Stalker
Stalker (1979), DE/RU Laufzeit 154 Minuten, FSK 12, Drama, Thriller, Science Fiction-Film, Kinostart 16.02.1981
27 Bewertungen
Skala 0 bis 10
1871 Bewertungen
96 Kommentare
Keine
von Andrei Tarkovsky, mit Aleksandr Kajdanovsky und Alisa Frejndlikh
Im Science-Fiction-Kunstfilm Stalker von Andrei Tarkovsky reisen ein Schriftsteller und ein Professor mithilfe eines Führers in eine paranormale Zone, um dort ihren innigsten Wunsch zu erfüllen.
Unser Fremdenführer (Aleksandr Kajdanovsky) ist Vater einer kranken Tochter (Natasha Abramova) und kann es kaum aushalten, seiner Frau (Alisa Frejndlikh) und der Tristesse der Stadtexistenz zu entfliehen. Er bietet seine Dienste zwei Kunden an, die im Film schlicht ‘Professor’ (Nikolai Grinko) und ‘Schriftsteller’ (Anatoli Solonitsyn) genannt werden. Aus verschiedenen Beweggründen wollen diese beiden Männer unbedingt in die Zone. Der Legende nach gibt es dort einen Ort, an dem die sehnlichsten Wünsche in Erfüllung gehen. Dem Schriftsteller ist seit geraumer Zeit seine Inspiration abhanden gekommen, während der Professor das Gebiet vernichten will, um dessen möglichen Missbrauch zu verhindern. Im Laufe ihrer Expedition begeben sich die drei Abenteurer nicht nur auf eine äußere, sondern auch auf eine innere Reise. Wohin wird sie ihr risikoreicher Trip durch die eigensinnige Zone letztlich führen?
Hintergrund & Infos zu Stalker
Stalker, aus dem Jahr 1979, gehört zu den bedeutungsschwangeren Werken und stellt nebenbei die letzte Arbeit von Andrei Tarkovsky in der Sowjetunion dar, bevor er seiner Heimat für immer den Rücken kehrte.
Der Regisseur zitiert trotz alledem in seinen Werken gerne die Gedichte seines berühmten Vaters Arseny, der zu den bedeutendsten russischen Poeten des 20. Jahrhunderts zählt. Neben dessen Gedichten setzt Andrei Tarkovsky bei Stalker auf ein Kapitel aus Picknick am Wegesrand, einen Roman der Brüder Arkadi Strugatsky und Boris Strugatsky, als lose Vorlage für seinen Film.
Mehr Bilder (17) und Videos (1) zu Stalker
Cast & Crew
- Genre
- Drama, Mysterythriller, Science Fiction-Film
- Zeit
- Zeitlos
- Ort
- Alternative Realität
- Handlung
- Außerirdische Phänomene, Ex-Häftling, Gefahr, Gefahrenzone, Inspiration, Klassiker, Lebensgefahr, Mensch gegen Natur, Mutation, Natur und Umwelt, Reise, Suche, Unsicherheit, Unterwerfung, Verbot, Verwunschener Wald, Wald, Wissenschaftler, Wunsch, Wunschtraum, Zimmer, Zivilisation, Übernatürliche Kräfte
- Stimmung
- Geistreich, Traurig
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Kritiken (3) — Film: Stalker
Chuchaqui: Critic.de
Kommentar löschenEines der dunkelsten Werke der Filmgeschichte, weil längst alles verloren ist.
6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 5 Antworten
Zappalynch Sat, 23 Oct 2010 14:25:59 -0000
Antwort löschenGanz im Gegenteil!
schokone Sun, 27 Feb 2011 21:05:43 -0000
Antwort löschenMeiner Meinung nach Tarkovskys stärkstes Werk.
tischo Thu, 04 Aug 2011 09:42:42 -0000
Antwort löschenHier ist nichts verloren! Selten hat ein Film mich so bereichert, und selten hat ein so deprimierender Film ein hoffnungsvolleres Ende gehabt!
Alle 5 Antworten zeigen
Sozionaut Mon, 20 Feb 2012 23:05:45 -0000
Antwort löschen@tischo:stimme dir vollkommen zu!
Timmel Thu, 06 Dec 2012 14:11:41 -0000
Antwort löschenDen Film (und insbesondere das Ende) bitte nochmal schauen ... alles ist hier mitnichten verloren.
Björn Lahrmann: Das Manifest
Kommentar löschenTarkowskis einmalige Ästhetik ist nicht daran interessiert, das Naturschöne apart in Szene zu setzen, sondern widmet sich voll Demut und Faszination dem Hässlichen. STALKER, ein Film aus Unrat und Verfall, ein Film der Schmutzkrusten und rauen Texturen. Er zeigt Menschen im Hader mit sich und den Elementen, auf einfachste, unfeierlichste Weise durch diesige Luft schnaubend, Erdklumpen im Gesicht und Brackwasser zu Füßen, unter dessen Oberfläche Weggeworfenes schimmert: gebrauchte Spritzen, zerrissene Heiligenbilder, ein Fisch, der von schwarzem Öl überschwemmt wird.
Kritik im Original 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Corsovilla: SchönerDenken
Kommentar löschenTarkovskys “Stalker” kommt dem Gefühl eines Realzeitfilms schon recht nahe: Die Geschwindigkeit des Films bleibt unbeeindruckt von der dramatischen Relevanz eines Moments, nähert sich damit der Realität an und lädt den Betrachter ein, selbst Teilnehmer der Reise zu werden: unsichtbarer vierter Reisender ... Worum geht es in der 1979 gedrehten deutsch-russischen Koproduktion Andrei Tarkovskys, der von Filmenthusiasten längst als “Meister der Langsamkeit” zum – allerdings nicht unumstrittenen – Zunftklassiker gekürt wurde? Der Film orientiert sich frei an Elementen einer utopischen Erzählung des russischen Autorenbrüderpaares Arkadi & Boris Strugatzki mit dem Titel “Picknick am Wegesrand” von 1972. Einige Jahrzehnte vor der Filmhandlung ist ein unbekannter kosmischer Körper auf der Erde eingeschlagen und hat die ZONE geschaffen, ein gefährliches Areal, in dem offenbar gänzlich eigene, teilweise tödliche Regeln und Naturgesetze herrschen ... (Hendrik für SchönerDenken)
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Kommentare (93) — Film: Stalker
blue1 Sat, 01 Jun 2013 23:23:46 -0000
Kommentar löschenDass kann Film also auch sein.
Antworten auf nicht gestellte Fragen. Ultimativ überfordernd.
bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten
jacker Sun, 02 Jun 2013 18:09:46 -0000
Antwort löschenUltimativ !!!
hansibal Tue, 28 May 2013 22:02:26 -0000
Kommentar löschenDie tiefere Bedeutung auf der Metaebene wollte sich nicht so recht entfalten, dafür hatte der Filme zuviele Schnitt und Logikfehler! Das Opus operatum wird hier zwar eindeutig durch den Modus Operandi geprägt im Sinne des Habitus, aber unnötig übertrieben artifiziell dargestellt.
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deregenerator Wed, 05 Jun 2013 16:56:13 -0000
Antwort löschenVor dem Hintergrund einer Auseinandersetzung sind viele Intensitäten in dem ortsbezogenen Bezug eines etymologischen Antagonismus wiedergegeben, und konzentrieren wie vage Aufmerksamkeiten des Betrachtenden in unterschiedlichen Bezügen auf aktuelle Konflikte. Irgendein Arbeitsprozess zerstört präzise Optiken, wobei die Sprache des Formates auratisch wird. An flexiblen Foldern kreist eine charmante Repräsentationsform die Demonstration ein und substituiert dabei irgendeinen disparaten Kunstmarkt, wobei die Performancepraxis analog ist und die Dekontextualisierung damit formativ objektiviert. In den Urbanismen sind ein Objektbegriff in Zusammenhängen widerständig umschrieben. Der versuchsweise Austausch ist in diesem Frequentanten als konvertible Flüchtigkeit bereitgestellt, welche bereits die Transformationen des Aspekts zu den vagen Prozessen texturieren.
truelo Fri, 14 Jun 2013 08:07:12 -0000
Antwort löschenachso, wieso hast du das nicht gleich gesagt. Jetzt ist mir daS AUCH KLAr...:-)
spanky Tue, 28 May 2013 21:42:51 -0000
Kommentar löschenTarkovskys apokalyptisches Szenenbild, das mit einer epischen Kamera wie abgetastet wirkt, schafft aus seinem Minimalismus heraus weit mehr Dreidimensionalität auf eine Leinwand, als es jeder hypermoderne Digitalschmu je vermögen wird. Daraus wird ein elegisches Kunstwerk in Sepia und bleichem Kodakcolor, das mit sphärischem Score hörbar wie in einem verborgenen Magen vor sich hin gärt, ohne je zugänglich oder erfahrbar zu sein. Sitzfleischfordernd und wenig belohnend weil zu enigmatisch, aber ohne jedes Beispiel.
