Lourdes

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2009

Lourdes - Poster
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Kritiker: 8.2 Community: 7.4 33 Bewertungen

Kinostart: 01.04.2010, Laufzeit 95 Minuten.

Hauptfigur des Films ist eine gelähmte Frau, Christine: wir sehen die Reise durch ihre Augen, ihr durch die Bewegungsunfähigkeit eingeschränktes Blickfeld ist unser Fenster zur Welt, durch das wir ihre Sehnsucht nach menschlicher Gemeinschaft und Nähe erleben. Ihr durch die Krankheit verändertes Leben hat sie in eine unfreiwillige Isolation gezwungen, die sie überwinden möchte. Sie sehnt sich danach, wieder… Mehr

Cast
Gilette Barbier, Walter Benn, Martin Habacher, Hubert Kramar, Gerhard Liebmann, Elina Löwensohn Mehr
Regisseur
Jessica Hausner
Autor
Jessica Hausner
Genre
Drama

Kritiker — Film: Lourdes

José Garcia: Textezumfilm

8.0Ausgezeichnet

Gedreht wurde „Lourdes“ an originalen Schauplätzen. Dennoch spielt der Film an wenigen Orten – Christines Krankenzimmer, dem Speisesaal, den Heilsbädern, der Wallfahrtskirche. Die wenigen Totalen des Films gelten einem Gruppenfoto vor der Wallfahrtskirche und einem Ausflug in die unmittelbare Umgebung. Die meisterhafte Kamera von Martin Gschlacht arbeitet mit hochauflösender, fast hyperrealistischer Schärfe und insbesondere mit Farbkontrasten: das Blaugraue der Schauplätze auf der einen, die intensiv roten Malteseruniformen auf der anderen Seite.
Jessica Hausners Film gelingt eine eigentümliche Ambivalenz, die etwa dazu führte, dass „Lourdes“ bei den 66. Filmfestspielen Venedig 2009 nicht nur den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik, sondern sowohl den Signis-Preis der ökumenischen Jury als auch den Brian-Preis der Union der Atheisten und Agnostiker erhielt. Denn eine klare Antwort auf die eigentliche Filmfrage, ob Christines offensichtliche Heilung wirklich als Wunder zu bezeichnen ist, gibt „Lourdes“ nicht. Vielleicht war sie lediglich der Traum, von dem Christine selbst erzählt: Sie sei gelähmt und die Jungfrau Maria sei ihr erschienen. Da sie sie aber nicht richtig habe verstehen können, sei sie aufgestanden – dadurch habe sie gemerkt, dass sie nicht mehr gelähmt sei. Weil jedoch der Film mit „Felicità“ endet, dem italienischen Schlager der 80er Jahre von Al Bano und Romina Power, entlässt „Lourdes“ den Zuschauer trotz der den ganzen Film durchziehenden Skepsis mit einem Gefühl von dem unbeschwerten Glück, das der Schlager besingt.

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Kirsten Liese: BR Online, Kinofenster, Dar...

8.5Ausgezeichnet

Lourdes | Eine Gelähmte erhebt sich aus eigener Kraft und kann wieder gehen. Ein Wunder? Keine Angst, hier wird weder katholisch missioniert noch zu einer Pilgerreise überredet. Lourdes wirft vielmehr einen ironischen Blick auf einen kommerzialisierten Wallfahrtsbetrieb, in dem Filme Krankenheilungen suggerieren, aber noch nicht einmal die Priester selbst ernsthaft daran glauben. Noch dazu müssen sich die Frommen neiderfüllt damit abfinden, dass ausgerechnet die Frau, der die Gnade widerfährt, aus ihrem Rollstuhl aufstehen zu können, gar nicht so gläubig ist. Was bringt es also, das stundenlange Anstehen vor der Grotte, das Betasten der Heiligtümer, das heilige Wasser, wozu all die Madonnenkulte, Messen und Rituale? Der Film mokiert sich nicht über die Heerscharen, die Hoffnung suchen, wo Ärzte ihnen keine mehr geben können. Aber statt Trost gibt er viele Fragen mit auf den Weg.

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Kommentare — Sehenswert 7.4

eierfeile

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein äußerst kühler Blick auf die hoffnungsfrohen Pilger und Kranken, die in einer Lourdes-Reise den letzten Ausweg sehen. Die Regisseurin lässt ihre Schauspieler an Originalschauplätzen beinahe dokumentarisch agieren, und diese nüchterne Distanz ermöglicht dem Zuschauer einen tiefen Einblick in Glaubensdinge. Doch der Film verhöhnt keine der Figuren und auch den Glauben an sich nicht. Allein die Bilder der "Hoffnungsindustrie" aus Lourdes selbst lassen Zweifel daran aufkommen, ob die Kirche würdevoll mit ihren Mitgliedern umgeht.

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maxgoesche

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Bewertung9.0Herausragend

Lourdes ist von einer ungeheuer stringenten Bildsprache. Schon die Eingangssequenz ist Zeugnis einer brillanten Regie. Es ist diese Handschrift, die das alte Kilischee vom "Weinen oder Lachen" elegant umschifft. Der Film verhandelt natürlich viel mehr als Glauben und Religion. Wir selbst sind es, unser Zynismus und unser Neid, hierarchische Gesellschaftsstrukturen und spießiger Rationalismus, die uns Wunder verleugnen lassen, weil sie unsere kleine, feine Welt zu erschüttern drohen und die Komplexität der Wissenschaften und Glaubenssysteme ad absurdum führen. Schön zu sehen, wie solche Topoi einmal nicht in esoterischem Wohlgefallen verwässern.

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Schlegel

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Bewertung7.0Sehenswert

Karges Kino zwischen Parabel, Doku und Groteske. Manchmal zu holzschnittartig. Genau richtig für die Osterfeiertage.

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