Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford (2007), US Laufzeit 156 Minuten, FSK 12, Drama, Western, Kinostart 25.10.2007


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von Andrew Dominik, mit Brad Pitt und Zooey Deschanel

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford zeigt das historische Ereignis als Blick auf zwei gebrochene Charaktere, fernab von Ruhm und Schmach der Legende.

Jesse James (Brad Pitt) war einer der ersten amerikanischen Medienstars. Es wurden zahllose faszinierende Bücher und fabelhafte Geschichten über Amerikas wohl berühmtesten Banditen geschrieben, die ihn größer machten als er zu Lebzeiten je war, doch die meisten von ihnen nehmen es mit der Wahrheit nicht ganz so genau. Für die Ausgeraubten und Terrorisierten und für die Familienangehörigen derjenigen, die Jesse James tötete, war er vermutlich nur ein gewöhnlicher Krimineller. Hingegen wurden Jesse und der James-Gang in den 1870er-Jahren von der Sensationspresse und in vielen Groschenromanen größte Ehrfurcht und Bewunderung entgegengebracht. Er wurde als eine Art Robin Hood gefeiert, der gezielt jene Banken und Eisenbahngesellschaften aufs Korn nahm, die den armen Farmern das Leben schwer machten.

Im Jahr 1881 ist Jesse 34 Jahre alt. Er bereitet seinen nächsten großen Überfall vor und führt einen Privatkrieg gegen seine zahlreichen Gegner. Sie alle wollen das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld und den Ruhm, Jesse James zur Strecke zu bringen. Doch die größte Gefahr droht ihm von den Menschen, denen er uneingeschränkt vertraut.

Robert Ford (Casey Affleck) bewunderte Jesse James über alles – er war ein idealistischer und ehrgeiziger Junge, der sich nichts mehr wünschte, als eines Tages mit seinem Idol reiten zu dürfen. Er konnte nicht ahnen, dass er einst als der dreckige kleine Feigling in die Geschichtsbücher eingehen würde, der Jesse in den Rücken schoss. Aber wer war Jesse James wirklich – abseits der Halbwahrheiten und auflagensteigernden Schlagzeilen? Und wer war der damals 19-jährige Robert Ford, der zum inneren Kreis um Jesse gehörte? Wie brachte Ford eine derart monumentale Persönlichkeit zu Fall, was die Sheriffs in zehn Staaten vergeblich versucht hatten? Wie wurden sie Freunde? Und was passierte vor jenem Schuss, der Jesses James’ Leben auslöschte und damit auch zum Wendepunkt in Robert Fords Leben wurde? Und was passierte danach?

Hintergrund & Infos zu Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (OT: The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford) beruft sich auf Ron Hansens Roman über den berüchtigtsten Gesetzlosen und seinen Attentäter, um die Legende aus einem neuen Blickwinkel darzustellen: Was geschah tatsächlich in den Monaten vor dem berüchtigten Schuss?

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
Genre
Biopic, Drama, Western, Neo-Western
Zeit
1880er Jahre, 1881, 1882, 19. Jahrhundert
Ort
Kansas, Kentucky, Missouri, Vereinigte Staaten von Amerika
Handlung
Angst, Antiheld, Aufhören, Ausstieg, Bank, Banküberfall, Besessenheit, Bewunderung, Bruder, Brutalität, Cowboy, Eifersucht, Enttäuschung, Erschiessen, Familie, Farm, Feigling, Freundschaft, Gang, Geistige Krankheit, Geplanter Mord, Gewalt, Hassliebe, Intrige, Kopfgeld, Krimineller, Labiles Verhalten, Legende, List, Medien, Minderwertigkeitskomplex, Mord, Männerfreundschaft, Mörder, Müdigkeit, Nervenzusammenbruch, Pferd, Pistole, Plan, Raubüberfall, Reue, Revolverheld, Roman, Ruhestand, Ruhm, Scham, Schuldgefühl, Töten, Unsicherheit, Untergang, Verfolgungswahn, Verrat, Verräter, Versteck, Vorbild, Zugüberfall, Zurückweisung, Überfall
Stimmung
Ernst, Verstörend
Zielgruppe
Männerfilm
Tag
Literaturverfilmung
Verleiher
Warner Bros. Pictures Germany
Produktionsfirma
Plan B Productions Inc., Scott Free Productions

Kommentare (156) — Film: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford


