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Markante Momente

1973 - Terrence Malicks furioses Debüt Badlands

27.05.2013 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Badlands
© Warner
Badlands
Mit Badlands – Zerschossene Träume feierte Terrence Maliick 1973 sein Debüt und wurde schnell zum gefeierten Poeten des Kinos. Nun kommt sein neuer Film To the Wonder in die Kinos.

Diesen Donnerstag kommt To the Wonder in die deutschen Lichtspielhäuser und es ist das erste Mal in seiner mehrere Jahrzehnte andauernden Karriere, dass die Fans von Terrence Malick nicht mehrere Jahre auf einen neuen Film des Poeten des Kinos warten mussten. Oder auch seine Kritiker, die sich darauf freuen, seinen neuesten Streich gnadenlos zu verreißen, denn wenn Malicks Filme eines zweifellos tun, dann ist es polarisieren.

Im zeitlosen Paradies
Sie leben in einer Idylle, augenscheinlich. Kit hat ein Baumhaus gebaut, in den grünen Wäldern, wo sie ganz für sich sind. Er watet durch den Fluss und fängt Fische, Holly verbringt den Tag mit alten Familienfotos und dem Stereopticon ihres Vaters. Niemand stört die beiden in ihrer Eintracht, auf ihrer Reise durch die USA, und über allem schwirren die beinahe surrealen Klänge des Stücks “Gassenhauer” von Carl Orff. Holly philosophiert über die berühmte Frage nach Bestimmung und Zufall. Wo wäre ich, wenn meine Mutter meinen Vater nie kennengelernt hätte? Wo wäre ich jetzt in diesem Moment?

Er scheint so schön, dieser Moment, aber bei dem Schein bleibt es auch. Kit (Martin Sheen) und Holly (Sissy Spacek) befinden sich nicht freiwillig auf einem improvisierten Roadtrip quer durch die USA. Kit hat Hollys Vater getötet und auf der Flucht vor dem Gesetz schießen die beiden alle über den Haufen, die sich ihnen in den Weg stellen. Und trotzdem ist es beabsichtigt, dass diese wenigen Momente geradezu paradiesisch wirken: „Ich habe versucht, die 1950er Jahre nur minimal zu zeigen“, erklärte der Regisseur später. „Nostalgie ist ein mächtiges Gefühl, es kann alles andere überlagern. Ich wollte, dass der Film wie ein Märchen wirkt, jenseits der Zeit.“

Ein besonders talentierter Debütant
Mit Badlands – Zerschossene Träume lieferte Terrence Malick sein Langfilmdebüt ab. Nach einem Philosophiestudium und einer abgebrochenen Doktorarbeit hatte er am American Film Institute in Los Angeles studiert und schon für seinen Abschlusskurzfilm Lanton Mills die Darsteller Warren Oates und Harry Dean Stanton gewinnen können. Mit der Überarbeitung von Drehbüchern finanzierte der aufstrebende Filmemacher sein Studium, bis er 1972 die Arbeit an einem eigenen Projekt begann. Und auch hier sammelte er sich die Gelder bei kleinen Investoren zusammen und gründete seine eigene Produktionsfirma unter dem Namen Badlands Company, um dem Einfluss eines Filmstudios zu entgehen.

Das Script zu Badlands – Zerschossene Träume basierte auf einer wahren Geschichte. Nur 18 Jahre alt war der Massenmörder Charles Starkweather, der mit seiner 14-jährigen Freundin Caril Ann Fugate in den 50er Jahren eine Blutspur durch den amerikanischen Mittleren Westen zog und dabei den ikonischen James Dean zu seinem Vorbild deklarierte. Nach dem populären Schauspieler modellierte Terrence Malick auch seine Figur des Kit, er ließ sich vom New Hollywood-Streifen Bonnie und Clyde von Arthur Penn inspirieren und gab noch eine Prise Getaway von Sam Peckinpah dazu – und fertig war ein Film, den manche Kritiker als bestes Spielfilmdebüt seit Citizen Kane von Orson Welles feierten.

Faszination Gewalt
„Kit ist so desensibilisiert, dass er die Pistole, mit der er Menschen erschießt, als eine Art magisches Hilfsmittel wahrnimmt, das kleine Unstimmigkeiten aus dem Weg zaubert. Er und Holly glauben sogar, in einem Märchen zu leben“, so sprach Terrence Malick später auf einer Konferenz über seine Figuren. Tatsächlich wird Gewalt in Badlands – Zerschossene Träume zeitweise fast kindlich naiv verklärt, andererseits mit frostiger Ironie behandelt, und diente damit als Vorbild für spätere Roadmovies wie Natural Born Killers von Oliver Stone, für den niemand Geringeres als Quentin Tarantino das Drehbuch schrieb.

Trotz seines Erfolges zog sich Terrence Malick nach dem Debüt für fünf Jahre von der Filmemacherei zurück – und das war noch gar nichts gegen die Abstände zwischen seinen späteren Filmen. Den Ruf als Poet des Kinos konnte ihm trotzdem so schnell niemand mehr abspenstig machen. In seinen neueren Streifen spielt exzessive Waffengewalt keine große Rolle mehr – in The Tree of Life kam umso mehr der frühere Philosophiestudent zum Zug und To the Wonder schlägt in eine vergleichbare Kerbe. Wir werden sehen, wohin sich die Karriere von Terrence Malick mit zukünftigen Projekten wie Knight of Cups oder Weightless entwickeln wird.

Was die Menschheit sonst noch im (Film)Jahr 1973 bewegte:

Drei Filmleute, die geboren sind
02. Mai 1973 – Florian Henckel von Donnersmarck, Regisseur von Das Leben der Anderen
15. Juni 1973 – Neil Patrick Harris, Anzugträger Barney aus How I Met Your Mother
25. August 1973 – Fatih Akin, Regisseur von Soul Kitchen

Drei Filmleute, die gestorben sind
10. März 1973 – Robert Siodmak, Regisseur von Menschen am Sonntag
21. April 1973 – Merian C. Cooper, Regisseur des Original King Kong und die weiße Frau
31. August 1973 – John Ford, legendärer Westernregisseur, z.B. Höllenfahrt nach Santa Fé

Die großen Festival- und Award-Sieger waren unter anderem
Oscars – Der Pate von Francis Ford Coppola (Bester Film, Bester Hauptdarsteller)
Goldener Bär – Ferner Donner von Satyajit Ray
Society of Film and Television – Cabaret von Bob Fosse

Die drei kommerziell erfolgreichsten Filme
Der Exorzist von William Friedkin
Der Clou von George Roy Hill
American Graffiti von George Lucas

Drei wichtige Ereignisse der Nicht-Filmwelt
11. September 1973 – In Chile kommt der Diktator Augusto Pinochet durch einen Militärputsch an die Macht
06. Oktober 1973 – auf der Sinai-Halbinsel bricht der vierte arabisch-israelische Krieg aus
- Durch den Jom-Kippur-Krieg wird die erste Ölkrise ausgelöst

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