Liebe

Amour (2012), AT/DE/FR Laufzeit 127 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 20.09.2012


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8.1
Kritiker
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7.8
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von Michael Haneke, mit Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva

Michel Hanekes Kammerspiel Liebe begleitet das Rentnerehepaar Georg und Anne in den letzten Tagen ihrer großen Zuneigung, nachdem ein Schlaganfall Anne langsam entgleiten lässt.

Handlung von Liebe
Liebe erzählt die Geschichte des Paares Georg (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva). Beide sind um die 80 und kultivierte Musikprofessoren im Ruhestand. Ihre Tochter (Isabelle Huppert]), ebenfalls Musikerin, lebt im Ausland. Eines Tages erleidet Anne einen Schlaganfall, der ihren körperlichen und geistigen Verfall einleitet. Nach einer Operation kehrt sie nach Hause zurück. Sie ist von nun an an den Rollstuhl gefesselt und auf die liebe- und aufopferungsvolle Hilfe ihres Mannes angewiesen. Es beginnt eine Bewährungsprobe für die Liebe zwischen Georg und Anna. Immer wieder flüchtet Georg sich in Tagträume, die seine Beziehung zu Anne vor ihrer Krankheit zeigen.

Hintergrund & Infos zu Liebe
Liebe (OT: Amour) wurde vom österreichischen Regisseur Michael Haneke geschaffen, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat. Für seine Arbeit wurde er 2012 auf den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Haneke ist einer von acht Regisseuren, die zweimal diesen Preis entgegennahmen und erst der zweite, der dies mit zwei direkt hintereinander gedrehten Filmen schaffte (Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte). Dasselbe Kunststück gelang ihm auch bei den Academy Awards 2013 als er für Liebe den Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film gewann.

Die beiden Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva waren beide Ikonen des französischen Kinos. Trintignant war ein Star der Nouvelle Vague und sogar im Western Leichen pflastern seinen Weg zu sehen. Emanuelle Riva wurde vor allem durch ihre traumwandlerische Rolle in Hiroshima mon amour bekannt.

Jean-Louis Trintignant hatte vor Liebe 14 Jahre lang keinen Film mehr gedreht. Michael Haneke gibt an, die Rolle extra für ihn geschrieben zu haben.
Bei den Golden Globes 2013 wurde Liebe in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet. (MS)

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Cast & Crew

Drehbuch
Filmdetails Liebe
Genre
Drama
Zeit
2010er Jahre
Ort
Paris
Handlung
Alte Frau, Alter Mann, Angst vor dem Tod, Art House-Film, Ehemann-Ehefrau-Beziehung, Große Liebe, Hohes Alter, Krankenpfleger, Krankheit, Liebe, Mutter-Tochter-Beziehung, Paar, Rente, Rollstuhl, Schlaganfall, Sterbehilfe, Sterben und Tod, Tochter, Tod, Vater-Tochter-Beziehung, Verlust der Großen Liebe
Stimmung
Berührend, Traurig
Tag
Arthaus-Film, Kammerspiel
Verleiher
Warner Bros./X-Verleih
Produktionsfirma
ARD Degeto Film, Bayerischer Rundfunk, Canal+, Ciné+, France 3 Cinéma, France Télévisions, Les Films du Losange, ORF, Wega Film, Westdeutscher Rundfunk, X-Filme Creative Pool

Kommentare (132) — Film: Liebe


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Martin Oberndorf

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Bewertung9.5Herausragend

Die Feuerwehr stürmt eine Wohnung, besser gesagt eine sorgfältig abgeklebte Tür.
Was sie dahinter finden? Einen Körper. Ringsherum mit Blumen geschmückt. Mittlerweile verwelkte Blumen.
In dieser Eröffnungsszene steckt unsagbar viel Essenz dessen, was wir in den nächsten zwei Stunden sehen werden.

Michael Haneke, der Regisseur, den ich so sehr hassliebe, und von dem ich glaube, man könne ihn nicht uneingeschränkt gut oder schlecht finden, hat wohl endgültig aufgehört, Experimente durchzuführen, und endlich angefangen, Filme zu drehen.
Ich glaube ja, dass seine früheren Filme, wie etwa die Trilogie der Vergletscherung der Gefühle, nur dazu da waren, das Publikum daran zu erinnern, dass negative Gefühle unerträglich sind.
Aber ich denke auch, der Ausbruch aus Österreich hat ihm gut getan.
Er hat das ausländische Kino lieben gelernt, und macht nun Filme, die dem Zuschauer auch gefallen können.