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RayWidowDavis

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Bewertung9.0Herausragend

Zugegeben, ich war beim Abspann nicht sicher was das gerade war. Es lag auf der Hand, dass die Musik definitiv exzellent war. Deshalb empfand ich es auch nicht schlimm während des Abspanns noch etwas herumzusitzen und nachzudenken. Unbestritten ist auch die wundervolle Kameraführung, besonders das "Laternenspiel" im Wald vor dem Überfall oder die Einblicke in mehrere Räume gleichzeitig wo zwar nicht viel passiert, aber das was passiert enormen Wert hat. Aus diesem Winkel erkennt man Jesses Handlung in einem Raum und die Reaktion der Leute in dem daneben. Grundsätzlich muss man sagen, dass hier allgemein nicht viel passiert. Das aber - ist keine Schwäche des Films.
So nun eine Nacht darüber geschlafen und ein Kaffee lang reflektiert - "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling" Robert Ford ist ein großartiger Film. Lassen wir die Komplimente über Brad Pitt einfach bei Seite, denn wer noch nicht erkannt hat, dass er ein ganz großer Akteur ist, tja.... ich weiß gar nicht wie das gehen soll. Der Titel ist lang, der Film auch. Die Moment des Schweigens in ihm ebenfalls. Doch eben das macht ihn stark. Das dem Zuschauer gezeichnete Portrait einer Männergemeinde braucht nicht viel Worte und auch kein großes Vorwissen zu dem legendärem Jesse James - ich besaß zu meiner Peinlichkeit gar keins. Jesse James ist ein Ganove, ein Bankräuber und ein Mörder. Er ist ein schlechter Vater, ein schlechter Ehemann und ein wahnsinnig paranoider Mann, der stets bereit ist eine seiner vielen Waffen zu benutzen. Seine Brutalität und Gewaltbereitschaft kennen keine Grenzen. Und jeder der sich mit ihm umgibt verspürt stickende Angst. Doch Jesse James ist auch verletzlich, soziopathisch und verbittert. Moment, ein verletzlicher Westernheld? Ja tatsächlich - eine meiner Meinung mutige und definitiv lohnenswerte Idee.
Hat er einen Gegenspieler der ihm das Wasser reichen kann? Nein. Es gibt ihn aber. Robert Ford sein Name, gespielt vom kleinen Bruder des Ben Afflecks. Man stelle sich folgende Situation vor. Jeder von uns hat ein Jugendidol, ein Vorbild. Meins war Sherlock Holmes und das von Robert Ford ist Jesse James. Was würde man tun wenn man seinen Jugendhelden trifft? Robert Ford versucht mit allen Mitteln so zu sein wie Jesse James, er versucht auszusehen wie er, zu gehen wie er, zu reden wie er und zu denken wie er. Oft musste ich mich fremdschämen, als er sein Idol auf Gottesebene erhob. Doch zu sein wie der große Jesse James - das klappt nicht. Denn Jesse James wurde so geboren wie er ist und Ford ist ein 19 jähriger Weichling. Nach anfänglichem Interesse, lässt James ihn das auch spüren. Sowie jeder anderer der Gang, selbst sein Bruder, der ältere Ford (Sam Rockwell). Was geschieht nun? Robert, einfach nur Bob genannt, wird eifersüchtig. Er wird wütend, er fühlt sich minderbemittelt. Während die Paranoia mit Jesse durchgeht und er viele von seinen Freunden, nicht ohne Bedauern, umbringt, wächst in Ford die Berächtigung seines neu geborenen Traumes. Er möchte sein ihn enttäuschtes Idol fallen sehen. Der junge Mann begreift nicht, dass dieser Schritt ihn selbst nicht besser machen wird. Bob ist blind vor Trauer und Wut - als hätte ihn seine Frau am Hochzeitstag verlassen. So verliebt war er in seinen Outlaw. Er selbst bleibt trotzdem bedeutungslos und unwichtig. Die Frage ist: "Wie schafft es dieser zwar sicherlich intelligente, aber aussichtslose Versager Jesse James zu töten?" Macht der Anführer einen Fehler? Ein Mann vor dem die gesamte Gang mehr Angst als Respekt hat? Der Mann der jeden Schritt geplant und wohlüberlegt setzt? Der Dinge tut, die ihm sein selbst auferlegtes Prinzip sagt und seinem Herzen gleichzeitig einen so heftigen Stich versetzt, dass selbst mir der Atem stockte? Nein ist meine Antwort. Der große Manipulator Jesse James hat jede Entscheidung und jede Wendung in seinem Leben selbst bestimmt. Er steht sich selbst im Wege und möchte nicht länger im Misstrauen leben, kann diese angeborene Eigenschaft allerdings nicht ablegen. Wie also wird Jesse James geschlagen? Wer darf sich sein Bezwinger nennen? Diese Frage lass ich offen.

Alles im Leben wird bestraft und seine Strafe erlangt Ford nicht erst mit seinem Tod - das Volk von Missouri zeigt ihm wer er ist und zeigt ihm, dass er nie so sein wird wie Jesse James - selbst wenn er nicht mehr ist. Zwischen Liebe und Hass ist ein schmaler Grat, welchen Ford schnell überschritt. Ohne zu kämpfen, ohne an sich zu arbeiten, ohne seinen eigenen Platz in der Welt zu suchen um vollkommen verständlicherweise im Schatten seines Vorbilds zu versinken, selbst wenn dieser tot ist - das ist viel feiger als der Mord an Jesse James.
Nicht mal ansatzweise konnte ich die Spannung und Zwiespaltigkeit dieses Films beschreiben. Jedoch sollte es jeder selbst versuchen. Die 220 Minuten lohnen sich um zu entdecken was für ein Mensch man selbst ist - ein Feigling, ein radikaler Anführer oder vielleicht etwas dazwischen.

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brigerbaerger

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Bewertung7.0Sehenswert

Dieser Film ist sicher kein typischer Western, sondern eher ein Doku-Drama. Vieles wird beleuchtet: Wer war Jesse James, woran litt er, welches waren seine psychischen Probleme, wie war das Leben mit und rund um seine Bande und seine Familie. Was bietet der Film: Viele, auch tiefsinnige Dialoge aber wenig western-typische Aktionen. Was man hinzufügen muss: der mit vielen Stars besetzte Film beinhaltet wunderschöne Landschafts- und auch Personenaufnahmen. Was darf man nicht erwarten: auf keinen Fall einen herkömmlichen Western. Was bekommt man zu sehen: eine interessante Charakterstudie der verschiedenen Charaktere, schöne Bilder und interessante Dialoge. Wenn man das weiss und sich dafür interessiert, wird man bestens unterhalten.

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Andy Dufresne

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Bewertung9.0Herausragend

Ende eines Jahrhunderts, Ende einer Epoche, Ende von „Wild&free“.
"Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" spielt an einem Wendepunkt amerikanischer Geschichte und der Geschichte überhaupt.
Eben am Ende von wildem, freiem Gebaren, eben am Anfang von (echter) Rechtstaatlichkeit, am Anfang von Moderne, von Neuzeit.
Das Alte existiert noch, das Neue ist schon da, beide Seiten suchen ihren Weg, ihre Zuständigkeit, ihre Daseinsberechtigung.
Und das Alte geht nicht so einfach weg, ist nicht bereit kampflos die Segel zu streichen.
Alles ist hier immer diffus, alles ist immer voller Verrat, voller Möglichkeiten zum Verrat.

