Oliver Twist

Oliver Twist (2005), CZ/GB/IT/FR
Laufzeit 130 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 22.12.2005

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6.6 Kritiker
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von Roman Polanski, mit Barney Clark und Ben Kingsley

England, Mitte des 19. Jahrhunderts: Der junge Oliver Twist wächst in ärmlichsten Verhältnissen und ohne Wärme und Geborgenheit im Waisenhaus auf. Als er bei einem Totengräber in die Lehre geschickt wird, gelingt ihm die Flucht nach London. Doch auch in der unheimlichen Großstadt steht ihm das Glück zunächst nicht zur Seite. Er gerät in die Fänge des berüchtigten Bandenchefs Fagin, der elternlose Jungs als Taschendiebe für sich arbeiten lässt. Noch schlimmer ist der skrupellose Gauner Bill Sykes: Er zwingt Oliver dazu, bei seinem Gönner Mr. Brownlow einzubrechen, wo er auf frischer Tat ertappt wird.

HandlungDas Waisenkind Oliver TwistOliver Twist (Barney Clark) ist ein Waisenjunge von neun Jahren. Aufgewachsen im Armenhaus wird er nun durch seinen Vormund Mr. Bumble (Jeremy Swift) an eine Manufaktur weitergegeben, in der Hunderte von Kindern täglich schuften müssen. Als er eines Tages beim Losen verliert, muss er während des Essens eine Ungehörigkeit begehen, die von Seiten der Aufseher nicht gut aufgenommen wird: er bittet um etwas mehr zu essen. Daraufhin wird er von Mr. Bumble einem Richter vorgeführt, um den Jungen für 5 Pfund als Lehrling zu verkaufen. Der Antrag eines widerlichen Schornsteinfegers wird vom zuständigen Richter allerdings abgelehnt, als Oliver inständig darum bittet. Der blasse Junge wird daraufhin in die Obhut der Sowerberry gegeben.

Unter der geizigen Hand der Mrs. Sowerberry (Gillian Hanna) lässt es sich schlecht genug leben. Doch Schikanen muss der mittlerweile Zehnjährige auch von dem Lehrling Noah ( Chris Overton) und der Haushaltshilfe Charlotte (Teresa Churcher) über sich ergehen lassen, während Mr. Sowerberry ( Michael Heath) aus Olivers niedlichem Gesicht Profit zu schlagen versucht. So wird Oliver zum Leichenbestatter, was die Eifersucht von Noah hinaufbeschwört.

Oliver Twist in LondonNoah provoziert eines Tages Oliver mit Bemerkungen über dessen Mutter, worauf der Waise Noah zusammenschlägt…

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Kritiken (2) — Film: Oliver Twist

SoulReaver: CinemaForever

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7.0Sehenswert

[...] An erster Stelle sei nochmal gesagt: Roman Polanski hat aus 'Oliver Twist' keinen Kinderfilm gemacht, den man sich bei Langeweile am Sonntag mit den Kleinen in Ruhe anschauen kann. Dafür ist der Film einfach zu düster und gelegentlich auch zu brutal. Man sieht einen Erhängten baumeln, ein Mädchen wird zu Tode geprügelt und auch so muss Oliver einiges an physischer und psychischer Gewalt einstecken, die sicher nicht spurlos an kleinen Kindern vorbeigehen wird. 'Oliver Twist' ist vielmehr ein authentisches und realistisches Jugenddrama zwischen Freundschaft und Verbrechen. Auch die Gesellschaftskritik, die uns symbolisch die dickbäuchigen Reichen und die gebrechlichen, dürren Armen wieder gegenüberstellt, trifft heute noch zu. Die Kürzungen der Handlung stören nicht weiter, Polanski fokussiert sich auf das Wesentliche und macht aus 'Oliver Twist' sicherlich eine gute Literaturverfilmung. Was dem Film dann aber schadet, sind die Längen. Nach etwas trockenem Beginn findet der Film zwar schnell in seine Spur, tritt aber dennoch gelegentlich zu sehr auf der Stelle. Auch auf der emotionalen Ebene will 'Oliver Twist' nicht immer zünden. Man kann sich mit dem Protagonisten schnell anfreunden, hat mitgefühlt und doch fehlt der letzte Kniff, um wirklich richtig mitzugehen. So inszenierte Polanski hier eben "nur" einen guten Film, der in einem Fall aber über jeden Zweifel erhaben ist: handwerklich ist er perfekt. [...]