In "Liebe", der den Oscar als bester fremdsprachiger Film kurioserweise für Österreich erhielt (vor Allem in Anbetracht dessen, dass 'Das weiße Band' seinerzeit für Deutschland nominiert war), folgen wir einem Pärchen im Rentneralter, Anne und Georges, deren harmonischer Alltag durch einen Schlaganfall der Frau erschüttert wird.
Nach und nach verfällt die Frau, verliert zunächst die Fähigkeit zu gehen, aber auch unweigerlich wird sie Sprache, Nahrungsaufnahme und klares Denken verlernen. Beide wissen das.
Und beide gehen unterschiedlich damit um:
Georges kümmert sich aufopferungsvoll um seine Gattin, der ihm wichtigsten Person im Leben, versucht, ihr alles so einfach und angenehm wie möglich zu machen.
Anne möchte aber nicht zum Pflegefall werden. Sie will nicht bemuttert werden, sie will nicht ihre Würde verlieren, und verlangt, in guter Erinnerung abtreten zu dürfen.
Für ihren Mann aber unvorstellbar, seine Frau loszulassen. Er liebt sie.

"Liebe" ist ein ruhiger, aber sehr emotionaler, berührender und ehrlicher Film. Er zeigt uns zwei Figuren - ein Ehepaar - die sich wohl immer eins waren, die einander aufrichtig lieben und viele schöne Momente teilten...
...doch es ist unweigerlich das Alter erkennbar...
...es macht sich bemerkbar...
"Liebe" ist nicht nur ein Film über die Liebe, sondern auch über Vergänglichkeit.
Das schwere Wissen, sich darauf einstellen zu müssen, dass alles einmal unaufhaltsam vorbei sein wird. Und das bald.
Es brennt sich natürlich der Wunsch ein, selbst bestimmen zu wollen, wann und zu welchen Konditionen man abtritt. Auf der anderen Seite besteht immer noch die Hoffnung, dass alles wieder gut wird, oder dass man die Umstände zumindest soweit mildern kann, dass sie akzeptabel und lebenswert bleiben.
Man will einfach nicht loslassen müssen.
Verletzungen bleiben in jedem Fall zurück.

Haneke inszeniert feinfühlig. Er hat seinen Holzhammer, den er hier durchaus zur Verwendung hätte bringen können, freiwillig eingepackt - und zieht sich seine sanftesten Samthandschuhe an. Man kann bei diesem nach Außenhin ab und an rau wirkenden Mann oftmals das Gefühl bekommen, er hält nichts von den Leuten. Aber das stimmt nicht: er liebt sie; er hasst lediglich, wie sie miteinander umgehen. In "Liebe" jedoch zeigt er wohl den zärtlichsten, berührendsten und hingebungsvollsten Umgang, der möglich gewesen wäre, und vielleicht die am schwersten zu beantwortendste Frage überhaupt: (ab wann) kann der Tod ein Segen sein?

"Liebe" setzt sich nicht mit Ethik auseinander, so dreist ist er nicht. Es bleibt innerhalb der 4 Wände. Es geht um Wohl, Gefühle und das Abfinden mit dem Unvermeidbaren. Es geht nicht darum, ob es vertretbar wäre, jemanden von seinem Elend zu erlösen...
...es geht darum, warum man es tun sollte oder eben nicht.
Es ist kein niederschmetternder Film...
...es ist ein wunderschöner und bittersüßer Film.
Von einer Vergletscherung keine Spur - es ist eine unfassbar intensive Erfahrung. Es ist eine Wucht, und ein innerer Krieg, der das Geschehen bestimmt.
Anne stirbt jeden Tag ein Bisschen mehr. Soll man an ihr festhalten, sie dahinsiechen lassen, oder ihrem Wunsch nachgehen, und es aus eigenem Ermessen zu Ende bringen?
Oder anders gefragt: soll man die am Meisten geliebte Person töten, oder am Leben lassen?
Je nach dem, wie man es betrachtet, fällt die Entscheidung schwerer...

Es sind nicht nur die einfühlsamen Darbietung der HauptdarstellerInnen Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant, sondern auch Michael Hanekes Gespür für Empfinden, das Leben und die Zeit, die diesem Film eine Seele verleiht.
Und vor Allem, und das ist sehr wichtig, reicht Haneke seinem Publikum die Hand und stützt es durch diese schwere Zeit.
Es ist kein leichter Film... aber er ist zutiefst verständnisvoll.
Was auch immer das Ausland, und vor Allem Frankreich, mit Michael Haneke angestellt hat... es ist eine gute Sache.
Und ich weiß wieder, warum ich ihn für einen der talentiertesten und besten Autorenfilmer halte.

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StrawStar

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Bewertung5.5Geht so

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nach all den Lobeshymnen, die auf Amour gesungen wurden, mehr von diesem Film erwartet hatte.
Die langsame Erzählweise mit den vielen statischen und häufig ungewohnt weit entfernten Kameraeinstellungen, aus denen die Menschen immer wieder ins Off verschwinden, ist zwar typisch für Haneke, schafft aber eine kaum zu überbrückende Distanz zum Zuschauer. Wahrscheinlich soll uns das gequälte Ausharren, neben dem Mann, der seine Frau pflegt, seine Position näher bringen. Doch das gelingt nur selten. Was außerdem auffällt: Die Figuren berühren sich hier so gut wie nie gegenseitig - und so berührten sie auch mich nicht. Von Liebe ist hier kaum etwas spürbar.

