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Liebe

Amour (2012), AT/DE/FR Laufzeit 127 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 20.09.2012


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8.2
Kritiker
38 Bewertungen
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7.8
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1473 Bewertungen
144 Kommentare
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von Michael Haneke, mit Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva

Michel Hanekes Kammerspiel Liebe begleitet das Rentnerehepaar Georg und Anne in den letzten Tagen ihrer großen Zuneigung, nachdem ein Schlaganfall Anne langsam entgleiten lässt.

Liebe erzählt die Geschichte des Paares Georg (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva). Beide sind um die 80 und kultivierte Musikprofessoren im Ruhestand. Ihre Tochter (Isabelle Huppert]), ebenfalls Musikerin, lebt im Ausland. Eines Tages erleidet Anne einen Schlaganfall, der ihren körperlichen und geistigen Verfall einleitet. Nach einer Operation kehrt sie nach Hause zurück. Sie ist von nun an an den Rollstuhl gefesselt und auf die liebe- und aufopferungsvolle Hilfe ihres Mannes angewiesen. Es beginnt eine Bewährungsprobe für die Liebe zwischen Georg und Anna. Immer wieder flüchtet Georg sich in Tagträume, die seine Beziehung zu Anne vor ihrer Krankheit zeigen.

Hintergrund und Infos zu Liebe
Liebe (OT: Amour) wurde vom österreichischen Regisseur Michael Haneke geschaffen, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat. Für seine Arbeit wurde er 2012 auf den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Haneke ist einer von acht Regisseuren, die zweimal diesen Preis entgegennahmen und erst der zweite, der dies mit zwei direkt hintereinander gedrehten Filmen schaffte (Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte). Dasselbe Kunststück gelang ihm auch bei den Academy Awards 2013 als er für Liebe den Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film gewann.

Die beiden Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva waren beide Ikonen des französischen Kinos. Trintignant war ein Star der Nouvelle Vague und sogar im Western Leichen pflastern seinen Weg zu sehen. Emanuelle Riva wurde vor allem durch ihre traumwandlerische Rolle in Hiroshima mon amour bekannt.

Jean-Louis Trintignant hatte vor Liebe 14 Jahre lang keinen Film mehr gedreht. Michael Haneke gibt an, die Rolle extra für ihn geschrieben zu haben.
Bei den Golden Globes 2013 wurde Liebe in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet. (MS)

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Cast & Crew

Drehbuch
Filmdetails Liebe
Genre
Drama
Zeit
2010er Jahre
Ort
Paris
Handlung
Alte Frau, Alter Mann, Angst vor dem Tod, Art House-Film, Ehemann-Ehefrau-Beziehung, Große Liebe, Hohes Alter, Krankenpfleger, Krankheit, Liebe, Mutter-Tochter-Beziehung, Paar, Rente, Rollstuhl, Schlaganfall, Sterbehilfe, Sterben und Tod, Tochter, Tod, Vater-Tochter-Beziehung, Verlust der Großen Liebe
Stimmung
Berührend, Traurig
Tag
Arthaus-Film, Kammerspiel
Verleiher
Warner Bros./X-Verleih
Produktionsfirma
ARD Degeto Film, Bayerischer Rundfunk, Canal+, Ciné+, France 3 Cinéma, France Télévisions, Les Films du Losange, ORF, Wega Film, Westdeutscher Rundfunk, X-Filme Creative Pool

Kritiken (31) — Film: Liebe

SiameseMax: SiameseMovies

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10.0Herausragend

[...] “Amour” besticht durch seine grandios authentischen, unprätentiösen DarstellerInnen, durch sanfte, liebevolle, aber gleichzeitig wunderbar zurückhaltende Hand geführt durch den simplen Plot. Das ansonsten eher unrühmliche Attribut “simpel” ist in diesem Kontext jedoch als im besten Sinne positiv zu verstehen, denn es geht um den Alltag des Älterwerdens, des Für-einander-da-seins und, ja, um Liebe. So “einfach” kann Kinokunst sein.
Zudem bleibt zu bemerken, dass mir kein Film bekannt ist, der die Komplikationen und Folgen eines bzw. mehrerer Schlaganfälle dermaßen realistisch darstellt (was freilich auch der zu Recht mit dem Oscar nominierten Emmanuelle Riva zu verdanken ist). [...]

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JackoXL: Die Drei Muscheln

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10.0Herausragend

Michael Haneke war nie ein einfacher Regisseur. Seine Filme sind thematisch wie von der Umsetzung nicht jedermanns Sache, widmet er sich doch oft den Abgründen der menschlichen Seele und muss sich oft den Vorwurf gefallen lassen (ob berechtigt oder nicht sei mal dahin gestellt), sein Publikum belehren zu wollen. Nun, bei "Liebe", trifft eigentlich nichts davon zu.

Belehren will Haneke hier definitiv niemanden, womit auch? Auch menschliche Abgründe gibt es nicht zu sehen, nur reines Alltagsgeschehen, wie es überall auf der Welt stattfindet, Tag für Tag. Es geht um etwas, dass jeden ansprechen müsste, denn irgendwann dürfte für die meisten Menschen der Punkt in ihrem Leben kommen, an dem sie sich genau damit auseinander setzten müssen. Zumindest die Menschen, die ihre Liebe fürs Leben gefunden haben, mit ihr alt werden und dem Unausweichlichen nicht entfliehen können: Einer von beiden, ob nun man selbst oder der Partner, wird zuerst gehen. Manchmal wird es schnell gehen, was vielleicht der einfachere Weg ist, meistens verläuft dieser Prozess jedoch schrittweise. Genau das schildert Haneke, doch "Liebe" ist in erster Linie kein Film über das Sterben. Wie der Titel schon sagt, es geht um Liebe. Die Selbstverständlichkeit, dem Partner beizustehen. Ohne Selbstmitleid und unausgesprochene Vorwürfe sich hingebungsvoll um den wichtigsten Menschen zu kümmern, bedingungslos, mit allen Konsequenzen, bis zum Schluss. Dies gelingt Haneke auf so eine berührende und ehrliche Art darzustellen, wie es für Filme aus Hollywood unvorstellbar scheint. Gerade weil sein Werk niemals übertrieben sentimental daher kommt, auf jeglichen Kitsch, Pathos oder eine manipulative Inszenierung zurückgreift, ist es so unglaublich warmherzig und echt. Ja, tatsächlich warmherzig, und das bei Haneke. Aber auf seine ganz eigene Art. Das Geschehen ist oberflächlich gesehen natürlich tottraurig, dennoch ist "Liebe" nicht der zu erwartende Downer, der den Zuschauer tonnenschwer zu Boden drückt und erschlagen zurücklässt. Das macht ihn so einzigartig und unterstreicht das gesamte Gefühl, dass dem Österreicher oft nicht zugestanden wird.

