Persona

Persona (1966), SE Laufzeit 85 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 25.08.1967


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44 Kommentare
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von Ingmar Bergman, mit Bibi Andersson und Liv Ullmann

In Ingmar Bergmans experimentellem Drama Persona kümmert sich eine junge Krankenschwester um eine Schauspielerin, die seit einer Aufführung nicht mehr spricht.

Handlung von Persona
Nach einer Elektra-Aufführung verharrt die Schauspielerin Elisabeth Vogler (Liv Ullmann) schweigend in ihrer Rolle. Körperlich und psychisch scheint sie jedoch vollkommen gesund zu sein. Die junge Krankenschwester Alma (Bibi Andersson) kümmert sich um die apathische Künstlerin. Auf einer einsamen Insel verbringen die beiden Frauen einige Wochen gemeinsam in einem Ferienhaus. Alma und Elisabeth entwickeln eine sonderbare Beziehung gegenseitiger Abhängigkeit: Während die eine schweigt, beginnt die andere zu erzählen und offenbart so ihr Innerstes.

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Kommentare (39) — Film: Persona


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MrDepad

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Bewertung9.0Herausragend

Selbst nach fast 50 Jahren bleibt "Persona" von Ingmar Bergman ein wunderschönes, bewegendes, rätselhaftes wie sinnliches Drama, das uns aufgrund seiner Themenvielfalt, Komplexität und Vielschichtigkeit mit Sicherheit mindestens noch einmal so viele Jahre beschäftigen wird.
Nach einer der betörendsten und zugleich verwirrendsten Intro-Montagen überhaupt erzählt Bergman die Geschichte von zwei Frauen. Die eine ist Alma, eine Krankenpflegerin. Sie erhält die Aufgabe, die Schauspielerin Elisabet zu betreuen, die von einem auf den anderen Tag aufgehört hat zu sprechen, obwohl sie körperlich wie geistig eigentlich völlig gesund ist. Nachdem sie sich für die weitere Behandlung zusammen in ein Ferienhaus begeben, beginnt sich die offene Alma der schweigenden Elisabet immer stärker zu öffnen und berichtet in bestgelauntester Manier und voller sprudelnder Worte von ihrem Leben.
Dieses Szenario nutzt Bergman, um zunächst einen Seelenstriptease der eindringlichen Art zu entblättern, in welchem Alma immer stärkere Ähnlickeiten zu ihrer Patientin bemerkt. Im weiteren Verlauf entspinnt sich ein komplexes, mitunter sogar leicht erotisches Geflecht, bei dem der Regisseur das Wechselverhältnis zwischen den beiden Frauem vor allem auf psychologische Weise immer stärker vertieft.
Dieses Vexierspiel rund um wechselnde Persönlichkeiten, zweifelhafte Identitäten und tiefe Offenbarungen wurde von Bergman so vorbildlich inszeniert, dass sich bis heute in manchen Filmen Einflüsse aus diesem Werk erkennen lassen. Hauptsächlich durch die beiden grandiosen Hauptdarstellerinnen sowie den begrenzten Handlungsraum getragen und durch kraftvolle Schwarz-Weiß-Bilder sowie extrem eindringlichen Dialoge bzw. fast schon Monologe verstärkt, bei dem oftmals nur durch das Zuhören dazugehörige Bilder im Kopf des Betrachters entstehen, führt Bergman sein Werk zwangsläufig zu einem einschnürenden Höhepunkt.
Das Gesehene zu interpretieren und zu beurteilen bleibt anschließend dem Zuschauer überlassen, Ansätze bekommt man aber einige.
Die Sezierung der Persönlichkeiten zweier unterschiedlicher Frauen, die sich in manchen Merkmalen ähneln? Eine Frau, die der Abspaltung ihrer genau gegensätzlichen Persönlichkeit begegnet? Es bleibt ein Rätsel, welches jeder für sich selbst lösen darf.

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jacker

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Da mir zu diesem Film absolut die Worte fehlen, bin ich immr wieder fasziniert, dass andere sie finden.. Schöner Text!


MrDepad

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Danke ;)


Cinepheel

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Bewertung7.0Sehenswert

Kaptatorisch-reduzierte, dichotome Daseins- und Interferenzmuster funktionalisieren das graphematisch-affektive Potenzial der bilateralen in chiffrenhaft ablativischer Form vorhandenen Affektionsflächen, die in ihrer peripheren Funktion als hypertroph-homodante Explanationsgefüge eines abstrakt-holistischen Sinnzusammenhanges der graphematisch-analytischen (d.h. dichotom-hermeneutischen) Perzeption zu Beginn verschlossen bleiben. Der daraus resultierende Co-Konditionalismus, ein quasi-hylischer Schock, räumt zunächst alle redundant gewordenen Narrationshypostasen indemonstrabler Wahrnehmungsgehalte vom Tisch. Damit wird eine graduell-heterogene Affekt-Validierung der sich in baldiger Folge als systemimmanent FREMDreferentiell entpuppenden reduktiven Struktur möglich, die sich, ihren eigenen Widerspruch in sich enthaltend, innerhalb eines entropisch negativ abgegrenzten Gestaltfunktivs dyadisch unter jenes aphotische Hyper-Begehren subsumiert, dessen Abdämpfung die Charaktere im Laufe des Films fortwährend zu aktualisieren versuchen.

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francisco

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Homodante!


