Punsha - Kommentare

Alle Kommentare von Punsha

  • Ich glaube, unabhängig davon, was "Bares für Rares" von anderen Trödelshows abhebt, was du ja schon mehr oder weniger treffend erläuterst, liegt die Faszination an solchen Formaten für viele Menschen in der Sehnsucht vom schnellen Geld. Fernsehen wird ja tendenziell mehrheitlich von Menschen jenseits höherer Gesellschaftsschichten konsumiert und der Traum durch ein verstaubtes, längst vergessenes Stück auf dem Dachboden, im Keller oder irgendeinem Karton doch noch drei Monate Urlaub in der Karibik machen zu können, ist etwas, dem viele Menschen vor dem Fernseher gerne nachjagen.

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      über Get Out

      Der Trailer ließ es schon erahnen: GET OUT ist kein gewöhnlicher Film. Schön, dass das Publikum den Mut honoriert und für mich zumindest mehr oder weniger aus dem Nichts dieses verrückte Ding mit Daniel Kaluuya (eine Entdeckung!) im Ledersessel auf die Cover der Kinoprogrammhefte hievt. Zwar scheint ebenso jeder zweite Film derzeit von Rassismus zu handeln, aber aus der passiven und letztlich dann eben auch aktiven Unterdrückung gegen People of Colour einen buchstäblichen Horror(film) der Gegenwart zu machen, das scheint wirklich einzigartig und konsequent. Regisseur und Scriptwriter Jordan Peele nutzt dabei die Hypnose als Metapher für einen passiven Alltagsrassismus, der mittels ständiger Konfrontation seine Opfer immer gefügiger macht, bis sie ihr Schicksal als Unterdrückte schließlich akzeptieren. Peele begründet die Triebfeder mit Neid. Ein kluger Gedanke. Leider aber bleibt GET OUT in letzter Konsequenz zu gut gelaunt, zu gewollt satirisch und augenzwinkernd, um ihn wirklich ernst zu nehmen. Und dass es im gesamten Film keinen einzigen "guten" Weißen gibt, ist mir dann leider auch zu black-and-white gedacht.

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      • http://www.salzgeber.de/delicatessen/termine_not-your-negro.html

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          Mochte ich. Dramaturgisch und stilistisch ist das natürlich derselbe Film wie "Love Steaks", die vielen Videoclip-Montagen und auseinander geschnittenen Dialoge haben jetzt auch nicht so viel mit der großen Filmkunst zu tun, aber was dieser Typ mit dem Hipster-Bart einfach wie kein Zweiter kann, ist jede noch so kleine Figur vor der Kamera zu einhundert Prozent Mensch werden zu lassen. Improvisiert ist das ja zum größten Teil trotzdem nicht, oder zumindest vermag er es seinen Schauspielern punktgenau die Dinge eintrichtern zu können. Klingt einfach, ist aber eine ganz hohe Kunst, die den Zuschauer einfach noch viel, viel tiefer versinken lässt. Auch eigentlich ganz schön (provokant), dass Lass am Ende auf die obligatorische Läuterung keinen Bock hat und seinem Publikum zutraut, die Unterschiede beider Protagonistinnen zu erkennen und ihre Schicksale selbstständig weiter zu denken.

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          • Starkes Stück, Respekt. Da kann ich mit meinen 35 Besuchen bisher bei Weitem nicht mithalten (allerdings auch Berlinale ausgelassen).

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              über Marija

              Blowjobs für die Miete. Michael Koch sollte man lieber im Auge behalten. Mit seinem ersten Spielfilm ist ihm ein(e) sehr reife(s) und kluge(s) Milieustudie Schrägstrich Frauenporträt gelungen, die dieses Jahr bisher (fast) alles in den Schatten stellt. Natürlich ist das auch alles wieder typisch unästhetisch deutsch und in den Nebenrollen eher schwach besetzt, doch das clevere Drehbuch treibt die Figuren immer wieder in Situationen und Konflikte, die den Zuschauer nochmal vor Augen führen, wie viel auf der Integrationsbaustelle Deutschland eigentlich schief läuft. Als Georg Friedrich im Autoradio Falcos "Jeanny" mitsingt und damit den Turning Point des Films vorwegnimmt, hatte ich Tränen in den Augen.

