Min Dît: Die Kinder von Diyarbakir
Min Dît: The Children of Diyarbakir (2009), DE/TR Laufzeit 102 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 22.04.2010
5 Bewertungen
Skala 0 bis 10
31 Bewertungen
9 Kommentare
Keine
von Miraz Bezar, mit Senay Orak und Muhammed Al
Das zehnjährige Mädchen Gulistan und ihr kleiner Bruder Firat leben mit ihren Eltern in Diyarbakir, im Herzen des kurdischen Teils der Türkei. Auf dem Rückweg von einer Hochzeit müssen Gulistan und Firat vom Rücksitz des Autos mit ansehen, wie ihre Eltern bei einer nächtlichen Straßenkontrolle von türkischen Paramilitärs erschossen werden. Gulistan und Firat werden von ihrer politisch aktiven Tante Yekbun aufgenommen, die über ihre Kontakte zum kurdischen Widerstand versucht, für die ganze Familie Flugtickets zu ihren Verwandten in Schweden zu organisieren. Doch eines Tages verschwindet auch Yekbun spurlos. Von nun an sind die beiden Geschwister auf sich allein gestellt. Ihr Weg führt unweigerlich in Armut und soziales Elend. Da sie Strom und Miete nicht mehr bezahlen können, müssen sie die Wohnung ihrer Tante räumen und finden sich auf der Straße wieder. Sie schließen Freundschaft mit der zwölfjährigen Zelal, die schon länger als Obdachlose auf den Straßen Diyarbakirs lebt. Nachts schlafen sie in den Ruinen einer alten armenischen Kirche. Als Gulistan in der Stadt den Mörder ihrer Eltern zufällig wieder begegnet, weiß sie, dass der Tod ihrer Eltern nicht ungestraft bleiben darf. Der Mann, dessen Gesicht weder Gulistan noch Firat vergessen konnten, lebt als ungescholtener Familienvater unter ihnen. Niemand ahnt etwas von seinem Doppelleben als Mitglied der türkischen Geheimpolizei. Schließlich erreicht Gulistan ihr Ziel ganz ohne Gewaltanwendung, indem sie – so, wie sie es in einem kurdischen Märchen gehört hatte – “dem Wolf eine Glocke um den Hals bindet”.
Mehr Bilder (7) und Videos (3) zu Min Dît: Die Kinder von Diyarbakir
Cast & Crew
- Genre
- Drama, Familiendrama, Schicksalsdrama, Sozialdrama
- Ort
- Türkei
- Handlung
- Angst, Eltern, Familie, Familienleben, Geschwister, Kinder, Minderjährige Prostituierte, Mord, Mord an Eltern, Rache, Verlust der Eltern, Verlust der Familie, Waise, Überlebenskampf
Fans dieses Films gefiel auch
Aktuelle moviepilot-Interviews
Schauspieler und Filmemacher
Lieblingsfilm von:
Links zum Film Min Dît: Die Kinder von Diyarbakir
- Min Dît: Die Kinder von Diyarbakir: film-zeit.de





















Kritiken (5) — Film: Min Dît: Die Kinder von Diyarbakir
Lukas Foerster: taz / cargo / perlentaucher...
Kommentar löschenBezar ist Absolvent der Berliner Filmhochschule dffb. Im Presseheft zum Film berichtet er, dass er nach seinem Studium einige Jahre lang vergeblich versuchte, einen Spielfilm in Deutschland zu produzieren und erst aus Frustration darüber, dass seine Vorstellung von Kino hier nicht realisierbar war, in die Türkei ging.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
Bernd Buder: film-dienst Bernd Buder: film-dienst
Kommentar löschen„Min Dît“ spricht viele Themen an, ohne zum Kompilationsfilm zu verkommen. Bezar bringt fast etwas Berliner Schule nach Diyarbakir, allerdings verfeinert mit melodramatischer Essenz, womit der spröde Minimalismus gekonnt um die notwendige Restwärme ergänzt wird. Schematische Interpretationsmuster bleiben außen vor, was den Weg zu den unerforschten Hohlräumen der kollektiven Psyche öffnet, die hinter notdürftig versiegelten Fassaden ruhen. [...] Der Film ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zum türkisch-kurdischen Dialog, sondern wegen seiner atmosphärischen Dichte auch ein sehenswerter Film.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...
