Zu Listen hinzufügen

Love Exposure

Ai no mukidashi (2008), JP Laufzeit 236 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 13.08.2009


Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
8.4
Kritiker
21 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.8
Community
1559 Bewertungen
128 Kommentare
admin image admin trailer admin edit edit group memberships sweep cache Moviemaster:Movie

von Shion Sono, mit Takahiro Nishijima und Hikari Mitsushima

Drei emotional misshandelte Figuren am Rande der Gesellschaft verfangen sich in einer verworrenen Dreiecksbeziehung.

Yu ist ein braver Schüler, der von seinem Priester-Vater täglich zur Beichte gezwungen wird. Doch ohne Sünde gibt es keine Beichte, also wird der harmlose Yu zum genialen Upskirt-Fotografen. Auf einem seiner voyeuristischen Streifzüge trifft er auf seine große Liebe Yoko. Sie kennt ihn aber nur als “Lady Scorpion” in Frauengestalt und ist dazu noch die Tochter der neuen Liebe seines Vaters. Als die Zero-Church-Sekte seine gesamte Familie kidnappt, beginnt für Yu der große Kampf um seine Liebe.

  • 37795279001_1860818420001_th-5061dd92c569b0e44648669f-1592194038001
  • 37795279001_1860757331001_th-5061d579c7e7b0e4c23e73d8-782203299001
  • Love Exposure - Bild 6448981
  • Love Exposure - Bild 6448871
  • Love Exposure - Bild 3922551

Mehr Bilder (8) und Videos (4) zu Love Exposure


Cast & Crew

Drehbuch
Filmdetails Love Exposure
Genre
Drama, Liebesfilm
Ort
Tokio
Handlung
Beichte, Jugendgang, Jugendgruppe, Jugendkriminalität, Katholische Kirche, Liebeskummer, Perversität, Sex, Sünde, Vater-Sohn-Beziehung
Stimmung
Aufregend, Berührend, Eigenwillig, Ernst, Geistreich, Hart, Sexy, Spannend, Verstörend, Witzig
Verleiher
rapid eye movies
Produktionsfirma
Omega Project

Kritiken (10) — Film: Love Exposure

Mr.Film: City of Cinema

Kommentar löschen
10.0Herausragend

>>Pulp-Shakespeare-Kampfsport-Sekten-Teeniekomödie.<< Sagt die NEON.
- Absolut geile Pulp-Shakespeare-Kampfsport-Sekten-Teeniekomödie. Sage ich.

Start: 21.36 Uhr.
Ziel erreicht: 1.24 Uhr.
Wo ist die Zeit hin, fragte ich mich als ich ab und zu auf die Uhr schaute. Natürlich, 4 Stunden gehen nicht einfach so vorbei, doch dieser Film, nein dieses Meisterwerk, schafft es durchgehend zu unterhalten, zum lachen anzuregen, zum weinen einzuladen.
"Love Exposure" ist ein Event das nur da ist um mitzufühlen, um sich selber wohl zu fühlen, um fast jedes Genre das es auf dieser Welt gibt zu erleben.
Noch nie sind mir Perverse so ans Herz gewachsen. Noch nie sah ich eine schlimmere Sekte als Scientology.
Was ich da erlebt habe weiß ich selber nicht so wirklich, zu schnell(richtig gehört) ging alles vorbei, klebte am Bildschirm, verschlang die Untertitel, die japanischen Dialoge, die Gestik und vor allem die Mimik der herzallerliebsten Charaktere, wollte mehr sehen, bekam mehr, immer mehr, bis dann auf einmal das Finale vor der Tür stand. Und ich stande da. Ja, ich stande. Eine Träne kullerte mir die Backe runter und ich musst mit entsetzen feststellen das da grade der vedammte Abspann lief und kein weiteres Kapitel. Die Geschichte war so schnell wieder vorbei, viel schneller als sie gekommen ist, wollte auf Replay klicken, doch nachdem ich merkte das der Film zu Ende war habe ich erst gemerkt wie verdammt müde ich doch bin, ich habe den Drang zum schlafen verdrängt, der Film hat meinen Körper verarscht, hinterlistig ausgetrickst.
Ich weiß zwei Sachen nach dem Film:
- Das war nicht das letzte mal das ich dieses Meisterwerk gesehen habe
und
- Yoko und Yu werden mir noch sehr, sehr lange im Kopf rumschwirren.

Und natürlich platzt mein Kopf fast vor den ganzen neuen Gedanken rundum "Love Exposure".

27 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 22 Antworten

_Garfield

Antwort löschen

Hört sich ja nach einem geradzu lebensverändernen Erlebnis an...


Mr.Film

Antwort löschen

Vielleicht etwas hoch gegriffen :D Aber ans Herz legen tu ich ihn dir :)


Fricki76: Asianfilmweb.de

Kommentar löschen
10.0Lieblingsfilm

In "Love Exposure" ist der Name Programm. Bei allen drastischen, komischen und traurigen Nebenschauplätzen in der Handlung zieht sich die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung wie ein roter Faden durch die Geschichte jedes einzelnen Charakters. Egal ob Yus trauernder Vater, dessen neue Lebensgefährtin, Yus Kumpels, Yoko oder die gestörte Koike: Jeder hat Verluste erlitten und sucht nach dem einem Gegenüber, an dem er sich orientieren, auf den er sich verlassen, an den er sich anlehnen kann. Die Art und Weise, wie "Love Exposure" dieses universelle Thema aufgreift, ist allerdings weit unkonventioneller, als es das immer wieder durchschimmernde Thema es vermuten lässt. Regisseur Sono lässt sich nicht nur fast 4 Stunden Zeit, um seine Geschichte und seine Charaktere von Grund auf detailliert zu porträtieren, sondern spielt munter mit Genres und Stilmitteln. Da amüsiert man sich im einen Moment noch über Yus schüchterne Grimassen und wird in der nächsten Szene von waschechtem Splatter überrumpelt. Der ganze Film sprudelt über vor Ideen und dem Brechen cineastischer Konventionen. Wer ist jemals zuvor auf die Idee gekommen, die Jagd des skurillen jugendlichen Kleeblatts nach "Höschen-Fotos" mit Kung-Fu-Einlagen zu spicken, Maurice Ravels "Bolero" laufen zu lassen und ganz nebenbei der Filmfigur "Sasori" noch eine Reminiszenz zu verschaffen? Und das verrückte daran ist: Es passt! Doch nicht nur formal ist "Love Exposure" unkonventionell und äusserst kreativ, auch die Handlung, die sich wie erwähnt viel Zeit nimmt (dabei allerdings nie langweilig wird) ist für jede Menge interessante Ideen und unerwartete Wendungen gut.

Kritik im Original 11 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten

der cineast

Antwort löschen

Ganz Groß :)


TheCorey: MovieMaze

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

So schräg präsentieren sich in Hollywood nicht einmal ein Spike Jonze oder Wes Anderson. Was für ein kreatives Feuerwerk Sono in seiner ersten Hälfte und damit den ersten beiden Stunden abfackelt, sucht im Kinojahr 2009 sicherlich – vergebens – seinesgleichen. Hier stimmt alles, von der eigentlichen Geschichte, bis hin zum exzellenten Darstellerensemble (punktgenau besetzt!) und der genialen musikalischen Untermalung. Mal poppig, mal rockig und dann wieder klassisch – aber stets perfekt platziert. Das ist innovativ, das ist kein Hollywood-Einheitsbrei, sondern unterhaltsam und zugleich spannend.

