Liebe

Amour (2012), AT/DE/FR Laufzeit 127 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 20.09.2012

noch nicht bewertet

Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
8.1
Kritiker
39 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.9
Community
878 Bewertungen
117 Kommentare
admin image admin trailer admin edit edit group memberships sweep cache Moviemaster:Movie

von Michael Haneke, mit Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva

Michel Hanekes Kammerspiel Liebe begleitet das Rentnerehepaar Georg und Anne in den letzten Tagen ihrer großen Zuneigung, nachdem ein Schlaganfall Anne langsam entgleiten lässt.

Liebe erzählt die Geschichte des Paares Georg (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva). Beide sind um die 80 und kultivierte Musikprofessoren im Ruhestand. Ihre Tochter (Isabelle Huppert]), ebenfalls Musikerin, lebt im Ausland. Eines Tages erleidet Anne einen Schlaganfall, der ihren körperlichen und geistigen Verfall einleitet. Nach einer Operation kehrt sie nach Hause zurück. Sie ist von nun an an den Rollstuhl gefesselt und auf die liebe- und aufopferungsvolle Hilfe ihres Mannes angewiesen. Es beginnt eine Bewährungsprobe für die Liebe zwischen Georg und Anna. Immer wieder flüchtet Georg sich in Tagträume, die seine Beziehung zu Anne vor ihrer Krankheit zeigen.

Hintergrund und Infos zu Liebe
Liebe (OT: Amour) wurde vom österreichischen Regisseur Michael Haneke geschaffen, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat. Für seine Arbeit wurde er 2012 auf den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Haneke ist einer von acht Regisseuren, die zweimal diesen Preis entgegennahmen und erst der zweite, der dies mit zwei direkt hintereinander gedrehten Filmen schaffte (Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte). Dasselbe Kunststück gelang ihm auch bei den Academy Awards 2013 als er für Liebe den Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film gewann.

Die beiden Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva waren beide Ikonen des französischen Kinos. Trintignant war ein Star der Nouvelle Vague und sogar im Western Leichen pflastern seinen Weg zu sehen. Emanuelle Riva wurde vor allem durch ihre traumwandlerische Rolle in Hiroshima mon amour bekannt.

Jean-Louis Trintignant hatte vor Liebe 14 Jahre lang keinen Film mehr gedreht. Michael Haneke gibt an, die Rolle extra für ihn geschrieben zu haben.
Bei den Golden Globes 2013 wurde Liebe in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet. (MS)

  • 37795279001_1648251746001_th-1648251623001
  • Liebe
  • Liebe
  • Liebe
  • Liebe

Mehr Bilder (20) und Videos (2) zu Liebe


Cast & Crew


Kritiken (28) — Film: Liebe

SiameseMax: SiameseMovies

Kommentar löschen
10.0Herausragend

[...] “Amour” besticht durch seine grandios authentischen, unprätentiösen DarstellerInnen, durch sanfte, liebevolle, aber gleichzeitig wunderbar zurückhaltende Hand geführt durch den simplen Plot. Das ansonsten eher unrühmliche Attribut “simpel” ist in diesem Kontext jedoch als im besten Sinne positiv zu verstehen, denn es geht um den Alltag des Älterwerdens, des Für-einander-da-seins und, ja, um Liebe. So “einfach” kann Kinokunst sein.
Zudem bleibt zu bemerken, dass mir kein Film bekannt ist, der die Komplikationen und Folgen eines bzw. mehrerer Schlaganfälle dermaßen realistisch darstellt (was freilich auch der zu Recht mit dem Oscar nominierten Emmanuelle Riva zu verdanken ist). [...]

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

SoulReaver: CinemaForever

Kommentar löschen
10.0Lieblingsfilm

Mit seelischem Symbolcharakter manifestiert Michael Haneke die qualvollste und gleichzeitig mächtigste Emotion von allen. »Liebe« ist ein zutiefst menschlicher, aufrichtiger und in jeder Beziehung berührender Film, der von einem Regisseur inszeniert wurde, der nicht nur über eine enorme Menschenkenntnis verfügt, sondern endgültig den ehrfürchtigen Ritterschlag verdient hat, denn wenn es einem Filmemacher in einer solch vollkommenen Form gelingt, dieses Thema – die Liebe – ohne Rührseligkeiten, ohne verzogene Melodramatik, ohne den erdrückenden Einsatz von pathetischer Musik, die letzten Endes nur die inszenatorische Inkompetenz des Regisseurs reflektiert, und ohne jedes verbale Geständnis untereinander zu entfalten, dann ist das ganz große, unantastbare Kunst. [...]

Kritik im Original 33 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 14 Antworten

SoulReaver

Antwort löschen

Juhu! :)


SKURRIL

Antwort löschen

Haneke beherrscht es perfekt, Emotionen fühlen zu lassen, ohne zu pathetisch zu werden und das in einer höchst realistischen Art und Weise.


Roger Ebert: Chicago Sun Times Roger Ebert: Chicago Sun Times

Kommentar löschen
9.5Herausragend

Liebe ist eine unerwartete Art Meisterwerk von Michael Haneke, zu dessen Filmen das mysteriöse Caché und der Goldene Palme-Gewinner Das Weiße Band gehören. Wir erwarten nicht eine solch unerschrockene Ernsthaftigkeit, solche Tiefe von Haneke.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Flibbo: Wie ist der Film?

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

[...] Michael Haneke („Funny Games“, „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“) bleibt seinem Stil auch in dieser französisch-deutsch-österreichischen Koproduktion treu: wenige, lange, sorgfältige Einstellungen in drückender Stille. Zu „Liebe“ passt diese Form ganz besonders, wirkt etwas weniger aufgesetzt, denn sie harmoniert mit den natürlicherweise langsamen, gewählten Bewegungen der Hauptfiguren, die ihren Lebensabend in kultivierter Abgeschiedenheit vom Trubel da draußen verbringen. Nichtsdestotrotz neigt Haneke wieder zum Dehnen – er beobachtet sorgfältig, verharrt um des Realismus willen, erstarrt aber auch um des Stils willen. [...]

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Kubrick_obscura: CinemaForever

Kommentar löschen
9.0Herausragend

Eine gewisse Formelhaftigkeit kann man Hanekes Filmen nie absprechen, doch ist ihre Form nie reiner Selbstzweck und auch in seinem neuen Film "Liebe" zeigt sich mal wieder, dass der österreichische Star-Regisseur mit seinem Rezept immer noch am besten kochen kann. Die größtmögliche Fokussierung auf Situationen und das stetige Verweilen der Kamera in Totalen ermöglichen es dem Publikum einen eigenen Blick zu finden. Die Aufmerksamkeit lenkt Haneke zwar gezielt durch die Tonebene, dennoch überlässt er seinen Zuschauer_innen immer einen Rest Eigenverantwortung. So funktioniert aktives Sehen und bei allem Realismus den Haneke bemüht, bleibt seine Inszenierung seltsam doppelbödig. Auch hier können wir, wie in seinem Kino üblich, den Bildern nicht ganz trauen, aber wir können dafür den Gefühlswelten seiner Figuren vertrauen, zu denen in "Liebe", und wie in keinem Haneke-Film zuvor, die Tore nun weit offen stehen, dank einer hervorragenden Besetzung und einem Erzählgestus, der niemanden mehr belehren will.