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pixie123

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

„Liebe“ ist grausam entblößend und gleichzeitig frei von jeglicher Gefühlsduselei. Zwei Stunden lang wird man von dem Leid regelrecht zugeschnürt, muss das Gesehene erst verarbeiten. Zehn Minuten nach dem Abspann dann geweint. Hanekes Meisterwerk.

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Kamil90

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Bewertung9.0Herausragend

Es gibt Filme, wo man schon nach einiger Zeit merkt, dass man liebsten wegschauen würde und doch kann man es nicht, weil sie einen zu sehr in ihren Bann ziehen. 'Amour' gehört genau zu dieser Sorte Film.

Wir treten an die Seite eines älteren Ehepaares, welches in Ruhe ihren Lebensabend in einer gemütlichen Pariser Altbauwohnung verbringt, gemeinsam der klassischen Musik frönen und sich über ihre letzten gelesenen Bücher austauschen. Dieses Leben nimmt jedoch nach und nach ein Ende als die Gattin an Demenz erkrankt und ihr selbst schon vom Leben gezeichneter Mann mit aller Kraft und aufopfernder Bereitschaft sich ihrer annimmt und sie mit einer unerschütterlichen Selbstverständlichkeit pflegt.

Die Gebrechlichkeit des Alters ist etwas, worüber man nur ungerne spricht, obwohl es uns alle auf die eine oder Weise in unserer persönlichen Zukunft betreffen wird. Als großer Meister seines Faches konfrontiert uns Michael Haneke hier mit einer unerbitterlichen Konsequenz, die nicht nur seinen Darstellern sondern auch den Zuschauern einfach alles abverlangt. Ballast in Form von Kitsch und Sentimentalitäten werden komplett über Board geworfen, stattdessen wird uns ein Fenster eröffnet, das den ungeschönten Blick auf das Leben selbst zulässt und daher mehr zur Rührung anregt, als es ein sentimental-überladenes Filmerlebnis bei diesem Thema je zu Stande gebracht hätte. Musik kommt beispielsweise nur zum Einsatz, wenn es auch immanent zur Narrative des Films passt, zum Beispiel wenn jemand eine CD einlegt oder sich an den schönen Konzertflügel der Wohnung setzt. Gleichzeitig hat diese große Stärke des Films aber auch eine Wirkung, die man bloß als erschöpfend bezeichnen kann. Dadurch, dass alles so unfassbar real und schon fast wie eine Dokumentation wirkt, überlässt uns Michael Haneke bloß die Rolle des stillschweigenden Beobachters, der mit einer lähmenden Hilflosigkeit den Verfall des Körpers und Geistes beiwohnen muss.

Trotz dieser Anstrengung ist 'Amour' - wie der Titel erkennen lässt - vorrangig ein Film über Liebe und wie so häufig bringen die dunkelsten Zeiten in manchen Menschen ihre besten Seiten hervor. Die meisten waren wohl schon verliebt und haben auch die magischen Wörtchen "Ich liebe dich!" zu einer Person gesagt, doch hier wird eine selbstlose Form von Liebe präsentiert, die einen sprachlos werden lässt und die man sich für sein eigenes Leben nur wünschen mag. Insofern wohnt in diesem Film zusätzlich eine wahnsinnige Schönheit inne, die auch in der tollen Ästhetik des Bildes immer wieder durchblitzt.

Manch einer wird sich mit der konfrontativen Natur des Films und seinem ruhigen Tempo sicherlich schwer tun, aber ich halte ihn für einen sehr wichtigen Film, der mich noch dazu sehr bewegt hat.

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M4chete

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Bewertung7.0Sehenswert

Wissen Sie was ein Feel-Good-Movie ist? Diese Art Film, die einem auch bei der drölften Sichtung immer wieder gute Laune macht. Beispiele nenne ich mal keine, da hat sicher jeder ganz persönliche Favoriten.
Diesen Film wird wohl niemand als Feel-Good-Movie bezeichnen, wohl eher als das genaue Gegenteil. Und das macht mir auch die Bewertung schwierig. Wenn man sich die Filme von Haneke, speziell diesen hier, mal genauer ansieht, welche Botschaft wird denn da eigentlich vermittelt? Das Leben ist schmerzhaft und mit dem Tod ist man eventuell besser dran? Der Film will für den Zuschauer schwer aushaltbar sein und das schafft er auch. Tolle Schauspieler, minimalitisches Set, klappt alles super und will ich es auch gar nicht absprechen. Aber ist das ein Film, den man sich mehr als einmal ansehen will? Klare Antwort für mich: Nein. Filmisch sehr gut aber unterm Strich ein auf Zelluloid gebanntes Depressivum. Von daher kann ich nicht mehr als 7 Punkte geben, es wäre einfach nicht ehrlich.
Ich möchte anderen ihre Liebe zu "Liebe" nicht madig machen. Aber es soll mir niemand erzählen das die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht!