Ein Feel-Good-Movie ist es selbstverständlich nicht, aber ist rührend, auf eine ganz unaufdringliche Weise. Er zeigt das Ende eines gemeinsamen Lebens, dass trotz des schweren letzten Kapitels genau das ist, was sich jeder Mensch nur wünschen kann. Bis zum Schluss ohne Einschränkungen geliebt, geachtet und respektiert zu werden. Egal wie schwer es ist, wieviel plötzlich nicht mehr da und unwiderruflich verloren ist, die Liebe und Zuneigung bleibt ohne jeden Kompromiss.

Hanekes Inszenierung ist unspektakulär, auf puren Realismus bedacht und genau dadurch so bewegend, seine Darsteller sind schlicht unglaublich. Jean-Louis Trintignant, der extra für diesen Film aus dem Ruhestand zurückkehrte, und die einfach grandiose Emmanuelle Riva liefern eine sagenhafte Vorstellung ab. Eitle Persönlichkeiten, im Schauspielfach ja nicht unüblich, würden sich so wohl niemals vor der Kamera zeigen.
"Liebe" zählt für mich zu den schönsten Liebesfilmen, die ich jemals gesehen habe, vielleicht sogar der Schönste. Weil er so anders ist. Weil er so ehrlich ist. Weil er in seiner Traurigkeit so schön ist. Ganz wundervoll.

28 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 11 Antworten

filmschauer

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@Jacko: Schönheit ist ein sehr individueller Begriff - speziell, wenn man zudem noch den Superlativ draufsetzt. Meine spontanen Assoziationen gingen eher in Richtung schmerzhaft und eindrucksvoll, aber auch zwiespältig durch das eigene Handeln.


JackoXL

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@fs: Das ist es ja gerade. Ich finde den Film so "schön", weil er eindrucksvoll, zum Teil auch schmerzhaft, aber dabei immer ehrlich und hoffnungsvoll ist. Hoffnungsvoll natürlich nicht bezogen auf ein Happy-End, dafür wird ja sofort gesorgt, sondern in der Tatsache, dass bis zum Schluß jemand da ist, der dich liebt, so wie du bist. Das klingt jetzt pathetischer als der ganze Film jemals ist, aber so fühlt es sich an, ohne dich mit der Nase rein zu drücken. Das "andere schön" halt. ;)


SoulReaver: CinemaForever, D3M

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10.0Lieblingsfilm

Mit seelischem Symbolcharakter manifestiert Michael Haneke die qualvollste und gleichzeitig mächtigste Emotion von allen. »Liebe« ist ein zutiefst menschlicher, aufrichtiger und in jeder Beziehung berührender Film, der von einem Regisseur inszeniert wurde, der nicht nur über eine enorme Menschenkenntnis verfügt, sondern endgültig den ehrfürchtigen Ritterschlag verdient hat, denn wenn es einem Filmemacher in einer solch vollkommenen Form gelingt, dieses Thema – die Liebe – ohne Rührseligkeiten, ohne verzogene Melodramatik, ohne den erdrückenden Einsatz von pathetischer Musik, die letzten Endes nur die inszenatorische Inkompetenz des Regisseurs reflektiert, und ohne jedes verbale Geständnis untereinander zu entfalten, dann ist das ganz große, unantastbare Kunst. [...]

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SoulReaver

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Juhu! :)


SKURRIL

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Haneke beherrscht es perfekt, Emotionen fühlen zu lassen, ohne zu pathetisch zu werden und das in einer höchst realistischen Art und Weise.


stuforcedyou: Die Drei Muscheln, CinemaFo...

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10.0Lieblingsfilm

[...] Wir, die Zuschauer, werden Zeuge wie George und Anne es mit dem körperlichen und geistigen Niedergang von Anne aufnehmen. Haneke gelingt es hierbei seine kühle Bildersprache in Wärme zu hüllen, obwohl ein Großteil in langen, starren sowie nüchternen aber dennoch kunstvollen Kameraeinstellungen eingefangen wird. Übrigens vom iranischen Kameramann Darius Khondji, der schon „Sieben“ oder „My Blueberry Nights“ visuell eindrucksvoll glänzen ließ. Uns wird immer ein wenig das Gefühl vermittelt, direkt anwesend zu sein, wie ein stummer Geist, ohne uns die Rolle des Voyeurs aufzudrängen. Derweil füllen die Darsteller die Szenerien mit Leben. Mit Leben, welches sicherlich auch nur eine filmische Illusion ist, das sich aber wahrhaftig anfühlt. Kein Wunder: „Liebe“ IST wahrhaftig. In all seinen Facetten. [...]

Kritik im Original 34 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

jollyroger

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Wunderbar!


jollyroger

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Ich drück mich vor dem ja immer noch..:-/


Roger Ebert: Chicago Sun Times Roger Ebert: Chicago Sun Times

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9.5Herausragend

Liebe ist eine unerwartete Art Meisterwerk von Michael Haneke, zu dessen Filmen das mysteriöse Caché und der Goldene Palme-Gewinner Das Weiße Band gehören. Wir erwarten nicht eine solch unerschrockene Ernsthaftigkeit, solche Tiefe von Haneke.

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Flibbo: Wie ist der Film?

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7.5Sehenswert

[...] Michael Haneke („Funny Games“, „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“) bleibt seinem Stil auch in dieser französisch-deutsch-österreichischen Koproduktion treu: wenige, lange, sorgfältige Einstellungen in drückender Stille. Zu „Liebe“ passt diese Form ganz besonders, wirkt etwas weniger aufgesetzt, denn sie harmoniert mit den natürlicherweise langsamen, gewählten Bewegungen der Hauptfiguren, die ihren Lebensabend in kultivierter Abgeschiedenheit vom Trubel da draußen verbringen. Nichtsdestotrotz neigt Haneke wieder zum Dehnen – er beobachtet sorgfältig, verharrt um des Realismus willen, erstarrt aber auch um des Stils willen. [...]

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Der Witte: CEREALITY, Die Drei Muschel...

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8.0Ausgezeichnet

Michael Haneke's LIEBE ist ein recht deprimierendes, erschütterndes, schonungsloses und dennoch einfühlsam intimes Familiendrama (erst recht, wenn man einen ähnlichen, wie im Film dargestellten, Fall in der Familie hat). Doch es gibt sogar eine Art Happy End...irgendwie. Es ist jedenfalls noch immer höchst erstaunlich, wie Haneke trotz so nüchterner Inszenierung derartig ans Eingemachte gehen kann. STARKES DING!

