Eine wahre Geschichte - The Straight Story

The Straight Story (1999), FR/US Laufzeit 111 Minuten, FSK 0, Drama, Road Movie, Kinostart 02.12.1999


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7.8
Kritiker
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86 Kommentare
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von David Lynch, mit Sissy Spacek und Harry Dean Stanton

Der 73-jährige Witwer Alvin Straight (Richard Farnsworth) lebt zusammen mit seiner geistig zurückgebliebenen Tochter Rose (Sissy Spacek) in dem kleinen Städtchen Laurens, Iowa. Gesundheitlich geht es Alvin nicht besonders gut. Seine Augen sind so schlecht, dass er nicht Auto fahren darf, er hat ein so starkes Hüftleiden, dass er nur noch an zwei Krücken gehen kann und sein Arzt bescheinigt ihm nur noch wenige Jahre, wenn er nicht mit den Zigaretten und dem falschen Essen aufhört. Eines Tages erhält Alvin einen Telefonanruf. Sein Bruder Lyle (Harry Dean Stanton), der im über 240 Meilen entfernten Mount Zion in Wisconsin lebt, hat einen Schlaganfall erlitten. Seitdem sich Alvin und Lyle vor über zehn Jahren zerstritten hatten, haben sie kein Wort mehr miteinander geredet. Dennoch entschließt sich Alvin, seinen Bruder zu besuchen und den Streit zu beenden. „Ich muss das tun“, so Alvin zu seiner Tochter.

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Eine wahre Geschichte - The Straight Story
Genre
Familiendrama, Road Movie, Drama
Zeit
1990er Jahre
Ort
Iowa, Kleinstadt, Mississippi, Wisconsin
Handlung
2. Weltkrieg Veteran, Alterung, Anhalter, Ausreißer, Autopanne, Bruder-Bruder-Beziehung, Familie, Familienkonflikt, Friedhof, Gastfreundschaft, Geistige Zurückgebliebenheit, Gewitter, Hohes Alter, Individuum, Jugendlicher, Landstraße, Laster, Leben, Lebensweisheit, Menschlichkeit, Motorschaden, Odyssee, Rasenmäher, Rauchen, Reise, Schicksal, Schlaganfall, Sterben und Tod, Sterblichkeit, Streit, Sturheit, Traktor, Vater-Tochter-Beziehung, Versöhnung, Wiedersehen
Stimmung
Berührend, Ernst, Traurig
Verleiher
Senator Filmverleih Gmbh
Produktionsfirma
Asymmetrical Productions, Channel Four Films, CiBy 2000, Le Studio Canal+, Les Films Alain Sarde, Straight Edge, The Picture Factory, Walt Disney Pictures

Kommentare (80) — Film: Eine wahre Geschichte - The Straight Story


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timmoe

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Bewertung7.0Sehenswert

Ein wahrlich ehrlicher Film. Lynch bricht mit seinen Konventionen - nämlich den eigenen - und erzählt in seinem wohl gewöhnlichsten Film eine warmherzige Geschichte über Familie und das Altwerden.

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atrax.totenhorcher

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

In langsamen, ruhigen Bildern erzählt David Lynch eine anrührende Geschichte und nimmt den geneigten Zuschauer mit auf eine wunderschöne gefühlvoll melancholische Seelenreise.
Ein Film auf den man sich einlassen muss, der einen dafür aber umso mehr belohnt.

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Nairolfo

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Bewertung10.0Herausragend

Beim schauen sagte ein Freund, das sei der "Epos für den Frieden", dessen Anstimmen der Erzähler von "Himmel über Berlin" vermisste. Auf jeden Fall eine schöne Geschichte, die einen über den einen oder anderen Zwist nachdenken lässt und ermutigt, das scheinbar verrückte zu wagen.