Kommentar löschen"Min Dît- Die Kinder von Diyarbakir" ist einer der ersten Filme über den jahrelangen Konflikt zwischen Türken und Kurden. Bei seiner Weltpremiere auf dem "Golden Orange"-Festival in Antalya 2009 schlugen die Wellen hoch: Noch immer zeigen sich viele Türken sehr gespalten in der Frage, wieviel Freiheit den kurdischen Mitbürgern gewährt werden sollte. Mit dem liberaleren Kurs ihres Ministerpräsidenten Erdogan, der den Konflikt in jüngerer Zeit vorsichtig zu entschärfen sucht, sind nicht alle einverstanden. Regisseur Miraz Bezar, selbst Sohn einer kurdischen Emigrantenfamilie, ist es hoch anzurechnen, dass er sich nicht einschüchtern ließ, schonungslos die Verbrechen aufzudecken. Noch bis 2007 herrschten nahezu bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen türkischer Armee und den Rebellen der ethnischen Minderheit. Rund 18.000 politisch aktive Kurden und Türken wurden Berichten nach gefoltert, ermordet oder spurlos verschleppt. Es waren Verbrechen reinster Willkür, angezettelt von einer Clique aus Militär, Polizei und anderen Teilen des Staatsapparats.
Grandiose Laiendarsteller bewegen zutiefst
Erzählt aus der Perspektive von Gülîstan, der zehnjährigen, starken Heldin, die tapfer ums Überleben kämpft und sich verantwortungsvoll um den Bruder kümmert, entwickelt Bezar mit großem Feingefühl sein beklemmendes soziales Drama. Dass man oft tief bewegt ist, verdankt der Film seinen wunderbaren Kinderdarstellern, die Bezar unter Laien rekrutierte. Sie füllen ihre Rollen, als handle es sich um ihr eigenes Leben. Gülîstans unendlich trauriger Blick, er hängt einem noch lange nach.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Thomas Engel: programmkino.de Thomas Engel: programmkino.de
Kommentar löschenEin ruhig, diskret, fast zeitlos, parabelhaft für Vieles stehender Film, in dem auch – ohne Betonung – der Hinweis auf die Verbrechen an den Armeniern nicht fehlt. Das schmerzliche und gefährdete Leben der Kurden in Diyarbakir und überhaupt der Region wird stellvertretend eindrucksvoll geschildert. Ein leidvolles Gesellschaftsbild von einigem Rang.
Die Auswahl der beiden Kinderdarsteller Senay Orak (Gulistan) und Muhammed Al (Firat) war ein Glücksfall. Gulistans melancholischer Blick bleibt in Erinnerung. Eine Leistung, dass Regisseur Miraz Bezar (mit Hilfe von Fatih Akin und Klaus Maeck) diesen Film mit verhältnismäßig geringen Mitteln auf die Beine stellen konnte.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Michael Meyns: programmkino.de Michael Meyns: programmkino.de
Kommentar löschenImmer wieder durchbricht Bezar diese Perspektive, verlässt den Blick der Kinder und wechselt mal zur in Istanbul verhafteten Tante, dann zum Polizisten und seinem angenehmen Leben. Es waren wohl die gefühlte Notwendigkeit der Geschichte, das Verlangen, ein umfassenderes Bild der kurdischen Situation zu entwerfen, die Bezar zu dieser Entscheidung führte. Die Folge ist allerdings, dass die starken, impressionistischen Szenen vom Leben der Kinder auf der Straße immer wieder von stark narrativ geprägten Momenten unterbrochen werden, die weniger gelungen sind. Immer dann aber, wenn die Hauptdarstellerin Senay Orak im Mittelpunkt steht, vor allem ihre eindringlichen braunen Augen, die schon viel zu viel gesehen haben, dann ist „Min Dit“ das subtile, eindringliche Portrait eines Teils der Gesellschaft, die nicht nur in der Türkei zu finden ist.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Kommentare (4) — Film: Min Dît: Die Kinder von Diyarbakir
TinaCocaine Thu, 14 Feb 2013 06:14:03 -0000
Kommentar löschenEin recht interessanter Film mit brisanter Thematik. Mir fehlt allerdings das türkisch-kurdische Hintergrundwissen, weshalb ich nicht alles an der Film verstanden habe (dies ist allerdings mein Problem, nicht das des Films). Hin und wieder fehlten mir allerdings die Gefühle und es lief so nebenher, dass die Eltern und das Baby sterben, was ich schade finde. Für einen Low-Budget-Movie ist "Min Dit" allerdings sehr gut gemacht und hat eine angenehme Atmosphäre. Ein gelungenes Kinderdrama, bei welchem ich aber empfehlen würde, dass man sich vorher mit dem behandelten Thema auseinandersetzt.