TheDrPepperPower

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Bewertung0.0Hassfilm

PERSONA ist ein Film, der nichts fragt und natürlich erst recht nichts aufklärt. Gott bewahre, solcherlei niederes Operieren wäre ja zutiefst widerwärtig, geradezu anti-künstlerisch. Ja, ein wahres Meisterwerk sollte absolut undefiniert bleiben, in ausnahmslos jeder Hinsicht. Charaktere sind für den Pöbel, Menschen im Film müssen allgemein, flach, leer bleiben, damit sich ein jeder (Idiot) in sie hineinversetzen kann. Eine Story (pfui, das Unwort des Jahres!) muss selbstverständlich "transzendiert" - oder mit anderen Worten: vernachlässigt, im Keim erstickt und verachtet - werden. Es sollte keine Geschichte erzählt werden, nicht einmal fragmentarisch - hach, süß, wie das niedere Filmemachervolk so etwas "gestern" noch versucht hat - nein, vielmehr muss eine völlig sinnfreie Kollage zusammenhangloser Bilder und Monologe erstellt werden, denn erst dann fühlt man auch etwas als Zuschauer. Das letztendlich von jedweden Störfaktoren (auch bekannt als filmischem Handwerk) bereinigte Kunstwerk zeichnet sich schließlich dadurch aus, dass es seine Leere für sich schweigen lässt, also vollkommen vollkommen ist. Endlich wurde ein Film geschaffen, der vom Ballast der Sinnhaftigkeit befreit ist. Freudig können nun die Weingläser geschwenkt werden und die Chöre aus "ooohhh" and "aaahhhh" erklingen choralartig. Eine wahrlich beeindruckende Fülle von Leere. Ladys and gentlemen, ich präsentiere ihnen feierlich: Ingmar Bergmann und sein magnum opus... nichts.

PERSONA ist so komplex wie ein 10.000-seitiges Buch über die Psyche des Menschen - mit leeren Seiten. So schwer zu begreifen wie eine Möbiusschleife - aus Luft. Visuell so beeindruckend wie, nun ja, zwei Frauen die in einem Zimmer abhängen und zwischendurch am Strand herummeandern. Der dumme Pöbel (in diesem Falle: ich) fragt dann manchmal zögerlich und verwundert: "Ähm, Entschuldigung, aber in welcher Weise ist das jetzt bitte visuell beeindruckend?" Doch die Antwort erschallt sogleich: "Pssst, wittern sie nicht die Kunst, hier überall?" ("bzw. irgendwo", denke ich.) So schließe ich mich aus Angst vor dem wahnsinnigen Künstlermob lieber resigniert dem Kanon an: Whatever, PERSONA ist wohl schlichtweg der beste Film aller Zeiten (sogar noch knapp vor AVATAR, BATTLEFIELD EARTH und sogar dem noch schwerer zu schlagenden Testbild).

So Freunde, jetzt mal Butter bei die Fische: Was ist das hier? Dadaismus? Eine Kunstfilmparodie? Muss ein Film wirklich erst das Undefiniertheitsbarometer in einer nuklearen Explosion sprengen, damit er als große Kunst gilt? Ich könnte gerade wirklich kotzen (gerne auch in Reimform, wenn es dadurch dem Kunstfreund genehmer ist). Was für eine unendliche Scheiße war das bitteschön gerade? Wieso sollte es eine Leistung sein, filmische Zusammenhänge NICHT herzustellen? Wieso möchte ich einen Film lieber NICHT verstehen können? Wieso sollte ein Film KEINE Systematik haben?

Not sure if serious... please let me in on the joke... oder ist hier irgendwo die versteckte Kamera? Schluchz, Hilfe, sind denn plötzlich alle verrückt geworden? Ist das hier die DrPepper-Show, in der mein Leben von zig Kameras protokolliert wird, nur damit ich am Ende Ed Harris treffen kann, der mich darin einweiht, dass man mir 80 Jahre lang vorgespielt hat, dass PERSONA von allen Seiten bunt umschwärmte Kunst sei, nur um sich jetzt für fünf Sekunden an meinem verdutzten Gesicht zu ergötzen? Zur Hölle, das würde ja immerhin noch EIN WENIG Sinn ergeben. Aber sich vorzustellen, dass PERSONA ernsthaft von echten Menschen geschätzt wird, würde mich wohl schlussendlich völlig in die Gefilden des puren Wahnsinns abschweifen lassen. Vielleicht würde ich sogar stumm werden und mir einbilden, ich wäre meine Krankenschwester oder umgekehrt oder fünf mal im Kreis herum im Rückwärtsgang...

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NightBeat

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@TheDrPep: Dich indoktrinären Konformisten hat der Kapitalismus scheinbar fest im Griff?!


old . man

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Ich will deinen Rage nach Lynch filmen lesen ;-P


Gabster

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Bewertung6.5Ganz gut

Natürlich ist dieser Film großartig und ein Meilenstein des Kinos. Handwerklich und inhaltlich gibt es an "Persona" absolut nichts auszusetzen. Bergman hat alles bis ins kleinste Detail durchdacht und zieht die Intensitätsschraube genüsslich von Minute zu Minute fester. So gesehen ist der Film perfekt.
Aber ich habe leider zu dem Film nicht einen Moment lang einen Zugang gefunden. Dieses Surrealistische, Träumerische ist sicher gut umgesetzt, ich kann nur leider nichts damit anfangen (das ist auch immer mein Problem mit Bunuel). Es ist einfach nicht meine Art von Kino. Wer darauf steht, für den ist "Persona" sicher DER Film schlechthin. Mir kam es immer so vor, als werfe Bergman seine beiden Hauptfiguren (beide umwerfend gespielt) wie Laborratten in einen Käfig, kippt ein paar psychische Probleme und existenzielle Fragen hinzu, schüttelt das gut durch und schaut mal was passiert. Mir ist Bergman lieber, wenn er sich seinen Figuren wie echten Menschen nähert und ich mich in deren Problemen wiederfinden kann. Aus rein subjektiven Gründen kann ich den Film bei aller Finesse also leider nicht abfeiern, aber jedem, der mit o.g. Punkten im Gegensatz zu mir etwas anfangen kann, sei der Film wärmstens empfohlen.

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dannydiaz

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Google einfach mal das Wort "Persona",lies oder lass dich mal treiben und dann guck ihn bei gelegenheit nochmal.
der film ist nicht surreal sondern subconsious.


Gabster

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Werde mir den sicher noch mal ansehen, interessant genug dafür ist er. Ob das, was mich davon abgehalten hat, den Film zu genießen, jetzt Surrealismus zu nennen ist oder nicht, ist letztlich Haarspalterei.


longus69

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Bewertung9.0Herausragend

Soviele Kommentare vor mir, mit Fremdworten die ich nachschlagen müsste wurden bereits über diesen Film verfasst um seine Kongenialität in Worten einzufangen...

Dieses Werk über Schein und Sein, Realität und Traum, Verwirklichung und Rollenspiel und zugleich fast allen Aspekten des Menschseins, und dem damit verbundenen Schauspiel, den Lügen, den Selbstzweifeln, dem Gefallen-Wollen den Mitmenschen gegenüber und trotzdem den Respekt sich selbst gegenüber wahren wollen, dieses Werk spielt m.E. auch zugleich mit dem Umstand der Zivilisation und des Fortschritts welches den Menschen solche Rollen erst indoktriniert, ihn seine Natürlichkeit und seine Menschlichkeit verlieren lässt in Anbetracht der Herausforderungen wie Gottglauben, Gewissenskonflikte o.ä. welche auf ihn lauern seit er "von den Bäumen runter" ist...

Dies alles, in dieser im Grundsatz genial einfachen Geschichte mit den Ebenen der Realität kokettierend, umgesetzt zu sehn, und zwar dergestalt, dass hochkarätiger Kunstfilm für fast jedermann konsumierbar bleibt... Das fasziniert schlichtweg...

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Audreyfan

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Bewertung9.0Herausragend

» Kann man zur gleichen Zeit ein- und dieselbe Person sein? «
Zwei Frauen. Sie sehen sich ähnlich, nicht unbedingt auf den ersten Blick. Elisabeth scheint weicher, hat längere Haare, ein weiblicheres Gesicht. Alma hat kurze Haare, ein spitzeres Gesicht. Das sind die Oberflächlichkeiten.
Alma scheint eine intelligente Frau zu sein, die weiß was sie von sich und dem Leben will. Sie weiß, was sie kann, was sie nicht kann. Sie scheint vernünftig zu sein, denn schließlich ist sie auch Krankenschwester, da muss man einen gewissen Verstand haben, grob gesagt.
Elisabeth ist Schauspielerin und die Schauspielerei verbinden wir doch mit Leidenschaft, mit Kunst. Man muss eine andere Person verkörpern mit Leib und Seele. Ist das dann Lügen, Täuschen, Selbstbetrug? Elisabeth ist nicht nur eine leidenschaftliche Schauspielerin am Theater, sie scheint auch sonst alles in ihrem Leben mit vollem Herz zu machen. Körperlich und geistig gesund versinkt sie in Schweigen und karge Mimik, dazu braucht man doch eisernen Willen.
Alma ist fasziniert von Elisabeth, diese bekannte und doch unbekannte Person. Sie fürchtet sich zwar ein wenig vor der großen Aufgabe auf Elisabeth aufzupassen, nimmt sie aber doch an. Sie will so sein wie sie. So schön, so impulsiv, so berühmt, sie will so gut schauspielern können, so eine große Seele haben und nicht mehr nur die kleine, vernünftige Krankenschwester sein. Dabei ist sie gar nicht so vernünftig, wie es scheint. Alle ihre Handlungen, alle ihre Wörtern kommen nicht aus Überlegungen, sie kommen aus einem inneren Impuls. Sie ist nicht nur launisch, sie lässt sich von ihren Launen treiben. Ängstigt sie die erzählte Orgie am Strand zuerst, genießt sie sie ein wenig später schon wie noch nie zuvor und das ohne erkennbare Wendung. Ein paar Worte bringen sie komplett durcheinander, machen aus der fürsorglichen Frau eine rachsüchtige. Und dann wechselt sie wieder von der tollpatschigen zur kalkulierten. Von der realistischen zur verträumten. Sie vertraut sich an und dann weist sie ab. Sie will ängstigen und dann will sie wieder kümmern. Sie will so sein wie Elisabeth und dann wieder nicht, weil sie merkt, dass es kein unerfüllbarer Wunsch ist jemand anderes zu sein, sondern dass es einfach ist. Gefährlich einfach.
Elisabeth selber hingegen bleibt ein leerer Charakter. Die kleinen Fetzen, herbeigetragen von den Nebencharakteren und ihr selber können keinen Prozent der Charakterisierung füllen. In der meisten Zeit ist sie nur das, was Alma in ihr sehen will und was andere von ihr denken. Dass sie immer schweigt, lenkt den Blick nur noch mehr auf ihre Mimik. Warum lächelt sie? Warum weint sie? Der Brief scheinen ihre einzigen Worte zu sein, doch es ist kein Geheimnis, dass wir etwas anderes schreiben, als wir sagen würden. Ihre Gesten, ihre Mimik geben viele Eindrücke, doch wirkliche Tatsachen zusammen reimen kann man daraus nicht. Dazu scheint zu viel gegensätzlich und zu wenig aus ihrer eigenen Sicht. Und doch scheint nicht sie die von der Leidenschaft getriebene Person zu sein, sondern eher die vernünftige, die ernste. Ihr Gesicht ist weich, aber ihre Augen blicken ernst, bemerkt Alma anfangs. Alma ist hier die bessere Schauspielerin, die zerrissenere, die impulsivere Frau.
Das meiste was vom Film in Erinnerung bleibt, sind immer wieder ihre zwei Gesichter. Gesichter. Gesichter. In ihnen spielen sich Geschichten und fast die gesamte Wahrnehmung ab.
"Persona" ist so ein schlichter Film. So subtil, dass man als Sinnbild hauchdünne Schokolade nehmen könnte, die man nur schmeckt, wenn man sie sich langsam und wohlüberlegt auf der Zunge zergehen lässt.
Und dann saß ich da und der Film war zu Ende. Ich nahm die DVD noch nicht raus, ließ den sirrenden Ton des Menüs ein paar Mal im Raum klingen, schaltete auf Stumm. Ich stand auf, ging durch das Haus, in meinem Kopf ein Tornado. Dann setzte ich mich wieder und startete den Film von vorne. Es war das erste Mal überhaupt, dass ich einen Film direkt zweimal hintereinander schaute.
Was mir bei der zweiten Sichtung vor allem auffiel, war dann das andauernde Vorhersehen und Reflektieren. Ich glaube nicht daran, dass da ein Zufall ist. Geradezu jeder signifikante Satz oder Moment deutet voraus oder zurück. Man könnte schon nach der ersten halben Stunde, vielleicht sogar auch schon nach der ersten Viertelstunde sagen wie es in etwa enden wird. Und doch ist man dann überrascht wie so zwei eigentlich gegensätzliche Charaktere sich dann doch dermaßen ähneln können. Wie sehr die Anziehungskraft sie abstoßen kann. Und obwohl es immer so subjektiv ist, wenn ein Charakter sich selber charakterisiert, stelle ich doch fest, ohne geht es auch nicht. Alma könnte stundenlang über Elisabeth reden, wenn diese nicht ein einziges Wort sagt, habe ich am Ende immer noch das Gefühl, sie wäre gar nicht so wirklich da gewesen. Es scheint so authentisch, wenn Alma aus sich heraus geradezu ohne Vorwissen Episoden aus Elisabeths Leben erzählt und Elisabeths Reaktion darauf erscheint auch so, als ob es die Wahrheit wäre. Aber ist es das wirklich? Ich kann mir nie sicher sein, Elisabeth bleibt ein unbeschriebenes Blatt und Alma fast genauso, da alles Geschriebene von dem darauf folgenden überschrieben und gelöscht wird.
Selbst nach dieser zweiten Sichtung bleiben sehr viele Fragen offen. Nicht zwingend Nicht-verstanden-Fragen, sondern eher welche nach der Interpretation: Was wäre wenn ich diesen Moment anders interpretieren würde, wohin würde das führen? Was wäre dann der Sinn? Und gibt es noch andere Möglichkeiten? Es stimmt mich schon fast traurig, dass es ein fiktiver Film ist, denn wie auch selber im Film bemerkt: Außerhalb des Theaters spielt das, was wir spielen, keine Rolle, niemand fragt ob das wahr oder falsch, gut oder schlecht gespielt worden ist.
Dabei sind wir doch alle Schauspieler. Und wir haben längst nicht nur eine Rolle.

http://planetofpictures.blogspot.de/2014/03/persona-se-1966-ingmar-bergman-wer-bist.html

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dannydiaz

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sehr gute impression der gefühle während des films und reaktionen.
es macht übrigens auch sehr viel spaß die etlichen interpretationen über den film zu lesen. wenn man nur persona im netz eingibt, was man da so alles erfährt-
ich habe den film ebenfalls zweimal am stück gesehen.


Audreyfan

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Danke :) Hab mich noch gar nicht getraut, nach anderen Interpretationen zu suchen, weil ich befürchte, dass ich dann stundenlang lesend dasitzen werde :D auch gut zu wissen, dass man da nicht der einzige "Freak" ist, der Filme direkt zweimal schaut^^


jollyroger

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Therapiestunde mit Ingmar. Ich liebe an Bergmanfilmen ja, das ich meistens nix verstehe, mich danach aber immer signifikant schlauer als vorher fühle. Kann mir Doofi jetzt jemand erklären, was der Anfang mit dem Jungen mit dem Ende zu tun hat?

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frink

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Bewertung9.0Herausragend

Sprechen oder zuhören, gemeinsam oder einsam, leben oder sterben, innen oder außen, schwarz oder weiß...
Gegensätze ja, aber doch so ähnlich, so nahe beisammen.
"Persona" ist ein handwerklich perfektes Meisterwerk über mich und dich, alles und nichts.
Nichts, nichts...

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VisitorQ

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so gut, so spannend, so packend, so erotisch. ♥


