Serpico

Serpico (1973), IT/US Laufzeit 129 Minuten, FSK 12, Drama, Kriminalfilm, Kinostart 28.03.1974


Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
7.3
Kritiker
22 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.6
Community
1157 Bewertungen
37 Kommentare
admin image admin trailer admin edit edit group memberships sweep cache Moviemaster:Movie

von Sidney Lumet, mit Al Pacino und Allan Rich

Im New Hollywood-Klassiker Serpico sehen wir Al Pacino als treuen Gesetzeshüter, der die Korruption in den eigenen Reihen aufzudecken versucht.

Für Frank Serpico (Al Pacino) ist Polizist kein Beruf, sondern eine Berufung. Voller Idealismus und mit unerschütterlichem Gerechtigkeitssinn tritt er seinen Dienst in New York an. Doch schon bald muss er feststellen, dass er sich in einer Spirale aus Korruption und Gewalt befindet. Da er Schmiergelder strikt ablehnt, ist er unter der Kollegschaft schnell isoliert – nur in Bob Blair findet er einen Mitstreiter. Als die beiden mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit gehen, kommt es zum Skandal. Von nun an lebt Serpico gefährlich, denn für seine Kollegen ist er nur noch ein Verräter.

Hintergrund & Infos zu Serpico
Der mit dem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnete Regisseur Sidney Lumet, welcher zwei Jahre später in Hundstage erneut mit Al Pacino zusammenarbeiten sollte, interessierte sich zeitlebens für die Schattenseiten der Justiz und des Polizeiapparats. Das Sujet beeinflusste maßgeblich seine Arbeit, wie Die zwölf Geschworenen, Prince of the City, The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit und Der Manchurian Kandidat beweisen. Das Drehbuch zu Serpico ist eine Adaption der gleichnamigen Bestseller-Biografie von Peter Maas. Frank Serpico war der erste Polizist in der Geschichte des New York City Police Department, welcher die alltägliche Korruption öffentlich anprangerte und damit seine Karriere und sein Leben aufs Spiel setzte. Die akribische Vorbereitung Al Pacinos bestand unter anderem darin, sich mit ihm zu treffen, um die Beweggründe des Ex-Polizisten für dessen Handeln zu verstehen. Der Aufwand sollte sich lohnen, denn Frank Serpico war von der Darstellung seiner Person begeistert: “Pacino spielte Serpico besser als ich”

In den frühen 1970er-Jahren gelang Al Pacino in der Rolle des Mafioso Michael Corleone in Der Pate der Durchbruch. Serpico entstand 1973 zwischen den ersten beiden Teilen der Pate-Trilogie. Besonders auffällig sind in Serpico die sukzessiven äußerlichen Veränderungen des Protagonisten mit zunehmender Dauer des Films. Doch Al Pacinos Haar -und Bartwuchs waren keineswegs künstlicher Natur. Diametral zum Plot verlaufend, wurden die Einstellungen, in denen der Hauptdarsteller zu sehen ist, in umgekehrter Reihenfolge gefilmt und am Schneidetisch neu angeordnet. Dementsprechend hatte Al Pacino zu Beginn der Dreharbeiten lange Haare und einen stattlichen Vollbart.

  • 37795279001_1860247269001_th-5061b4b7c7e7b0e4a50073d8-1592194038001
  • Serpico - Bild 6386619
  • Serpico - Bild 49539
  • Serpico - Bild 49538
  • Serpico - Bild 49537

Mehr Bilder (7) und Videos (2) zu Serpico


Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Serpico
Genre
Drama, Kriminalfilm
Handlung
Fingerabdrücke, Hund, Korruption, Polizei-Schule, Skandal, Verräter
Tag
New Hollywood
Verleiher
CIC
Produktionsfirma
Paramount Pictures, Produzion De Laurentis

