Gabe666

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Gabe666 aus Weimar heißt Gabriel , ist 21 Jahre alt. Er hat sich auf moviepilot angemeldet und hat schon legendäre 186 Filme bewertet und legendäre 1040 Kommentare geschrieben. Mehr


Femme Fatale
Femme Fatale

Gabe666 9.5 "Herausragend"

Was für ein cooler Film!
Brian de Palma inszeniert seine Hommage an den Film Noir, Hitchcock und den Film generell mit extrem viel Detailversessenheit und Herzblut. Sein eigenwilliger visueller Stil scheint hier besonders durch, unterstützt die Atmosphäre des Films aber perfekt. Von de Palma kannte ich davor schon "Mission Impossible" und "Carrie", die ich beide großartig fand und nahm bei diesem Beitrag dementsprechend auch nicht an, dass er mich enttäuschen würde, aber dass er mich so begeistern würde, hätte ich dann doch nicht gedacht.
Die Femme Fatale ist, wie die meisten wissen müssten, ein Rollentypus aus dem Film Noir. Ein zwielichtiger, manipulativer weiblicher Charakter, welcher den Helden des Films verführt und ihn meist ins Verderben stürzt. Hier wurde die titelgebende Femme Fatale einfach mal selbst zum Hauptcharakter gemacht. Und diese Rechnung geht durchaus auf.
Die Handlung ist intelligent konstruiert, führt den Zuschauer ein ums andere Mal in die Irre und wartet am Ende mit einem Twist auf, der sich gewaschen hat (im wahrsten Sinne des Wortes! ^^) und teilweise gar ins übersinnliche abdriftet. Dürfte nicht für jeden ansprechend sein und das Publikum spalten. Mir jedenfalls sagte er durchaus zu. Fand ich sehr clever gemacht.
Die Geschichte allein ist es natürlich nicht, die den Film so gut macht. Zum Einen ist da, wie erwähnt, de Palmas ganz spezieller optischer Stil. Er verwendet Zeitlupen, Split-Screens, Halblinsen (also den Effekt, wenn ein Gegenstand/eine Person im Vordergrund eine Bildhälfte einnimmt und die andere Bildhälfte von einem Gegenstand/einer Person im Hintergrund eingenommen wird, beide aber mit gleicher Brennweite dargestellt werden) und Plansequenzen, so wie man es auch aus anderen Filmen von ihm kennt. Außerdem werden den ganzen Film über versteckte Anspielungen und Zitate auf alle möglichen anderen Werke der Filmgeschichte gemacht (was schon direkt zu Anfang beginnt, wenn wir die Protagonistin beim Schauen eines Film Noirs beobachten) und auch versteckte Hinweise geliefert, welche das Ende des Films vorwegnehmen. So ist beispielsweise fließendes Wasser ein wiederkehrendes Element im Film. Auch Kameras spielen eine wichtige Rolle. Die Protagonistin gibt sich am Anfang als Fotografin aus, um aufs Gelände des Filmvestivals von Cannes zu kommen und dort ihren Raubzug mit ihren Komplizen ausführen zu können (dürfte auch das erste Mal gewesen sein, dass in einem Film ein Filmfestival zum Schauplatz eines Diebstahls wird). Nachdem sie ihre Partner hintergangen hat und sich nun auf der Flucht vor ihnen befindet, wird ihr eine Kamera zum Verhängnis, denn ein Foto von ihr führt diese mehrere Jahre später auf ihre Spur. Einer von ihnen hatte sich, bevor sie ihnen endgültig entkam, auch als Fotograf getarnt, um sie zu überwältigen. (Im Übrigen ist interessant, dass die Hauptdarstellerin Rebecca Romijn im zwei Jahre später erschienenen "Godsend" dann tatsächlich eine hauptberufliche Fotografin spielte)
Zu den ausdrucksstarken Bildern läuft eine verspielte Melodie vom japanischen Komponisten Ryuichi Sakamoto, die im weiteren Verlauf sehr häufig wiederholt wird. Außerdem wird auch des öfteren Bernard Herrmanns "Psycho"-Theme (was sonst in einem de-Palma-Film?) zitiert.
Was den Film aber erst so richtig großartig macht, sind seine Schauspieler. Antonio Banderas spielt einen Paparazzo, der das verhängnisvolle Foto schießt und daraufhin das Opfer einer fiesen Intrige der Femme Fatale wird. Den arroganten Fotografen, der sich unvermittelt in einer Situation wiederfindet, der er nicht gewachsen ist, bekommt er wirklich gut hin. Peter Coyote verkörpert den warmherzigen Ehemann der Protagonistin, einen Politiker, den sie zum Schutz heiratete und der nichts von der Niedertracht seiner Frau ahnt. Und die beiden französischen Darsteller Eriq Ebouaney und Édouard Montoute (letzterer bekannt aus den "Taxi"-Filmen) sind als ihre skrupellosen Komplizen zu sehen und machen das auch sehr gut.
Aber alle verblassen angesichts der Performance von Rebecca Romijn (damals noch Romijn-Stamos mit Nachnamen, war sie doch bis 2005 mit "Full House"-Star John Stamos verheiratet) als gerissene Verführerin. In der Rolle ist sie vor allem eines - wirklich einfach nur verdammt cool! Sie beherrscht die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle, wirkt in einer Szene noch schwach und verletzlich, um plötzlich zur dominanten Furie zu werden. Schlichtweg beeindruckend!
Wobei die Femme Fatale allerdings auch nicht den ganzen Film über eiskalt und berechnend handelt, sondern tatsächlich auch zu echten Gefühlen fähig ist, wie sich besonders am Ende zeigt. Übrigens ist Rebecca Romijn dabei sogar in einer Doppelrolle zu sehen: sie verkörpert im Film neben der Titelfigur auch eine leidgeprüfte Ehefrau und Mutter, die der Femme Fatale auf verblüffende Weise zum Verwechseln ähnlich sieht und nach dem Verlust ihrer Familie Selbstmord begeht, worauf die Protagonistin ihre Identität annimmt (oder etwa doch nicht?).