Und es gibt keine Helden.
Die Helden gehen selbst Kinder an, wenn sie etwas wissen wollen, ihnen etwas im Nacken sitzt.
Die Helden heulen, wimmern, sind sich selbst nicht gewiss.
Leiden. Sind Getriebene. Sind Opfer ihrer selbst.

In der TAZ war zu lesen:
„Es ist ein Western, der dort anfängt, wo andere aufhören.“
Ganz genau so ist es.
„Western“ greift hier sowieso nicht so wirklich, „Western“ umreißt es höchstens.
Hier geht es um Gruppenprozesse, um Menschliches, um Rollenbilder.
Um Dynamik an sich.
Und um Die Geschichte(n) und ihre Klitterung.
„Das ist alles gelogen, weißt du...“
Der Film erinnerte mich, gerade gegen Ende, an "Der Mann der Liberty Valance erschoß", seine Herangehensweise ist eine völlig andere, aber die Grundaussage ist bei beiden Filmen die Gleiche:
Lug und Trug sind oft die wahren Wurzeln großer, verklärter Helden.

Und der Mord an Jesse James ist eigentlich ein Selbstmord.
„Ich bin für mich selbst ein Problem geworden.“
Und Robert Ford ist somit mehr Sterbebegleiter als Mörder.

Grandios, wie der Film es durch seine nie unterbrochene Ruhe schafft, seine Charaktere unverhüllt aufzuzeigen, in sie rein zu schauen sozusagen.
Und in ihnen drinnen ist: Nichts.
Sie sind leer, habe keine Ideale, sind eben keine Helden.
Sie sind kaputte, ruhelose Wracks , die die Geister nicht mehr loswerden, die sie einst riefen.

"Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ist definitiv ein besonderer Film, wahrscheinlich ist er mit das Beste was in diesem Jahrtausend aus Hollywood gekommen ist.
Und "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ist wahrlich alles andere als ein Hollywood-Film.

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EvertonHirsch

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Starker Kommentar, starker Film!


Andy Dufresne

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@sachsenkrieger, Jenny und Everton: Danke euch :)


Neo (michi)

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Bewertung5.0Geht so

Einer der wohl längsten Filmtitel, der natürlich auch schon einiges verrät.
Gut gemacht, gut besetzt & gut gespielt. Wecheselt zwischen langweilig und spannend und ich war am Ende doch froh den Fikm geschafft zu haben.

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philipp.endres.18

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Der folgende Kommentar ist als eine Art Plädoyer gegen die veränderten Sehgewohnheiten heutzutage anzusehen.
Wenn man sich den Community-Durchschnitt von "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" ansieht, muss man leider feststellen, dass er sich durch die Bewertung mit gerade einmal 7,0 unter die Sorte Filme einreihen muss, die als 'Ganz gut' bis vielleicht knapp 'Sehenswert' eingestuft und somit als gehobenen Durchschnittsfilm betitelt werden.
Wenn ich hier lesen muss, dass viele diesen Film als einschläfernd oder langatmig empfinden, kann ich das nur bedingt nachvollziehen - es sei denn es handelt sich um Personen, die 'Pacific Rim' als neuen Lieblingsfilm feiern. Ich möchte hier keinem zu nahe treten, aber durch den übertriebenen Einsatz von CGI-Effekten im Laufe der letzen Jahre, scheint bei vielen der eigentliche Sinn, weshalb man Filme schaut, verloren gegangen zu sein. Es reicht scheinbar, 90-minütige Dauerbeschallung von der Stange zu liefern, ohne tieferen Sinn und Verstand. Aber hier bei diesem Film wird einem doch so viel mehr geboten und ich finde es aus diesem Grund schade, dass er scheinbar von einigen wegen genau dieser fehlenden Action, - oder ähnlich kurzweiligen - Sequenzen als langweilig abgetan wird.
Ich möchte jetzt hier nur schnell gewisse Parallelen zu zwei anderen Filmen ziehen, bei denen mir nahezu identisches aufgefallen ist bzw. an die mich "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" kurzzeitig erinnert hat. Das wäre zum einen "There Will Be Blood" und zum anderen "Magnolia".
Vielleicht fragen sich nun einige, was die drei Werke miteinander gemeinsam haben. Ich möchte den Film mit diesen soeben genannten auch keinesfalls auf eine Stufe stellen, da beide für mich ausnahmslos zu den besten Filmen überhaupt zählen - jedoch sind eben gewisse Gemeinsamkeiten festzustellen.
Zuerst möchte ich anführen, dass bei allen drei die reine Schauspielkunst und damit der eigentliche Grund, wieso Filme gedreht werden, primär im Vordergrund steht. Des Weiteren liegt bei allen eine ähnliche 'Atmosphäre' vor, die durch wenige Schnitte, langsames Erzähltempo, lange Kameraeinstellungen, intensive Dialoge, welche sich über mehrere Minuten erstrecken, und schlussendlich durch perfekte, nie zu aufdringliche musikalische Untermalung, erreicht wird. Und genau hier liegt das Problem: wir sind durch die jährlich unzählig erscheinende 'Blockbuster-Filme' gewöhnt worden, dass ständig etwas passieren, ständig etwas in die Luft fliegen oder ständig die 'Wackelkamera' zum Einsatz kommen muss. Ist dies, wie in diesem Film, nicht der Fall, wirkt es für viele unspektakulär. Aber muss es denn immer 'Knallen', damit wir uns unterhalten fühlen? Kann man nicht einfach mal den intelligenten Dialogen lauschen, sich der erdrückenden Atmosphäre hingeben oder der offenbarten Schauspielkunst die nötige Aufmerksamkeit schenken? Falls man dazu bereit ist, vereint dieser Film all das - und zwar so gut wie ich es zuletzt selten zusehen bekommen habe. Besonders in der letzten halben Stunde war es atmosphärisch so dicht erzählt, dass es für mich kaum auszuhalten war.
Bereits vorher schon liegt eine gewisse Grundspannung in der Luft, die förmlich jede Minute hätte explodieren können.
Zum Film selbst habe ich jetzt kaum etwas gesagt, da ich den Kommentar eher anderweitig genutzt habe - wer allerdings den Appell verstanden hat, wird trotzdem einen Eindruck darüber erhalten haben, was für einen Film ihn erwarten könnte.