Kritik im Original 13 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Filmering: Filmering.at

Kommentar löschen
9.0Herausragend

Mit Liebe bewegt sich Michael Haneke einmal mehr am Zenit seines Könnens. Im Wesentlichen schildert der Film über rund zwei Stunden lang das Erlöschen eines Menschenlebens und im Gegensatz zu den meisten Filmen schildert er diesen Prozess nicht als kurzen Knall, sondern als langsamen Prozess, der das Gefüge einer kleinen Welt in den Abgrund zieht. Die Härte, Präzison und Konsequenz mit der Haneke seinen Film inszeniert ist beispiellos und die Tatsache, dass er das Mitgefühlt für seine Figuren und die emotionale Integrität der gesamten Geschichte nie aus den Augen verliert, ist nicht weniger imponierend. Für Arthouse Fans ist Liebe sicher eines der größten Highlights des Kinojahres.

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Sascha Rettig: Tip, fluter, Netzeitung Sascha Rettig: Tip, fluter, Netzeitung

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

Anders als in seinen kühl distanzierten Filmen entwickelt Haneke diesmal eine Menschlichkeit und ein ungewohntes Mitgefühl, während er zugleich zärtlich und brutal, schmerzvoll ehrlich und doch voller Würde auf das Unausweichliche blickt.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

M. Semenowicz: Filmszene.de M. Semenowicz: Filmszene.de

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

Es ist trotz wunderbarer Schauspieler, Sets, Musik und Kamera wahrlich nicht einfach, 'Liebe' zu sehen, denn dieses stille, sensible und intensive Meisterwerk ist eine schonungslose Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit, präzise, beobachtend und verstörend, dabei auch noch in quälend lange Einstellungen gebettet.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Barbara Schweizerhof: der Freitag, Die Welt, epd ... Barbara Schweizerhof: der Freitag, Die Welt, epd ...

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Und so beklemmend es ist, sich damit auseinandersetzen zu müssen, so befreiend wirkt gleichzeitig, dass Haneke damit einerseits sehr respektvoll, andererseits aber auch völlig unerschrocken und angstfrei umgeht.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Richard Lammel: DVD-Forum.at Richard Lammel: DVD-Forum.at

Kommentar löschen
7.0Sehenswert

'Liebe' ist, wie könnte es bei diesem Regisseur anders sein, kein Film für die Massen [...] aber trotz allem ist es immer ein besonderes Vergnügen diesen Künstlern bei der Arbeit zu sehen, und sie bewundern zu können.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Stefan Benz: Echo - Online Stefan Benz: Echo - Online

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

Dieser Film ist über weite Strecken nur schwer erträglich. Und ja, es ist eine der bittersten Herausforderungen an unsere Empathie, die man im Kino auf sich nehmen kann.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Katja Nicodemus: NDR Katja Nicodemus: NDR

Kommentar löschen
9.5Herausragend

Dass die tiefe Liebe dieser beiden Menschen in Hanekes Bildern genauso Platz hat wie die Erinnerungen, Zweifel, Ängste, mit denen jeder Zuschauer dem schweren Thema begegnen mag, macht die überragende Größe dieses Films aus.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Walli Müller: br-online, NDR Walli Müller: br-online, NDR

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

Liebe ist… wenn man auch die schwere Krankheit des geliebten Menschen annehmen kann. Ein schonungsloser Film, der zum Hinsehen auf unangenehme Dinge zwingt. Zwar voller Zärtlichkeit, aber nicht dazu angetan, einem die Angst vor dem Altern zu nehmen.

Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...

Kommentar löschen
10.0Herausragend

Anne und Georges können auf ein erfülltes Leben als Konzertpianisten zurückschauen, sind somit eigentlich zu beneiden. Zumal sie bis ins hohe Alter eine harmonische Ehe führen, finanziell als Pensionäre gut abgesichert sind und auch mit 80 immer noch Freude haben an der Musik und guten Büchern.

Doch plötzlich muss sich das Ehepaar gewaltig umstellen. Halbseitig gelähmt ist Anne nach einem kleinen Schlaganfall auf den Rollstuhl angewiesen – und bei vielen Verrichtungen auf ihren Mann. Ihm macht das nichts aus: Verständnisvoll und geduldig unternimmt er alles, um ihr die Situation so angenehm wie möglich zu machen, ist zur Stelle, wenn sie auf die Toilette oder ins Bett gehievt werden muss. Anne aber leidet unter dem Verlust an Lebensqualität und wünscht sich zu Georges großem Kummer den Tod. Erst recht, als sich ihre Situation verschlimmert.

Sehr präzise und konzentriert an nur einem Schauplatz – eine prächtige Altpariser Künstlerwohnung – zeichnet Regisseur Michael Haneke bewegend nach, wie die kultivierte, alte Dame sukzessive zu einem Pflegefall wird. Man würde solche Szenen gewiss lieber verdrängen. Doch so schlecht, wie es um die Akzeptanz von aktiver Sterbehilfe noch immer bestellt ist, scheint es an der Zeit, genau hin- und nicht länger wegzuschauen: Den möchte man sehen, der dem Leben noch etwas abtrotzen will, wenn er wie Anne gewindelt, gewaschen und gefüttert werden muss, nur noch stammeln – und nichts Erbauliches mehr tun kann.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Oceanic6: CinemaForever

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

[...] Auch Emmanuelle Riva als Georges Ehefrau ... zeigt eine beeindruckende Leistung. Zusammen bieten sie, Trintignant und Filmtochter Isabelle Huppert ganz großes Schauspiel- und Gefühlskino. Da fällt die fast schon perfekte Inszenierung von Haneke und Co schon gar nicht mehr auf. Man sitzt zwei Stunden gebannt vor der Leinwand und möchte jede kleinste Regung einer Falte wahrnehmen. Und so lauscht man diesen Menschen, die so lebensnah und unverfälscht daherkommen, wie man es nur selten im Kino erlebt. Und wenn Haneke dann doch mal die Inszenierung über das Schauspiel dominieren lässt, schafft er noch erdrückendere Szenen wie beispielweise einen Albtraum, der sich auf Ewig ins Gedächtnis brennt. [...]