Den Großteil des Films zeigt sich Romijn jedoch als manipulative Verbrecherin, die sämtliche Männer um sich herum in ihre Schranken weist. Paradebeispiel dafür ist der unfassbare Strip, den sie vor Banderas und einem anderen Mann hinlegt, damit es zu einer Konfrontation zwischen beiden kommt. Einfach atemberaubend! Muss man unbedingt mal gesehen haben!
Übrigens fiel mir beim Schauen auf, dass die Darstellung des Charakters und die Atmosphäre des Films auch zu einem anderen Charakter passen würden, den die Romijn zuvor und auch danach verkörperte: nämlich die Gestaltwandlerin Mystique aus den "X-Men"-Filmen. In selbigen hatte Romijn leider nicht allzu viele Auftritte, sodass kaum eine wirkliche Charakterisierung stattfand, aber mit der Mystique aus den Comics weist die Femme Fatale eine erstaunliche Ähnlichkeit auf. Würde man das ganze Szenario ins Marvel-Universum verlegen und vielleicht ein paar Details, was die anderen Charaktere und die Handlung betrifft, umändern, könnte der Film glatt als Soloeinsatz von Mystique durchgehen. Ja, wenn ein Mystique-Spin-Off mal gedreht werden sollte, müsste er so aussehen! (Übrigens ist das nicht der erste Fall, in dem eine Schauspielerin einen Comiccharakter verkörperte, selbigen in der Adaption jedoch nicht unbedingt so gut traf, dafür in einem anderen Film aber einen Charakter verkörperte, der weitaus größere Ähnlichkeit mit der Comicfigur hatte. Zuvor fiel mir das bereits bei Zoe Saldana und ihren Rollen in "The Losers" (basiert auf einer Comicreihe) und "Colombiana" auf. Denn die kompromisslose Auftragskillerin in "Colombiana" ähnelte der Comic-Aisha tatsächlich stärker als Saldanas Interpretation aus dem "Losers"-Film).
Eine Akteurin habe ich noch vergessen, die Dänin Rie Rasmussen, mittlerweile bekannt durch Luc Bessons "Angel-A", die wie die Romijn aus der Modelbranche stammt, mit ihr auch gut befreundet ist und von ihr auch Brian de Palma für den Film vorgeschlagen wurde. Sie verkörpert hier im Film das Model, welches in Cannes das Diamantoberteil trägt, auf das es die Diebe abgesehen haben und später in modischen Klamotten in Tarnfarben als Diamant-Hehlerin erneut auftritt und insgeheim mit Romijns Charakter unter einer Decke steckt. Ihr Part war jetzt nicht so groß, dass ich mir ein wirkliches Bild von ihrem Schauspieltalent machen konnte, aber sie war auf jeden Fall ebenfalls sehr schön anzusehen.
"Femme Fatale" ist auf jeden Fall ein Meisterstück des Regisseurs. Eine Mischung aus Mindfuck-Krimi und Erotikthriller und dazu eine Liebeserklärung an das Kino im Allgemeinen, sehr spannend inszeniert, mit atemberaubenden erotischen Szenen, grandiosen Schauspielleistungen und zahlreichen versteckten Zitaten und Anspielungen, die ein mehrmaliges Ansehen lohnend machen. Ein Film von Cineasten für Cineasten, in dem man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Nach ein paar weiteren Durchläufen kriegt der sicher noch ein Herz von mir.
So, das war's mit meiner kleinen Retrospektive zu der atemberaubenden Rebecca Romijn, die sich heutzutage im Kino in größeren Rollen leider sehr rar macht. Gibt freilich noch mehr Filme, in denen sie mitgespielt hat, die ich aber noch nicht alle gesehen bzw. schon bewertet habe. Vielleicht mache ich irgendwann noch eine zweite.
Und ich frage mich, warum die Romijn nie ein Bond-Girl gewesen ist. Ich meine, gerade nach der Rolle hier war sie doch geradezu prädestiniert dafür! Sie ist irgendwie schon gestraft, denn ihre "X-Men"-Kolleginnen Famke Janssen und Halle Berry waren beide an der Seite der Agenten-Ikone zu sehen, Janssen (die wie Romijn niederländische Wurzeln hat) in Pierce Brosnans erstem und Berry in seinem letzten Einsatz. Romijn hätte auf jeden Fall super zu Brosnan gepasst (wobei dessen Bond-Phase schon vor "Femme Fatale" beendet war), neben Daniel Craig könnte ich sie mir aber auch gut vorstellen (die beiden haben ja optisch auch einiges gemeinsam). Mittlerweile wird sie den Produzenten sicher als "zu alt" für die Rolle erscheinen, ich würde sie aber wirklich gerne mal in dem Franchise sehen. Zumal ihr Charakter hier da ja auch perfekt reinpassen würde.
Und noch eine interessante Überlegung meinerseits: in einigen Szenen tritt sie hier mit einer schwarzen Perücke und einem langen, wehenden Mantel auf. Wenn ich sie mir so angucke, frage ich mich, ob sie nicht auch einen guten Ersatz für Kate Beckinsale in "Underworld" abgegeben hätte (nicht, dass ich Beckinsales Leistung schlecht fand, im Gegenteil). Jedenfalls finde ich den Gedanken faszinierend, wie "Underworld" wohl wäre, wenn man ihr beim Umballern von Werwölfen zusehen würde. Ist doch eine Überlegung wert, oder?
Was de Palma angeht, so bin ich, nachdem mich dieses Werk schon so begeistern konnte, umso gespannter auf "Scarface", von dem mir schon mehrere Freunde vorschwärmten. Ich denke, spätestens nach dem bin ich dann endgültig ein Fan von ihm geworden (eigentlich bin ich's jetzt schon).
So, das war's jetzt aber! Euch allen jedenfalls schonmal vorsorglich Frohe Ostern! :)

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jacker

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Nur angelesen, weil ioch den nicht kenne, ABER trotzdem direkt festgestellt: Ich muss DePalma nachholen!