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Bletch

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Hatte schon von dem Film vor gut 2 Jahren gelesen und mich nicht an das 'schwierige Thema' heran getraut. Sicherlich beeindruckend um- und in Szene gesetzt. Aber wann ist man schon für so einen Film in Stimmung!?


kobbi88

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Hab den jetzt dreimal gesehen und finde den von Mal zu Mal schlechter. Haneke halt. Großer Blender.


BAin4SEM

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Bewertung7.5Sehenswert

Verstörend. Berührend. Französisch.

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Gerrard14

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Auch wenn dieser Film nach dem Gewinn des Oscars für den besten fremdsprachigen Film sicherlich kein Geheimtipp mehr ist, den Meisten wird er neu gewesen sein, als er gestern (21.09.14) im deutschen Fernsehen zu sehen war.
Der Film verzichtet weitestgehend auf Filmmusik, aufwendige Kameraführung und alles, was dem Kinobesucher normalerweise den Atem rauben soll. Stattdessen stellt er das leider immer häufigere Dilemma des geliebten Pflegefalls und die Hilflosigkeit und Verzweiflung der Angehörigen, insbesondere des Ehepartners, mit ungefilterter Härte dar. Viele kürzere und längere, unbeschönigte Alltagsszenen, in denen zunehmend weniger Dialoge stattfinden können, vermitteln die Stärke und Liebe die es braucht, um eine solche Situation nach einem wohl glücklichen und erfüllten Leben noch gemeinsam durchzustehen. Dabei wird vor allem auch auf Überzeichnung, Schwarzmalerei und Hochgetragenes verzichtet, allein auf die sehr gelungene Metapher der Taube sei an dieser Stelle hingewiesen. Im Wesentlichen wird das Stück von den beiden Hauptcharakteren getragen, die mit ihrer schlichten Art zu überzeugen wissen. Besonders herausgehoben sei an dieser Stelle Emmanuelle Riva als Anne, wie kann man sowas spielen?!
Besonders überzeugen konnte auch das Ende. Ich möchte natürlich nicht zuviel vorweg nehmen, aber auch hier wird anstelle von wohl drastischen Bildern die romantische Sicht des wunderbaren Georges gewählt.
Im Gegensatz zu manchen Vorrednern werde ich auf politische Ausführungen zum Thema Sterbehilfe und Sterbebegleitung verzichten, denn meiner Ansicht nach trifft der Film weniger politische als vielmehr soziale Aussagen, deren Erörterung ihnen hier ihre Stärke nehmen würde.
Leider kann ich aufgrund meines miserablen Französischs die Originalfassung nicht bewerten, aber auch die deutsche Synchronisation weiß in der Kraft der Dialoge zu überzeugen.
Im Ergebnis also ein absolut sehenswerter Film, nicht zum Genießen, aber zum Nachdenken.

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TheBosshammer

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Für einen MP-Pionier eine starke Kritik! Schön geschrieben. Sollte den vielleicht auch mal sehen. ;)


abendrot

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Bewertung6.0Ganz gut

Liebe ist...
...für den anderen die Toilette abzuziehen
...die Nase unter die Decke zu stecken, um herauszufinden, ob man die Windel wechseln muss
...sich über jedes Brabbeln freuen, dort wo man vorher hoch kultivierte Gespräche geführt hat
...vom anderen zu träumen, indem man sich Aufnahmen seines Klavierspiels aus glücklichen Tagen anhört, während er nebenan liegt und sich einnässt
...den anderen vor grobschlächtigem Pflegepersonal zu beschützen

Zu sehen sind reihenweise kleine alltägliche Grenzüberschreitungen, die in einem Pflegefall offen zutage treten - die dem Partner an die Substanz gehen und die - so die Philosophie dieses Films - nur durch Liebe gekittet werden können. Die Idee ist grandios, die Besetzung eigentlich auch. Das Problem ist die zuweilen extrem dröge und langweilige Inszenierung, was sich beispielsweise beim Einfangen einer Taube zeigt. Auch das ausladende Erzählen von Anekdötchen oder alten Geschichten des Ehemanns führt dazu, dass einem hier- und da mal die AUgen zufallen. Radikalrealismus in allen Ehren, aber da hätte ich die Prioriäten anders gesetzt.