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pischti

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Hab ihn mal angefangen und bin eingepennt, weil ich schon recht müde war. Werd ihm aber sicher noch ne zweite Chance geben, muss nur in Stimmung sein, wenn ich weiss was mich erwartet.


philipp.endres.18

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Ist wie bereits erwähnt ein sehr ruhiger Film, aber genau deshalb unglaublich intensiv!


sachsenkrieger

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Eines zur Beruhigung vorab: Casey Affleck spielt Brad Pitt nicht unter den Tisch. Das haben, wie auch die Legenden um Jesse James, Menschen erfunden, die sich eher in Robert Ford wiedererkennen. Ich bin soweit gereift, nicht neidisch auf einen Actor wie Brad Pitt zu sein, sondern ihn zu lieben für das, was er mir in den letzten 20 Jahren geschenkt hat: Allerfeinste Schauspielkunst! Casey Affleck spielt das, was er immer spielt, nämlich sich selbst, natürlich wie immer auf hohem Niveau. Brad Pitt spielt Jesse James, nein, für einige Wochen Dreharbeiten war er es, für 156 Minuten auf der Leinwand ist er Jesse James!

Um ein wenig die Wogen zu glätten, alle Schauspieler spielen hervorragend. Sam Shepard, Sam Rockwell, Marie-Louise Parker, Jeremy Renner, Garrett Dillahunt liefern erstklassige Leistungen ab in einem Film, in dem man sich nicht hinter coolen Sprüchen und wilder Ballerei verstecken kann. Hier ist echte Schauspielkunst gefragt. Getragen wird der Film auf schauspielerischer Ebene aber eindeutig von Brad Pitt und Casey Affleck, der eine als paranoider, depressiver Outlaw, der andere als an einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom leidender Mann ohne Eigenschaften.

Pitt gegen Casey, James versus Ford, so etwas intensives hat man seit langem nicht mehr gesehen. Jesse James ist ein verbitterter, desillusionierter, sehr charismatischer Mann, umgeben von einer Aura der Unbesiegbarkeit, einer fast mythischen Verehrung. Er ist ein Superstar seiner Zeit. Gefürchtet wird sein Zorn, fast spürbar schwebt den ganzen Film über das Damoklesschwert über allen, die sich in seiner Nähe befinden. Jesse James ist müde geworden vom Vorüberziehen der Stäbe und weiß, das sein Ende, das Ende eines Zeitalters naht. Er sucht nach einem würdigen Abgang. Oft hat er seinen teils dubiosen Mitstreitern die Gelegenheit gegeben, ihn hinterrücks zu erschießen, aber niemand traut sich das.

Robert Ford hingegen ist wahrlich ein Mann ohne Eigenschaften. Niemand nimmt ihn wahr, niemand bemerkt ihn, niemand interessiert sich für seine Meinung. Sein größtes Idol, eine Ikone, ist Jesse James. Er eifert ihm seit der Kindheit nach, er will sein wie er, er will er sein. Nach der Aufnahme in die James-Bande erfüllt sich ein Traum, er will sich beweisen, will anderen beweisen, das er real ist, das er existiert. Im Laufe der Zeit muss er feststellen, das sein Traum eine Seifenblase war, eine Illusion, das Jesse James nicht der Mann ist, den er aus seinen Groschenromanen kennt. Er ist nur noch eine leere Hülle, eine Karikatur seiner Selbst.

Man könnte sich hier die Finger wund schreiben über den Film, aber dann würde ich zu denen gehören, nach deren Kommentar man den Film nicht mehr gucken muss. Also langer Rede kurzer Unsinn: Hier stirbt nicht nur der Mythos Jesse James, hier stirbt der Mythos Wilder Westen in den aufziehenden Schwaden der industriellen Revolution. Nicht zufällig entstaubt Jesse zum Schluß das Bild eines Pferdes, das bekanntlich als Symbol für den Wilden Westen steht. Ein tief melancholisches, langsames, bildgewaltiges Werk von Andrew Dominik, der mittlerweile mit "Killing them softly" seine Meisterschaft, nach nur drei Filmen, nachdrücklich unter Beweis gestellt hat.

GOOD NIGHT AND GOOD LUCK!


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brucelee76

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Bewertung3.0Schwach

Hallo zusammen,

also ich kann Brad Pitt so ziemlich als alles vorstellen, aber in einem Western als amerikanische Robin Hood-Ikone Jesse James, der dann einen Feigling Namens Robert Ford auffordert, ihn zu erschießen?! Lieber Brad du bist hier fehlbesetzt. Was ich von Casey Affleck nicht behaupten kann. Er ist der viel viel bessere Schauspieler als sein Bruder Ben :). Klasse Leistung.
Was mir noch aufgefallen ist, alle Morde werden durch sauber gezielte Kopfschüsse vollbracht?! Und wurde J.J nicht in den Rücken geschossen und nicht wie hier ermordet durch einen Kopfschuss?!
Abgesehen mal davon ist und bleibt für mich diese Charakter-Studie so ziemlich belanglos und fucking boring. Der einzige Mann für mich, der den Amerikanischen wilden Westen am besten rüber bringt, ist Clint Eastwood!!!

Mein Fazit: Ein Feigling wird zuerst gefeiert dann verflucht vom amerikanischen Volk. Das sich in einen Groschen-Roman-Helden verliebt hat. Praktisch ist Jesse James die erste reale Comic-Figur der älteren US-Literatur.