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Kubrick_obscura: CinemaForever, arte

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9.0Herausragend

Eine gewisse Formelhaftigkeit kann man Hanekes Filmen nie absprechen, doch ist ihre Form nie reiner Selbstzweck und auch in seinem neuen Film "Liebe" zeigt sich mal wieder, dass der österreichische Star-Regisseur mit seinem Rezept immer noch am besten kochen kann. Die größtmögliche Fokussierung auf Situationen und das stetige Verweilen der Kamera in Totalen ermöglichen es dem Publikum einen eigenen Blick zu finden. Die Aufmerksamkeit lenkt Haneke zwar gezielt durch die Tonebene, dennoch überlässt er seinen Zuschauer_innen immer einen Rest Eigenverantwortung. So funktioniert aktives Sehen und bei allem Realismus den Haneke bemüht, bleibt seine Inszenierung seltsam doppelbödig. Auch hier können wir, wie in seinem Kino üblich, den Bildern nicht ganz trauen, aber wir können dafür den Gefühlswelten seiner Figuren vertrauen, zu denen in "Liebe", und wie in keinem Haneke-Film zuvor, die Tore nun weit offen stehen, dank einer hervorragenden Besetzung und einem Erzählgestus, der niemanden mehr belehren will.

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Filmering: Filmering.at

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9.0Herausragend

Mit Liebe bewegt sich Michael Haneke einmal mehr am Zenit seines Könnens. Im Wesentlichen schildert der Film über rund zwei Stunden lang das Erlöschen eines Menschenlebens und im Gegensatz zu den meisten Filmen schildert er diesen Prozess nicht als kurzen Knall, sondern als langsamen Prozess, der das Gefüge einer kleinen Welt in den Abgrund zieht. Die Härte, Präzison und Konsequenz mit der Haneke seinen Film inszeniert ist beispiellos und die Tatsache, dass er das Mitgefühlt für seine Figuren und die emotionale Integrität der gesamten Geschichte nie aus den Augen verliert, ist nicht weniger imponierend. Für Arthouse Fans ist Liebe sicher eines der größten Highlights des Kinojahres.

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Sascha Rettig: Tip, fluter, Netzeitung Sascha Rettig: Tip, fluter, Netzeitung

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7.5Sehenswert

Anders als in seinen kühl distanzierten Filmen entwickelt Haneke diesmal eine Menschlichkeit und ein ungewohntes Mitgefühl, während er zugleich zärtlich und brutal, schmerzvoll ehrlich und doch voller Würde auf das Unausweichliche blickt.

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M. Semenowicz: Filmszene.de M. Semenowicz: Filmszene.de

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7.5Sehenswert

Es ist trotz wunderbarer Schauspieler, Sets, Musik und Kamera wahrlich nicht einfach, 'Liebe' zu sehen, denn dieses stille, sensible und intensive Meisterwerk ist eine schonungslose Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit, präzise, beobachtend und verstörend, dabei auch noch in quälend lange Einstellungen gebettet.

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Barbara Schweizerhof: der Freitag, Die Welt, epd ... Barbara Schweizerhof: der Freitag, Die Welt, epd ...

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8.5Ausgezeichnet

Und so beklemmend es ist, sich damit auseinandersetzen zu müssen, so befreiend wirkt gleichzeitig, dass Haneke damit einerseits sehr respektvoll, andererseits aber auch völlig unerschrocken und angstfrei umgeht.

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Richard Lammel: DVD-Forum.at Richard Lammel: DVD-Forum.at

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7.0Sehenswert

'Liebe' ist, wie könnte es bei diesem Regisseur anders sein, kein Film für die Massen [...] aber trotz allem ist es immer ein besonderes Vergnügen diesen Künstlern bei der Arbeit zu sehen, und sie bewundern zu können.

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Stefan Benz: Echo - Online Stefan Benz: Echo - Online

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7.5Sehenswert

Dieser Film ist über weite Strecken nur schwer erträglich. Und ja, es ist eine der bittersten Herausforderungen an unsere Empathie, die man im Kino auf sich nehmen kann.

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Katja Nicodemus: NDR Katja Nicodemus: NDR

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9.5Herausragend

Dass die tiefe Liebe dieser beiden Menschen in Hanekes Bildern genauso Platz hat wie die Erinnerungen, Zweifel, Ängste, mit denen jeder Zuschauer dem schweren Thema begegnen mag, macht die überragende Größe dieses Films aus.

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Walli Müller: br-online, NDR Walli Müller: br-online, NDR

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8.0Ausgezeichnet

Liebe ist… wenn man auch die schwere Krankheit des geliebten Menschen annehmen kann. Ein schonungsloser Film, der zum Hinsehen auf unangenehme Dinge zwingt. Zwar voller Zärtlichkeit, aber nicht dazu angetan, einem die Angst vor dem Altern zu nehmen.

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Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...

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10.0Herausragend

Anne und Georges können auf ein erfülltes Leben als Konzertpianisten zurückschauen, sind somit eigentlich zu beneiden. Zumal sie bis ins hohe Alter eine harmonische Ehe führen, finanziell als Pensionäre gut abgesichert sind und auch mit 80 immer noch Freude haben an der Musik und guten Büchern.

Doch plötzlich muss sich das Ehepaar gewaltig umstellen. Halbseitig gelähmt ist Anne nach einem kleinen Schlaganfall auf den Rollstuhl angewiesen – und bei vielen Verrichtungen auf ihren Mann. Ihm macht das nichts aus: Verständnisvoll und geduldig unternimmt er alles, um ihr die Situation so angenehm wie möglich zu machen, ist zur Stelle, wenn sie auf die Toilette oder ins Bett gehievt werden muss. Anne aber leidet unter dem Verlust an Lebensqualität und wünscht sich zu Georges großem Kummer den Tod. Erst recht, als sich ihre Situation verschlimmert.

Sehr präzise und konzentriert an nur einem Schauplatz – eine prächtige Altpariser Künstlerwohnung – zeichnet Regisseur Michael Haneke bewegend nach, wie die kultivierte, alte Dame sukzessive zu einem Pflegefall wird. Man würde solche Szenen gewiss lieber verdrängen. Doch so schlecht, wie es um die Akzeptanz von aktiver Sterbehilfe noch immer bestellt ist, scheint es an der Zeit, genau hin- und nicht länger wegzuschauen: Den möchte man sehen, der dem Leben noch etwas abtrotzen will, wenn er wie Anne gewindelt, gewaschen und gefüttert werden muss, nur noch stammeln – und nichts Erbauliches mehr tun kann.

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Oceanic6: CinemaForever

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8.0Ausgezeichnet

[...] Auch Emmanuelle Riva als Georges Ehefrau ... zeigt eine beeindruckende Leistung. Zusammen bieten sie, Trintignant und Filmtochter Isabelle Huppert ganz großes Schauspiel- und Gefühlskino. Da fällt die fast schon perfekte Inszenierung von Haneke und Co schon gar nicht mehr auf. Man sitzt zwei Stunden gebannt vor der Leinwand und möchte jede kleinste Regung einer Falte wahrnehmen. Und so lauscht man diesen Menschen, die so lebensnah und unverfälscht daherkommen, wie man es nur selten im Kino erlebt. Und wenn Haneke dann doch mal die Inszenierung über das Schauspiel dominieren lässt, schafft er noch erdrückendere Szenen wie beispielweise einen Albtraum, der sich auf Ewig ins Gedächtnis brennt. [...]

