Kino » Times-Liste
Deutscher auf Platz 1 bei den 100 Besten Filmen der letzten 10 Jahre
Veröffentlicht am 10.11.2009, 13:40
Wenn Ihr an die letzten 10 Jahre denkt und aus diesem Zeitraum den besten Film eines deutschen Regisseurs heraussuchen sollt, an wen denkt Ihr da? Florian Henckel von Donnersmarck (Das Leben der Anderen)? Oliver Hirschbiegel (Der Untergang)? Til Schweiger (Keinohrhasen)? Ganz falsch! Die britische Times hat diese Frage ein für allemal entschieden und Caché von Michael Haneke (Das Weisse Band – Eine deutsche Kindergeschichte) zum besten Film der letzten 10 Jahre gewählt. Wohlbemerkt zum besten Film der Welt, nicht nur Deutschlands. Der in Deutschland geborene Österreicher ist natürlich very happy. Das Publikum, so Haneke, ist eben doch nicht so dumm ist, wie Filmemacher oft denken.
Als Begündung nennt die Times die politische Dimension des Films. In dem französischen Thriller mit Daniel Auteuil und Juliette Binoche werden sowohl multinationale Konflikte als auch die Entwicklung hin zum Überwachungsstaat thematisiert. Darüber hinaus bietet Caché durch einen unerwarteten Suizid und sein vieldeutiges Ende auch große filmische Momente. Trotzdem verwundert die Wahl des doch eher unbekannten Films, der bei den Moviepiloten nur auf durchschnittlich 6,7 Punkte kommt.
Auch die restliche Liste offenbart Überraschungen. Besonders das gute Abschneiden der Deutschen verwundert. Neben Michael Haneke sind auch Werner Herzog (Platz 4), Florian Henckel von Donnersmarck (Platz 12) und Oliver Hirschbiegel (Platz 15) in den Top 20. Auf den folgenden 80 Plätzen fehlen allerdings deutsche Filme, bis auf Die Klavierspielerin (Platz 85), ebenfalls von Michael Haneke. Da haben wir wohl einen heimlichen Fan in der Times-Redaktion.
Überhaupt ist die Liste sehr mutig. Die Bourne Verschwörung und Das Bourne Ultimatum, welche sich Platz zwei teilen, polarisieren. Als Erklärung kann da der Großbritannien-Bonus dienen. Weshalb aber etwa Team America und Grizzly Man um die Spitze streiten, während klassische Award-Anwärter wie The Dark Knight, There Will Be Blood oder The Wind That Shakes The Barley im unteren Mittelfeld verschwinden, kann ich mir nicht erklären. Die Auswahl erscheint äußerst subjektiv.
Aber hier erstmal die Times-Liste der 100 besten Filme der letzten 10 Jahre: 1. Caché (Michael Haneke, 2005 2. Die Bourne Verschwörung / Das Bourne Ultimatum (Paul Greengrass, 2004, 2007) 3. No Country for Old Men (Joel Coen, Ethan Coen, 2007) 4. Grizzly Man (Werner Herzog, 2005) 5. Team America (Trey Parker, 2004) 6. Slumdog Millionär (Danny Boyle, 2008) 7. Der Letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht (Kevin MacDonald, 2006) 8. James Bond – Casino Royale (Martin Campbell, 2006) 9. Die Queen (Stephen Frears, 2006) 10. Hunger (Steve McQueen, 2008) 11. Borat (Larry Charles, 2006) 12. Das Leben der Anderen (Florian Henckel von Donnersmarck, 2006) 13. This is England (Shane Meadows, 2007) 14. Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage (Cristian Mungiu, 2007) 15. Der Untergang (Oliver Hirschbiegel, 2004) 16. Vergiss mein nicht! (Michel Gondry, 2004) 17. Brokeback Mountain (Ang Lee, 2005) 18. So Finster die Nacht (Tomas Alfredson, 2008) 19. Flug 93 (Paul Greengrass, 2006) 20. Donnie Darko (Richard Kelly, 2001) 21. Good Night, and Good Luck (George Clooney, 2005) 22. Dem Himmel so fern (Todd Haynes, 2002) 23. Man on Wire (James Marsh, 2008) 24. 28 Days Later (Danny Boyle, 2002) 25. Dancer in the Dark (Lars von Trier, 2000) 26. Minority Report (Steven Spielberg, 2002) 27. Sideways (Alexander Payne, 2004) 28. Schmetterling und Taucherglocke (Julian Schnabel, 2007) 29. Being John Malkovich (Spike Jonze, 2000) 30. Irreversibel (Gaspar Noé, 2002) 31. Iraq in Fragments (James Longley, 2006) 32. Gladiator (Ridley Scott, 2000) 33. Monsoon Wedding (Mira Nair, 2002) 34. Findet Nemo (Andrew Stanton / Lee Unkrich, 2003) 35. Y Tu Mama Tambien – Lust for Life (Alfonso Cuarón, 2002) 36. Capturing the Friedmans (Andrew Jarecki, 2004) 37. In the Mood for Love – Der Klang der Liebe (Kar Wai Wong, 2000) 38. Mulholland Drive – Straße der Finsternis (David Lynch, 2001) 39. Lost in Translation (Sofia Coppola, 2003) 40. Syriana (Stephen Gaghan, 2005) 41. Children of Men (Alfonso Cuarón, 2006) 42. Die Unglaublichen – The Incredibles (Brad Bird, 2004) 43. The Dark Knight (Christopher Nolan, 2008) 44. Unter dem Sand (François Ozon, 2000) 45. Sturz ins Leere (Kevin MacDonald, 2003) 46. Traffic – Die Macht des Kartells (Steven Soderbergh, 2000) 47. My Summer of Love (Pawel Pawlikowski, 2004) 48. Little Miss Sunshine (Jonathan Dayton / Valerie Faris, 2006) 49. Beim ersten Mal (Judd Apatow, 2007) 50. Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (Peter Jackson, 2003) 51. Das Zimmer meines Sohnes (Nanni Moretti, 2001) 52. Der Ewige Gärtner (Fernando Meirelles, 2005) 53. Milk (Gus van Sant, 2008) 54. Bad Santa (Terry Zwigoff, 2003) 55. Chopper (Andrew Dominik, 2000) 56. Volver – Zurückkehren (Pedro Almodóvar, 2006) 57. Die Folgen der Liebe (Paolo Sorrentino, 2004) 58. Shaun of the Dead (Edgar Wright, 2004) 59. Sein und Haben (Nicolas Philibert, 2002) 60. Der Tintenfisch und der Wal (Noah Baumbach, 2005) 61. Chihiros Reise ins Zauberland (Hayao Miyazaki, 2001) 62. Der Anchorman – Die Geschichte von Ron Burgundy (Adam McKay, 2004) 63. There Will Be Blood (Paul Thomas Anderson, 2007) 64. Das Kind (Jean-Pierre Dardenne / Luc Dardenne, 2005) 65. Waltz with Bashir (Ari Folman, 2008) 66. City of God (Fernando Meirelles / Kátia Lund, 2002) 67. Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra (Matteo Garrone, 2008) 68. Memento (Christopher Nolan, 2000) 69. Persepolis (Vincent Paronnaud / Marjane Satrapi, 2007) 70. Die Klasse (Laurent Cantet, 2008) 71. Die Monster AG (Pete Docter / David Silverman, 2001) 72. Tödliches Kommando – The Hurt Locker (Kathryn Bigelow, 2008) 73. Der Wilde Schlag meines Herzens (Jacques Audiard, 2005) 74. Pans Labyrinth (Guillermo del Toro, 2006) 75. Sprich mit ihr – Hable con ella (Pedro Almodóvar, 2002) 76. Control (Anton Corbijn, 2007) 77. Bowling for Columbine (Michael Moore, 2002) 78. About Schmidt (Alexander Payne, 2002) 79. Die Große Reise (Ismaël Ferroukhi, 2004) 80. Ich und Du und Alle, die wir kennen (Miranda July, 2005) 81. In the Loop (Armando Iannucci, 2009) 82. Yi yi – A One and a Two (Edward Yang, 2000) 83. The Wind That Shakes The Barley (Ken Loach, 2006) 84. Hotel Ruanda (Terry George, 2004) 85. Die Klavierspielerin (Michael Haneke, 2001) 86. Das Waisenhaus (Juan Antonio Bayona, 2007) 87. Time and Winds (Reha Erdem, 2006) 88. The Royal Tenenbaums (Wes Anderson, 2001) 89. School of Rock (Richard Linklater, 2003) 90. Die Hochzeits-Crasher (David Dobkin, 2005) 91. Lantana (Ray Lawrence, 2001) 92. Kleine schmutzige Tricks (Stephen Frears, 2002) 93. House of the Flying Daggers (Yimou Zhang, 2004) 94. Eine unbequeme Wahrheit (Davis Guggenheim, 2006) 95. Amores Perros – Hundeliebe (Alejandro González Iñárritu, 2000) 96. Morvern Callar (Lynne Ramsay, 2002) 97. Sympathy for Mr. Vengeance (Chan-wook Park, 2005) 98. L.A. Crash (Paul Haggis, 2004) 99. Battle Royale (Kinji Fukasaku, 2000) 100. Der Teufel trägt Prada (David Frankel, 2006)
So, und nun sind wir gespannt auf Eure Kommentare. Und was sind Eure Top 10?
Prestigeww (Stefan Tiess) 2009/11/10 13:40:00
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Kommentare
über Deutscher auf Platz 1 bei den 100 Besten Filmen der letzten 10 Jahre
alanger 2009/11/10 14:06:49
Schlegel 2009/11/10 14:12:21
Haneke ein deutscher Regisseur? Wenns denn sein muss...
Sein Büro ist in Wien, die WEGA-Film ist eine Wiener Produktionsfirma, die frühen Kinofilme kommen aus Österreich, Caché spielt in Paris, die Klavierspielerin wieder in Wien. Ganz ehrlich: Ob Haneke im eher filmkunstfeindlichen Deutschland so weit gekommen wäre, ist mehr als fraglich. Arbeitstechnisch ist er wohl mittlerweile Franzose, trotz weissem Band.
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alanger 2009/11/10 14:25:29
als filmkunstfeindlichen würde ich deutschland nun nicht bezeichnen. es ist eher das system aus diversen filmförderungen einerseits (von dem ja der gute haneke auch profitiert) und der daraus resultierenden tv vermarktungskultur ("amphibien filme") anderseits das hier vieles kleinklein hält.
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Schlegel 2009/11/10 14:29:54
Akzeptiert. Dennoch: Haneke verdankt den Franzosen einiges, den Deutschen gar nix.
Prestigeww 2009/11/10 14:47:33
Da erinnere ich an deine Namensvetter, die Schlegel-Twins. Trotz Frankreich-Einfluss en masse trotzdem deutsche Kulturgrößen und Miterfinder der Romantik. Eben auch, weil viel aus dem Widerstreit zwischen beiden Ländern entsteht. Und als Österreicher wirst du nunmal primär durch deutsche Filme sozialisiert. Außerdem ist der Film Caché bei Les Films du Losange, also der Produktionsfirma von Eric Rohmer produziert. Und der ist Germanist. Du siehst: ... der Kreis schließt sich ;-D
keddschabb 2009/11/10 15:15:11
Jaja, jetzt waren Fritz und Gustl Schlegel auch noch Zwillinge? Alles konstruiert! Das kommt davon, wenn man sich auf Kulturpatriotismus und Nationalismus einlässt! Haneke ist übrigens ein gut rasiertes Yeti aus dem Himalaya, domestiziert von Peter Habeler im Basislager des Cho Oyu.
