Joker ist nur der Anfang: Die am meisten erwarteten Filme von Venedig 2019

Joker feiert in Venedig Premiere
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the gaffer Jenny Jecke
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Wusstet ihr, dass Shrek - Der tollkühne Held im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes lief? Nun klebt euch dieser nutzlose Fakt auf der Großhirnrinde, der eigentlich gar nichts mit den am Mittwoch beginnenden 76. Internationalen Filmfestspielen von Venedig zu tun hat. Außer vielleicht: Bei Filmfestivals ist viel mehr möglich, als man gemeinhin denkt.

So darf dieses Jahr der von Joaquin Phoenix gespielte Joker in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen des Festivals von Venedig gehen. Damit schreiben sich Hangover-Regisseur Todd Phillips und DC/Warner nun ein ins Geschichtsbuch des ältesten Filmfestivals. Wer hätte diese Kombination 2009 vorhergesagt?

Joker ist aber nur einer der vielversprechenden Filme des diesjährigen Programms. Während ich in der Hitze von Venedig mein Programm plane, könnt ihr hier meine zehn am meisten erwarteten Filme nachlesen. Natürlich mit der ständigen Fußnote, dass das schönste an Festivals immer die unerwarteten Entdeckungen bleiben werden.

Von Joker bis Ad Astra: Die 10 am meisten erwarteten Filme in Venedig 2019

Joker mit Joaquin Phoenix

Ich habe ein Herz für die unerträglichen Mannskinder in den Filmen von Todd Phillips und selbst wenn der Joker unter den DC-Filmschurken reichlich ausgenudelt wurde (wo bleibt der große Auftritt von Mr. Mxyzptlk?), macht die Kombination mit einem Scorsese-esken Drama und dem Comedy-Regisseur neugierig. Genießen wir die aktuelle Anything-goes-Stimmung bei DC/Warner, solange wir noch können.

Ad Astra mit Brad Pitt

Seit Gravity wartet die zweite Jahreshälfte traditionell mit Science-Fiction aus Hollywood auf. Dieses Jahr sitzt Ad Astra - Zu den Sternen in dem Slot und schaffte es, wie schon Arrival, nach Venedig. James Gray versetzt seine Vorliebe für Familiendramen nach dem Gangster- (Helden der Nacht) und dem Abenteuerfilm (Die versunkene Stadt Z) in den Weltraum, wo Brad Pitt nach seinem Vater Tommy Lee Jones sucht. Gray bleibt einer der dauerunterschätzten US-Regisseure unserer Zeit und das inoffizielle Space Cowboys-Sequel ändert das vielleicht. Ein frisch dem Once Upon a Time ... in Hollywood-Cast entsprungener Pitt schadet sicher nicht.

Marriage Story mit Scarlett Johansson und Adam Driver

Adam Driver hat sich in den letzten Jahren zum Festival-Darling gemausert, zuletzt mit Jim Jarmuschs The Dead don't Die in Cannes. Vor seinem finalen Star Wars-Film schlägt er mit der früheren Arthouse-Königin und Black Widow-Darstellerin Scarlett Johansson in Noah Baumbachs Marriage Story leisere Töne an. Es ist ist einer von mehreren Netflix-Filmen im Programm von Venedig. Das Festival profitiert von dem unaufgelösten Zwist des Streaming-Dienstes mit Cannes, wo Netflix-Filme aus dem Wettbewerb ausgeschlossen wurden, weil ihre Auswertung französischen Kinobetreibern gegen den Strich geht.

The King mit Timothée Chalamet und Joel Edgerton

Einer der anderen Netflix-Filme läuft außerhalb des Wettbewerbs und heißt The King. Im neuen Film von David Michôd (War Machine) wird Shakespeares Geschichte des stürmischen jungen Königs Heinrich V. adaptiert, den es von Saufgelagen mit Falstaff zum Hundertjährigen Krieg nach Frankreich führt. Wie Michôd den umfangreichen Shakespeare-Stoff in einen Film packt, dürfte ebenso spannend werden wie Timothée Chalamet in den Fußstapfen von Laurence Olivier und Kenneth Branagh, die beide große Heinrich V.-Adaptionen abgeliefert haben. Robert Pattinson ist in einer Nebenrolle als Dauphin dabei (der hoffentlich von den Engländern als Dolphin angesprochen wird). Den Falstaff, eine der beliebtesten Figuren des Barden, spielt diesmal übrigens Joel Edgerton, der vielleicht keine Ähnlichkeit mit dem späten, voluminösen Orson Welles besitzt, aber was noch nicht ist ...