Simone
Simone

Gabe666 vorgemerkt

Alibi - Ihr kleines schmutziges Geheimnis ist bei uns sicher
Alibi - Ihr kleines schmutziges Geheimnis ist bei uns sicher

Gabe666 7.5 "Sehenswert"

Und hier ist Folge 3 meiner kleinen Retrospektive zu Rebecca Romijn, einer meiner absoluten Lieblingsschauspielerinnen.
Eine unterhaltsame Gaunerkomödie, die ein wenig an die frühen Filme von Guy Ritchie erinnert, allerdings weitaus weniger Gewalt als selbige zeigt. Und auch zu den "Ocean's"-Filmen lassen sich, wie hier schon viele meiner Vorposter anmerkten, Parallelen in der Inszenierung ziehen. Der Film steht aber durchaus auf eigenen Beinen.
"Alibi" (den völlig überflüssigen, ellenlangen deutschen Zusatztitel werde ich hier nicht hinschreiben!) überzeugt durch seinen Dialogwitz, die skurrilen Charaktere, absurden Situationen und bestens aufgelegten Schauspieler.
In der Hauptrolle sieht man den sympathischen Steve Coogan als gewieften Trickbetrüger, der die Zeichen der Zeit erkannt und eine Firma gegründet hat, die Leuten gegen Bezahlung Alibis verschafft. Die erwähnte Rebecca Romijn gibt seine clevere neue Mitarbeiterin und ist in der Rolle wirklich verdammt cool. Genau wie Hollywood-Urgestein Sam Elliott, der einen mormonischen Auftragskiller spielt (ob es sowas wirklich gibt?). Daneben ist dann noch Josh Brolins Vater James in einer sehr witzigen Rolle als Coogans Stammkunde mit von der Partie. Außerdem noch u.a. Selma Blair als eine von Elliotts Frauen, John Leguizamo als Brolins Chauffeur, James Marsden (der mit Rebecca Romijn schon zuvor in den "X-Men"-Filmen zu sehen war) als Brolins strunzdoofer Sohn, der mit Leguizamos Freundin fremdgeht. Außerdem in kleineren Rollen Terry Crews, Jerry O'Connell (den Rebecca Romijn übrigens ein Jahr später heiratete) und Deborah Kara Unger. Man sieht also, was die Besetzung angeht, hat man beschlossen, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Und es zahlt sich aus.
Neben der intelligenten Handlung, den tollen Schauspielern und witzigen Dialogen kann der Film auch mit einem beschwingten Score von Alexandre Desplat (u.a. Komponist bei den letzten beiden "Harry Potter"-Filmen, "The Tree of Life" und vielen anderen bekannten Filmen der letzten Jahre) punkten. Zwar ist er im Endeffekt nicht ganz so unterhaltsam wie die erwähnten Werke Ritchies und Soderberghs, aber er hätte definitiv einen höheren Bekanntheitsgrad verdient. Für ein Erstlingswerk (von den beiden Regisseuren Kurt Mattila und Matt Chekowski hat man danach leider nichts mehr gehört) definitiv sehr beachtlich. Ein echter Geheimtipp.

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Man About Town
Man About Town und 3 weitere ...

Gabe666 vorgemerkt

Rollerball
Rollerball

Gabe666 6.0 "Ganz gut"

