Aguirre, der Zorn Gottes

Aguirre, der Zorn Gottes (1972), DE/MX/PE Laufzeit 100 Minuten, FSK 12, Abenteuerfilm, Drama, Kinostart 29.12.1972


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7.6
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von Werner Herzog, mit Klaus Kinski und Helena Rojo

Unter der Leitung von Gonzalo Pizarro (Alejandro Repulles) dringt eine spanische Expeditionstruppe 1561 in die peruanischen Anden vor, um das sagenumwobenen El Dorado für die spanische Krone zu beschlagnahmen und persönlichen Reichtum zu schöpfen. Nachdem sich die Truppe im Dschungel verlaufen hat, entsendet Pizzaro eine kleine Einheit, um die Gegend zu erkunden. Innerhalb dieser Gruppe befindet sich auch der Fanatiker Don Lope de Aguirre (Klaus Kinski), der den Kommandoführer des Erkundungstrupps, Don Pedro de Ursua (Ruy Guerra), nicht leiden kann. Nach einem Putsch gegen de Ursua wird der Edelmann Don Fernando de Guzman (Peter Berling) zum neuen König von El Dorado erklärt und soll die Gruppe anführen.

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Kommentare (63) — Film: Aguirre, der Zorn Gottes


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NewNemo

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Bewertung3.0Schwach

Klaus Kinsky sagt schon fast alles über dieses dahinplätschernde Machwerk - dann lieber die Zeit mit Schlafen verbringen, da freut sich der Körper.

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Hawaii91

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Bewertung9.0Herausragend

Mit “Aguirre - Der Zorn Gottes” liefert uns Werner Herzog eine fabelhafte Inszenierung der menschlichen subtilen Verzweiflung am Rande einer hoffnungs-/aussichtslosen Materie bis hin zur Wahnvorstellung (besonders bei Aguirre bemerkbar). Dazu noch diese wunderbar, fast dokumentarisch gedrehte beklemmende Atmosphäre des Dschungels mit deren Einheimischen kommen sehr markant zur Geltung.

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PiDerGrieche

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Bewertung10.0Herausragend

Aguirre war mein erster Herzogfilm und er wirkte wie ein Sog und zog mich hinein in Herzogs Werke. Das war lange bevor ich selbst in den Dschungel fuhr. Nicht dorthin, wo einen das Reisebüro hinschickt, sondern bewusst tiefer und weiter. Immer wieder kamen mir die Bilder und Gefühlszustände des Films in den Sinn, als ich über Wurzeln stolperte und Dornen mir die Hände zerschnitten.

Aber schon damals ahnte ich, wie es sein musste im endlosen grün, nachmittags, bei drückender Sonne auf dem Fluss, ohne einen Laut zu hören und hunderte Kilometer weit entfernt von jeglicher Zivilisation.
Ich konnte es mir gut vorstellen wie es ist Dinge zu sehen, die sich dann als Trugbild entpuppeen und man daran denkt, ganz langsam wahnsinnig zu werden.
Diesen Wahnsinn wie ich ihn heute den auf den Flüssen im Amazonasbecken spüre,
ahnte ich auch schon damals im Schikanederkino in den frühen 70ern.
Herzog hat dieses Gefühl perfekt in Szene gesetzt.

Als ich später die Tagebücher der Schreiber von Pizarro und Cortez las, erkannte ich auch die grandiose Darstellung des getriebenen und scheiternden Konquistadors durch Klaus Kinski.
Ich würde mir den Film gerne eingerahmt und riesengroß in mein Wohnzimmer hängen.

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Dasprofil

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Bewertung9.5Herausragend

"Ich bin der große Verräter, es darf keinen größeren geben.
Wer auch nur wagt ans Davonlaufen zu denken wird in 198 Teile
zerstückelt und auf ihm wird dann solange herumgetrampelt
bis man die Wände mit ihm streichen kann.
Wer auch nur ein Korn Mais zu viel isst und einen Tropfen Wasser zu viel trinkt,
der wird dafür eingesperrt für hundert und fünfundfünzig Jahre.
Wenn ich Aguirre will, dass die Vögel tot von den Bäumen fallen,
dann fallen die Vögel tot von den Bäumen herunter.
Ich bin der Zorn Gottes.
Die Erde über die ich gehe sieht mich und bebt.
Wer aber mir und dem Fluss folgt, wird unerhörten Reichtum erlangen."