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OfferYouCantRefuse

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Bewertung7.5Sehenswert

Der alte Mann und der Mäher

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Big_Kahuna

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Wenn das extravagant-minimalistische Intro mit seiner eingängigen Musik über den Bildschirm läuft und das nicht nur 10 Sekunden, dann wissen wir, es handelt sich mal wieder um einen Lynch-Film. Immer wieder klasse und mit dieser musikalischen Untermalung könnte es nicht besser auf das bevorstehende Erlebnis einstimmen. Auch wenn's in diesem Fall nicht so herausragend originell ist, hat es immer mit einer Einstellung oder einem Thema im Film zu tun und zusätzlich kommt es einem so vor, als wähle Lynch dafür immer ein rein optisch psychedelisch-wirkenden Hintergrund aus, der fasst schon hypnotisch eindringt, in den, der vor dem Bildschirm gespannt darauf wartet, was Lynch mal wieder zu bieten hat. Im Fall von „the straight story“ ist es mal wieder etwas völlig anderes. Bekannt durch seinen einzigartigen Surrealismus, ist es genau wieder das was wir erwarten, worauf wir aber vergeblich hoffen, denn „the straight story“ ist eine völlig realistische Sache und so ist sie auch völlig realistisch und ehrlich gedreht, zuletzt natürlich auch, weil sie auf einer wahren Begebenheit beruht. Ein 73-jähriger, körperlich nicht mehr ganz einwandfreier und vom Arzt deutlich darauf hingewiesener Mann begibt sich mit seinem Rasenmäher auf eine letzte Reise. Er hat seinen Bruder aufgrund von Streitigkeiten und der Dickköpfigkeit beider 10 lange Jahre nicht gesehen und hat gehört, dass er einen Schlaganfall erlitten hat, also macht er sich auf den 600km langen Weg, auf seinen Weg. Und da es sein Weg ist, verzichtet er auch auf jegliche Hilfe (zumindest auf die Hilfe hingebracht zu werden) und nutzt als führerscheinloser und sehgeschwächter Mann seinen langsamen Rasenmäher. Jeder dürfte verstehen, dass er für eine solch lange Reise nicht nur eine oder zwei Wochen brauch und so wird uns hauptsächlich das gezeigt, was Alvin Straight (Richard Farnsworth) so auf seinem Weg passiert. Immer wieder begegnet ihm jemand, der sich Nachts am Lagerfeuer zu ihm gesellt, immer wieder gibt's auch kleine Problemchen, die oft auch durch seine Helfer gelöst werden, weil er es - gezeichnet vom Leben - alleine nicht mehr schaffen würde und trotzdem tritt er diesen Weg an, so wie er es muss, auf seine Art und Weise, um letztendlich mit den Ungereimtheiten, die seinen Bruder und ihn voneinander trennten, Schluss zu machen. „The straight story“ beschäftigt sich sehr mit dem Sinn des Lebens und mit dem unausweichlichen Alterungsprozess der Lebewesen, dem sich keiner entziehen kann und der das Leben und vor allem die Jugend sehr wertvoll erscheinen lässt. Was nützt uns die ganze Arbeit und der ganze Fleiß, den wir für jemand anderen aufgebracht haben, wenn wir am Ende ohnehin sterben und nichts hinterlassen, außer unseren verwesten Körper? Vlt wird uns auch genau deswegen zu Beginn der unaufhörlich arbeitende Mähdrescher gezeigt, weil Arbeit eben das einzige ist, was den Menschen im Grunde sinnvoll und auf Dauer beschäftigt. Aber was ist schon sinnvoll? Was passiert, wenn jegliche Geisteskraft aus unserem Körper entweicht? War's das dann? Sind dann die 60-90 Jahre, mit denen wir gegenüber manch anderem Mensch schon von Glück reden können, völlig sinnlos gewesen? Wir sehen hier einen Mann, dem diese Fragen gleichgültig geworden zu sein scheinen, der einfach nur eine letzte Aufgabe zu bewältigen hat, bis er die scheinbare Erlösung glücklich in die Arme nimmt. Liebenswert wie er ist, helfen ihm die Leute gerne und setzen sich gern zu ihm, um seinen weisen Worten oder Geschichten lauschen und so erfahren wir mehr über ihn, seine Denkweise und seine Lebenseinstellung, sind es doch genau diese Geschichten die wahrscheinlich ein jeder Mann in diesem Alter gern gewissenhaft lauschenden, jüngeren Ohren erzählen würde. Auch wenn er seine Tochter als "bekloppt" bezeichnet und er ihr wegen ihrer geistigen Schwäche solche Geschichten eher nicht erzählen kann, so ist die Familie für ihn wohl doch das höchste Gut, nicht umsonst nimmt er sich dieser letzten Aufgabe an. David Lynchs „the straight story“ kommt ohne große Gefühlsduselei aus, ist dennoch aber eine Geschichte mit rührendem Charme, auch weil uns Richard Farnsworth, der dafür auch eine verdiente Oscarnominierung erhielt, hier mitnimmt auf seinen Weg und er seiner Figur eine Ernsthaftigkeit und eine liebenswerte Art verleiht, die den Zuschauer mitfühlen lässt. Angelo Badalamenti, der schon in Blue Velvet, Twin Peaks, Wild at Heart und Lost Highway für die Musik gesorgt hat, hebt das Gesamtwerk auch hier wieder deutlich mit an und fügt sich nahtlos in die wehmütige Stimmung mit ein. Neben ihm beweist auch Lynch, dass er sich nicht nur im Surrealismus zurecht findet (auch wenn er das schon in Blue Velvet und Wild at Heart größtenteils so gezeigt hat), sondern auch völlig „normale“ Filme drehen kann, ohne in eine andere Bewusstseinsebene abzudriften und das tut er sogar mit Bravour. Dieser Mann ist ein Phänomen für mich geworden, ein absoluter Künstler und das zeigt er in seiner Vielfältigkeit und mit diesem unausgeschmückten, reifen Film, der für die große Masse sicher zu langweilig ist, der mir aber aber mal wieder eine neue Lynch’sche Facette offenbart hat. Auch hier wieder ein Danke, David Lynch, dass du machst was du willst!

"Als meine Kinder noch klein waren, hab ich immer ein Spiel mit ihnen gespielt. Ich hab ihnen einen Stock in die Hand gedrückt, jedem einen. Und dann sollten sie ihn durchbrechen, was natürlich leicht ging. Und dann gab ich ihnen die selben Stöcke in einem Bündel, und das sollten sie auch durchbrechen, was natürlich nicht ging. Dann sagte ich ihnen, dieses Bündel ist die Familie..."