Kritik im Original 17 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

José Garcia: Textezumfilm

Kommentar löschen
7.5Sehenswert

Die hervorragenden Schauspieler und die beachtliche Kameraführung von Darius Khondji, die bei aller Nähe zu den Figuren immer eine gewisse Distanz wahrt, wodurch auch jeglichem Voyeurismus ein Riegel vorgeschoben wird, vermögen nicht darüber hinwegzutäuschen, dass sich die Dramaturgie aufgesetzt ausnimmt. Zwar stellt sich Georges zwischendurch die Frage, ob er an sein halbherziges Versprechen, Anne nicht in ein Krankenhaus zu bringen, wirklich gebunden ist. Sie selbst zu pflegen wird jedoch für ihn mehr und mehr zu einer fixen Idee. Daran hat nicht wenig Anteil die karikaturhafte Pflegerin, die Anne beim Kämen quält und völlig taktlos behandelt, so dass sich der Zuschauer unweigerlich fragt, ob es in einer Stadt wie Paris keine erfahrenen und feinfühligen Pflegerinnen gibt. Für Georges’ Gefühl, mit Annes Pflege allein und deshalb irgendwann einmal überfordert zu sein, spielt eine ebenso bedeutende Rolle die gemeinsame Tochter Eva (Isabelle Huppert), die in London lebt und sich selbst…

Kritik im Original 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Dieter Oßwald: programmkino.de Dieter Oßwald: programmkino.de

Kommentar löschen
9.0Herausragend

Ein Thema, das jeder gerne verdrängt und mit dem fast alle irgendwann einmal konfrontiert werden - Haneke bringt es mit großartiger Wahrhaftigkeit auf die Leinwand. Das Filmkunst-Ereignis des Jahres!

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Diemuth Schmidt: Radio Köln Diemuth Schmidt: Radio Köln

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Mit einer faszinierenden Darstellerleistung gelingt es den beiden über 80-jährigen Schauspielern in Liebe, die Intimität eines Paares, das bereits einen langen Weg zusammen gegangen ist, auf die Leinwand zu bringen.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Alexandra Wach: film-dienst.de Alexandra Wach: film-dienst.de

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Ein großer Schauspielerfilm, eine radikale Apologie der Empathie, ein überraschend altersmilde, kämpferisch und zugleich zurückhaltend gestimmter Haneke.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Benjamin Schieler: Moviemaze Benjamin Schieler: Moviemaze

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Michael Hanekes preisgekröntes Drama Liebe ist wie ein Besuch bei Verwandten im Altersheim: häufig schwer zu ertragen und dennoch absolut empfehlenswert.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Alle Kritiken (28)


Kommentare (89) — Film: Liebe


Sortierung

Frank Booth

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Mit der Elend-Pornografie »Amour« liefert Michael einen ausgereiften Haneke, welcher durch seine Thematik (Spoiler einer Bekannten: »Naja, du siehst halt zwei Stunden lang einer alten Frau beim Sterben zu.«) für den voyeuristischen Drive des Österreichers geradezu wie geschnitzt ist: Einsichtig quält sich der Zuschauer ohne die Schwimmflügel eines Scores 127 Minuten mitfühl- und ekelnd durch die Urangst vor dem Altwerden, darf sich jedoch an manchen Ecken an einem seltenen Exemplar der Gattung »Liebe« erfreuen. Ein Liebesfilm, den man nicht zweimal sehen möchte.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

jeffcostello

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Michale Haneke hat einmal gesagt, dass es nicht an der Kunst ist, Antworten zu geben, sondern viel eher Fragen zu stellen, und die Qualität der Kunst misst sich an der Dringlichkeit der Fragen. Weiter sagt er, dass Kunst den Rezipienten nur berühren könnte wenn man in irgendeiner Weise persönlich betroffen ist.
Von der Thematik von „Liebe“ dürfte wohl jeder betroffen sein, denn Lieben und Sterben sind wohl die zwei zentralsten Themen überhaupt im Leben.
In „Liebe“ will Haneke nicht belehren, er will den Zuschauer auch nicht angreifen, was ihm beides immer wieder nachgesagt wird und auf andere Werke des Österreichers sicher auch zutrifft, nicht aber auf „Liebe“.
Natürlich ist „Liebe“ kein unbeschwerter, leichter Film, die Inszenierung ist eher nüchtern, der Film ist ehrlich und realistisch, doch in seiner Gesamtheit wirkt er sanft und einfühlsam.
Hier zeigt Haneke ein altes Ehepaar, zwei berentete Musikprofessoren, Georges und Anne, die ein beschauliches Leben führen, eine bereits erwachsene Tochter haben, augenscheinlich also schon länger eine „glückliche“ Ehe führen. Eines Tages wird die Anne krank, sie ist ab dort halbseitig gelähmt, ihr körperlicher und geistiger Zustand verschlimmert sich schnell und die Situation erstickt Georges mehr und mehr.
Was tut man? Wenn die Frau die man Liebt nur noch dahin-vegitiert, und den Wunsch geäußert hat zu sterben. Soll man sie töten, ihr Leben beenden? Kann man das überhaupt? Darf man das?
Fragen wie sie dringlicher nicht sein könnten, die Haneke hier stellt.
In erster Linie jedoch, ist „Liebe“ eine Ode an die Liebe, ehrlich und ungeschönt, mit allen Schattenseiten und Widrigkeiten, die am Ende doch zeigt, dass die Liebe auch über den Tod hinausgeht.
Einen Großteil seiner Kraft schöpft Hanekes Film aus den Darstellerleistungen von Trintignant, Riva, und auch Huppert, der fehlende Oscar für Riva ist wieder einmal ein trauriger Tiefpunkt für die Acadamy.

bedenklich? 11 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

SoulReaver

Antwort löschen

<3


jeffcostello

Antwort löschen

<3 für Liebe gibts nur Liebe :)


longus69

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Meine tiefste Verbeugung vor dieser (nach)denkwürdigen und mutigen schauspielerischen Leistung und der Regie die die Grenze zwischen Film und Realität aufhebt und innehalten lässt...

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Mr. Pink

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ich mag Michael Haneke nicht. Überhaupt nicht. Ich halte ihn für einen eingebildeten Pseudointellektuellen, dessen anmaßende Inszenierung mich langweilt, der seine Katze quält und der sein Publikum hasst. Und genau deswegen bin ich so sehr erstaunt, dass dieser arrogante Wicht einen so schönen Film wie "Amour" gedreht hat. Wie der Titel schon sagt, geht es hier um die Liebe. Keine schöne Liebe, obwohl Liebe schön ist. Hier geht es aber um die tragische Seite endloser Liebe. Die Liebe hört niemals auf. Liebe ist Schmerz. Liebe als grausamer Fluch. "Amour" ist dabei von Grund auf ehrlich und geht deswegen so nah. Der Film stimmt nachdenklich, ist deprimierend, aber auch wunderschön. Von Überheblichkeit in der Darstellung keine Spur, viel zu pur, viel zu aufrichtig, viel zu offen und viel zu glaubhaft wird alles geschildert. Die Darbietungen der beiden Hauptdarsteller sind herzzerreißend und sehr berührend und der Oscar sei dem Film mehr als gegönnt.

bedenklich? 12 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Tuvok

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

118 Minuten, MICHAEL Haneke hat die Regie geführt, er ist 1942 in München geboren und hat den Film „Das weiße Band“ gemacht und wer den Film kennt wird wissen dass die Filme von Haneke nie leicht sind. Dieser auch nicht. Ich wollte 3 x das Kino verlassen, habe dauernd heulen müssen, ist so ein Nebeneffekt wenn man nahe am Wasser gebaut ist, aber ich habe ja noch eine Trösterin bei mir sitzen, die ich eigentlich die ganze Zeit trösten mußte. Wer das kennt wie es ist wenn aus deiner Familie wer alt ist und krank, wenn der langsam dahinsiecht und sich nur mehr den Tod wünscht, wenn derjenige den du liebst immer mehr abbaut und dich in den Strudel reinzieht, den Strudel zwischen, Ich brauche Hilfe und Ich will sterben.