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jeffcostello Wed, 15 May 2013 12:49:10 -0000
Kommentar löschen"Was es war? Der Fall eines Meteoriten? Der Besuch von Bewohnern des menschlichen Kosmos? Wie auch immer, in unserem kleinen Land entstand das Wunder aller Wunder– die ZONE. Wir schickten sofort Truppen hin. Sie kamen nicht zurück. Da umzingelten wir die ZONE mit Polizeikordons… und haben wahrscheinlich recht daran getan… im übrigen–ich weiß nicht, ich weiß nicht"
In "Stalker" schickt Tarkovsky nun 3 Menschen, den Stalker selbst, einen Professor und einen Schriftsteller in die geheimisvolle, verbotene Zone. Beide wollen zu einem Zimmer, in dem, so heißt es, der innerste Wunsch jedes Menschen erfüllt wird. Die Zone war einmal von Menschen bevölkert, doch deren Spuren sind langsam am verblassen, die Natur fordert mehr und mehr den Raum zurück und so finden sich die 3 Männer auf dem Weg durch die Zone in halb verfallenen und verwucherten Häusern und Fabrken wieder.
Die Reise zu dem Raum wird zu einer Reise in das Wesen des Menschen selbst, das Tarkovsky in all seinen Facetten, mit all seinen Hoffnungen, Entbehrungen und all seiem Glück und Unglück einzufangen versucht.
Der Film ist sehr langsam, er lässt sich Zeit, die Bilder sind betörend und sinnlich, die Einstellungen lange, all das verleiht "Stalker" eine sehr beruhigende Wirkung, mehr und mehr kommt der Zuschauer während dem Sehen zur Ruhe und kann teilhaben an dieser filmischen Meditation über das Sein.
Unterleget von dem großartigen Soundtrack von Eduard Artemyev und oft auch von Naturgeräuschen, wie zum Beispiel Regentropfen oder Vogelgezwitscher kann sich die surreale aber beruhigende Atmosphäre entwickeln.
Der film braucht die Länge von beinahe 3 Stunden um sich voll zu entfalten und zu wirken, und er könnte nochmal so lange gehen, die Sogwirkung und die Atmosphäre lassen den Zuschauer vollkommen in dem Geschehen aufgehen.
Ein großartiger Film, der sehr schwer in Worte zu fassen ist, der aber mit Sicherheit zu den besten gehört die je gedreht wurden und für mich Tarkovskys bester Film.
Tarkovsky is for me the greatest, the one who invented a new language, true to the nature of film, as it captures life as a reflection, life as a dream.
-Ingmar Bergman-
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AddictedToIan Wed, 15 May 2013 13:13:59 -0000
Antwort löschenwoah
metal1bob Sat, 04 May 2013 13:33:04 -0000
Kommentar löschenKaum Handlung, kaum Tempo, es passiert so gut wie nichts... Trotzdem habe ich das stechende Gefühl, mit "Stalker" eines der großen Meisterwerke der Filmgeschichte erlebt zu haben. Jede Kameraeinstellung wirkt trotz der kargen Landschaft liebevoll gezeichnet, die seltene Klangkulisse dringt durch Mark und Bein, die wenigen gesprochenen Worte wirken in ihrer Bedeutsamkeit mächtig. Nach kurzer Eingewöhnungszeit läuft mein Gehirn hochtourig, zusammen mit den Charakteren trete ich eine Reise in mein Inneres an und versuche selbst, mir meiner Wünsche bewusst zu werden. Versuche selbst, den Trip sowohl unter den Gesichtspunkten des Glaubens und der Wissenschaft zu beurteilen und auf mich selbst zu übertragen.
Was ich von "Stalker" letztendlich mitnehme? Ich kann es nicht in Worte fassen, ich weiß es wohl nicht so genau, bin aber tief beeindruckt von den unzähligen Interpretationsmöglichkeiten und der optischen Wucht. Bin selten von einem Film so sehr zum Nachdenken angeregt worden.
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Pyro 91 Fri, 26 Apr 2013 20:30:29 -0000
Kommentar löschenÄhm ja, das war vielleicht ein Film. Mir kam es gerade so vor, als ob ich aus einem zweieinhalbstündigen Schlaf augewacht wäre. Irgendwie war ich erleichtert, als der Film endlich zu Ende war, aber jetzt inzwischen hätte ich doch wieder Lust auf Tarkovskys wunderschöne Bilder. Ich hab ehrlich gesagt noch keine Ahnung, was ich von dem Film halten soll und werde ihn mir nochmal ansehen müssen. Fühl mich gerade, wie aus einer fremden Dimension gerissen...
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Absurda. Sat, 27 Apr 2013 09:16:58 -0000
Antwort löschenTarkovsky halt ;-)
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Pyro 91 Sun, 28 Apr 2013 19:58:08 -0000
Antwort löschenJa, der Schlingel. xD Bin echt mal auf die restlichen fünf Filme von ihm gespannt.
Absurda. Tue, 30 Apr 2013 12:46:02 -0000
Antwort löschenAlso mir persönlich gefällt 'Stalker' am besten. Bei den restlichen bekomme ich immer so schwere Augenlider^^
Hoey-Lestrate Thu, 25 Apr 2013 23:40:04 -0000
Kommentar löschenFarblose Philosophiestunde. Hatte mir mehr erhofft. Aus der Grundidee und dem Storykonzept hätte man deutlich mehr machen können. Die Schauspieler agieren zu unglaubwürdig und Spannung sucht man hier vergeblichst. Auch fürs Auge gibt es hier nichts zu bestaunen. Alles ziemlich farblos
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philipp.endres.18 Fri, 05 Apr 2013 12:32:34 -0000
Kommentar löschenMir hat sich wahrscheinlich nur ein äußerst denkbar kleiner Teil dieses Werkes erschlossen, da er interpretatorisch womöglich zu den anspruchsvollsten Filmen zählt, die ich bis jetzt gesehen habe.
Aber mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass du gerade einen der größten filmischen Erlebnisse hattest. Und das, obwohl ich nicht alles erklären kann bzw. jemals erklären können werde. Der Film hat mir trotzdem unglaublich viel gegeben und mich sehr beeindruckt. Ist definitiv nicht das letzte Mal gewesen, dass er auf meinem Fernseher zu sehen war!
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franticfury Sun, 31 Mar 2013 18:24:56 -0000
Kommentar löschenAn diesem Ostersonntag habe ich mir vorgenommen endlich das zu tun, das ich schon so lange vorhatte: Endlich einen würdigen Kommentar zu "Stalker" zu verfassen.
Dabei muss ich zugeben, dass es mir wohl zu keinem Film so schwerfällt etwas zu schreiben wie zu diesem filmisch-philosophischen Meilenstein von Andrei Tarkovsky. Denn wo soll man anfangen? Was lässt sich über einen Film sagen, der selbst nach wiederholter Sichtung noch so viel unbeantwortet lässt?
Vielmehr, über was schreibt man denn überhaupt? Versucht man sich an einer eigenen Interpretation? Für mich steht fest: Es wäre sinnlos eine ellenlange Abhandlung darüber zu schreiben, warum meines Erachtens nach jedes menschliche Wesen dieses Meisterwerk gesehen haben sollte, es wäre vermessen von mir, irgendjemand meine Gedanken zu diesem Film aufzwingen zu wollen. Denn wenn sich "Stalker" so einfach zusammenfassen ließe, dann hätte Tarkovsky keinen Film gemacht, sondern ein Buch geschrieben. Oder viel trivialer, er hätte die Botschaft einfach auf ein Schild geschrieben und sich mittags auf den Roten Platz gestellt. Nein, wenn ich auch nur den Hauch einer Chance haben möchte, etwas fundiertes, aussagekräftiges zu "Stalker" zu schreiben, dann kann ich nur das schildern, das dieser Film für mich persönlich bedeutet (andere mögen es gerne anders sehen).