Kritik im Original 15 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Uwe Mies: Westdeutsche Allgemeine Zei...

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6.5Ganz gut

„Oliver Twist“ 2005 ist ein opulenter Kostümschinken. In den Prager Baradov-Studios wurde detailbesessen eine Kulisse aufgebaut, die fünf Straßenzüge umfasste und mit bis zu 800 zeitgenössisch eingekleideten Statisten bevölkert wurde. Aber trotz dieser Schaupracht wirkt der Film kulissenhaft, die Inszenierung der Komparserie wie Laientheater.

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Kommentare (6) — Film: Oliver Twist

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Kubrick_obscura

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Bewertung5.5Geht so

Eine wahrlich biedere, aber handwerklich makellose Literaturverfilmung. Dass das Buch eigentlich viel umfangreicher ist, spürt man keine Sekunde. In erster Linie appelliert Polanski an unseren Gerechtigkeitssinn und bringt uns dazu diese und unsere Welt zu vergleichen. Am Ende kommen wir darauf hinaus, dass es nicht nur Unterschiede gibt. Doch auch wenn das Szenenbild meterhohen Dreck rankarrt, bleibt "Oliver Twist" überwiegend glatt, sauber und, ja, bieder. Altherrenfilm.

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Uwe B.B.B.

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Hervorragende Lieraturverfilmung, bei der der Schwerpunkt ein wenig zu sehr auf eine Nebenrolle verlagert ist. Ben Kingsley ist als Fagin brillant.

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Rukus

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Bewertung7.5Sehenswert

Wie ich es liebe, wenn Filmemacher völlig unbedrängt am Inhalt literarischer Klassiker rumfuhrwerken. Monks und der Teil mit den Maylies wurde komplett geschluckt und Olivers Hintergrundgeschichte quasi ersatzlos gestrichen. Seine Ausbildung wurde extrem verknappt und marginalisiert. Schade eigentlich, denn da steckt viel drin. Polanski ändert somit die Geschichte in wesentlichen Teilen ab und setzt einen anderen Fokus. Er behält zwar die prinzipielle Entwicklung in Olivers Lebensgeschichte bei, konzentriert sich aber darauf, das Unmenschliche jener Zeit zu präsentieren. Kinderarbeit, verbunden mit unwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen, Waisen, die für die Gesellschaft nur von Wert sind, wenn sie etwas leisten, egal, wie alt sie sind. Hinzu kommt ein generelles Gefühl von Ungerechtigkeit, das einen modernen Zuschauer immer wieder innerlich aufschreien lässt.

Es war keine gute Zeit für all jene, die maximal mit einem hölzernen Löffel im Mund geboren wurden oder in ihrer sozialen Stellung abrutschten. Genau dies einzufangen, ist Polanski anschaulich gelungen. Zwei Welten in einer Stadt, das noble London und dessen verbrecherische Unterwelt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Keine Gentleman-Diebe, sondern üble Rauhbeine und listige Kinder, die auf Beutezug geschickt und im Gegenzug besser versorgt werden, als sie es sonst irgendwo erfahren würden. Ein recht spezielles Geben und Nehmen. Kinder haben nichts zu lachen in dieser Welt. Diese Situation und die dazu gehörige Atmosphäre transportiert Polanski in durchaus beeindruckender Weise. Leider lässt er dabei Oliver keine Ruhe, sich zu entwickeln. Trotz einer Spielzeit von gut zwei Stunden, die mir nicht im Ansatz als solche vorgekommen sind, bleibt keine Zeit für Oliver. Es ist nicht so, dass man irgendwo einfach kürzen könnte oder sollte, es ist einfach viel, das in dem Buch steckt und untergebracht werden will. Bedenkt man, dass einige Teile gestrichen und abgekürzt wurden, muss ich sagen, wäre ein Zweiteiler wohl die sinnvollere Dareichungsform für diesen Roman. Und dennoch, lässt man das Buch selbst außer Acht und betrachtet allein den Film, und wie er funktioniert, ist er absolut gelungen und sehenswert. Es ist die teils packende, teils rührende und in jedem Fall wirklich interessante Geschichte eines Jungen, dem das Leben übel mitspielt.