Kritik im Original 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kazushi: FILMSTARTS.de, TakashiMiike.de Kazushi: FILMSTARTS.de, TakashiMiike.de

Kommentar löschen
9.5Herausragend

In Anlehnung an den Filmemacher Rosa von Praunheim lässt sich über Sion Sonos eindrucksvolles Werk sagen: „Nicht der Perverse ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.“ Sion Sono legt mit „Love Exposure“ keinen Film vor, der sich über seine Charaktere lustig macht, sie demaskiert oder ihre Perversion verteufelt. Es ist ein inhaltlich zutiefst humanistischer Film, ein klares Plädoyer für die Liebe, das zudem formal herausragt. Trotz des Wandelns durch alle Genres und Stilrichtung, zeigt sich dabei, dass die Liebe die größte Kraft ist und sich gegen alles durchsetzt, auch in filmischer Hinsicht. Nicht umsonst wird gegen Ende „Das hohe Lied der Liebe“ aus Korinther 13 – wirkungsvoll unterlegt mit Beethovens 7. Symphonie - zitiert. Ein wunderschöner, überwältigender Moment voller Pathos und Romantik.

Kritik im Original 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Der Redaktör: kino-zeit.de Der Redaktör: kino-zeit.de

Kommentar löschen
9.0Herausragend

Ginge es mit rechten Dingen zu, müsste dieser Film eigentlich zum Pflichtprogramm an deutschen Filmhochschulen werden. Um zu zeigen, wie man von den Schmerzen des Heranwachsens etwas erzählen kann, ohne die immer gleichen Erzählmuster und sich stets gleichenden Bilder zu bedienen. Ein wildes Fest, eine Orgie - das ist es, mit dem man dieses Kinowunder vielleicht am besten vergleichen kann.

Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ... alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ...

Kommentar löschen
10.0Herausragend

Zum Beispiel Sono Sions Mega-Melodram «Love Exposure», das das Chaos als Form höherer Ordnung feiert und in dem der 17-jährige Yu in einen Konflikt aus religiösem Wahn und amouröser Besessenheit stürzt. Sono Sion (2006 mit «Strange Circus» im Forum) erzählt in diesem wilden, schrillen Meisterwerk – dessen vier Stunden auch dank des inspirierten Takahiro Nishijima in der Hauptrolle wie im Flug vergehen – von der Geschlechterspannung, von Machtmissbrauch und Missverständnissen, die sich eigentlich einander zugeneigten Menschen in den Weg stellen und zu Wahrnehmungsverschiebungen mit gefährlichen Folgen führen können.

Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin... Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin...

Kommentar löschen
9.5Herausragend

Ist das nun, wie man so sagt, »typisch japanisch«? Vielleicht. Aber nur in seinem unbedingten Willen zur Form, dem Wissen, dass man im Kino nur etwas erreicht, wenn man in Bildern erzählt, und den Mut hat, über Grenzen zu gehen. Wie viele seiner japanischen Künstlerkollegen und wie nur wenige Europäer besitzt Sion, der Fassbinder und Cassavettes als Vorbilder nennt, einen produktiven Wahnsinn, Mut zur Peinlichkeit, wie ungehemmte Lust daran, scheinbar Unpassendes durcheinanderzuwürfeln. »Perverse gibt es nicht nur in Japan«, sagte Sion in Berlin, »die ganze Menschheit ist pervers.« Und »ohne das Gefühl der Sünde gäbe es gar keine Perversion.«

Ein großer Film, und eine jener zu seltenen Erfahrungen, wegen derer sich das ganze Berlinale-Spektakel noch lohnt: Denn wo sonst, wenn nicht im Forum und hoffentlich in ein paar Programmkinos wird man Love Exposure noch sehen können?

Kritik im Original 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film

Kommentar löschen
7.0Sehenswert

Vier Stunden ist Sono Sions "Love Exposure" lang, und um Konventionen schert der Film sich nicht. Sex und Katholizismus, eine verrückte Sekte, überhaupt: Wahnsinn, Religion und Begehren werden zerschnipselt zu einem Bildersalat, der es in sich hat. Immer sind Sono Sions Filme randvoll mit Ideen, guten wie schlechten, wichtig ist vor allem die Fülle. "Strange Circus", vor zwei Jahren im Forum, war eine blutige Grand-Guignol-Ausgeburt. "Love Exposure" wirkt offener, ein bisschen weniger psychotisch, aber das heißt noch lange nicht, dass irgendetwas daran normal und kommensurabel wäre. Es steckt eine Raserei in jedem Schnitt, die Kamera ist ein Wesen, das niemals zur Ruhe kommt. Familien werden zerstört, Gefühle und Beziehungen pervertiert. Heraus kommt ein Film nicht für jeden, ein Machwerk der immer wieder mal faszinierenden Art.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Björn Lahrmann: Das Manifest

Kommentar löschen
9.5Herausragend

LOVE EXPOSURE explodiert förmlich über die Leinwand mit fliegenden Schnitten, launigem Off-Kommentar und nach vorn preschender Musikbeschallung zwischen Ravel, Beethoven und Psychedelic Pop. Mit unverschämter Leichtigkeit reißt Sions Fabuliermahlstrom immer neue Genres mit sich, Märchen, Manga, Martial Arts, Chambara, Splatter, Highschool-Schmonzette, Verwechslungskomödie, alles ist möglich, alles ist drin. Das größte Wunder an diesem an Wundern nicht gerade armen Film ist aber, dass die Liebesgeschichte in seinem Zentrum genuin das Herz zu rühren vermag, während er zugleich in jeder nur erdenklichen Weise geil ist. Kurz: 237 Minuten überschäumendes, aus allen Nähten platzendes Kinoglück.

Kritik im Original 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Mr.Vengeance: Lost In Imagination

Kommentar löschen
9.5Herausragend

Links. Recht. Oben. Unten. Überall quillt die pure Kinomagie in Sion Sono's neustem Grenzwerk - das mal so mir nichts dir nichts sämtliche cineastische Ketten sprengt - heraus und versprüht eine Gefühlsregung, die ich vor langer Zeit im Kinosaal verloren geglaubt sah: Solche Momente muss man festhalten - meinetwegen auch auf 4 Stunden Zelluloid. Ein Genre Remix/Reboot der seinesgleichen sucht. Ich ziehe meinen obligatorischen Hut. In allen Belangen.

