Von der Leinwand in den Comic

Bewegte Bilder im Stillstand

Aus dem Fernseher in die Comicwelt: Joss Whedon und Buffy machen es vor
© Dark Horse Comics
Aus dem Fernseher in die Comicwelt: Joss Whedon und Buffy machen es vor

Sowohl Kinos als auch Fernseher werden zurzeit mit Comicadaptionen überschwemmt. Egal ob Hawkman, Captain America – The First Avenger oder n/a, die Filmwelt wird bevölkert mit Comichelden, die aus ihrem Medium hinaus in ein anderes treten. Eine Adaption jagt die Nächste, was für die einen ein Grund zur Freude, für die anderen eher leidig ist. Es gibt jedoch nicht nur den Weg in die eine Richtung. Nicht immer besteht zuerst die Literatur, die umgesetzt wird. Manchmal ist es genau anders herum. Immer öfter passiert es, dass ein Film oder eine Serie, die zuerst in bewegten Bildern existiert, ihren Weg ins gedruckte Format findet. Für euch haben wir das Phänomen einmal etwas genauer unter die Lupe genommen.

Aus dem Fernseher aufs Papier
Joss Whedon scheint bereits Profi darin zu sein, seine abgesetzten Serien im Comicformat weiter zu führen. Alle vier der von ihm entwickelten und nicht mehr ausgestrahlten TV-Shows werden mittlerweile als Comic veröffentlicht. Angefangen hat es mit firefly-‒-aufbruch-der-serenity. Zurecht hatte Joss Whedon das Gefühl, dass die Geschichte nach nur einer Staffel noch nicht fertig erzählt sei. Die Fanbase sah das genauso, daher folgte aufgrund hoher DVD Verkäufe 2005 der Film Serenity – Flucht in neue Welten. Der Sprung zwischen Serie und Film war groß, viele Fragen blieben unbeantwortet. Also trat Joss Whedon an Dark Horse Comics heran und veröffentlichte gemeinsam mit dem Verlag eine Reihe von Comics, die er zum Großteil selbst schrieb und die Licht auf die Ereignisse zwischen Firefly und Serenity warfen.

Da diese Kollaboration so erfolgreich war, kam Joss Whedon die Idee seiner Serie buffy–im-bann-der-damonen, die schon während ihrer TV-Zeit eigene Comics bei Dark Horse hatte, eine achte Staffel in Papierform zu geben. Es dauerte nicht lange, da wiederholte er dieses Experiment mit Angel – Jäger der Finsternis. Zuletzt kam eine Umsetzung der TV-Serie Dollhouse mit Eliza Dushku hinzu, die ebenfalls nur zwei TV-Staffeln lang existierte. Joss Whedon scheint so einen Weg gefunden zu haben, seine Geschichten weiter zu erzählen, selbst wenn Fernsehsender kein Interesse mehr an ihnen zeigen. Der Erfolg und die Fans geben ihm jedenfalls recht, denn Buffy startet gerade auf dem Papier in seine neunte Staffel.

Weitere bekannte Beispiele für TV-Serien im Comicformat sind Die Simpsons, Doctor Who und Star Trek: Enterprise, der seit 1967 immer wieder Reihen gewidmet wurden. Zur Freude aller, die mit mir den Abschied von Pushing Daisies betrauern, darf ich sagen: Auch Ned & Chuck finden ihren Weg demnächst auf die Comicseiten.

Filmversion im Stillstand
Nicht nur (abgesetzte) Serien erhalten eine gezeichnete Fortsetzung. Natürlich gibt es auch jede Menge Filme, die aus Marketinggründen gemeinsam mit einer Buchversion veröffentlicht werden und die oft nur die Handlung des Films nacherzählen. Beispiel hierfür liefern Spider-Man 2 mit Tobey Maguire, Der weiße Hai 2 oder Batman & Robin, was als Comicreihe von Grant Morrison geschrieben wunderbar funktioniert, als Adaption des Flop-Films mit extra Bat-Nippelpower in jedem Panel von Joel Schumacher eher weniger.