Kritik im Original 17 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

José Garcia: Textezumfilm

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7.5Sehenswert

Die hervorragenden Schauspieler und die beachtliche Kameraführung von Darius Khondji, die bei aller Nähe zu den Figuren immer eine gewisse Distanz wahrt, wodurch auch jeglichem Voyeurismus ein Riegel vorgeschoben wird, vermögen nicht darüber hinwegzutäuschen, dass sich die Dramaturgie aufgesetzt ausnimmt. Zwar stellt sich Georges zwischendurch die Frage, ob er an sein halbherziges Versprechen, Anne nicht in ein Krankenhaus zu bringen, wirklich gebunden ist. Sie selbst zu pflegen wird jedoch für ihn mehr und mehr zu einer fixen Idee. Daran hat nicht wenig Anteil die karikaturhafte Pflegerin, die Anne beim Kämen quält und völlig taktlos behandelt, so dass sich der Zuschauer unweigerlich fragt, ob es in einer Stadt wie Paris keine erfahrenen und feinfühligen Pflegerinnen gibt. Für Georges’ Gefühl, mit Annes Pflege allein und deshalb irgendwann einmal überfordert zu sein, spielt eine ebenso bedeutende Rolle die gemeinsame Tochter Eva (Isabelle Huppert), die in London lebt und sich selbst mit Eheproblemen herumschlägt. Bei einem ihrer Besuche, die zwar Anteilnahme, aber keine eigentliche Hilfe darstellen, fragt Eva ihren Vater in einem entscheidenden Dialog: „Wie soll das weitergehen?“, woraufhin Georges antwortet: „Es geht so weiter wie bisher, bis es irgendwann zu Ende ist.“

Merkwürdig mutet ebenfalls die (selbst auferlegte?) Isolation an. Von Evas zwei Kindern ist zwar die Rede, aber nicht ein einziges Mal besuchen die Enkelkinder ihre kranke Großmutter. Von Freunden ebenfalls keine Spur. Der einzige Besucher außer der Tochter ist der ehemalige Schüler Alexander, der allerdings bis dahin von Annes Erkrankung nichts wusste. Offenbar empfindet Anne selbst ihren Zustand als menschenunwürdig. Sich so sehen zu lassen, und sei es von der eigenen Tochter, erlebt sie als Demütigung. Hanekes Dramaturgie zielt offensichtlich darauf hin, Demenzkranken die Menschenwürde abzusprechen. Wer in seiner Verwandtschaft, im Bekannten- oder Freundeskreis je erlebt hat, wie sich jemand gemäß dem Diktum von Kardinal König („Menschen sollen an der Hand eines anderen Menschen sterben, und nicht durch die Hand eines anderen Menschen“) bis zuletzt aufopferungsvoll um den sterbenden Ehepartner gekümmert hat, kann Hanekes Versuch, Tötung (auf Verlangen?) als Akt der „Liebe“ darzustellen, jedenfalls nicht anders denn als empörend empfinden. Die imaginierte Szene, in der beide Ehepartner gemeinsam die Wohnung verlassen, mutet deshalb verlogen an, und zwar unabhängig davon, ob George aus egoistischen Gründen, weil er sich überfordert fühlt, oder aber aus „Liebe“ gehandelt haben soll, um Anne von ihrer „menschenunwürdigen Existenz“ zu erlösen.

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Dieter Oßwald: programmkino.de Dieter Oßwald: programmkino.de

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9.0Herausragend

Ein Thema, das jeder gerne verdrängt und mit dem fast alle irgendwann einmal konfrontiert werden - Haneke bringt es mit großartiger Wahrhaftigkeit auf die Leinwand. Das Filmkunst-Ereignis des Jahres!

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Alle Kritiken (31)


Kommentare (113) — Film: Liebe


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NadineSusannNitsche

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Bewertung9.0Herausragend

als der Film zu Ende war, blieb es im Kinosaal stumm. Niemand sprach ein Wort, ein paar Tränen flossen, ganz still. Dieser Film ist ein Meisterwerk, wenn auch schwer zu verdauen, da er so intensiv ist und ein schwieriges Thema bearbeitet.

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THE_DREAM

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Bewertung3.5Schwach

Es ist ja eigentlich ein guter Film - wichtiges Thema, guter Regisseur, überzeugende Darsteller, sich zuspitzender Grundkonflikt, ruhige Kamera, aber er ist eben auch sehr, sehr, sehr langsam, man könnte sagen langatmig.

Es ist kein Film, den ich - trotz der schlechten Bewertung - als schlecht bezeichnen würde, und ich kann verstehen, dass jemand anders mit ihm viel anfangen kann. Aber für mich war das nichts - Elend und Verzweiflung in Zeitlupe. Wirklich Geschmackssache. Und da "cero" mit seinem Kommentar schon vieles gut beschrieben hat, schreibe ich mal nicht mehr dazu.

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Drehmumdiebolzen

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Bewertung9.0Herausragend

Was ist Liebe?

"Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe"

(Quelle: Erich Fried "Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte", Berlin 1996)

Der unverbauliche, ungetrübt schnörkellose, hemmungslos aufrichtige Blick durch das hanekeske Kaleidoskop.
Auf das schrecklich schönste, das selbstsüchtig bedingungsloseste, das schlicht komplizierteste, auf ewig unergründlichste Mysterium des Urmenschlichsten aller Gefühle.

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pischti

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Schöne Worte mein Guter.


Drehmumdiebolzen

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@ pischti: Danke, mein Bester! :)


razzo

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

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Lydia Huxley

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Auf den Punkt! :)


jorg.hoffmann.9849

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Bewertung7.5Sehenswert

Anne und Georges sind ein Ehepaar an ihrem Lebensabend. Der Alltag der beiden ändert sich dramatisch, als Anne einen Schlaganfall erleidet und halbseitig gelähmt ist. Georges verspricht seiner großen Liebe, dass er sie nicht in ein Krankenhaus oder Heim einweisen wird: Obwohl es mit seiner Frau stetig bergab geht, steht er diesen letzten Kampf gemeinsam mit ihr durch.