Kommentare (35) — Film: Serpico


Sortierung

Drax

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Sidney Lumets "Serpico" ist nicht nur einer der besten Cop-Filme, sondern auch ein absoluter leckerbissen des New Hollywood.
Im Mittelpunkt von "Serpico" steht hierbei der wahre Fall des ehrlichen und aufrechten Officer Frank Serpico, der sich als einer der wenigen Polizisten gegen Korruption innerhalb der New Yorker Polizei stellte.
Zwar gibt es unzählige Filme die sich dieser Thematik stellen, doch keiner hat jemals den betreffenden Polizisten und dessen Entwicklung so gut charakterisiert wie dieser.
Dabei briliert "Serpico" insbesondere durch Al Pacinos Darstellung, der in diesem Film eine seiner besten Leitungen überhaupt abliefert und diesen Film eigentlich zu einer One-Man Show macht.
Es gelingt Al Pacino einfach nahezu perfekt die Entwicklung des Frank Serpico von einem jungen und energiegeladen zu einem desillusionierte Polizisten dazustellen und gewann dafür schließlich auch hochverdient seinen ersten Golden Globe Award.
Daneben glänzt "Serpico" jedoch auch durch eine spannende Story und einer düsteren und trostlose Atmosphäre.
So zeigt Sidney Lumet die vielen dunklen Seiten des damaligen New Yorks und das heißt dreckige Straßenecken, Prostitution und Drogensüchtige.
"Serpico" ist daher alles in allem ein sehr gelungener und sehenswerter Cop-Film der zeigt das Sidney Lumet völlig zurecht als der Meister der Justiz- und Polizeifilme galt.

bedenklich? 18 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

The Freewheelin Fonda

Antwort löschen

Gut geschrieben! Pacino geht ja eh immer ;)


Andy Dufresne

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Ein Film, der mit dem ersten Bild, der ersten Szene, gleich direkt voll reingeht.

"Also mal ehrlich, wer traut einem Bullen der keine Bestechungen annimmt?“

Was ist fair?

"Es ist unfassbar, ich stehe da wie ein Verbrecher, weil ich kein Geld nehme...“

Das ganze System ist korrupt.
Du steigst auf wenn du den richtigen Leuten hilfst, sie beschützt,
ihnen in den Arsch kriechst.
ALLE schulden Allen etwas.
Sinnbild für Politik, Gesellschaft, für Wirtschaft, für den Werdegang des Einzelnen, im Großen und Ganzen.

-"Ich riskiere meinen Job nicht, in dem ich es [Geld] annehme.“
-“Du hast ihn schon riskiert, in dem du es nicht angenommen hast...“

Wenn jemand also ehrlich sein will, wenn Ehrlichkeit aber der Feind ist, wo wird er wohl enden?

Serpico und die Tiere.
Hund, Maus, Vogel.
Kein System, keine Korruption.
Nur leben, ehrlich leben und sterben.
Ohne Schuld, ohne Verantwortung.

Ich denke an "Lord of War", ich denke an "Thank you for Smoking" und ich denke vor allem an "Network".
Keine Moral.
Als ob Moral eine Erfindung der Mächtigen wäre, um den Unteren vorzugauckeln, das es Gerechtigkeit geben könnte.
Das "Ehrlichzubleiben" richtig sei, "Bösezusein" falsch wäre.
Wobei man hier natürlich immer fragen müsste:
Wo hört "das Gute" auf, wo beginnt "das Böse"?

Und ja, auch Serpico selbst ist nicht ohne Ambivalenz (Verhalten gegenüber seiner Freundin/ ein gewisses Selbstmitleid/ Hass gegenüber denen die eigentlich Wollen, aber nicht sofort Können etc.).
Aber was soll er auch machen.
Der Moloch des Äußeren, frisst ihn von innen auf...

Und die Stadt, New York in den Sechzigern/Siebzigern, drückt, der umgebende Moloch drückt auf die Kultur, auf die Menschen, das System.
Nicht die Natur selbst drückt, nein, die von den Menschen gegebene, gemachte Natur drückt.
Das große, bröckelnde, selbstgemachte System, drückt auf die Protagonisten.