Teil 2 meiner kleinen Rebecca-Romijn-Retrospektive. :)
Ich weiß, dass dieser Film allgemein einen schweren Stand hat, und kann auch durchaus verstehen, warum. Zum Original kann ich nichts sagen, aber da dieses völlig anders inszeniert sein, einen besseren Hauptdarsteller haben und die Medienkritik da auch besser rüberkommen soll, kann ich mir denken, dass man als Fan davon von dieser Neuverfilmung ziemlich angepisst sein wird.
Und ich muss auch selbst zugeben, dass die Inszenierung ziemlich dilettantisch wirkt. Der Film ist so hektisch geschnitten, dass man teilweise kaum mitbekommt, was Sache ist. Die Kameraführung macht es auch nicht besser. Und die CGI-Effekte, die teilweise zum Einsatz kamen, wirken ziemlich erbärmlich. Wenn ich's nicht wüsste, käme ich nie auf die Idee, dass John McTiernan (Regisseur von u.a. "Predator" und "Stirb Langsam" 1&3) hier Regie geführt hat!
Zur Handlung: Im Gegensatz zum Originalfilm spielt das Remake nicht mehr in einer dystopischen Zukunft, sondern in der (damaligen) Gegenwart. Das halsbrecherische Spiel "Rollerball" wird nun in wirtschaftlich schwachen osteuropäischen und zentralasiatischen Staaten ausgetragen, um die Massen von ihren Problemen abzulenken. Hinter den Kulissen regiert Korruption und Einschüchterung der Spieler.
Medien- und Sozialkritik ist hier also durchaus vorhanden, wird einem aber nicht gerade sehr subtil vermittelt, sondern kommt mit dem Holzhammer daher. Korruption im Sportbusiness und die Probleme in den Staaten des ehemaligen Ostblocks sind schon wichtige Themen, aber die Auseinandersetzung, die hier damit stattfindet, wirkt ziemlich kindisch. Man sagt hier einfach nur: die da oben sind die Bösen, haben alles unter Kontrolle, beseitigt sie, dann wird alles wieder gut. Sehr kurzsichtig, das ganze. Besonders, wenn man sich tags darauf (so wie ich) "Snowpiercer" angesehen hat!
Und zuletzt krankt der Film auch an seinem blassen Protagonisten. Chris Klein hat mir zwar in "American Pie" ganz gut gefallen, aber in die Rolle des Actionhelden passt er einfach nicht, auch wenn er sich noch so sehr Mühe gibt. Eine komplette Fehlbesetzung, dieser Typ. LL Cool J als seinen besten Freund fand ich auch nicht viel besser.
Wie man sieht, gibt es nicht gerade viel, was für den Film sprechen würde, und doch - ich mag ihn!
Zunächst sind die restlichen Schauspieler durchaus nicht schlecht. Rebecca Romijn (wegen der ich mir den Film auch hauptsächlich angesehen habe) als Kleins Love-Interest und Teampartnerin hat mir sehr gefallen. Sie bringt die aggressive Kämpferin, welche gleichzeitig aber auch sehr verletzlich ist, durchaus überzeugend rüber (für mich zumindest - gut, vielleicht hab ich mich auch von ihrer Schönheit blenden lassen. Denkt doch, was ihr wollt! ;-).
Jean Reno gibt einen schön diabolischen Antagonisten ab, auch wenn er dabei teilweise ins Oberacting abgleitet. Naveen Andrews, hier vor seinem Durchbruch mit "Lost" als Renos schmieriger Gehilfe zu sehen, war auch nicht schlecht. Und Paul Heyman als abgedrehter Kommentator konnte viel Witz in den Film bringen. Fand ihn sehr lustig und sympathisch.
Außerdem sind die Stunts, welche auch von den jeweiligen Schauspielern und Sportlern meist selbst absolviert wurden, wirklich klasse. Besonders das Rennen durch die Stadtschluchten vom Anfang fand ich sehr gut gemacht. Die Action ist schon größtenteils handgemacht, Computereffekte kamen in den Arenaszenen nur wenige zum Einsatz. Und ein paar der Kampfszenen sind wirklich nicht schlecht, besonders gegen Ende machen sie durchaus Laune. Außerdem gibt's dazu auch nicht wenige coole Sprüche.
Und dann ist da noch die Verfolgungsjagd durch die Wüste, bei der Chris Klein und LL Cool J abhauen wollen. Sie ist zwar, was Kameraarbeit und Schnitt angeht,eher nicht gelungen, aber den Ansatz, eine Actionszene komplett mit Nachtsichtkameras zu drehen, fand ich schon ganz interessant.
Und zuletzt gibt es noch einen verdammt coolen Soundtrack mit u.a. Slipknot (die im Film auch einen Auftritt haben), Rob Zombie (der im Musikvideo zum von ihm verwendeten Song übrigens ausgiebig "Uhrwerk Orange" zitiert), P.O.D. und P!nk (die auch einen kurzen Auftritt hat, dabei aber merkwürdigerweise nicht zu hören ist).
Als anspruchsloser No-Brainer macht mir der Film daher durchaus Spaß. Ist für mich zumindest immer noch auf einem höheren Niveau angesiedelt als "Transformers". Und irgendwie will ich den Film auch garnicht so schlecht finden, weil ja durchaus positive Ansätze, einen richtig mitreißenden, sozialkritischen Actionfilm zu machen, vorhanden sind. Ich weiß, dass sie kaum genutzt werden, was ich auch schade finde, aber ich denke nicht, dass man sich zum Film überhaupt keine Gedanken gemacht hat. Bedenkt man die vielen abrupten Szenenübergänge, finde ich es garnicht so unwahrscheinlich, dass da nicht wenige Szenen rausgeschnitten wurden. Hoffe ich zumindest. Die Vorstellung, dass der Film möglicherweise zu einem richtigen Kracher geworden wäre, hat irgendwie was tröstliches. Für mich ist er sowas wie ein (natürlich noch extrem ungeschliffener) Rohdiamant. Ich weiß, das hört sich komisch an. Aber das hier hätte wirklich echt was werden können, und so kann ich den Film irgendwie garnicht richtig hassen. Ist für mich sowas wie ein Guilty Pleasure. Ok, vielleicht liegt's auch nur an der Romijn. :)
Mit dieser Kritik mache ich mich hier bei einigen vielleicht unbeliebt, aber ich finde den Film trotz seiner Oberflächlichkeit durchaus ganz unterhaltsam. Ist bei weitem nicht so schlecht, wie er immer gemacht wird.
Und dass die einzige deutsche Spielerin eine Schwarze ist, ist für einen amerikanischen Film doch nun wirklich mal was außergewöhnliches! ^^

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dannydiaz

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ich bekenne mich auch zum Unterhaltungswert. Es gibt so viel was da schiefgelaufen ist, etliche Goofs, aber trotz allem gute Unerhaltung. Ein trashiger Actionstreifen wie er nur in den Neunzigern entstehen konnte.


Gabe666

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*klugscheiß* Der ist von 2002. :-)
Aber schön, dass dir der Film und meine Kritik dazu gefallen.