Ja ein Horror. Ich finde dass die Darstellung von Jean-Louis Trintignant meiner Meinung nach die beste Hauptrolle hätte verdienen sollen, 2013 beim Oscar, der Film ist zwar weniger lebhaft, aber viel besser als „Argo“ denn endlich ein ehrlicher Film, einer der das Leben zeigt wie es ist.

Der 1930 geborene Jean-Louis ist ein französischer Schauspieler und Filmregisseur und über die Grenzen weltbekannt. Vielleicht kennt wer noch aus 1983 „Wespennest“ mehr Filme fallen mir auch nicht ein. Er hat 5 Nominierungen erhalten, 5 Preise hat er in seinem Leben gewonnen, der Film hat 42 Preise gewonnen und 36 Nominierungen erhalten.

Hoch loben muss ich gleich die Rolle der 1927 geborenen Emmanuelle Riva, die einfach nur perfekt ist. Wer Judi Dench aus „Iris“ kennt wird wissen was ich meine. Damals wollte ich der Judi Dench schreiben dass sie nicht verzweifeln soll wenn sie krank ist, ich dachte sie sei echt krank, und nun bei der Dame dachte ich, sie sei in echt behindert und alt und stirbt bald.

1959 hat sie in „Hiroshima, mon amour“ gespielt, der einzige Film den ich mit ihr kenne, das ist aber schon lange her.

Die berühmteste Rolle im Film hat EVA, Isabelle Huppert spielt sie, 1953 in Paris geboren und bekannt aus dem Film „Das Schlafzimmerfenster“, dieser hier ist für sie eine gewöhnliche Rolle, also sie kann ich nicht sonderlich loben, weil sie zu wenig in Erscheinung tritt, aber das was sie sagt und wie sie reagiert, ja sie ist eine glaubhafte Tochter, allerdings kann ich über sie wenig erzählen da ich nach dem Film noch Tagelange nachher an das Ganze dachte, an meine Verwandten und hin und wieder auch weinen mußte, weil das einfach so ist, man wird alt und krank, alles was du gespart hast ist weg und alle deine Lieben bis auf deine Kinder, wenn du Glück hast, vertschüssen sich.

Der Film zeigt einfach die Liebe, das Leben, wie ist es wenn ein pensionierten Pariser Musikprofessor seine Frau pflegen muss, wie ist es wenn die einen Schlaganfall hat, der Film übrigens wurde deswegen gedreht weil Haneke, der Regisseur, so was Ähnliches in seiner Familie erlebt hat. Dass der Film am 20. Mai 2012 im Rahmen des Wettbewerbs der 65. Internationalen Filmfestspiele von Cannes uraufgeführt wurde und die Goldene Palme gewann ist nur ein verdienter Preis.

Dass er 2013 den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann ist nur gerecht, und auch den Golden Globe Award für denselben Preis, ja das ist auch nur gerecht.

Der Film fängt in der Zukunft an die Feuerwehr bricht eine Türe auf, die Nachbarn haben das gemeldet, lange ist es her seit die 2 Leute zu sehen waren. Viel zu lange ist es her seit wer von den 2 alten Leuten was gehört hat, und unwillkürlich fällt einem ein der Vorfall dort oder dort, wo man einen Toten fand, ungeliebt, alleine gelassen, in Schmutz und Kot, einfach grässlich, ja es gibt leider solche Fälle.

Die Beamten finden in der Wohnung eine Frau die tot ist, lange ist sie schon tot, der Leichnam der Frau, ANNE heißt sie im Film, ist schön geschmückt, hat Blumen am Körper und liegt auf einem Ehebett.

Und nun fängt die Rückblende an. Beide sind Musikprofessoren, 80 Jahre alt, ANNE war Klavierlehrerin und Ihr Mann hat, keine Ahnung was der jetzt gearbeitet hat, aber die Liebe zur Musik war das wichtigste in Ihrem Leben, 50 Jahre oder so waren sie verheiratet.

Eines Abends waren sie auf einem Konzert von Schubert, dem Komponisten. Das hat Ihr früherer Schüler gegeben, Alexandre der im Théâtre des Champs-Élysées gelernt hat. Als sie nach Hause kamen ist die Wohnungstüre aufgebrochen und von da an geht es bergab, denn ANNE fällt in einen katatonischen Zustand und weiß nicht mehr was war.

GEORGES Ihr Mann, entdeckt dass sie keine Erinnerung mehr hat. Am nächsten Tag oder so gehen sie zu einem Arzt, der stellt fest dass sie eine verengte Halsschlagader hat, ein Schlaganfall eben. Klar wird sie operiert, die OP ist natürlich erfolglos, und ab da fängt eigentlich der Film an zum besten Familiendrama seit Jahren zu werden, denn verpatze Operationen gibt es leider immer häufiger, aber was ist wenn du das erlebst? Was ist wenn es ein geliebter Mensch von dir ist, wenn das Ganze irreparabel ist?

Die rechte Körperhälfte von ANNE ist gelähmt, sie sitzt im Rollstuhl, Ihr Geist ist zwar noch wach, aber sie verfällt zusehends, immer schneller, Weder Tochter noch Bekannte können was machen, man zieht sich immer mehr zurück.

GEORGES ist mit der ganzen Situation natürlich überlastet, seine einzige Möglichkeit sind Erinnerungen an früher, wie er mit ANNE zusammen war, sonst würde er der harten Realität nicht gewachsen sein, die Familie hat keinen TV, sie haben Bücher, viel haben sie früher gelesen alles mit einander gemacht, nun muss GEORGES Ihr Pfleger sein.

2 Krankenschwestern stellt er ein, was anfangs nicht so einfach ist. Wer will schon von einer fremden Person gewickelt werden, dann fängt ANNE an bettlägerig zu werden, sie erleidet Inkontinenz, ja die ganzen Dinge halt die man nicht haben möchte wenn man alt ist, und das Ganze ist so furchtbar und echt anzusehen.

Da merkst du jede Regung der Darsteller, da merkst du wirklich dass die Darsteller leiden, oder ist das gar echt?

GEORGES ist fertig mit den Nerven und als Anne kein Wasser mehr trinken will, aus der Schnabeltasse und ihn anspuckt, gibt er Ihr eine Ohrfeige.

ANNE verlernt zu reden und kann nur mehr Mal sagen, das ist französisch für schlecht. EVA taucht hin und wieder auf, natürlich ohne sich anzumelden, aber das will der Vater nicht, er will nicht das die Tochter so Ihre Mutter sieht, zu grausam ist alles.

Klar gibt es Streit, die Tochter EVA die lange nicht mit den Eltern Kontakt hatte, jetzt den aber sucht, muss noch dazu mit Ihrem Vater streiten das sie Ihre Mutter sehen darf.