Liebe handelt von der bedingungslosen Liebe zweier Menschen bis zum Tod.
Anne wird plötzlich schwerkrank und Ihr Zustand wird immer dramatischer.Ihr Mann Georges versprach Ihr, sie nicht mehr ins Krankenhaus bzw. in ein Pflegeheim zu geben.Michael Haneke schafft es wieder einmal einen Film zu drehen, der einen den Hals zuschnürt und das alles ohne jegliche Filmusik.Der gezeigte Realismus ist beängstigend aktuell dargestellt und wirft außerdem viele Fragen auf.
Liebe ist ein Film der weh tut und sicher kein Film für die breite Masse.Trotzdem kann ich jeden empfehlen, diesen Film anzuschauen, denn er hat ein brisantes Thema zu bieten, daß uns alle treffen kann. 7,5/10 von mir

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Commentator

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Bewertung10.0Herausragend

Diesen Film als Gesamtwerk mit "Liebe" zu betiteln halte ich schon stark für provokativ. Ich bin ein absoluter Gegner der Sterbehilfe, da dies für mich aus moralischen Gründen nicht vertretbar ist. Und ja, ich weiss, wie das ist, jemandem beizustehen, der unendlich leidet. Ich hatte genau so einen Pflegefall in der Familie, dem ich über Monate hinweg täglich mal nur eine halbe Stunde mal mehrere Stunden beigestanden habe, bis es vorbei war. Furchtbar, weshalb ich auch der Meinung bin, dass lebenserhaltende Maßnahmen nicht immer sein müssen, wobei sich jede Einzelperson aber selbst Gedanken machen muss und dies eventuell in einer Patientenverfügung für sich definieren muss.
Sterbebegleitung halte ich für sträflich vernachlässigt in unserem guten Deutschland. Auch hier sollte man viel, viel mehr machen. Hier hat mir übrigens eine Szene sehr gut gefallen. Sie ruft mehrmals affektiv um Hilfe, immer und immer wieder. Er hält ihre Hand - und sie wird leiser und beruhigt sich, zumindest ein wenig. So einen Beistand haben viel zu wenig Menschen.
Die Sterbehilfe hat mich allerdings provoziert und hat mich wütend gemacht. Man kann eine solche Handlung nachvollziehen, aber ich will es trotzdem nicht akzeptieren.
Hier möchte ich auf ein Interview von Haneke verweisen und er ist typisch für ihn. Er provoziert und öffnet damit auch eine Debatte, hält sich selbst aber raus.
http://www.artechock.de/film/text/interview/h/haneke_2012.html
Zurück zum Film. Ich war schockiert, fühlte mich nach dem Film provoziert. Aber, und deswegen ist dieser Film so grandios, dieser Film gibt keine Wertung ab. Dieser Film ist ehrlich und wirkt umso echter und ehrlicher, weil zwei absolut grandiose Schauspieler mit gewirkt haben.
Ich mag dieses Thema nicht und ich mag den Film nicht, aber dieser Film ist absolut grandios. Er ist Kunst. Die Schauspieler, der Regisseur sind Künstler. Und Kunst ist eben hin und wieder nicht immer nur schön, sondern auch mal unangenehm. Gut so! Vielleicht machen sich ja mehr Menschen nach dem Film Gedanken über dieses Thema. Und das kann ich nur befürworten!

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dannydiaz

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danke für den Interview Link. Ich mag Haneke Interviews. Da lernt man immer ein bischen was dazu.


Commentator

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Ich auch. Nach einem Haneke-Film habe ich bisher immer seine Interviews dazu gelesen. ;-)


Gielchen

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Bewertung7.5Sehenswert

Geduld sollte man für diesen Film auf jeden Fall aufbringen..
Allerdings fesselt er und man bekommt ein gutes Gefühl zum Thema "Sterbebegleitung/ Sterbehilfe".

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bonjovi84

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Bewertung6.0Ganz gut

sehr tiefgründig, auch ohne dass es die Dialoge in worte fassen müssen. großartige Darsteller.
für meinen Geschmack jedoch zu langatmig und zäh. daher "nur" 6 punkte für dieses werk!

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Line3105

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Bewertung9.0Herausragend

OMG!!! Dieser Film ist sowas von verstörend. Ich bin ein wenig geschockt. Mich lässt es nicht los. Diese grenzenlose Liebe zwischen zwei Menschen, für die das wichtigste im Leben einander ist. Das Ende hat mich völlig umgehauen.

Trotz der schockierenden Emotionen, die diese Bilder in mir hervorgerufen haben, fand ich den Film sensationell gut gemacht. Es wurde in keiner Sekunde langweilig, auch wenn der Film komplett in einer einzigen Wohnung gedreht wurde und es nicht viele Schauspieler gab. Es kam alles rüber, was musste.

PS. Nachdem wir diesen Film gestern Nacht gemeinsam angeschaut hatten, brachte mein Mann mir heute morgen einen Strauß weiße Rosen :-)

Man erinnert sich wieder wie sehr und warum man sich liebt.

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Kill_Diether

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Bewertung7.0Sehenswert

An und für sich ein sehr guter Film. Große Schauspielleistung obendrein. Die Langsamkeit passt natürlich einerseits. Andererseits zieht sie sich wie ausgelutschter, langweiliger Kaugummi. In "Liebe", quasi ein Kammerspiel was sich fast ausschließlich in der großen Wohnung mit vielen Zeichnungen, Büchern und einem Klavier abspielt, fehlen Elemente, die alles weiter interessant machen. Beispielsweise ist "Das weisse Band" von Haneke spannender, weil vielschichtiger.

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Kill_Diether

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...und eine Taube als erzählerisches Element macht den Kohl auch nicht fett.


cero

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Bewertung2.0Ärgerlich

Ich seh schon, mein Geschmack weicht wie immer von dem der anderen ab...

Zu meiner Person: Als gelernter Krankenpfleger habe ich mich sehr ausgiebig mit der im Film dargestellten Problematik auseinandergesetzt. Auch im privaten Bereich habe ich genug Erfahrung damit. Folglich hatte ich mir gewünscht, dass sich der Film sensibel, tiefgründig und differenziert mit dem Thema auseinandersetzt. Tut er nicht wirklich. Was in den einzelnen Betroffenen vorgeht wird nicht herausgearbeitet und nicht durch entsprechende Dialoge erzählt. Welche Probleme aus der Situation erwachsen, wird bestenfalls grob skizziert und noch nicht mal ansatzweise komplett erfasst.

Es wird exemplarisch das persönliche Schicksal eines ganz speziellen Paares dargestellt. Parallelen zum eigenen Leben sind sehr sehr schwer zu finden. Als Zuschauer finde ich mich deshalb nicht vom Film mitgenommen, dafür ist die dargestellte Welt einfach zu fremdartig.

Mein nächster Kritikpunkt: Der Titel "Liebe" passt so gar nicht zum Film. Liebe ist ein Gefühl und gefühlskälter kann man ein intellektuelles und verhärmtes Paar gar nicht darstellen, wie es in diesem Film passiert. Ich kenne reale Paare, die sich abgrundtief hassen und nur aus Gewohnheit und sozialer Notwendigkeit zusammen bleiben bis zum Lebensende und so ähnlich kommt mir das Paar im Film vor.