Godsend
Godsend

Gabe666 6.5 "Ganz gut"

Ein aufgrund seiner Thematik eigentlich recht interessanter Psychothriller mit Sci-Fi- und Horror-Elementen, der aber leider an seinem Drehbuch scheitert.
Die Idee des Klonens wurde davor ja schon öfter im Film verwendet (und ist meiner Meinung nach längst noch nicht ausgeschöpft) und dabei Kritik am Menschen, der Gott spielt ("Godsend" heißt ja übersetzt "Geschenk Gottes") zu üben, ist auf jeden Fall nicht verkehrt. Nur hat man, wenn man sich den Film anguckt, das Gefühl, dass die Macher beim Dreh nicht so recht wussten, wo sie eigentlich hinwollten mit ihrer Story. Ja, stellenweise gibt es ein paar ganz gute atmosphärische Szenen, aber größtenteils macht sich Langeweile breit. Und das Ende wirkt einfach nicht konsequent genug. Man hat ja zuvor durchaus versucht, Spannung aufzubauen, die sich auch in den letzten zehn Minuten einstellt, aber das Finale, auf das man dabei hingearbeitet hat, ist letztendlich einfach nur enttäuschend und wirkt ziemlich weichgespült.
Durch den Audiokommentar von der DVD weiß ich, dass es auch nur eine Kompromisslösung war. Es existieren sogar noch vier weitere alternative Enden, von denen mir aber auch keins wirklich zusagte (drei davon fand ich aber tatsächlich besser als das letztendlich verwendete; eines war schon durchaus radikal im Vergleich zum Kinoende, krankte aber an seiner Unlogik). Ein wirklich kompromissloses, bei dem keiner der Beteiligten überlebt hätte, war sogar geplant, wurde aber letztendlich nicht gedreht. Ich finde, man hätte hier versuchen, sollen, mehr Risiko einzugehen, anstatt wie immer auf Nummer sicher zu gehen.
Wodurch der Film aber punkten kann, sind seine Schauspieler. Robert de Niro als sinistrer Arzt wirkt zwar etwas unterfordert, spielt aber an sich nicht schlecht. Greg Kinnear und Rebecca Romijn (welche für mich neben de Niro auch der Hauptgrund war, mir den Film anzusehen) überzeigen als verzweifeltes Ehepaar, das seinen Sohn verliert und Cameron Bright (der, wie die Romijn, auch eine Rolle in den "X-Men"-Filmen hatte, wenn auch nur im dritten) als eben dieser Sohn (und sein späterer Klon) liefert auch eine ganz ordentliche Leistung ab. In gruselige Kinderrollen passte der damals ganz gut (mittlerweile ist er ja schon über 20).
Die ambivalente Charakterzeichnung gefiel mir auch. Es lässt sich nicht direkt sagen, dass einer wirklich gut oder bösartig wäre, sie bewegen sich alle eher in verschiedenen Graustufen. Möglicherweise war das aber auch ein Grund dafür, dass es den Machern so schwer fiel, ein zufriedenstellendes Ende zu finden.
Zumindest liefert der Film ein paar ganz interessante Denkansätze und ist auch handwerklich durchaus auf einem höheren Niveau anzusiedeln. Einmal ansehen kann man sich den schon. Tut jedenfalls niemandem weh.
Kleiner Fakt am Rande: Im zwei Jahre früher gedrehten "Femme Fatale" nahm die Romijn am Anfang (wenn auch nur zur Tarnung) eine Kamera in die Hand und Kameras spielten in dem Film auch eine nicht unwesentliche Rolle. Hier spielt sie jetzt direkt eine Fotografin. Hat sich sozusagen gemausert. ;-)
Zusammen mit "Godsend" habe ich übrigens kürzlich drei weitere Filme mit ihr in einer Haupt- oder Nebenrolle gekauft (die aber übers Internet, diesen hier nur mit runtergesetztem Preis in einer Videothek). Das werden meine nächsten Rezensionen sein. Sozusagen eine kleine Retrospektive zu dieser Schauspielerin. :)

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Thanatomorphose
Thanatomorphose und 1 weitere ...

Gabe666 vorgemerkt

Hunde, die bellen, beißen nicht
Hunde, die bellen, beißen nicht und 5 weitere ...

Gabe666 vorgemerkt

Snowpiercer
Snowpiercer

Gabe666 8.5 "Ausgezeichnet"