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              • 5

                Das Gute an "Moonlight" ist, dass er nicht das Maximum an Tragik sucht und nie das große Ganze aus den Augen verliert. Chirons Entwicklung zum Erwachsenen bleibt stets das Resultat seiner Umwelt und ist vielleicht lediglich aufgrund seiner großen Sensibilität ein besonders tragischer Fall. Denn die bleierne Schwere, die der Film aus seinen langen Einstellungen und seines wortkargen Protagonisten zieht, spiegelt sich in den Gesichtern aller großer wie kleiner Gestalten wider, die in dieser perspektivlosen Randgesellschaft leben (müssen). Doch was erzählt "Moonlight" darüber hinaus? Eigentlich nicht viel. Die Unterthemen Mobbing, Drogen, Homosexualität und familiärer Konflikt werden alle mit maximaler Erwartbarkeit abgegrast; endet die eine Szene, weiß man schon, welche als nächstes kommt. Das ist einfach dröges Scriptwriting. So wächst der Film nie über seinen faszinierenden Trailer hinaus, der in zwei Minuten beinahe alles erzählt, wofür Barry Jenkins knapp zwei Stunden braucht.

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                  über Silence

                  Das Gute zuerst: "Silence" ist besser, als es einem irgendwelche Hardcore-Atheisten (und sicher auch Hipster), die sich schon beim Wort "God" in ihrer Intelligenz angegriffen fühlen, weismachen wollen. Über zwei Drittel ist es sogar ein ziemlich guter Film, der zwar in seiner rationalen Erzählweise sich immer ein wenig am Rande der Überzeichnung bewegt, aber dennoch zeitweise gehörig in den Kinosessel drückt.
                  Im letzten Drittel aber wird Scorsese selbst zum Prediger und lässt den Erklärbär völlig von der Leine. Hat dann irgendwie was vom Montagmorgenkreis in der Schule. Die Message mit dem in sich gekehrten Glauben ist zwar ganz niedlich, wenn sie nicht dann doch wieder so explizit christlich konnotiert wäre. Ein bisschen weniger Gelaber (ich verzichte auf den doofen Wortwitz) hätte "Silence" ganz gut getan.

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                  • 7
                    über Fences

                    Als großer Fan von Schlöndorffs "Death of a Salesman" ist es letztlich irgendwie auch logisch, dass mir "Fences" als verfilmtes Theaterstück ebenfalls viel Freude bereiten konnte, ähneln sich beide Stücke doch gerade in ihrer Figurenkonstellation sehr stark. Dustin Hoffman gefiel mir dennoch besser in der Rolle des in sich selbst kollabierenden Familienvaters, vielleicht weil man bei Denzel Washington das Gefühl nicht gänzlich loswird, den Film zu sehr um sich herum zu inszenieren, die Motive und Empathie seiner Figur Troy also zu verstärken, während die der anderen folglich zurückfallen. Und dennoch: Spätestens sobald Rose (Viola Davis) auch mal zu Wort kommt, bricht ein Vulkan los, der die Perspektiven neu justiert und das Stück in universellere Bahnen lenkt.
                    Ob das dann aber alles nun filmisch genug ist oder nur, polemisch formuliert, "abgefilmtes Theater", kann man natürlich diskutieren - hab ich aber keinen Bock drauf. Was ist so schlimm an abgefilmten Theater?

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                    • 5

                      Stellenweise ganz passable Fortsetzung mit etwas viel Regie-Eitelkeit - als Nostalgie getarnt. So sehr ich Danny Boyles YouTube-Ästhetik aus dem Kino verbannt haben möchte, so sehr mag ich seine unaufhörliche Verspieltheit, vor allem im Umgang mit seinen Figuren. Spätestens zum Ende aber fehlt es an wahrhaftiger Dramatik und Vehemenz, sodass schon die Frage aufkommt, wofür und für wen Boyle diesen Film eigentlich gedreht hat.

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                      • 4

                        Wieder so ein Film, wo alle alles falsch machen und das Geschehen völlig unnötig zur größtmöglich erwünschten Tragik treiben. Farhadi inszeniert das alles auch recht stoisch und kommentiert zumeist nur, wenn es gegen den Staat geht, dass der europäische Weinschwenker auch brav wieder zum Kopfbesserschütteln animiert wird. Im Kern ansonsten auch nur die typische Rachestory: Frau heult, Mann macht und am Ende das böse Erwachen. Hätte man doch nur mal die Polizei gerufen. Ach ja.

