des Direktors, sich in dieser Brennpunkt-Schule vorsichtshalber neutral in Hosen zu kleiden, tritt Sonia im Rock – und somit bewusst als Frau – vor ihre Klasse. Darin liegt genau das Problem, da die Schüler aus sozialen Kontexten kommen, in denen eine Frau nicht als Respektperson anerkannt wird. Und prompt erntet Sonia Beleidigungen der schlimmsten Form, wird nicht nur verbal, sondern auch physisch angegriffen. Bei einer kurzen, aber heftigen Auseinandersetzung mit ihrem Schüler Mouss fällt ein Revolver aus seinem Rucksack zu Boden. Sonia konfisziert die Waffe und nutzt die Situation aus, dass ihre Schüler endlich mal den Mund halten – aus Angst. Hat man also eine Waffe in der Hand, hat man die ganze Bande im Griff! Gut, dann kann die Stunde über Molière ja fortgesetzt werden! Sonia bäumt sich ein letztes Mal auf. Da der Direktor vor dem bitteren Unterrichtsalltag seiner Kollegen eher die Augen verschließt, als aktiv etwas an den Verhältnissen zu verändern, weiß Sonia, dass sich nur etwas ändern wird, wenn sie selbst die Fäden in die Hand nimmt.


Cast & Crew


Kommentare (5) — Film: Heute trage ich Rock!

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patcharisma

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Bewertung9.0Herausragend

Paris ist die Modehauptstadt der Welt. Die schönsten Röcke werden von Pariser Designer/innen entworfen. Das allerdings könnte bald Geschichte sein. Denn Frauen, die Röcke tragen gelten in Frankreich inzwischen unter immer mehr Mitbürgern aus dem islamischen Kulturkreis als "Freiwild".

Verkehrte Welt: In Frankreich werben heute tatsächlich Feministinnen ganz offen bei Frauen für das Tragen von Hosen aus Sicherheitsgründen - damit sie von Zuwanderern in Ruhe gelassen werden. Nicht nur in der Modehauptstadt trauen sich immer weniger Frauen und Mädchen einen Rock zu tragen, auch im Rest des Landes. Grund: Jugendbanden und ältere Immigranten beschimpfen und greifen sie deswegen an.

Überall dort, wo immer mehr Minarette die Silhouetten französischer Städte prägen, schwindet die Toleranz. Es begann in Paris: Frauen, die Röcke tragen werden von Muslimen mit Steinen bishin zu Pflastersteinen beworfen und als "Nutten" und "Schlampen" beschimpft. Vergewaltigungsversuche gehören zum Alltag. Als auch deutsche Austauschschülerinnen schon vor Jahren Opfer solcher Steinigungsattacken wurden, berichtete der "Spiegel" einmal kurz und verhalten darüber. Man verschwieg allerdings die Herkunft der Täter. Das wäre politisch nicht korrekt.

Doch in Frankreich gibt es einen Erfolgsfilm: "Heute trage ich Rock" mit Isabelle Adjani, der die kulturelle Verarmung aus dem islamischen Kreis mit dem Thema "Frauen und Röcke" beim Namen nennt.

Zum Inhalt: Die Lehrerin Sonia (Adjani) ist psychisch am Ende. Sie kommt in der Schule nicht mehr zum Unterrichten. Der Alltag mit den Schülern aus der Banlieue, aus denen viele aus islamischen Familien kommen, ist gekennzeichnet von Respektlosigkeit, Autoritätsverlust und Demütigungen. Die Lehrerin schluckt Beruhigungspillen und der Direktor rät ihr, an der Brennpunkt-Schule nur noch in Hosen zu unterrichten, um die muslimischen Schüler bloss nicht zu provozieren. Sonia tritt jedoch im Rock - und somit bewusst als Frau vor die Klasse.

Aber eine Frau wird von den muslimischen Schülern nicht als Autorität anerkannt, also wird sie beleidigt und körperlich angegriffen. Bei einem Handgemenge mit dem Schüler Mouss fällt ein Revolver aus seinem Rucksack zu Boden. Sonia nimmt die Waffe und hat nun die ganze Bande im Griff und als Geiseln und unterichtet mit vorgehaltener Waffe! Mehr verrate ich hier nicht.

Die Wiener-Zeitung "Kurier" hat den Film zum Anlass genommen, um einmal offen nach der Realität in Frankreich zu schauen. Unter der Überschrift "Frankreich: Röcke tragen als Wagnis" heisst es etwa: "Tatsächlich vermeiden in Sozialsiedlungen immer mehr Frauen und Mädchen das Tragen von Röcken und verstecken ihre Weiblichkeit durch Unisex-Kleidung.", so die hier drin rezitierte Soziologin Isabelle Clair. Und die Zeitung fragt: "Wird der Rock zum Symbol für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen? Und bedroht der Männlichkeitskult bei Teilen der sozial abgeschlagenen Jugend, stellenweise vermischt mit radikalem Islam, die persönliche und sexuelle Freiheit?"

Es ist richtig und wichtig, dass mit dem Medium Film auch diesmal ein Tabu gebrochen wird, auch wenn das vielen "Aufgeklärten" überhaupt nicht in den Kram und in ihr gesellschaftliches Zerrbild vom "friedlichen Zusammenleben der Kulturen" passt!

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Bennilein

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Wahr ist, dass die Jugendlichen so sind. Wahr ist, dass sie reden, wie sie reden. Wahr ist, dass sie keine Perspektive haben. Wahr ist aber auch, dass sie dich erst ernst nehmen, wenn es einen Grund dazu gibt. Also: Trage Rock. Sei Frau. Trage Rosa. Sei Schwul. In Europa ist das nicht nur erlaubt, sondern auch Errungenschaft der gemeinsamen Kultur. Und Tickets ins Heimatland gibt es bei Billigairlines bei rechtzeitiger Buchung für knapp 80 Euro. Ohne Rückflug.