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vanilla

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Bewertung1.5Ärgerlich

Ich liebe die Liebe, aber diese "Liebe" ist nicht meins.
Vielleicht sind es die Darsteller,
vielleicht Hanekes Art, die mich schon bei seinen anderen Filmen so gestört hat,
vielleicht hatte ich an diesem Tag einfach keine Lust im Altersheim vorbeizuschauen,
vielleicht ist es diese Langeweile, die für mich die größte Präsenz zeigt,
die mir sehr missfallen haben.
Quälend musste ich diesen Film über mich ergehen lassen.
Ich will niemals die Message, die ehrliche, wahre Liebe der Protagonisten, oder sonst etwas kritisieren.
Vielleicht ist sogar der Stil des Films für viele eine hohe Hausnummer.
Wie gesagt, meins war es nicht.
So sehr ich auf rührende, gefühlvolle Filme stehe, dieser "Rosamunde Pilcher-Film" ist nichts für mich.

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BAin4SEM

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Also.. das müsstest du vielleicht noch einmal überdenken ;)


BenAffenleck

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LIEBE möchte ich auch noch sehen, fand DAS WEISSE BAND allerdings grauenhaft. Mmmmhhhh....verficke Zwicke Mühle.


Telebaum

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Bewertung6.0Ganz gut

Endlich mal ein Film, bei dem man getrost eine Stunde rausgehen kann, ohne etwas zu verpassen.

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maddes89

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Sarkasmus und Ironie funktionieren online einfach nicht ;)


abendrot

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Offenbar nicht, schade. Die Kritik hat mich zum Schmunzeln gebracht :)


NewNemo

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein eher "stiller" Film, dafür aber umso eindringlicher. Nichts ist fesselnder als das Leben und der sog. Alltag.

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Johannes Jarchow

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Bewertung7.0Sehenswert

An meinen Zukünftigen: So möchte ich bitte auch sterben! Ganz genau so! Du darfst mich einmal schlagen, danach musst Du mich aber um Verzeihung bitten. Du sollst mir meine Wünsche erfüllen, auch wenn sie Dir lächerlich erscheinen. Du musst mich mit einem Kissen ersticken, wenn du merkst, es ist nur noch Quälerei.

Ich glaube allerdings zu wissen (etwas komplex dieses Konstrukt), dass das doch eher unrealistisch und romantisiert ist. So eine Liebe ist eine Erfindung der Literatur. Und seither ein Gespenst der westlichen Zivilisation.

Aber es spricht ja nichts dagegen zu romantisieren. Wer stellt sich schon gern sein Ableben in einem garstigen Altenpflegeheim vor, wo einem der Stuhl im Akkord abgenommen wird und die einzige Abwechslung der Einfuhrplan ist. Und Verwandte, die nur noch das schlechte Gewissen zu dir zieht. Man kann ja nichts mehr geben. Man ist nicht mehr der Mensch, der man war, als man noch geben konnte und die Anderen gern genommen haben. Gelähmt, dement, depressiv, einsam zu sterben ist Scheiße. Für die meisten ist es Realität.

Die Kunst hat sich wie die Ordnung des Profanen aufzurichten an der Idee des Glücks.

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Johannes Jarchow

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Und genau dieser Egoismus fehlt mir hier komplett. Vielleicht weil ich das aus den Augen einer egomanen Generation betrachte und die Demut unserer Vorfahren als nicht besonders existenziell erachte. Obwohl, meine Großeltern mir Hanekes Bild durchaus glaubhaft vorgelebt haben. Huch, ich bin ein verbitterter Zyonist.


abendrot

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Ich glaube eher, Haneke zielt auf Sterbehilfe aus Liebe und damit auf den ultimativen Altruismus an - wenn dem so wäre, wäre der Film tatsächlich Kitsch. Man kann es natürlich auch anders interpretieren, da dem Mann ja zusehends die Geduld flöten geht, indem er sich von der Pflege zurück zieht oder eben auch zuschlägt. Haneke hat schon im weißen Band viel mit den eigenen Vorbehalten der Zuschauer gespielt, vll wollte er das hier wiederholen.


CuchillaPitimini

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Bewertung3.5Schwach

[Pitiminis FiFa-WM: Gruppe E - Frankreich]

Das war er also, der vielgelobte und hochdekorierte Film "Liebe", den ich nun im Rahmen meiner "Filmfan-Weltmeisterschaft" sah. Ich habe mir vorgenommen, zu jedem Film dieser WM einen Kommentar zu schreiben, also tu ich das auch hier - auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen.

Worum geht es also in "Liebe"? Um das Ehepaar Anne und George, die auch im Alter noch sehr zärtlich miteinander sind. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem Anne einen Schlaganfall erleidet und nach einer missglückten Operation nicht nur auf den Rollstuhl sondern auch auf Pflege angewiesen ist. Für George ist es selbstverständlich, seine Frau zuhause zu pflegen, egal wie widrig die Umstände werden.

Ja, ich sehe die Geschichte hinter diesem Film. Und ja, ich sehe auch die handwerklich tollen Griffe der Regie und der Kamera. Hier und dort sehe ich die künstlerischen Aspekte des Films. Aber das alles bringt mir nichts wenn mich der Film nicht erreicht. Dieses Gefühl um das es in diesem Film geht, ja das dem Film seinen Titel gab, die Liebe - die habe ich hier nicht gespürt. Im Gegenteil: auf mich wirkte der Film die ganze Zeit über schwer, kalt und anstrengend. Sicher ist die Zeit, die Anne und George erleben anstrengend, und der Film versucht zu zeigen, wie die Liebe durch diese schweren Zeiten hilft. Ich sah hier jedoch vielmehr Pflichtgefühl als Liebe. Für mich zog sich der Film schier endlos in die Länge, zäh wie Kaugummi, der einzige gefühlvolle Lichtblick war Tochter Eva. Aber sicher sieht das jeder anders und sicher sieht man den Film auch anders, wenn man vielleicht in seinem persönlichen Umfeld schon ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

Meine Liebe gewinnt dieser Film jedenfalls nicht.

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Roldur

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Bewertung9.0Herausragend

Wenn ich jetzt an den Zeitpunkt denke, welchen ich mir für Michael Hanekes „Liebe“ ausgewählt habe, dann hätte ich einen passenderen Augenblick wohl kaum finden können. Müde und emotional angreifbar, beschließe ich also um 2 Uhr Nachts den Film zu schauen, nachdem er etwa 1 Jahr in meinem Regal vergammelt ist. Wohl gerade weil um diese Uhrzeit die Nerven blank liegen hat das meine Erfahrung noch verstärkt und Haneke hat mich mit voller Wucht getroffen.
Der kammerspielartige Film um das Rentner-Ehepaar Georg und Anne ist ein wahres Meisterwerk geworden. Hanekes distanzierte Art mit Emotionen umzugehen macht den ganzen Film noch viel direkter und verwebt verstörende wie zärtliche Momente auf eine wunderbare und grazile Art. Hier wird auf jegliche Sentimentalität verzichtet und trotzdem hätte man den Schmerz aber auch die Aufopferung seitens Georg und auch Anne wohl kaum besser bebildern können.
„Liebe“ ist ein sehr intimer Film geworden. Nicht nur für Haneke, der Teile seiner Erfahrungen direkt in den Film adaptierte, sondern auch für Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva. Das Schauspielerensemble spielt wie aus der Realität gegriffen und lässt keinerlei Distanz zu, so dass zumindest ich zu einer sehr direkten und persönlichen Wahrnehmung gezwungen war.
„Liebe“ war ungemein berührend, traurig aber auch hoffnungsvoll, was man angesichts des Plots wohl kaum vermuten würde. Haneke charakterisiert die Liebe seiner Hauptcharaktere als ewig und das so glaubwürdig, dass man Georg unterstützen will und Evas Schmerz fühlt.
Sicherlich war es keine richtig angenehme Erfahrung „Liebe“ zu sehen, aber eine Erfahrung die man unbedingt gemacht haben sollte. Wenn ein moderner Film irgendwann ein Klassiker werden sollte, dann ist es „Liebe“, denn etwas vergleichbares würde mit jetzt nicht einfallen.
Und wieder einmal wird mir unmissverständlich bewusst, dass ich manche Filme einfach nicht in Worte fassen kann. Unbedingt anschauen, auch wenn es vielleicht eine der schmerzhaftesten Film-Erfahrungen eures Lebens wird – besonders wenn ihr Teile der Handlung aus der Realität kennt oder ein bisschen zu empathisch seid.

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Val Vega

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Das Schicksal ist es, das zugeschlagen hat und die Liebe ist es, die das Schicksal zu besiegen weiß. Es ist die Liebe eines Mannes zu seiner Frau, die er über alles liebt, doch der sich der Problematik gegenübersieht, dass er nicht weiß wie mit ihrem Leben umzugehen ist.

Michael Haneke ist einer der größten Regisseure unserer Tage, versteht er es doch aus einem (auf dem Papier) einfachen Stoff durch seine virtuose, unaufdringliche und unglaublich intelligente Inszenierung eine Tragödie zu machen, die sich nur mit einem Wort betiteln lässt: Kunst. Er versteht es eine Atmosphäre aufzubauen, die spürbar ist, die Magie des Kinos zu entfalten. Die Isolierung und Trennung der beiden Liebenden durch den Krankheitseintritt ist in jedem Augenblick vorhanden und klar aufgezeigt. Doch es ist genau diese Isolierung, die eine Form der Intimität zwischen den beiden verlangt. Eigentlich die Intimität, die ein Pfleger zu seinem Patienten pflegt, doch dann wenn er ihre Hand berührt, zärtlich darüber streichelt und sie ansieht, sie aber diesen Blick nicht zu erwidern vermag, dann ist hier eine Form der Liebe zu sehen, die ich selbst nicht in Worte fassen kann, doch die Beweist, dass man sich in dieser umfassenden Form dem Thema „Liebe“ wohl nur in der Tragik widmen kann.
Es rührt mich zu Tränen, Georges anzublicken während er Anne ansieht mit so viel Liebe aber auch Unverständnis, doch dazu braucht es nicht einmal verkitschte Musik, lange Dialoge oder sonstige Merkmale inszenatorischer Mangelhaftigkeit, die ein gewöhnlicher Regisseur verwenden würde, sondern lediglich Hanekes Gespür für die Menschen und Menschlichkeit. Und mit von ihm immer wieder erwähnten Verbindungen zu seiner eigenen Familiengeschichte merken wir vor allem eines im Film: Haneke lässt mit „Liebe“ tief blicken.