AGUIRRE, DER ZORN GOTTES beschreibt eine Reise geradewegs ins Nirgendwo. Eine Reise ohne Ziel, eine Reise, die ins Nichts, ins absolute Nichts führt und deshalb geht diese Reise endlos weiter, immer weiter treibt das Floß auf dem unkontrollierbaren, gewaltigen Strom, bis in alle Ewigkeit ist es dazu verdammt von diesem Fluss mitgerissen zu werden, Spielball der ungeheuren Kraft der Natur zu sein. Niemals wird es ihm vergönnt sein still zu stehen, aufhören zu reisen und endlich still zu stehen. es geht immer weiter, immer weiter bis zum Untergang.
Natürlich ist es eine beschwerliche Reise, eine Reise die die letzten Kräfte, die letzten Reserven aufzehrt, eine Reise, die einen die eigenen Grenzen überschreiten lässt und einen innerlich auffrisst. Ganz langsam aber stetig schreitet der innerliche Verfall vorran, bis man irgendwann nurnoch eine leere Hülle, bis man irgendwann vollkommen verbraucht ist.
Natürlich ist diese Reise auch eine Suche, eine Suche nach "El Dorado", dem gelobten Land, dem Land mit dem unendlichen reichtum, in dem keiner Not leiden muss und alle Träume erfüllt werden. Doch ein solches Land existiert auf unserer Erde nicht, es gibt kein Glück und Segen-bringendes Paradies. Das alles ist nur Einbildung, eine fixe Idee von Verrückten. Doch die Reisenden sind von dieser Idee geblendet, sie sehen nicht, dass das, wonach sie suchen, das wofür sie alles opfern um es zu erreichen nur ein Schein ist. Deshalb streben sie diesem "Paradies" entgegen, den Sinn für die Realität haben sie längst verloren, sie sehen nicht, was links und rechts von ihnen geschiet, sie haben nur El Dorado im Blick. Darauf konzentrieren sie sich, alles andere ist ihnen egal, alles andere existiert nicht für sie.
El Dorado. Dahin wollen sie. Dafür nehmen sie die aufzehrende reise in Kauf. Ohne zu wissen, dass sie nicht El Dorado, sondern ihrem Untergang entgegenstreben.

Außerdem ist es eine reise durch ein mächtiges Land. Eine reise durchdas absolute, undurchdringbare Chaos. Hier folgt nichts irgendwelchen Regeln hier gibt es keine klar erkennbaren Wege, alles ist verschlungen, alles ist miteinander verknotet, ein Durchkommen scheint unmöglich. Stattdessen befindet man sich in einem ständigen Kampf. Um einen herum scheint permanent gekämpft und getötet zu werden. Alles zerstört sich gegenseitig, frisst sich gegenseitig ich auf, zerreißt sich. Ständig ist man von Elend, von Brutalität, von Zerstörung, von Chaos und alles verschlingendem Übel umgeben. Und mitten drin in diesem Chaos, dieser zerstörenden, mächtigen Natur ist der Mensch. Der mensch, der glaubt, er könnte Herr über die Natur werden, könnte sie zu seinem Reich machen, doch das ist ein lächerliches Unterfangen. Der Mensch ist schwach, er ist der Kraft und der Grausamkeit der Natur nicht gewachsen. Er ist nicht der Herrscher über die Natur, die Natur beherrscht ihn, der Mensch ist er Spielball der Natur. Deshalb unterliegt der Mensch im Kampf gegen die Natur gnadenlos, es ist nicht mal ein richtiger Kampf, der Mensch wird von der Natur mühelos zerbrochen, wie wir ein Streichholz zerbrechen.

Geleitet wird diese Expedition ohne Ziel von Don Lope de Aguirre. Einem Getriebenen, der an Größenwahn leidet, der nicht erkennt, wie klein er ist, jemand der etwas herrausfordert, dem er nicht gewachsen ist und sich und andere dadurch ins unausweichliche Verderben stürzt. Er schwingt sich als Herrscher auf, erhebt sich über alles und jeden, doch eigentlich ist er selbst nur Untertan. Er ist viel zu geblendet, um irgendetwas zu erkennen.
Doch neben all dem brodelt in ihm auch der Zorn Gottes. Er ist unberechenbar, ein brodelnder Vulkan, der jeden Moment ausbrechen könnte. Er ist das Gericht, der Zorn Gottes auf Erden, doch auch dieser ist machtlos.

"Ich bin der Zorn Gottes. Wer sonst ist mit mir".

EDIT: Unglaublich interessantes Interview mit Werner Herzog am Set von FITZCARRALDO. Das was er sagt gibt die Bedeutung von AGUIRRE, DER ZORN GOTTES wie ich finde sehr gut wieder.

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TheBruceWayne

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Dankö für die Info. Jetzt muss ich alle Filme im Original gucken :)


Dasprofil

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Ist wahrscheinlich auch besser so, wirklich gut wurde Kinski nie synchronisiert. Aber in FITZCARRALDO und NOSFERATU spricht er sich ja selbst und WOYZECK wurde auf deutsch gedreht also garnicht synchronisiert.


harald.finkler

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Herausragender Film,dessen Rhythmus und Erzählweise stilprägend,besonders für Apocalypse Now von Coppola,war.Doch Nastassja Kinski hat nie in dem Film mitgespielt wie angegeben.

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BulletToothHony

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Hypnotisches Machwerk aus dem Hause Herzog/Kinski. Beeindruckende Kamerafahrten und ein geradliniger Erzählstil sowie eine dichte Atmosphäre machen "Aguirre - der Zorn Gottes" zu einem überdurchschnittlich guten Vetreters des "Neuen deutschen Filmes".