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The Freewheelin Fonda

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Ganz starker text von dir!
Bin gespannt auf den Streifen, finde Lynch unheimlich interessant als Regisseur!


Big_Kahuna

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Danke an den namensgeänderten Fonda! Wenn dir auch mal ein sehr ruhiger Film liegt, dann bist du hier richtig. :)


Deathpool

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

http://www.youtube.com/watch?v=VCA689lvfpI&list=PL0D056216EEA3A1D1

Ich liebe das Leben
Ich liebe dich
Sag warum?
Warum gehst du fort ins Nichts?

Wenn Dunkelheit in unseren Herzen gräbt
Wenn der Mond langsam die Stunden zählt
Wenn die Uhr schleichend schlägt
Wenn er kommt
Dich trägt

Sah dein Gesicht
Voller Schmerz
Pure Angst
Konnte nicht wissen
Sekunden brachen

Hast du die Zeit gesehen?
Unsere Stunden?
Warst du glücklich?
Allen Schmerz überwunden?

Warum brennt mein Herz so sehr?

Der grenzenlose Weg
Das tiefe Meer
Unsere Welt sie dreht sich weiter
Oben steht Erlösung
Krankheit und Zerfall

Tod du bist Heilung!

Blicke noch einmal zurück
Spüre dein Leben
Als die Kindheit dich beglückt
Als Vater dir Mut geschenkt
Dich umarmte, dich sanft küsst

Auf dem Feld der Freiheit
Wo du gelächelt
Andere Kinder geschlagen hast
Stolzer Held
Energie in Perfektion
Ohne Burnout oder Depression

Wie der Damm bricht
Den du gebaut
Wasser sich staut
Natur, grünes Gras
Dein treuer Freund
Wie dein Gesicht strahlt

Lachen ist Leben
Blut fließt stark, ungebrochen durch Venen
Herz schlägt, im Takt
Pumpt die Reinheit
Gibt Kraft

Über den Ozean
In den Himmel hinein
Wolken spielen
Malen Zeit

Auf der Terrasse
Sterne zogen vorbei
Rauchte einen Joint
War frei

Küsste meine Frau
Wühlte im Laken
War glücklich
Geboren der Samen

Drehte Geschichte
Auf der Straße
Erwachsen und voller Ideale
Prügelte den dumpfen Geist
Ohne Geld
Aber Stolz und frei

Gegen Staatsgewalt
In Handschellen
Führten mich ab
Verstanden nicht
Rebellion gib mir Kraft

Mein Leben
Jetzt ist er da
Nimmt meine Gedanken
Befreit mich aus der Qual
Nimmt Krankheit
Den leisen Traum

Spüre wieder Körper
Gleite aus dem Heim
Bin Seele
Bin Leben
Bin frei

Aus dem Schornstein
Steigt eine Wolke
Zieht ins Land hinein
Zu dir
Mein Schatz
Wir sind
Gemeinsamkeit

Gebundene Geister
Ewig verschmolzen
Konnten jahrelang nicht trauern
Aber jetzt
In dieser Sekunde
Vereint

Kraft und Seelenheil
Das ist Tod
Das ist Wahrheit

Narbenheiler
Schwarzer Geist

"Eine wahre Geschichte - The Straight Story"
Wundervolle Reise ins Bewusstsein mit erdrückender Stille und Erkenntnis.
Prachtvolle Huldigung an Leben und Tod.

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moviee

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Sehr verdienter Lieblingsfilm, toll gewürdigt! Immer wenn ich mich an den Film erinnern will, höre ich mir das Lied an: http://www.youtube.com/watch?v=xk8Y-XxaAog


Deathpool

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Ein wirklich schöner Song, hätte auch gut zum Text gepasst lieber moviee.Hach man ich liebe den Film wirklich der war so genial un das von Lynch ;)
Der Soundtrack is ja eh ne Wucht.


cule0809

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Der wohl eher ein untypischer Lynchfilm und dennoch unverkennbar sein Werk. Eine toller Roadmovie!

