Die bitteren Tränen der Petra von Kant

Die bitteren Tränen der Petra von Kant (1972), DE
Laufzeit 124 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 05.10.1972

7.3 Kritiker
11 Bewertungen
Skala 0 bis 10
6.2 Community
180 Bewertungen
4 Kommentare
Die bitteren Tränen der Petra von Kant - Bild 6059646
  • DVD
Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
noch nicht bewertet

von Rainer Werner Fassbinder, mit Margit Carstensen und Hanna Schygulla

Die erfolgreiche Moderschöpferin Petra von Kant lebt in einem opulent eingerichteten Wohn-Atelier, zusammen mit ihrer Assistentin Marlene, die wortlos alle Launen ihrer Chefin über sich ergehen lässt. Petra verliebt sich unsterblich in die deutlich jüngere Karin, die daraufhin versucht, die wohlhabende Designerin auszunutzen, ohne ihre eigene Freiheit aufzugeben. Als sich Karins Mann überraschend aus Australien zurückmeldet, zieht Karin wieder zu ihm. Für Petra bricht eine Welt zusammen.

  • Die bitteren Tränen der Petra von Kant - Bild 990746
  • Die bitteren Tränen der Petra von Kant - Bild 6421977
  • Die bitteren Tränen der Petra von Kant - Bild 6422019

Mehr Bilder und Videos zu Die bitteren Tränen der Petra von Kant


Cast & Crew


Kritiken (1) — Film: Die bitteren Tränen der Petra von Kant

Ulrich Behrens

Kommentar löschen
9.5Herausragend

„Die bitteren Tränen ...“ ist kein Film über lesbische oder bisexuelle Liebe, nicht einmal nur über Frauen, obwohl in dem Film kein einziger Mann auftaucht, höchstens der auf dem Gemälde von Poussin. Doch der ist wichtig. Das Bild mit dem nackten Mann vermittelt die permanente Anwesenheit des Männlichen, des Herrschsüchtigen, der Macht und der Gewalt. [...] Noch hat Fassbinder dies alles nicht bewusst in eine Geschichte des deutschen Bürgertums integriert. „Die bitteren Tränen ...“ ist insofern – wenn auch dramaturgisch streng durchkomponiertes – Experimentierfeld. Die Zeichen der Geschichte weisen allerdings schon in diese Richtung, bis hin zur „opulent“ visualisierten Ästhetik, die sich um das Handeln der Personen wie ein Mantel legt und die dann später in „Lili Marleen“ (1980) zu einem zentralen Bestandteil des Films und der mit ihm und in ihm stattfindenden Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus werden sollte.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten


Kommentare (3) — Film: Die bitteren Tränen der Petra von Kant

Kommentar schreiben
Sortierung

Joe Gillis

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

»Der Mensch ist so gemacht, daß er den anderen Menschen braucht, doch hat er nicht gelernt, wie man zusammen ist.« Hochfrisiert-pelzkragenumbauschtes Edel-Melo-Kammerspiel im Appartement der kultivierten Petra von Kant (Margit Carstensen), die bislang nur lieben ließ und nun zum ersten Male selbst in die Verlegenheit kommt, ihr Herz zu verlieren. Rainer Werner Fassbinder bringt sein eigenes Theaterstück auf die Leinwand, ohne der Versuchung zu erliegen, den intimen Rahmen der Bühne aufzubrechen: In der drückenden Ausweglosigkeit des luft- und blickdichten Settings, halb Boudoir, halb Atelier, erlebt die Titelheldin den emotionalen Abstieg von der umhätschelten Prinzessin auf der Erbse zum besoffenen Wrack, das sich hysterisch auf dem Flokati wälzt und das Telefon anwimmert, endlich zu klingeln – an ihrer Seite: Hanna Schygulla als kalkulierend-lässige Geliebte sowie Irm Hermann als stumm-devote Dienerin. Synthetisch-eindringlich, aber auch nicht ganz ohne die Dialog-Häme eines Joseph L. Mankiewicz (an dessen Bitchiness-Studie »All About Eve« die zentrale Konstellation erinnert) veranschaulicht Fassbinder fatale Wechselwirkungen der Paarbeziehung: Verehrung und Demütigung, Abhängigkeit und Ausbeutung, Verlustangst und Distanzierung, Dominanz und Unterwerfung. Petra von Kant wird die Liebe dennoch überleben, denn wie sagt sie selbst: »Der Mensch ist schlimm. Letztlich erträgt er alles. Alles.«

http://kinotagebuch.blogspot.com/

10 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

boxcarsboxcars

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

http://www.youtube.com/watch?v=7RVOO5hNIAg

(es gibt für mich keinen wichtigeren.)

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

annaberlin

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Was Fassbinder hier schildert, ist der Fortgang einer Liebesbeziehung: Verlieben - Liebe - Langeweile/Egoismus/Ekel - Trauer - Hass - Gleichgültigkeit. Interessant ist, dass ausschließlich Frauen darin vorkommen und der Film als Kammerspiel inszeniert ist. Die Darstellung mutet wie ein Theaterstück an, was es dem Zuschauer anfangs etwas schwer macht, in den Film hinein zu finden. Spätestens ab dem dritten Akt aber wird man vom Leiden der Petra von Kant, das mit der Arie aus La Traviata den Höhepunkt findet, in den Bann gezogen.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kommentar schreiben

Fans dieses Films gefiel auch