Noch ein Kritikpunkt: Ich mag Filme, die dem Zuschauer Zeit geben, um nachzudenken, den Handlungen zu folgen, eine Stimmung aufzubauen. Die Pausen und sehr langatmigen Szenenführungen sind aber dermaßen übertrieben, dass ich es kaum geschafft habe, die 2 Stunden bis zum Ende durchzuhalten. Eine echte Quälerei des Zuschauers.

Die Dialoge im Film sind so oberflächlich wie bei amerikanischen Blockbustern. Weder ausgeklügelte Rhetorik, noch sinniger Inhalt. Alles wirkt wie alter Kaugummi: fade und zäh.

Letztlich bleiben mir in positiver Erinnerung: die schauspielerischen Leistungen der beiden Protagonisten und der durchgängige Verzicht auf Effekthascherei oder Theatralik jeglicher Art. Auch der Mut der Filmemacher, sich eines solchen Themas anzunehmen.

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natedb

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

"Das lange Leben..."
"Was ist damit?"
"Es ist schön."
In Sachen Schauspielführung macht Haneke so schnell keiner was vor, denn wie er seine beiden Hauptdarsteller inszeniert, mit welch unfassbarer Präzision er sie spielen lässt, jede Geste, jede Mimik so auf den Punkt getroffen, ist einfach schwer in Worte zu fassen - man muss es einfach sehen. "Liebe" ist ein dokumentarisch anmutendes, eigenartig beklemmendes Portrait eines Ehepaares an seinem Lebensabend. Wie bei Haneke üblich wird dieses bedrückende Bild des Alters in schlichter Fotografie präsentiert und beweist mal wieder, dass es keiner schwelgerischen Musikuntermalung oder ausreizenden Montagen bedarf, um den Zuschauer zu Tränen zu rühren und zudem vollkommen deprimiert und nachdenklich in seinem Sessel zurückzulassen. Meisterhaft! Aber einmal reicht vorerst...

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dannydiaz

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

"Das ist ein Haufen Arbeit, die Liebe."
Zitat von Susie Haneke aus einem Zeit Interview

Ich finde es beachtlich, wie sehr es in diesem Film gelang die Balance zu halten, dieses Würdevolle. hm.. Der Film packt einen am Nacken und sagt "Schau hin!" und mit der anderen Hand klopft er einem anerkennend auf die Schulter.

Dieser Film ist ein Schatz in dem man vieles findet. Wie der Mann, der erst beim Nacherzählen des Films gegenbüber eines Freundes anfängt zu weinen, so hat mich auch die Stimmung nach dem Film gepackt, als ich drüber nachgedacht habe. Der Film lässt einen nicht so schnell los.

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dannydiaz

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imo wäre der Filmübrigens ganz anders aufgenommen worden würde er wie mal geplant "Those two - when the Music stopped playing" heißen


Commentator

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Ich muss dir absolut recht geben. Gestern habe ich ihn geschaut und ich habe meine Meinung immer wieder gelöscht. Auch in der Bewertung war ich mir nicht klar. Heute hat er mich wieder beschäftigt und meine Freunde, die diesen Film auch gesehen haben, übrigens auch. Welcher Film schafft das bei einem ernsten Thema schon, mal ganz unabhängig davon, wie man über diese Themen denkt? Unangenehmer, aber brillanter Film.


Axiom

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Nett-altmodische Lektion in wahrer "Liebe", die zugleich eine Kritik an den unsteten Geistern (oder vielmehr: Herzen) des Neoliberalismus ist.

Ist halt die Frage, ob es eine solche Kritik braucht in Zeiten, in denen sich bereits 16-Jährige wieder Familie und Kinder wünschen, sprich: sich nach dem brav geordneten (Liebes-)Leben ihrer Großeltern zurücksehnen.

Trotzdem: Eine schöne, von Kitsch und Klischees bereinigte Annäherung an das Thema.

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Jonesman

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Bewertung9.0Herausragend

Ich habe nach einem Drama gesucht und habe es gefunden. Soviel Schwachsinn uns Moviepilot unter der Rubrik "Drama" auch anbietet. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.
Ich war in der Stimmung mir mal wieder einen richtig bewegenden Film reinzuziehen. Der letzte war meiner Erinnerung nach "Mar adentro". Für mich braucht ein echtes Drama auch eine echte Geschichte. Da reicht ein krasses Schicksal nicht. Gerade deswegen hat mich "Liebe" umgehauen.
Jeder - insbesondere ich - stellt sich das Alter irgendwie vor. Ob nun sehr zuversichtlich oder eher pessimistisch, man hat eine grundsätzliche Vorstellung davon. Und dieser Film zeigt absolut schön, was die Realität aus all unseren Vorstellungen - auch bezogen auf die Liebe zu unseren Nächsten - machen kann. Nämlich pure Ernüchterung und Alltagszwang.
Gerade das macht den Film so mitreißend. Der Hauptdarsteller wird mit einer Realität konfrontiert, die nur schwer zu verarbeiten ist. Plötzlich wird jeder Ablauf nicht nur zur physischen, sondern auch zur psychischen Herausforderung. So sehr man dem Partner das Gefühl geben möchte, ihn nicht als Belastung zu empfinden, so sehr empfindet er sich selbst als Belastung. Und gerade die Hilflosigkeit des Hauptcharakters geht so tief unter die Haut, weil sie so nachvollziehbar ist. Der Film zeigt keine Schnörkel, kein Happy End und zeichnet vor allem kein klischeehaftes Bild der Liebe im Alter. Er zeigt die Mühen und das Gefühl der Verantwortlichkeit, die im äußersten Fall mit einer Partnerschaft im Alter zusammenhängen. Das hat mich extrem berührt.