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natedb

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Bewertung9.0Herausragend

Der wahrscheinlich untypischste Lynch besitzt nicht die üblichen Ingredenzien eines solchen. Es ist keine surreale Achterbahnfahrt durch einen Fiebertraum, keine Reise hinter die Kulissen friedlich scheinender Vorstädte oder in unsere innersten menschlichen Abgründe, nein, es ist eine sehr simple Geschichte über einen alten Mann, der sich auf seinem Rasenmäher aufmacht seinen 600km entfernt lebenden Bruder zu besuchen und sich nach jahrelangem Streit mit ihm zu versöhnen, nachdem dieser einen Schlaganfall erlitten hatte.
Das klingt simpel, was es auch ist.
Ich liebe Lynch und man spürt auch den Film über, dass er am Werke war, denn stilistisch hat der Film noch einige Merkmale Lynchs. Allerdings lebt der Film nicht von ausgefallenen Einfällen seines Regisseurs, denn Lynch weiß, dass hier kein großartiger Schnickschnack gefragt ist. Stattdessen lässt er seinen fantastischen Hauptdarsteller Richard Farnsworth die Rolle seines Lebens spielen, die des Alvin Straight.
Dies ist eine Reflektion über das Leben, sowie die Beschreibung einer letzten, langen Reise. Ein Film der den nahenden Tod beschreibt, die letzten Atemzüge eines alten Mannes und gleichzeitig das Leben zelebriert, uns sagend: "Es sind die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen."
"The Straight Story" will nicht sinnieren, nicht weise sein, nicht belehren, tut dies alles aber trotzdem. Es wird uns nicht anhand von prätentiösen Monologen unter die Nase gerieben, uns werden keine Lebensweisheiten aufgehalst, es liegt einzig allein in Alvin Straights Augen, in seinem müden, gutmütigem Blick.
Als Alvin Straight das Ziel seiner Reise erreicht, nachdem wir seine Geschichte kennen, die Schwierigkeiten und die schönen Momente seines Lebens, ist es schwer nicht emotional zu werden, obwohl die finale Szene bescheidener nicht sein könnte.
Dieser Film wird in Lynchs Filmografie oftmals vergessen. Bestimmt nicht, weil er seinen Meisterwerken "Lost Highway" oder "Mulholland Drive" in etwas nachsteht, auch nicht weil er sich vollkommen von seinen anderen Filmen unterscheidet, sondern vielmehr, weil dies nicht David Lynchs Film ist, sondern Richard Farnsworths.

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craax

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

The Straight Story (übrigens übrs. nicht „wahre“-, sondern >-direkte<, >-Geradeheraus-ungewunden-Geschichte<)

Ein Film, der so schön ist, dass man fast von Szene zu Szene durchheulen kann.

Niemand kann fünf Minuten reden, ohne das Ausmaß seiner Unwissenheit zu verraten.><. Lynch schafft es, fast zwei Stunden lang zu erzählen, ohne dass das falsche verräterische Wort gefallen wäre (im Gegenteil, allein ein verräterischer, im Stich lassender Rasenmäher wird, in einer erschütternd komischen Szene der jüngst erinnerbaren Filmgeschichte, erschossen). (Ein weiterer Beweis für den sogar bei Lynch ungewöhnlich vermuteten, doch durchaus vorhanden sein müssenden absurden Brachialhumors–wie ertrüge er die Belastung seines Werks sonst?- bietet übrigens die Rehkarma-Erlegeszene samt anschließender Kollektiv-Mahlzeit (ißt Lynch Vegetarier?),- auch hier natürlich voll tieferer Bedeutung und Weisheit. D.L. muß es sehr goutiert haben, innerhalb seines Werks auch mal komisch sein zu woll-dürfen) (Darf alles, was er will, wenn er nur wollen darf: das hat ihm sicher gefallen, einmal zu notdürfen).
Also Lynch erzählt („niemand kann...“) lange, eindringlich, und trifft es fast immer, den verkehrten verkehrenden Ton zu vermeiden, dafür intim. Er redet, erzählt, wird dabei von Anfang an immer langsam gefälliger, wahrer, und eindringlicher. Sein Heldentum ist das Gegenteil von. Es ist eine Katharsis, eine Reinigung. Er bringt das falsche Heldentum, dem fast durchgehend eine ganze Zeit (außer Jarmusch) unterliegt und unterworfen ist, zum Schweigen: durch Schweigen. Kein unnötiges Wort fällt; was fällt, fällt ins Gewicht. Ein Mähdrescher zieht eine erste Schneise in ein unendliches Feld; Mittelstreifen der Straße gemächeln unterwärts, dann blickt die Kamera höher und hoch: unendlich weiter bis zum Horizont, eine unermeßlich türmende Anzahl von Markierungen, die alle hinter sich zu bringen wären-? Ist das je vollendbar? – auch der lange Weg beginnt mit einem Schritt, und Schritte erschaffen den Weg, auch den unabsehbaren.. „Wie lange sind Sie denn schon unterwegs“?-„Fast mein ganzes Leben“.

Die Menschen – und Dinge – sind alt, gebraucht, arm, benutzt, löchrig, klapprig, zusammengeschustert, wahr. Sie sind nicht: glamourös, vorspiegelig, schein(h)eilig, Anschein erweckend, bemüht. Sie ruhen. Bewegung gespart (gibt nicht viel übrige). Sie leiden, aber ohne zu klagen. Sie schweigen, stöckrig, bescheiden, lassen fallen, ob es etwa aufgenommen werden möchte? -und öffnen den Mund nur, wenn sie etwas zu sagen haben (hätten). Wenn die Kamera, mitten in Ländlichkeit – („Iowa“), über den Vorgarten, mit der somnambulen Nachbarin, sich allmählich ins Erzählen Rätselraten senkt und ins Verborgene vorkriecht (in dem der eigentliche Sinn der Geschichte sich noch versteckt), gleicht das einer Spurensuche. Solch Bild allein enthält schon viel. Was gehört nicht hierher? Oder was gehört, eigentlich, einzig und allein hierhin? beachtenswert? – das Bild ist eine ganze Welt. Lynch’s Kamera könnte sich auch anderen Dingen zuwenden und ebenso lohnende Geschichten entdecken, gewiß. (Und hat es auch schon, auch die >großen< Sujets). Heute aber lenkt sich die Aufmerksamkeit auf ein scheinbar ganz unscheinbares Ziel: einen alten gebrechlichen, wehrlosen, fast todgeweihten von Doktorerkenntnis bedrohten Mann, kaum noch gehfähig, dessen Schwächean-Fall das erste ist, was wir indirekt von ihm – nicht zu sehen,- sondern zu erfahren, erspüren bekommen.