Aus diesem Grund will ich auch ganz unsachlich beginnen: Ich liebe "Stalker"! Ja, ich gehe sogar noch weiter und werde noch unsachlicher: Für mich ist "Stalker" der größte Film aller Zeiten. Erst vorgestern zum ich-weiß-nicht-wievielten Male gesehen und entgegen der Erwartung, dass die ursprüngliche Begeisterung und Liebe beim vielleicht zehnten Male nun mal so langsam einem hochachtungsvollen Respekt gewichen sein könnte, erging es mir wie eh und je: Wieder war ich 2 1/2 Stunden hypnotisiert, wieder wurde ich mit einem Gefühl unsäglicher Dankbarkeit entlassen.
Dabei ist "Stalker" ein Film, der es dem Zuschauer ganz bewusst nicht einfach macht - zumindest auf den ersten Blick. Dinge, die im heutigen Kino zum guten Ton gehören, wie Spannungsbogen, Plotentwicklung und Tempowechsel sucht man bei Tarkovsky sowieso meist vergebens. In "Stalker" geht er allerdings noch einen Schritt weiter als in seinen früheren Werken. War es im "Spiegel" noch die Diskontinuität von Zeit und Raum, die im Vordergrund stand, so stellt "Stalker" das krasse Gegenteil dar. Fast im Sekundenstil inszeniert, gelingt Tarkovsky eine Unmittelbarkeit, die heutige Filme fast nie erreichen. So fällt es auch nicht schwer, eingenommen zu sein vom Geschehen auf dem Bildschirm, sich einfach fallen zu lassen und selbst den beschwerlichen Weg durch die "Zone" auf sich zu nehmen.
Ja, die "Zone". Was wurde nicht bereits alles über sie geschrieben, im Versuch einen höheren Sinn in ihr zu erkennen. Dabei wies Tarkovsky jede Spekulation über die Symbolik der "Zone" stets zurück. Die "Zone" sei eben schlicht und einfach die "Zone". Sie ist ein Ort, durch den die Protagonisten hindurch müssen auf ihrem Weg zu höherer Selbsterkenntnis. Ob sie es schaffen, oder an ihr zerbrechen, hängt einzig und allein von ihnen selbst ab.
Ich konnte mich mit dieser Aussage Tarkovskys irgendwie immer gut identifizieren, geht es mir doch jedes Mal aufs Neue so. Wenn es mich gerade mal wieder überkommt und ich die DVD von "Stalker" einlege, fühle ich mich genauso aufgewühlt und unsicher wie die drei Protagonisten. Es kommt mir beinahe wie eine persönliche Reise vor, die ich jedes Mal aufs Neue unternehme. Und auch, wenn der Weg manchmal anstrengend sein mag, am Ende steht jedes Mal das Gefühl, etwas Neues aus diesem großartigen Filmerlebnis mitgenommen zu haben.
Und genau deshalb liebe ich "Stalker". Es ist einer dieser Filme, die mich als Zuschauer immer wieder fordern mein eigenes Weltbild, meine eigenen Ideen und Ansichten zu hinterfragen. Er ist eben nicht einer dieser Filme, die mich an die Hand nehmen wollen, die mir klar erzählen möchten, was ich zu fühlen und zu denken habe, was heutzutage leider viel zu viele Filme tun. Er fordert mich mit jeder Sichtung erneut und nimmt mich so als Zuschauer überhaupt erst ernst. DAS ist für mich der Inbegriff von wirklich großer Kunst und genau das ist wohl auch der Grund warum ich immer wieder zu "Stalker" zurückkehre.
"Stalker" ist für mich die höchste Stufe des Filmemachens. Ein Bild absoluter Schönheit und Reinheit, die ultimative Formvollendung in jeder Sekunde. Bebildert in wunderschönen langen Einstellungen und dabei so intensiv, so ehrlich. Natürlich wird manch einer bei all der Schwere und den philosophischen Ergüssen "Stalker" für prätenziös und schwerfällig halten. Doch das ist mir egal, denn ich weiß, was der Film für mich bedeutet. Denn wenn mein Haus in Flammen stehen würde und ich wohl nur noch Zeit hätte, eine Sache zu retten, dann wäre es wohl die DVD von "Stalker"...
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Pyro 91 Sun, 31 Mar 2013 20:27:37 -0000
Antwort löschenNaja, also die DVD kannst du ja mit dem Versicherungsgeld wieder kaufen. xD Du hast mich jetzt auf jeden Fall schon sehr neugierig auf Tarkovsky gemacht. Hab mir nämlich nach meinem Bondathon vorgenommen mich seinen Werken zu widmen. Hast du irgendeine Empfehlung zwecks DVD-Fassungen? :)
ElMagico Sun, 31 Mar 2013 21:17:30 -0000
Antwort löschenBis Magic jetzt wusste was ein Bondathon ist :D
Pyro 91 Sun, 31 Mar 2013 21:19:42 -0000
Antwort löschenHast wohl in zahlreichen Enzeklopädien gewälzt und dir die Haare gerauft?^^
franticfury Sun, 31 Mar 2013 21:30:42 -0000
Antwort löschen@Pyro: Das stimmt natürlich, wollte eben nur eine schöne drastische Schluss-Pointe :) Bei Tarkovsky DVD-Fassungen gibt es für mich ehrlich gesagt nur eine Wahl: Die Scheiben von Artificial Eye. Ich habe das Tarkovsky Boxset zu Hause und kann es nur wärmstens empfehlen. Vorausgesetzt es ist kein Problem, dass alle Filme nur OmU sind. Von der icestorm DVD würde ich die Finger lassen, die ist qualitativ nicht wirklich schön und Tarkovskys Filme verdienen die beste Qualität überhaupt
Pyro 91 Sun, 31 Mar 2013 21:37:59 -0000
Antwort löschen@franticfury
Hehehe, dachte ich mir schon.;)
Ja, ich sehe mir Filme eigentlich immer (wenn möglich) im O-Ton an. Dann muss wohl die Box von "Artifical Eye" her. :)
franticfury Sun, 31 Mar 2013 21:38:31 -0000
Antwort löschenWenn dir "Solaris" gefallen hat, wird der dir auch gefallen, versprochen! "Stalker" ist vom Stil her noch konsequenter, zwar ohne die SciFi Elemente eines "Solaris", atmosphärisch allerdings nicht minder packend, im Gegenteil. Von der philosophischen Tiefe mal ganz zu schweigen. Für mich Tarkovskys bestes Werk und das soll was heißen, bei seiner Filmografie. Skeptisch musst du also wirklich nicht sein, wenn man sich auf den Film einlässt wird "Stalker" einen belohnen, Ehrenwort :)
franticfury Mon, 01 Apr 2013 16:56:32 -0000
Antwort löschenDanke, ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich halbwegs was dazu schreiben konnte, auch wenn ich irgendwie immer noch nicht ganz happy mit dem Resultat bin. Für mich einfach DER Film schlechthin! Wäre schon froh wenn ich irgendwann mal etwas drehen könnte, das halb so gut ist :)
franticfury Mon, 01 Apr 2013 21:10:48 -0000
Antwort löschenFreut mich, dass du an mich glaubst und danke für das liebe Kompliment :)
daweed Tue, 02 Apr 2013 17:40:34 -0000
Antwort löschenich bin mit der icestorm box sehr zurfrieden ...
Pyro 91 Tue, 02 Apr 2013 19:52:35 -0000
Antwort löschenHm, noch ne Frage: Wo hast du denn die "Artifical Eye"-Box her? Auf amazon ist die momentan nicht verfügbar.
