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Mr. Nobody

Mr. Nobody (2009), BE/CA/DE/FR Laufzeit 139 Minuten, FSK 12, Drama, Fantasyfilm, Science Fiction-Film, Kinostart 08.07.2010


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7.0
Kritiker
30 Bewertungen
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7.7
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6511 Bewertungen
237 Kommentare
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von Jaco van Dormael, mit Jared Leto und Diane Kruger

Was wäre wenn? – Jared Leto spielt in Mr. Nobody drei verschiedene Varianten seines Lebens durch, von denen ihn nur eine zum Glück führt.

Ein Junge steht auf einem Bahnsteig. Gleich wird der Zug losfahren. Die Mutter ist in den Zug eingestiegen, der Vater bleibt am Bahnhof zurück. Eine Trennung. Der Junge steht dazwischen. Für wen soll er sich entscheiden, bei wem will er lieber bleiben? Eine endlose Zahl verschiedener Möglichkeiten ergibt sich aus dieser Entscheidung. Aber so lange er sich nicht entschließt, kann ihm nichts passieren, so lange kann er noch nachdenken, wie seine Zukunft aussehen könnte. Drei Mädchen haben den Jungen bisher begleitet, alle drei interessieren ihn. Welche wäre die Richtige? Schon beginnen drei Liebesgeschichten, jede zeigt ein ganzes Leben voll glücklicher und trauriger Ereignisse: Anna ist die Ruhige, mit der ihn eine Liebe verbinden wird, die so heftig und wunderbar ist, dass er sie nie mehr vergisst. Die beiden werden getrennt, finden wieder zusammen und verlieren sich erneut, sein Leben lang sucht er nach ihr. Elise ist die immer irgendwie unglückliche, mit der er drei Kinder haben wird, trotz ihrer Unzufriedenheit. Sie gibt ihm den Auftrag, nach ihrem Tod ihre Asche auf dem Mars zu verstreuen, also tritt er die lange Reise ins Weltall an, ein Marstourist im Gefrierschlaf. Jeanne ist die Perfekte, mit der er Ehrgeiz und Langeweile teilen wird. Das Leben mit ihr ist luxuriös, eine Villa mit Pool, zwei Söhne, nur sein Herz ist nicht ganz dabei. Drei Varianten der Liebe werden das Leben des Jungen bestimmen – als alter Mann blickt er darauf zurück. Er weiß: Jedes einzelne dieser Leben verdiente es, gelebt zu werden.

Hintergrund & Infos zu Mr. Nobody
Jared Leto spielt in Mr. Nobody von Jaco van Dormael die Hauptrolle. Vielen dürfte er als Frontsänger, Gitarrist und Songschreiber der Band 30 Seconds To Mars besser bekannt sein. In einer Zeit, in der viele Stars aus der Musikbranche einen Ausflug nach Hollywood wagen, ist er einer der wenigen, die sowohl schauspielerisch als auch musikalisch große Erfolge feiern. Er sammelte erste Erfahrungen in der Serie Willkommen im Leben und gründete einige Jahre später mit seinem Bruder 30 Seconds To Mars. Am bekanntesten ist er aus Filmen wie Requiem for a Dream und Fight Club.

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Cast & Crew


Kritiken (16) — Film: Mr. Nobody

SoulReaver: CinemaForever, D3M

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4.0Uninteressant

»As long as you don't choose, everything remains possible.«

Jede ernstzunehmende Rezension sollte dem pietätvollen Ziel folgen, einem bestimmten Film mit der nötigen Seriosität und Fairness zu begegnen, auch wenn das affektive Verdammen so manches Mal von befreiender und verführerischer Natur erscheinen mag, im Gegensatz zu einer fundierten Auseinandersetzung mit dem abgeschlossenen Werk. Geht man dieser kompromissvollen Prämisse strikt aus dem Weg und lässt sich dennoch zu einem rhetorischen Frustabbau hinreißen, sollte man sich – wie immer – darüber im Klaren sein, das die Subjektivität in jedem Maß dem objektiven Kriterium abgeschworen hat. „Mr. Nobody“ bietet sich unter diesem Gesichtspunkt als leichte Beute für einen von nachhaltiger Wut und Enttäuschung gezeichneten Verriss an, damit würde man letzten Endes aber nicht nur der eigentlichen Intention des Drehbuches Unrecht tun, sondern auch der inszenatorischen Umsetzung des Filmes.

Über „Mr. Nobody“ lässt sich in komprimierter Simplizität mit Leichtigkeit behaupten, dass der Film schlussendlich genau das geworden ist, was er auch sein möchte – Und das ist in diesem Fall keinesfalls despektierlich gemeint. Eigentlich ist dieses Siegel doch eine vollständige Befriedigung für jeden ambitionierten Filmemacher. Es gibt nur ein gravierendes Problem: Die Rezipienten, ihre Auffassungsgabe und der damit zusammenhängende individuelle Geschmack. Der wiederhallende Vorwurf, „Mr. Nobody“ würde auf seinem anspruchsvollen Philosophieplateau versagen, weil er diese Thematik nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Tiefendurchleuchtung verarbeitet, ist von vornherein schon nicht gerechtfertigt, da Regisseur und Autor Jaco van Dormael zu keiner Zeit den Anspruch hegt, hier eine weitreichende Abhandlung über die Existenzbedeutung des Individuums mit essentiellen Mehrwert abzuliefern. Genauso wenig nachvollziehbar ist die Argumentation, „Mr. Nobody“ für seine aseptische Optik anzukreiden.

Hat man nun das Glück und kann sich gänzlich auf „Mr. Nobody“ einlassen, so wird einem eine zuckersüße Sentimentalitätenbombe par excellence geboten. Darf man jedoch nicht Teil dieses unmethodischen Hochgefühls werden, bleibt auch das Herz über die gesamte Dauer verschlossen und die Geschichte rundum Nemo, den folgenschweren Entscheidungen seines Lebens, wissenschaftlichen Bezugspunkten und großen Mengen an zwischenmenschlichen Implosionen und Explosionen, entpuppt sich nur als klebriges „Was wäre wenn“-Prinzip, das jegliche Segmente aus allen kinematographischen Himmelsrichtungen zusammenkratzt und sich in seinen nährwertlosen Zuckerwattemantel einkuschelt. Der emotionale Einklang zwischen der Illusion und dem Betrachter greift nicht ineinander, jede Anekdote gleicht schwammigen Pseudo(Intellektualität) und die 160 Minuten verstreichen zwar schmerzlos, dafür aber immer wieder mit einem gewissen Bruchteil an unfreiwilliger Komik und konzipierter Leere, die den Gesamteindruck einfach in die Bedeutungslosigkeit lenken, so lebensbejahend und schön die (Liebes-)Botschaft unter dem überladenden Durcheinander auch sein mag.