Prestigeww 2009/11/10 15:19:41
"In Frankreich wird man als Mensch geboren und ist zufällig auch Franzose. In Deutschland wird man als Deutscher geboren und wird überhaupt erst dadurch zum Menschen." Gell!
annaberlin 2009/11/10 15:21:36
Habe auch meine Probleme mit der Einordung von Caché ins gute deutsche Heimatland.
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FrEaKnoT 2009/11/10 15:34:49
Ich habe meine Probleme mit der Einordnung der ganzen Liste.
Da stehe scheinbar willkürlich Filme, ausgewählt nach -ja nach was eigentlich?
Eventuell haben zwei Kulturredakteure ihre 50 Lieblingsfilme in eine Liste zusammengestellt?
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Hendrik 2009/11/10 16:25:05
Zwei Bourne-Filme teilen sich den zweiten Platz? *fassungsloses Kopfschütteln*
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viewer 2009/11/10 16:51:40
Geil, unter den ersten 20 Filmen ist fast keiner, dem ich mehr als 4 Punkte gegeben habe oder den ich mir überhaupt anschauen würde!
Und eine Liste, in der "20 days later" überhaupt zu finden ist, hat für mich jegliche Legitimation verloren! ;-)
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Chris1981 2009/11/10 21:30:20
Von Cache hatte ich bis gerade eben noch nicht mal den Namen gehört!
Wäre echt mal interessant zu erfahren, nach welchen Kriterien sich diese Liste zusammengesetzt hat. (Das mit dem Brownale dürfte wohl hinkommen)
Zwar finde ich dort einige Filme die ich auch in meiner Liste hätte, aber eben auch viele (kann Alanger bei Platz 100 nur zustimmen) die ich mir noch nichtmal ansehen würde!
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Sonse 2009/11/10 22:48:18
Erwartungsgemäß eine UK-lastige und fast schon erfrischend wirre Liste, inklusive
• Seriously-WTF!?-Filme:
The Devil Wears Prada?
Wedding Crashers?
School of Rock?
Crash?
House of the Flying Daggers?
The Royal Tenenbaums?
The Orphanage?
An Inconvenient Truth?
Knocked Up?
The Constant Gardener?
Milk?
Dancer in the Dark?
Sideways?
The Squid and the Whale?
Bad Santa?
Caché?
und
• Würden-bestimmt-auch-in-meiner-Liste-auftauchen-Filme:
Eternal Sunshine of the Spotless Mind
Lost in Translation
In the Mood for Love
No Country for Old Men
Mulholland Drive
Children of Men
The Incredibles
Shaun of the Dead
There will be Blood
The Hurt Locker
...
Was da alles übergangen wurde, möchte ich jetzt lieber gar nicht erst aufzählen.
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Ortega Lorre 2009/11/11 00:35:12
"Trotzdem verwundert die Wahl des doch eher unbekannten Films, der bei den Moviepiloten nur auf durchschnittlich 6,7 Punkte kommt."
Mich verwundert das überhaupt nicht. Und wer sich wundert das Cache vor The Dark Knight kommt hat Film als Medium nicht begriffen.
Ganz ehrlich, das klingt vielleicht polemisch, aber es ist doch so.
Cache legt den Finger in eine Wunde, die den Franzosen und Briten eben viel bewußter ist, als den Deutschen.
Das ist meiner Meinung nach DER Film zum Thema der Diaspora aus dem islamischen Kulturkreis nach Europa.
Die Briten und Franzosen haben durch ihre Kolonialgeschichte ein ganz anderes Bewußtsein gegenüber den Minderheiten in ihren Ländern.
In Deutschland hat man sie halt größtenteils vergast oder erschossen. Da gab es erst wieder Migration in Form der "Gastarbeiter" was an sich schon ein absurdes Konzept ist.
Die Bürgerliche Welt fühlt sich durch ein unbekanntes und unkontrollierbares Eindringen in ihre Mitte bedroht.
Damit hab ich "Cache" beschrieben oder eben den Geisteszustand des Westeuropäischen Bürgers.
Haneke erzählt mit einer schwarzen Schauspielerin ohne Text, am Tisch der linksliberalen Bürger im teuren Wohnzimmer, mehr über die Wahrnehmung des "Fremden" als jeder gutgemeinte öffentlich geförderte Migrationsfilm.