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Pyro 91 Tue, 02 Apr 2013 19:56:24 -0000
Antwort löschenHat sich erledigt. Hab gerade noch die letzte Box erwischt, scheiße war das knapp. xD
franticfury Tue, 02 Apr 2013 21:57:17 -0000
Antwort löschentop :)
FilmFan92 Fri, 22 Mar 2013 13:44:52 -0000
Kommentar löschenStalker. Kunst. Ewig lange Kameraeinstellungen, das Spiel mit Schwarz-Weiß Einstellungen und Farben. Die Kulissen. Alles sehr beeindruckend. Inhaltlich kann man eigentlich nicht viel sagen, außer: Selber Anschauen. Die Komplexität, die Dialoge, die Metaphern, die Bildsprache. Kann man die Vollkommenheit von "Stalker" erschließen? Ich kann das nicht, zumindest nicht nach der ersten Sichtung. Bis jetzt habe ich noch nichts vergleichbares gesehen, ich würde Stalker eher mit einem Werk aus der Kunst/Malerei vergleichen. In der einen Minute interpretiert man es "so" in der nächsten wieder komplett anders. Ein anderer Blickwinkel, eine andere Interpretation, wobei sich das Werk nicht verändert, bloß der Beobachter. Und je länger ich darüber nachdenke, wie Stalker mich beeinflusst, ob er es überhaupt tut und was dieser Film mir sagen möchte, weiß ich, ich muss ihn noch ein weiteres Mal schauen. Und dann vermutlich nochmal und noch viel häufiger. Deswegen gebe ich jetzt auch noch keine Bewertung ab. Denn Kunst braucht Zeit für eine Beurteilung und mehrfache Sichtung von verschiedenen Standpunkten aus.
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jacker Tue, 19 Feb 2013 20:24:20 -0000
Kommentar löschenWas hier drin steckt ist ist nicht weniger als eine mögliche Variante der vollkommenen Wahrheit über uns alle, das Leben, den Geist des Menschen!
Und genau deswegen hat STALKER mich in meiner aktuellen Lebenssituation einfach maßlos überfordert! Es gibt hier nicht nur eine, sondern unzählige Ebenen in die man gleiten kann, die man erkunden will und die man zu verstehen sucht..
Im Wissen, dass es eigentlich (viel?) zu wenig ist, gibt es erstmal 8 Punkte und sehr bald (mit wesentlich freierem Kopf) noch einen (zwei-, drei-) Durchga(ä)ng(e).
Auch wenn ich kaum glaube, dass es eine Möglichkeit gibt das alles zu verinnerlichen, zu 'verstehen' und zu verarbeiten, verbleibe ich vorerst mit:
'Ich schaute nur, doch ich sah noch nichts'
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craax Wed, 20 Mar 2013 15:29:31 -0000
Antwort löscheninteressant jacker, dich hier gleich als ersten zu treffen, hab den jetzt wieder geschaut, nach ca. 30 Jahren (+ in ähnlich mythische Tiefe dachte ich diesen Film allgemein längst verschollen). Ich denke, du hörst bald mehr von mir!
>verinnerlichen< ist übrigens eine gute Idee, eine s e h r gute! - und es g i b t Licht am Ende des Tunnels ("Fleischwolfs") -
MrKatsumi Sun, 20 Jan 2013 22:00:51 -0000
Kommentar löschenAndrei Tarkowsky, Werkschau Nr.1 - STALKER -
Wir schreiben das Jahr 1979:
Während auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs Filme wie "Apocalypse Now", "Alien" oder "The Deer Hunter" in Hollywood das Licht der Welt erblicken, schreibt in der Sowjetunion ein Regisseur mit seinem bis dato fünften Feature-Film Geschichte.
Dieser Film lässt mich mit einem Gefühl des Glückes zurück, obwohl er von Anfang bis Ende schmutzig und grau ist.
Doch diesen Schmutz und die Tristesse finde ich einfach wunderschön.
Durchdringende Nässe erfüllt mich und der Geruch von abgestandenem Brackwasser kommt in mir auf, wenn die perfekt in Szene gesetzen Hauptfiguren sich auf ihrem Weg zur inneren Erkenntnis durch unbekanntes Terrain durchschlagen.
Es ist der Wunsch nach Glückseeligkeit, der sie drängt diese strapaziöse Reise auf sich zu nehmen. Und es wird ihre Menschlichkeit sein, sowie die Fähigkeit komplex zu Denken, welche den Sinn ihrer ganzen Expedition auf die Probe stellen wird.
Zum Handwerk gibt es nicht viel zu sagen: lange Kameraeinstellungen, lange Schwenks, lange Zooms, ausgefeilte Kameraperspektiven und der fast vollständige Verzicht auf Spezialeffekte. Nicht Hollywood.
Das ist Science-Fiction auf einer Meta-Ebene, die in meinen Augen nur ganz wenige in diesem Genre erreichen können.
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RalfAlfa Sat, 22 Dec 2012 11:58:17 -0000
Kommentar löschenNach langer Zeit mal wieder gesichtet. Was sagt man am besten über diesen Film, ohne sich die Hände wund schreiben zu müssen? Vielleicht gibt man am besten den Ratschlag, seinen Kopf völlig frei zu machen und sich von Anfang an auf den Film und die Handlung einzulassen. Das Ergebnis wird sein, dass man unweigerlich in die Handlung hineingezogen wird. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es dem Regisseure und den Schauspielern auf unvergleichliche Weise gelingt, praktisch aus dem Nichts eine so dichte Atmosphäre zu generieren, die einen unweigerlich fesselt und gefangen nimmt.
Unvergleichlich eindringliches Filmerlebnis.
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Couga[MH] Fri, 21 Dec 2012 21:06:14 -0000
Kommentar löschenHm, ich hab irgendwie das Gefühl, meine Rhetorik reicht nicht, um dieses Meisterwerk zu beschreiben. :/
Weiß garnicht wie ich anfangen soll... aufjedenfall ein Film, der einem sehr zum Nachdenken anregt. Aber nicht nur das, auch ein American History hat mich sehr zum nachdenken bewegt, aber auf eine andere Art. In STALKER geht es um Lebensansichten und Weltbilder. Sie werden nicht direkt kritisiert, eher erläutert und ein wenig in Frage gestellt, das Bewerten wird dem Zuschauer überlassen. Diese Tiefe und die Fagen über den Sinn des Lebens etc. sind natürlich das was STALKER so besonders macht. Aber auch aus filmischer Sicht ist der Film nahezu perfekt, wie von Tarkowski gewohnt. Die Kamera, der Einsatz von Musik, der stellenweise Schwarz/Weiß-Effekt, wie auch das Setting sind meisterhaft. Fast so gut wie Transformers 3!
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nerdkiller Fri, 21 Dec 2012 21:14:11 -0000
Antwort löschenAber auch nur fast. ;)
Couga[MH] Sun, 23 Dec 2012 04:28:34 -0000
Antwort löschenYep, auf Bay-Niveau war Tarkowski leider noch nie (zum Glück :P).
vannorden Mon, 17 Dec 2012 12:22:26 -0000
Kommentar löschenLange Jahre war er mein Lieblingsfilm. Aus alter Verbundenheit habe ich ihm auch eine etwas bessere Note gegeben, als ich eigentlich fühle, dass er bekommen sollte. Vielleicht ist es nur die enttäuschte Liebe, dass ich ihn inzwischen unerträglich finde. Damals mit 18, als ich ihn das erste Mal sah, da bombten mich die Bilder, die Atmosphäre weg. Auf die lasse ich auch nichts kommen. Zuletzt war ich aber immer mehr enttäuscht. Vokuhila und Oliba des Films traten immer schmerzhafter ins Gewicht. Die krampfhaft intellektuellen Dialoge, die mehr noch als an der Thematik, an der Ausstellung der eigenen Intelligenz interessiert sind. Eine Mischung aus Goethe und BattleRap. Stalker fühlt sich für mich immer mehr wie ein Kool Savas-Video an, in dem Tarkowskij verbal seinen Schwanz auf den Tisch packt und sich selbst prollig feiert. Die schamlose Typisierung der Figuren (Schriftsteller, Wissenschaftler), die in die inneren Wahrheiten der Welt vordringen möchte, aber sich nur an Klischees und erbärmlich hochgestelztem Gejammer abarbeitet. Früher fand ich ihn getragen und rätselhaft. Heute finde ich ihn kurzweilig und banal (bis nervig) ... bei aller Schönheit. Wie gesagt, vielleicht ist es nur enttäuschte Liebe und irgendwann einmal werde ich ihn wieder ohne Erwartungen sehen können. Bis dahin empfinde ich schon ein Grauen nur beim Gedanken an den ehemals so geliebten STALKER.