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Codebreaker

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Nachdem ich nun gerade erst den Oscargewinner "Argo" gesehen habe, kommt direkt ein Anderer hinterher, der sogar ebenfalls in der selben Kategorie wie Argo nominiert war - Liebe.
Ich stand dem Film eher mit gemischten Gefühlen gegenüber, auf der anderen Seite war ich jedoch schon gespannt, was mich da erwartet.
Schließlich war es nun also soweit und ich sah Liebe.
Ich sag es mal vornweg, aber eigentlich weiß das auch schon jeder, das hier ist sicher kein Film für Jeden.
Teilweise doch recht zäh, sodass man hier sicherlich enttäuscht sein wird, wenn man das falsche erwartet.
Und doch, hat er mich ziemlich gut gefallen!
Ersteinmal von der ganzen Machart her. Das hier war ungewohnt, rein überhaupt nicht auf Unterhaltungsfilm getrimmt (ich spreche NOCH über die ganze Art, nicht den Inhalt). Teilweise hat die Kamera minutenlang irgendwelche Bilder eingefangen, ohne das großartig was passiert ist. Aber ganz ehrlich, auf mich wirkte das nicht aufdringlich, sondern eher "beeindruckend". Wie der ganze Film wirkte das natürlich, wirklich, authentisch. Überhaupt nicht nervend, sondern einfach nur ganz interessant und realistisch. Als ob man in das "echte Leben" hinein sehen würde.
So war es im Übrigen die ganze Zeit, in allen Bereichen.
Auch die Geschichte an sich, die hier erzählt wurde. Es war im Prinzip nur das Leben zweier Menschen, die einander lieben und wie das rübergebracht wurde, war einfach nur richtig toll! Als ob man hier echten Menschen zusehen würde, keinen Filmfiguren.
Beeindruckend, emotional und schön, aber zugleich traurig und fast schon "gruselig". Nicht in dem "Horrorfilm" - Sinn, sondern eher nach dem Motto: "Was, wenn ich mal in die Lage der Frau komme (oder auch des Mannes?)"
Doch dann haben wir auf der anderen Seite diese überwältigende Liebe der beiden Menschen, man weiß vielleicht nicht was dahinter steckt, aber in Anbetracht dessen, was der Mann alles für die Frau tut, muss schon viel dahinter stecken.
Ich habe erwähnt, dass der Film hier und da etwas lang und zäh ist, daran ändert sich auch nichts, das ist so, allerdings muss man sagen, dass so eine "längere" Phase von einem Moment abgelöst wird, der einen packt und sofort ergreift, ins Geschehen zurückholt, nahezu schon fast schockt.
Schauspielerisch fand ich das auch ganz groß, natürlich vor allem die Frau, soetwas muss man spielen können, aber auch der Mann hat mich voll und ganz überzeugt.
Alles in allem ist "Liebe" ein Film, der mir doch deutlich besser gefallen hat, als ich im Vornherein gedacht habe. (Komischerweise ganz das Gegenteil von Argo, den ich im Endeffekt etwas besser vermutet hatte, als ich ihn im Endeffekt fand)
Liebe hat mich beeindruckt und mir eine sehr interessante Geschichte und eben auch Machart präsentiert, dennoch sage ich ganz ehrlich, so schnell muss ich ihn nicht unbedingt wieder sehen (das ist in dem Falle aber kein Kritikpunkt, irgendwann wird es sicherlich nochmal dazu kommen).
Es ist nicht für Jedermann was, aber mir hat es doch ziemlich gut gefallen!

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AlexanderDeLarge

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Bewertung7.5Sehenswert

Ich bin hauptsächlich aus zwei Gründen ein Fan von Haneke. Zum einen setzt er den gefälligeren Unterhaltungsfilmen unbequeme Kunst gegenüber, zum anderen der inhaltlichen Beliebigkeit eine klare und kritische Haltung. Das Abfeiern von medialer Gewalt verwandelt er in Funny Games in einen Faustschlag in die Magengrube, die träumerische Nostalgie in Das weiße Band in einen erschreckenden Realismus. Haneke haftet deshalb auch das Image des Oberlehrers an, weil er seine Filme nicht als reine Dienstleistung an dem Zertreuungsbedürfnis des Publikums ansieht. Wie konnte es dem polarisierenden Haneke also passieren, dass ausgerechnet Liebe allseitig gelobt wird?
Tragischerweise nur durch Missverstehen, denn die reine Liebe und große Treue wird hier selbstverständlich nicht für sich selbst, selbsterfüllend und unverfänglich porträtiert, sondern, und das sollte jedem bewusst sein, der Film ist ein klarer Appell für das Töten von Menschen auf Verlangen. Haneke gelingt es mit Liebe eine so emotionalisierende und involvierende Geschichte zu erzählen, dass sich der Zuschauer mit den Protagonisten verfängt und ihre Perspektive als einzige Konstruktion der Wirklichkeit unhinterfragt übernimmt. Wo es vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Demografie wieder höchst kritisch und kontrovers wird, bleiben die Kritiker diesmal stumm, Hanekes rührselige Geschichte von reiner Liebe und tiefer Treue hat sie eingefangen, der de facto Mord erscheint nach dem Ablauf der ganzen Dramaturgie als einzige rationale Handlung und Ausdruck der Liebe. Nicht weil es tatsächlich so ist, sondern weil es für den Protagonisten so ist. Die Hilfeschreie der Protagonistin können Sternchen auf der Postkarte, also tatsächlich Hilfeschreie, aber genauso gut auch bedeutungsloses Gebrabbel sein. Man kann ihren Zustand als würdelos, man kann ihn anders, innerlich und dann als würdevoll definieren. Aber kann man das Recht einräumen zu töten? Die Handlung des Films hab ich vergessen, das Gefühl vergesse ich nie, sagt er. Haneke erzählt ein Gefühl, also urteilt der Zuschauer aus dem Gefühl. Wie Haneke in Bennys Video zunächst ein Schwein und in Funny Games zunächst einen Hund töten lässt, tritt hier eine Taube auf. Zuerst macht es den Anschein, als wollte der Protagonist sie mit der Decke einfangen und ebenfalls ersticken, tatsächlich schützt er sie mit der Decke dann nur, er hilft ihr aus einer für sie ausweglosen Situation, hält sie sanft an seine Brust gedrückt, entlässt sie wohl schließlich in die Freiheit. Der Fingerzeig ist unzweideutig.

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Sven - Friedrich Wiese

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Schöner Kommi!


LynchFan1706

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Bewertung4.0Uninteressant

Dieser Kommentar basiert auf fiesen Vermutungen, bösen Anschuldigungen, großer Enttäuschung und enthält Spoiler!

"Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern, die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen, denen du dich aufgeopfert hast."
George Bernard Shaw