6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten


Kommentare (117) — Film: Love Exposure


Sortierung

Gabster

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Den Film finde ich nicht ganz leicht zu bewerten, und vielleicht ist meine Punktzahl noch ein bisschen dick aufgetragen, weil wirklich gefallen hat er mir -bei aller Qualität- nicht. Ich hatte sehr viel von "Love Exposure" erwartet, weil es ja schon einen ziemlichen Hype darum gibt, den er aber vor allem in der ersten Hälfte so gar nicht erfüllen konnte.
Der Film beginnt mit viel Erzählerei. Innerhalb kürzester Zeit kloppt uns der Held seine Lebensgeschichte in die Birne, da hat sich der Zuschauer noch nicht mal vollständig zurückgelehnt. Dazu gibts ein paar religiös aufgebauschte Bilder und einen Mutterkomplex, der selbst Freud aus den Latschen gehauen hätte. ("Ich muss die Jungfrau Maria treffen, damit ich sie meiner Mutter vorstellen kann." Was zum...???) Ähnlich turbulent geht es dann weiter und in dem ganzen Mischmasch von Voice-Over, rasanter Montage und religiösen Bilder geht vieles von der Wirkung, die "Love Exposure" wahrscheinlich auf dem Papier gehabt hat, flöten, weil Sono sich für nichts Zeit nimmt und in seiner Erzählwut keine einzige Pause einlegen kann. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Beichtszenen hätten eine gewaltige Intesität ausstrahlen können, vielleicht sogar vom Range eines Hanekes, wenn sie nicht so krude inszeniert worden wären. So wirken sie eher, als würde man sich einen MTV-Clip auf Speed ansehen. (Nicht dass ich das schon mal getan hätte.) Kann bitte irgendjemand Herrn Sono erklären, dass man die Kamera auch mal ruhig halten kann und eine Einstellung auch länger dauern darf als gefühlte 0,2 Sekunden? Und wenn derjenige schon dabei ist, sage er ihm doch auch gleich bitte, dass man in Filmen anstelle von Off-Texten auch Dialoge einsetzen kann. Und nennt mich ruhig spießig, aber so spannend fand ich dieses ganze Höschenfotografieren jetzt nicht wirklich. Wenn dann nach einer Stunde (!!!) der Filmtitel eingeblendet wird, beginnt es auch mit dem Film bergauf zu gehen. Kapitel 2 und 3 (in denen die beiden Frauen eingeführt werden) sind deutlich kürzer als Kapitel 1 und auch deutlich besser, denn plötzlich beginnt der Film Schwung zu bekommen und die abgefahrene Inszenierungsweise passt endlich auch zum abgefahrenen Inhalt. Abgesehen davon ist die Prügelszene, die das ganze Hin und Her irgendwie verbindet auch wahnsinnig gut gemacht. Dann verstrickt der Film sich aber wieder in seinen Mariakult, Bilder, die auch aus der Kika-Sendung "Wie man seine Erektion verbergen kann", stammen könnten und die Höschengeschichte geht auch wieder los. Wenn dann die Zero-Kirche sich in die Familie einschleußt, beginnt die Geschichte allerdings wieder interessant und intensiv zu werden und kann sich auch endlich auf etwas fokussieren. Der Kampf des jungen Mannes (oder wahlweise Frau) um seine Familie und nicht zuletzt seine große Liebe (oben erwähnte Maria) hat mich gepackt und berührt. Besonders hervorheben möchte ich auch die sehr intimen Szenen am Strand.
Nach den schlappen vier Stunden Laufzeit stand ich ehrlich gesagt ziemlich neben mir und war irgendwie ausgelaugt, vielleicht sogar etwas froh, dass es vorbei war, denn es ist ein wirklich anstrengender Film. Alles in allem kann ich sagen, dass der Film durchaus Potenzial hat, aber erstens viel zu viele Themen aufgreifen will (ich werde die hier nicht alle aufzählen, es wäre einfach die aufzuzählen, die der Film nicht behandelt) und in seiner Machart viel von seiner Wirkung verliert und außerdem den Zuschauer ziemlich stresst (schnelle Bilder, lautes Geschrei, etc.).

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

alex023

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Aus gegebenem Anlass: das ist nun meine 1000. Filmbewertung hier und wenn ich dabei rekapituliere, wie das alles angefangen hat, wird mir schon ganz schwindlig. Es war eine fast schon unglaubliche Entwicklung, die da stattgefunden hat. Wenn man Filme immer nur als Unterhaltungsmedium wahrnimmt, mal hier, mal da einen schaut, vornehmlich abends am Wochenende, dann kann man sich nicht restlos begeistern. Natürlich liebte ich schon damals Star Wars, aber das war’s dann fast auch. Doch irgendwann kommt im Leben von jedem Filmfan der Moment, in dem man die Kunstform erkennt. Der Moment, in dem man realisiert, dass hinter „Film“ mehr steckt als bloße Unterhaltung, als Lachen und Action. Dann erfährt man tiefergehendes, inhaltlich-berauschendes. Man beginnt sich zu interessieren für das Medium, welche Genres es gibt, wie die Schauspieler und vor allem wie die Regisseure heißen, wie man etwas filmt, welche Musik benutzt wird – eben all das, was auch die Inszenierung oder die generelle Aufmachung eines Films betrifft. Und darüber bin ich wirklich unendlich froh, denn ich könnte mir ein Leben ohne dieses Medium kaum vorstellen (ebenso wie ein Leben ohne Musik – wer will sowas schon?). Gerade deshalb bin ich auch ebenso froh, dass es hier eine solch tolle Plattform zum regelmäßigen Austausch gibt. Es gibt hier so viele tolle Leute, die man sonst niemals auf irgendeine Art und Weise kennen lernen würde. Dementsprechend: auf die nächsten 1000 und weitere unendliche Diskussionen und tolle Community-Aktionen!

______________________________________________________________________

»Die Liebe hört niemals auf.«

LOVE EXPOSURE, das japanische Wahnsinnswerk von Shion Sono enthüllt nichts anderes als die wahre, pure, reine Liebe. Zwar versteckt sie sich die ganze Laufzeit über hinter allem möglichen, schimmert aber immer wieder hervor. Viel ist über diesen Film geschrieben worden, oft wurde er als „genreübergreifend“ betitelt – gerade das passt, denn er springt hinterrücks von diesem in jenes, ohne mit der Wimper zu zucken.
Es ist nicht nur die Geschichte vom religiös erzogenen Yu, der „seine Maria“ finden will und davor nie geliebt hat, es ist die Geschichte der Liebe in all seiner ganzen, ungeschönten und verschönten Form, in jeder einzelnen Facette. Das ist genauso offensichtlich wie die Leidenschaft, die Regisseur Shion Sono für sein Werk und das Kino empfindet. Eine so lange Aneinanderreihung von purer Filmmagie habe ich selten, eigentlich nie erlebt. Jede einzelne Szene sprüht nur so vor unbändiger Energie, jeden einzelnen Aspekt dieses Mediums auszukosten. Und genau das schafft Sono dann auch. Er verstrickt seine Figuren in einem fast schon sadistischen Spiel, das immer wieder ungeahnte Richtungen einschlägt. Wir erleben Yu als extrem religiös aufwachsenden Jungen, der früh seine Mutter verliert, der mit den Stimmungsschwankungen seines Vaters zu kämpfen hat. Als einen Perversen, der die Höschen der Frauen fotografiert und das zur Kunst erhebt. Der seine Liebe findet, sie jedoch verhindert wird. Ein Mann, der für seine Liebe, die ewig währende Liebe, immer kämpfen wird, bis er verrückt wird.
LOVE EXPOSURE ist nicht viel weniger als ein ausuferndes, völlig übertriebenes, aber dabei so grandioses Meisterwerk. Und das haben natürlich auch schon viele angemerkt, aber ich komm nicht umhin, es auch zu tun. Mich hatte der Film schon nach den ersten Minuten, wobei ich da noch etwas verunsichert war, da ich eine derartige Präsenz vom Thema Religion irgendwie nicht erwartet hatte. Letztlich ist der Film ja eine einzige Abhandlung über eben Religion und Liebe. Aber nichtsdestotrotz fing mich der Film dann ein, zog mich in die wirre, absurd-komische und verrückte japanische Welt hinein, ließ mich nicht mehr los. Es ist schon relativ wahnsinnig, anzumerken, dass sich die knapp vier Stunden wie vielleicht eine einzige angefühlt haben. Wenn ich mich dann umsehe, bin ich mit dieser Einstellung und dem Erlebnis glücklicherweise nicht so alleine.
Shion Sono schafft es einfach, ein so riesiges, allumfassendes Werk zu kreieren, was jedoch nicht an etwaiger Überlastung scheitert, sondern gerade dadurch seine Stärke gewinnt. In jeder Szene wird Filmkunst zelebriert, ob Männer in ninja-artiger Bewegung unter den Röcken von Frauen herhuschen, ob Yu sich unsterblich verliebt oder das Blut nur so durch die Gegend spritzt; oder wenn man einfach nur dem tollen Soundtrack lauscht. Man ist so eingenommen von dieser unausprechlichen Poesie, die in diesen besonders brillant zusammengeschnittenen Bildern liegt, man wird erfasst vom Beben der Filmmagie und speichert das alles tief im Innern ab. Man weiß einfach ganz genau, dass man diesen Film nicht mehr loswird. Er wird sich wohl einfach mal eben hier eingenistet haben und nicht mehr weggehen. Aber man kann sonst natürlich auch gar nicht so recht begreifen, was man noch alles in dem Film sehen kann, viel mehr kann man noch gar nicht umschreiben, was man in dieser Zeit alles gefühlt hat. LOVE EXPOSURE ist einfach zu groß, zu gigantisch und eigentlich fast schon filmische Perfektion.

bedenklich? 28 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 15 Antworten

FilmFan92

Antwort löschen

Eine weitere, motivierende Lobeshymne auf den Streifen. Interesse besteht, aber vergehen die 4 Stunden tatsächlich so easy, wie man so oft liest? :P
Ach, und Glückwunsch zum Millenium :)


alex023

Antwort löschen

Ja, wir sagen das ja nicht alle umsonst :D Ist wirklich so.
Und vielen Dank!


chris-danese

Kommentar löschen
Bewertung5.0Geht so

Das Werk hat mich nicht wirklich überzeugen können. Patchwork aus allerlei Genres, dabei aber nach meinem Geschmalck irgendwie nicht konsequent gemacht. Slapstick und Teenageromanze und althergebrachte Verwirrkomödie mit einer halben Portion Psycho und paar netten Akrobatik-Kampfeinlagen, schließlich mal eben noch ein Hektoliter Blut ... es war nicht komisch genug und/oder nicht psycho oder crazy genug und "bizarr" fand ich es auch nicht.
Allerdings waren die vier Stunden recht easy zu verkraften. 5 Punkte für den Unterhaltungswert.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

kobi

Kommentar löschen
Bewertung2.0Ärgerlich

Think big! Dröge 240 Minuten lang (länger als „Der mit dem Wolf tanzt“ oder „Ben Hur“) behandelt „Love Exposure“ die Themenkomplexe Liebe und Religion. Inhaltlich dreht sich der Film um die Gott- und Selbstfindung einer erstaunlich übersichtlich geringen Menge an Charakteren.

Yu wächst bei seinem Vater, einem Priester, auf. Seine früh verstorbene Mutter zeigte ihm einst die Marienstatue in der Kirche des Vaters und trug ihrem Sohn auf nach „seiner Maria“ zu suchen. Als der Vater, geprägt von einem unerfreulichem, verbotenem Liebeserlebnis, zum Fanatiker wird, sieht sich sein Sohn Yu genötigt, zu sündigen, um einen handfesten Vorwand für die obligate tägliche Beichte zu haben. Zunächst randaliert er nur ein wenig, doch dann findet er über das heimliche Fotografieren von Mädchenunterhosen seine eigentliche Bestimmung als „König der Perversen“. Endlich stößt er bei einer stylischen Karatekeilerei, wie sie die Phantasie jedes Möchtegern-Streetfighters beflügelt, auf seine Maria, beziehungsweise ihre Unterhose, und versucht sie, Yoko, nun für sich zu gewinnen.

Der biblische Leitfaden ist klar erkennbar. Yus Vater ist der apodiktische Jahwe des Alten Testaments, das Gesetz, das seinen Sohn durch eine unerfüllbare Morallehre scheitern und zum trotzigen Sünder werden lässt. Wäre diese Ausgangslage aber nicht gegeben gewesen, hätte Yu nie „seine Maria“ getroffen. Dem Gesetz folgt Güte; daher sind die letzten beiden Filmdrittel dem Neuen Testament gewidmet. Der Weg der beiden Liebenden zueinander ist die Bibel.
Der Film setzt ein klares Zeichen gegen die postmoderne Glaubensauffassung. Religion, so der Film, darf nicht aus Versatzstücken verschiedener Weltanschauungen bestehen, die jeder nach Belieben miteinander kombinieren kann. Der Vergleich zum pantheistischen „Life of Pi“ ist hier angebracht, in dem die Natur, wie bei Albert Schweitzer, eine Ersatzreligion für den Protagonisten wird. „Love Exposure“ dagegen wärmt Altes neu auf: Traditionelles wird Trendy. Yoko wird über ihre religiöse Ziehmutter auf das Neue Testament und Jesus gestoßen, der „cooler als Kurt Cobain“ ist. Auch Yu ist aus religiöser Kraft heraus stark gegen das, was Luther als „falsches Begehren“ bezeichnete. Ihm, dem Hobbyfotografen weiblicher Unterwäsche, dienen seine Bilder nicht zur sexuellen Befriedigung, sondern dazu, „seine Maria“ zu finden.
Yu weiß, dass Yoko die „Eine“ ist. Doch das Drehbuch geht nicht einmal so weit, zwischen sexuellem Begehren und Liebe zu differenzieren. Ganz offensichtlich spielen nur die Hormone der beiden verrückt. Yu bekommt nur bei ihrem Anblick eine Erektion und folgert daraus, dass sie „seine Maria“ sein muss. Bei ihr verläuft es entsprechend. Durch monotone Bildfolgen von Höschen versucht der Regisseur auf gelinde gesagt dämliche Art zu beweisen, dass Christ sein nicht Prüderie bedeutet.

Diese Freizügigkeit geht einher mit teilweise unnötig drastischen Gewaltdarstellungen. Kontrastiert wird das Ganze aber durch ein unerträglich kindliches Narrativ. Eine ganz und gar nicht zimperliche Coming-of-age Story wird mit einem skurril anmutendem naivem Erzählton unterlegt. „Love Exposure“ entwickelt sich zu einer Banalität von monumentalen Ausmaßen und zur Karikatur seines augenzwinkernden Erzählstils selbst. Würde der Film nicht so plakativ mit den Emotionen seiner Darsteller hausieren gehen, wäre er vielleicht etwas besser, aber auch viel langweiliger geworden. Seine Dynamik, die Endlosschleife von Bolero und ein paar wirklich gute Schnitte (in diesem Film fällt die Schnitttechnik auch wirklich auf!), ist alles, was den Film lebensfähig macht und ihm eine Existenzberechtigung gibt.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

JimiHendrix

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

"Christus, seit Kurt Cobain bist du der erste Mann, den ich akzeptiere!"

Man nehme einen getragenen und abfotografierten Mädchenslip - er kann ruhig schon etwas feucht daher kommen - versieht ihn mit gierigen Männerblicken, lässt ihn durch ein Taufbad aus Weihwasser und Tränen gleiten, legt ein Stück schwarzen Stoff drum sowie die Strähne einer Langhaarperücke. Anschließend wischt man damit das Blut der niedergemetzelten Klassenkameraden auf und jagt das Gemisch durch den Mixer. Dann umwickelt man die gemixte Masse noch mit einem Stück von Vatis frisch filetiertem Lusthobel , den er dir aus LIEBE zwischen die Schenkel drücken wollte und schmeckt das Ganze ab, das Aroma sollte sich nun als ein schrill-durchgeknalltes mit einem Hauch ins übertrieben-groteske definieren lassen, wenn dies nicht der Fall ist, ruhig nochmal mit einer Priese absurder Story der Würze nachhelfen. Nun heißt es geduldig warten, denn diese filmische Huldigung über das schönste Geschenk der Menschheit benötigt seine Zeit um bei 0 Grad wirklich auch im innersten Kern gar und damit Genießbar zu werden, man muss nur daran GLAUBEN. Nach guten 240 Minuten kann man den wild zitternden Braten aus der Sekten-Röhre holen und ihn mit einem Samuraischwert leicht anstechen, um zu sehen ob er durch ist. Es sollte alles Weihwasser auch im inneren des Bratens restlos verdampft sein. Ist dies der Fall drapiert man eine Stange höchst religiöses Dynamit im Bratenkern und lässt das Ende der Zündschnur an der Seite herausragen. Man serviert dazu noch ein paar talkreiche Pubertätsklöse und garniert das Ganze am Tellerrand mit frisch gezupften Wellensittichfedern. Nun noch artig das Tischgebet sprechen, die Zündschnur in Brand setzen und kann nun nur noch die eine HOFFNUNG haben:
Habt ihr auch alle brav gesündigt?

Sion Sonos zuckersüßer Liebesfilmdinosaurier LOVE EXPOSURE wird sicherlich seinen archäologischen Platz im unendlichen Filmmuseum bekommen und das nicht mal ganz unverdient.

Die erste Hälfte des Films ist schon eine Art Dauererektion, Lusttropfen inklusive. Also nahe an dem Gipfel filmischer Perfektion in Sachen Handwerk, Schnitt, Musik und Atmosphäre. Die inhaltlichen Deutungen sind nur schwerlich zu übersehen und wählen den Glauben ins Zentrum aller Betrachtungen, samt aller schonungslosen Facetten.
Das Tempo mit der Sono hier die Erzählstränge verwebt und dramaturgisch verarbeitet wird wohl vorerst ein Unikum bleiben.
Im zweiten Teil spürt man den sogenannten "Kavaliersschmerz" durch die langanhaltende Spannung und der Nichtgestattung des Höhepunkts. Weshalb ich den zweiten teil auch um einiges Schwächer empfand, da er doch Längen und Schwächen in der Story offenkundig werden ließ. Nichtsdestotrotz ist der erneute mehrmalige Wechsel/Mix der Genre im zweiten Abschnitt wichtig für das Gesamtkunstwerk LOVE EXPOSURE und dessen Stahlwirkung.

Doch da mir hier und da, vor allem bei Yokos langem und für mich völlig sinnfreiem Reiztat aus dem Buch der Korinthenkacker, die Schädelinnenwand stark zu jucken begann, da ich es allzu übertrieben fand, bekommt dieses Werk nicht richtig den Fuß in die goldenen Hallen meiner Filmlieblinge, zumal die Story - obwohl von der Realität inspiriert - einfach zu konstruiert und schwachsinnig daher wackelt.

Egal wie man zu Sion Sono als Regisseur steht, muss man dieses intensive Filmerlebnis als echt Duftmarke des japanische Kinos wahrnehmen, ob man sich nun in dem Geruch verlieren mag oder einfach nur die Nase rümpft.

bedenklich? 17 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten

Danyrail

Antwort löschen

Toller Kommentar. Doch gerade das Zitat aus dem "Buch der Korinthenkacker" fand ich grandios und überaus passend!


JimiHendrix

Antwort löschen

jo, mag halt einfach nicht so viel schmalz.


Shinuslaw

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Ich bin selten so früh nach den Schauen eines Films begeistert, aber ich glaube, dass ich hier einen der besten Filme des neuen Jahrtausends gesehen habe. Doch wie soll ich den Film beschreiben? Er begeistert, durch eine tolle Liebesgeschichte, fesselndes Drama, der Darstellung von Freundschaft und auch sehr viel Humor. In seinen 4 Stunden findet man sicherlich auch einige Längen und viele Filmklischees (besonders in den Charakteren, abseits von Yu und Yoko), dies hat mich aber überhaupt nicht gestört. Ich hatte den Film schon sehr lange auf meiner "To-Watch List", war aber natürlich von der langen Laufzeit abgeschreckt und nahm mir eigentlich vor den Film in 2 Teilen zu schauen (was ich sonst gar nicht leiden kann). Ich konnte aber einfach nicht aufhören und schaute den kompletten Film am Stück, ohne dass ich merkte, wie die Zeit davon schritt. Ich finde es interessant, wie sehr wir in die Psyche der Charaktere einsteigen konnten und dadurch ihre Gefühle hautnah miterleben konnten. Besonders Yu hat mich, auch wenn er oberflächlich relativ "normal" wirkt, sehr überzeugt. Natürlich tut der wirklich starke Schauspieler Takahiro Nishijima sein übriges. Aber auch Sakura Ando als Koike hat mich extrem überzeugt. Neben der Liebesgeschichte, die herzzerreißend ist, sticht der Film auch noch durch viele kleine Sachen heraus. Eine interessante Vater-Sohn Beziehung, die Beschreibung von Einsamkeit, das Finden von Freunden und Rebellion sind alles Themen, die der Film aufnimmt und gekonnt wiedergibt.
Ich kann mir vorstellen, dass 4 Stunden Laufzeit für einige Leute abschreckend wirken, aber "Love Exposure" gehört für mich zu den größten Entdeckungen des letzten Jahres.

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Kuya

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

LOVE EXPOSURE ist wohl einer der interessantesten Filme der letzten Jahre. Zwar warten an jeder Ecke naive Klischees und auch ihre Auflösung ist nicht grade originell, zwar weicht sein Wert jeglichem intellektuellem Zugang aus, auch manche schauspielerischen Leistungen sind schwer mit anzusehen, doch ist es gleichzeitig schwer nicht seine famosen Stärken anerkennen zu können. Der Film schafft es trotz formalem Anarchismus nicht auseinander zu fallen. Kühn werden Parallelgeschichten, neue Charaktere eingeführt, wieder verabschiedet, die Bilder folgen keinem Schema, oft wird gewechselt zwischen wackliger, stehender, niedrig auflösender und hochauflösender Kamera. Redundanzen werden unverschämt zugelassen. Wer die kreativen Schnitte von SCOTT PIGRLIM, spektakulären Kamerafahrten von OLDBOY oder eine formale Meisterschaft über Schnipselwerk wie bei PULP FICTION oder KILL BILL sucht, sucht vergebens. Aber doch hat LOVE EXPOSURE mit diesen Filmen viel gemeinsam, das sticht ins Auge.

Sono wirbelt unaufhörlich, sodass kein richtiger Sinn entstehen will. Erotik, Liebe, Religion, Familie und Freundschaft werden zuweilen Bedeutung zugeschrieben, verkommen aber gleich wieder zur Leerformel. Alles scheint schwankend in LOVE EXPOSURE - ein Pfarrer, kündigt seinen Beruf und tritt einer gehirnwaschenden Sekte bei, die Mutter des Protagonisten verschwindet mit ihrem Tod wirklich von der Bildfläche des Films und von den Erinnerungen der Figuren, und die Hauptfiguren verstehen aber verstehen nicht, lieben sich aber hassen sich und glauben ohne Glauben. Am Ende steht der Film selbstbewusst, frisch und im hohen Maß modern da. Eine durchaus legitime Art einen Filme zu drehen. LOVE EXPOSURE ist Style-Spraying, Menschenergründung, Metakino und B-Movie bester Ausprägung zugleich.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

albaniax

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Dieser Film ist wirklich weit weg von allen anderen Filmstrukturen an denen man gewöhnt ist und das ist auch gut so.

Wenn die ersten Minuten umgeht, weiß man noch gar nicht was alles auf einen zukommen wird und man versteht auch erstmal gar nicht wohin das ganze führen soll. Aber mit der Zeit wird das Bild kompletter und führt zu einer letzten Szene, das man mit einem eigenen Grinsen beendet wie die 2 Hauptdarsteller.

Definitiv eine Achterbahnfahrt durch die skurillen Gedanken einer Japanischen "Love-Story" in der viel mehr steckt als nur das, mit vieeeel Humor zwischendurch :)

Als Fazit:
Einfach schauen der Rest kommt von selber.

Ich denke aber, dass dieser Film jüngeren Generationen mehr gefallen wird. Bei manchen konservativen Cineasten wäre ich vorsichtig mit der Empfehlung.

bedenklich? 11 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten

albaniax

Antwort löschen

Ach ja, Soziophaten würde ich diesen Film auch nicht empfehlen, sowie Leuten die besessen von Scarface sind und/oder Farid Bang / Kollegah Discographien auf Ihren MP3 Player haben.


FlintPaper

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Obsessive Katholiken, liebessüchtige Frauen, Vater und Sohn zwischen Beichtstuhl und Höschen-Fetischismus, die Einsamkeit, die Zweisamkeit, Liebe und Hass, Erektionen und Erektionsbrecher, Kapitel des Leids, Kapitel der Freude; Die schiere Masse an angeschnittenen Themen und die Art, wie Shion Sono sie zu einem - trotz der extremen Laufzeit - seltsamerweise kurzweiligen Theater-Spektakel in realen Kulissen verarbeitet, scheint einzigartig. Alle Minuspunkte, wie z.B. ein paar unnötige und dämliche CG-Effekte, verkommen bei soviel Esprit für Bild und Erzählung jedenfalls zur Nebensächlichkeit. Kurzweil in Langform, vorallem auch aufgrund der absurden, jedoch erfolgreichen Mixtur verschiedenster Inhalte.

bedenklich? 8 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Andri1995

Kommentar löschen
vorgemerkt

gibt es den Film auch auf deutsch irgendwo zu kaufen??
sehe immer nur auf Japanisch mit deutschen Untertiteln

bedenklich? Kommentar gefällt mir 2 Antworten

NewFilmkonsument

Antwort löschen

Bislang hat sich noch kein Sychronstudio an diesen 4-Stunden-Film getraut.


Alexandrow

Antwort löschen

Und das ist auch gut so


bexxx

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

Hatte mal wieder Lust ein Film einzulegen, den ich im ersten Rausch damals mit 10/10 bewertet hab. Und dabei bleibts auch. Selbst beim zweiten Schauen jetzt hab ich mich in den knapp 4 Stunden Nettolauflänge nie gelangweilt.
Zudem sah ich alles sofort von einem anderen Blickwinkel, was sich um Aja Koike drehte. Auch die imo etwas zähe erste Viertelstunde kam mir nochmal einen Tacken besser vor.

Wer auf cineastische Grenzerfahrungen steht, sollte auf alle Fälle mal in Betracht 4 Stunden des Lebens darin zu investieren. Ein Genregrenzensprengendes Kunstwerk. Storytelling, Tempo, Dramaturgie, Schnitt, Darsteller...alles top...manchmal sieht japantypisch der Handdigitalkamerastyle etwas billig aus. Aber soll man sowas abwerten? Mir hätt es sogar gefallen den Showdown noch zu erweitern...aber 4 Stunden sind ja auch eigentlich way too much.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

leManni

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

Wow!Geschafft! Erstmal, danke Moviepilot & der Community für die Entdeckung dieses wunderbaren Films!!
Ohne Zweifel einer der besten den ich je gesehen habe. Ich bin seit mehreren Stunden(man hat ja genug Zeit :P) schon am überlegen was man schreiben kann und vor allem muss! An alle zukünftigen Gucker, lasset euch nicht von den 4h abschrecken. Es lohnt sich! Aber nun:

Ja, der Film ist lang. Aber verdammt nochmal es sind unglaublich intensive 4h Filmschauen. Ich hatte mich gut vorbereitet auf die 4h und hab meine übliche entspannte
Filmhaltung auf der Couch eingenommen und bemerkte nach ca. 1 1/2 (boah wie das klingt :D) das ich immer näher an den Fernseher komme. Meine Sitzpositionen änderten sich im Minutentakt und irgendwie mischte der Film ganz schön auf...so gefühlsmäßig^^
Der Film hatte alles: Lustig, Traurig, Verwirrend, "Herzschmerz", Erotik, Peinlich und Kurioses. (und perverses :P)
Bei mir hat er das alles auch geschafft auszulösen. Mensch, ich glaube ich werde nie wieder einen Hollywood-Blockbuster anschauen können. Dieser ganze Crap kommt doch an dieses Kunstwerk nicht heran(Ausnahmen bestätigen aber weiterhin die Regel ;))

*Ab hier mit teilweise heftigen Spoilern*:
Jedenfalls hab ich mir nach den ersten 10 Minuten nicht viel versprochen, alles sehr Gott-bezogen und vor allem nervte Kaori. Gott war die nervig. Im späteren Verlauf wurde mir klar warum der Anfang so ist wie er ist. Ich hab mir lange keine Gedanken über Gehirnwäsche gemacht, der Film ist auf jedenfall ein Anstoß sich mit dem Thema zu beschäftigen. Nach dem der Anfang mir nicht gefallen hat, BÄM plötzlich fröhliche Musik, Perspektivenwechsel vom Off-Sprecher zum Ich-Sprecher und es ging los =)
Sofort konnte man sich mit den Charakteren identifizieren, nicht zuletzt wegen den perfekten Vorgeschichten, die teilweise ganz schön gestört waren, aber sicher nicht aus heiterem Himmel stammen.