Da Haneke so was Ähnliches erlebt hat mit seiner Tante die nach dem schweren Rheuma am ganzen Körper Selbstmord verübt hat, sah er sich befähigt den Film ins Kino zu bringen. Er hat auch ein gutes Händchen dafür, und ich muss sagen, eigentlich ist jeder Film von ihm ein Meisterwerk auf seine Art. Entweder kontrovers, spannend, oder einfach nur grausam, lebendig oder irgendwie Besonders.

Haneke hat auch das Drehbuch verfasst, die Story wollte er ja schon 1992 ins Kino bringen aber er konnte nicht schreiben, hatte keine Ideen und das Projekt ruhte, bis er anfing zu schreiben, er hat nicht mal das Ende gewusst, hat einfach die Rolle für die 2 Schauspieler auf den Leib geschrieben und einfach mal gewartet was sich so ergibt. Ja ich glaube Haneke ist einfach ein Genie.

Die Produktionsleiterin Margaret Ménégoz hat den Jean-Lous überreden müssen den Film zu machen, da dieser die Story zu depressiv fand und meinte, dass er den Film sich nicht im Kino anschauen wird, aber wie es halt so ist, Frauen können gut überreden, und ich bin froh das es Margaret geschafft hat.

Gedreht wurde nicht in einer Wohnung, sondern in den TSF-Filmstudios in Épinay-sur-Seine, nördlich von Paris, was ja auch egal ist.

Bei einer Szene hat sich Jean sogar die Hand fast gebrochen, als er mit einer Taube trainieren mußte, eine Szene die kurz im Film war, aber 3 Tage glaube ich gedauert hat, ja die Dreharbeiten mussten weiter gehen, und so hat man es auch gemacht, man merkt im Film gar nicht das er sich die Hand verletzt hat, ja einem guten Darsteller siehst du so was nicht an.

Übrigens die Wohnung im Film ist so entworfen weil die Wohnung der Eltern von Haneke in Wien so ungefähr ausgesehen hatte und da Haneke oft in Wien ist, hat er den Film gleich nachbearbeitet, da er mit dem Digitalen Bild und einigen Dingen nicht zufrieden war, ja auch das hat er selber gemacht, der Typ hat viel drauf.

Der Film hat keine Filmmusik, ist auch gut so, die Dialoge sind minimal und genauso wie man es sich vorstellt, sie sind nicht übertrieben und ich finde sie sind gut in Szene gesetzt, man merkt dass die Darsteller eine Ahnung haben von dem was sie spielen. Man merkt irgendwie beim Anschauen dass Haneke sich viel Mühe mit dem Film gegeben hat, eigentlich ist da nicht viel zu sehen oder zu hören, aber für das bisschen muss ich sagen, Respekt.

Nun zur Darstellung, ja ich kann nur sagen, einfach perfekt nichts zu bemängeln, hätte man nicht besser machen können, selten so einen Film gesehen. Der geht dir wirklich ins Hirn, der tut wirklich weh, Filme wie dieser sollten viel öfters ins Kino kommen, nicht nur der ganze Action Dreck.

Ich glaube den Film hätte man nicht besser machen können, sicher ist er nicht so spannend, er ist langweilig vielleicht, aber irgendwie als Gesamtkunstwerk ist er spannend, man will wissen wie es weiter geht und das ist auch gut so. Der Film ist anspruchsvoll und nichts für die Massenkinofilmgeher.

Sondern für die ausgewählten Kinofilmzuschauer. Haneke ist meiner Meinung nach einer der besten Regisseur de Welt, und er ist mit CHRISTOPH Waltz verwandt, aber das ist ein anderes Thema.

Ich würde sagen 94 Punkt und nicht weniger von 100

bedenklich? 6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Marc Moe Münster

Kommentar löschen
Bewertung2.5Ärgerlich

furzt.

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

KonTaicho

Antwort löschen

Erzähl doch bitte mehr von zu Hause


Eve1982

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein sehr bewegender Film, der einem auch die eigene Sterblichkeit vor Augen führt.
Man kann sich schnell in die beiden einfühlen und am Ende wüsste man nicht, wessen Rolle man 'lieber' wählen würde - müsste man sich für einen der beiden entscheiden. Liebe, von beiden Seiten gleichermassen und sie ist eben nicht nur Freude sondern immer auch Schmerz. Annehmen und loslassen können...müssen.
Ein Film über Realitäten, welche die meisten nur allzugerne verdrängen.
Überforderung und zwar bei allen Beteiligten, nur für jeden eben wieder anders.
Jeder steht am Ende irgendwo alleine da mit seinen Ängsten, keiner scheint dem anderen so wirklich helfen zu können.

So schnell werde ich diesen Film nicht mehr sehen wollen, aber er hinterlässt auf alle Fälle einen bleibenden Eindruck.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Andy Dufresne

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

"Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse."
-Friedrich Nietzsche-

In dem was mal ungewisse Irrwege waren, was dann endliche Gewissheit wurde und nun zweisame Katakombe ist, bewegt sich dieses Paar...

Kennenlernen, Kennen, wieder entfremden...

Das Leben neben die Tasse gegossen, neben die Tasse...

"Wir haben schon einiges miteinander durchgestanden, deine Mutter und ich.
Es ist alles noch etwas ungewohnt..."

Liebe, einmal angefangen, festgehalten, hört eben nicht auf.
Anfang, Wandel, Neues, hört eben nicht auf.

"Aber ich erinnere mich an das Gefühl...das es peinlich war zu heulen und dass, durch das erzählen, alle Gefühle und die Tränen wieder kamen, beinahe sogar stärker (als beim ansehen des Filmes)...und das ich nicht aufhören konnte... "

Die Blicke die noch da sind, nach all den Jahren, die Koketterie (längst, lange schon durchschaut, beiderseitig natürlich, ein Spielchen eigentlich) nach all den Jahren, die Süffisanz (die nicht aufhört, nur weil einer der Beiden "schwächer als der andere" wurde) nach all den Jahren, das ist Liebe...

Der Respekt, die Wertschätzung, die Bewunderung, die Bestätigung, eben nach all den Jahren,
Das ist Liebe...

Leiser Witz:
-"Was würdest du sagen wenn keiner zu deiner Beerdigung kommen würde?"
-"Nichts, vermute ich mal...."

Das ist Liebe...

Liebe ist konkreter als alles.
Liebe ist abstrakter als alles.

Wahrer, direkter, klarer als alles und doch fragiler und vergänglicher als alles.

Liebe, das Gefühl (von) Liebe, taucht einfach auf, verschwindet auch einfach sofort , unmittelbar wieder.

Oder Liebe bleibt, durchbricht jede Barriere/hält jeder Barriere stand, ist hartnäckigerer als alles und flüchtiger als alles.

Liebe ist größte, magischste Wahrheit und gemeinste, dreckigste Lüge zugleich.

Liebe ist so intensiv wie nur Liebe intensiv sein kann.

"Es gibt einfach keinen Grund weiterzuleben!
Ich weiß das es nur noch schlimmer wird...
wieso soll ich uns das antun?
Dir und mir?"

Bildungsbürger sind sie (durch und durch !!!) und doch:
Pure Menschen in Liebe sind sie, wenn die Zeit kommt, wenn die Zeit gekommen ist, werden sie, also wir alle, zu simplen, einfach(st)en Menschen an sich.
Hilflos (auch wenn wir/sie es nicht wahrhaben wollen), abhängig und schwach, wie ganz am Anfang, als wir hier angekommen sind...

Und dann, typisch Haneke:
Der kühle, der aus dem Hintergrund kommende Griff der Bestrafung,
die Faust der Anderen (des Volkes?), der Würgegriff der Realität...

Liebe ist Kammerspiel (Katakombenspiel!), Spiel komprimiert, nicht Schauspiel, nein Zeigenspiel...
Zeigen in Reinform...

So bin ich wenn du mich vom Klo hebst, so zeig ich mich dir/uns, MUSS es, so bin ich , wenn du mir helfen musst, so zeig ich mich dir/uns in intimen, intimsten Situationen,
SO BIN ICH WIRKLICH (in Wirklichkeit)!
Liebst du mich also immer noch?

So bin ich, du, so sind wir (geworden)...

Und sieh bloß nicht weg !
Sie bloß nicht weg !
Du könntest ich sein, ich könnte du sein !
Sieh NICHT weg!!!
Sieh bloß nicht weg,sieh bloß nicht weg...

Wo Liebe ist, ist Hass, nur wo Liebe ist, KANN Hass sein...

Und wo hört Begehren auf und wo fängt würdelos empfundene Abhängigkeit an?
Wo hört Verlangen auf und wo beginnt Pflicht?
Und wo hört das mögliche auf und wo fängt das unmögliche an?
Wo genau?
Wo?
Gibt es da eine Trennlinie?
Ja?
Nein?
Wo?

-"Können wir jetzt von etwas anderem reden?"
-"Und wovon?"

Und mein Gott! Welch wichtiges, relevantes Thema dieser Film anspricht, welch so mittiges, in der Realität leider oft verschobenes/verdrängtes/totgeschwiegenes Thema dieser Film anspricht !

Hier geht es nicht um einen Fremden, ein Alien, etwas Phantastisches !

Hier geht es um deine Mutter, deinen Opa, um unsere Nächsten, um dich, wann genau auch immer sie/du geboren sein wollen/willst...

Hier geht es um die Menschen in unserer Nähe und um Menschen und Nähe überhaupt.

Vielleicht nicht Heute, auch nicht Morgen, aber Übermorgen, in ein paar Jahren bestimmt!

Das hier wird auf uns zukommen, das hier wird, in welcher Form auch immer SICHER Realität werden!

Die Gedanken, die Schlußfolgerungen, die Endlichkeiten, WERDEN auf uns zukommen, ob wir das wollen, oder nicht...

Das hier IST Leben, das hier WIRD passieren...

Ob deine Eltern glücklich waren, ob du wünscht das dein Vater ( dieses Schwein ?!) verreckt, ob du hoffst das deine Eltern ewig leben, deine Kinder hüten, oder sie nie zu sehen bekommen, ob du hoffst das alles gut wird, sich ändern/ sich nie ändern mag, deine tollen/schlechten Eltern dazulernen/schnell sterben:
Da steckst du nicht drin!
Das kannst du ganz einfach NICHT entscheiden!

Was du entscheiden kannst:
Jetzt.
Heute.
Hier.
Dinge zu klären, es zu versuchen, das liegt Heute in deiner Hand, Morgen (vielleicht) nicht mehr...

In the living Years...

"Und wenn ich der Andere wäre ?..."
Was wäre dann?

"Was würde ich wollen, wenn ich der/die Hilflose wäre ("KEIN Krankenhaus, versprich es mir!!!")?"

Es landet eine Taube in Gefangenschaft...Ist angewiesen auf Gnade...

Und gegen Ende wird es vielleicht bitter.
Nicht leicht und schön und versöhnlich, vielleicht wird es bitter und hässlich und unversöhnlich...

Ein Partner (hier Mann/wo anders Frau) überfordert, resignierend, wohlwollend aber schlicht am Ende seiner/ihrer Kräfte...

Eine Grauzone der Moral.

"Nichts von all dem ist es wert vorgezeigt zu werden..."

Liebe ist auch zu vergessen!
Ja, zu verdrängen auch zum Teil.
Liebe ist Erinnerung zu bewahren, echtes manchmal auszublenden, Würde zu gestatten.
Würde zu gestatten...

So wenig einfach das Leben ist, so wenig einfach ist das Sterben.
Oder die Begleitung des Sterbens.
Es ist schwierig, wie das Leben schwierig ist,war, auch wenn man dies oft runterspielt, probiert wegzudrücken, es nicht akzeptieren will.

Lasst sie leben, lasst sie sterben!

Lasst sie in Ruhe!

Und wenn sie es wollen : Lasst uns dabei sein!
Aber nur wenn sie es wollen!
Sonst NICHT!
Sonst eben nicht...

"Liebe ist Annehmen.
Sie ist die höchste Disziplin auf Erden.
In der Liebe befreien sich zwei Menschen.
In dem, was für Liebe gehalten wird, binden sie sich aneinander.
-George Spencer-Brown-

bedenklich? 36 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 12 Antworten

Andy Dufresne

Antwort löschen

Danke Hfonda :)


Super8951

Antwort löschen

Immer gerne. :)