Solveig

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Bewertung9.5Herausragend

"Elisabet? Darf ich dir ein bisschen aus meinem Buch vorlesen oder störe ich dich? Da ist nämlich eine interessante Stelle.
'All diese Ängste, die wir in uns tragen, unsere vereitelten Träume, die unerklärliche Grausamkeit, unsere Qual bei dem Gedanken, ausgelöscht zu werden, die schmerzvolle Erkenntnis unseres Zustands, haben unsere Hoffnung auf Errettung jenseits dieser Welt allmählich herauskristallisiert. Schreie unseres Glaubens und unseres Zweifels in die Finsternis und Stille sind die fürchterlichsten Beweise unserer Verlorenheit und der angstvollen Erkenntnis, die unausgesprochen bleibt.'"
------------
PERSONA ist dann doch einmal wirklich das, was ich als einen komplexen Film bezeichne, der auf vielschichtigen Ebenen so fabelhaft durchdacht ist, dass hier ernsthaft eine thematische beinahe bodenlose Tiefe und Intensität erreicht wird.
Dabei handelt es sich nicht nur um eine immer krassere Reflexion menschlichen Seins mit all den persönlichen und seelischen Konflikten und Ängsten, überhaupt des menschlichen Wesens mit all seinen Bedürfnissen, sondern auch eine Reflexion des (filmischen) Kunstbegriffs selbst. Aber nicht so, dass dieses Werk irgendwo auf einem hohen Sockel steht an dem man sich intellktuell messen oder beweisen müsste. Dass dieser Film Kunst und auch Reflexion seiner selbst ist, ist zum einen formal gegeben (Eröffnungs- und Endsequenz (die allerdings für mich darüber hinaus eine doppelte, auch inhaltliche Bedeutung haben), das Abreißen des Filmstreifens etwa in der Hälfte der Laufzeit, das relativ gen Ende des Films zu sehende Kamerateam, das gerade diesen Film zu filmen scheint, ...); zum anderen gibt es aber auch vor allem inhaltliche Momente, in der der Film danach fragt, was Kunst eigentlich für den Menschen bedeutet. Die junge Krankenschwester Alma hat vor zwei Jahren ihr Examen mit Bestnoten bestanden, ist verlobt und glaubt, mit ihrem zukünftigen Mann eine sichere Zukunft zu haben wie man sie in einem Bilderbuch wiederfinden könnte: eine bald glückliche Ehefrau mit vielen Kindern, die den Sinn ihres Lebens mit ihrem Beruf ausfüllen kann - so stellt sie sich dies jedenfalls vor. Als jedoch die in tiefe Lethargie gefallene Elisabet Vogler in ihre Obhut gegeben wird, die den Beruf der Schauspielerin ausübt und bei einer Theateraufführung in der Rolle der Elektra plötzlich verstummte und seitdem kein einziges Wort mehr gesprochen hat, wird sich mit der Zeit auch Einiges in Almas Weltbild verändern. Dabei bewundert die junge Frau ihre Patientin sehr, zweifelt anfangs, ob sie mit ihrer noch geringen Lebenserfahrung dieser willensstarken, sich verschließenden Frau gewachsen ist. Dies ändert sich jedoch, als Alma und Elisabet raus ans Meer fahren und dort in einem Bungalow der Krankenhausärztin gemeinsam Zeit verbringen und wo Elisabet allmählich zu genesen scheint - und Alma in ihr erstmalig eine Zuhörerin findet. Sie öffnet sich ihrer Patientin, erzählt von intimsten Momenten und die Wirklichkeit beginnt allmählich zu verwischen, sodass Alma so eine Innigkeit zu Elisabet aufbaut, die bis in homoerotische Träume abschweift. Der vorerst so naiv gezeichneten jungen Frau wird in ihr Inneres geblickt, bis sie merkt, dass sie nur ein Studienobjekt ist.
"Ich muss versuchen, ruhig zu bleiben, doch du schweigst und ich bin hilflos. Aber jetzt bestehe ich darauf, dass du mit mir redest. Sag doch nur ein Wort; ich flehe dich an, Liebste. - Ich wusste, es ist sinnlos. Du willst mich nicht verstehen. Schade, ich habe immer gedacht, dass große Künstler auch für ihre Mitmenschen Verständnis hätten, dass sie aus einem Mitgefühl schaffen und das Bedürfnis haben, zu helfen - und das war dumm."
Ab hier wird es brisant und auch die Rollen scheinen sich zu verschieben. Aus der naiven Alma, die zu Elisabet aufblickte und diese so sehr bewunderte, scheint zunehmend die dominantere Person zu werden, die jetzt ins Innere ihrer Patientin schaut und so manche Abgründe aufdeckt. Dabei wirft der Film allerlei anthropologisch-philosophische und auch metaphysische Fragen auf wie die nach der Suche von Vertrauen, Enttäuschungen, Leere, Einsamkeit, Schmerz, Hilflosigkeit - sind wir überhaupt gewollt in dieser Welt? Hat uns eigentlich jemand gefragt, ob wir überhaupt leben wollen? Wer wir sein wollen? Wer wir überhaupt sind? Sind wir überhaupt etwas? Die Identität Almas und Elisabets verschwimmt. Teilen sie dieselben Ängste, sind sie eigenständige Wesen? Machten diese Gedanken Angst? Kann man sich dagegen aufbäumen? Widerstand leisten? Und überhaupt: wer sind wir eigentlich? Haben wir einen (Wiedererkennungs-)Wert? Eine Identität, die nur uns gehört? Oder sind wir alle nur 'Persona' auf der Bühne des Lebens, Menschen, die Masken tragen, ablegen, neue anziehen, neue Rollen spielen, für den Moment - gibt es aber soetwas wie Beständigkeit im Personensein? Eine echte, existenzielle Person hinter der Maske? Und all diese Fragen führen schon wieder zu den vorerst aufgeworfenen und blicken zudem auch noch seitlich, um menschliche Sozialität, aber auch Grausamkeit, Angst und Zweifel zu beleuchten.
Durch visuelle Spielerein und Intensität, wie auch in den Dialogen, Monologen und im Schauspiel bohren sich die aufgeworfenen Fragen immer tiefer in den Zuschauer selbst und bringen auch in dessen Innerem so einiges durcheinander und nehmen ihn auf eine ebenso intensive eigene Reflexionsreise mit. (Randnotiz: Was ich nach meiner Erstsichtung abends für Träume nachts hatte - genau all das, was ich in meiner vor mir liegenden Zukunft am meisten fürchte habe ich nach PERSONA so eindringlich geträumt, dass ich am nächsten Morgen wirklich einen Moment braucht, um zu überlegen, ob ich jetzt wirklich im Hier und Jetzt bin und es eben nur ein Traum war.)
Vorallem die im Krankenhaus liegende Liv Ullmann werde ich nicht so schnell vergessen, wie das Licht schwindet, sich immer mehr Schatten und Dunkelheit auf ihrem Antlitz ausbreitet, bis nur noch die zwei winzigen leuchtenden Punkte ihrer Pupillen zu sehen sind. Dunkelheit zieht auf, Dunkelheit über all das, was wir für gewiss und sicher erachten - alles wird in Frage gestellt werden.
PERSONA sollte jeder einmal gesehen und selbst erlebt und für sich entdeckt haben. Und dennoch kann ich sagen, dass bei all der Komplexität, die selbstredend mit einem gewissen Anspruch einhergeht, dies ein Kunstfilm ist, wie er im besten Sinne sein sollte: Kunst, die dem Menschen wirklich etwas geben möchte und zum Erlebnis wird. Keine Kunst, die lediglich zum Selbstzweck wurde.

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JJGittes

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Wow. Was für ein unglaublicher Kommentar!!
"Oder sind wir alle nur 'Persona' auf der Bühne des Lebens, Menschen, die Masken tragen, ablegen, neue anziehen, neue Rollen spielen..." Diese Fragen irren nach dem Film in meinen Gedanken zunehmender umher.
Wenn mir ein Film besonders gefällt, kommt es ja manchmal vor, dass ich Selbstgespräche führe und mir selbst erzähle, was ich denn so wunderbar an dem Film fand (um den Gefühlen ausdruck zu verleihen), aber genau wie Liv Ullman bin ich jetzt völlig in mich gekehrt und einfach nur sprachlos.