Serpicos Sieg rückt in die schiere Nähe eines Pyrrhussieges.
In die Nähe einer gewonnenen Schlacht, die so verlustreich war, das in ihr der Samen des verlorenen (Gesamt-)Krieges enthalten war.

Was "Serpico“ aufzeigt, ist der Wunsch des Individuums, Gerechtigkeit leben zu dürfen, oder wenigstens erhoffen zu dürfen.
Leider scheint die Welt, der Lauf der Geschichte, den Menschen "sich nicht selbst befreien zu lassen“.
Leider scheint die Welt verhaftet zu sein, im ewigen Moloch eben, im ewigen „Krieg gegen sich selbst“.

So gesehen ist „Serpico“ ein tieftrauriger, leider hochrealistischer Film.
Moral als Versuch, als etwas Erstrebenswertes.
Realität als lernensresistentes Konstrukt, als Veränderung immer nur auf Zeit.
Die Realität kehrt wohl zwangsweise, naturgegeben, immer und immer wieder zurück zum Status Quo des Anfangs.

Ein paar Menschen. Ein Land. Wünsche.

Und die Wünsche lassen sich am besten, vor allem am leichtesten, umsetzen durch Gewalt.
Und Einer, Irgendeiner, wird immer zu ihr greifen.
Zur Gewalt, zum "schnellen Weg".

In diesem Sinne ist „Serpico“ ein Fanal:
Gewalt (gegeneinander) hört nie auf.
Sich aufzulehnen dagegen, mag sinnlos erscheinen.
Aber vielleicht gibt es ja eine universelle und gleichzeitig individuelle Gerechtigkeit.
Wer weiß.

"Serpico" zeigt den Weg dahin.
Standhaft zu bleiben, auch wenn es pragmatisch völlig sinnlos erscheinen mag.

Vielleicht ist dies die Essenz:
Versuche es.
Niemand weiß wohin es führt, was dann kommen mag.
Es zu versuchen, KANN kein Fehler sein.
Wäre es falsch: Man wäre gleich, so wie alle Anderen.
Wäre es richtig, wäre es den Versuch zehntausendmal wert.

"Serpico" könnte somit ein immens wichtiger Film sein.
Unter rein filmischen Aspekten ( Pacino im Zeigenden!!! Theodorakis im Musikalischen!!! Lumet im Machenden!!! )
ist er es ganz klar sowieso.

bedenklich? 38 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 16 Antworten

The Freewheelin Fonda

Antwort löschen

Haust ja momentan viele Gute Texte raus aber der hier, richtig stark Andy!


Andy Dufresne

Antwort löschen

Danke, mein Freund!


thraka

Kommentar löschen
Bewertung6.0Ganz gut

Gestern, am 14. April 2014, ist Frank Serpico 78 Jahre alt geworden.

1970 war er der erste NYPD-Polizist, der vor einem Untersuchungsausschuss gegen die Korruption in den eigenen Reihen aussagte, zu einer Zeit, als NY noch nicht durch Giulianis "Zero Tolerance" zu einer tourismusfreundlichen Überwachungsstadt aufgemotzt war. Die 60er in NY waren - wie fast überall in den USA - geprägt vom Wohlstandverlust des Mittelstandes, von Rassismus, der aufbegehrenden Jugend, dem Vietnamkrieg und hoher Kriminalität. Mittendin eine verrohte, korrupte Stadtpolizei, die wie eine eigene Macht innerhalb der öffentlichen Macht agierte und dabei die Rückendeckung der Behördenspitzen und das wegschauende Desinteresse der Politik besaß. NY galt als eine der gefährlichsten Städte der Welt.

Mit der Verfilmung der Polizeilaufbahn von Frank Serpico begann Lumets mehrere Filme umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema Korruption innerhalb der Polizei. Dabei erreichte er Anfang der 80er mit PRINCE OF THE CITY meines Erachtens seinen Höhepunkt und gleichzeitig eines seiner grössten Meisterwerke.