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
pellekraut007 Mon, 08 Aug 2011 12:10:19 -0000
Kommentar löschenDie Kinder von Diyarbakir sind für mich deshalb herausragend, weil sie es geschafft haben, mich für anderthalb Stunden behutsam und nahezu wortlos, an den Abgrund einer türkischen Müllhalde zu führen, auf der gefolterte Menschen beseitigt werden, die einer Minderheit angehören und einer Mehrheit lästige Steinchen in den nationalen Badelatschen sind. Mit dem Mädchen Gülistan, sie ist die Tochter der Melancholie, und ihrem Bruder Firrat streune ich durch eine Stadt in Südostanatolien. Ich begleite die beiden bei der Trauer um ihre verlorene Familie, bei ihrem Kampf um das tägliche Brot, beobachte eine junge Frau, die Liebe verkauft und bin Gast im friedvollen, kleinbürgerlichen Hause eines Folterers. Und wie man am Ende Rache erzählen kann, mit einem unvergesslichen Blick, fast ohne Worte, ohne Gewaltexzess und martialischen Augenkrawall, ... auch das macht diesen Film zu einer Perle des Tigirs! Grünz!
bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
enijo25 Fri, 28 May 2010 10:51:35 -0000
Kommentar löschenEin sehr bemerkenswerter Film.
Ein bisschen schade fand ich nur, dass man bei der deutschen Untertitelung nicht in irgendeiner Weise kenntlich gemacht hat (z. B. durch verschiedene Schriftfarben), ob die Originaldialoge jeweils in kurdischer oder türkischer Sprache waren. Ich hatte das Gefühl, dass mir, der ich beider Sprachen unkundig bin und sie auch nicht sicher zu unterscheiden weiß, auf diese Weise einiges an subtiler Information entgangen ist,.
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
dbeutner Sun, 09 May 2010 21:46:41 -0000
Kommentar löschenEin mutiger Low-Budget Film, wobei "Mut" relativ ist - beachtenswert ist eher, dass der Film der erste kurdischsprachige Beitrag auf dem Filmfest in Antalya war. Politisch hält sich der Film nämlich ansonsten auf das Äußerste zurück. Ein politisches Statement sucht man vergebens - was aber unschädlich ist, da in erster Linie ein Kinderdrama erzählt wird.
Dabei sind die beiden HauptdarstellerInnen beide außergewöhnlich gut, und durch sie und den unaufwändigen Stil bekommt der Film eine höchst authentische Note. Diese wird allerdings konterkariert von einer Handlung, die sich auf Zufallskonstruktionen stützt. Möchte man letzteres verteidigen, müsste man den Film als Märchen oder Parabel interpretieren - dafür ist er dann aber schon wieder zu bodenständig.
Alles in allem zumindest zeitgeschichtlich interessantes Kino, karg und gerade dadurch authentisch lebendig, mit einigen Schwächen in der erzählten Geschichte selbst.
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten