Sigmund

user content

Sigmund aus Hamburg . Sigmund hat sich auf moviepilot angemeldet und hat schon unglaubliche 2743 Filme bewertet und legendäre 303 Kommentare geschrieben. Ein großer Freund von Moviepilot. Liebt es, hier mitunter auf leidenschaftliche und scharfsichtige Cineasten zu treffen – von denen sicher der eine oder andere selbst mal einen feinen Film gedreht hat oder noch drehen wird. Mehr


Hotte im Paradies
Hotte im Paradies und 1 weitere ...

Sigmund 7.0 "Sehenswert"

Stereo
Stereo

Sigmund 3.0 "Schwach"

Warum eigentlich sind *rauhe Kerle* mit die beliebtesten Figuren der eskapistischen Filmwelt? Weil sich in der wirklichen Welt viele Männer insgeheim als Hasenfüße, Luschen oder Weicheier empfinden? Vielleicht. Denn die Knöpfe des populären Kinos werden bekanntlich dort gedrückt wo sich die Sehnsüchte der meisten Zuschauer finden.
Wie ermüdend dieser immergleiche Mechanismus sein kann, dokumentiert auch STEREO. So gut wie jeder der Akteure hier, vor allem Moritz Bleibtreu – den ich für keinen schlechten Schauspieler halte – chargiert sich durch das große Einmaleins der aufgesetzten Coolness. Gehört ja auch ein bisschen dazu wenn man bedenkt, dass schon Vierjährige aus Imponiergehabe mit ihren Muskeln spielen, und überhaupt, auch in der Tierwelt... aber lassen wir das. Dem Drehbuch von STEREO könnte man zugute halten, dass es in seiner Grundprämisse diese Art von purer Poserei auf gewisse Weise hinterfragt. Nur traut Autor/Regisseur Maximilian Erlenwein dem eigenen Ansatz leider nicht. Er huldigt der Illusion von Stärke und zieht Standard-Schauwerte wie kernige, sexy inszenierte Gewalt einer tieferen Auseinandersetzung vor. Mit anderen Worten: Er ist ein bisschen feige! Weshalb es wiederum kein Wunder ist, dass auch ihn die rauhen Kerle mit den markigen Sprüchen besonders anzuziehen scheinen ;-)

bedenklich? 15 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir doch nicht 5 Antworten

S.Bendix

Antwort löschen

Nee, in diesem Fall ein Thriller über harte Kerle - der sich am Ende sogar ziemlich dreist durch das jüngere Oeuvre Nicolas Winding Refns klaut. (Und das Wort "Eigenständigkeit" auch ansonsten kleinschreibt)
Mit dem Kein-Interesse-Button bist du jedenfalls mit Sicherheit gut bedient. ;-)


Sigmund

Antwort löschen

Stimmt schon, Jen, die Klischees vom "harten Kerl" sind in beiden Fällen ähnlich cheesy. Männerkitsch eben. Und damit auf dem Niveau von Pilcher & Co.


Große Freiheit Nr. 7
Große Freiheit Nr. 7

Sigmund 8.0 "Ausgezeichnet"

Ex
Ex

Sigmund 6.0 "Ganz gut"

A Long Way Down
A Long Way Down

Sigmund 3.0 "Schwach"

Der Rabe
Der Rabe

Sigmund 5.5 "Geht so"

Nymphomaniac 2
Nymphomaniac 2 und 2 weitere ...

Sigmund 8.0 "Ausgezeichnet"

Sunday Bloody Sunday
Sunday Bloody Sunday

Sigmund 8.0 "Ausgezeichnet"

Her
Her

Sigmund 9.0 "Herausragend"

Womb
Womb

Sigmund 4.0 "Uninteressant"

Philomena
Philomena

Sigmund 7.0 "Sehenswert"

Teorema - Geometrie der Liebe
Teorema - Geometrie der Liebe

Sigmund 8.0 "Ausgezeichnet"

Im August in Osage County
Im August in Osage County

Sigmund 6.0 "Ganz gut"

Die Konsequenz
Die Konsequenz

Sigmund 8.0 "Ausgezeichnet"

Tatort: Kopfgeld
Tatort: Kopfgeld

Sigmund 0.5 "Schmerzhaft"

Grand Budapest Hotel
Grand Budapest Hotel

Sigmund 8.0 "Ausgezeichnet"

Private Filmgeschichtchen, Folge 17:
Ein guter Freund erzählte mir Anfang der Woche, dass er sich neuerdings abgewöhnt hat, das Wörtchen "Du" in SMSen oder sonstiger Anrede groß zu schreiben. Der Grund ist folgender: Er treibt sich seit kurzem auf einem Datingportal herum, bei dem man potenzielle Partner in einen virtuellen Einkaufswagen legt. Also etwa wie eine Tafel Schokolade. Und da man auch in den Chats des Portals kaum anders behandelt wird als ein ebensolches Produkt vom Wühltisch, war er bald frustriert und reagierte auf die allgemeine Geringschätzung mit einer Art Resignation: Er empfand das großgeschriebene "Du" als zu respektvoll für unsere Zeit.
Was er damit meint, habe ich spätestens gestern Abend nachempfinden können, als ich GRAND BUDAPEST HOTEL sah. Denn hinter all den Wes Anderson-typischen Skurrilitäten, der gewohnt liebevoll-detailversessenen Ausstattung und dem brillant-lakonischen Intellektuellenhumor geht es hier im Kern um den Umgang der Menschen miteinander – im Wandel der Zeiten.
Damit widmet sich der Autorenfilmer endlich wieder einem Inhalt mit aktueller Relevanz, während seine letzten Werke oft eher seicht gerieten. GRAND BUDAPEST HOTEL ist zwar ebenfalls mit großer Leichtigkeit erzählt, aber die Molltöne unter der Oberfläche reichen bis in sozialphilosophische Tiefen: Stellt sich hier doch die Frage mit wieviel Hoch- bzw. Geringschätzung der Mensch sich selbst begegnet, oder, noch eine Ecke weiter gedacht: welchen Wert er der eigenen Gattung überhaupt noch beimisst.
Freunde der Kapitalismuskritik werden hier gerne aufhorchen, denn es liegt nahe schlusszufolgern, dass in Zeiten der Handelsoptimierung auch der Mensch endgültig zur bloßen Ware verkommt.
Fast wie einen Beweis für diese These empfand ich die Wehmut, die mich im Kino überfiel als ich sah mit welchem teils vorgegebenen, teils tief empfundenen Respekt der Concierge Gustave hier sowohl den hohen Herrschaften als auch seinem untergebenen Lobbyboy Zero begegnet.
Derartige Gefühlswallungen überkommen mich normalerweise nur in ausgewählten Privatsituationen oder bei großer Kunst, beim Sieg meines Fußballvereins oder eben, wenn ein besonders großer Mangel befriedigt wird.
Im Gegensatz zu meinem oben erwähnten Freund hat mich dieses Erlebnis darin gefestigt, das "Du" auch weiterhin groß zu schreiben – so altmodisch es auch sein mag.

bedenklich? 41 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir doch nicht 8 Antworten

S.Bendix

Antwort löschen

Wunderbarer Text, Sigmund! Ich wünschte, ich haette irgendetwas davon in diesem Film entdecken können :-(


Sigmund

Antwort löschen

Lieber S., danke für das Lob. Mir ist bewusst dass meine obige Interpretation auch einiges an Wohlwollen voraussetzt um die genannten Punkte in dem Film zu sehen. Da Nostalgie oft als rein sentimentaler Schauwert eingesetzt wird, der sich in vielen Fällen nur um sich selbst dreht, bin ich hier normalerweise auch eher unempfänglich.
Allerdings gelingt es dem Film offenbar, bei mir einen empfindlichen Nerv zu treffen. Vielleicht kann ich es so beschreiben: Einige der Werte, die in GBH eine Rolle spielen, stehen im reizvollen Kontrast zu meiner Wahrnehmung unserer Gegenwart. Auch wenn diese Werte hinter den vielen äußerlichen Skurrilitäten des Films manchmal nur am Rande durchscheinen, haben sie den Film in eine Grundstimmung eingebettet, die mir weit erzählenswerter scheint als jede einfach nur schräge Nummernrevue. Neben der handwerklichen Virtuosität, der Lakonie und der Spielfreude des Ensembles hat mir das gereicht um in dem Film einen deutlich höheren Anspruch zu finden als in den letzten vier Anderson-Werken.


300: Rise Of An Empire
300: Rise Of An Empire

Sigmund kein Interesse

Es ist gar nicht so einfach die passenden Worte zu finden für meine Geringschätzung an dieser Stelle. Vielleicht trifft es am besten eine Formulierung, die ich schon zu einem vergleichbaren Auswurf geäußert habe:
Ich würde Filme wie diesen nicht einmal als "Müll" bezeichnen, denn das wäre ja eine Beleidigung aller Bananenschalen und Kaugummipapierchen – die einen doch wenigstens mit peinlichen Sprüchen, pubertären Muskelspielchen und reaktionären Weltbildern verschonen.

bedenklich? 26 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir doch nicht 11 Antworten

Mahanaxar

Antwort löschen

Sigmund, man müsste hier wohl all zu viel Zeit investieren, um die Diskussion(steilnehmer) auf die gleiche Ebene zu bringen, wobei eigentlich allen der Unterschied zwischen Meinung und Kritik klar sein sollte...


Hannehantke

Antwort löschen

Oh wie hochtrabend formuliert! Sry aber auf die gleiche Ebene möchte ich dann doch nicht, ist mir dann doch etwas zu "hoch"...


Das weite Land
Das weite Land

Sigmund 8.5 "Ausgezeichnet"

Die Könige der Nutzholzgewinnung
Die Könige der Nutzholzgewinnung

Sigmund 7.0 "Sehenswert"

Am Himmel der Tag
Am Himmel der Tag

Sigmund 6.5 "Ganz gut"

Gästebuch

Frank Underwood

Habe gerade all deine privaten Filmgeschichten gelesen.
Wunderbare Anekdoten, von denen hoffentlich noch viele folgen werden. :)

LG,
DTokarsky

Jenny von T

Wow, 9 Siggi-Punkte für HER. Wie schön, dass dieser wunderbare Film dir auch so gut gefallen hat! :-) Nach unserem Wes Anderson-Wertungsschock kehrt scheinbar langsam wieder harmonische Normalität ein - was ein Glück! ^^

GlamRock2014

Hey, ich hinterlasse dir mal eine Anfrage. Mir hat dein enthusiastischer Kommi zu "L'avventura" gefallen. Bin übrigens demnächst für einige Zeit in Hamburg. Will mal schauen, wie sich die Künstler im Gängeviertel machen.

Jenny von T

Habe gerade deinen Text gelesen und deine Ausführungen haben mich sehr berührt. Allerdings frage ich mich (und das ist ein seltsames Gefühl), ob wir denselben Film gesehen haben, denn nichts aus deinen Zeilen habe ich in GBH wahrgenommen. Als hättest du das also "aus der Luft" geschrieben. Bitte nicht falsch verstehen: Damit unterstelle ich dir nicht, dass du dir Interpretationen zusammenspinnst - im Gegenteil fühle ich mich gerade ziemlich - ja! - dumm angesichts dessen, was mir da augenscheinlich komplett entgangen ist. Ich sehe bei Anderson einfach nie mehr - und nein, in diesem Sinne nehme ich nicht einmal Qualitätsschwankungen in seinem Schaffen wahr - als skurrile Freundschaften/Beziehungen/Verwandtschaften, die eben wunderschön verpackt, aber im Endeffekt stets denkbar seicht und harmlos vermittelt sind. So auch hier - eventuelle Zwischentöne rauschen geräuschlos an mir vorbei. Das ist vielleicht sogar gar nicht einmal unverwandt mit dem Problem, welches ich andauernd mit Tarantino habe - dort kapiere ich die angeblich feinsinnigen Dialoge, den Humor usw. nämlich (auch) nie. Selbst, wenn ich weiß, worauf ich achten muss, kommen gewisse Dinge bei mir auf emotionaler Ebene einfach nicht an. Aber irgendetwas muss an diesen Filmen ja dran sein, denn sonst würden sie nicht auch von so vielen Leuten geschätzt werden, die erwiesenermaßen Ahnung haben. Und das frustiert mich mitunter schon etwas.
:'-(
(Jetzt muss ich erstmal ein paar Malicks und Leones hochstufen, um unsere 92%-Übereinstimmung zu retten! ;-) )

Jenny von T

Ja, ich suche ihn schon länger - zum einen, weil Beauvais mich bereits vor einigen Monaten mit RÜCKFÄLLE (ein unglaublicher Fernsehfilm, mit Günter Lamprecht) begeistert hat, zum anderen ebenfalls wegen Schnitzler. Das schien mir enorm vielversprechend und dein euphorischer Bericht bestätigt es mir nun. Musste mir die Augen reiben als ich deine Wertung sah - zu allem Überfluss jedoch hast du meine Not, den Film unbedingt sehen zu WOLLEN, aber nicht zu KÖNNEN, natürlich noch größer gemacht. :-D
Ich dachte mir fast schon, dass er wohl im TV kam und ich es verpennt habe... grrr! Dann werde ich künftig noch ein bisschen gründlicher Ausschau halten und einfach hoffen. Als "Trost" habe ich mir jetzt aber DIE RATTEN von Beauvais bestellt - du bist einfach ein steter Quell der Inspiration.
:-*

Jenny von T

DAS WEITE LAND? Ist das wirklich der Peter Beauvais-Film, den du da gesehen hast? Darf ich fragen, wie du an den gekommen bist? Bin nämlich schon länger hinter diesem Film her, konnte bislang aber nicht einmal eine DVD-Veröffentlichung ausfindig machen. :-(
Und dann scheint er auch noch wirklich sehr gut zu sein...