21 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 13 Antworten

SoulReaver

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Wie sieht's eigentlich mal aus mit BoB? Nimm dir mal Zeit, ich warte nur auf Dich!


phoenix409

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Ich weiß, ich komm grad nicht dazu, sorry... fang lieber mal an, sonst wird das nie was!


Medienjournal: Medienjournal-Blog.de

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10.0Lieblingsfilm

[...] Mr. Nobody ist ein filmisches Meisterwerk! Ein Kleinod, ein Juwel, das die Möglichkeiten des Mediums bis aufs Äußerste ausnutzt, ja strapaziert, und den Zuschauer in eine beispiellos verworrene, genial konstruierte Gedankenwelt entführt. Mr. Nobody erzählt weniger die Geschichte von Nemo Nobody, sondern vielmehr vom Wesen der Zeit und des Universums, dem Prinzip seiner Ausdehnung – der Entropie – und der Schicksalhaftigkeit unumkehrbarer Entscheidungen. [...]

Kritik im Original 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Mr.Film: City of Cinema

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6.0Ganz gut

Wenn ich das tue, geschieht das, wenn ich dies tue, geschieht dies. Jaja, kann man sich doch in etwa denken. Was einem hier begegnet, sind einfach alle Lebenswege die "Mr. Nobody" durchgeht, die er theoretisch und irgendwie doch nicht theoretisch durchgeht. Und die meisten der kleinen Geschichten sind wirklich lahm. Weiss nicht was da jetzt so besonders dran sein soll, aber ich spürte alleine den unnötigen, viel zu überzogenen Kitsch, den man durch mehr Story hätte ersetzen sollen. Klar, der Film will dir zeigen, dass du deine Entscheidungen im Leben gut treffen solltest, aber das hätte mir auch ein 10 minütiger Clip erzählen können. Genauso gut. Nein, deshalb vergebe ich die, meiner Meinung nach immer noch sehr großzügigen, 6 Punkte nicht nur. Das Design war schick. Die immer wieder switchenden Storyfähden fand ich sehr schön, war man mal von einer Geschichte von "Mr.Nobody" gelangweilt, kam eine andere mit etwas mehr Pepp. Der Film will komplex sein, was er in meinen Augen aber wirklich nicht ist. Abgesehen von den netten Spielereien die hier eingebaut werden, kann mich der Film nur mäßig unterhalten. Doch Jared Leto war einfach so grandios, schauspielern kann er.
Und dann will Regisseur Jaco Van Dormael auch noch mit seinem physikalischem Wissen glänzen. Immer wieder begegnen einem seine Theorien über das unerklärliche Universum und die Planeten, die Zeit, den Raum, und natürlich den Butterfly Effect. Ist interessant gestaltet worden, ist auch nett verpackt worden, aber viel neues habe ich nicht zu hören bekommen.
Einnehmend fande ich jedoch die Szene, in der sich Nemo(Mr. Nobody), entscheiden musste mit wem er mitgeht. Mutter oder Vater. Das ist eine der wohl wichtigsten Entscheidungen im Leben. Und genau diese Entscheidung musste ich auch schon treffen. Was wäre wenn...? Ja klar interissiert es mich was passiert wäre wenn ich eine andere Entscheidung getroffen hätte, aber ich lebe lieber in der Gegenwart, als in der Vergangenheit.

21 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

Mr.Film

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Emotional hat er mich auch nicht so berührt wie so manch anderen. Leider :/


PaJeRo

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"Ja klar interissiert es mich was passiert wäre wenn ich eine andere Entscheidung getroffen hätte, aber ich lebe lieber in der Gegenwart, als in der Vergangenheit. " - an sich der absolute Standardspruch, aber in diesem Falle passt er einfach!


fko: filmsprung.ch fko: filmsprung.ch

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9.0Herausragend

In seinem schwelgerischen Drama erzählt der belgische Regisseur und Drehbuchautor Jaco Van Dormael («Le huitième jour») von der Kraft des Zufalls, durch die sich der Pfad des Lebens dauernd im Bewegung befindet. Virtuos und leidenschaftlich beschreibt Van Dormael die unterschiedlichen Entwürfe, die durch diese unendlichen Möglichkeiten entstehen.

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Flibbo: Wie ist der Film?

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10.0Herausragend

„Mr. Nobody“ ist der existenzialistische Overkill, kräftige Rundumpenetration und gleichzeitig Massage für das Gehirn, die Königin aller „Was wäre wenn?“-Fragen, fast mehr eine spirituelle Erfahrung als ein Film. Ein großes Puzzle, dessen Ausmaß man sich erst nach und nach bewusst wird, das sich dann allmählich zusammensetzt, um schließlich doch wieder auf ewig in Einzelteilen herum zu schweben. Die abartige Mühe, mit der die vor Einfällen nur so sprühende Inszenierung komponiert wurde, zwingt einen in die Knie. Kein Grund, sich dagegen zu wehren; das ist die große Freiheit der Filmkunst, voll ausgekostet. Das Publikum hat das Bedürfnis, den Kreis sich schließen zu sehen, doch „Mr. Nobody“ muss das nicht und ist trotzdem ein Meisterwerk, denn so ist das Leben, so ist Philosophie. [...]

Kritik im Original 20 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 5 Antworten

Flibbo

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Hm? Ich antworte Moviefan21, dass „Mr. Nobody“ vermutlich einzig wegen einer fehlenden Marketingkampagne inklusive halbwegs günstiger Kinoauswertung bei den Oscars gänzlich ungeachtet blieb. Ich sehe gerade: Scheinbar kam er in den USA nie ins Kino, damit war er dann automatisch raus.