Man merkt dem Film an, das er in (für mich) 2 Teile geteilt ist, neben den "offiziellen" 3 Kapiteln. Für meinen Geschmack hätte der "Ich-will-dich-du-willst-mich-nicht"-Teil, bis zur Offenbarung Yu's, noch ein bisschen länger gehen können. Die Beziehungskonstellation war einfach nur herrlich. Plötzlich Bruder und Schwester. Yu hat komplette Destraktion erlebt, als sie ihn im Bett weckte. Herrlich. Ich dachte mir bei der Szene wo er ihr Zimmer durchstöbert, das es keine gute Idee ist :D Sowas geht doch immer schief :P

Ums kurz zu halten:
Danach geht alles schief, Koike (deren Ziel für mich nicht erkennbar ist(wollte sie Yu nun nur Psychomäßig quälen oder dachte sie, sie hat ein Leidensbruder gefunden?)) Wieso hat sie ihm dann Yoko vorgestellt oder wollte sie wirklich nur Mitglieder für ihre äußerst zwielichtige Sekte anwerben? Der Film gibt für mich da leider keine Antwort. Was wiederum gut war, war die Beziehung zu Gott und Sünde, welche durchweg Leitmotive sind. Gerade der Vater macht eine komplette, zugegeben, menschliche Veränderung durch, die so unfassbar wirklich ist. Wow. Alle Schauspieler haben einen super Job gemacht. Zu jeder Zeit realistisches Schauspiel. Good Job!

Nach ca 3h hatte ich eigentlich nur noch gehofft, dass der Film keine Romeo&Julia Endung nimmt. Ich hatte es mir für Yu und Yoko irgendwie gewünscht, dass sie zusammen kommen. Das Ende war außerdem alles andere als absehbar und, nunja, das beide ihre Sünden und so erlassen bekommen...Hach wie schöööön :D

*Ab hier wieder ohne Spoiler ;)*
Fazit: Klasse Film,klasse Schauspieler. Ein Film den wirklich nicht viele kennen, der auch seinen Reiz im Originalton hat, ohne hässliche dt. Synchro. Hier noch ein paar Punkte die den Film für mich interessant gemacht haben:

1. Ich muss unbedingt diese Tosatsu Fähigkeit lernen :D An alle Frauen! Zückt die Miniröcke! :D *spaß...möchte ja kein Perverser sein :P*
2. Yoko ist verdammt süß man...Man ist ja eigentlich aus dem Alter raus wo man in Filmfrauen verknallt ist...aber verdammt, die isses Wert :D
3. Sich mit dem Thema Gott,Sünde und Gehirnwäsche beschäftigen. Der Menscheit größtes "Übel" ;)
4. Es gibt immer noch einen größeren Perversen als man selbst :D

Ich hau mich jetzt hin. Viel zu verarbeiten. Kein 1 1/2h Film geht so schnell vorbei wie dieser 4h Kracher. Top. Dafür liebe ich Filme zu schauen. Schaut ihn euch an, so vieles passiert was man gar nicht in Worte fassen kann. 10 Points dafür.
Vielen Dank. :)

bedenklich? 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten

leManni

Antwort löschen

Noch ergänzend: Mir ist letztendlich vollkommen schleierhaft, bei komplett nüchterner Betrachtung, wie dieser Film es schafft, dass ich keine Szene während der 4h missen möchte?! Grandiose Leistung :)


Thanatos1

Antwort löschen

Du willst keine missen weil du bereits zu viele nicht gesehen hast, schlieslich sollte der Film anfänglich sogar 6 Stunden gehen


zipy

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

vorhersage 9,5, halbe stunde geguckt und ich dachte das kann doch nur ein scherz sein.. weitergeschaut und bei einer stunde merke ich, der film geht 4h lang -.-
Was darauf folgte hat mich dann doch gepackt. Total geflashed und absolut ratlos sitze ich jetzt hier und weiss nicht wie ich ihn bewerten soll. Von 8,5 bis 10,0 ist absolut alles drin.. ich glaube ich schlafe noch mal 'ne Nacht drüber und bewerte ihn Morgen. Ich habe noch nichts vergleichbares bisher gesehen, mir fehlen die Worte! Gute Nacht allen xD

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Boddah

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Nachdem der Film für mich eine Vorhersage von 9,0 hatte, habe ich ihn mir inzwischen endlich angesehen, fand ihn auch wirklich gut, doch finde eine Bewertung eher schwierig.

Love Exposure hat auf jeden Fall Spaß gemacht, und auch wenn der Film sicherlich keine 4 Stunden nötig gehabt hätte, so war es dennoch wichtig, viel Zeit zum Entwickeln der Charaktere einzurechnen. Von daher sehe ich es schon als etwas Gutes an, dass die Zeit rausgenommen wurde, doch hier und da hätte man durchaus Szenen kürzen können, denn unter'm Strich gab es schon ein paar Passagen, die sich etwas hinzogen.

Ansonsten gibt es aber eigentlich nichts auszusetzen - die Story hat Spaß gemacht, die Musik war cool, die Schauspieler waren gut und auch die Charaktere selbst waren wie erwähnt alle exzellent ausgearbeitet.

Der Film war auf jeden Fall etwas Besonderes und ich bin froh, ihn mir angesehen zu haben - nichtsdestotrotz habe ich mir trotzdem etwas Obskureres versprochen. Ich mag allgemein das japanische Kino sehr, und von daher war ich bei der Beschreibung des Films und des Durchlesens der Kommentare hier auf Moviepilot davon überzeugt, dass der Film auch seine 9,0 Punkte (oder mehr) von mir bekommen würde. Ich finde es daher besonders schwierig ihn nun zu bewerten, da meine Erwartungen sicherlich zu hoch waren. Der Film war super, wenn auch nicht perfekt, aber dennoch war er nicht ganz das, was ich erwartet / erhofft habe. Dennoch habe ich im Grunde außer der zum Teil entstehenden Längen eigentlich keine negative Kritik zu äußern.

Nun habe ich schon 2 Tage an der Wertung überlegt und überwinde mich jetzt zu einer Bewertung von 8,5 Punkten. Auch wenn der Film ein wahrer Hammer ist und ich ihn mir jetzt nicht unbedingt in nächster Zeit noch mal ansehen muss, hat er doch wenige Schönheitsfehler, und da denke ich, dass ein Abzug von 1,5 Punkten gerechtfertigt ist. Mal schauen, vielleicht ändere ich die Punktzahl auch noch.

Jedenfalls definitiv ein empfehlenswertes Werk, wenn man die Zeit mitbringen kann. Man kann den Film auch getrost pausieren und am nächsten Tag auch noch mal leicht in die Story reinfinden. ;)

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten

Hartigan85

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Ich kann immer noch kaum einen klaren Gedanke darüber fassen, was ich da gestern Abend für einen Film gesehen habe. Über diesen japanischen Film von Shion Sono aus dem Jahr 2008 hatte ich erstmals vor Monaten hier bei Moviepilot gehört. Seitdem immer mal wieder, meist nur sehr positives. Hab ihn mir dann zugelegt und gestern angesehen. Was für ein filmischer Rausch, ein 4-stündiges Mammutwerk, ein wilder Genre-Mix, eine großartige Lovestory, ein episches Erlebnis. Man muss sich auf den Film einlassen, sonst scheitert man möglicherweise sehr schnell an der langen Laufzeit oder der seltsamen Erzählweise oder, oder, oder…
Wirklich schwer in Worte zu fassen, was einem hier 4 Stunden lang für Bilder in den Schädel gehämmert werden. Der extrem komplexe Streifen ist total schräg, skurril, blutig, pervers, geschmacklos, romantisch, emotional, tieftraurig und enorm bildgewaltig!
Die Darsteller können überzeugen, vor allem die süße Hikari Mitsushima in der weiblichen Hauptrolle als Yoko agiert wirklich grandios. Besonders in Erinnerung bleibt hier eine überragend gespielte Szene am Strand, ganz starke Leistung! Der grandiose Soundtrack sollte unbedingt noch erwähnt werden, der hier äußerst passend eingesetzt wird.
„Love Exposure“ ist ein sehr spezieller Film, der definitiv nicht jedem zusagen wird, von dem sich dennoch jeder ein Bild machen sollte, sonst verpasst man möglicherweise einen neuen Lieblingsfilm. Denn eines ist scheinbar sicher: Diese etwas andere Liebesgeschichte wird man entweder lieben oder hassen. Sie wird einen entweder verzaubern oder abstoßen. Mich hat sie verzaubert…

bedenklich? 32 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 13 Antworten