agynessa

Kommentar löschen
Bewertung5.5Geht so

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich noch nie in meinem Leben, solch ein emotionsloses oder soll ich eher sagen trostloses, älteres Pärchen gesehen habe. Schon bei den ersten Wohnzimmer Szenen herrschte bei mir absolute Verwirrung. Wo in Gottes Namen, haben die beiden nur ihren Fernseher versteckt? Tja, irgendwann wurde einem dann auch bewusst, die beiden besitzen überhaupt gar kein TV Gerät! Unfassbar! Weder Britt, noch Barbara Salesh und auch kein Willkommen bei Carmen Nebel flimmerte dort in ohrenbetäubender Lautstärke über die Mattscheibe. Statt dessen gab es vornehme Klassikdudelei am Klavier und auch aus einem CD Player, plus antikem Plattenspieler wohlbemerkt! Intellektuell geht die Welt schließlich zu Grunde. Auch die vielen Bücher im Regal zeugten von einer ausgesprochenen Belesenheit und Intelligenz. Naja, auf die Sprache hat sich die Lektürenweiterbildung jedenfalls nicht ausgeschlagen, denn die wurde nur sehr verhalten und sparsam eingesetzt. Also mal so gesehen, fand ich das kleine Kammerspiel, das meiner Meinung nach völlig zu Unrecht den Titel "Liebe" trägt, denn Gefühle, kamen in dem Seniorendrama eigentlich überhaupt nicht vor, trotzdem ganz passabel, bis zu einem gewissen Punkt und zwar dem Ende. Denn kein Paar, das Jahrzehnte miteinander vereint war, brächte solch eine Schlussszene übers Herz. Das ist absolut, hanebüchener Quatsch und das schreibe ich nicht nur so, sondern weil ich es selbst bei vielen älteren Menschen miterlebt habe, die ihren Partner bis zum Tod gepflegt haben. Wenn man in solch einer Situation steckt, dann ist es einem egal, ob der Partner noch reden kann, bewegungsfähig ist, oder inkontinent, dann möchte man einfach nur noch, das der Partner einem so lange wie möglich erhalten bleibt. Wenn man einen Film "Liebe" nennt, geht man als Zuschauer auch davon aus, das sich das gezeigte Paar einfach liebt und zwar so sehr, das man, so wie es im realen Leben auch ist, seinen Partner um keinen Preis der Welt verlieren möchte. Ansonsten hätten sie ihn auch schmerzvolle Alterspflege nennen können. Gut viele gezeigte Szenen entsprachen auch der Realität, aber so belanglos dargestellt, dass man sich wirklich als Zuschauer fragen musste, ob die beiden außerhalb der Altenpflege, noch sonst jemals irgendetwas miteinander verband. Von dem Hang zu klassischer Musik und den Büchern mal abgesehen. Auch die Vater-, Mutter-, Tochterbeziehung war sehr eigenartig inszeniert worden. Wirklich sehr schade, denn tiefere Emotionen entstanden beim Zuschauer dadurch nicht! Das dieses Drama einen Filmpreis erhielt, ist für mich schon wirklich eine Skandalösität! Denn einen Preis für ein nicht wahrhaftgetreues Schauspiel, welches einem im Vorfeld aber Realitätsnähe pur verspricht, hat solch eine Auszeichnung in meinen Augen einfach nicht verdient! Außerdem bin ich enttäuscht, dass weder Maxi Arland, noch Florian Silbereisen in dem Film eine Rolle spielten. Kaffeefahrten und stundenlange Einkaufstouren blieben uns auch vorenthalten und das Schlimmste, es gab nicht mal eine einzige Kreuworträtselzeitung zu sehen! Nee, wer soll DAS denn bitteschön glauben? Und wo waren die ganzen Tabletten gegen Bluthochdruck und sonstige Alterswehwehchen? Also für mich war er nur ein mittelmäßiges Unterfangen.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 8 Antworten

ReaL89

Antwort löschen

hahaha!! Wohl eine zu schwarzhumorig beschriebene Kritik für die "Intellektuell veranlagten"....
Ich stimme dir zwar nicht bei allen Punkten zu, aber bei vielen.
Ein altes Ehepaar, die sich aneinander mehr gewöhnt zu haben schienen, als dass sie sich liebten, und ein Ehemann der sie aus Moralischen Gründen zu pflegen schien. Für mich fehlte es defenitiv an GEFÜHL!


agynessa

Antwort löschen

@Real89 Da stimme ich Dir voll und ganz zu! ;-)


Oberlaender

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Ein trauriges Meisterwerk, welches für Haneke-Verhältnisse sehr milde ist! Definitiv sehenswert und nicht so zuschauerverachtend, wie diverse andere seiner Filme. Der Film kriegt "nur" 9 Punkte, da ich ihn nicht regelmäßig sehen wollen würde.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

marcowski

Kommentar löschen
Bewertung10.0Herausragend

Unerbittlich leidvoll bis zur allerletzten Konsequenz.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

bestseimon

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

„Du wirst doch wohl auf deine alten Tage nicht an deinem Image rütteln?“
„Was ist denn mein Image?“
„Du bist ein Monster manchmal. Aber du bist nett.“

„Liebe“ geht einem nicht mehr aus dem Kopf. Hanekes Filmkunstwerk entfacht eine unglaublich intensive Nachwirkung, wie ich sie bei kaum einem anderen Film verspürt habe. Das ist einem im ersten Moment noch gar nicht richtig klar, man erkennt die ganze Klasse dieses Meisterwerks erst Tage später, wenn man immer noch darüber nachdenkt. Es ist schon ganz großes Können wie Haneke dieses Thema so einfühlsam und ergreifend auf die Leinwand bringt und dabei gänzlich auf Sentimentalität verzichtet. Ich bin immer noch fasziniert von „Liebe“, auch noch gut zwei Woche nach der Sichtung, und mir fällt immer noch nicht ein, wie ich diesen Film anständig beschreiben soll.
9 Punkte sind eine erste Reaktion, alles darunter würde dem Film auch nicht gerecht werden, aber nach weiteren Sichtungen wird die Wertung höchstwahrscheinlich nochmal ansteigen. Einfach in jeder Hinsicht grandios!

bedenklich? 23 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 9 Antworten

alex023

Antwort löschen

Na, hoffe ich doch mal dann.


SoulReaver

Antwort löschen

In dem Film gibt es keine geballte Ladung Depression.


Rode

Kommentar löschen
Bewertung5.0Geht so

Der Film beschreibt einfach nur einen ganz normalen Abschnitt des Lebens. Die Szenen die hier gezeigt werden spielen sich tagtäglich überall auf der Welt ab und sind für mich keine tolle Geschichte sondern nur eine Art Dokumentation. Ich verstehe den Hype um diesen Film nicht, da die Story nicht gut inszeniert wurde und die Emotionen nur mittelmäßig dem Zuschauer vermittelt werden.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Tobias Wortmann

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Hatte erst Sorge ihn mir anzuschauen, weil ich dachte er wäre zu krass gemacht und es würde ein Kampf ihn nicht abzubrechen.
Aber weit gefehlt. Der Film fesselt und lässt einen am Ende buff und mit vielen Gedanken zurück

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

cyberpunky

Kommentar löschen

Kann mich leider trotz der guten Bewertungen nicht dazu durchringen ihn anzuschauen, glaube einfach nicht das der mir gefällt.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Braunbaer11

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Berührendes Werk, dass Zuschauer jeden Alters mit den großen Fragen des Lebens und der großen Sehnsucht nach Liebe konfrontiert.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

rene.juffernholz

Kommentar löschen
Bewertung10.0Herausragend

Michael Hanekes neuer Film "Liebe" erzählt die Geschichte des Ehepaares Anne und Georges. Ein Rentner-Ehepaar im Herbst ihres Lebens, gebildet, gutsituiert, das sein Leben mit Kunst und Kultur verbringt. Bis eines Tages Anne einen Schlaganfall bekommt und fortan von Georges liebevoll gepflegt wird.
Michael Haneke inzeniert "Liebe" wie ein Kammerspiel, realistisch und ohne Pathos oder Sentimentalität, nur auf die Charaktere und deren Beziehung bezogen. Getragen wird dieser Film durch die beiden fantastisch aufspielenden Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant und Emanuelle Riva, die Ihre Charaktere meisterhaft zu verkörpern wissen. Ein Film der von den leisen Tönen lebt und einen dabei mehr berührt als es ein Film aus der Hollywood-Glitzerwelt jemals schaffen kann. Unbedingt ansehen!
Verdientermaßen hat dieser Film u.a. sowohl die Goldene Palme 2012, den Golden Globe2012, den europäischen Filmpreis 2012 und natürlich den Oscar 2013 gewonnen, jeweils als Bester Film, bzw. bester ausländischer Film erhalten.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

aimée

Kommentar löschen
Bewertung10.0Herausragend

Herzzerreißend.
So subtil wie es irgend geht. Ohne reißerisch zu sein, ohne übermäßige Dramatik. Einfach herzzerreißend liebevoll bohrt sich die Geschichte um Anne und Georges in einen hinein. Behutsam. Ohne großen Druck.