LaVitaBellaAnna

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Kommentar von ganz oben: Du hast Recht Philipp. Gerade gesehen, herausragend. ;)


H.-U. Pönack: Deutschlandradio H.-U. Pönack: Deutschlandradio

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8.0Ausgezeichnet

"Das Leben ist voller Löcher, voll sinnloser Szenen und zufälliger Entscheidungen, und es bewegt sich unausweichlich auf den Tod zu. Das macht es so schön", erläutert Jaco van Dormael im Presseheft. Und hinterlässt einen rätselhaften, ironischen, angenehm intelligenten wie geistreich-surrealen Sinn- und Such-Film. Mit viel atmosphärischem Zeit- und intensivem farblichem Personen-Symbol-Geschmack wie Rot-Blau-Gelb-Weiß als virtuose visuelle Identitätsbeschreibung. (...) [Jared Leto] bietet eine grandiose Verwandlungsfähigkeit und packende Charaktertiefe. Eine vorzügliche Darstellung. In einem wunderbaren Erlebnis-Movie: "Mr. Nobody", das sind wir alle. Jeder von uns, wo und wie immer auch tickend.

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Blade-Maiden

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Klingt nach einem Film, den ich unbedingt sehen muss. Und das wird gleich erledigt :)


Khitos: Kälte Reich

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8.5Ausgezeichnet

Was soll man noch zu diesem Film sagen. Eine schier unglaubliche, verwirrende, komplizierte Geschichte wird erzählt, die am Ende eine umso einfachere Erklärung besitzt. Als störend empfand ich lediglich, dass es vielleicht sogar etwas zu lang geraten ist, wobei ich vollkommen verstehen kann, warum das so ist. Es wird einfach viel erzählt und es hätte bei weitem mehr erzählt werden können.
Mr. Nobody ist originell, erfrischend, je nach Sichtweise zu kurz oder zu lang geraten und auf jeden Fall interessant. Es regt zum Nachdenken über das eigene Leben an, besitzt die Kraft so viele identifizierbare Aspekte zu finden und dabei so weltfremd zu sein. Es erzählt vom Leben und spiegelt es auch gekonnt wider, in visueller, auditiver und erzählerischer Sicht. Wenn man die erste Hälfte des Films – oder darüber hinaus – nicht versteht, dann macht das auch nichts. Mr. Nobody unterhält auch so durch Witz, Charme und Ulk. Eines sollte jedenfalls sicher feststehen: Die Entscheidung diesen Film zu sehen.

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Maren Keller: Spiegel Online Maren Keller: Spiegel Online

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8.5Ausgezeichnet

Regisseur Jaco Van Dormael versucht gar nicht erst, einzelne Episoden als Erinnerungen oder Flash Forwards oder Gedankenspiele zu kennzeichnen. Alle stehen gleichberechtigt nebeneinander: als Möglichkeiten eines Lebens, die es alle verdient hätten, gelebt zu werden. Wahnsinn und Widersprüche fügen sich zu einer grandiosen Illustration des Gefühls innerer Zerrissenheit. [...] Sieben Jahre, sagt Van Dormael, habe er an dem Drehbuch geschrieben, jeden Tag von zehn Uhr morgens bis nachmittags um halb vier. In einem anderen möglichen Leben hätte er in diesen sieben Jahren vielleicht zwei oder drei oder mehr Filme aus dem Stoff gemacht. Das wäre gut gewesen, weil weniger anstrengend. Und weil er mehr Gedanken und Geschichten hätte auserzählen können. Andererseits wäre es auch schade gewesen. Denn Van Dormaels Werk ist zwar eine Zumutung, aber eine kluge und faszinierende Zumutung.

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Thomas Engel: programmkino.de Thomas Engel: programmkino.de

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9.0Herausragend

Unzählige imaginäre und reale Situationen sind gegeben, kunstvoll miteinander verschachtelt, ebenso faszinierend wie verwirrend. Eine Spielerei, aber auf beachtlichem Niveau. Dem Regisseur ist hier ein Kino-Opus-Magnum gelungen mit verblüffenden Schnittfolgen und Darstellern jeden Alters (Jared Leto, Diane Krüger, Rhys Ifans, Juno Temple, Toby Regbo – letzterer besonders gut), die ihre Sache bestens machen.
Was für ein filmischer Gegensatz zu zahllosen simplen und flachen TV-Spielchen!
Für echte Kinofans ein Genuss.

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G. H. Jekubzik: programmkino.de G. H. Jekubzik: programmkino.de

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8.5Ausgezeichnet

„Mr. Nobody“ berauscht, ja: überflutet mit der Bildgewalt seiner Welt und seiner Erzählraffinesse. Diese Welt erinnert mal an „12 Monkeys“, zitiert „2001“, verirrt sich scheinbar unwiderruflich in Parallelleben wie in Alejandro Amenábar „Abre los ojos“. Doch van Dormaels neuestes Meisterwerk begeistert nicht nur durch die Dichte der Idee und Bilder, durch einen eindrucksvollen Cast oder den ebenso leichten, wie treffenden Pop-Soundtrack. Nicht nur wegen seiner grandiosen Ausstattungsdetails wie den immer wechselnde Familien-Fotos und den technischen Spielereien wie der tatsächlich „fliegenden“ Kamera. „Mr. Nobody“ erzählt eine ganz große, bis zum letzten Moment mehr und mehr mitreißende Liebesgeschichte.

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Cristina Moles Kaupp: fluter Cristina Moles Kaupp: fluter

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5.0Geht so

Leider giert hier jede Idee rastlos nach neuen Assoziation und Bildwerdung. Manche sind zweifellos so bestechend, dass man aus dem Staunen kaum herausfindet. Zunächst. Denn je länger Mr. Nobody in seinen Erinnerungen kramt, desto kruder wird der Film. Die Episoden verfransen und der intelligente Anspruch, mit dem Jaco Van Dormael sein Publikum zu packen versucht, entpuppt sich rasch als Effekthascherei. Vom spannenden Ansatz, über Zufälligkeiten im Leben und die Richtigkeit von Entscheidungen zu sinnieren, bleibt wenig haften. Allenfalls die Erinnerung an die eine oder andere fantastische Bildidee und ein gekonnt inszeniertes Surfen über alle Filmgenres.

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J4KOB

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autsch


Karl Hafner: Der Tagesspiegel Karl Hafner: Der Tagesspiegel

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7.0Sehenswert

Visuell ist Mr. Nobody extrem beeindruckend. Beinahe ein Wunder ist es jedoch, dass der Zuschauer bei all diesen Fragmenten, Verweisen, Assoziationen und Wendungen den Überblick behält, wobei das konkrete Verstehen gar nicht so wichtig ist. Der Film ist traurig und lustig, melancholisch und kitschig, enervierend und unterhaltend, nichts oder alles.