Später wird er dann gefunden, von den Leuten (ja Freunden), die Unzuverlässigkeit von ihm nicht gewohnt sind. Dies ist ein Film der alten Männer, in ihren schlichtlebenslang ersparten Holzhäusern, Vorgärten, Bars, vor und hinter den Tresen,- und Theken. Die Jungen funktionieren (wenn es egal ist, was sie treiben, etwa rücksichtslos Lkw lenken oder übereilt Karma-Rehe erlegen oder sinnfrei radsporteln „was schmerzt am Altern am meisten“ und die kryptische auslegungsfähige Antwort). -Oder funktionieren nicht: und erweisen Wert
trotzdem.
Film der alten Männer, Entschleunigung, und Langsamkeit. Das Getöse, die Hektik reduziert sich allmählich – nein unbeugsam vom ersten Kameraniederschwenk an – auf -? Intensität, Wahrheit. Ich möchte noch ein Wort weitergehen: Weisheit. Wie schon in Mulholland Drive? Elefantenmensch? präsentiert sich hier ein frühweiser Mann,- der allmählich zum altweisen reift. Lynch ist seinem wahren Alter immer schon ein paar Jahrzehnte an Reife voraus. Es schwindelt einem, wenn man bedenkt, wo das noch hinaussoll (in dreidimensionalem Raum). Übrigens: Hauptdarsteller Richard Farnsworth ist nicht lange, nach Diesem, gestorben. (Der Tod an sich macht keineswegshalber weise, entgegen mildsüchtigem Vorurteil). Aber wenn wir wägen: sehen wir uns doch mal noch, fast fertig, die Szene mit dem anderen alten Nachbar, während der Mäher nach der Talrasanz auf die Reparatur wartet (bevor die Bruder-Zwillinge dran sind),- die Milchglas-Bierflasche-Szene (warte, kommt auch noch) am einsamen Tapetenwechsel-Bartresen also genauer an : wie das Gespräch auf den Krieg kommt, den zwei alte Männer („viele trinken nach dem Krieg, den mitgebrachten Bildern zu“), ja sie, erlebt haben (die Jungen?). Wirft also die FockeWulf die Bombe mitten zur Gulaschkanone, aller Kameraden. Was soll man darauf noch antworten? Wie windet man sich, wenn man Geschichtenerzähler – oder Lebenskünstler- ist, (noch) anständig aus solcher, nicht steigerbaren Geschichte,- wie kann man sie gegengewichten, entkräften, umwenden, zurücklenken ins Nutzbare, Fassbare, Erträgliche, Handelbare? – Sehen wir dem Hauptdarsteller ins Gesicht: bevor noch der erste, nach dem „Ich sehe es einem Mann an“ – dann anfängt herzugeben, was er zu sagen hat. Sehen wir hin: noch bevor der andere den Mund auftut, weiß – der alte Mann – was – Uneträgliches- Fürchtenswertes – Schreckliches gleich kommt und kommen wird und kommt. Man sieht die Furcht in seinen Augen, die Bekanntschaft mit diesem, was keiner wissen oder ertragen kann: und wie seine lange gereifte Antwort darauf (geworden) ist. Sieh diesem Alter ins Gesicht: und das ist nicht nur ein Schauspieler oder Schauspiel, es ist die Wahrheit. Hier spricht ein Mensch zum nächsten,- im noch unhörbaren Mienenspiel. Ich muß gestehen, ich war echt fertig und ratlos, als dieser erste, eine Mensch fertig war mit seiner Erzählung „sah immer noch das Hakenkreuz zur Seite“. Was ist darauf anzuwenden, wie kann es darauf, damit, ohne Bruch, weitergehen? – und Lynch, siehe da, wo wir ratlos stehen, zieht ein ÜberraschungsAs – aus dem Ärmel, und schafft es, diese Geschichte ins „Positive“, ins Sinnhafte, zu wenden. (Ich will es nicht verraten, aber bevor sie –falsch- im Sinn der Antwort an sich- vermuten:) er antwortet mit unbedingter Offenheit, und legt eine andere, einmalige, bisher verschwiegene Wunde bloß. Er hat davon nie erzählt. Er beantwortet eine erfahrene Wunde, deren unfreiwilliger unentkommbarer Zeuge er (werden) wird (er weiß, er kann nicht fliehen, vor den Verletzungen des Lebens, auch wenn er jüngere Knochen hätte, vielleicht g e r a de d i e nicht) - ohne falsche Verbrüderung-, mit einer (echten) selbsteigenen : die Menschen vereinigen sich in Leid, und das ist alles, was sie tun können, im Grunde das echte – buddhistische?- Einzige, und das: ist nicht wenig. Man kann den Verletzungen des Lebens nicht entkommen: denn das i s t Leben: erfahren. Aber man kann sich beistehen, füreinander dasein, helfen, dabeisein, wenn man kann (was nicht immer der Fall-, nur wo die Antwort wäre ist).