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dannydiaz

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okay in dem Punkt hast du auch recht, in dem Sinne fehlt im der "überfilm" magic um ihn immer sehen zu können ;)
ah was seh ich da, du hast free willy schlecht bewertet, mir blutet das Kind-Ich in mir ;)


brucelee76

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Ja das mit Free Willy tut mir Leid, ich bin runter gefahren mit meiner Bewertung nachdem ich #Dahmers# Kommi gelesen habe.


Chev-Chelios

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Bewertung2.0Ärgerlich

Der Film hat endlose längen und ist stinklangweilig. Nach der hälfte des Films habe ich abgeschaltet...

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robertpires27

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Das Westerngenre ist tot...", diese Worte meines Dozenten haben sich bis heute in meinem Gedächtnis eingeprägt. Und ich stimme dieser These auch vollends zu, der erste Abgesang auf den klassischen Western gab es schon 1962 mit "Der Mann der Liberty Valance erschoß", "Spiel mir das Lied vom Tod" bildete das glorreiche Ende des Italowesterns. Danach folgten diverse, zum Teil großartige Spätwestern wie z.B. Wild Bunch, Zwei Banditen und letztlich "Der mit dem Wolf tanzt".... Das Werk von Andrew Dominik dagegen ist nicht in das Genre des Spätwestern einzuordnen, eine Ballade bzw. ein Abgesang ist nicht zu erkennen, wenn überhaupt ist er als eine Abrechnung mit der Mythenbildung der amerikanischen Geschichtsschreibung zu interpretieren.
Der Film ist ein Biopic, ein Psychodrama, ein Psychothriller, der sich als als Handlungszeit bzw.-ort sich die Westernzeit und einen seiner größten Legenden ausgesucht hat. Ein Film der Postmoderne eben, der keinem Genre mehr zugehörig ist.
Das wollte ich erst einmal loswerden, bevor ich den Film bewerte. Da hier schon genügend treffende Kritiken geschrieben wurden, mache ich es kurz. Der Meister schlechthin an der Kamera, Roger Deakins beschert uns großartige Bilder. Brad Pitt, Sam Rockwell und Casey Affleck glänzen durch herausragende Darstellerleistungen. Nicht zu vergessen der tolle Soundtrack. Zu guter letzt ist anzumerken, dass uns Andrew Dominik wieder einmal, wie bei Chopper, einen Film mit einer ganz besonderen Atmosphäre geschenkt hat ! Für mich nicht der 10 Punkte Film, aber dennoch ein herausragendes Werk der 2000er !

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robertpires27

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Da bin ich völlig d'accord. Heavens Gate und Erbarmungslos, der alte und der neue True Grit sind weitere Beispiele. Bei all diesen Werken sind jedoch die spezifischen Genremerkmale noch erkennbar, die bei "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" nicht einmal mehr dekonstruiert vorhanden sind.


pischti

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"Heavens Gate" sagt mir (noch) nichts. Hab ihn ma lauf die "Vorgemerkt-Liste" gepackt :)


kay.khalifa.5

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Bewertung9.0Herausragend

WOW ! absoluter geheimtipp...

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Medardus

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Bewertung9.5Herausragend

Ein Film, wie ein guter epischer DOOM Song.

Laaaangsamer Spannungsaufbau, extreme Ausbrüche, tiefgehende Auseinandersetzung mit Mythos/Wahrheit und Menschlichen Abgründen etc dazu ein Cast der einen sprachlos darstehen lässt.
Wer vorher nicht schon geahnt hat, das Brad Pitt ein Großer ist wird hier endlich aufgeklärt. Auch das Nick Cave mit Ellis hier nicht nur den Sound fabriziert hat ist stetig zu erfahren, zu hören.

Sicherlich nicht etwas für zwischendurch oder Leute die rasante Action beovrzugen, aber in sich ein sehr kluger und vor allen Dingen beeindruckender Film über Verrat, Vorbilder und vor allen Dingen Lüge,Tod und Ende von liebgewonnen Dingen.

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Moritz01

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Bewertung10.0Herausragend

Genial, mehr kann man dazu echt nicht sagen. Ich hab am Anfang gedacht der wird so lalala aber als das erste Mal der fantastische Soundtrack einsetzte, hat er mich gehabt. Obwohl das Ende im Titel steht, wünscht man sich, dass es nicht passiert und wenn es passiert, ist das so geil in Szene gesetzt, dass es einen quasi umhaut. Hier wird sich auch endlich mal Zeit genommen die Charaktere vorzustellen und deren Beweggründe, was ich in vielen Filmen schmerzlich vermisse. Brad Pitt spielt großartig Jesse James und beweist wieder einmal, dass er ein klasse Schauspieler ist. Schlussendlich ist zu sagen, dass Andrew Dominik ein intelligentes Western Drama erschuf, was seines Gleichen sucht und ist eine absolute Empfehlung meinerseits.

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Moritz01

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BreakingDad

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Nö. Wird aber prompt nachgeholt.


fsk18

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein richtig, richtig gutes Stück Filmkunst.
Brad Pitt unterstreicht mit seiner Leistung allemal, was für ein großer Darsteller er ist.
Szenen, die ich anfangs noch als Längen bezeichnet hätte, kommen mir im nachhinein betrachtet total notwendig vor und gaben dem Film erst den Nachdruck, den er bei mir Tage später entwickelt hat.
Nick Cave liefert dazu noch einen Soundtrack, der intensiver nicht hätte sein können und die permanente, optische Wucht perfekt unterstreicht. Alles richtig gemacht. Ich freue mich auf die Zweitsichtung!