Ein Meisterwerk ist SERPICO nicht. Uns den Menschen Frank Serpico in seinem schwierigen Balanceakt von Privatem und Dienstlichem zu zeigen gelingt zwar (und stellt diesen vermutlich ziemlich schwierigen und anstrengenden Charakter glücklicherweise nicht in ein güldenes Heldenlicht), aber auf Kosten der anklagerischen Schärfe des Themas. Ich vermute, dass 1973 zur Zeit des Films, real noch zuvieles im Argen lag, noch zu wenig bekannt und aufgearbeitet war, und deshalb den Produzenten/dem Studio, die ganz grosse Keule, die viel schonungslosere Sicht und Aufklärung dann doch zu heikel war.

Aber aus heutiger Sicht dennoch wunderbar wiedersehenswert machen die Aufnahmen an Originalschauplätzen - eh immer eine besondere Stärke von Lumets Filmen. Hier, wie im unbekannteren MADIGAN (Nur noch 72 Stunden) von Don Siegel, taucht der Zuschauer 40, 50 Jahre zurück ein in eine scheinbar vergessene, eine rauhe und wilde, aber auch romantische Zeit. Deshalb ist das für mich mehr Doku über die Strassen, die Treppenhäuser, Feuerleitern und Dekors der End-60er. Sowas seh ich gern.

P.s. Frank Serpico lebt noch, und anders als am Ende des Films beschrieben, unterdessen schon längst wieder in den Staaten.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

ElMagico

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Eigentlich hätte die Stadt New York City längst einen Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk verdient. In sovielen Filmen stiehlt sie den Hauptdarstellern die Show, bleibt durch ihre Performance (klingt seltsam, es fühlt sich aber so an) und Inszenierung mehr im Gedächtnis als all die großen Stars, die sich in ihr herumtummeln. So auch hier in "Serpico": Diese Stadt wirkt wie ein lebender Koloss, gegenüber dem die Menschen immer wie unwichtige Ameisen wirken. Und oft mag man meinen, diese Stadt greift aktiv in Story wie die von dem Polizisten Serpico ein...unbemerkt beeinflusst sie im Hintergrund die Dinge.
Al Pacino macht hier aber natürlich alles andere als einen schlechten Job, die Geschichte die der Film erzählt scheint aber immer etwas größer als sein Spiel und auch seine Figur an sich. Eine gewisse Dichte fehlt diesem Serpico, zu oft wird Entwicklung nur halbherzig angedeutet, da man oft auch einfach zuviel von ihm zeigen will. So fand ich sein Privatleben, welches hier zeitweise einen doch recht hohen Stellenwert einnimmt, nie so dringend umgesetzt, dass es dem Film weiterbrächte. Da es oft recht große Zeitsprünge gibt, erscheint einem dieser Serpico plötzlich als ein ganz anderer, womit sich kein klares Bild von ihm aufbauen will. Es ist eben die Story, die "Serpico" so prägt. Sie und diese Stadt New York City.
Dabei scheint auch die Handlung immer wieder darunter zu leiden, dass nicht genügend Zeit vorhanden ist. Tatsächlich hätte dieser Film 4 Stunden Laufzeit verdient, denn man will tiefer in diese Geschichte, diese Abläufe eintauchen. Mehr von diesem Mann wissen und auch, wer hier wie sehr verstrickt ist. Das kann "Serpico" oft nur kurz anreißen, was teilweise schade ist, andererseits aber auch für enormes Tempo sorgt. Das alles klingt eher nacht gutem Versuch als nach einem guten Film, und das wäre es wohl auch geblieben, hätte hier nicht jemand wie Sidney Lumet Regie geführt. Er schafft all dem doch immer irgendwie eine sehr imponierende Form zu geben, hält Ordnung in dieser schnellen Abfolge von Informationen und Geschehnissen. Und man mag ihm dafür danken, dass er einen solch stilsicheren und spannenden Polizeifilm erschaffen hat...andererseits ist man aber auch etwas traurig, da hier eine Menge zusätzlich Potential nicht komplett genutzt wurde. Denn "Serpico" hätte der epische Genreklassiker werden können, hätte das sein für den Polizeifilm sein können, was "The Godfather" für den Mafiafilm ist.

bedenklich? 28 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

Sven - Friedrich Wiese

Antwort löschen

Treffender Kommi zu einem sehr guten Film! - Merci!