Nachdem ich "Noah" in einem Saal von Deutschlands größter Kinokette in 3D bewundern konnte, sah ich mir "Snowpiercer" gestern quasi als Pendant dazu fünf Tage später in einem kleinen Programmkino an. Beide übrigens auch, weil es hinsichtlich der Aufführungen der bestreffenden Filme in meinem momentanen Aufenthaltsort keine Alternativen gab. Was ich schon eigenartig fand, denn meiner Meinung nach eignet sich "Snowpiercer" auch wunderbar für die Leinwand eines großen Saals, und "Noah" würde in einem kleineren Programmkino auch nicht unbedingt fehl am Platz wirken. Denn die beiden Filme sind sich im Grunde garnicht so unähnlich. Es sind Filme, die einerseits mit viel Effekten und nicht wenigen Actionszenen aufwarten, welche die breite Masse ansprechen, gleichzeitig aber auch einen komplexeren Subtext aufweisen und nicht unbedingt konventionell inszeniert sind. Sie sind beide eine Art Hybrid aus Popcornkino und Arthouse, welche wohl durch ihre teilweise irreführende Vermarktung als leichtbekömmliche Spektakel Freunde anspruchsloser Unterhaltung anlocken könnten, um ihnen dann unvermittelt ihre Gesellschaftskritik und völlig ungewohnte Form der Inszenierung vor den Latz zu knallen. Ob das tatsächlich bei einigen Leuten der Fall ist, weiß ich nicht, aber die Vorstellung gefällt mir. Und passend dazu finde ich die Frage interessant, warum manche Filme nur in einer Form von Kino laufen und wer das entscheidet. Ist auf jeden Fall eine Überlegung wert.
Aber nun zum Film. "Snowpiercer", die fünfte Regiearbeit des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho, ist, wie gesagt, keine leicht goutierbare Action-Unterhaltung. Sondern ein subversives, gesellschaftskritisches Werk, das einem mit seiner Zeichnung einer hierarchischen Klassengesellschaft quasi den Spiegel vorhält. Eine düstere Dystopie mit viel Symbolismus und satirischen Spitzen, basierend auf einem französischen Comic aus den 80er Jahren. Das Ziel der Kritik dürften zwar vor allem autoritäre und totalitäre Regimes sein, aber auch als Anklage an das kapitalistische System taugt der Film. Die einen leben im Überfluss, während die anderen nichts haben. Und letzteren sieht man hier dabei zu, wie sie eine Revolution starten. Dabei durchqueren sie eine Gesellschaftsschicht nach der anderen, hier symbolisiert durch die Abteile eines Zuges.
Inszeniert ist das ganze im Stile eines Computerspiels. Die Protagonisten müssen sich durch Horden von Gegnern kämpfen, wobei die Gefahr immer auf eine andere Art auftritt, bekommen es am Ende jeder Station mit einem besonders ernstzunehmenden Antagonisten zu tun (sozusagen dem "Bossgegner") und müssen dabei immer heftigere Verluste einstecken. Diese Computerspiel-Ästhetik ist auf jeden Fall ungewöhnlich und mal was erfrischend anderes im Vergleich zum sonstigen Einheitsbrei, der einem sonst im Actionkino serviert wird. Die einzigen Filme, die ähnlich inszeniert waren, sind, soweit ich weiß, "Shoot 'em Up" und "Sucker Punch", wobei ersterer tatsächlich nicht mehr als ein stumpfsinniges Actionspektakel ist (als solches aber prächtig funktioniert), letzterer aber durchaus in die gleiche Sparte wie dieser Film hier einzuordnen ist. Ist zumindest meine Meinung.
Getragen wird "Snowpiercer", die, soweit ich weiß, erste koreanisch-amerikanische Koproduktion, dabei von einer wirklich exzellenten Darstellerriege. Chris Evans, den ich bisher nur als sprücheklopfenden Actionhelden kannte (siehe "Fantastic Four", "The Losers" und "Captain America") überrascht mit einer sehr emotionalen und charismatischen Darstellung als Revolutionsführer Curtis. Jamie Bell als sein Ziehsohn ist praktisch prädestiniert für die Rolle des impulsiven, aufmüpfigen jungen Mannes. John Hurt gibt den greisen Mentor und Octavia Spencer eine verzweifelte Mutter, die mit an vorderster Front kämpft. Auf der Gegenseite hat man die großartige Tilda Swinton als eiskalte, aber auch sehr skurril wirkende Offizierin des Regimes und Ed Harris als Diktator, der erst zum Ende seinen großen Auftritt hat und bei weitem nicht so diabolisch wirkt, wie man meinen sollte. Und dann sind da noch die asiatischen Stars des Films: Song Kang-ho, der Hauptdarsteller aus Joon-hos "The Host" ist großartig als abgewrackter, drogensüchtiger Techniker, der von den Aufrührern gezwungen wird, ihnen zu helfen, und Koh Ah-seong, welche bereits in selbigem als seine Tochter zu sehen war, übernimmt auch hier wieder diese Rolle, ist dabei aber bei weitem nicht so passiv. Was die Darsteller angeht, kann man sich auf jeden Fall nicht beschweren.
Das ungewöhnliche, zuweilen auch sehr surreal wirkende Setting des Zuges ist auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung zu dem, was man sonst so in Sci-Fi-Filmen sieht. Und die zugefrorene Erde, welche in manchen Szenen kurz zu sehen ist, wurde sehr gut animiert. Die Effekte brauchen sich, trotz des vergleichweise geringen Budgets, vor denen von großen Hollywood-Produktionen nicht zu verstecken.
Der Film lebt, wie gesagt, auch vor allem von seinem Symbolismus und seiner Gesellschaftskritik und hat ebenso sehr gute Charakterzeichnungen zu bieten, wobei die handelnden Figuren wohl auch eher einen bestimmten Archetypus verkörpern sollen. Wobei tatsächlich viele Charaktere sehr diffenziert dargestellt werden und am Ende durch einen fiesen Twist sogar fast eine Verschiebung der Sympathien eintritt. Die Hatz zur Spitze des Zuges endet nämlich bei weitem nicht so optimistisch, wie man das gerne hätte. Das Gegenteil ist sogar der Fall.