Die großen Schauspieler des Films, Jean-Louis Trintingnant und Emanuelle Riva, die in ihrem hohen Alter, die Schönheit der Anmut und Ausdrucksstärke besitzt, glänzen in jeder Hinsicht. Beide spielen ruhig, jedoch mit völliger Hingabe. Sie sind in jeder Szene sich ihres Handwerkes bewusst und strahlen den Glanz und die Erhabenheit des Alters aus. Alleine ihr wunderbares Spiel, macht den Film zu einem unglaublichen Erlebnis, dass mir zum Denken gibt, dass dieses Film-Jahrzehnt, ein wahrhaftig Großes bisher ist und hoffentlich auch weiterhin sein wird.
„Liebe“ ist filmische Poesie, Kunst auf höchster, vollendeter Stufe und ein tiefgründiger Film, der zum Nachdenken über das Thema anregt. Die Schauspieler bieten Höchstleistungen und haben in ihrem späten Alter noch einmal bewiesen, dass sie zu den Großen ihrer Zunft gehören und Haneke, dessen Status als einer der größten Regisseure unserer Zeit ohnehin unantastbar sein sollte, beweist mit diesem sehr persönlichen Werk, zu was Kino fähig ist, nämlich um große Themen der Menschheit anzusprechen.

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Val Vega

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Danke, Fonda ;)

Könnte mir vorstellen, dass du dem auch ne 9 gibst :)


BenAffenleck

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Werde mir den sehr gelobten LIEBE auch noch mal geben. Mit DAS WEISSE BAND kannste mich allerdings jagen. Der war nicht meins.


puroduroo

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Bewertung6.0Ganz gut

Eigentlich kein schlechter Film, aber er zieht sich sehr, alles wird zu ausführlich lang gezeigt. Aber das ist natürlich Ansichtssache. Manchen gefällt vermutlich genau das.

Trotzdem ganz gut.

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Drax

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Michael Haneke zeigt in seinem kammerspielartigem Drama "Amour" jenseits großer Sentimentalitäten die ausweglose Liebesgeschichte eines alten Ehepaares.
Haneke weicht dabei mal wieder vor keinen Tabubrüchen zurück und wagt sich an die heiklen Themen Alter, Hoffnungslosigkeit, Tod und Sterbehilfe, alleine dafür gebührt ihm meiner Meinung nach großer Respekt.
Getragen wird der Film dabei vor allem von seine zwei Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva, die beide überragende Leistungen abliefern und dafür mehrfach verdient ausgezeichnet wurden.
Zusätzlich überzeugt "Amour" jedoch auch durch seine minimalistische Inszenierung, so dass der Film unglaublich realistisch ja beinahe dokumentarisch wirkt.
Michael Hanekes "Amour" ist daher alles in allem ein großartiger und äußerst sehewerter Film, den ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.

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stuforcedyou

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So isses


SoulReaver

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Zusammen mit THE MASTER.


sachsenkrieger

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Bewertung9.0Herausragend

Liebe! Wie oft ist dieses wahrscheinlich banalste und gleichzeitig universellste Wort unseres Planeten schon gesagt, geschrien, geflüstert, gelogen, mißbraucht, gehaucht oder gestammelt worden, ohne das jemand auch nur ansatzweise sagen könnte, was es bedeutet, was letztendlich dahintersteckt?

Wer sich diesen Film mit offenem Herzen ansieht, der sollte der Antwort ein großes Stück näher gekommen sein. Zwei Menschen in Harmonie, mehr kann, darf, muss, soll die Liebe nicht sein. Das sind im Idealfall zwei Kreise, die fast zu einem verschmolzen sind. Es gibt kein oben, unten, links oder rechts. Wenn einer dieser Kreise schwindet, schwindet ein mehr oder weniger großer Teil des anderen mit ihm.