Pelikanblut mit Nina Hoss

Ein deutscher Beitrag hat es dieses Jahr nicht in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen geschafft (2018 lief hier Werk ohne Autor). In der Nebenreihe Orizzonti läuft immerhin Pelikanblut, der Zweitling von Katrin Gebbe. Die Regisseurin machte 2013 mit dem "deutschen Martyrs" auf sich aufmerksam. In Tore tanzt durchlief ein religiöser junger Mann ein grauenvolles Martyrium in einer deutschen Kleingartensiedlung. In Pelikanblut wird nun von einer Mutter-Adoptivkind-Beziehung mit düsteren Facetten erzählt. Nina Hoss spielt die Mutter.

The Perfect Candidate von Haifaa al-Mansour

Jurypräsidentin Lucrecia Martel zum Trotz mangelt es auch in diesem Jahrgang des Wettbewerbs von Venedig an weiblichen Regisseuren. Haifaa Al-Mansour, die mit Das Mädchen Wadjda ihren Durchbruch feierte, bildet auch in ihrem Heimatland Saudi Arabien eine Ausnahmeerscheinung. Das Königreich hat erst letztes Jahr nach 35 Jahren den Betrieb von Kinos erlaubt. Nun stellt Al-Mansour, die in Saudi-Arabien als Frau erst seit kurzem eine Produktionsfirma gründen darf, ihr Politdrama The Perfect Candidate vor, unter anderem finanziert mit deutschen Geldern.

Waiting for the Barbarians mit Mark Rylance, Johnny Depp und Robert Pattinson

Es ist der bisher größte Film des kolumbianischen Regisseurs Ciro Guerra, der 2015 mit der schwarz-weißen Dschungel-Reise Der Schamane und die Schlange bekannt wurde und 2018 mit dem Drogenepos Birds of Passage in Cannes begeisterte. Koloniale Geschichte informiert auch seine Adaption von J.M. Coetzes Waiting for the Barbarians. Robert Pattinson, Johnny Depp und Mark Rylance (in der Hauptrolle) spielen in der Geschichte über einen kolonialen Außenposten eines fiktiven Imperiums, das sich von "Barbaren" - lies: Einheimischen - bedroht fühlt.

The Laundromat mit Meryl Streep und Gary Oldman

Venedig wartet dieses Jahr etwas überraschend mit zwei meiner Lieblingsregisseure auf, Olivier Assayas und Steven Soderbergh. Assayas war erst letztes Jahr mit Zwischen den Zeilen zugegen und kehrt mit Wasp Network zurück (in dem es, fürchte ich, nicht um angelsächsische Killerwespen geht). Soderberghs Sport-Manager-Drama (ein eigenes Genre?) High Flying Bird feierte sogar erst Anfang des Jahres bei Netflix Premiere. Das Panama-Papers-Drama The Laundromat vereint ihn indes mit Meryl Streep, die sich auf ihre späten Tage endlich wieder spannende Regisseure angelt, wie Andrea Arnold (Big Little Lies) und eben Soderbergh.

Seberg mit Kristen Stewart

Vor ihrem zweiten Blockbuster-Anlauf mit Charlie's Angels kehrt Kristen Stewart in den Festivalbetrieb zurück. Sie spielt Jean Seberg, ikonischer Star aus Außer Atem und Bonjour Tristesse, die durch ihr Engagement gegen soziale Ungerechtigkeit in den 60er und 70er Jahren ins Visier von FBI-Chef J. Edgar Hoover geriet. Die nach Sebergs Tod veröffentlichten Akten offenbarten eine umfangreiche Überwachung der Schauspielerin, deren Leben mit nur 40 Jahren ein Ende fand. Seberg soll sich auf dieses Kapitel im Leben des Stars konzentrieren, was nachgestellte Aufnahmen von Kristen Stewart im "New York Herald Tribune"-T-Shirt aus Außer Atem nicht ausschließt (hoffentlich?).

The Truth mit Juliette Binoche und Catherine Deneuve

Nach seiner Goldenen Palme für Shoplifters zieht der Japaner Hirokazu Koreeda schon ein Jahr später zum nächsten Festival weiter und eröffnet mit seiner ersten Produktion außerhalb Japans die Filmfestspiele von Venedig. Im Gepäck hat er ein auf dem Papier fantastisches Ensemble um Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke, der an dieser Stelle unser aller Neid verdient hat. Deneuve spielt einen großen Filmstar, Binoche ihre Tochter und Drehbuchautorin und Hawke vermutlich den glücklichsten Mann auf der Welt.

Auf welchen Film im Programm von Venedig freut ihr euch? Joker, Ad Astra oder einen ganz anderen?

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