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ezemeze

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Bewertung5.0Geht so

Zweieinhalb Stunden....und am Ende für was? Charakterstudien und ein Schwehlbrand à la : "Das-Leben-ist-so-schnöde-wie-es-ist" kann man auch in einer dreiviertel Stunde weniger ab- und ausglimmen lassen. Da empfehle ich eher "Der Mann der Liberty Valence erschoss" anzusehen, hat ein ähnliches Sujet, hat auch mit einem "Ford" zu tun und lässt einem im Nachhinein nicht so verwirrt mit einem what-the-fuckesquen Gefühl zurück. Ich lese gerade zu meinem Erstaunen, dass Zoey Deschanel mitgespielt hat, die ist mir überhaupt nicht aufgefallen....kein gutes Zeichen.

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ReubenCogburn

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Bewertung10.0Herausragend

Macht mit mir was ihr wollt, ich find' den herausragend. Ich kann aber alle Kritikpunkte gut nachvollziehen. Irgendwie habe ich eine Vorliebe für lange Filme ... :)

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AlexanderDeLarge

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Beethovens 9. dauert ja auch länger als 3:30


filmfan90

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Dieser Kommentar enthält Spoiler.

THE FALLEN IDOL,
oder: Warum Robert Ford kein Feigling ist

"[…] He had two incompletely healed bullet holes in his chest and another in his thigh. He was missing the nub of his left middle finger and was cautious, lest that mutilation be seen. He also had a condition that was referred to as granulated eyelids and it caused him to blink more often than usual as if he found creation slightly more than he could accept. Romms seemed hotter when he was in them. Rains fell straighter. Clocks slowed. Sounds were amplified. He considered himself a Southern loyalist and guerilla in a Civil War that never ended. He regreted neither the robberies, nor the 17 murders that he laid claim to. He has seen another summer under in Kansas City, Missouri and on September 5th in the year 1881 he was 34 years old."

Mit diesen Worten, in einer undurchsichtigen Verstrickung von historischen Fakten und den Mythen, die über die Wildwest-Legende im Umlauf sind, introduziert der Erzähler, begleitet von dem Spieluhren-Motiv Nick Caves, Jesse James. Bebildert ist dieser Prolog mit einer Sequenz von Aufnahmen Jesse James', die mit einer Lochkamera gefilmt wurden und aus dem Halbdunkel der Vergangenheit zu stammen scheinen.
Die darauf folgende Szene nivelliert dieses heroische Bild: der berüchtigte Outlaw, der weder häufiger als andere blinzelt noch durch seine Anwesenheit den Lauf der Uhren verlangsamt – lediglich die zwei oberen Glieder seines linken Mittelfingers fehlen tatsächlich –, tritt als Possenreißer in Erscheinung, der inmitten einer Bande von "petty thieves and country rubes" sitzt, und mit diesen über das Privatleben von Präsidenten-Frauen witzelt, während sie die Vorbereitungen für einen Zugüberfall treffen.
Der ständige Wechsel zwischen dem extensiven, glorifizierenden Erzählerkommentar und der demontierenden Figurenzeichnung des Gesetzlosen ist bis zu dessen Erschießung das dramaturgische Konzept dieses Films.
Jesse James ist in diesem Film eine vielgesichtige und ambivalente Figur: er ist bei seinen Bandenmitgliedern auf Grund seines Humors beliebt und wird gleichsam von diesen wegen der Grausamkeiten, die er zu vollbringen fähig ist, gefürchtet; er ist ein treusorgender Familienvater und ein an Depressionen Erkrankter, der zunächst an seinen Weggefährten, schließlich an sich und seinen Taten zweifelt und Todessehnsucht empfindet – der letztere Charakterzug bemächtigt sich seiner im Verlauf des Films immer vehementer.
– Der Film verschleiert die Figur des Jesse James, indem er die Mythen, die sich um ihn ranken, benennt, und sie gleichzeitig in Frage stellt.
Eine symbolisch aufgeladene Einstellung zeigt Jesse James, in einem Garten sitzend, um dessen rechten Arm sich die Glieder zweier Schlangen, denen er wenige Sekunden zuvor mit einem Taschenmesser die Köpfe abgeschnitten hat, winden – dieses Sinnbild von barocker Emblematik zeigt, dass die ‹Legende› unlängst in der Mortifikation begriffen ist.
So ist auch nur folgerichtig, dass sich die etwas bemüht wirkenden Versuche des Erzählers, Jesse James' Biografie in Analogie zum Leben Jesu zu setzen, ins Leere verlaufen: er stellt die Flucht der Familie James vor den Pinkerton-Detektiven aus Kentucky in Verbindung zur Flucht der heiligen Familie nach Ägypten und betont, dass der Tag vor Jesses Tod ein Palmsonntag war. Auch die Assoziation Robert Fords mit Pontius Pilatus, wenn er sich vor der Erschießung seines einstigen Idols die Hände und das Gesicht wäscht, ist irreführend, denn Robert Ford ist weder der Richter noch der Henker von Jesse James – vielmehr begeht dieser durch die Hand Fords Suizid:
Sukzessive zerstört Jesse James Robert Fords – von allen schlicht ‹Bob› genannt – idealisierende Sicht, die er aus Groschenromanen gewonnen hat, auf seine Person, indem er ihn zunächst vor den Kopf stößt, desavouiert, demütigt und schließlich verstört. Er nutzt den träumerischen Jungen als Projektionsfläche seiner eigenen destruktiven Selbstwahrnehmung, weil er weiß, dass kein Hass tiefer wurzelt als der einer völligen Enttäuschung über ein einstiges Idol – und auf diese berechnende Weise weckt Jesse in Bob die Bereitschaft, ihn zu töten.
Dabei ist Bob keineswegs für Jesse nur ein Werkzeug, das ihm bei der Inszenierung seines Suizids als Mord behilflich ist; er erkennt in ihm einen überdurchschnittlich talentierten jungen Mann, für den es kein richtiges Leben im falschen gibt (vgl. Seeßlen, Adorno zitierend). Charly Ford empfiehlt Jesse seinen Bruder als einen geeigneten Komplizen für einen weiteren Überfall mit den Worten: "Bob isn't much more than a boy to most appearances. But there's about two tons of sand in him. And he'll stand with a shooter when that's what's called for. And he's smart too. He's about as intricate as they come." Jesse erwidert darauf, ohne zu zögern: "You forget I already met the Kid."
Die hohe Achtung, die Jesse vor Bob empfindet, drückt sich eben darin aus, dass er ihn so tief wie keinen anderen in sein zerrüttetes Inneres blicken – oder vielmehr: daran teilhaben – lässt, indem er ihn all die Eigenschaften, die er an sich selbst verachtet, mit voller Gewalt spüren lässt. Das Motiv der Demontage des Mythos ‹Jesse James› vollzieht sich also auch in dem symbiotischen Verhältnis zwischen Jesse und Bob.
Einer der wichtigsten Beweggründe Jesses, in den Tod zu gehen, besteht darin, dass er um die Ausweglosigkeit seiner Situation weiß. Der Film deutet an, dass eine weitere Verschwörung gegen Jesse durch Dick Liddil und einem Mann namens Jim Cummins, von dem im Film mehrmals die Rede ist, der allerdings kein einziges Mal auftritt (ein Quasi-McGuffin, der die Undurchsichtigkeit des Films bestärkt), im Gange ist. Jesse ahnt diese Verschwörung und erschießt sogar ein Bandenmitglied, das sich ihm gegenüber verdächtig verhält.
Die Tragik Bobs besteht letztlich darin, dass er Teil eines Plans wurde, den er Zeit seines Lebens nicht begreift. In seiner infantilen Geltungssucht lässt er sich in der Öffentlichkeit als der Mann, der Jesse James erschossen hat, feiern. Als die allgemeine Wahrnehmung des ‹Verbrechers› in die des ‹Heiligen› Jesse James umschwenkt, wird Bob – bis zu seinem eigenen bitteren Ende – von dem falschen Dämon der ‹Legende› Jesse James verfolgt.
"The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" ist ein überaus artifizieller Film, der in nachdenklichen Bildern den Mittleren Westen der USA als einen dämmernden Hades erscheinen lässt, in dem die Unterschiede zwischen Recht und Unrecht, Macht und Ohnmacht, Vertrauen und Misstrauen tatsächlich nur in einer Silbe liegen.
Der Score Nick Caves, der selbst einen kurzen Auftritt als Saloon-Sänger hat, unterstreicht die betörende Melancholie, die über jedem einzelnen Bild dieses Films liegt: Zum einen dominiert ein Spieluhren-Motiv, das auf die Schicksalshaftigkeit der Ereignisse hinweist, und zum anderen ein herbes folkloristisches Thema.
So ist "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" ein Film über die Entstehung und gleichzeitig die Demontage von Mythen. Andrew Dominik zeigt – in Kontrast zu dem mitunter heroisierenden Erzählerkommentar – das modernde Fleisch, das unter dem Deckmantel mythischer Verklärung versteckt liegt. Dabei nimmt der Film – alleine durch den Titel – nahezu alle wichtigen Plot Twists vorweg, ‹erzählt› nur wenig, sondern kreist kontemplativ um seine Hauptfiguren – und gewinnt gerade daraus seinen enormen Gehalt.
– Vielleicht der beste in den USA produzierte Film der letzten zehn Jahre.