Ich bin da mit der Times auf einer Linie was den ersten Platz angeht. "Cache" ist einer der wichtigesten Filme des europäischen Kinos und wird in seiner Bedeutung noch steigen.
Das er hierzulande als Thrillervariation von "Lost Highway" wahrgenommen wird, zeugt doch nur von der deutschen Seele, die einen Türken nur als den Türken wahrnehmen kann.
Sag das Wort "Türke" oder "Araber" und in einer Gruppe weißer Deutscher, wird mindestens die Hälfte sofort mit "Ey Alter, isch mach disch platt" oder "Yallah! Yallah!" kommen.
Der gewöhnliche Deutsche denkt bei Einwanderung eben nur an Döner, Kaya Yanar und "Krass".
In Frankreich oder Großbritannien schwingt ein Erbe mit, welches wir hier einfach noch nicht begriffen haben.
Die Zerstörung der afrikanischen und arabischen Geographie und die Millitarisierung des zeitgenössischen Islam sind europäische Erzeugnisse.
Nun schlägt der Boomerang zurück, in Form von Unsicherheit.
Und da sitz dann Auteuil am gepflegten Tisch mit teurem Wein, hat seine Freunde dabei von denen einer mit einer schwarzen Schönen verheiratet ist und rätselt darüber welcher Fremde Maghreb ihm hier ans Leder will.
Das ist zeitgenössisches Gesellschaftskino das sich der Unterhaltung nicht verweigert und daher ein großer Film ist.
So! :)
(ist jetzt nicht so strukturiert das Ganze, hab einfach drauflosgetippt)
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alanger 2009/11/11 01:07:38
"In Frankreich oder Großbritannien schwingt ein Erbe mit, welches wir hier einfach noch nicht begriffen haben." zum glück muss ich sagen. wenn dort die ghettos brennen (und dort gibt es GHETTOS und BRENNEN MEINT BRENNEN) so ist das schon ein unterschied zu unserer kuschligen wohlstandwelt. "Der gewöhnliche Deutsche denkt bei Einwanderung eben nur an Döner, Kaya Yanar und "Krass". schön für den gewöhnlichen deutschen der NICHT mit diesen wunderbahren zutaten zur kultur zusammenleben muss. der entspannt von der feinheit der türkischen grammatik parlieren kann und nix von irgendwelchen (die bösen medien) ehrenmorden, vergewaltigungen, gewallt gegen mitschüler, gewallt gegen frauen, gegen schwule... und anderen unschönen sachen mitbekommt.
abgesehen davon das all das NICHTS mit diesem vollgefressenem "die dummen streiche der reichen" film zu tun hat. sondern nur damit wie hübsch es uns hier geht und das wir vor lauter selbstgefälligen (und dabei extrem arroganten) multikultigebrasel alle sinne (plus hirn) ausgeschaltet lassen. darauf noch nen veuve clicquot.
Schlegel 2009/11/11 01:17:15
Ich hab ja Caché damals als zäh und banal empfunden; einen Wiederholungslauf habe ich vorzeitig abgebrochen. Aber was du schreibst, gefällt mir - die schwarze Freundin habe ich so nie wahrgenommen, und ich glaube, du hast recht. Bei dem Film schwelt noch einiges im Untergrund.
Ortega Lorre 2009/11/11 01:33:43
Quatsch! Genau darum geht es doch! Dieses naive "Multikultigebrasel" loszuwerden, die Konfrontation zu gehen und dabei auf Augenhöhe zu streiten.
Aber hier wird nur naiv bündnis90grünisiert, als Fremd wahrgenommen oder gehetzt.
Da ist der Großteil Westeuropas viel weiter.
Und wen meinst du hier, der "nicht mit diesen wunderbahren zutaten zur kultur zusammenleben muss"? Wer denn? Ein Bauer im bayerischen Hochland vielleicht.