Kinskis Charakter sticht vor allem durch seine recht stille Entwicklung heraus - dass er der Gier und dem Wahnsinn verfallen ist, wird fließend dargestellt. Geredet wird nicht viel. Taten sprechen hier für sich.

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robertpires27

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Kinski ist überbewertet. Keinesfalls ist er der Grund wieso der Film funktioniert da überzeugt er mich doch auf ganz anderen Ebenen !

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natedb

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Bewertung3.0Schwach

Das ich kein Fan von Werner Herzog bin äußerte ich bereits mehrfach. So konnte mich auch nicht der vielgelobte "Aguirre" auf die Seite seiner Liebhaber ziehen.
Was Francis Ford Coppola in diesem Film gesehen hat das angeblich einen großen Einfluss auf seinen ebenfalls im Dschungel (wenn auch ein etwas anderer) spielenden "Apocalypse Now" hatte, das weiß ich beim besten Willen nicht.
Natürlich hat Werner Herzog meinen Respekt dafür, sich mit einem mickrigen Budget und einem wahnsinnigen Akteur in den Urwald zu begeben und allgemein harten Dreh-Bedingungen herumzuschlagen, wie man im äußerst unterhaltsamen "Mein liebster Feind" auch sieht. Allerdings lohnt sich das Produkt dieses irrsinnigen Trips in meinen Augen nicht.
Wie auch in den anderen Filmen von Herzog die ich mir ansehen durfte (und manchmal musste!) stammen die absolut peinlichen Dialoge und Monologe aus seiner Feder.
Klaus Kinski haut da noch relativ viel raus, jedoch weiß ich nie ob die Faszination an ihm sich auf seiner eigenen Persönlichkeit oder an der eigentlichen Figur die er zu verkörpern sucht begründet. Ein schriller Mann war er. Sowohl in seinen Rollen als auch wie er sich in der Öffentlichkeit und an den Sets präsentierte.
Bei diesen Drehbedingungen die Herzog seiner Crew hier zumutete kann ich Kinski seine Wutausbrüche schon fast gar nicht mehr verübeln...
"Aguirre" ist eine Expedition ins Nichts, eine Irreführung. Die meisten scheinen das unglaublich poetisch zu finden, und im Grunde ist dagegen nichts einzuwenden. Doch dieser Weg ins Nichts führt offensichtlich durch das Nichts. Und dieses Nichts ist mir leider zu wenig.
Sowohl inhaltlich, als auch auch stilistisch.
Lustig finde ich allerdings (wieder eine Hintergrundinfo), dass Werner Herzog sich am Flughafen als Tierarzt ausgab um die kleinen, putzigen Äffchen für die finale Sequenz zu bekommen, der kleine Ganove.
Was ich mich nach diesem sehr ermüdenden Film-Erlebnis die ganze Zeit frage ist, was eigentlich mit diesem kleinen Äffchen passiert ist, das Kinski während seines letzten Monologes in den Amazonas befördert?

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Simon Moon

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P.S. Schon das da Peter Berling mitgespielt hat. Die Mutter/Schwester von Helge Schneider.


Simon Moon

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Nebenbei, Coppola hat den gesehen und sich mal den Fluß ohne Wiederkehr geborgt. Wir erinnern uns (und nebenbei selbes literarische Werk und sehr ähnliche Stimmung) an "Apocalypse Now".


Niotq

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Aguirre - Der Zorn Gottes". Fast schon ein bisschen reißerisch. Verknüpft man nun allerdings Klaus Kinski mit diesem pompösen Titel, stellt sich Vorfreude ein, wenn auch nicht bei jenen, die des exaltiert-hysterischen Schauspielstils überdrüssig sind - aber auch solche Menschen muss es geben. Ich kannte von den Kollaborationen des wagemutigen Regisseurs und des ihm in Hassliebe verbundenen Berufswahnsinnigen bisher lediglich "Fitzcarraldo", den ich großartig fand, und war gespannt, was mich wohl erwarten könnte.

Die Geschichte ist allerhöchstens rudimentär vorhanden - der Conquistador Pizarro entsendet in der Neuen Welt eine Expedition, die nach Nahrungsmitteln und/oder Zivilisation Ausschau zu halten hat, doch Kinskis Aguirre gelingt nach dem Aufbruch alsbald ein Putsch. Das neue Ziel heißt Eldorado, Ruhm, Macht und Reichtum. Aber natürlich gestaltet sich das nicht ganz so einfach wie er sich das vorgestellt hat.

Wie schon Coppolas intensiver Kriegsfiebertraum "Apocalypse Now" basiert das wesentlich unspektakulärere, kargere Ganze nun auf Joseph Conrads legendärem "Heart of Darkness", das ich sogar im englischen Original im Bücherregal stehen, aber frevlerischerweise immer noch nicht aufgeschlagen habe. Viele Kommentarschreiber kommen hier nicht ohne das Wort "Atmosphäre" aus, und das aus gutem Grund, ist es doch gerade das Erzeugen dieser, wo Herzogs Werk ganz besonders auftrumpft. Dazu sei gesagt: Es ist erstaunlich, mit welch sparsamen Mitteln ihm das gelingt. Meist reicht die Trostlosigkeit des Flusses, den man mit Flößen befährt, kombiniert mit diesem unwiderstehlich mystischen Flair der Musik der deutschen musikalischen Neulandbeschreiter Popol Vuh.

Der schier endlose Dschungel ist hier nicht bloß ein Schauplatz, nicht nur ein möglichst authentischer Wandbehang für die heroischen Abenteuer Aguirres und seiner Crew, nein, er übernimmt überspitzt gesagt schon fast eine Hauptrolle, wartet regelmäßig mit neuen Gefahren und Ungewissheiten auf und droht den Trupp immer mehr zu verschlingen. Etwas, das sich auch sehr schön auf Herzogs Dreharbeiten umlegen lässt, denn genauso wie er es noch bei "Fitzcarraldo" machen sollte, war der Dreh annähernd ein Himmelfahrtskommando, bei dem sich Herzog von niemandem seine künstlerische Souveränität wegnehmen ließ - und dann hatte er auch noch Kinski im Nacken, der hier übrigens keine derartige tour de force ablieferte wie in "Fitzcarraldo". Was dem Film durchaus guttut, zumal gewohnte Gefühlsexplosionen à la "ICH WILL MEIN OPERNHAUS!" hier wohl etwas fehl am Platz gewesen wären. Die Arbeiten am Film müssen Expeditionen gleichgekommen sein, die amerikanischen Ureinwohner sind echte amerikanische Ureinwohner... auch wenn dieser Mut schon schwer an Übermut grenzte, muss ich Herzog zu so viel Hingabe einmal mehr gratulieren.

Hoffnungslosigkeit, schleichenden Wahnsinn und einen derart kargen Gesamteindruck habe ich in dieser Form schon lange nicht mehr erlebt. Somit wieder ein Film für meine Hall of Fame. Und ich meine, ich brauche demnächst wieder einen richtigen Drecksfilm, ich fühle mich schon ganz... anspruchslos mit all meinen euphorischen Punkteregen.

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Simon Moon

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P.S. Was bedeutet das Wort "eigentlich"?


Niotq

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Ich finde, es ist nicht wirklich ein Kriterium, ob Kinski angesichts einer Aussage über sich einen Wutanfall bekäme oder nicht. ich meine, wir reden hier immerhin von Kinski.
Und "eigentlich" ließe sich in diesem Fall wohl durch z.B. "prinzipiell" ersetzen. Nicht so wichtig, ich mag nur inhaltsleere Füllwörter ganz gern. :P


DerBaertige

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Bewertung9.0Herausragend

Meine nun zweite Begegnung mit dem Herzog'schen Schaffen und nach dem, für mich äusserst enttäuschenden, da langatmigen und unfreiwillig komischen "Woyzeck", bin ich umso überraschter, wie sehr mir "Aguirre, der Zorn Gottes" dann doch gefällt!

Die erdrückende Aussichtslosigkeit der Expedition äußert sich hier in Bild und Ton. Der Fluss scheint unendlich und der kaum durchdringbare Amazonasdschungel scheint so leer und lauert doch voller Gefahren. Der Wahn und die Gier des Menschen nach Macht und Reichtum sind dabei gegenüber Krankheiten und Indianern das größere Verhängnis. Den Wahnsinn, der Aguirre befallen hat, stellt Klaus Kinski so beängstigend glaubwürdig dar, dass böse Zungen meinen könnten, er spiele sich lediglich selbst. Ohne Kompromisse dirigiert er sein Gefolge in den Untergang. Wer seinem Wahn nicht folgt, wird ohnehin beseitigt. Gerade die perfekt eingesetzte Musik lässt den Film wie einen fieberhaften Rausch wirken, dem letztendlich auch alle an Aguirres Seite erliegen.

Auch ohne große Handlung ist es besonders die meisterhaft erzeugte Atmosphäre, die diesen Film auszeichnet und mich motiviert, mich doch - entgegen meinem ersten Entschluss - weiter mit Werner Herzog auseinanderzusetzen.

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DerDude_

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Es scheint als werde ich langsam zum Herzog Fan...

Weniger eine Reise ins Herz der Finsternis sondern eher eine Reise in den Wahnsinn. Oder vielleicht Wahnsinn, ausgelöst durch eine Reise in, naja, in gar nichts !
Die Reise führt in kein Herz der Finsternis, weil dort vielleicht gar nichts ist. Das beklemmende Gefühl das dort vielleicht gar nichts ist wird ausgelöst durch einen unbeschreiblichen Soundtrack. Die ewigen Kamerafahrten symbolisieren entweder das Innenleben der Reisenden oder sind genauso ziellos wie die Reisenden selbst.
Ein ganz schwieriger Film aber, genau wie jeder Film von Werner Herzog, ein Monument. Seine Konsequenz, den ganzen Film im Dschungel zu filmen, wäre heute undenkbar und verdient großen Respekt. Und die Naturgewalt der Dschungels ist mit der von Klaus Kinski fast auf gleicher Ebene.

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DerDude_

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Herzog hat noch nie Kompromisse gemacht. So etwas fehlt heute Hollywood einfach : Der Mut etwas Gewagtes zu tun und einen Film komplett im Dschungel zu drehen.


SoulReaver

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Und Coppola hat sich von "Aguirre" für "Apocalypse Now" inspirieren lassen. Doppelten Dank an Meister Herzog. :)


KonTaicho

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Bewertung3.0Schwach

"Aguirre", der Zorn Gottes soll dich treffen!!
Was, in drei Teufels Namen war nun das bitte?
Wohl wissend, dass ich für mein offensichtlich banausiöses Verhalten Rüge und Hohn ernten werde, verfasse ich nun einen Kommentar. Uff. Dann Mal los.

Zu aller erst das Positive:

-Der Titel, macht einiges her, klingt vielversprechend.
-Klaus Kinski tritt in der Hauptrolle auf; Ein Mann, der mich durch seine Art schon in etlichen Interviews zum lachen gebracht hat. Nun also die erste Sichtung eines seiner Filme.

Das Negative:

-Der Titel verspricht leider deutlich mehr als er auch tatsächlich hält
-Klaus Kinski, ich kanns nicht anders sagen, siehr einfach nur kreuzdämlich aus, gugt immer gleich grimmig und lässt bis auf einen Wutausbruch, bei dem er ein Pferd umboxt ( xD ) jegliches, von mir so hoch geschätzte, exzentrische Gebären vermissen.
-Die Story an sich ist durchaus interessant, nur treibt sie langsamer als der Amazonasvor sich hin, ab und an stirbt mal jemand, ansonsten passiert einfach nichts! Null Spannung, null Action ( ok, ein fliegender Kopf ) und null emotionale Bindung.
- Null emotionale Bindung deshalb, weil der Regisseur absolut versäumt, den Charakteren Tiefe, Eigenschaften oder Fähigkeiten zu geben. Wieso verhält sich Aguierre so, was treibt ihn zu seinem Verrat, weshalb ist er so größenwahnsinnig? Andauernd liegt einer tot in der Ecke und es interessiert den Zuschauer überhaupt nicht, da man keine Ahnung hat, wer das nun eigentlich war.
-Nebst der Tatsache, dass im Prinzip einfach NICHTS passiert, wirkt jeglicher Dialog künstlich, konstruiert und beinahe abgelesen. Das scheinbar philosophische/weise Gerede am Schluss hätte ein Achtklässler verfassen können, und auch wenn ich das Verhalten der verbliebenen Crew am Ende interessant finde, ändert das nichts an der Tatsache, dass "Aguirre, der Zorn Gottes" schlichtweg nichts zu bieten hat.

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Deepflight

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Danke auch für den TIpp! Mir ging es genauso wie KonTaicho


Deepflight

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und ach ja man sollte positiv bemerken, dass es hier auch noch Leute gibt, die sich nicht persönlich angegriffen fühlen, wenn ihr(e) Ikone/Idol mal kritisiert wird. Sieht man leider zu häufig auf MP


Lorion42

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Bewertung6.0Ganz gut

Theaterschauspieler, die von einem Dokumentarfilmer dabei gefilmt werden an Originalschauplätzen eine fiktionale Geschichte um Größenwahn mit 350 Totenkopfäffchen zu spielen.