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mikadoapache

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die endstufe des western


nilswachter

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Sehr, sehr starker Kommentar! Wow!


Murray

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Bewertung9.0Herausragend

Und schon wieder ein Film bei dem ich mich frage warum ich ihn so lange vor mir hergeschoben habe. Denn "TAoJJbtCRF" ist mal ganz locker einer der besten Western die ich je gesehen habe.

Bemerkenswerte Kameraarbeit, durchweg überzeugende Darsteller und Nick Cave's jederzeit passender Soundtrack versetzen einen direkt in die unheilvolle, ja gar düstere Geschichte um die letzten Jahre der Wild West-Legende.
Auch wenn man wie ich bereits mit dieser vertraut so wird doch jede weitere Minute spannender und intensiver, bis die Atmosphäre so dicht ist das man die Luft mit einem Messer schneiden könnte.
Das soll erstmal ein Film nachmachen der das Ende bereits im Titel verrät.

-"You ever count the stars? I can't ever get the same number, they keep changin' on me."
-"I don't even know what a star is, exactly..."
-"Well, your body knows, it's your mind that forgot. "

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AmeliaPond

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@lydia.koerbs: Fand Gone Baby Gone leider überhaupt nicht gut,deshalb ist seine Performance da wahrscheinlich ein wenig an mir vorbeigelaufen. :)


Lydia Huxley

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Kann sein^^ Ich möchte behaupten, dass Casey schauspieltechnisch seinem Bruder voraus ist. Dafür mag ich Bens Regiearbeiten sehr gern.


Roldur

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Der sperrige Titel "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" beschreibt für mich das wohl beste Western-Epos unserer Zeit. Man könnte schon fast Anti-Western sagen. Vor einigen Jahren wurde in einer Kritik über den Film formuliert, dass er da anfange wo der normale Western aufhört. Das Heldentum, die Überinterpretation der Taten, all diese Faktoren machen die klassischen "Outlaws" zu dem, was sie heute sind: Helden.
Andrew Dominik lässt bei der Konfrontation zwischen dem unsicheren und verwirrten Robert Ford, in fast schon meditativer Ruhe, dieses Bild langsam zerbröckeln. Atemberaubend symbolische Landschaftsaufnahmen verbunden mit einer der besten Performances Brad Pitts und wohl der Rolle des Lebens seitens Casey Afflek.