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Telebaum Mon, 17 Dec 2012 16:57:06 -0000
Antwort löscheninteressante ansicht
vannorden Tue, 18 Dec 2012 09:34:22 -0000
Antwort löschenInteressant ist ja die hinkende Schwester von Scheiße. ;)
Ach, ich muss immer an Lichtenbergs Spruch denken, dass wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es hohl klingt, dass das nicht zwangsläufig am Buch liegen muss. Je öfter ich STALKER sah und je mehr ich mich daran "abarbeitete", desto mehr zerrann der pompöse "Intellektualismus" zwischen meine Händen. So viel hochpolierte Oberfläche, die zumindest in den Dialogen nicht das hält, was ich mir immer darunter vorgestellt habe. Die interessanten Gedanken sind so unnötig in eine Sphinx verwandelt. All die Sphinxen hinter denen ich nur noch gähnende Leere finde. Wie seine Figur ANDREJ RUBLJOW verliert sich Tarkowskij in seiner impotenten Welt der Gedanken, die sich dem Leben verwehrt. Der Schriftsteller an sich, der Wissenschaftler an sich, der Führer an sich. Was bringen sie mir? Was haben sie mit der Welt zu tun? Und wie unnötig platt sie typisiert sind. Dann lieber die Werke von Glockenmachern, die nicht wissen was sie machen, die Hals und Kragen riskieren und nicht im Sessel ihrer Bibliothek sich für bedeutsam halten. Hach, naja, diese Bilder verbinde ich gerade mit diesem Film. Aber die Frage ist natürlich immer, wer hier den hohlen Klang verursacht.
Nyarlathotep Sat, 22 Dec 2012 19:19:50 -0000
Antwort löschenHey , vielleicht wirst du auch einfach nur alt ;).
Hab den Film gerade taufrisch das erste Mal gesehen und ich kann deine Kritik irgendwo auch verstehen, aber meine Fresse... entweder du hast den Film schlicht zu oft gesehen oder dich flasht einfach gar nix mehr...
vannorden Sat, 29 Dec 2012 23:13:28 -0000
Antwort löschenDas mit dem alt gebe ich ja zu, aber ich bin gerade von so vielem geflasht, dass es daran nicht liegen kann :)
Otto Normal Mon, 07 Jan 2013 12:10:15 -0000
Antwort löschenVannorden: Was meinst Du mit "die Werke von Glockenmachern...."? Ich kapier's nicht, würde es aber gerne kapieren. Danke.
vannorden Mon, 07 Jan 2013 19:17:54 -0000
Antwort löschenÄhm, ja ich neige zum verschwurbeln. Also in ANDREJ RUBLJOW gibt es den Sohn eines Glockenmachers, der eine riesige Glocke für eine Kirchen bauen möchte/soll. Er ist soetwas wie der Gegenpart zu Rubljows Leben, da er instinktiv vorgeht und sich nicht in Theorien und Verkopfung verliert. Aber zuviel möchte ich da gar nicht verraten, da du ihn wahrscheinlich noch nicht sahest.
Otto Normal Tue, 08 Jan 2013 00:28:28 -0000
Antwort löschenAh ok, danke! Darauf muß man erstmal kommen. Ja, den Film ANDREJ RUBLJOW hab ich noch vor mir. Ich entdecke Tarkowsky eigentlich gerade erst und bin fasziniert von STALKER. Um so interessanter, jemanden zu treffen, der Tarkowsky sozusagen schon hinter sich hat. Findest Du ANDREJ RUBLJOW denn (noch) gut?
vannorden Tue, 08 Jan 2013 06:38:26 -0000
Antwort löschenANDREJ RUBLJOW ist ein Meisterwerk. Den habe ich auch in der Criterion-Edition für sehr viel Geld erstanden, weil er nur dort komplett ungeschnitten und im richtigen Seitenverhältnis ist. (Die dt. DVD von Ice-Storm kann keines von dem beiden, sprich (stark) beschnitten in Bild und Laufzeit.)
jacker Wed, 20 Feb 2013 10:08:01 -0000
Antwort löschenUi.. RUBLJOW geht doch selbst auf dem deutschen Release über 3h. Ist der korrekt in 16:9 und Icestorm hat ihn in 4:3 rausgebracht? Und weisst du wie das mit der britischen 'Artificial Eye' Tarkovsky Gesamtedition ist?
vannorden Sun, 24 Feb 2013 22:57:33 -0000
Antwort löschenNee, auf den dt. DVDs die ich kenne, geht er knapp unter 3h, während er 205min in NTSC gehen sollte, was so 10 Minuten weniger in PAL ist, ergo sind es ca. 20 Minuten zu wenig. Und Icestorm hat ihn, ich glaube, höchstens in 16:9 rausgebracht und er sollte scope sein.
Die Artificial Eye Einzel-DVD war zu kurz (ok, das sag ich immer, aber er ist schon zu kurz in die Kinos gekommen, wegen Zensur und so, also wenn dich das nicht stört...) und ist auch nur in 2:1 statt 2,35:1. Also etwas besser, aber nicht das Gelbe vom Ei, meiner Meinung nach.
jacker Mon, 25 Feb 2013 08:39:05 -0000
Antwort löschenUmfangreiche Info, danke dafür!
Ich denke mit dem geringeren Schnitt des Bildes kann ich leben, da die Box einfach ne gute Möglichkeit ist alle Tarkovsky Werke mit den Originaltonspuren (und besserem, nicht so überkontrastiertem Bild als auf den deutschen Veröffentlichungen) zu bekommen. Falls der Herr Rubljow mich nochmal so richtig packen sollte (beim ersten Mal haben mir andere Tarkovsky Filme besser gefallen) dann hat Criterion den ja noch im Online Shop (und ich muss erstmal die Regions-Beschränkung meines BD-Players knacken :D).
vannorden Thu, 28 Feb 2013 13:02:01 -0000
Antwort löschenJa, die pösen BD-Player. Kann ich auch ein Lied singen.
jacker Fri, 01 Mar 2013 08:43:15 -0000
Antwort löschenHab mich da noch kaum mit befasst, nur mal am Rande gelesen, dass die Sony-Modelle wohl recht einfach über einen bestimmten Code auf der Fernbedienung 'Region-Free' gemacht werden können.
Probier ich BEVOR ich in Betracht ziehe mal was aus Übersee zu kaufen. Das meiste kriegt man ja auch in DE/UK..
craax Wed, 20 Mar 2013 15:28:57 -0000
Antwort löschenliebe vannorden, interessant, erst zu lieben, sich abzuarbeiten, und zu entfernen (eigentlich anders herum). Bitte :) nicht böse werden, und klar kannst du dir meine Worte komplett klemmen. Ohnschulmeisterlich (du bist Profi) : T. scheint mir zu erlebt,- nicht erdacht werden zu sollen. An einer Stelle redest du von >Dann lieber die Werke von Glockenmachern, die nicht wissen was sie machen, die Hals und Kragen riskieren und nicht im Sessel ihrer Bibliothek sich für bedeutsam halten< seh ich das richtig, das du T., zumindest Stalker->Werk<, gerade so zuordnest? - mir scheint, das T. gerade das Gegenteil, mit St. am profundesten, erwiesen hat. So viele Aussagen in S. (zum Beispiel nach der Rückkehr der Monolog, die Hiobsklage des Erschöpften auf dem Bett, über die Ungläubigen/ mit den 'atrophierten Herzen') - lassen sich direkt als Selbstaussage beziehen. T. bietet keine Welterklärung in Pillenform an. Sein Leben zeigt, wie er sich abgearbeitet (und nicht >theoretisiert<) und -es, -sich und -die Welt, ernst(& schwer)genommen, hat. Er hat keineswegs leichtfertig ge'dacht'; er war mit Konsequenzen beschäftigt (und hat dafür visuellen Ausdruck in Bildern von enormer Kraft gefunden: durch den Akt des Wahrnehmungs-Findens "geschaffen" (die überfluteten Gebrauchsgegenstände am Boden, zwischen Seegetier, zum Beispiel, die man sicher nie mehr vergißt). - Es gilt nicht, Tarkovskij zu folgen und i h n zu ergründen: T. ist nicht Über-, er ist N e b e n-Mensch (und jemand, mit dem zu reden/ ihm zuzuhören lohnt). Jeder, der Tarkovskij versucht ü b e r sich zu entdecken, wird nur heißleere Luft finden,- wie es wohl dir gerade ergeht. Wär schade drum.
