Jean-Luc Godard: Die Geschichte der Nana S.

Vivre sa vie: Film en douze tableaux (1962), FR
Laufzeit 79 Minuten, FSK 18, Drama, Kinostart 20.09.2001

7.2 Kritiker
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7.4 Community
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4 Kommentare
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von Jean-Luc Godard, mit Anna Karina und Sady Rebbot

Eine junge Frau wird Prostituierte, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen kann, und findet bei einem Streit unter Zuhältern den Tod. Der durch Zwischentitel in zwölf Kapitel gegliederte Film ist Godards erster Versuch, die bislang übliche Film-Erzählung durch einen Film-Essay zu ersetzen.

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Kommentare (4) — Film: Jean-Luc Godard: Die Geschichte der Nana S.

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alanger

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Bewertung7.0Sehenswert

"1. wie interpretieren wir Freuds Ideen heute und
2. wie ist das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis in der Anwendung der psychoanalytischen Theorie auf Geschichte und Gesellschaft zu bestimmen."

wollen wir das noch? die kinder von marx & coca cola sind doch längst in all den redaktionen, bildungseinrichtungen und unternehmensberatungen untergegangen.
was hat uns jean-luc noch zu sagen?
okey, er war der coolste captain auf der brücke, aber reicht das?

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Benni-THE-KING

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Bewertung7.0Sehenswert

Mehr der Versuch eines Filmes als ein wirklicher Film.
Und obwohl vieles was Godard da versucht "funktioniert" konnte mich das alles als Ganzes nicht wirklich überzeugen.
Anna Karina = Schön

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filmfan90

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Bewertung9.0Herausragend

In „Vivre sa vie“ entwickelt Jean- Luc Godard eine präzise Milieustudie über das Schicksal einer Prostituierten.
Nana arbeitet in einem Schallplattengeschäft als Verkäuferin, leidet jedoch ständig unter Geldmangel und ist schließlich nicht mehr im Stande, ihre Miete zu bezahlen. Um an mehr Geld zu kommen, trifft sie die schicksalhafte Entscheidung, sich zu prostituieren. Verhält sich Nana dem ersten Freier gegenüber noch sehr unsicher, wird ihr der Beruf allmählich zur Routine. Als ihr Zuhälter sie an einen anderen Zuhälter verkaufen will (Spoiler!), kommt es zu einer Schießerei, bei der Nana ums Leben kommt.
Ganz offensichtlich ist es nicht Godards Anliegen, eine komplexe Geschichte zu erzählen, sondern durch den episodenhaften Charakter des Films eine Frau in all ihren menschlichen, aber auch körperlichen Facetten zu porträtieren- so wird Nanas Kopf ständig aus den verschiedensten Kamerawinkeln gezeigt und durch die verschiedenen Episoden, die aus dem Leben der Protagonistin gezeigt werden, erlangt der Zuschauer tiefe Einblicke in Nanas Charakter.
Mit der Aufteilung des Films in „Bilder“ und der Verwendung von Stilmitteln und Techniken, die bewusst nicht miteinander korrespondieren (unerwartete Schnitte, Gegenüberstellung von starrer/ beweglicher Kamera etc.), etablierte Godard Brechts episches Theater in der Welt des Films- jedem jener Bilder sind in Stichpunkten die wesentlichen Handlungsschritte vorangestellt, sodass die Aufmerksamkeit des Zuschauers weniger auf die Handlung, als auf die Kernaussagen des jeweiligen Bildes gelenkt wird.
In einem der Bilder unterhält sich Nana mit dem Philosophen Brice Parain über die Funktion, den Wert und die Bedeutung von Sprache und über die Liebe. Parain erläutert die Sinn stiftende Funktion von Sprache und geht darauf ein, inwiefern Sprache als Medium gegenseitiger Kommunikation und des Denkens zu begreifen sei. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Worte nicht immer im Stande seien, das Gemeinte zum Ausdruck zu bringen. Der Inhalt dieses Dialogs spiegelt die „Sprachlosigkeit“ Nanas gegenüber ihren Mitmenschen wider, d.h. man redet ständig aneinander vorbei und geht nicht auf die Bedürfnisse des jeweils anderen ein. Die Liebe, so Parain, sei ein Gefühl, dessen Intensität nur durch die Relation zum Erfahrungsschatz des Ichs gemessen werden könne; inwiefern „Liebe“ also als existent angesehen werden könne oder nur ein Trugbild des menschlichen Seins sei, bleibe fraglich. Begreift man diesen Dialog als „Schlüsselszene“ des Films, offenbart sich also ein zutiefst pessimistisches Menschenbild...
Im dritten Bild sieht sich Nana im Kino Carl Theodor Dreyers Stummfilm „La passion de Jeanne d’Arc“ an. Godard integrierte die Szene des Stummfilms, in der man Jeanne d’Arc das Todesurteil verkündet, bewusst in den Film und inszenierte sogar die vorletzte Szene ebenfalls als Stummfilmsequenz, um dem Zuschauer in gewisser Weise eine Identifikation Nanas mit Jeanne d'Arc, die als Verfechterin der Freiheit in die Geschichtsschreibung eingegangen ist, nahezulegen; Nana soll offensichtlich als „moderne Jeanne d’Arc“ begriffen werden. Daraus lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass Godard den Besitz von Geld in unserer modernen Gesellschaft als Voraussetzung von „Freiheit“ versteht- Nanas Schicksal stell also den (tragisch endenden) Versuch einer Einzelnen, frei und unabhängig zu leben, dar.
Alles in allem ist „Vivre sa vie“ ein faszinierender, gesellschaftskritischer Klassiker der Nouvelle Vague, der auf Grund seiner Experimentierfreudigkeit, seiner Tiefe und nicht zuletzt der Leistung der Hauptdarstellerin, Anna Karina, äußerst sehenswert ist.

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annaberlin

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Einer der bekömmlicheren Godard-Essayfilme, der den Zeitgeist der 1960er einfängt und von Anna Karina getragen wird, die die von der Gesellschaft verfolgte Prostituierte brillant spielt.

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