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Filmkenner77

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Bewertung6.5Ganz gut

Ein realistisches Sozialdrama, das für Kinder eher weniger geeignet ist. Düster, aber nicht durchgängig packend und nur in wenigen Momenten rührselig. Von Polanski hat man schon bessere Filme gesehen.

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McAlloon

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Bewertung7.5Sehenswert

Ich war ja auch erst eher skeptisch, ob ich mir den Film tatsächlich ansehen sollte. Die ersten Reviews klangen nach einem lauwarmen Aufguß eines übermäßig bekannten Stoffes. Neugierig machte mich dagegen die Besprechung im Filmdienst, die auf Parallelen der Geschichte zu Polanskis eigener Biographie deutete. Und ich erinnerte mich daran wie lauwarm damals 'Die neun Pforten' von der Kritik aufgenommen wurde, ein Film der zumindest mir hohes Vergnügen bereitet hatte.

Wenn man nun seine Erwartungen an Polanski und den klassischen Stoff etwas herunterschraubt, dann sieht man einen Film für den sich sein Regisseur ganz bestimmt nicht zu schämen braucht. Publikumswirksam ist der Film mit Sicherheit geworden, denn in der Nachmittagsvorstellung wo ich den Film sah, saß zwar ein überwiegend älteres Publikum, aber es waren auch viele Kinder anwesend und man konnte spüren wie gebannt alle von dem Geschehen waren und wie sie besonders in der zweiten düstereren Hälfte mit jeder neuen Wendung zum Schlimmeren mitgingen.

Vielleicht hatte die Kritiker gestört, das Polanski hier einen eher simplen, kindgerechten Film gedreht hatte. Ich kann an dieser Herangehensweise aber nichts Negatives entdecken. Zumal gerade die zweite Hälfte des Films den jüngeren Zuschauern einige (wie würde Lemony Snicket sagen) 'betrübliche Vorkommnisse' zumutet, wie sie in einem Disney-Film eher nicht zu finden sind. Das Happy End muß man sich in der Welt von Charles Dickens hart verdienen.

Zudem besitzt der Stoff immer noch genügend Realitätsbezug, der in einigen Details auch besonders betont wird. Auch heutzutage sind wieder einige fettgefressene Bonzen der Ansicht, dass sich die weniger Glücklichen doch gefälligst mit dem Teller Haferschleim begnügen sollten, den man ihnen großzügigerweise überlässt. Positiv fiel auf, wie mit kurzen Andeutungen eine große Wirkung erzielt wurde. Wie man das Erzähltempo anzieht und wieder drosselt beherrscht Polanski immer noch besser als derzeit tätige Genre-Handwerker die den Zuschauer mit atemlosen Höhepunkten bombadieren.

Negativ war für mich dafür die sehr gefühlsduselige Musik von Rachel Portman, die etwas dezenter eingesetzt bestimmt besser gewirkt hätte.

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1oOwaCk

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Das Buch habe ich nicht gelesen. Aber im Gegensatz zu der Verfilmung mit Elijah Wood ist dieser Film dunkler und um einiges brutaler. Auch das Ende ist einen kleinen Tick anders gestaltet. Ich persönlich bevorzuge die andere Verfilmung, weil ich sie kindgerechter finde.
Hervorzuheben ist Ben Kingsley, der wie immer seine Rolle überzeugend darstellte.

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