ElMagico

Antwort löschen

Merci an euch! Und den Ehren-Oscar würde ich sogar gern persönlich überbringen ;)


Lammbock

Kommentar löschen

Al Pacion sieht auf dem Filmposter aus wie Ben Stiller in Anchorman

http://www.film.com/wp-content/uploads/2012/07/benstiller_anchorman-1343233084.jpg

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Lammbock

Antwort löschen

Al Pacino natürlich...


Chucky89

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Sehr guter Film über die Korruption der Polizei in Manhattan der 70er. Wenn der Film nicht biographisch wäre, würde keiner glauben was dort früher an der Tagesordnung war. Al Pacino zeigt hier eine seiner besten Leistungen überhaupt. Die Handlung war fesselnd und zeigt die Hilflosigkeit der Korrekten Polizisten der Zeit ziemlich gut.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

jacker

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Ein waschechter Lumet - geradlinig, frei von Bombast, Story-fixiert und natürlich shot on Location in NYC.

Ich mag diesen unaufgeregten, quasi-dokumentarischen Stil sehr - spärliche Filmmusik, reale Schauplätze, straighte Narration - hier jedoch liegt, vor allem weil eine wahre Geschichte in dieser Art verfilmt wurde, zwischen Film und Doku nur noch ein maßgeblicher Unterschied:
Al Pacino!

Der liefert, wie so oft, eine stattliche Performance ab und holt aus dem wenig facettenreichen Skript das mögliche Maximum raus. Angst, Wut, Hilflosigkeit - Pacino's Mimik und Körpersprache sitzen, die Wanderung am Rande des Abgrundes entfaltet ihre Wirkung. Soweit das denn geht, denn inhaltlich fällt es schwer der über Jahre verlaufenden Geschichte immer die nötige Dichte zu verleihen:

Es gibt Momente in denen Frank Serpico nervlich völlig am Ende ist, zerfressen von Misstrauen, cholerisch, ein Überdruckventil kurz vor der Explosion. In diesen Momenten meint man die Last auf seiner Schultern fast körperlich zu spüren.

Und dann sind da die langen Strecken in denen sein Charakter zu oberflächlich bleibt - sein sozialer Verfall, seine Verbitterung, sein Kampf gegen die allumfassende Übermacht, das alles ist da, teils angedeutet, teils ausformuliert, doch es berührt nicht so sehr wie es könnte.
Wohl weil das Drehbuch und die Inszenierung weniger an einem hochemotionalen Charakterdrama interessiert, sondern klar auf die Fakten fokussiert sind: Was ist passiert in den Jahren die Frank Serpico im NYPD war?

Und genau das wird gezeigt. Unzählige Versetzungen, viele Zeitsprünge, die überwiegend über Serpico's Bart- und Haustierwuchs veranschaulicht werden, zahlreiche Anfeindungen seiner Kollegen, etliche gescheiterte Versuche mit dem Unrecht aufzuräumen.