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P. Bühler: Berliner Zeitung, fluter P. Bühler: Berliner Zeitung, fluter

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5.0Geht so

Jedes Bild des Films glänzt als ästhetisches Wunderwerk; jeder Schnitt, jede musikalische Überleitung sitzt perfekt. Dass sich aus dem gedanklichen Chaos kein kohärentes Ganzes herausschält, wäre der falscheste Vorwurf. [...] Was diesem Film fehlt, ist nicht der Sinn, sondern eine Haltung. Pathetisch gesprochen fehlt ihm die Seele. "Mr. Nobody" bebildert ein todernstes Gedankenspiel um alles und nichts. Dass Nemo nie wirklich Mensch wird und bloße Abstraktion bleibt, taugt nicht mal als kalte Analyse. Und so hält man sich an die kleinen Glücksmomente, von denen es in diesem visuell so prachtvollen Film immerhin genügend gibt.

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Gebhard Hölzl : br-online Gebhard Hölzl : br-online

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7.0Sehenswert

"Mr. Nobody" ist ein Film wie ein Abenteuerspielplatz, ein Imaginarium, wie es sich Terry Gilliam oder die Monty Pythons nicht verrückter hätten erträumen können. Genau da liegt aber auch die einzige Schwäche der Arbeit: Van Dormael will zu viel. Es fehlt trotz des hervorragend aufspielenden Jared Leto als Nemo das emotionale Zentrum, der Punkt, an dem der Zuschauer sich ausruhen und zur Besinnung kommen kann. Aber eins ist sicher: Langweilen wird sich hier niemand.

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Dirk Lüneberg: Stadtmagazin [030], film.de...

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7.0Sehenswert

Filme dreht Jaco van Dormael nur sporadisch, wenn er grade einmal nicht am Theater inszeniert. Doch wenn dann mal wieder ein filmisches Werk entsteht, heimst der belgische Regisseur damit regelmäßig in ganz Europa Preise ein. Nach „Toto, der Held“ und „Der achte Tag“ in den 1990ern kommt mit „Mr. Nobody“ nun erst van Dormaels dritter Film in die Kinos.
Seinem guten Ruf als ambitionierter Filmemacher, den er mit seinem neuen Werk einmal mehr eindrucksvoll untermauert, ist wohl auch die hochkarätige Besetzung zu verdanken, die er vor der Kamera versammelt hat. Neben dem US-Amerikaner Jared Leto („Alexander“) in der Hauptrolle, sind die Kanadierin Sarah Polley („Splice“), der Brite Rhys Ifans („Notting Hill“) sowie die Deutsche Diane Kruger zu sehen. Dass ihm all diese Talente zur Verfügung standen, dürfte auch dem Drehbuch zu verdanken sein, das van Dormael selbst verfasst hat. Darin beschäftigt er sich mit der Frage, ob unser Leben vom Zufall abhängt oder ob der Mensch selbst es planen kann?

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José Garcia: Textezumfilm

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7.5Sehenswert

In „Mr. Nobody“ sind Wirklichkeit und Fantasie kaum zu trennen Dies wird besonders deutlich in der Mars-Episode, bei der Nemo als Weltraumtourist eine Reise zum Mars unternimmt, um dort die Asche seiner Frau aus einer Urne zu verstreuen, wie er es ihr in seiner Jugend versprochen hatte. Oder ist dies lediglich Teil eines Science-Fiction-Romans, den der 16-jährige Nemo auf einer alten Schreibmaschine tippt? Vielleicht war doch die in drei unterschiedlichen Varianten erzählte Lebensgeschichte lediglich die Fantasiewelt eines Neunjährigen, so der Greise selbst, der sich bei der Trennung seiner Eltern nicht für den einen oder den anderen entscheiden kann, und die unmögliche Wahl für die beiden Elternteile trifft.

Trotz der allzu deutlichen Zitate, die insbesondere in der Mars-Episode irritierend wirken, weil Jaco van Dormael eine mit Wong Kar-wais „2046“ verwandte Geschichte in ähnlichen Bildern erzählt und mit genau derselben Musik („Casta Diva“ aus Vincenzo Bellinis „Norma“) unterlegt, trotz eines überfrachteten Drehbuchs, das mühelos Stoff für gleich mehrere Spielfilme geliefert hätte, überzeugt „Mr. Nobody“ nicht nur durch seine betörenden Bilder und seine bestechende Kameraführung, seine hervorragende Ausstattung und eine immer adäquate Filmmusik, sondern auch durch seine Grundaussage von der entscheidenden Wirkung kleiner Entscheidungen im Laufe eines Lebens.

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Kommentare (220) — Film: Mr. Nobody


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Viedeoverleihtante83

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Dieser Film ist nicht für jeden Geschmack, schon mal vorweg. Menschen, die "Cloud Atlas" oder "Donnie Darko" oder aber auch "The Fountain" für spannungslos und verwirrend halten, werden hier eines "guten" Filmes nicht fündig.

Jeder, der Zeitsprünge liebt und viele Geschichten in einer, die sich überkreuzen und überschneiden und zusammen ein unglaubliches Abenteuer in Zeit und Raum formen, der wird diesen Film lieben! Es steckt jede Menge philosophisches Material im Film, der Zuschauer wird mittels eines Moderator (Protagonist) mit der Materie vertraut gemacht.

Es ist ein Fantasyabenteuer mit der wohl für viele Menschen wichtigen Frage: "Was wäre wenn ich mich anders entschieden hätte?" Der Film setzt den Spruch: "Du bist nur so viel wert, wie deine letzte Entscheidung" matt und zeigt auf, dass jede Entscheidung die richtige und gleichzeitig auch die falsche wäre.

Sowohl der Filmschnitt als auch die Kameraperspektiven sind gut durchdacht. Die Schnitte im Film sind so gesetzt, dass man immer wieder in eine andere Geschichte geworfen wird, ohne jedoch die alte aus den Augen zu verlieren. Bei den Kameraperspektiven setzt der Regisseur auf Detailreichtum um dem Zuschauer die Welt des Protagonisten näher zu bringen. Man fühlt sich selbst oft wie ein Teil davon.