Solveig

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@Gittes
Dankeschön für die Antwort. Ich glaube, diese Frage gehört zum Leben ewig dazu, egal welche Rolle man für sich gefunden hat, irgendwann kommt sicher die Frage 'was wäre eigentlich, wenn...?' und vielleicht durchlebt man PERSONA immer und immer wieder.
Ich selbst führe übrigens oft auf Spaziergängen Selbstgespräche, auch nach Filmen oder einem Buch/Gedicht - hilft sehr, Inhalte für sich zu verstehen. Und in Sachen Film ist das auch das Schöne an Moviepilot: wenn man hier über sie schreibt werden sie noch mehr zu etwas ganz Eigenem.


ProsperDune

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Bewertung10.0Herausragend

"Ich möchte am liebsten immer so leben. [...] Dieses Gefühl, wie sich die gequälte Seele allmählich wieder erholt."

Ein Film von Ingmar Bergman, eine wohltuende, heilsame Erfahrung?

Besonders nach PERSONA fühle ich mich durch die Art und Weise, wie ich - auf mich selbst zurückgeworfen - zur stetigen Selbstreflexion angeregt werde und zu Erkenntnissen über eigene innere identitätsbestimmende Vorgänge gelange, immer wie erfrischt.

PERSONA ist nur ein Film. Er versäumt nicht, ständig daran zu erinnern. Doch gerade ein Film, Filmkunst, kann erholsam sein.

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jeffcostello

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Persona beginnt und endet mit einer kryptischen, fiebrigen, traumartigen Sequenz die nur bedingt etwas mit dem eigentlichen Filminhalt zu tun haben scheint, - Bergman selbst sagte einmal sie sei nur ein filmisches Essasy über seinen angeschlagenen Gesundheitszustand, während dem Verfassen des Drehbuchs -, der allerdings auf den ersten Blick kaum weniger seltsam anmutet als die Eingangs-, und Schlusssequenz.
Eine Schauspielerin weigert sich zu sprechen und wird mit ihrer Krankenschwester auf die Insel Farö geschickt um sich auszukurieren, und während die Schauspielerin beharrlich schweigt, redet die Krankenschwester umso mehr, öffnet sich ihr, entblößt sich.
Beide leiden under Selbstbetrug, unter Lügen, und beide versuchen auf ihre Weise sich davon zu entledigen, die Krankenschwester, durch das Reden, dadurch dass sie versucht die Wahrheit zu sagen, und die Shauspielerin durch das Schweigen, wer nichts sagt, der muss auch nicht Lügen.
Ein sehr reduzierter Film, ein Kammerspiel, und am Ende steht die Frage nach Lüge und Wahrheit natürlich unbeantwortet im Raum, und dann begreift man, wie viel die fiebrigen Sequenzen vor und nach dem Film doch mit der Haupthandlung zu tun haben, denn sie stellen die Frage ob der Film selbst Lüge oder Wahrheit ist. Ein selbtreflexives Meisterwerk mit einmaliger Bildsprache.

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VisitorQ

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Boogers666

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Mein erster Bergman. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Mein Hirn ist immernoch Brei und ich kann keinen klaren Gedanken zu dem Film mehr fassen. Bergmans Studie über die Beziehung vom Film zu Zuschauer ist so eindringlich sowohl auf audioviuseller als auch auf emotionaler Ebene, das man trotz des fehlenden Interpretationsvermögens mitfühlt und mitfiebert. Bergman ist, das weiß ich jetzt, zwar Philisoph aber er versteht viel vom menschlichen Sein und darüber hinaus noch mehr von Filmen.

Ein längerer Kommentar wird wahrscheinlich noch folgen wenn ich dem Film einer Zweitsichtung unterzogen habe bzw. wenn ich mir etwas Gedanken dazu mache bzw überhaupt erst machen kann

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Absurda.

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Dann viel Spaß bei den weiteren Sichtungen! Ein Film zum immer wieder neu entdecken!


Boogers666

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Ja glaub ich auch :) freu mich schon drauf


deregenerator

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Die Chiffre kalibriert sich selbst zu heterogenen Freiräumen.

Die beweglichen Rückkopplungen gewährleisten einige Netzkünste und versuchen sich transitorisch anzunähern. Die anagogischen Topi durchbrechen die kontemplativen Offspaces des Schaffensprozesses.

Innerhalb dieser Ausschließungsmechanismen ironisieren die gleichberechtigten Datenräume als eine Intervention, in die sich die Grundrisse des Arbeitsprozesses mit dem Kunstbegriff in versuchsweise Identifikationen kontrastieren.

In den Kunstdiskursen der pittoresken Immigrationen konstruieren die Produktionsmodi die resistenten wie auch bruchstückhaften Kunstmaschinen. Dadurch ist der Kunstraum ein Kompromiss, infolgedessen partizipieren die Annäherung an Begriffe und Definitionen der Blickwinkel der Betrachtenden zu komplexen Texten.

Dieser Urbanismus bildet jene Konturen der Bewegungen und wiederholt diese hypotrop. Die dysfunktionale Diskontinuität ist in diesem Kommunikator als quadranguläre Struktur der Partizipation bereitgestellt, welche bereits die Einrichtung des Kunstbetriebs der Koexistenz zu den kompatiblen Ideenpools etabliert.