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Darbon

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Bewertung9.0Herausragend

In Deutschland warten wir noch vergebens auf solche Werke. Wie sich die in Frankreich etablierte deutschalgerische Isabelle Adjani, die als Molières Agnès und als Truffauts Adèle Asch erste Triumphe feierte, seit etlichen Jahren für das Schicksal der Einwanderer und gegen Rassismus einsetzt, verdient höchsten Respekt. Das oft emotionslose theatralische Chargieren der maskenhaften Diva mochte bis zu diesem furiosen Auftritt noch Geschmackssache sein. Dank ihrer mutigen Empathie für die Zuwandererschüler läuft sie in ihrer unerwarteten Heimkehr mit aufgedunsenem Gesicht und breiten Hüften als "fette" Sonia zu Höchstform auf, die das jahrelange Leiden der Lehrer und ihre Frustration zum schmerzhaft spürbaren Ausdruck bringt. Was Adjani hier leistet, definiert sie als Schauspielerin neu.

"La journée de la jupe" bietet einen wahrhaft unverfälschten Blick auf jene Migrantenkinder, die keine Lust auf Bildung haben und bei ihren großen und kleinen Verbrechen auf den Koran schwören. Sie wollen vielleicht Superstar einer Castingshow werden und verspüren Wahl-Macht, wenn für sie über Kandidaten à la DSDS abstimmen können. Adjanis Sonia erreicht unter vorgehaltener Waffe nicht nur, dass ihre Schüler den bürgerlichen Namen Molières aussprechen können: Jean-Baptiste Poquelin! Letztendlich gibt es die schuldbewusste Imago eines Hoffnungssstrahls, wenn die Mädchen im Schlussbild knielange Röcke tragen und der Schule der Frauen reminiszieren. Das ist bewegend und treffend, diskutiert nachhaltig Begriffe von Religion und Betrug.

Gerade im Brennpunkt Schule, in dem Lehrer sich den Migranten anzupassen haben, weil sie mit dem Tragen von kurzen Röcken "deren religiöse Gefühle missachten" und deshalb gleich als Rassisten gelten, treffen die Konflikte des "Multikulti" aufeinander. Dass Sonia hier den Schülern mit der Waffe Bildungszwang verordnet, mag einigen Gutmenschen gespenstisch provokant erscheinen, doch es ist ein sowohl überspitzter als auch konkret gewaltfreier Lösungsversuch für diese Unterrichtsstunde, die vor allem eine Bestandsaufnahme sein will - und ist.

Der Film verliert trotz der beständigen Präsenz von Sonias Freundin, Kollegin und Erbin Cécile (Anne Girouard) an Kraft wegen seines unsinnig tragischen Endes. Die Minister verordnen vielleicht verschwommen die Ermordung des Phantmos der Freiheit. Altenative: Kamerateam rein, Fahrt auf Sonia zur Eröffnung ihres Appells an die angeblich hilflosen und als ignorant demaskierten Minister. Aus. Abspann.

Fazit: Welchem Molière-Stück entstammt Agnès' berühmtes Zitat "Die kleine Katze ist tot"? Na?! Das idiotische Portal Google hilft da wohl kaum, hihi...
Weitere Lektion für jenes intolerante Schülerpack, dem dieser Tabu brechende Film respektvoll zugeeignet ist: Wem dieser eindringliche Film auf Nachfrage "am Arsch vorbeigeht", gebührt denn konsequent auf gossenenglisch: "Mission impossible".

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8martin

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Bewertung9.0Herausragend

Isabelle Adjani ist wieder da, und wie. Als tablettenabhängige Lehrerin dreht sie den Spieß um und hält Literaturunterricht mit gezogenem Revolver. Sie spielt dabei auf der ganzen Klaviatur ihres schauspielerischen Könnens: mal die Leidensfähige (wie in “Die Geschichte der Adèle H.“) in Tränen aufgelöst, dann die coole Rotzfreche (wie in Ein mörderischer Sommer), die sich dem Jargon ihrer Schüler anpasst. Dabei wird die Spannung hoch gehalten, denn nur wer die Schusswaffe in der Hand hält, hat das Sagen und die Personen wechseln. Das tragische Ende dieses Schuldramas wird mit wackeliger Handkamera gezeigt. Vielleicht soll man wie die Beteiligten (hier auch die Zuschauer) nicht so ganz genau sehen, was da dann doch blitzschnell vor sich geht. Ein hochbrisanter Film mit einer großartigen Isabelle Adjani.

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lagrandville

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Bewertung9.0Herausragend

Sonia Bergerac (wunderbar: Isabelle Adjani) wird von ihren Schülern aus einem Banlieu regelrecht gequält.
Als ihr eines Tages durch Zufall im Unterricht eine Pistole in die Hände fällt, wird sie sich der Macht bewusst, die nun von ihr ausgeht und beginnt ihre Schüler als Geisel zu nehmen - um endlich richtigen Unterricht zu machen, bei dem alle zuhören.
Während des Film werden die einzelnen Schüler porträtiert und viele klärende und schockierende Wahrheiten unter ihnen kommen ans Licht.

Der Film ist eine hervorragend gelungene Kritik an der französischen Schul- und Immigrationspolitik. Von der Thematik her ein gutes Pendant zu "Entre les murs (Die Klasse)", doch dieser kommt einem nach diesem Film irgendwie unauthentisch und unbedeutend vor.

Eine große überraschung auf der diesjährigen Berlinale und ein unbedingt sehenswerter Film!

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