Meiner Meinung nach (ich habe keine Missionsaufgabe, und denke bitte nicht, ich will irgendwohin lenken, du selbst gehst deinen Weg, es ist nur ein freundlicher Satz, neben die deinen platziert, lösch sie bitte auch gerne wieder weg, wenn sie Anlaß zu irgend Störung geben),- m.M.n. kann man T. dann näher rücken, wenn man sich das vorknöpft, was T. zu seinem künstlerischen Ausdruck trieb (wobei das heute schwer fällt, denn es fehlt (unsereinem) zweierlei: Eschatologie /Endzeiterwartung, der Weltuntergang (vielleicht atomar? umweltpest?) (sprich KalterKriegswahnsinn) (Und die Welt w a r drauf und dran, es w a r knapp) (niemand glaubt's heute gefühlt mehr,- im Grunde n o c h gar nicht!) (die Menschheit b r a u c h t Scheuklappen, sonst würde sie aktuell brisant wahnsinnig),- 'Eschatologie' also UND die konkrete Erfahrung eines politiktoten Unterdrückungsstaates/ diktatorischer Tyrannei (ohne rotophobisch zu sein). Daher die tiefe Grautönung im Werk. Aber T. hatte seine Kunst: deswegen hat er glücklicherweise vermeiden können, sich aufzuhängen (oder den Monolog des Stalkers noch durch den monolithischen (-eigentlich E r f a h r u n gsbericht) der Frau gegengewichtet (UND b e v o r dann das Kind seinerseits Wunder vollbringt). Man beachte auch das Hoffnungspflänzchen zwischen den zwei zueinandergekehrten Liebes-Leichen nahe des >Raums< (das muß keine Absage sein, oder ist die Tatsache, das Heloise und Äbalard "gestorben" sind, ein Zeichen für das Totsein der Liebe? - also noch mal kurz: auch wenn es uns (heute) schwerfallen dürfte, uns der Ding-Umwelt zu nähern wie T. es tat (es mußte), ist die Welt eigentlich im Grunde die gleiche Mysterienfrage geblieben: und von i h r , nicht von T.'s Stalker, ist auszugehen, wenn man die eigene mit T. Meinung vergleicht - auf Augenhöhe. Das sei nicht erlaubt vermessen? weil sowas ein >Genie< war etwa? Unsinn! zwar gibt es Genies - doch vor der Kunst sind zwar NICHT alle gleich, haben aber gleiches Recht; und wenn man mit dem ungleichen Verstand schaut, sind Unterschiede festzustellen - die sind aber angesichts dessen, was Kunst (wie "Religion", 'Spiritualität') von uns wollte,- relativ unwichtig. Kunst nimmt man nicht mit dem Verstand zu sich (vielleicht über ihn), - aber mit dem Herzen, an das sie sich auch wendet (wenn sie wahrhaft wirkliche und große Kunst ist). (Sonst ist sie Spielerei). - Nochmal kurz: Wer T. zu seinem Lehrer erkiert,- wird (wie von jedem Gedanken) enttäuscht werden: über einem selbst ist niemand, nur Luft, und Weltraum. No Guru, No Message, No Teacher' (Van Morrison). Tarkovskij findet man nicht über, sondern nur neben sich; und das auch nur, wenn man sich aufhält, wo er sich aufzuhalten gedacht war. Das heißt, man muß sich mit dem Leben (das problematisch ist wie eh & jeh, nur merkt man's in Gefahr /wie damals leichter) auseinandersetzen und zu e i g e n e n Schlüssen kommen - dann hat man die Chance, im Vergleich dieser eigenen (Erfahrungen) mit denen, die T. anbietet - ja anbietet, wie jeder Künstler: nicht aufnötigt, nicht geschmeichelt, nicht wichtigtuerisch ruhm- oder sonstwie-süchtig rumposaunt (wie stilllangsam sein Werk ist) und hin-klotzt-,- dann kann man im Vergleich des Eigenen mit diesen still-ungeheuren Aussage-willigkeiten (Auskunft-Bereitschaften) festsstellen, wieviel Übereinstimmung eventuell zwischen seinen (s e h r gewichtig schwerblütigen) und den eigenen (wenn sie denn auch mittlerweile Zeit-Gelegenheit hatten zu reifen) zu finden wäre. (Denn ohne wahrnehmbare Übereinstimmung zwischen v i e l e n /Aufnehmenden und e i n e m Werk entsteht und gäbe es keine Kunst, als deren conditio sine qua non: nicht der Entstehung-,- sondern Wahrnehmbarkeit (im öffentlichen Raum),- hier, eines Kinosaals,- oder eines DVD-Players.)
T. ist kein Vorbild, er ist ein Nebenmensch. Man merkt's nicht unbedingt so, weil wir keine DVD-Filme (von uns generiert) herstellen, und es "uns" nicht an jeder Straßenecke zu (ver)kaufen gibt. Kunst nähert man sich am besten auf Augenhöhe: indem man versucht den Punkt ausfindig zu machen, wo der 'Berühmte' auch nur eine einfache menschliche Substanz war. T. macht uns das relativ einfach. Er ist gut erkennbar,- in fast, sagen wir schon, Demut (typisch russisch)?. Berühmt-Ungleichheit zerstört T.'s Anliegen. Man sollte versuchen, sie beiseite zu schieben. Vom Denk-Mal heruntergestürzt, wird der Abstand des (trotzdem notwendigen) Interpretierens wieder fruchtbar. Ums Hören, Deuten und Verstehen kommen wir nicht herum. Aber es kommt auf Positionen an: als Lehrer taugt nur eine Person der Welt. Und das ist nicht Jesus, nicht der Dalai Lama, nicht Einstein (wie der Wissenschaftler einmal genannt herausgefordert wird) (ist ja alles sehr wissenschaftskritisch: kann uns auch nicht erlösen)-, nicht Tarkovskij: das bist (für dich) nur du selbst. Und nur d e i n e Atwort ist vergleichbar. Denkst du, T.'s Meinung als die deine zu entdecken (sollen): wirst du scheitern.
War nicht oberlehrerfade gemeint, wenn du willst, liebe Grüße, crx. :)
Ich hoffe, deine Geschichte mit Stalker ist eine mit mehreren Kapiteln,- und dies sei eins in derer jüngeren Mitte. pardon. ;)
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vannorden Wed, 20 Mar 2013 18:55:34 -0000
Antwort löschenLieber craax,
ich finde schön, dass du dich um mein Wohlergehen kümmerst ;) da hört sich jetzt vll etwas garstig ironisch an, aber ich meine es. Ich finde deine Antwort lesenswert, weil sie mit sehr viel Herzblut geschrieben ist. Was ich nicht ganz verstehe, ist, ob du tatsächlich mich anschreibst. Du schreibst viel darüber wie Kunst aufzunehmen ist und dass es nichts bringt sich einem Lehrer, Genie, Vorbild uswusf unterzuordnen und genau das mache ich nicht. Ich habe nie gesagt, dass ich vor ihm kroch und Lehren empfangen wollte. Ich habe es genoßen mit ihm zu reden und habe mich darin gefunden. Damals. Heute nicht mehr und da sind auch die ganzen Symbole egal, die Schönheit der Bilder und die wohldurchdachten Dialoge. Ich finde mich nur noch in den Bildern, die Dialoge befremden mich. Ich kann nichts mit ihnen anfangen, weil ich nicht das Gefühl habe, dass er mit mir reden will. Ich habe das Gefühl, dass er sich wirlich viel im Leben udn der Welt erlebt und schwergenommen hat. Und das ist es, was ich nicht mehr goutieren kann. Mir fehlt das schelmische, das verbleiben in der Welt der Erfahrungen. Ich finde in seinen Dialogen nur Verweise auf die Welt in seinem Kopf, in der er sich mit seinen schweren Gedanken eingeschlossen hat. Der Typen (und ich meine nicht Kerle) durch eine Fable stapfen läßt, die symbolisch einiges hermacht, aber nicht den die Fragen an eine Welt stellt, die ich kenne, sondern an eine Bücherwelt, die mit Typen erreichbar ist und erfahrbar ist, aber die mir nichts mehr über mich und mein Leben sagt. Es ist wie mit Propaganda, er sucht seine tote Welt zu erklären, aber hat für mich nichts mehr mit dem Leben zu schaffen. Ich glaube auch nicht, dass das an fehlenden eschatologischen Vorstellungen liegt. Gerade im Kino ist es zu spüren, die Düsternis die sich in den Köpfen der Menschen über die Welt legt. Alleine DREDD 3D lässt den kommenden Untergang der Welt spüren, wie es der Stallone-Mist niemals konnte im Juchhei des Ende des Kalten Krieges. Ich bin auch kein Profi, sondern blutiger Amateur. Ich schaue Filme und suche sie irgendwie mit meinem Leben und meiner Welt in Beziehung zu setzen. Darum liebe ich sieh, weil sie mir Perspektiven auf die Welt eröffnen, die ich nicht nur aus meinem Kopf ziehen kann. Ich brauche input und übersehe ständig wichtige oder unwichtige Dinge, ich versuche nur aufzuschreiben, was ich fühle und denke. Damit werde ich ewig scheitern. Was ich aber an STALKER nicht mehr akzeptieren kann, weil es das ist, er ist mir zu Nahe, immer noch, um so verquast zu sein, wie er ist, also was ich nicht akzeptieren kann, ist der Tonfall der Dialoge, die schwermütig und wohldurchdacht sind, aber sich in ihrer eigenen "intelektuellen" Herangehensweise selbst stranguliert haben. Die, um jetzt voll in die Angebertrickkiste zu greifen, nicht wie Zarathustra mit den Musen mit getanzt hat, sondern denkend daneben verkümmert ist. Ich will niemanden diesen Film schlecht machen, ich mag ihn nicht mehr, ohne mich von ihm trennen zu können, er ist ein Teil von mir geworden. Falls er dir Dinge sagt, dann wünsche ich dir Glück mit ihm. Ich werde es mit ihm nicht so schnell wiederfinden.