Dieser alte wehrlose Mann hat viel zu geben, immer noch (nicht nur dem schwanger-der vermeintlichen >Schande< ausgerissenen Mädchen): er hat das Leben erfahren, und einige nutzbare Schlüsse daraus gezogen, die von Fall zu Fall, bei unterschiedlichsten Anforderungen, heilsame Anwendung finden können. Nicht etwa nur dort, wo es gilt, auf eine überhöhte Reparatur-Forderung korrigens berichtigend einzuwirken. Als Ersatz leistet /bietet er etwas anderes: was mit Geld (von dem in diesem Film, nicht einmal im Mangel, etwas spürbar wäre) kaum zu kompensieren wäre. Diese Nichtbeachtung des Nichtbeachtenswerten rückt übrigens einen weiteren Maßstab gerade, und schafft Raum und Luft zum weiter- nützlichere-, ja einzig lebenswerten Dingen den Achtungsraum vorzubehalten-, -atmen. Noch so ein unscheinbarer Satz: „... habe gelernt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und das Unwichtige nicht zu beachten“ und damit keine Zeit zu verlieren. Dieser Film lehrt, Zeit zu nutzen und nicht zu verlieren: er nimmt sich –frei- und nutzt Zeit. Er vertut sie nicht sinnlos. Er bescheidet sich, auf das kostbare Gut, das dem Menschen zur Verfügung steht: seine Zeit. Er läßt, wie Lynch, (aktiv) alles Unwichtige fort und beschränkt sich auf das einzig, tatsächlich weiterhin und immer einzig Kostbare. Die Zeit wandelt in diesem Film ihre Rolle, und bietet sie an. Dann erreicht der alte Mann schließlich sein Ziel: eine schwierige Situation (für den Filmemacher). Gottseidank wird auch da nicht viel geredet („niemand kann fünf Minuten....“). Sie winden sich ganz gut raus, die beiden: „bist du etwa den ganzen Weg d a mit gekommen, um m i c h zu sehen“, Ja, sagt Lynch, hier bin ich (siehst du mich?). Und es war, damit ich dich ansehen kann: und du weißt, das ich hier bin. Wegen dir. Ja D i r. Und fertig.
Ein weniges und der alte Mann war tot. Weisheit ist nicht allein für Tote. Manchmal fällt, für einige, sogar zu Lebzeiten etwas davon ab. Das lohnt.
Bei diesem Film kann man eigentlich durchheulen,- so schön ist er,- von der ersten, bis zur letzten, ja man kann sagen, Sekunde: wer sie zählt, und nutzt.

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jacker

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Mal wieder ein langer, toller Text von dir!
Wohl der ungewöhnlichste Lynch-Film..


Dual

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Ich mag die Musik im Film sehr.


sam_ace_rothstein

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Sehr bewegendes Roadmovie mit einem genialen Hauptdarsteller. Lynch zeigt hier, dass er auch anders kann.

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FilmFan92

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Bewertung9.0Herausragend

Wenn einer eine Reise macht, hat er viel zu erzählen.
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Liebes Tagebuch,

ich befinde mich in Wisconsin, habe gerade eine unglaubliche, jedoch wahre Geschichte hinter mir, die ich dir erzählen möchte. Eine wunderschöne, ländliche, von Landwirtschaft und großen Traktoren geprägte Gegend. Das ist Iowa. Vereinzelt sind kleine Städte (oder eher Dörfer) zu finden inmitten von riesigen Getreide-Feldern. Wenn morgens die Sonne langsam aufgeht, alles in ein glänzend-scheinendes Licht taucht, eine leichte Brise durch die Felder weht und nichts außer Geräusche der Natur zu hören sind, wird einem die Essenz des Lebens auf dem Lande verdeutlicht. Es gibt hier scheinbar keine Probleme. Es ist stets ruhig, kein Verkehrslärm, die eingeatmete Luft ist sauber. Das hier trotzdem nicht alles so sorglos ist, wie ich mir vorgestellt hatte, zeigte mir ein neugewonnener Freund auf. Alvin Straight. Alvin Straight ist ein Mann der schon einige Jahre hinter sich hat, der mit seiner Tochter gemeinsam in Iowa in einem Haus wohnt, in einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt. Dort traf ich den alten Haudegen allerdings nicht. Es war irgendwo auf der Landstrasse, ich schritt langsam über die Straße, ließ mir die Sonne ins Gesicht strahlen und genoss die Atmosphäre. Dann erblickten meine Augen einen Mann auf einem Rasenmäher, der einen Anhänger zog und mit gemächlicher Geschwindigkeit die Straße entlang tuckerte. Mein Interesse am Werdegang dieses Rasenmäherfahrers war geweckt. Und so bat ich ihn, mich mit auf seine Reise zu nehmen, ein Ziel hatte ich sowieso nicht. Was kann ich über diesen Mann sagen? Alvin ist ein Held. Kein Held wie Batman, oder jemand der kleine Kinder aus einem brennenden Hochhaus rettet oder jemand der sich zwischen eine Person und eine herannahende Kugel wirft. Alvin hat die Menschen auf andere Art gerettet. Mit seiner Weisheit, seiner Erfahrung und seines durch und durch guten Herzens. Und so streiften wir gemeinsam durch den Mittleren Westen, saßen abends am Lagerfeuer und blickten in die Sterne, die so klar und zahlreich am Himmelszelt standen, wie sie es nur auf dem Lande können. Seinen Bruder wollte er wieder sehen, nach 10 Jahren ohne jeglichen Kontakt. Er zeigte mir auf, wie wichtig die Familie ist, ein Bündel, dass niemand zerstören kann. Und selbst wenn das letzte Treffen mit einer geliebten Person in Streit endete, so muss man darüber hinwegsehen können, denn die Liebe für eine Person, die einen ein Leben lang begleitet hat, ist wichtiger als jeder Streit. Alvin gab mir wirklich viele Ratschläge mit auf meinen Weg, er war mir ein guter Freund und ich wünsche ihm und seinem Bruder alles erdenklich gute für die Zukunft. Und während Alvin sein Ziel erreicht hat, bin ich immer noch am Zweifeln wohin mich meine Reise führen wird. Ich weiß nur eines mit Sicherheit, Alvin hat mir geholfen und meine Reise positiv beeinflusst.