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                        • 4

                          Ein wenig verwundert bin ich schon von den vielen müden 5ern, 6ern und 7ern, die hier teilweise vergeben werden, empfand ich den Film doch als unheimlich nachdenklich stimmend und polarisierend. Vielleicht sollte gerade diese Tatsache ebenso nachdenklich stimmen, denn "Die Blumen von gestern" hantiert wild ein Thema wie eine heiße Kartoffel, das eigentlich keinem von "uns Deutschen" egal sein oder eben, wie hier gesehen, zu so vielen halbgaren So-lala-Einschätzungen bringen sollte. Vielleicht ist es aber auch nur deshalb, weil es, wie schon so oft, in dem Film ein weiteres Mal um den eigenen Umgang mit der jüngeren deutschen Geschichte geht und es der Eine oder Andere inzwischen gar nicht mehr hören kann, das Interesse also gen Nullpunkt geht.
                          Zu einem neuen, positivistischeren Umgang möchte uns auch Chris Kraus anhalten, indem er seinen tragischen Helden Toto (Lars Eidinger), der personifizierte Deutschland-Komplex, gefangen in der Vergangenheit zwischen Büchern und alten Geschichten, zu einem lebensbejahenderen Umgang mit sich Selbst aufruft: Nicht alles so ernst nehmen mit der Nazi-Scheiße, raus aus der alten Haut, wo ist dein Humor geblieben, Deutscher? Und werde wieder selbstbewusster: Nicht alles war schlecht, immerhin sind wir auch ein Land der Dichter und Denker. Das alles lernt Toto more or less von einer jungen Französin, ansonsten würde es natürlich zu "nazi" wirken. Superschwellig wird es dann aber beim altbekannten Neger-Humor oder wenn es am Ende zum aufmunternden Fazit kommt: Hey, andere Völker haben auch Genozid betrieben. Vielleicht bin ich aber auch nur einer dieser bierernsten Deutschen mit Stock im Arsch, an die der Film offensichtlich gerichtet ist. Und tatsächlich: Beinahe hätte er mich gekriegt, denn etwas Schöneres als Lars Eidinger heulen zu sehen, gibt es eigentlich gar nicht.

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                            Punsha 12.01.2017, 22:48 Geändert 13.01.2017, 00:40

                            Einen Film von Park Chan-wook einzuordnen, fällt immer schwer, denn nicht viele Regisseure vereinen künstlerische Brillanz und inhaltliche Mängel so stark wie der Koreaner. Immerhin scheint er haarsträubenden Geschmacklosigkeiten ("Lady Vengeance") und pubertärem Größenwahn ("Oldboy") inzwischen entwachsen zu sein und schafft nach "Stoker" sein zweites angenehm fließendes Werk ohne Kopfschmerz-Momente in Folge, auch wenn er sich erneut seine erzählerischen Taschenspieler-Tricks nicht verkneifen konnte. Überhaupt aber scheint es eines der größten Talente des Regisseurs zu sein, jeden noch so langen Film auf einigermaßen unaufgeregte Weise wie einen 90-Minüter wirken zu lassen.
                            Seine Geschichte gleichgeschlechtlicher Liebe, mächtiger Frauen und gieriger, lüsterner Männer ist, so nett der Ansatz auch ist, inhaltlich wieder nur semi-gut gelungen. Und da komme ich gern gleich zum Punkt: Während "Carol" es schon eindrucksvoll zeigte, Liebe als eine ungeheure seelische Verbundenheit, gepaart mit subtilem Verlangen, zu inszenieren, legt Park den Schwerpunkt eher im Sinne von "Blau ist eine warme Farbe" auf das Verlangen und macht das Geficke nur schöner - mit voyeuristischem Beigeschmack. Immerhin, und das ist er dem Cannes-Gewinner dann doch voraus, verspürt man auch einen kleinen Hauch von Emotion. Also immer noch einer der besseren Filme, die so hier und da laufen...

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                            • Na, wenn du nur einen 10er vergibst, muss das wirklich ein extrem mieses Kinojahr gewesen sein.
                              Im Ernst: Warst du nicht derjenige, der gesagt hat, er verstehe nicht, wie man bei diesen Listen nach dem deutschen Kinostart gehen kann? Es gelte natürlich (!) das Produktionsjahr und sonst nix? Woher der Sinneswandel?

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                              • Diese absurde Polanski-Wertung verstehe ich bis heute nicht. Kommt auch nichts mehr dazu, oder?