Ich persönlich gebe dem Film eine 10, da ich lange nach etwas vergleichbarem gesucht habe. Ich fand immer schon, dass man aus dem Film "Butterflyeffekt" etwas erschaffen könnte, dass nicht der Massenerwartung entspricht. Diesem Film ist es gelungen und er hat meine Erwartungen weitaus übertroffen.

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Mac_C_Tiro

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Bewertung4.0Uninteressant

Hm... ein komisches Ding ist dieser Film. Ich denke "Mr. Nobody" muß, ähnlich seiner obskuren Handlung, aus unterschiedlicher Sicht und bei wechselnder Basis bewertet werden.

Mr. Nobody, der Künstler: Ein allegorischer Bilderreigen voller perfekt strukturierter Symbolik mit einer sorgsam abgestimmten Kameraführung und umrahmt durch einen erfrischend abwechslungsreichen Soundtrack. 9 Punkte

Mr. Nobody, der Philosoph bzw. der Botschafter: Versatzstücke verschiedener philosophischer Schulen, erkenntnistheoretischer Modelle und Science- Fiction-Elemente, vermischt mit absurden Einflüssen aus Esotherik und völlig ohne jede Spur von Logik. Der Film sagt im Grunde überhaupt nichts aus da er ein Gedankenexperiment ohne reale Folgen suggeriert. 2 Punkte

Mr. Nobody, der Unterhalter: Solider Cast der sich, ganz besonders im Falle Leto, wirklich bemüht ein glaubwürdiges Spiel zu liefern, all zu oft aber leider an der Banalität und der Emotionslosigkeit des Drehbuchs bzw. an den arg kitschigen Dialogen scheitern. 3 Punkte

9+2+3= 14/3= 4

Mich persönlich hat der Film enttäuscht, aber ich wußte mit "Tree of Life" welcher ähnliche philosophische Banalitäten präsentiert ja auch nichts anzufangen.

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sachsenkrieger

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Mag es sein, wie es sein mag. Ob es nun um das Kleinfeld´sche Paradoxon, den Maulwurfs-Effekt oder die Stringtanga-Theorie geht. Wunderschöne Bildern, sensationelle Kamera, geniale Ideen, tolle Musik und philosophische Ansätze zu allem, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt ..... oder auch nicht ..... oder vielleicht ..... wenn ich es jetzt tue ..... oder nicht tue.

Nichts für Leute, die gerne oder weil sie nichts besseres kennen oder wollen, in der Welt leben, für die Nemo (fantastisch, Jared Leto!) sich glücklicherweise letztendlich nicht entscheidet.

GOOD NIGHT AND GOOD LUCK!

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TheCineast

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein Film über Fragen, über Entscheidungen, bei der jede mögliche Antwort ein anderes Ziel und gar eine andere filmtechnische Darstellung hat. Einmal ist die Kamera losgelöst, einmal zeigt sie nichts scharf, außer den Entscheider, einmal ist sie im Geschehen. Einmal ist alles rötlich, dann wieder klar. Alles ist unglaublich aufwendig aus den verschiedensten Perspektiven und Einstellungen gefilmt und zusammengesetzt. Es gibt unglaublich geniale Szenen –vor allem jene ohne nachträglich Effekte– á la "Eternal Sunshine", die einfach onset mit genialen Ideen aufgenommen wurden (wie die Spiegelszene). Auch der Schnitt hat eine eigene Schönheit, die irgendwie sehr speziell ist (positiv). Alles scheint wichtig.
Inhaltlich bekommt man eigentlich 3 verschiedene Liebesgeschichten vorgesetzt. Innerhalb welcher es wiederum verschiedene mögliche Ereignisse gibt. Es geht also hauptsächlich um den butterfly effect und möglich(st)e Konsequenzen.
Und dennoch: Was stört ist die (wieder einmal) -wenn doch, im Vergleich zu anderen Filmen, intensiver präsentiere- immer noch zu sehr an-(oder ab)geschnittene Philosophie, explizit: die des Existentialismus. Wohl bedingt durch die gewünschte Zuschauerzahl oder den Horizont des Filmemachers. Noch mehr stört allerdings der Erklärbär-Faktor der zwischenzeitlich immer wieder eintritt erhält und spricht: "Hier du Depp, das ist soundso, weil soundso." oder nur durch Schnitte/Sequenzen, etc. aufzeigt: "Das gehört dazu und das wäre soundso, wenn dasunddas". Wäre einiges offener gehalten, hätte der Film noch mehr Sympathiepunkte bei mir sammeln können. Und auch wenn die stilistischen Unterschiede der diversen Entscheidungen in einer klaren Linie unterschiedlich sind, übertreibt der Film es an einigen Stellen. Was Abrams die Lens Flares und das Rot und Blau, scheint van Dormael die Unschärfe oder das Tilft Shift- Objektiv.
Aber alles in allem bleibt es erzählerisch, filmtechnisch und visuell ein extrem guter Film mit mehr philosophischen Gedankengängen als man es von erfolgreichen Filmen erwarten kann!

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moep0r

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Bewertung9.0Herausragend

Sehr intelligenter und interessanter Film ueber Entscheidungen. Oder wie man diese eben nicht trifft.

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Revolvermann

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Bewertung9.0Herausragend

Wow, ich bin gerade noch ein wenig "brainfucked" oder so. Fest steht jetzt schon, dass ich den Film, noch(ein)mal sehen werden muss, da ich glaube dass ich erst dann viele Aspekte besser verstehen/entdecken werde.

Als ich den Film zu schauen begann, war ich zunächst noch skeptisch. Die Handlung fand ich zunächst recht absurd und mir kam es so vor, als ob der Film sich unnötig in die Länge ziehen würde. Das mag daran liegen, dass er sich die Zeit nimmt in bildgewaltiger Sprache sehr viel Information zuvermitteln. Im nachhinein macht das auf jeden Fall Sinn, da man (ich) bei einem höheren Erzähltempo gar nichts mehr rallen würde. Dass der Film gefühlt mindesten 3 1/2 h statt der 2 h lief bleibt dennoch, allerdings ohne negativen Beigeschmack.

Mr. Nobody wird mir wohl noch etwas Stoff zum Nachdenken geben. Wer kennt nicht diese Momente, in denen man sich selbst vorstellt, was alles anders hätte kommen können. In Sekunden sieht man ein ganzes Leben vorbei ziehen (zwar nicht so detailliert wie im Film, vielleicht eher so wie Nemos Aufzählung auf dem Moped) oder über das eigene Revue passieren lässt, sich fragt was hätte man anders machen können. Vielleicht wünscht man sich auch, mit einem Fingerschippen an einen Zeitpunkt seiner Wahl zurück gebracht zu werden, um ein kleines Hebelchen auf die andere Seite zu legen. Ähnlich wie auch schon im "Butterflyeffekt" (der hier ja auch Erwähung findet), wobei der bei weitem nicht so berühren kann wie "Mr. Nobody".