"(...) He had two incompletely healed bullet holes in his chest and another in his thigh. He was missing the nub of his left middle finger and was cautious, lest that mutilation be seen. He also had a condition that was referred to as "granulated eyelids" and it caused him to blink more than usual as if he found creation slightly more than he could accept. Rooms seemed hotter when he was in them. Rains fell straighter. Clocks slowed. Sounds were amplified. (...)"

Jesse James Gedicht ist längst aschgrau, fahl, leer, unbeeindruckt von den 17 Menschen, die er auf seinem Weg zur Ikone unter die Erde brachte. Dahingerafft von der Unfähigkeit zu leben wie jeder andere, fälschlicherweise zum Helden gemacht. Robert Ford, 20, als sein größter Fan, weiß alles über ihn, will werden wie er und ist sich nicht bewusst, wem er da eigentlich nacheifert.
Manche mögen den Film mit seinen 160 Minuten vielleicht als zu langatmig ansehen, für diejenigen aber, die das melancholische und ergreifende Portrait zwischen Gewalt und Schönheit schätzen können, werden hoffentlich genauso sprachlos zurückbleiben wie ich.
Ich kann diesem Film mit fast nichts entgegenkommen außer überbordender Pathetik und nicht enden wollender Begeisterung. Nachdem ich zuerst "Killing them Softly" gesehen und Andrew Dominik schon geistig abgeschrieben hatte, habe ich hier ein echtes Meisterwerk gesehen.

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TheBruceWayne

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Eine 10 + ♥ für diese grandiose Westernballade ? Wollen wir Freunde sein ? Sehr schöner Kommentar.


stuforcedyou

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Ja, Meisterwerk. Kein Zweifel.


Helter Skelter

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Bisher hab ich noch keine von den komischen "Listen" erstellt.

Aber vllt sollte ich mal ne Liste mit den dümmsten Filmtitel erstellen ;)

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Helter Skelter

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So, nachdem ich wieder aus dem Urlaub da bin (war in Österreich xD; vgl. oben), mein Senf dazu:

www.wikipedia.de/FranklyinFlyer/Infos-für-Dummies-die-in-Foren--anderen-Wissen-bzw-Nichtwissen-unterstellen-um-damit-zu-glänzen-und-wahrscheinlich-selbst-dumm-wie-Büchsenbrot-sind

Ps. nichts für ungut ;)

Und dass alle heut nacht schlafen können:
Dann werde ich eben auf krimi-couch oder lovelybooks ne scheiss Liste machen und Ron Hansen an die Spitze setzen :-P


FranklinFlyer

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http://cdn-www.cracked.com/articleimages/randall/irony01.jpg


Uli Kunkel

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Lange bevor ich den Film sah, kam ich über Last.fm in Kontakt mit dessen wunderbarem, schwermütigem Soundtrack von Nick Cave & Warren Ellis. Stücke wie das entrückt-trauervolle "Song for Bob" liefen anschließend in Dauerrotation. Der dazugehörige melancholische Western "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ist ebenfalls erwartet fantastisch und läßt die vielen überschwänglichen Lobpreisungen als tatsächlich gerechtfertigt erscheinen. You better believe the hype. Bereits der sperrige Titel und das Poster, das zwei verlorene Personen in einer weiten und leeren Landschaft zeigt, deuten an, daß es sich hier nicht um einen Genrefilm von der Stange oder eine konfektionell erzählte Geschichte handelt. Keine eindeutigen Helden, keine hassenswerten Schurken, keine wilden Verfolgungsjagden oder Schießereien. Vielmehr finden wir uns in einer nuancierten Charakterstudie wieder, welche vor allem die beiden Hauptfiguren immer weiter entfaltet, weitere Schichten ihrer persönlichen Entwicklungsgeschichte freilegt. Sie läßt sich dabei Zeit. Viel Zeit. Der bedrohlich-undurchsichtige Jesse James, mit seinem stechend-abschätzenden Blick, und der verdruckst-ambitionierte Robert Ford, mit seinem gezwungenen Grinsen, enthüllen in mannigfaltigen ruhigen und in ihrer unterschwelligen Anspannung sich steigernden Szenarien ihre inneren Brechungen, ihre emotionalen und motivativen Vielschichtigkeiten. Die fabulösen, subtilen Performances von Brad Pitt und Casey Affleck verleihen ihnen dabei eine tiefbewegende Vitalität.
Es ist dies eine Parabel über Vertrauen und Verrat, Paranoia und Isolation, Geltungswillen und Desillusion, sowie die Schattenseiten des Ruhms und die Macht der Mythenbildung. Die Tragik der Sackgassen des Schicksals im Rahmen eines historischen Kontexts, betrachtet jenseits der verzerrten öffentlichen Wahrnehmung durch die detailierte Wahrhaftigkeit des individuellen Vergrößerungsglases. Eine Parabel über die Zerbrechlichkeit und die Ausgesetztheit der Existenz, über die flüchtige Natur des persönlichen Glücks.
All dies eingefangen in wundervollen, schwelgerisch-elegischen Bildern, der perfekten Vermählung von naturalistischem Realismus und purer magischer Bildsprache.
Prachtvoll.

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Jenny von T

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Ich hatte ja gehofft, du würdest noch etwas schreiben, als ich deine Wertung sah... wunderbar! Yeah! :-)


Uli Kunkel

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Das freut mich. =)
Hatte mich in letzter Zeit hier auf MP leider etwas rar gemacht. Momentan ist mein Mitteilungsbedürfnis scheinbar weniger ausgeprägt. Aber zumindest zu diesem Film wollte ich doch noch ein paar eigene dürre Worte loswerden.
Außerdem habe ich noch zwei umfangreiche, konzeptionell größenwahnsinnige Kommentare zu "Fight Club" und "Eternal Sunshine..." in der Pipeline, an denen ich wohl noch einige Jahre basteln muß, bevor ich sie raushauen kann. XD Ich erwähne das jetzt eigentlich nur, um mir selbst etwas Druck zu machen.



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