Jahre aus dem Leben eines Menschen in einem durch und durch feindlichen Umfeld. Und wenn dann der Abspann läuft, bleibt weniger ein Gefühl für diesen Film von Sidney Lumet zurück, viel mehr eine tiefe und ehrliche Bewunderung für den Menschen, der diese Jahre wirklich durchlebt hat - ein Mensch der nie aufgehört hat an seine Prinzipien zu glauben und für sie alles andere aufgegeben hat. Den der Kampf gegen Goliath die Freude am Leben gekostet hat.

bedenklich? 14 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

filmschauer

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Es ist nicht mal allzu lang her, da war New York City nicht die wunderschöne, florierende Stadt, die heute fast jeden in den Bann zieht - egal, ob man schon mal dort war oder nicht. Vor rund 40 Jahren gab es ein anderes NYC auf den Straßen zu sehen: dreckig, verarmt und kriminell. Doch man müsste lügen, würde man nicht genau deshalb die besten und spannendsten Kino-Geschichten erwarten. Der ehrenwerte Sidney Lumet, ein Kind dieser Stadt, hatte sich nicht nur einmal an unbequeme Themen gewagt, die an diesem Ort ihr Zentrum haben. In "Serpico" geschieht dieses Aufreißen einer tiefen Wunde auf Basis einer realen Person. Jener Frank Serpico war ein paar Jahre zuvor zwischenzeitlich das Enfant terrible der New Yorker Polizei. Dies äußerte sich neben dem modischen Aspekt auch anhand seines Egos und dem Idealtraum einer korrekten Polizeiarbeit. Sein bitterlicher und zugleich kämpferischer Weg durch die Schikanen dieses Apparats, der durch Korruption und anderen Krankheiten regelrecht zernagt erscheint, bildet gemeinsam mit einer erzählerischen Klammer die Grundlage für Lumets packenden Streifen. Bemerkenswert ist, wie systematisch dieser Zerreißprozess von statten geht, den der Regisseur gewohnt nüchtern und punktgenau inszeniert. Hochglanzbilder wird man hier gewiss nicht auffinden. Zugleich lässt sich dieser beispielhafte Widerstandskampf auch generalisieren, was moralische Ansprüche und Gerechtigkeitssinn innerhalb einer Organisation betrifft. Davon abgesehen kann "Serpico" nicht ohne den Namen Al Pacino genannt werden, der diesen Film mit seiner Präsenz fast alleine stemmen kann. Er überstrahlt sämtliche Mitstreiter, was allerdings auch passenderweise mit der isolierten Stellung Serpicos bei seinem Kampf einhergeht. Und er schafft es, dass man als Zuschauer über zwei Stunden gebannt diesem bedrückenden Portrait folgt, bei dem Erfolg und Scheitern leider kein direkter Widerspruch sein muss. Ein starker Vertreter aus der Blütezeit des New Hollywood.

bedenklich? 15 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

filmschauer

Antwort löschen

Jepp, er war ein Guter.


JackoXL

Antwort löschen

So ein toller Film, muss ich dringend mal wieder aus dem Regal ausgraben. Pacino und Lumet waren in den 70ern eine grandiose Kombo.


uncut123

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

was für eine tolle geschichte über ein sehr mutigen menschen der nicht aufgegeben hat und nur am scheisse fressen war...al zeigt wieder einmal sein talent!

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Cayopei

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Muß man eigentlich mit "Prince of the City" im Doppelpack gucken...
Polizeikorruption mit Pacino als batikhemdchentragender Che Guevara Lookalike im Kampf gegen das System. Sowas kann Lumet einfach. Sehr gut!

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

FordFairlane

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

Der Film ist eine gelungene Biografie von Frank Serpico und einer der ersten Filme die sich mit dem Thema Korruption bei der Polizei beschäftig.
Für die Hauptrolle hat man sich Al Pacino ausgesucht, der den idealisten mit viel Hingabe spielt und schon fast wie ein Hippie wirkt.