Wie auch immer. Toller Film!

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Heimacker

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Bewertung1.5Ärgerlich

Über Kunst lässt sich nicht streiten. Dieser Film ist zweifellos Kunst. Ich habe ihn im ausgeschlafenen Zustand gesehen, ohne Alkohol und auch nichts geraucht! Wenn ich es recht verstanden habe, geht es um Entscheidungen und die Konsequenzen daraus. Über mehr als zwei Sunden lang!!! Wie ein Fußballspiel mit Verlängerung. Aber ohne Elfmeterschießen - dafür war die Zeit zu kurz. Erst dachte ich: Oh, Little Big Man oder The Green Mile als Remakes. Dort fabulieren auch Methusalems in der Rahmenhandlung. Falsch gedacht. Einem Nonsens-Vortrag in Theoretischer Physik, der später wiederholt wurde, folgten Erste-Liebe-Schmonzetten auf Nora-Roberts-Niveau. Dann hat der Regisseur in Gleichnissen künstlerisch geschwelgt und Bilder erschaffen, da wird selbst die Bibel blass. Kurz und gut: Arnold Schönbergs Zwölf-Ton-Musik, Picassos Malerei und Konwitschnys Regietheater sind - nur, um ein paar Beispiele zu nennen - inklusive dieses Filmes Kunst. Aber mir erschließt sich diese nicht. Für mich ist es gequirlte Zeitverschwendung. Wäre ich bloß in die Kneipe gegangen, hätte Alkohol getrunken und dann noch was geraucht. Ich könnte wenigstens gut schlafen!

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der.osterhase

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Nicht nur das. Dann hätten Sie - vielleicht - nicht auf das Elfmeterschießen gewartet und festgestellt, dass das Spiel selbst - wenn man sich dafür entscheiden kann - der interessanteste Teil ist. Aber genau darum geht es ja: erkennen, was [r/w]ichtig ist, das darf und kann man selbst entscheiden.


Heimacker

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Aber wer weiß das vorher schon?! Und vor alledem: Wer will das vorher schon wissen? Und, wem nützt es? Fragen über Fragen!


Schellbyville

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Bewertung10.0Herausragend

Da führt man eine Ewigkeit ein Leben als Moviepilot-Parasit, liest hier und da mit, holt sich Anregungen aber ohne die Absicht selber etwas beizutragen – und dann plötzlich passiert es doch. Einfach so, ohne Vorankündigung, mitten in der Nacht legen sich mir diese Worte in den Mund. Warum? Warum ausgerechnet dieser Film? Egal, tut ja auch nichts zur Sache.

Der Mensch – ein rationales und emotionales Wesen.
Der rationale Mensch
Der Wissenschaftler. Hinter allen Dingen steckt eine Ursache und wenn er nur genau genug hinschaut, dann findet er die Antwort auf alle Fragen die er sich stellt. Damit kann er die Welt erklären und sie sich zu Eigen machen. Er weiß alles und kann die komplexesten Strukturen analysieren. Er lässt Menschen fliegen, heilt Krankheiten, sagt ein Unwetter vorher noch bevor es passiert ist, usw.
Der rationale Mensch in uns sorgt dafür, dass wir vor dem Einkauf eine Liste machen, Preise vergleichen, abwägen ob wir die günstigsten Eier oder die von freilaufenden Hühnern kaufen. Sinnbild ist ein der alte, weise Mann – der in seinem Leben alles was es zu sehen gibt schon gesehen hat.

Der emotionale Mensch
Das Kind. Die Welt ist ihm fremd. Naiv, unvoreingenommen und neugierig tritt es der Welt gegenüber. Es will alles „begreifen“, sowohl im Sinne von anfassen als auch von verstehen. Es steht all den Dingen die wir nicht erklären können staunend gegenüber.
Dem emotionalen Menschen in uns eröffnet sich eine Welt die über das rationale hinaus geht. Die Kunst (könnte man die Mona Lisa erklären würde jedes neu gemalte Bild nach demselben Prinzip gemalt werden und damit wären aber alle völlig wertlos), die Liebe, die Angst vor winzigen völlig harmlosen Spinnen, usw.
Er stellt keine Fragen. Er schwimmt nicht, er lässt sich einfach so von der Strömung treiben.

Mr. Nobody
Nemo, das Kind, steht am Bahnsteig und muss sich zwischen Mutter und Vater entscheiden. Kopf oder Zahl. Er ist aber ein besonderes Kind. Er kennt die Zukunft, ist allwissend. Wie bei einem Baumdiagramm in der Wahrscheinlichkeitsrechnung existieren für ihn einfach beide Varianten, Kopf UND Zahl - Mutter UND Vater. Er kann sich nicht entscheiden W E I L er N I C H T weiß was alles passieren wird und so entwickelt er vor seinen Augen immer neue Äste des Baumdiagramms, hypothetische Leben die er führen wird.
Dieses „Baumdiagramm“ hat zwei ambivalente Eigenschaften. Es ist ein Paradoxon:
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, da jede Entscheidung, jede Kleinigkeit, jede Sekunde eine Vielzahl von verschiedenen Auswirkungen hat.
Es ist doch endlich. Jeder Ast endet einmal. Auch in hypothetischen Leben wird Nemo irgendwann einmal sterben.
Nemo, der Greis, liegt auf dem Sterbebett und muss sich zwischen einem Leben mit drei Frauen entscheiden und damit in letzter Konsequenz immer noch zwischen Vater und Mutter auf dem Bahnsteig. Er kann sich nicht entscheiden W E I L er weiß was alles passieren wird. Er verkörpert die immer weiter aufgeschobene Entscheidung. Aber irgendwann wird auch er sterben. Dann sind alle Äste erforscht und es gibt keine neue Abzweigung mehr. Die Entscheidung muss getroffen werden, so oder so.
Als Kind würde er gerne der weise alte Mann sein, um mehr Informationen als Grundlage für seine Entscheidung zu haben. Als alter Mann wäre er doch gerne Kind und würde sich lieber einfach treiben lassen und die Entscheidung dem Schicksal überlassen. Ein weiteres Paradoxon. Das Kind ist aufgrund seiner Fähigkeit gleichzeitig ein weiser Greis. Und dieser ist, eben dadurch dass er alles kennt, ein orientierungsloses, hilfloses Kind. Sie sind eins.