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                                    • Letzte Woche, nachdem wir aus ELLE kamen, habe ich noch zu einem Freund gesagt, wie gerne ich mal wieder so etwas wie BASIC INSTINCT im Kino sehen würde und wie unwahrscheinlich es ist, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. Und da ist auch das Problem mit dem "Quatsch von Angebot und Nachfrage". Würde die Nachfrage das Angebot bestimmen, würde sich vermutlich auch einiges ändern. Nur leben wir in einer Welt, in der das Gegenteil der Fall ist.

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                                        Die Kinder in ihrem Schulalltag zu sehen und von ihren Träumen und Wünschen reden zu hören, ist zwar alles ganz herzerwärmend und süß, und irgendwie gelingt es dem Film auch, einen emotional für ein buntes Schulsystem zu sensibilisieren - mit einer neutral-sachlichen Auseinandersetzung hat das allerdings wenig zu tun. Ein süßes Plädoyer für Vielfalt; ein paar Fragen zum Schulplan, zum Personal und zur Finanzierung des Ganzen hätten trotzdem gerne beantwortet werden können.

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                                          "La isla minima" ist ein Film, der das Rad neu erfindet und sich Hollywood absolut nicht anbiedert.

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                                            Derek Cianfrance ist ein Magier. Denn er hat es geschafft aus der (wirklich!) tragischsten Geschichte aller Zeiten, dargestellt von den mitunter gefragtesten und talentiertesten Schauspielern Hollywoods, mittels endlosem Piano-Geklimper, schnulzigen Voiceover-Liebesbriefen, altbackener Leuchtturmromantik und billiger Figurenzeichnung (Mann=stolz und aufopferungsvoll, Frau=emotional und kinderlieb) einen beliebigen Historienschinken zu machen. Fast so, als hätte sich der noch junge Regisseur an Nicholas-Sparks-Verfilmungen orientiert, die die grausamsten zwischenmenschlichen Tragödien ebenso konservativ wie bekömmlich auskotzen.

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                                            • Ich bin weiß Gott kein Fan des allseits beliebten AfD-Bashings, aber Uwe Boll sympathisch zu finden, ist wie diese Partei sympathisch zu finden. Letztendlich ist Uwe Boll auch nicht viel mehr als ein kleiner Wutbürger mit gerade so viel Intelligenz, es hin und wieder vor eine Kamera zu schaffen; der bei jeder ihm möglichen Gelegenheit gegen "die da oben" wettert und dafür auch noch für seine ehrliche Schnauze von so manch einem gefeiert wird, weil er nur einfache, unreflektierte Antworten bietet. Ein Populist durch und durch - mit einem absolut stumpfen, langweiligen Filmgeschmack, der seinen Filmen offenbar (wenn ich einen gesehen hätte) in nichts nachsteht.

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                                                Eigentlich nur eine blasse These des Protagonisten David (lieb gewonnen: Colin Farrell) und doch ein Spiegelbild des gesamten Films und seinem Duktus. Hätte Giorgos Lanthimos sich diesem gen Ende ein klein wenig energischer entzogen, THE LOBSTER wäre in die Filmgeschichte eingegangen. So bleibt er immer noch nicht mehr und nicht weniger als einer der erfrischendsten Filme der letzten Jahre.

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                                                  Mehr eine Milieu-Studie als ein Film über Transsexualität: Sean Baker interessiert sich für das Schmutzige, das Laute und Gehetzte in Hollywoods dämmrigen Sackgassen. Immer Bewegung. Ein einziges Treiben und Getriebenwerden. Hier sind 24 Stunden noch zu wenig, an einem Tag scheint alles möglich und doch auch irgendwie nichts. Sin-Dee und Alexandra sind zwei Prostituierte, die sich mit den Jahren mühsam ein wenig soziale Integration für eine handvoll Menschen in ihrem Stadtteil erkämpft haben, die sich aber auch, mit dem Wunsch als Frau anerkannt werden zu wollen, als Klischee einer Frau präsentieren: Zickig, hysterisch und unterwürfig. Sie versuchen sie selbst zu sein und sind es doch nicht. Fernere Träume und Ziele sind längst zu Illusionen geworden und die ewige Akzeptanz des Status Quo schwingt immer mit. Am Ende haben die Transen nur einander. Sean Bakers Film ist zweifellos pessimistisch, er ist sogar authentisch und im Hinblick auf ein geglücktes iPhone-Breitwandfilm-Experiment beinahe schon revolutionär, doch inhaltlich leider eher bieder, denn er traut seinen tapferen Mädels keine Stärke zu.

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                                                  • Werdet ihr eigentlich für eine so dermaßen irreführende Artikelüberschrift von Netflix bezahlt?

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