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Super8951

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Bewertung10.0Herausragend

„Wenn ich, Aguirre, will, dass die Vögel tot von den Bäumen fallen, dann fallen die Vögel tot von den Bäumen herunter. Ich bin der Zorn Gottes. Die Erde, über die ich gehe, sieht mich und bebt.“
Dichte Wolken, Berge, ein mystischer Score. Die spanische Expedition steigt durch die Wolken hinab. Die gefangenen Eingeborenen im Schlepptau, Hoffnungslosigkeit und Leere in ihren Gesichtern. Der Zorn Gottes kommt auf die Welt hinab. Mühevoll schleppen sie die Kanonen durch den Fluss. Die Konquistadoren, unter der Leitung von Gonzalo Pizarro, wollen das legendenumrankte Goldland El Dorado finden und für die spanische Krone erobern, aber vor allem für sich persönlichen Reichtum schaffen. Da die Suche auf Land kaum von Erfolg behaftet war, beschliesst Pizarro, ein 40Mann starkes Trupp per Floss auf das Wasser zu entsenden. Als Leiter wählt er Don Pedro de Ursia aus, als seinen Stellvertreter den wahnsinnigen Don Lope de Aguirre (Klaus Kinski). Bald schon kommt es zu unerwünschten Verwicklungen, unter anderem werden die Flosse von der reissenden Strömung weggeschwemmt. Daraufhin will Don Pedro die Expedition abbrechen und auf dem Landweg zurückkehren, doch Aguirre hat eigene Pläne und nutzt die Angst seiner Männer vor den Eingeborenen, um sie auf seine Seite zu ziehen, anschliessend lässt Aguirre Don Pedro in Ketten legen und einsperren und seine Anhänger erschiessen, und Aguirre wählt Don Fernando de Guzman als seine Marionette zum Anführer und krönt ihm zum Kaiser von El Dorado. Doch mit erheblichen Verlusten und zunehmender Demoralisierung seiner Mannschaft erkennt jeder, bis auf Aguirre selbst, die zunehmende Sinnlosigkeit seiner Mission...
Klaus Kinski brilliert (wie immer) durch seine phänomenale Darstellung des grössenwahnsinnigen Aguirre, welche nichts anderes als schauspielerische Perfektion ist. Sicherlich liegt das aber auch daran, dass man bei Kinski öfters meinen könnte, er wäre der Zorn Gottes selbst. Werner Herzog inszeniert diesen bildgewaltigen Abenteuerfilm geschickt, sodass zu jeder Zeit des Films ein hohes Mass an Intensität und Spannung vorhanden ist und man am Schluss erstmal sprachlos und mit offenem Mund dasitzt, um das gesehene reflektieren zu können. Zudem unterstreicht die mystische, kirchlich angehauchte Filmmusik die Handlung perfekt und trägt zur Spannung entscheidend bei. Der Film zeigt aber auch den Wahnsinn der Konquistadoren und deren Absichten, sowie der krankhaftes, zwanghaftes Missionierungsbedürfnis. Herzogs erste Zusammenarbeit mit Klaus Kinski ist ein Meisterwerk der Filmgeschichte, welches man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

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8martin

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Bewertung7.5Sehenswert

Es ist kein Abenteuerfilm im herkömmlichen Sinne, sondern es ist zu allererst einmal ein Kinski-Film. Der prägt die Handlung mit seiner diabolischen Mimik und einem Habitus, der an Richard III. erinnert. Die dürftige historische Vorlage dient nur als Vorwand für ein intellektuelles Konstrukt, das sich vage an die spanische Eroberung Südamerikas anlehnt, hier mit der Suche nach Eldorado. So muss der Film notgedrungen einen offenen Ausgang haben, denn ein Erfolg dieser Mission wäre Geschichtsklitterung. Regisseur Herzog konzentriert sich vielmehr auf den Aufstieg dieses Aguirre innerhalb einer kleinen Soldateska. Er meutert und mordet, baut Seilschaften auf und endet im Wahnsinn. Dieser Weg zur Weltherrschaft durch Inbesitznahme von Land ist gepflastert mit Hunger, Fieber und Tod. Im Gegensatz zu den mitgeführten Indio-Sklaven bleiben die freien Indios unsichtbar. Sie schicken nur unablässig ihre tödlichen Giftpfeile. Die Kamera ist immer ganz nahe an den Akteuren. So wird eine gewisse beklemmende Enge kreiert, die nur gelegentlich von Bildern des auf dem Fluss treibenden Floßes ausgedehnt wird. Es überwiegen die Mühsal und die qualvollen Aktivitäten, die nur in Kauf genommen werden wegen der Aussicht auf Gold. Steckt da etwa eine Kapitalismuskritik dahinter?

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van-kleenebach

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Allein kinski's Brett und der geile panflöten typ, haben mir mit ihren kleinen musictrips für 8,5 gereicht :D

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hoffman587

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Aguirre, der Zorn Gottes

»Ich bin der Zorn Gottes. Die Erde, über die ich gehe, sieht mich und bebt.« - Ich weiß nicht wieso, aber es gibt zwei Dinge, die mich bei diesem Werke im weiteren Sinne beschäftigen beziehungsweise um es anders zu sagen, ich wieder reflektiere. Doch bevor man zur eigenen Entlarvung der Gefühle steuert noch die Ambition des Schwelgens in der Natur, die Werner Herzog wie kein anderer in »Aguirre« (1972) inszeniert, weder Trick noch Technik stecken dahinter, Herzog filmt die ungebrochene, ungezähmte Schönheit der Natur in ihrer strahlenden Ausdruckskraft. Die erste Einstellung und Kulisse lassen sprachlos zurück in imposanter Manier, diese Gebirgskette, diese unbändige Kraft in Herzog Bilder - wunderbar! Dafür finde ich keine Worte. Nur prätentiöse Schwärmereien. Doch wenn Herzog eins ohne Zweifel bietet dann: Naturelle Bildgewalt, also die schönste Bildgewalt.