Michael Haneke hat mit seinen beiden herausragenden Darstellern ein meisterhaftes Kabinettstück inszeniert, das wohl jeden, der liebt, im Innersten berührt. Er hat es (für mich) erreicht, das selbst der Tod nicht mehr der Liebe übergeordnet scheint, sondern als ein Teil von ihr anzusehen ist, als (vielleicht) letzter Ausdruck der Liebe.

"Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt." - Erich Fried

GOOD NIGHT AND GOOD LUCK!

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mary84

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Bewertung7.5Sehenswert

!!! Eventuell Spoiler !!!

Ein toller Film über die Thematiken der grenzenlosen Liebe (bis das der Tod uns scheidet, egal was kommt), die hingebungsvolle und nervenaufreibende Pflege eines geliebten Menschen, Suizidgedanken, Geduld, Belastung, Isolation, Hilflosigkeit und Sterbehilfe sowie Sterbebegleitung.
Der Film ist tiefsinnig und intensiv auch ohne viele Dialoge oder Worte. Allerdings wirkt er manchmal etwas langatmig, einige Szenen werden ziemlich ausgereizt.
Die ständigen Hilferufe (man ist sich nicht sicher, ist es der Wunsch nach Erlösung oder etwas anderes) haben mich zum Nachdenken angeregt, wie muss es wohl in solch einem Menschen vorgehen und was will die Person damit wirklich ausdrücken, sollte man z. B. nur noch einen sehr begrenzten Wortschatz besitzen, bedingt duch einen Schlaganfall oder nichts anderes mehr ausdrücken können (wobei man das Wort Hilfe eigentlich klar definieren kann).
Das Ende hat mich dann schon ziemlich überrascht und kam so plötzlich. Auch da werden die wirklichen Beweggründe in Frage gestellt, zumindest von mir.
Ob das Ende moralisch vertretbar ist, darüber lässt sich selbstverständlich diskutieren, ich kann dazu nicht mal wirklich meine eigene Meinung wiedergeben, da ich noch nicht (zum Glück) in so einer Situation war, wenn das irgendwann mal auf mich zukommt, werde ich es erst dann beurteilen können. Ich denke es ist ziemlich schwierig, wenn man entscheiden soll, ob man einen Menschen mit dem man viell. 60 Jahre lang verheiratet war erlösen soll oder nicht.
Der Film schafft es auf jeden Fall, dass man danach emotional aufgewühlt ist und über das Leben, die Liebe und das Alter oder die Sterblichkeit nachdenkt.

...Was ist die wahre Vorstellung von Liebe...
...Was ist Liebe überhaupt...
...Wie weit geht Liebe...

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Dachsman

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Bewertung7.0Sehenswert

Fragmente eines Zerfalls. Georges stemmt sich unerbittlich gegen den schleichenden Verlust von Anne. Haneke stellt die Kamera auf und beobachtet. Was wir am Ende sehen sind nüchterne Eindrücke, ohne kitschige oder effekthaschende Momente (dass Altersdemenz und Schlaganfälle auch noch ungemütlichere Formen annehmen, sollte man niemandem zu erfahren wünschen). Dies lädt Haneke mittels Musik, Kunst oder Tauben symbolträchtig auf. Das schmeckt mir persönlich weniger, weil ich das Thema allein schon für gewichtig genug halt, als dass mir noch mit der hochkulturellen Kelle nachgeschenkt werden müsste, funktioniert aber. Ob es vordergründig tatsächlich um „Liebe“ ging ist eine Frage, die jeder selbst beantworten sollte (meine Antwort: Nein, aber „Verantwortung“ ist auch kein schöner Verleihtitel). Und Riva und Trintignant! Was braucht man in einem Internetforum noch groß darüber schreiben?

bedenklich? 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 6 Antworten

SoulReaver

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Wie gesagt, es geht um viel, doch das Ende zeigt, dass die Liebe über allem thront. SPOILER
Nachdem Georges Anne erlöst hat, erlöst er auch sich (Tauben = Seele). Wenn man ihn dann im Gästezimmer sitzen sieht, wie er aufstehen willbund noch einmal auf das Bett fällt, dann trennt sich der Geist vom Körper und Georges geht mit Anne in die Ewigkeit. Ist doch romantisch, nach dem Kampf, zu zeigen, dass die Liebe über den Tod hinausgeht. :)


Dachsman

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Das stimmt schon. Wobei, das sind die letzten Minuten, die zwei Stunden vorher decken noch einiges mehr ab, was ich persönlich interessanter fand. Diese, ich nenne es mal sehr flapsig, metaphysische Versöhnung nach einem doch heiklen Thema, kann man übrigens auch kritisch sehen (wobei das für mich jetzt nicht unbedingt gegen den Film spricht). Die Szene, die Du beschreibst war für mich übrigens deswegen ein schöner Schlusspunkt, weil sie eine der ersten Szenen im Film spiegelt (das erste Betreten der Wohnung von Georges und Anne, die Kamera steht diesmal gegenüber ihrer ersten Position).



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