[SPOILER:
Durch das, was man über Curtis erfährt, als er dem Techniker seine Geschichte beichtet, erscheint die Revolution schon teilweise fragwürdig, aber durch das, was Diktator Wilford ihm dann offenbart, wirkt diese nur noch wie eine Farce. Das Handeln von Curtis' Mentor Gilliam war bei weitem nicht so altruistisch, wie man dachte und Wilford wird, wie gesagt, nicht direkt bösartig dargestellt. Er handelt nicht aus Sadismus, sondern tut nur das, was er als notwendig erachtet, um sein Volk am Leben zu erhalten. Er glaubt zumindest, dass es richtig so wäre und scheint gar keine andere Art zu leben zu kennen. Dass Curtis so weit zu ihm vordringen konnte, lies er nur zu, weil er wollte, dass dieser seinen Platz einnimmt, denn er selbst ist des Herrschens überdrüssig.
Aber durch die letzte Enthüllung ist man dann wieder auf der Seite der Rebellion: denn eine Gesellschaft, die ihre eigenen Kinder ausbeutet, um fortbestehen zu können, hat es nicht verdient, weiter zu existieren. Die Art und Weise, wie das System dann umgestülpt wird, ist radikal, aber es bietet sich offensichtlich keine Alternative. Würde Curtis Wilford einfach nur umbringen, hätte er damit das System nicht beseitigt. Wie hier schon einer der Kritiker (der Batz, um genau zu sein) schrieb: bei den meisten Revolutionen machen sich die Leute offenbar nur Gedanken um den Umsturz, nicht um das, was danach geschehen soll. So haben es, selbst nach einem erfolgreichen Sturz eines Regimes, andere reaktionäre Kräfte nicht unbedingt schwer, die Macht an sich zu reißen, wie man aktuell in Ägypten und anderen Ländern sieht. Und die Bevölkerung fügt sich dann sogar teilweise widerstandlos in ihr Schicksal, einfach weil sie es nicht anders kennt. Eine Revolution ist eben nicht erst beendet, indem man das "Arschloch an der Spitze" beseitigt, hier in "Snowpiercer" will selbiges das sogar. Eine einfache Lösung wird hier nicht angeboten, nur ein radikaler Kahlschlag. Die beiden offensichtlich letzten Überlebenden haben dann zwar am Ende auch keine rosigen Zukunftsaussichten, aber wenigstens werden sie nicht fremdgesteuert sterben.
Wobei der Film diese Lösung keineswegs propagiert, sondern nur aufzeigt, dass ein Aufstand gegen ein repressives System wohlüberlegt sein muss und nicht auf simple Weise beendet werden kann.]

"Snowpiercer" ist, oberflächlich betrachtet, ein Actionfilm - und gleichzeitig so viel mehr als das. Eine intelligente Auseinandersetzung über totalitäre Diktaturen, ihre Funktionsweisen und das Problem, eine Revolution erfolgreich auszuführen. In den Actionszenen spart der Film dabei nicht mit drastischen Gewaltdarstellungen, die jedoch nie zum Selbstzweck verkommen, sondern so inszeniert sind, dass es wehtut. Bezüglich der Handlung könnte man sich über Unlogik beschweren, aber "Snowpiercer" will keine glaubhafte Geschichte erzählen, sondern vielmehr ein Gedankenexperiment liefern. So gut wie alles hier ist nur auf der symbolischen Ebene zu betrachten. Es bleibt ein definitiv sehenswerter, interessanter Film, der zum Nachdenken und Diskutieren einlädt.
So sehr, dass der amerikanische Produzent Harvey Weinstein, welcher sich die Rechte für die Vermarktung in den USA gesichert hatte, den Film nur gekürzt in die US-amerikanischen Kinos bringen wollte, weil er ihn als "zu intelligent" für das amerikanische Publikum ansah. Vor allem Charakterszenen sollten weichen, um "mehr Tempo" in den Film zu bringen. Ich persönlich würde da jedoch so einiges vermissen, weil "Snowpiercer", wie erwähnt, nicht zuletzt auch von seinen Charakterzeichnungen lebt. Zu einer Einigung kam es dabei nicht, weshalb der Film bisher nicht in den Kinos der USA und anderer Länder, in denen Weinstein die Rechte aufgekauft hat, läuft. Das lässt doch ziemlich tief blicken, oder?

Was meinen Besuch im Programmkino meines Studienortes angeht, so war diese Erfahrung jedenfalls sehr angenehm. Der kleine Kinosaal mit seinen breiten Sesseln war wesentlich gemütlicher als die großen, in denen ich mir sonst Kinofilme ansehe. Die Atmosphäre war allgemein anders und auch das Publikum unterschied sich. Sollte in Zukunft mal ein Film sowohl in großen kommerziellen als auch in Programmkinos laufen, so würde ich auf jeden Fall letzteres vorziehen.

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twentyfour

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In der Tat ein langer Text. Da schrecke ich immer vor zurück konzentriert zu lesen. Den Film selbst fand ich schwach. Meine Bewertung folgt noch.


Jaime_Ginstik

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N'kay. Hat meine Erwartungen voll erfüllt. :-D


Noah
Noah

Gabe666 9.5 "Herausragend"