Im Film kommt nun das Blatt ins Spiel. Wie lässt sich diese Schlüsselszene deuten? Die Antwort kann nur lauten: auf beide, ambivalente Weisen.
Denn, auch wenn uns die dritte Möglichkeit (das Davonlaufen) erst gegen Ende offenbart wird, so war sie für Nemo doch bereits von Anfang an da, ebenso wie noch viele weitere. Er könnte ja auch in eine andere Richtung rennen oder ein anderes Blatt nehmen. Wir können also einerseits annehmen, dass Nemo diesen Weg des Blattes ebenfalls schon durchgedacht hat und rational aus allen Wegen den für ihn richtigen ausgewählt hat. Er läuft davon, weil er weiß, dass dieser ihn schließlich Jahre später zu Anna führen wird.
Gleichzeitig kann es aber auch so gedeutet werden, dass Nemo bewusst den Prozess des in die Zukunft Schauens abbricht. Das Blatt steht dann dafür, dass er nicht die Folgen seiner Tat kennen will. Er lässt sich ins Leben fallen und von ihm treiben wie das Blatt in Wind. Er überlässt sich dem Schicksal.

Über diese Frage hinaus sieht sich der Zuschauer in gewisser Weise auch einer ähnlichen Situation ausgesetzt wie Nemo am Bahnsteig. Versuche ich das Rätsel des Films zu lösen? Oder lehne ich mich einfach zurück und genieße was mir geboten wird?
Ich kann mich nicht entscheiden. Und genau das fasziniert mich, beschäftigt mich Monate über den Film hinaus. Aber jetzt wo ich meinen Text nochmal Revue passieren lasse fällt mir auf:
Ich habe mich ja schon längst entschieden: „Sowohl als auch“ und „weder noch“, eben für beide Wege. Für alle Wege.

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iasmin

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Ein fabelhafter Text. Danke.


Aleksi

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Hä?

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MissRager

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Bewertung7.0Sehenswert

Ich fand den Film mehr als nur gut. Er lieferte wunderschöne Bilder und die Musik hat sehr gut gepasst. Trotz der Absicht des Regisseurs, die Geschehnisse durcheinander zu zeigen und zu wiederholen, schließt sich am Ende der Kreis und man versteht sehr gut, worum es eigentlich die ganze Zeit geht.
Mit Jared Leto, der eigentlich nicht zu meinen Lieblingsdarstellern gehoert, hat man sich genau den richtigen Schauspieler ausgesucht, der die Rolle des Nemo überzeugend und mitreißend rüber bringt.
Ein wirklich sehr schöner Film, der mich am Ende leider nicht so sehr berührt hat, wie erhofft.

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Tim Kleine

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Einfach ein super Soundtrack zum Film :)

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THE_DREAM

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein Film, der mehr Weisheit in sich trägt, als man ihm anfangs zugestehen möchte.

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Brainybab

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ich hatte nicht erwartet, dass mir Mr. Nobody gefallen würde. Denn normalerweise ist das Leben mitunter diffus genug, so dass ich im Film Klarheit und Eindeutigkeit bevorzuge. Dieser Film allerdings hat mich überzeugt:
Glänzende Darsteller, traumhaft schöne Bilder, ausgezeichnet eingesetzte und gestaltete Grafikelemente, hervorragend ausgewählte Musik und glänzende Schauspieler ... das Ganze gepaart mit Rückblenden, die sogar ich zuordnen und verstehen kann ohne Sekundärliteratur heranziehen zu müssen.
Ein wunderbares Film-Erlebnis, bei dem ich von der ersten bis zur letzten Minute vollkommen im Bann des Films gefangen war.

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*frenzy_punk<3

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Bewertung7.5Sehenswert

"Mr. Nobody", bildgewaltiges, musikalisches Meisterwerk mit philosophischen Anekdoten und einem brillanten Hauptdarsteller.

Jaco Van Dormael führt uns durch eine fantasiereiche Geschichte und schmückt diese mit philosophischen Weisheiten. Hier bekommt man die "Was wäre wenn?"-Frage gestellt und so geleitet uns Dormaels Protagonist durch drei seiner Lebenswege, wie sie hätten sein können, wenn er diese oder jene Entscheidung getroffen hätte.
Ganz schön verwirrend, der Zuschauer blickt irgendwann nicht mehr richtig durch und bekommt schwindelerregende Gefühle.
Jared Leto spielt brillant. Auch als alter Mann macht er eine tolle Figur und bringt dem Zuseher die Emotionen nahe.
Pierre Van Dormael, der Bruder von Jaco, sorgt für die unglaubliche musikalische Genialität, die das Szenenbild perfekt unterstreicht.
Christophe Beaucarne schenkte uns zauberhafte Aufnahmen, die wirklich was fürs Auge sind und schier meisterhaft zur Musik passen.

Der Cast ist einmalig, die Musik grandios und die Bilder gigantisch, dennoch fehlt "Mr. Nobody" noch etwas. Der Mittelteil ist etwas zu gedehnt, zumindest empfand ich es beim ersten Mal so. Alleine macht der Film keinen so großen Spaß, denn in Gesellschaft kann man gedehnte Szenen mit Interpretationen füllen.

"Mr. Nobody", sehenswerter Philosophierausch, der einem zum Grübeln bringt.

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AddictedToIan

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wollte ich auch schon ewig sehen! bei dem kommentar kann ich gar nicht anders, als ihn mir endlich auszuleihen.


*frenzy_punk<3

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na dann mal ran :)


ReMigius

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Bewertung9.5Herausragend

Auch für mich ist dieser Film einer der Kategorie "Lieb mich" oder "Hass mich". Ich kann jeden verstehen, der den Film als langatmige Aneinanderreihung und Verschachtelung von langweiligen Einzelsequenzen sieht. Aber er regt sehr zum Nachdenken an. Von den Kameraschnitten erinnert er mich an Filme wie "500 Days of Summer" oder "Cloud Atlas", vom Philosophischen am ehesten an "Der seltsame Fall des Benjamin Button". Wer alle drei genannten Filme mochte, wird diesen hier lieben. Ich persönlich fand letzteren eher langweilig - und mich hat "Mr. Nobody" trotzdem umgehauen. Nur am Schauspieler störe ich mich ein bisschen, irgendwie kann ich mich nicht wirklich mit ihm identifizieren. Aber vielleicht ist ja auch das so gewollt?