Die FSK 18 Freigabe war damals schon ein Witz, doch Gott sei dank kann man ihn endlich ungeschnitten als FSK 16 Version erwerben. Sollte man als Pacino Fan ruhig mal gesehen haben.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

bluebigpappa

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Von der ersten Minute an im angenehmen Feeling der 70' / 80' Kriminal- und Mafiafilme :-)

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

cpt. chaos

Kommentar löschen
Bewertung6.0Ganz gut

Serpico ist anders als die anderen Cops, denn er zeigt sich wandlungsfähig, indem er bei seinen Ermittlungen ständig sein Äußeres wechselt. Was ihn aber vor allem von seinen Kollegen abhebt, ist, dass er nicht korrupt ist, und das bringt ihn nicht gerade Freunde ein. Denn von der Korruption ist nicht nur der einfache Streifenpolizist betroffen, sondern sie zieht sich durch sämtliche Ebenen des Polizeisystems und sogar darüberhinaus. Mit zunehmender Dauer fängt er schließlich an zu verzweifeln, da er fast alleine auf der Seite der Unbestechlichen steht, was auch an seinem Privatleben nicht schadlos vorübergeht, bis ihm schließlich doch noch in Form einer Ermittlungskommission Hilfe zu Teil wird.

Die anfänglichen Sprünge zwischen seinen Einsätzen auf der Straße und dem Privaten, kommen etwas unstrukturiert und sprunghaft rüber, zumal manches etwas lückenhaft erzählt wirkt. Trotz alledem ein solider Cop-Streifen über Korruption von teils unvorstellbarem Ausmaßes im Polizeiapparat, den man sich gut und gerne mal wieder ansehen kann.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Mac_C_Tiro

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Gut recherchierter, auf Tatsachen beruhender Thriller mit einem wie immer intensiv spielenden Al Pacino! Sehr zu empfehlen als Doppelvorstellung an einem Abend mit "Good Fellas".

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

pxl

Antwort löschen

Ich verstehe nicht warum man sich gerade Good Fellas und Serpico an einem Abend anschauen sollte^^. Die Filme sind doch von grundauf verschieden.


nerdkiller

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Serpico"

"Serpico" von Sidney Lumet basiert auf die Tätigkeiten des New Yorker Polizisten und Bürgerrechtlers Frank Serpico, der in den 1960er Jahren Polizist in New York war und im Jahre 1970 vor Gericht gegen seine korrupten Vorgesetzten aussagte.

Frank Serpico schließt Anfang der 60er seine Ausbildung zum Polizisten ab und tritt voller Tatendrang seinen Dienst bei der Polizei von New York an, doch sein Idealismus wird auf eine harte Probe gestellt. Serpico merkt nämlich schnell, dass bei der New Yorker Polizei jeder käuflich ist - und das stinkt ihm. Denn Serpico ist ein Junge aus der Bronx, der sich schon als Kind das Ziel gesetzt hat, seine Heimatstadt zu einem besseren Ort zu machen. Und dann das! Zunächst glaubt er, es handelt sich hier nur um Einzelfälle, doch mehr und mehr findet er heraus, dass die komplette Polizei bis in die Führungsriege durch und durch korrupt ist. Um sich von all dem zu distanzieren, lässt er sich die Haare wachsen und kleidet sich wie ein Hippie, oder von den anderen Beamten "Gammler" genannt. Und er merkt, dass er durch sein Aussehen und die Tatsache, dass er sich nicht bestechen lässt, viele Feinde macht...

Nun zum Hauptdarsteller: Ich würde sagen Pacino spielt hier einfach perfekt. Ja, ich würde sogar sagen, dass das eine seiner besten Leistungen ist. Er verkörpert alles in seinem Spiel, was Frank Serpico ausmacht. Seinen Idealismus. Seine romantische Seite. Seine Wut und seinen Tatendrang bei der Bekämpfung von Verbrechen und Korruption. Ein richtige Pacino-Rolle eben. Niemand, aber auch gar niemand hätte diese Rolle so gut ausüben können wie Big Al. Aber auch die äußerliche Wandlung Serpicos vom braven, jungen Vorzeigepolizisten zum wilden Rebellen, der sich äußerlich vom Rest distanziert kriegt er sauber und glaubhaft hin. Also volle Punktzahl für Pacinos Leistung. Das hat dann aber wiederum seine Schattenseite: Es ist einfach eine absolute One-Man-Show von Pacino, keiner der anderen Darsteller kann auch nur im Ansatz mit ihm mithalten, er spielt einfach alle an die Wand und lässt sie völlig blass wirken an seiner Seite.