Am Ende war ich plötzlich erschöpft. Wie Georges.
Da wusste ich: Haneke hat alles richtig gemacht. Er hat das _einzig_ richtige gemacht - dem wahren Leben Zeit und Raum gegeben. Ungefiltert.
& wieviel Schmerz es auch offenbart. Am Ende ist es immer Liebe.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

gertgebert

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Im Gegensatz zum Weissen Band liegt über diesem Film nicht der goldene "Kunst-Bilderrahmen". Und gerade deswegen ist er natürlich noch mehr Kunst, weil er nicht artifiziell ist. Das Thema ist schon umwerfend intensiv, ideal ausgewogen behandelt in irrealen und realen Szenen, lediglich der Täubchen-Symbolismus
war für mich entbehrlich...
Wenn man darüber nachdenkt muss das Spiel von E.Riva fast unzumutbar für sie gewesen sein, immer fühlend,dass das Vorgetäuschte innerhalb weniger Monate in ihrem Alter Wirklichkeit für sie werden könnte. Wäre so wie wenn eine Schwangere in einem Film mitspielte der den Tod ihres Kindes zum Thema hätte. Das sind wohl die Grenzen der Schauspielkunst, seien wir dankbar, dass sich das jemand antut.
Wäre sicher ein 10er geworden, hätte ich mich nach Ende des Films etwas "besser" gefühlt.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

JackoXL

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Michael Haneke war nie ein einfacher Regisseur. Seine Filme sind thematisch wie von der Umsetzung nicht jedermanns Sache, widmet er sich doch oft den Abgründen der menschlichen Seele und muss sich oft den Vorwurf gefallen lassen (ob berechtigt oder nicht sei mal dahin gestellt), sein Publikum belehren zu wollen. Nun, bei "Liebe", trifft eigentlich nichts davon zu.
Belehren will Haneke hier definitiv niemanden, womit auch? Auch menschliche Abgründe gibt es nicht zu sehen, nur reines Alltagsgeschehen, wie es überall auf der Welt stattfindet, Tag für Tag. Es geht um etwas, dass jeden ansprechen müsste, denn irgendwann dürfte für die meisten Menschen der Punkt in ihrem Leben kommen, an dem sie sich genau damit auseinander setzten müssen. Zumindest die Menschen, die ihre Liebe fürs Leben gefunden haben, mit ihr alt werden und dem Unausweichlichen nicht entfliehen können: Einer von beiden, ob nun man selbst oder der Partner, wird zuerst gehen. Manchmal wird es schnell gehen, was vielleicht der einfachere Weg ist, meistens verläuft dieser Prozess jedoch schrittweise. Genau das schildert Haneke, doch "Liebe" ist in erster Linie kein Film über das Sterben. Wie der Titel schon sagt, es geht um Liebe. Die Selbstverständlichkeit, dem Partner beizustehen. Ohne Selbstmitleid und unausgesprochene Vorwürfe sich hingebungsvoll um den wichtigsten Menschen zu kümmern, bedingungslos, mit allen Konsequenzen, bis zum Schluss. Dies gelingt Haneke auf so eine berührende und ehrliche Art darzustellen, wie es für Filme aus Hollywood unvorstellbar scheint. Gerade weil sein Werk niemals übertreiben sentimental daher kommt, auf jeglichen Kitsch, Pathos oder eine manipulative Inszenierung zurückgreift, ist es so unglaublich warmherzig und echt. Ja, tatsächlich warmherzig, und das bei Haneke. Aber auf seine ganz eigene Art. Das Geschehen ist oberflächlich gesehen natürlich tottraurig, dennoch ist "Liebe" nicht der zu erwartende Downer, der den Zuschauer tonnenschwer zu Boden drückt und erschlagen zurücklässt. Das macht ihn so einzigartig und unterstreicht das gesamte Gefühl, dass dem Österreicher oft nicht zugestanden wird. Ein Feel-Good-Movie ist es selbstverständlich nicht, aber ist rührend, auf eine ganz unaufdringliche Weise. Er zeigt das Ende eines gemeinsamen Lebens, dass trotz des schweren letzten Kapitels genau das ist, was sich jeder Mensch nur wünschen kann. Bis zum Schluss ohne Einschränkungen geliebt, geachtet und respektiert zu werden. Egal wie schwer es ist, wieviel plötzlich nicht mehr da und unwiderruflich verloren ist, die Liebe und Zuneigung bleibt ohne jeden Kompromiss.
Hanekes Inszenierung ist unspektakulär, auf puren Realismus bedacht und genau dadurch so bewegend, seine Darsteller sind schlicht unglaublich. Jean-Louis Trintignant, der extra für diesen Film aus dem Ruhestand zurückkehrte, und die einfach grandiose Emmanuelle Riva liefern eine sagenhafte Vorstellung ab. Eitle Persönlichkeiten, im Schauspielfach ja nicht unüblich, würden sich so wohl niemals vor der Kamera zeigen.
"Liebe" zählt für mich zu den schönsten Liebesfilmen, die ich jemals gesehen habe, vielleicht sogar der Schönste. Weil er so anders ist. Weil er so ehrlich ist. Weil er in seiner Traurigkeit so schön ist. Ganz wundervoll.

bedenklich? 27 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 11 Antworten

filmschauer

Antwort löschen

@Jacko: Schönheit ist ein sehr individueller Begriff - speziell, wenn man zudem noch den Superlativ draufsetzt. Meine spontanen Assoziationen gingen eher in Richtung schmerzhaft und eindrucksvoll, aber auch zwiespältig durch das eigene Handeln.


JackoXL

Antwort löschen

@fs: Das ist es ja gerade. Ich finde den Film so "schön", weil er eindrucksvoll, zum Teil auch schmerzhaft, aber dabei immer ehrlich und hoffnungsvoll ist. Hoffnungsvoll natürlich nicht bezogen auf ein Happy-End, dafür wird ja sofort gesorgt, sondern in der Tatsache, dass bis zum Schluß jemand da ist, der dich liebt, so wie du bist. Das klingt jetzt pathetischer als der ganze Film jemals ist, aber so fühlt es sich an, ohne dich mit der Nase rein zu drücken. Das "andere schön" halt. ;)



Fans dieses Films mögen auch

Der Pianist Der Pianist DE/FR/GB/PL 2002
Waltz with Bashir Waltz with Bashir DE/FR/IL 2008
Dogville Dogville DE/DK/FI/FR/GB/IT/JP/NL/NO/SE/US 2003