Dies ist also das Ergebnis, wenn ein kalter Fisch wie Michael Haneke einen Film über Liebe dreht. Ich hätte es wissen müssen.
Liebe ist ein großes Wort, ein großes Gefühl und es gibt viele verschiedene Arten von Liebe. Ich bin mir darüber im Klaren, da ich schon einige Erfahrungen in der Liebe gesammelt habe, dass es für dieses Gefühl keine allgemeingültige Beschreibung gibt, aber in diesem Film habe ich alles mögliche gespürt nur keine Liebe. Weder zwischen Anne und Georges, noch zwischen Haneke und seinem Zuschauer. The same procedure as every time, Herr Haneke.
Zwischen Anne und Georges spüre ich Respekt, leichte Gereiztheit, Ungeduld, Distanz, aber Liebe? Nein.
Sicher verändert sich die Liebe im Laufe eines Lebens und dieses sprühende Gefühl weicht einer tiefen, unter der Oberfläche schwelenden Vertrautheit und Verbundenheit, aber auch das konnte ich zwischen den beiden nicht spüren. Ein Schicksalsschlag dieser Größe verändert eine Beziehung und auch das war nicht spürbar.
Distanziertheit und abgeklärtes, routiniertes Verhalten herrschte weiterhin vor. Ich will diesem Paar ihre Liebe nicht absprechen, ich spreche Haneke ab, dass er es versteht, Liebe zwischen einem Paar auszudrücken. Er versteht es nicht, positive Gefühle zu erzeugen, so dass man die tiefe Verbindung zwischen den beiden versteht. Ich habe nicht mitgelitten, nicht mitgefühlt, nicht geweint, nicht mitgelebt. Ich habe nur von außen das Leben dieser beiden beobachtet. Es müssen keine kitschtriefenden oder überbordende Gefühle sein, es hätte mir schon ausgereicht, wenn ich überhaupt so etwas wie Liebe gespürt hätte. Wenn Liebe und Tod als große Gefühle in einem Film thematisiert werden, dann möchte ich, dass diese beiden Gefühle mich einnehmen und mich nicht loslassen.
Als Anne immer kränker wird, wird besonders deutlich, dass Georges stetig nur mehr die Geduld verliert, durch seine Überforderung und die Vorwürfe seiner Tochter, (extrem überflüssiger Charakter!) kein liebevoller Blick für seine Frau, keine liebes Wort. Alles was er tut, wird aus der Intention heraus gemacht, ihre Unruhe abzustellen. Es gibt so wenig Verbindung zwischen den beiden, so wenig Zuneigung, so wenig Liebe. Ich verurteile dieses Handeln nicht, es ist nur zu normal und verständlich, aber ist dies etwas besonderes, etwas großes, was man hier zu spüren vermag?
Der Gnadenakt der Tötung Annes' schien mir dies noch zu untermauern, denn die Tötung erfolgte aus einer schrecklich aufgewühlten Ungeduld heraus, es möge endlich einmal Ruhe sein und erschien mir in der Vorgehensweise nicht gnädig, sondern äußerst brutal. So ist es für mich eine Verzweiflungstat, die eine Erlösung für beide bedeutet, verständlicherweise passiert, aber doch eher aus egoistischen Motiven erfolgt, denn aus Liebe. Wäre ein sanfter Tod nicht eher ein letzter Akt der Liebe gewesen?
Ja sicher, so ist das Leben. Brutal und ohne Gewähr, aber wissen wir das nicht längst alle? Ich brauche keinen Haneke, der mir wieder einmal mit erhobenem Zeigefinger nüchtern erklärt, dass das Leben im Alter nicht einfach ist, dass Schicksalsschläge jeden treffen können, dass entfremdete Töchter auch keine große Hilfe sind und dass es liebevolle und brutale Krankenpflegerinnen gibt. Ich habe schon gefühlvollere Dokumentationen über dieses Thema gesehen, bei denen ich Rotz und Wasser geheult habe. Hier blieb nichts. Keine aufwühlende Trauer, kein Mitleid.
Und wenn für diesen Film überhaupt ein Oscar hätte abfallen dürfen, dann für Jean-Louis Trintignant, denn er spielt Emmanuelle Riva glatt an die Wand.

Deswegen allerdings funktioniert Hanekes "Das weiße Band" auch so wunderbar, denn in diesem Film waren menschliche Gefühle tabu. Kalt, hart, brutal, das kann Haneke gut. Er sollte die Finger von tiefen, positiven Gefühlen zwischen Menschen lassen. Ich würde gern weitere Filme von Haneke sehen, die im 17./18./19. Jhrd. oder im Krieg spielen. Die perfekte Haneke-Zeit. Ich würde ihn mir sofort ansehen und er würde mir garantiert gefallen.

"Man kann ohne Liebe Holz hacken, Ziegel formen, Eisen schmieden. Aber man kann nicht ohne Liebe mit Menschen umgehen."
Tolstoi
Haneke sollte es mit Holz hacken, Ziegel formen oder Eisen schmieden probieren!

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LynchFan1706

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Das ist mein Problem mit Haneke, seine nüchterne Art, die mich nicht im mindesten berührt. Das Gezeigte lässt mich im wahrsten Sinne des Wortes kalt. Ich bin mir aber nicht sicher, dass Haneke es so beabsichtigt sondern denke, er kann es einfach nicht besser/anders. (Er sagte ja mal, dass er "allergisch gegen Sentimentalität sei. Sie sei ihm "lästig oder unangenehm".)
Muss er natürlich nicht, will er wahrscheinlich auch nicht, denn wenn Menschen dadurch etwas empfinden, berührt sind oder etwas für sich entdecken, was sie vorher noch nicht wußten, wunderbar, bei mir funktioniert das nicht.


cero

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Sehr schöner Kommentar. Spricht mir aus dem Herzen!


ElMagico

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Völlig nah und doch so fern. Man weiß soviel theoretisches und doch nichts von der Wahrheit. Wir nicht, Haneke nicht.
So tut er gut daran einmal nur stiller Beobachter zu sein, sich dumm zu stellen und dabei eventuell selbst etwas zu lernen. Und wenn es das ist, dass man ja doch nichts weiß. "Liebe" ist kein Manifest, kein Film mit einer allgemeingültigen Wahrheit. Er ist nicht mehr als die Geschehnisse hinter einer Tür. In einem Haus. In einer Straße. In Paris. Auf dieser Welt. Eine Tür weiter, da sieht alles vielleicht schon anders aus. So passiert es aber hier.
Ruhig und oft seltsam sachlich. Kaum künstliche Dramatik, kein Wehschmerz. Ein paar gute Momente, ein paar schlechte. Oft totale Banalität. Kein Eskapismus, nur Beobachtung.
Ein Film der Alltäglichkeit. Kein Lobgesang auf die Liebe, keine romantisierung dieser. Kein Film über die Liebe und doch frägt er nach ihrem Wesen. Ist Liebe nur gut? Nur Spaß? Wie weit darf sie belastend sein? Ist es Liebe wenn es nur Spaß ist und nur gut? Das flüstert "Liebe" aber nur im Hintergrund.
Keine Frage von richtig oder falsch, keine Frage nach irgendeiner Moral.
Zu einfach, als das man in diesen Film etwas sehen sollte, das er eigentlich ist. Aber in diesem einen Moment, den er darstellt, den er mitgeht, in dem das Schicksal dieser beiden alten Menschen der Mittelpunkt ist...in diesem Moment ist "Liebe" zu eindringlich und echt, um ihn einfach an sich vorbeiziehen zu lassen.

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Hartigan85

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Oh, wie lieb...;)


Sven - Friedrich Wiese

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Herzallerliebst :)!


SalocinRocknRolla

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Bewertung9.5Herausragend

So leise, so genial, so emotional, so echt. Der Oscar ist mehr als verdient. Selten dass ein Film mich so lange nach dem ersten Sehen noch mitgenommen hat.
Ein Film den ich mir lange Zeit nicht noch einmal angucken kann, weil er zu viel in mir ausgelöst hat.

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