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FilmFan92

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Dann solltest du schleunigst "Der Elefantenmensch" nachholen, ebenfalls Lynch, ebenfalls auf einer wahren Begebenheit basierend (also normal) und ebenfalls grandios ;)


pischti

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und ab damit in die "vorgemerkt" Liste ^^


Frankie Dunn

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

So ein Film funktioniert nur, wenn der Score überzeugt...tja, meine Bewertung spricht für sich, oder? Der Score von The Straight Story ist traumhaft, die Hauptfigur großartig. Regie und Drehbuch ebenso. Ein absoluter Geheimtipp und zugleich ein weiterer Film, den ich zu meinen Lieblingsroadmovies zählen darf.

"Es ist tot....und ich liiiiiiieeeeebe Rehe!!" :))))

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Frankie Dunn

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Jop, und sehr gut fürs mehrfache Schauen geeignet. Ich könnte mir vorstellen, dass ich den bis ins hohe Alter (sofern ich es erreiche) einige Male sehen werde.


Frankie Dunn

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Geht mir genauso. Bisher hatte ich glaub ich keine einzige Enttäuschung in dem Genre.


TinaCocaine

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Bewertung7.0Sehenswert

Manch einer wird sicherlich sagen, der Film ist langweilig und wenig spannend, ich hingegen war einfach zutiefst berührt, auf mich wirkte "Straight story" beruhigend, melancholisch und total schön. Es geht um Menschlichkeit und Liebe und durch die Machart hat der Film mich sehr stark zum Nachdenken angeregt. Für mich ist meine Familie das allerwichtigste auf der Welt und David Lynch´s perfekt besetztes Meisterwerk führt dazu, dass ich wieder darüber nachdenke, wie wertvoll diese ist und wie sehr man die Kontakte pfelgen sollte - denn irgendwann wird man vom Tode getrennt. Wirklich ein ganz bezaubernder Film, auf den man sich voll und ganz einlassen muss, damit er richtig wirken kann...

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David Lukas Julisa

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

ein wunderbarer film, entschleunigt, wirkt. toller cast, tolle kamera, toller schnitt. humor, sehnsucht, schmerz und liebe in einem einfach schönen kunstwerk über das leben. für mich perfekt.

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Wednesday90

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

David Lynch Werkschau Part IX.
"So, what's the worst part about being old, Alvin?" - "Well, the worst part of being old is rememberin' when you was young."
Lynch distanziert sich hier von seinem filmischen Wahnsinn und liefert mit The Straight Story eine geradlinige, zutiefst einfühlsame Geschichte über einen alten Mann, der sich trotz aller körperlicher Beschwerden auf eine letzte große Reise begibt, um sich mit seinem kranken Bruder zu versöhnen, bevor es zu spät ist.
Das Tempo des Films wird durch Alvins Fortbewegungsmittel, einen Rasenmäher, widerspiegelt. Dieses Road-Movie verläuft in gemächlichem Tempo und hat, auch dank der wundervollen Musik von Angelo Badalamenti, eine fast schon meditative Wirkung.
Auch wenn der Film eher untypisch für Lynch wirkt, lassen sich kleine "Lynchismen" erkennen, wie z.B. die Frau und ihr "Hirsch-Problem."
Ich hatte selbst die Gelegenheit einige Zeit im mittleren Westen der USA zu verbringen und kann nur sagen, dass hier der bodenständige Charme dieser Region perfekt eingefangen wurde.
Ein wundervoller Film mit einem ganz großen Hauptdarsteller.
Richard Farnsworth hat sich hier mit seinem letzten Film ein kleines Denkmal gesetzt.