Ich bin Deutscher, mit einer Kurdin seit Jahren zusammen, mein bester Kumpel ist Türke und ich bin unter Arabern, Polen und Türken großgeworden.
Und ich kenne die Probleme die in urbanen Zusammenhängen enstehen. Und diese Probleme haben eben mit allen Teilnehmern zu tun.
Ich kenne die Gewalt weil ich sie jeden Tag erlebt hab.
Was ist der Ausweg daraus? Bestimmt nicht die beidseitige Angst.
Auch das Wegschauen bei Ehrenmorden in den 90er Jahren, ist eine Folge des sich nicht stellen können, wollen und müssen.
Diese Gesellschaft steckt in ihrer Migrations-Situation fest, da beide Seiten unfähig zum Dialog sind.
Und in dem Film geht es genau darum:
Das Nicht verzeihen können.
Das Nicht bereuen können.
Der Film erzählt auf kleinem Raum von der Seele Europas.
Ortega Lorre 2009/11/11 01:42:06
@Schlegel
Und jede Interpretation ist auch richtig.
Das ist ja wichtig bei einem guten Film.
Man kann ja sehenwas man will, eben auch das banale und zähe.
Aber ich muß hier wohl echt mal eine Bresche schlagen für den Subtext dieses Films.
Wenn man den erkannt hat, und den Film immer noch Scheiße findet, ist ja ok.
Aber für mich ist dieser Film wahnsinnig gehaltreich. Diese von mir genannte schwarze Schauspielerin ist immerhin Aissa Maiga, die in Frankreich sehr prominet ist, eine bekannte Schauspielerin. Und bei "Cache" sitz sie am Tisch, wird kurz nur so gezeigt dass man sie erkennt,und dann nur noch im Anschnitt. Und Text hat sie keinen. Der französische Zuschauer sieht das natürlich anders. Er sieht "Hey Aissa Maiga" und dann kommt nix. Wie reagiert man da?
Vergisst man es wieder?Wundert man sich? Ist es einem egal?... oder hat man Mitleid? Wo man beim Exotismus ist, beim "Opfermachen".
Für mich eine grandiose Szene.
Ortega Lorre 2009/11/11 01:45:32
Und das er den algerischen Madjid mit Maurice Bénichou besetzt, von dem jeder Franzose weiß das er Jude ist, hat auch seinen Grund :)
So, jetzt geh ich aber ins Bett, hab morgen Probe.
alanger 2009/11/11 01:53:41
alles schön, aber es ist schon so spät (nicht nur heute) und ich bin zu müde (nicht nur heute) um auf deinen ja sehr engagierten beitrag gebührend eingehen zu können. also peace, alles ist gut, der maghreb-kulturkreis ist lieb, ich lerne jeden tag ein wort türkisch/arabisch/polnisch (russisch kann ich als zoni ja schon), esse immerweniger eisbein mit sauerkraut, helfe totalverschleierten frauen mit ihrem kinderwagen die treppe hoch (die vier männer aus ihrer familie haben, ich sehs ja, anderes, wichtigeres zu tun) und muss mir dafür anhören wiesehr ich irgendwelche "ehre" verletzt habe ...kurz: pax, ALLES IST GUT, ("ich liebe euch doch alle" wie mielke so schön sagte).
Prestigeww 2009/11/11 11:40:18
Ist politische Relevanz ein Qualitätsmerkmal für Film als Medium? L'art pour l'art, oder nicht? Also mal ganz offen gefragt, ob denn der subversivste Film auch gleich der beste sein muss.
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jetzt brat mir doch nen storch, dieser müll auf platz 1?? wo ist das gute alte deutschenbashing der briten geblieben und ihre franzosen phobie? so richtig deutsch ist dieser schmarrn zum glück ja nicht(nur).
platz 100 ist auch ...äh, cool.
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten
Ortega Lorre 2009/11/11 00:15:15
Müll?!
Was mir nicht gefällt muß ich nicht als Müll abtuen.
alanger 2009/11/11 01:08:41
kann ich schon und mach ich viel zu selten.