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zmpfl

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Kannst Du deinen Kommentar zum Film in etwas verständlichere Worte fassen? Ich würde gerne erfahren, warum PERSONA ein Lieblingsfilm von Dir ist. Vielleicht bringt mich Deine Begründung ja dazu, den Film selber anzuschauen und er wird vielleicht auch einer meiner Lieblingsfilme. Das wäre doch toll, oder nicht ?


emotionfreak

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Beeindruckende und faszinierende Bilder und gekonnte Spielereien mit der Kamera, wie Großaufnahmen des Gesichts einer der Protagonistinen, die aber eigentlich Großaufnahmen einer gequälten Seele sind. Das alles schon zu Beginn des Werkes. Bald gibt es auch erste Hinweise, worum es eigentlich geht. Projektion, Selbstreflexion, Selbstfindung. Elisabeth ist Schauspielerin, doch sie spielt nicht nur vor der Kamera, auch ihre Realtät, ist nur eine Rolle, die sie spielt. Schließlich muß sie eine Rolle spielen, der sie nicht gewachsen ist, also flieht sie vor der scheinbaren Realität in eine andere scheinbare Realität. Dabei stößt sie auf Alma, die ebenfalls eine Scheinrealität um sich herum aufgebaut hat. Alma aber will ihre Scheinrealität vor Elisabeth entblößen, exibioniert sich selber, gibt z.B zu, dass sie eine Vergewaltigung als Spaß reflektiert hat. Aber sie will sich nur vor ihrer Seelenverwanten, die sie selber sein möchte, entblößen. Diese aber mißbraucht ihr Vertrauen und nun beginnt Alma aus Rache Elisabets Fassade auseinander zu nehmen, obwohl sie sie eigentlich noch immer bewundert und liebt.
Mit genialer filmischer Erzählerweise stellt Bergmann seine beiden Protagonistinnen bloß. Der Schluß hat mir nicht so gefallen, aber alles in allem ein interessanter Film mit beidruckenden Bildern und Darstellerleistungen, sowie einer stimmigen Atmosphäre.

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Johnzy

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vorgemerkt

Ein durchaus interessantes, experimentelles und sehr anspruchsvolles Werk, dass mich trotz der kurzen Dauer von 80min, den tollen Bildern, den guten Schauspielern sowie der einnehmenden Geschichte, nicht zu fesseln vermochte... hier wäre eine Zweitsichtung wirklich nötig... vorerst eine, wie für viele "Klassiker" zu denen ich keinen Zugang fand, höchstwahrscheinlich extrem unangebrachte Kunstbanausen-wertung von 6.5pkt

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Johnzy

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Tatsächlich keinen einzigen, bin durch Zufall auf Persona gestoßen, schaue ja auch erst seid 2Monaten "klassiker" und nunja, irgendwo muss man ja mal anfangen. Die Schauspielerinnen, sowie die Atmosphäre (&erotik) waren wirklich gut, fand auch die Bildsprache gelungen, aber habe einfach keinen Zugang gefunden... wie gesagt, die Zweitsichtung wird sicherlich irgendwann kommen... ;)


Raven.13

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Bei dem Film geht es aber mir auch so ,obwohl ich solche Filme wirklich gerne gucke.


AndereTYp

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Bewertung7.5Sehenswert

Wie die Scharade der normalen Gesellschaft und des sozialen Umgangs jemanden selbst aushöhlen kann spiegelt sich in zwei schönen Gesichtern wider. Die Sehnsucht etwas mehr, etwas anders zu sein wirft selbst die festesten Ideale um. Aussagestark, aber zu anstrengend für mich. :)

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Lorion42

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Sprich nicht! Höre nicht! Verstehe nicht! Welche Mittel zwingen zuzuhören?
Ich sitze hier und betrachte meinen dritten Versuch den Zugang zu einem Bergman Film zu finden (nach dem siebenten Siegel und den wilden Erdbeeren). Ich schweige und frage mich, wer ist die Hauptfigur, die die redet oder die die schweigt? Zu keinem Zeitpunkt versucht Bergman zu verbergen, dass wir es hier mit Kunst zu tun haben. Ein Bild, das etwas anderes sagen will, als es zeigt.

Gleich zu Beginn sehen wir typische Elemente eines Experimentalfilms und ich fühle mich nicht sonderlich beeindruckt. Zu oft habe ich versucht Rätsel zu entwirren zu denen mir wichtige Puzzleteile fehlen. Sie fehlenden Teile zeigen immer nur mich selbst und das kenne ich bereits. Das interessante sind also Puzzleteile die mehr über den Künstler sagen. Und ich habe Glück, denn danach wird mir wirklich eine Geschichte erzählt. Zwar ist es nicht der große Meisterwerk, dass ich mir erhofft habe, so ist es doch mein erstes Werk von Bergman, das auch heute noch gut funktioniert. Nicht so anstregend und schwer wie beim siebenten Siegel und intensiver als die wilden Erdbeeren. Der Film endet wie er angefangen hat und bildet einen geschlossenen Handlungsbogen. Ich freue mich und frage mich: Wer ist die Hauptfigur? Der der schweigt oder der der redet?