Das wollte ich noch gesagt haben, bevor sinniert werden darf über Sinngebung und Orientierung in Herzos Werk. Kurzum: Es gibt sie nicht. Gar ein linearer Handlungsstrang, ein roter Faden? Brauchte Herzog nicht, wird Herzog nie brauchen. Und doch kann Herzogs Film - ganz seiner Inspiration nach - als Reise ins Herz der Zerstörung gelten, Beleuchtung politischer Systeme, Aufstände, dem Glauben, dem Irrsin, dem Wahnwitz, der Einfältigkeit des Menschen und der menschlichen Gier - samt Herzogs hier ab Lieblingsthematik des Kampfes zwischen Menschen und Natur. Herzogs größte Schwäche zugleich seine größte Stärke. Chronologisch? Bedingt. Handlung: Die ewige Suche nach El Dorado (dem Symbol des absoluten Glücks und Reichtums), folglich dem Weg voller Besessenheit und Kompromisslosigkeit. Herzog lässt inszenatorisch Einfachheit wirken.

Momente vergehen, wie Minuten vergehen, mittendrin lässt Herzog Bilder sprechen - kurz darauf Klaus Kinski steigern - hinauf zu reißenden Flüssen und wieder der unmögliche Kampf gegen die Natur. Die Natur zwischen Schönheit, Faszination und Gefahr. Und nicht mal Identifikationsfiguren gibt er uns - dieser Herzog! Nur den Aguirre, den Zorn Gottes. Nur den personifizierten Wahnsinn (alias Klaus Kinski)! Fieser, fieser Herzog. Kennt keine Konventionen, zersträubt sie, verdreht sie und metaphorisiert dabei noch seinen eigenen Film, so darf Herzogs ungestümer und wilder Regiestil als Reflexion des verwilderten Amazonasdschungels gelten - so ergibt sich daraus ein perfektes Zusammenspiel. Auch die Kamera agiert auf diesem Niveau und dokumentiert ohne Scheu, wackelt und desillusioniert den Zuschauer, dringt dicht zu den befremdlichen Charakteren, so aber auch dicht an der Natur - Herzog experimentiert, fasziniert aber auch.

Und dann Klaus Kinski als eigene Urgewalt. Erst Blicke, dann unheilvolle Gesten, dann große Worte und Ausbrüche. Wie ein Vulkan bricht er aus und bis schließlich der Wahnsinn Überhand gewinnt - mehr Macht und mehr Gier, auf Ausbruch folgt Orientierungslosigkeit. Aguirre als Symbol für den klassischen Mephistopheles, aber als Verführer wie auch Manipulator und Verräter, ein Undurchsichtiger. Herzogs Film nimmt Gestalt an. Mehr und mehr ähnelt er einen sich immer weiter drehenden und geschwinder werdenenden Karussell - auch anfangs, ja es dreht sich nur und hat kein Ziel. Und dennoch besteht auch hier Herzogs Film aus Widersprüchen wie Symbiosen, zwischen Zerstörung und Entzweiung. Erschaffung und Erneuerung. Wie die Konquistadores eine neue Gesellschaft bilden, Narren zu Königen werden. Zerstörte Dörfer durchkreuzt werden. Fragen auftreten nach Sinn und Sinnlosigkeit. Nach der Natur seiner Existenz. So äußerst sich auch Herzogs Zivilisationskritik. Wie einstige Eroberungen zum Verderben werden. Der Mensch scheitert an seinem Größenwahn und seiner Gier. Die Welt in ihrer eigenen Absurdität und Lächerlichkeit.

Herzogs Stimmung zwischen meditativen Klängen (eines Popol Vuh) und der Ruhe und Unruhe des eigenen Films - die ganz eigenen Atmosphäre. Und irgendwie sympathisiere ich so mit Herzog, er als Filmemacher, ich als Schreiber: Reflektieren scheinbare Sinnlosigkeit und Orientierungslosigkeit. Verfolgen dabei doch eigene, vielleicht sogar hintersinnige Ziele. Ich mag den Herzog. Der rechnet sogar ironisch ab mit dem Irrglauben des Menschen. Versteht aber auch: Bei Kinski wie auch solcher filmischer Wucht muss man die Definition prägnant formulieren und kraftvoll sein Werk vollenden. Ganz ohne Konstrukt. Mit der Mystik des Urkampfes Kinski gegen Natur (und Herzog) und der Mensch mit seiner unsagbaren Gier, der daraus folgenden Selbstzerstörung. Dann Affen, überall Affen. Gar ein Planet von Affen! Größenwahn! Das Scheitern einer Gesellschaft, nur mit innerer Explosion. Kurzum: Eins zu Null für die Natur

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filmschauer

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Unbedingt, die Audiokommentare mit Herzog und Straub sind Gold wert.


hoffman587

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@HJ: Danke. Bin gespannt, ob er dir gefällt. Wobei ich da eher skeptisch bin, aber wir werden sehen. ;)


AlexanderDeLarge

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Bewertung7.5Sehenswert

Sir, ich fürchte Sie sind vor Macht verrückt geworden! Natürlich, haben Sie schon mal versucht ohne Macht verrückt zu werden? Das ist langweilig, niemand hört einem zu! :D

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woerdey

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Bewertung7.5Sehenswert

Bis ich den Film diese Woche auf arte gesehen hatte kannte ich nur Ausschnitte. Aufgrund dieser war ich recht skeptisch, doch ich muss sagen das mir der Film im Ganzen recht gut gefallen hat und auch stimmig wirkt.