Fazit: Einer der Filme, die nach dem Abspann ein surreales Gefühl hinterlassen - und gerade deswegen ist er so gut!

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SherlockHobbit

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Bewertung9.5Herausragend

In Anbetracht der zahlreichen Kommentare bin ich unweigerlich zu einem Schluss gekommen: Endweder man findet den Film extrem nice - oder man hasst ihn. Nun, ich liebe den Film. Er gehört meiner Meinung nach zu den etwas anspruchsvolleren Filmen und Jared Leto in der Hauptrolle is eine geile Wahl!

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LeMovieKritiker

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Bewertung9.0Herausragend

Eigentlich hatte ich vor einen Film zu schauen der mein Gehirn an seine Grenzen bringt, am Schluss habe ich mehr erreicht als ich wollte. Mr. Nobody hat mir gefallen, obwohl ich ihn in ein paar Jahren nochmals sehen muss, um mehr zu verstehen.

Jared Leto ist grossartig und man ist so verloren wie er es manchmal ist, wenn auf einmal die Situation eine andere ist. Das Ende gibt eine neue Sicht auf die Dinge, enttäuscht aber kein bischen.

Diane Kruger ist gut, was mich überrascht hat, wer Inglourious Basterds gesehen hat, wird sich nur über sie genervt haben, aber ich mochte sie richtig.

Der einzige Grund nicht gleich 10 Punkte zu geben ist, dass für meine Verhältnisse etwas zu viel Drama dabei ist, die Sci-Fi-Story allein reicht, aber man hat dabei etwas Zeit verloren.

Irgendwann werde ich Mr. Nobody wieder sehen und mich erneut freuen und ihn bewundern, ich bin mir sicher, es gibt noch so viel zu entdecken.

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Frankie Dunn

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Bewertung5.0Geht so

Mr. Nobody, oder wie ich ihn nenne "Was, wenn Amelie die Capri-Sonne komplett ausgetrunken hätte", ist eine klebrig schmierige "was wäre wenn"-gute Laune-Nummer, der es leider ganz und gar nicht gelingt bei mir gute Laune zu erzeugen. Die Möglichkeiten des Mediums Film wurden hier definitiv intensiv beleuchtet und ausgenutzt, aber an der Grundidee hakt es. Die Hauptfigur und sein Leben sind uninteressant, die übergeordnete Auseinandersetzung mit der Welt und seinen charakteristischen Merkmalen, die der Mensch nicht in der Lage ist zu verstehen oder erklären, scheitert (logischerweise) daran, dass der Mensch nicht in der Lage ist sie zu verstehen oder zu erklären. Bleibt am Ende doch wieder nur Schicksal, Gott oder Chaos. Da hätte ich auch in die Kirche/Physikvorlesung/Kneipe gehen können. Der Hauptdarsteller hat großes Schauspieltalent, ist aber hier fehlbesetzt. Als "Nemo" ist er die Idealbesetzung. Ein äußerst fragiles Storykonzept mit einer Hauptfigur names Nemo mit entsprechenden Charaktereigenschaften und entsprechendem Darsteller zu versehen halte ich jedoch für absolut unpassend. Mr. Nobody ist Chaos Schicksal Gott. Belangloses Chaos. Die Geschichten um Herrn Niemand sind bestenfalls solide Liebeskitschkost. Durch die Verknüpfung und das multilineare Storylinekonzept werden sie interessanter oder weniger interessant. Je nachdem, ob es dem Film gelingt wenigstens die erforderliche Grundspannung zu erzeugen, die notwendig ist, damit der Zuschauer aufmerksam genug ist mitzukommen. Ich war zeitweise draußen, hatte geistig abgeschaltet. Das sollte man nie tun, aber ein Film muss auch Gründe dafür bieten aufmerksam zu bleiben. Mr. Nobody ist kein schlechter Film, aber gemessen an meinen Erwartungen und dem Anspruch des Films eine herbe Enttäuschung. Hätte wäre wenn hat noch nie zu guter Unterhaltung geführt. Wenn der Film irgendwelche Erkenntnisse bringt, dann dass man darauf verzichten sollte über die Welt und seine eigene jämmerliche Existenz in ihr nachzudenken. Auch als Drehbuchautor. 5.0

Ein weiser Mann sagte einmal: "Fuck it, Dude. Let's go bowling."

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Frankie Dunn

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eieiei Eine Frage, die ich einfach mal im Raum stehen lasse...:D

@brainchild Ja, absolut. Vermutlich auch noch stimmungsabhängig, sodass er mir beim zweiten Versuch (irgendwann mal) besser gefallen könnte. Gewähr auf Objektivität und lange Haltbarkeit gebe ich hier keine. Wollte trotzdem mal wieder nen Kommentar schreiben ;)


Frankie Dunn

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Okay, wenn man es wörtlich nimmt, klingt es unpassend, weil homophob. Ich korrigiere, dann sollte es klarer sein.


Gretchen_Ross

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Bewertung9.0Herausragend

Voranstellend muss man zunächst einmal sagen: Mit so einer Geschichte, die tausend verschiedene Handlungsstränge hat, kann man SO viel falsch machen.
Aber in diesem Film wurde das Drehbuch perfekt gemeistert. Und es wurde sich sogar noch weiter aus dem Fenster gelehnt- wo andere Filme sich auf das außergewöhnliche Drehbuch stützen würden, überzeugt "Mr. Nobody" noch mit wunderschönen Bildern und sehr interessanten Schnitten (vorallem die eine Szene, die aus der Schreibmaschine "entspringt" und dann plötzlich wieder auf einer Theaterbühne spielt, oder die fliegenden Fahrräder).
Besonders berührend fand ich die Jugendliebe mit dem braunhaarigen Mädchen, geleitet von einem schönen Score.

Manchmal fehlt ein bisschen die Nähe zu den Charakteren aufgrund der vielen Sprünge, aber mich hat der Film atemlos zurückgelassen und ich weiß nicht, ob er mich fröhlich oder traurig stimmt.

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Bibabiest

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

So, so, so berührend! Must-see.

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