Filmergänzungen auf dem Papier
Manche Konzepte für Sequels oder Prequels schaffen es nicht auf die Leinwand, dafür aber aufs Papier. Und das noch dazu sehr erfolgreich. Das Star Wars-Universum beheimatet einige sehr weitläufige Comicreihen, die sich mit den Geschehnissen in der weit entfernten Galaxie beschäftigen. Sie zentrieren nicht nur die bekannten Figuren, sondern spielen teilweise mehrere Jahrhunderte vor oder nach den bekannten Geschichten. Sie dienen so als Ergänzung und Erklärung für die komplexe Welt, die George Lucas erschaffen hat. Seit Juli 2009 gibt es eine Comicbuchreihe, die die Geschehnisse von 28 Days Later zu 28 Weeks Later umfasst. Sie beschreibt, was aus den Charakteren wurde und wie sich die Welt in der Zwischenzeit veränderte.

Auch der Jäger des verlorenen Schatzes lebt in gezeichneter Form fort. Seine Comicabenteuer umfassen sowohl Filme, Serien und Videospiele als auch für sich stehende Abenteuer, die die Ereignisse erweitern. Selbst die Mutantenfamilie aus Hügel der blutigen Augen haben mit The Hills have Eyes: The Beginning einen Graphic Novel bekommen, der ihre Anfänge umschreibt. Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt und Predator haben in allerlei abstrakten vs-Kombinationen, die von Terminator über Judge Dredd bis hin zu Superman alles umfassen, ein Denkmal in Comicform bekommen.

Vom Comic im Film zum Comic
Ein besonderer Fall des Comic-Film-Adaptionsspiels stammt aus der Feder von Kevin Smith. Der Regisseur ist nicht nur bekennender Comic-Fan und Autor, der unter anderem Mini-Serien wie Batman: The Widening Gyre oder Spider-Man/Black Cat: The Evil That Men Do geschrieben hat, er besitzt selbst einen Comicbuchladen und fügt diesbezüglich gern Elemente in seine Filme ein. Die Charaktere Holden McNeil (Ben Affleck) und Banky Edwards (Jason Lee) aus Chasing Amy sind beispielsweise Comicautoren/zeichner, die die Reihe Bluntman & Chronic, die auf Kevin Smiths Alter Ego Silent Bob sowie Jason Mewes Jay basiert. Diese wiederum wurde von Kevin Smith als Graphic Novel veröffentlicht.

Comics und Graphic Novels haben heute einen weit besseren und ernsthafteren Ruf als noch vor einigen Jahren, als sie als ‘Kindersache’ abgetan wurden. Sie werden mittlerweile als eigenständiges Medium ernst genommen und schlagen eine Brücke zwischen Büchern und Filmen. Das gedruckte Wort wird visuell hinterlegt und selbst abgesetzte Serien mit starker Fanbase werden weiter geführt. Geschichten, die sonst ohne Ende von den Bildschirmen verschwunden sind, können einen Abschluss oder eine Weiterführung finden. Optisch haben wir mehr und es sind kostengünstigere Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Müssen die Macher für einen Science Fiction-Film wie Krieg der Sterne Unsummen für Computeranimationen ausgeben, bieten Comics visuell vergleichbare Möglichkeiten, für die lediglich gute Künstler benötigt werden. So absonderlich ist es also nicht, dass sich immer mehr Filme- und Serienmacher entscheiden, einen Mediensprung zu betreiben. Ein Medium ersetzt natürlich das andere nicht, aber als Ergänzung gesehen, ist es ein interessanter Ansatz.

Wie findet ihr den Adaptionswechsel? Welche Serien oder Filme hättet ihr gerne im Comicformat weitergeführt? Würdet ihr eine Comicfortsetzung manchmal einem Film vorziehen?

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen für GamePro.de und brauche dafür sehr viel Kaffee.

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