Der dokumentarische Stil sorgt für eine besondere Atmosphäre, welche ich mit keinem von mir bisher gesehen Spielfilm vergleichen kann. Dazu noch die tollen Bilder, der völlig wahnsinnige Kinski und die abenteuerlichen Geschichten zur Entstehung.

Negativ ist zu erwähnen, dass "Aguirre" im Mittelteil so seine Längen, dafür kommt das Ende relativ abrupt. Auch eine Story ist praktisch nicht vorhanden, was ich aber gar nicht mal so schlimm finde, da der Film nicht versucht dies durch billige Effekthascherei zu vertuschen. Es geht wohl ohnehin vielmehr um die Bilder und den steigenden Wahnsinn des Hauptcharakters und dessen Folgen.

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Filmkenner77

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Bewertung5.0Geht so

Ich kann und möchte mich nicht den teilweise überschwänglichen Kommentaren zu "Aguirre, der Zorn Gottes" anschließen. Sicherlich, die Landschaftsaufnahmen sind gelungen, der Inszenierungsstil Autorenkino in reinster Form, bei dem nur die Umgebung auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. Aber schon bei den Darstellerleistungen tun sich Abgründe in der Größe des Grand Canyon auf. Klaus Kinski spielt großartig und trägt den Film, wenngleich das Overacting manchmal zu sehr durchschimmert und künstlich, ja geradezu im wahrsten Sinne des Wortes theatralisch erscheint. Dies ist zweifellos sein Markenzeichen, aber auch nicht jedermanns Geschmack.
Andere Darsteller wirken wie Mitglieder einer Laienspielschar, die ihre Texte mehr oder minder lustlos aufsagen (hier sei etwa Alejandro Repullés als Pizzaro erwähnt), als ständen sie auf einer Provinzbühne und würden in wohlfeilen Worten ihr Anliegen in belehrender Form an den Mann oder die Frau bringen wollen.
Die Story um rücksichtslose spanischer Konquistadoren, die ins "Herz der Finsternis" vorstoßen, um auf der Suche nach Ehre, Macht und Reichtum die sagenumwobene Stadt Eldorado und vielleicht auch sich selbst zu finden, lässt einen durchaus spannenden Urwaldtrip erwarten. Was man dann aber zu sehen bekommt, sind Endloseinstellungen, vermeintlich belanglose Szenen, die die Zerrissenheit des Protagonisten Aguirre mit dem Holzhammer untermalen sollen. Sie dienen einzig und alleine dem Ziel, die fortschreitende Ausweglosigkeit der Mission in Korrelation mit dem zunehmenden, immer groteskere Ausmaße annehmenden, Wahnsinn Aguirres zu setzen.
Die Ausbeutung der Heiden durch die christlichen Eroberer, die sich alles andere als christlich verhalten, lässt an Authentizismus nichts vermissen, ist aber so wenig packend inszeniert, dass mich das Schicksal der Ureinwohner nahezu kalt gelassen hat. Viel interessanter als der Film selbst ist für mich die Hintergrundgeschichte des Werkes, die u.a. in der großartigen Doku "Mein liebster Feind" behandelt wird.
Letztlich kann man dem Film nicht absprechen, dass er vielschichtig ist, aber leider geht die Vielschichtigkeit nicht mit einer auch nur in Ansätzen spannend erzählten Geschichte einher. Die Langatmigkeit ist augenscheinlich und kann selbst durch einige großartige Szenen kaum durchbrochen werden. Der Film gibt sich bedeutungsschwanger, wirkt aber teilweise wie eine überladene Parabel, bei der die eigentliche Geschichte zu kurz kommt. So sehr Werner Herzog auch das Innenleben Aguirre durch Monologe und Handlungsweisen erklärbar zu machen versucht, bleibt diese Figur doch rätselhaft und letztlich unergründlich. Das Scheitern ist vorprogrammiert und dieses ist vermutlich die Vorahnung und in letzter Konsequenz auch der Wille Aguirres. Doch muss dieses Scheitern wirklich durch ausladende Worte und Pathos untermauert werden oder kann man dieses Scheitern nicht einfach durch Bilder für sich sprechen lassen?

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Super8951

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Wieso man ihn sich ansehen soll? Ganz einfach, Klaus Kinski. Er allein ist schon 10 Punkte wert.


Filmkenner77

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Ein guter Schauspieler kann einen mäßigen Film aufwerten. Aber ein guter Schauspieler macht aus einem mäßigen Film noch lange keinen guten Film. Außerdem hat Kinski in so vielen Filmen groß aufgespielt, da brauche ich "Aguirre" nicht unbedingt.



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