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pischti

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Bewertung7.0Sehenswert

"The Straight Story" ist die Geschichte eines alten Herren, der aus gewissen Situationen seines Lebens gelernt hat und für den Familie an oberster Stelle steht. Alvin Straight, der Protagonist dieser Geschichte, hätte mit Richard Farnsworth nicht besser besetzt sein können. Sein Schauspiel ist emotional, packend, ehrlich, eben einfach großartig. Regisseur David Lynch (ja, dieser Verrückte Knabe hat wirklich einen normalen Film gedreht ^^) verleiht dieser Figur durch ruhige Kamerafahrten gepaart mit schönen Dialogen eine wahnsinnige Tiefe, die Sympathie des Zuschauers für Alvin Straight ist unausweichlich. Ein weiteres Highlight des Filmes ist Sissy Spacek, welche die Tochter von Alvin Straight mit voller Hingabe spielt. Mit ihrem Talent verkörpert sie "Rose", die aufgrund eines schlimmen Vorfalls psychisch sehr angeschlagen ist. Ihr ganzes Schauspiel wirkt sehr real denn auch dieser Charakter kann besser nicht dargestellt werden. Neben der tollen Schauspielerei, die wirklich großartig ist, verleiht Lynch dem Film durch die langsame und ruhige Erzählweise, den idyllischen und weich gefilmten Landschaften, das gewisse Etwas. "The Straight Story" ist ein ruhiges Roadmovie mit Menschen mit Herz für Menschen mit Herz. Hinzu kommen liebevolle Metaphern, die durch die ein oder andere Lebensweisheit des weisen Alvin Straights hervorragend in die Geschichte integriert werden.
Warum "nur" 7,0? Trotz des guten Gesamteindrucks hat "The Straight Story" ein paar Längen, die den Film natürlich nicht schlecht machen, ihn aber zu "gut" abrunden. Auch beim Ende hätte ich mir 1-2 Minuten mehr gewünscht.
Dennoch ein wirklich schöner Film.

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Hauserfritz

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Bewertung6.0Ganz gut

Eine schöne, emotionale Geschichte, die mich aber irgendwie zu wenig berühren konnte. Hätte mehr erwartet.

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Uli Kunkel

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Bewertung9.0Herausragend

The Straight Story - der doppelsinnige Titel deutet die bodenständige und geradlinige Machart bereits an. Ein schönes, ruhiges, einfühlsames Drama über die Kunst der Langsamkeit und die Stärke familiärer Bindungen.

bedenklich? 12 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

Simon Moon

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Ein seltsamer Lynch-Film. Und das will was heißen, hat er doch schließlich das Patent auf seltsame Filme. Straight Story ist ein Road-Movie in Zeitlupe voller Herz. Fast eher ein Jarmusch.


Uli Kunkel

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"Road-Movie in Zeitlupe voller Herz." Das bringt's in einem Satz auf den Punkt.
Erstaunlich verhalten und zurückgenommen inszeniert für lynch'sche Verhältinsse und deshalb, zu Unrecht, oft übersehen.


Andy Dufresne

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Bewertung9.5Herausragend

Straighter kann ein Film kaum sein...

Alter Mann fährt 412 km weit auf einem Aufsitzmäher zu seinem Bruder.
Das war eine (nahezu ) komplette Beschreibung der Geschichte.
Sogar Rambo 2-4 kann man nur schwerlich kürzer zusammenfassen...

Und jetzt kommt es:

1.Der Film hat keine Längen (Wenn man die eine, einzige große (aber wunderschöne) Länge von 108 min die sich Laufzeit nennt zu goutieren bereit ist).

2.Der Film schafft es einen komplett ins (Nicht)Geschehen rein zu ziehen.

3. Und das finde ich das erstaunlichste an dem Film:
Er ist von David Lynch !!!
(Vom Umkehrschluss her ist das in etwa so schockierend als wenn Michael Bay und Uwe Boll die Macher von "Wilde Erdbeeren" gewesen wären)

Einer der amerikanischsten Filme die ich je gesehen habe.
Amerikanisch auf das Amerika der echten Menschen bezogen, die allzu oft von uns superkultivierten Europäern mit dem Zerrbild des hurrapatriotischen, fetten, dummen, rassistischen, God´s own Country schreienden Propagandaklischees vermengt werden und von uns als DIE AMERIKANER gesehen werden.

Lynch zeigt ein Amerika das sich auf seinen Rasenmäher setzt und den langen Weg zu gehen bereit ist wenn sein Bruder es braucht.
Er zeigt ein Amerika der kleinen, solidarischen Leute.
Und er zeigt ein Land (ein Panorama) das vor allem eines ist : Wunderschön.

Die Entdeckung der Langsamkeit als Film,
ein Denkmal für Richard Farnsworth
und für mich der wichtigste Film von David Lynch.

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Kamell

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Mein Highlight und beispielloses Bild für unverhandelbares Karma: Die armen Rehe und die völlig verzweifelte Autofahrerin /-)


Andy Dufresne

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Absolut!


AcademyAwardFan

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Bewertung7.5Sehenswert

Ein toller erzählter Film mit einer Aussicht im Mittleren Westen. Ein bemerkenswerter Mann, der trotz diverse Kraft, zu seinem kranken Bruder nach Wisconsin fährt. Tragisch und einfühlsam.

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