Jenny von T

Stimmt, richtig gelungene Liebesgeschichten findet man eher selten - darum fällt ein Film wie LA VIE D'ADÈLE ja umso stärker ins Gewicht. Man spürt sofort, dass man so etwas nicht alle Tage sieht. Und andererseits fragt man sich, warum es nicht einfach immer so sein kann. Vielleicht ist da tatsächlich nach wie vor die Angst vor einer wirklich offenen Begegnung mit dem Thema (also generell, nicht bloß der Homosexualität) und allem, was damit nun einmal üblicherweise zusammenfällt, vorhanden... sodass man automatisch ganz schnell in die üblichen Klischees und Erzähl-Automatismen abdriftet. Dabei geht es doch auch gar nicht darum, etwas ganz Neues oder super Originelles zu erzählen - Kechiche tut das eigentlich ja auch nicht, aber sein "Wie" ist so brillant und geradezu erfrischend, weil eben spürbar aufrichtig.
Hmm, schade. Ich hatte echt spekuliert, dass womöglich schon bald erste Vorführungen anstehen. Naja, so bleibt es wenigstens noch eine zeitlang spannend. ^^ Bin aber schon jetzt gespannt auf deine bevorstehenden Ausführungen! Danke! :-)
Übrigens ist mir gerade aufgefallen, dass du den neuen Film von Cristian Mungiu, JENSEITS DER HÜGEL, noch gar nicht bewertet hast. Zwar gehe ich davon aus, dass sich das Werk ohnehin auf deinem Radar befindet und du bloß noch nicht die entsprechende Zeit gefunden hast, will es dir zur Sicherheit aber trotzdem mit Nachdruck ans Herz legen (in Großbritannien ist auch bereits die DVD erschienen)! :-)

Jenny von T

Sag' mal, hast du eigentlich schon einen Termin für NYMPHOMANIAC? Ich habe gelesen, dass in Dänemark bereits erste Pressevorführungen stattfinden, demnach kann es hier wohl auch nicht mehr lange dauern..? Jedenfalls, wenn es so weit ist: Meinst du, du könntest - in welcher Form auch immer - dann ein paar Zeilen über den Film verlieren (Wertungen vor Kinostart erscheinen ja gar nicht erst auf dem Dashboard)?
Ich habe nämlich beschlossen, ihn mir nicht ansehen zu wollen, bevor ich nicht mindestens eine zu 100% verlässliche Stimme darüber gehört habe - und das wäre in allererster Linie deine. Sofern deine Worte beizeiten meine bisherige heftige Skepsis bestätigen sollten, werde ich womöglich (wenn mein Fangirl-Herz mitzieht) tatsächlich versuchen, einen Bogen um das Werk zu machen, denn eine Regie-Götterdämmerung wäre in diesem Fall echt zu viel für mich. :-/
Oh, achja: Meine neulich geäußerten Vorbehalte bezüglich LA VIE D'ADÈLE ziehe ich übrigens umfassend zurück. Der Film hat mich vergangenen Freitag eines Besseren belehrt. ^^ Aber ich wollte da eh nur trollen. :-p

mariega

Ich würde mich sehr freuen, wenn der Spiegelfilm von Monsieur Sigmund in der Liste "Subjektivitätsliste" stehen würde. Er wäre selbstverständlich der Ehrengast ;)!

jacker

Hallo Sigmund.
Dein aufopferungsvoller Einsatz für DOGTOOTH und die offensichtliche Liebe zu Woody Allen's (früheren?) Werken sind mir sehr sympathisch und veranlassen mich ein Freundschaftsanfrage rauszuschicken.
Unsere (mehr oder weniger) ausgewogenene Bilanz aus geschmacklichen Schnittstellen und Reibungsflächen (sofern das aus nichtssagenden Zahlen-Bewertungen zu ersehen ist) könnte die ein oder andere interessante Diskussion abwerfen :)

Beste Grüße
jacker


Logge Dich jetzt ein, um einen Gästebucheintrag zu schreiben.