Haschbeutel

Antwort löschen

Fand ihn bei der Zweitsichtung sogar noch besser ...


jan.griemsmann.9

Antwort löschen

Wird bei öfterer Sichtung sogar immer besser ;-)


dbeutner

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

Interessant, aber überbewertet. Vor allem ist die Laufzeit von vier Stunden nicht ernsthaft zu rechtfertigen, 2.5 Stunden hätten es auch getan. Die Story ist schon nett, die DarstellerInnen gut, es stört nichts. Und einige Aspekte sind auch wirklich gut umgesetzt. Aber zu einer begeisterten Bewertung ab 8 Punkte aufwärts hat das in der Summe nicht gereicht.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten

lina.lenz.3

Antwort löschen

Hast du den Film gestreamt? Wenn ja, kannst du mir sagen wo? In unserer Videothek gibt es den leider nicht :/


dbeutner

Antwort löschen

Habe ihn via Amazon UK: http://www.amazon.co.uk/Love-Exposure-Blu-ray-Takahiro-Nishijima/dp/B0085MSGYC


Mr.Moffet

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Da denkt man, dass man schon eine Menge erlebt und gesehen hat, und dann kommt dieses Brett von einem Film...Nach ungefähr einer Stunde war ich am kämpfen, doch lieber was anderes einzulegen, was Griffigeres, was "Normaleres", fühlte ich mich doch leicht überfordert. Doch da hatte ich noch nicht verstanden. Denn das Verstehen setzte erst im weiteren Verlauf ein. Lass einfach los, wirf sämtliche gedankliche Konventionen über Bord, welcher Art auch immer, öffne dein Bewusstsein ganz tief, vergiss alles, was du meinst, über Filme und Schauspielerei zu wissen und hör vor allem endlich auf, zu vergleichen oder einzuordnen. Denn dieser Film steht ganz für sich allein in dieser Welt, seine Laufzeit, seine Charaktere, sein Tempo, sein herrlich absurder Handlungsverlauf, einzigartig...Das Geschehen kriecht dich ganz langsam an, nimmt mehr und mehr von dir Besitz, fängt an, dich zu manipulieren, bis es das emotionale Zentrum deines Gehirns in seine Gewalt gebracht hat und dich zum Komplizen macht, Mensch, lass dich fallen und gib dich mir ganz hin. 1. Korinther 13, ihm ins Gesicht geschrien am aufgepeitschten Meer, ich kann mich nicht erinnern, während dieser Szene überhaupt geatmet zu haben. Die Schlusssequenz, verdammt, habe ich echt geheult ? Die finale Szene, eine einfache Geste, ein einfaches Bild, und doch so stark wie ein Schlag in die Magengrube (oder ein massiver elektrischer Impuls mitten ins limbische System ?). Schon vorbei, da kommt jetzt nichts mehr ? Kein überwältigendes Bild mehr, keine wahnsinnig anmutenden Handlungen, keine meisterhafte Musik ? Vorbei ??... Die Realität hat mich wieder, so langsam, ich bin erfüllt von Dankbarkeit, mich auf diesen cineastischen Grenztrip eingelassen zu haben.

bedenklich? 6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 6 Antworten

Bloodyfield

Antwort löschen

Ich hab gerade erst den Film gesehen und du hast exakt, wirklich exakt das gesagt was mir durch den Kopf ging. Wahnsinn.


Mr.Moffet

Antwort löschen

Danke dir, das freut mich wirklich.


Louis Cyphre

Kommentar löschen
Bewertung10.0Herausragend

Ungelogen, vielleicht das größte Filmerlebnis neben "The Turin Horse", welches ich in den letzten Jahren gesehen, nein erlebt habe! Eine fast 4-stündige Filmoper aus Japan, die das zentrale Thema Liebe meisterhaft erzählt. Wahnsinnig gute Schauspieler (wunderbar: Yu aka Takahiro Nishijima, zauberhaft und unendlich niedlich: Yoko aka Hikari Mitsushima) zelebrieren hier eine Geschichte, die so genial und außergewöhnlich erzählt wird, dass man nach den knapp 4 Stunden (die übrigens wie im Flug vergehen, so klug und interessant ist der Film komponiert) heulend, glücklich, aufgewühlt, nachdenklich, geflasht und überwältigt nach Taschentücher und einer neuen Schlüppi greift. Untermalt mit dem berühmten Zweiten Satz aus Beethovens 7. Sinfonie, Ravels Bolero und Rockmusik wird hier eine Bilderflut der Extreme gezeigt. Was anfänglich noch ungewohnt und fremd wirkt (japanischer Schlüpfer-Wahn bei Schulmädchen), überzogene Komik/Mimik, Kampfkunsteinlagen und religiöser Irrsinn, wird nach und nach aufgedröselt und passend zusammengefügt. Es dauert auch knapp eine volle Stunde, bis überhaupt der Titel des Films eingeblendet wird. Slasher, Komödie (teilweise wirklich sehr lustige Dialoge und Situationen), Action, Horror, Religion, Splatter, Drama und Erektionen gehen Hand in Hand und sind großartig in Szene gesetzt. Schrill, bunt, lebensfreudig, traurig, romantisch, spannend, ernst, witzig, geistreich - ein berauschender Trip und man fühlt sich nach diesem GENUSS wie benebelt. Klingt merkwürdig fremd und etwas abgefuckt, aber der Film ist wirklich von vorne bis hinten großartig.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

SebastianK

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

"Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe."

bedenklich? 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

GanonG

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Zuerst dachte ich, hier geht es um einen reinen "Panty-Shots" Trash Film, der leicht Unterhalten soll, aber spätestens nach einer Stunde merkt man, dass da noch was ganz anderes hintersteckt. Hier wechseln sich alle möglichen Genres ab, man verfällt von Heiterkeit in Melancholie, von Anstand in Wahnsinn. Gerade wenn man denkt der Film basiert nun auf einem gewissen Genre und genau das müsste jetzt passieren, wird einem das ganze wieder Umgeworfen. 4 Stunden sind lang, aber ich konnte nicht aufhören zu gucken, nicht mal eine Pause einlegen da einem die Charaktere so Nahe gebracht wurden und auch von der Schauspielerischen Leistung glänzen, dass man Wissen will, was das ganze nun auf sich hat und was die Person nun als nächstes tut oder ihr widerfahren wird. Die Hommage an Sasori Scorpion fand ich zum schmunzeln gut und auch die ganze "Dreiecks-Liebes-Drama-Beziehung" mit eine der interessantesten Ereignisse im Film. An sich eine Übertriebene und viel Dazugedichtete Verfilmung eines wahren Ereignisses, die aber zu Unterhalten weiss, ein Meisterwerk ist der Film aber nicht.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten


Fans dieses Films mögen auch