Gruß vannorden
craax Wed, 20 Mar 2013 20:25:38 -0000
Antwort löschen;) aber das klingt doch super! - bin ich doch voll glücklich mit!.
Also, nicht das ich ein entschiedener T.-Liebhaber bin; ist für mich einer unter vielen, und ichbhabe da nichts zu gewinnen oder verlieren,- und auch kaum einzusetzen. Hochachtung habe ich vor seiner Lebensleistung,- und überhaupt vor: Künstlertum,- welches sich selbst und die Welt ernst nimmt,- ernst genug, um daran zu leiden.
Mit dem leiden gibt es da die Probleme, denke ich. Und das ist gut so! - denn die Welt ("") ist nicht zum Leiden da, und wäre es wohl auch kaum so, wenn diejenige Menschen-**,- die wir (heute) fast allzusehr nur noch wahrnehmen (denn wer bewegt sich schon noch privat oder beruflich in "natürlichen" naturnahgestellten Dimensionen),- um: nur noch Tun und Lassen der großen Menschheitsbestrebungen auf sein eigentangiertes Leben nicht beinahe noch ausschließlich aufzunehmen. ? - wollt sagen: kaum noch einer lebt abgenabelt auf seiner Naturnahinsel; wir alle stecken mit unserem Kopf und Erleben längst vorwiegend im weltweit getilten (in der Kopfseele allgegenwärtigen allmächtigen omnipräsenten) Gemeinschaftsschicksal.
Und genau das ist es, wo der Grund zur allgemeinen Tristesse zumeist herkommt; wie weit man das nun an sich heranlassen will (denn das alleinige Sich-Aussetzen bessert nichts) ist nun die Frage. Es gibt viel leiden und Depression an diesem Zustand der (Menschen-)Welt, ohne das es jemandem nützt. Fröhlichkeit ist der beste Widerstand und die ausgelassenste Subversion. Fröhlichkeit (die echte, nicht ahnungslose) ist Anarchie. Ich mag Anarchie,- im Sinne von Herrschaftslosigkeit, außer der, die jeder Mensch über sich selbst ausüben sollte. Fremd-Herrschaft ist der überflüssigste Umstand der Welt.Und wen ich meine, das du Profi bist, meinte ich damit den Eindruck, den ich (zu Recht) hatte, das du sehr wohl in der Lage bist, dich selbst zu regieren und im Zaum zu halten.
Jeder entscheidet selbst, wieviel Unglück er an sich heranlassen können will, ohne Schaden zu nehmen. Geteiltes Leid ist etwas anderes als verdoppeltes Leid. Kunst ist nicht der Versuch, die Menge individuellen Leides durch Abkopieren in fremde Seelen zu vermehren. Im Gegenteil.
Wenn du also Tarkovskij jetzt entschieden fremd gegenüberstehst, ist das so, wie ich deinen Wort-eindrücken nach auffasse, eine sehr erwachsene, eigenbestimmte, verantwortliche Positionsbestimmung (immerhin hast du ihn vorher tief erlebt und vereinnahmt): dich durch ihn nicht >herunterziehen< zu lassen,- sondern deine Gesundheitskräfte zu schützen und zu schirmen. Das, ohne die Augen zu verschließen: ist die Pflicht jedes Menschentums: sich empfindlich zu machen, aber nicht zu verletzen,- Kraft (auch für andere, genau wie für sich) zu gewinnen, nicht zu verschleudern,- mitzufühlen ohne Härte, Widerstandsfähig- ohne Unempfindlichkeit. Das Leid nicht ignorieren: aber traurige Menschen haben noch nie andere wieder froh gemacht. Keine Spaßgesellschaft; aber auch nicht deppressiv aus Solidarität. (Übrigens empfinde ich T. nicht im allergeringsten als gar, trist, oder deppressiv, ganz im Gegenteil, ich empfinde Stärkung dabei).
Man geht den eigenen Weg, und der bewegt sich zwischen Annäherung und Abstoßung von der Gemeinschaft, -(übrigens auch mit sich selbst). Es gibt keinen festen Abstand (wie Goethe sagt: Systole und Diastole, wenn dir das nicht zu abgehoben klingt). -Heißt: du erlebst (und gönnst dir jetzt Freiheit von allem möglichen >Tarkovskij'schen< (und ist ja beileibe nicht der einzige. Denk mal an Kafka, Dostojewski, Kierkegaard, um drei frühe Götter meiner Emazipation von Welt-Leid zu nennen.) (Ich weiß übrigens, das das gerade alles sehr nach Mission riecht, ist aber nicht. Ich leiste Gesellschaft).
Wenn du die Gräue modernen Kunstexpressionismus aktuell scheust (ich habe stets im Hintergrund, das du von T. KOMMST),- und der das ist nun wirklich allgegenwärtig seit >romantischen> Zeiten (feeling blue), dann ist das - unter diesen Auspizien des KOMMENS (aus einer sensibilisierenden Vorbereitung) ein GUTES Zeichen: denn es zeigt,- das du dich um dich selber kümmerst, dir lieb und wert bist, nach einem Stoß das Gleichgewicht wiedererlangst - und das, genau, braucht die Welt ihrerseits: ihr Gleichgewicht wiedererlangen,- wobei sie unsere Hilfe braucht: nicht Samaritertum,- sondern einfach: Menschen ohne Schlagseite,- die nicht auch noch ihrerseits Hilfereserven belasten (ist neben Voraussetzung schon darüber erfreulich). Hornochsen, die noch nie Solidarität gefühlt haben aus bloßem blinden Egoismus und Ahnungslosigkeit heraus gibt es genug. Dazu zähle ich dich nicht. Anders gibt es genug mit fehlender Abgrenzung: die helfen auch nicht. Wessen Herz keine Freude spürt, kann nicht helfen. Diese Freude und Positivität ist zu schützen. Sie ist Voraussetzung. Und wer es tut, wo er kann, ist nicht gewissenlos: er (oder sie) ist erwachsen.
Ich habe nicht das geringste Problem damit, das dir die Bilder (als Mittel zum Zweck) von nur Stalker oder T. insgesamt etwa? - zuwiderlaufend-/setzlich sind, du sie nur verbannen magst Du mußt Stalker (sowieso) nicht mögen. Ich vermute, da du sagst, das sie einmal Macht über dich hatten,- und nichts Gutes in einen gesenkt verloren geht, das es um ein ihnen-entgegen-wachsen,- auf Augenhöhe bringen,- (wie ich oben schrieb),- geht. Ich halte das sogar für ein gutes Zeichen (weil völlig egal ist, ob man diesen oder jenen Künstler gar dauerhaft konstant "gut" findet). Kunst ist ein lebendiges Ding und findet wie Atmen statt. Und nach einem starken Eindruck von außen ('Input' sagst du, dessen wir alle bedürfen, auch Picasso) bedarf die Seele, sich ins Gleichgewicht an dessen Seite zu bringen : ihm ge-wachsen zu sein. Und wachsen tut man selbst,- nicht der Künstler oder das Kunstwerk gegenüber - für einen.