Die Regie Lumets würde ich auch als sehr gut bezeichnen, mit seinen nüchternen Aufnahmen zeigt er dem Zuschauer perfekt die dreckige Seite New Yorks in den 1960ern und lässt den Zuschauer nie zu intensiv am Geschehen teilhaben, aber auch nie zu distanziert. Genau richtig. Auch die Atmosphäre wirkt klasse, fast schon dokumentarisch, denn ein Score ist eigentlich kaum vorhanden und das kommt dem Film zu Gute, denn es wirkt einfach echt und glaubhaft. Sicher war das im Jahre 1973 - als der Film in die Kinos kam - noch nicht sonderlich schwer, aber dennoch: Sehr gut gemacht. Man kann "Serpico" teilweise auch als Zeitdokument sehen, da er sich mit den Problemen, die in den 60ern in den USA vorherrschten auseinandersetzt. Da wären Serpicos Aussehen, wodurch er sofort als Gammler verschrien wird, aber auch leichte Seitenhiebe auf die nicht vorhandene Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen sind zu bemerken, da die, die die Polizei schmieren nur Weiße sind, während Schwarze meist der polizeilichen Willkür ausgesetzt sind. Sicher nicht sonderlich ausschlaggebend für den gesamten Film, doch gibt noch einige Bonuspunkte in Sachen Authentizität.
Aber ich muss trotzdem sagen, dass der Film evtl um eine Viertelstunde zu lang geraten ist, der Einstieg ist etwas zäh, doch das gleicht er dadurch aus, dass er mit fortschreitender Laufzeit immer mehr Fahrt aufnimmt und der Zuschauer sich kaum noch abwenden möchte.

Fazit: Wer Kriminalfilme und Pacino mag wird mit Serpico voll auf seine Kosten kommen. Denn er beschäftigt sich mit den dunklen Seiten der Polizeiarbeit und deckt diese schonungslos auf und Pacino spielt schlicht und einfach perfekt, anders kann man es nicht sagen. Absolute Empfehlung, starker Film!

bedenklich? 12 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Abettertomorrow

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Hatte mir etwas mehr erhofft, der Film ist etwas langatmig. Für einen Thriller sind gleich 2 Liebesbeziehungen von Serpico eindeutig zu viel. Auch gehen mir Al Pacion's Bärte und Schnurbärte auf die Nerven. Immerhin spielt Pacino grandios.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

tobiasschoeler

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Al Pacino spielt den jungen, idealistischen Polizisten in einem faulen und korrupten System. Die schauspielerische Leistung ist einfach herausragend und gehört zu Pacino's besten. Und bei seiner Filmographie will das echt was heissen.
Sydney Lumet erzählt die Geschichte in seiner bekannten Art. Ruhig und unaufgeregt. Jede Szene macht dabei völlig Sinn und bringt uns Serpico als Menschen näher und treibt die Geschichte voran. Serpico wird immer isolierter und seine Wut auf das System steigt. Dies zerstört auch seine Beziehung.
Leider bleibt bei der ruhigen Erzählweise die Spannung etwas auf der Strecke. Dennoch fesselt der Film, weil Serpico einfach so sympathisch ist und man wissen will, wie sein Kampf gegen die Windmühlen weiter geht. Auch wenn der Anfang schon auf das Ende vorgreift.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

euronix

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Der Film der bekackten Kopfbedeckungen!

bedenklich? 6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

MikeC.

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Bisher habe ich keinen Film gesehen, der die Korruption der New Yorker Polizei besser behandelt. Er weckt ungeheure Wut und lähmende Hilflosigkeit.
Unnötig zu erwähnen, dass Al Pacino seine Rolle wiedermal hervorragend spielt.

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Wolffi82

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Cooler Film.Al Pacino wie immer,der Hammer!

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten


Fans dieses Films mögen auch