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franticfury

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Bewertung10.0Herausragend

Mein erster Kommentar 2013 geht an... "Persona", einen meiner absoluten Lieblingsfilme und dennoch habe ich ihn bisher nie mit einem Kommentar bedacht. Heute aber überkam mich plötzlich das unstillbare Verlangen diesem unterkühlten Meisterwerk endlich einen Kommentar zu widmen.
Ich gebe es ja zu, "Persona" ist sowas wie mein persönlicher filmischer Mount Everest. Als ich dieses Wunderwerk vor einem Jahr gesehen habe, empfand ich "Persona" nämlich ganz und gar nicht als solches. Zu kühl, zu sperrig fühlte sich das Ganze an, ganz anders als "Wilde Erdbeeren", der bis dahin der einzige Film des Schweden war, den ich gesehen hatte. Da hatte ich also den Salat, "Persona" und ich, das erste Mal, dass ich mich mit einem Film wirklich intellektuell überfordert fühlte, etwas, das ich in meiner jugendlichen Arroganz, bisher für unmöglich hielt.
Das sollte dann auch vorerst der letzte Kontakt mit Bergman bleiben für lange Zeit. Für mich stand fest, dass dieses "Meisterwerk" heißer gekocht als gegessen wird, wie falsch ich doch damals lag!
Aber Bergman wäre nicht Bergman, wenn er es nicht dennoch geschafft hätte seinen Weg in meinen Kopf zu finden. "Persona" ließ mich einfach nicht los. Ich konnte "Persona" damals nicht viel abgewinnen, für mich war das Kapitel Bergman ja schon so gut wie erledigt, aber dennoch, warum ließ mir dieser Film einfach keine Ruhe? Selbst Monate nachdem ich ihn gesehen hatte. So langsam verstärkte sich in mir der Eindruck, dass vielleicht doch etwas dran sein könnte an den Begeisterungsströmen, die diesem Werk von Cineasten auf der ganzen Welt zuteil werden.
Dann vor ca. einen halben Jahr, die Erkenntnis: Ja, "Persona" ist tatsächlich so gut, wie alle sagen! Ganz anders als beim ersten Mal war ich von der ersten Sekunde an gefesselt, wenn die ersten expressionistischen Bilder an uns vorbeiziehen, der Junge die Hand ausstreckt nach seiner Mutter und im Hintergrund dieser eindringliche Score erklingt, der unaufhörlich auf einen einhämmert. Was ein Beginn!
Bergman entfesselt eine wahre Urgewalt von Film über die gesamten 85 Minuten dieser dunklen Reise in die Seelen zweier, scheinbar völlig unterschiedlicher Frauen, dieser Reise an die Grenzen der filmischen Ausdrucksform, ja, an die Grenzen des Verstands. Manchmal hat man gar das Gefühl die Bilder stehen kurz davor ihren eigenen Rahmen zu sprengen, weil es unmöglich erscheint, Bilder dieser Intensität überhaupt auf lange Dauer festzuhalten. Dann der alles entscheidende Moment, in dem die Filmrolle reißt, die Identitäten der beiden Frauen zu verschmelzen beginnen und man endgültig das Gefühl hat, man sehe den Prototyp einer ganz neuen Kunstform.
"Persona" ist tatsächlich ein Wunderwerk von einem Film, ein Film, der seinen eigenen Gesetzen zu folgen scheint, der irgendwie immer kurz davor ist Reiß aus zu nehmen und genau da liegt für mich Bergmans wahres Genie. Es ist bewundernswert, wie er es schafft das Ganze Geflecht irgendwie zusammenzuhalten, wie er den Spagat zwischen Experimentalfilm und homogenem Autorenkino schafft und uns ein Werk für die Ewigkeit schenkt. "Persona" ist ein Film, der dem Zuschauer alles abverlangt, aber gleichzeitig auch so viel zu geben hat. "Persona" mit einem Berg zu vergleichen erscheint deshalb gar nicht so abwegig. Ihn zu erklimmen erfordert Aufmerksamkeit und Offenheit, doch mit jeder Sichtung belohnt er den Zuschauer mit ganz neuen Erkenntnissen. Bin ich schon am Gipfel angelangt? Vermutlich nicht, doch das ist ja gerade das Schöne. "Persona", ich freue mich schon auf die nächste Etappe!

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franticfury

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Danke :) Wirklich ein ganz besonderer Film für mich, ich bin froh, dass ich überhaupt Worte für ihn gefunden habe.


KonTaicho

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Bewertung7.5Sehenswert

Intro.
Ich werde geflasht von strobo-artigen Bildern, sehe verstörende, abartige und faszinierende Sequenzen an mir vorbei rasen.
Kurz darauf. Ein weißer Raum, Personen. Eine große Leinwand, eine übermenschliche Person ist zu sehen. Die Truman-Show? 1984?
Und als ich mich egrade von dieser schieren Flut wahnhafter Bilder erholt glaube, starre ich in die pechschwarzen, abgründigen Augen einer Frau, die mir direkten Zugang zu ihrer Seele zu geben scheinen.

Hauptteil.
Zwei Frauen, schweigsame Patientin und junge, naive?! Krankenschwester fahren zur Erholung ans Meer. Und ich raffe nichts mehr^^. Es gibt wohl gewisse Überschneidungen, Anflüge von Paranoia oder Schizophrenie, gespaltener Persönlichkeit meinte ich auch gesehen zu haben, vielleicht alles, vielleicht nichts. Vielleicht sollte ich auch, bevor ich hier weiter meine offensichtliche Ohnmacht und Unfähigkeit zur Schau stelle, erst einmal zu einer Zusammenfassung greifen, wie ich das bei Lynch´s Werken zu tun pflege. Wäre sinnvoll, denn irgendwie erinnert mich dieses "Persona" stark an ihn, mag es auch nur an der gleichen Ratlosigkeit liegen, mit denen mich beide Regisseure zurückzulassen wissen.

Outro.
Ich sehe einen atemberaubenden Dialog. Oder Monolog? Und das zwei Mal. Aber doch irgendwie ganz anders.
Hier spare ich mir jedweden weiteren Kommentar, ich bin schlichtweg erst einmal überfragt.

Fazit.
"Persona" hatte mich schon nach den ersten Minuten fest in der Mangel, an Wegschauen war nach diesem pervers guten Intro nicht mehr zu denken. Und auch wenn mir die kurzhaarige Hauptperson zunehmends auf die Waffel gegangen ist ( was sicherlich nur daran lag, dass ich das wahre Problem nicht geschnallt habe ), und ich mir noch keinen Reim auf das gerade gesehene machen kann, so weiß ich doch, dass sich mir hier echte "Kunst" dar geboten hat, irgendwo zwischen "Ein andalusischer Hund" und "Mulholland Drive".

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Pyro 91

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Bewertung9.0Herausragend

Da ist es wieder, dieses Gefühl gerade etwas besonders gesehen zu haben. "Persona" hat mich auf vielen Ebenen berührt, mich zum Nachdenken gebracht und mir wieder bewusst gemacht, wie schön es doch ist einen Film zu sehen, der völlig der Vision seines Regisseurs entspricht. Keine Komprisse, keine Klischees, keine Anbiederung an den Zuschauer, sondern pures Kino.
Auf unterbewusster, intuitiver Ebene arbeitet der Film noch in mir weiter und während ich ihn mir ansah, hab ich allerlei "verstanden", aber nicht auf reiner Verstandesebene. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich es nicht für nötig halte einen analytischen Kommentar zu schreiben, der das Ganze in durchdachten Sätzen und Konzepten darstellt. Denn die Filmerfahrung, die ich mit "Persona" hatte, sprach für sich selbst:
"Herr Bergman, ich habe verstanden!"

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