Kunst ist nicht etwas, das außen, außerhalb stattfindet: Kunst ist das Innerste, Eigenste überhaupt. Kunst ist für dich da (tatsächlich), nicht du für ddie Kunst oder irgendein Kunsttum-, werk-, oder -hersteller.
Kunst ist eine natürliche Reaktion von uns auf eine Anregung; Wachsen also. Nichts anderes. Und nach dem Fressen kommt das Verdauen,- und das heißt auch irgendwann: Entfernung und Verabschiedung. Bleibt die verabschiedung aus: verwest etwas. Nicht gut. Entfernung ist besser. Entfernung ist Natur. Aber sie wandelt sich: In Entfernung von dem einen,- Annäherung einem anderen. Imbesten, größten Fall, stellt man irgendwann fest, das in dem einen das andere steckte. Dann schließt sich ein Kreislauf,- meistens ein großer Moment. Von, sagen wir, (ungenau) Zuneigung. Genug doziert.
Ich habe keine Ahnung, ob du den Zusammenhang mit dem von dir vielgestaltig Gesagten herstellen kannst. Mir kommt es vor, er wäre da. Ich wollte keinen Fall belehrend oder abgehoben wirken; vermutlich ist mir das unvollkommen gelungen. Ich nehme was du sagtest sehr ernst (und genau); und, wirklich, ich freue mich, das T. Leute wie dich offenbar zu finden vermag, die über ihn hinauswachsen; eine Weile lang; wer weiß, um was wiederzufinden?,- stell dir den Papst vor: ob der Nazzarener (keine Sorge, hab nix damit am Hut, was ich nicht auch für Gautama, John Lennon oder Josef Beuys empfände) wohl froh wäre, wiederkehr'nd solche Gestalt/en vorzufinden (ich hoffe, ich verletze keine Gefühle). Zum Papst scheinst du nicht zu taugen; nicht allein, weil das Geschlecht für diesen Fall "das verkehrte" wäre - wenn's das gäb, -was ich persönlich nur angenehm fände (wenn es auch für diesen Fall "das richtige" sein dürfte). na, da sind wir wieder beim vor-programmierten Elend der Dinge, wie sie (im Menschenfabrizierten) liegen. Kümmern wir uns ein andermal weiter. Dauert nicht mehr lange,- dann erledigt sich das.
Also, ich denke, der sympathische Kerl wär nicht sonderlich zufrieden,- und, der andere hätte mehr Grund, sich zu freuen (und tät's auch), wenn er dich stattdessen dort träfe, wo du scheinend bist. - Vermute, er würde sich überhaupt freuen (jede Menge),- nunmehr überhaupt nioch so viele gesunde fröhliche Menschen anzutreffen. Einerseits gesundet die Welt (nach dem Horrorcrash Mitte letzten Jahrunderts). Andererseits gibt es zunehmend anders zu tun. Na, wie gesagt: mit Mut und Zuversicht /unter Lächeln eher als Greinen geht's auch hier voran.
Ich entschuldige mich für die Länge und's Oberlehrerhafte. Vielleicht sieht man sich nochmal? - würde mich freuen. Schönen Abend. (das zu schreiben geht übrigens flott,- mach dir keine Gedanken). Ciao ;):) cx
Aronofsky Mon, 10 Dec 2012 22:24:56 -0000
Kommentar löschenDa filmt ja eine Schnecke aufregender. Die Dialoge waren zwar interessant, aber auch ähnlich einschläfernd wie die Inszenierung. Aber ich werde STALKER noch eine zweite Chance geben, versprochen.
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JimiHendrix Tue, 11 Dec 2012 13:30:15 -0000
Antwort löschennahm ich ähnlich war, aber auch ich werde ihm noch ne chance geben^^
adamma Mon, 10 Dec 2012 14:15:53 -0000
Kommentar löschenNachdem ich die erste halbe Stunde überstanden hatte, war ich soweit und der Film hatte mich. Schwere Kost, großartige poetische Bilder, hinterlässt einen tiefen Eindruck.
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Chanvre Mon, 03 Dec 2012 23:03:17 -0000
Kommentar löschenBesoffen ins Kino gegangen und verwirrt wieder herausgekommen. Den Film als sehr gut empfunden, warum auch immer, aber auch sehr viel darüber nachgedacht. Jetzt kann ich nicht schlafen..
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Buttholesurfer Tue, 04 Dec 2012 11:51:38 -0000
Antwort löschen"Ich habe einfach nur getrunken, wie es die Hälfte der Menschheit tut. Die andere Hälfte, ja. Die betrinkt sich, einschließlich Frauen und Kinder. Ich trinke einfach nur."
Schmax Fri, 30 Nov 2012 13:34:02 -0000
Kommentar löschenEndlich habe ich dieses Meisterwerk von Film sehen können. Und was soll ich sagen... Eigentlich nichts. Habe ich diesen Film in voller gänze begriffen? Definitiv Nein. Muss ich das tun um die nahezu vollkommene Perfektion Stalkers zu erleben? Auch das nicht.
Film oder vielmehr Kunst wie sie sein soll. Nämlich die reinste Form menschlicher Emotionen.
Nach der Zweitsichtung wird wahrscheinlich die 10 oben rechts stehen.
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Momemik Thu, 29 Nov 2012 11:16:47 -0000
Kommentar löschenMein erster Tarkovsky Film. Ich war aber schon sehr lange auf der Suche nach einer vernünftigen Version des Films, die sowohl im Orginalton als auch in einem Vernünftigen Format daherkommt. Das war ehrlich gesagt nicht gerade einfach bzw. preisgünstig, aber nachdem ich so lange diesen Film sehen wollte hab ich nun endlich investiert und was ich gesehen habe lässt mich nicht mehr los! Obwohl meine Erwartungen aufgrund der langen wartezeit von über einem Jahr sehr hoch waren wurde ich keineswegs enttäuscht! Ganz im Gegenteil...
Natürlich entzieht sich der Film einer einheitlichen Interpretation, was ich allerdings als großes Plus sehe! Der Film ist aufgrund der Kameraeinstellungen und des Schnittes als Kunstwerk zu sehen. Besonders auffällig waren für mich diese extrem langsamen Zoomfahrten der Kamera, die an sehr vielen Stellen zum Einsatz kamen und teilweise Minutenlang mit konstanter Geschwindigkeit immer ein bisschen näher an die Protagonisten fuhren!
Der Film sagt mit minimalster Handlung enorm viel und spricht auf einer sehr persönlichen und philosophischen Ebene zum Zuschauer. Ich glaube, dass jeder der den Film sieht einen persönlichen Ansatz an das Verständnis des Filmes hat, weshalb es auch keinen Sinn macht hier näher auf meine eigene Sichtweise einzugehen. Doch gerade das ist der Reiz des Films. Er spricht zu einem und obwohl so wenig passiert ist man gefesselt und schaut gebannt zu.
Zwei minimale Kritikpunkte hab ich dann doch, die aber im Vergleich zum Gesamtwerk klein ausfallen. Zu beginn des Films wirken (im russischen Orginalton) einige Soundeffekte sehr künstlich. Das sind sie mit sicherheit auch, was ja generell nicht schlimm ist, aber am Anfang ist es mir negativ aufgefallen und ab der Zone nicht mehr.
Zwei kurze Beispiele: Unglaublich lauter Klischeereißverschlusssound, der einfach deplaziert wirkte und beim Knallen der Jeeptüre falsches Timing... Aber drauf geschissen :)
Mein zweiter Kritikpunkt gilt dem Stalker. Ich fand die Schauspielerische Leistung insgesamt gut, aber an manchen stellen fiel mir der Stalker im Verglich zum Wirter und zum Professor negativ auf.
Insgesamt trotzdem ein Meisterwerk das mich auch Tage nach dem gucken berschäftigt und einfach nciht loslässt! Wenn das kein Qualitätsmerkmal für nen Film ist weiß ichs auch nicht! Wird nicht das letzte mal gewesen sein, dass ich Stalker gesehen habe und ich würde fast behaupten, dass dann meine Wertung noch steigen wird, auch wenn ne glatte 9 fürs erste mal sehen schon außerordentlich ist! Ich freu mich schon sehr auf Solaris, Ivans Childhood und the Mirror!
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Harrigan Fri, 30 Nov 2012 15:09:04 -0000
Antwort löschenNicht zu früh freuen.