Der bisher beste Film des Jahres, soviel steht mal fest.
"Noah" ist eine visuelle Wucht, ein Film mit einer unglaublichen Bildsprache. Und übrigens weit davon entfernt, ein fundamentalistisch-christliches Propagandawerk zu sein, als das es offenbar nicht wenige sehen wollen. "Noah" ist in erster Linie Fantasy. Der Film bedient sich nur grob der altbekannten Geschichte aus dem ersten Buch Mose (die in selbigem übrigens einen sehr kleinen Platz einnimmt), erweitert diese aber umfangreich, schmückt sie aus und reichert sie mit nicht wenigen Bezügen auf aktuelles Geschehen an. Die Welt, die im Film gezeigt wird, ist unserer sehr ähnlich... und ist es doch nicht. Die Darstellung der frühen Kulturen weicht beträchtlich von historischen Erkenntnissen ab, von der Bibel ganz zu schweigen. Und spätestens wenn in Stein eingeschlossene Engel auftauchen, sollte klar sein, dass dieser Film sich den altertümlichen Mythos (denn nichts anderes ist diese Geschichte) nur als Grundlage für eine eigene Handlung zu Nutze macht. Wer hier kreationistische Propaganda befürchtet, kann auch beruhigt sein. Es ist zwar ständig die Rede von einem Schöpfer (verständlich, sind doch sämtliche wichtigen Charaktere gläubig), die Entstehung und Entwicklung des Lebens, wie sie hier gezeigt wird, entspricht aber eindeutig dem allgemein anerkannten Bild von der Evolution.
Aber kommen wir zum Film an sich. Zunächst einmal zu den formalen Gestaltungsmitteln: ich kann da nur sagen - schlichtweg grandios. Schnitt, Kameraarbeit, Effekte - alles auf einem sehr hohen Niveau und teils auch ziemlich unkonventionell. So wirkt die erwähnte, im Zeitraffer erzählte Schöpfungsgeschichte wie aus unzähligen einzelnen Fotos zusammengesetzt. Die Gesteinsriesen bzw. Engel, die Tiermassen und die Arche sowie die Landschaften sehen auch einfach nur beeindruckend aus. Sehr gut gemacht. Dazu kommt ein monumentaler, zuweilen sehr emotionaler Score von Aronofskys Stammkomponisten Clint Mansell (und zum Abspann ein sehr schönes Lied von Punk-"Patin" Patti Smith).
Und die Schauspieler sind auch nicht schlecht. Russell Crowe überzeugt als getriebener Protagonist, Jennifer Connelly als seine Ehefrau ist auch nicht schlecht und Anthony Hopkins als Noahs Großvater liefert auch eine tolle, leicht schrullige Darbietung ab. Emma Watson, die für mich mit einer der Hauptgründe war, den Film zu sehen, wirkte als Noahs Adoptivtochter zeitweise leider eher blass, konnte im Großen und Ganzen aber durchaus überzeugen. Positiv überrascht hat mich Logan Lerman, den ich bis dahin nur aus den Teenie-Blockbustern "Percy Jackson" und "Die drei Musketiere" kannte, und in denen wirkte er ziemlich fehlbesetzt. Hier zeigt er, dass er durchaus zu emotionalen Darstellungen fähig ist. Den Antagonisten schließlich gibt Ray Winstone und macht das auch sehr gut. Einerseits zeigt er seinen Charakter Tubal-Kain als grausamen Machthaber, legt aber auch Emotionen in seine Darstellung, sodass man als Publikum seine Bewegrründe zumindest teilweise nachvollziehen kann. Sein Charakter wirkt, trotz seiner grausamen Taten, eher ambivalent als bösartig. So wie auch die meisten anderen Charaktere.
Das ist es, was diesen Film auch ausmacht. Ein wirkliches Gut und Böse gibt es nicht, die beiden Parteien sind im Grunde nur Menschen, die ums Überleben kämpfen. Die Hauptfigur Noah kommt sogar weit weniger gut weg, als man meinen sollte. Mit seinem bedingungslosen Gehorsam gegenüber seinem Gott (oder was er als dessen Befehle interpretiert) und seiner felsenfesten Überzeugung, dass er das Richtige tut, indem er niemanden an Bord der Arche lässt und nicht einmal seine Familie es verdient hat, danach noch lange zu überleben, wirkt er nicht wie ein vorbildlicher, aufrechter Anführer und Familienvater, sondern weckt eher Assoziationen an einen wahnsinnigen Fundamentalisten. Wenn einem da Gedanken an die selbst ernannten "Gotteskrieger" der Taliban und ähnliche kommen, ist das garnicht so verkehrt. Auf die Gefahren eines radikalen Glaubens, der nicht hinterfragt wird, wird hier eindeutig hingewiesen.
Sein Gegenspieler stellt das andere Extrem dar. Er ist enttäuscht von seinem Gott und hat beschlossen, selbst Gott zu sein. Er verhält sich rücksichtslos gegenüber anderen oder nutzt sie nur für seine Zwecke aus. Während Noah praktisch ein blind gehorchender Gefolgsmann ist, ist Tubal-Kain (der übrigens vom biblischen Charakter stark abweicht) ein Diktator. Seine Untertanen folgen ihm vor allem aus Angst und schierem Überlebenswille. Und so wird hier auch gezeigt, dass Menschen in Extremsituationen zu fürchterlichen Dingen fähig sind.
Neben diesem doch sehr pessimistischen Menschenbild vermittelt der Film gegen Ende aber auch sehr wichtige Werte. Dass man seine Weltsicht hinterfragen sollte. Dass man selbst die Wahl hat, was aus einem wird. Dass man sich uneigennützig für das Wohl anderer einsetzen und Verlockungen nach Macht wiederstehen sollte. Und dass man von einem obrigkeitshörigen Denken wegkommen muss. Religion an sich wird hier weder glorifiziert noch verdammt, aber durchaus kritisiert und differenziert dargestellt. Die Problematik eines Gottes, der sich nicht direkt zeigt und dessen Zeichen daher gedeutet werden müssen, ist ein entscheidender Bestandteil der Geschichte. Die Religion an sich wird nicht als gefährlich dargestellt, sondern vielmehr die Deutungshoheit, die einige daraus ableiten. Da ist es verständlich, dass in den USA evangelikale Prediger und in einigen Ländern im Nahen Osten muslimische Machthaber ziemlich verschnupft auf den Film reagierten. Es war wohl weniger die Art der Darstellung der biblischen Geschichte, sondern eher die Botschaft, die sie dagegen aufbrachte. Denn wenn ihren Anhängern klar würde, dass diese Menschen keine Deutungshoheit haben und sich nur anmaßen, die absolute Wahrheit zu kennen, würden sie ihnen dann noch so bereitwillig folgen. Also lenken die religiösen Führer ab, indem sie sich über Oberflächlichkeiten aufregen, wie eben die Darstellung der Geschichte und meinen, es wäre Frevel, eine Geschichte zu erzählen, die von ihrer als Wahrheit verkündeten abweicht (oder weil sie tatsächlich zu dumm sind, um den Subtext zu verstehen und selbst nur auf Oberflächlichkeiten achten). Sozusagen eine Bestätigung des Films. Fast schon wie beim Leben des Brian.
"Noah" ist auf jeden Fall ein Film, der zum Nachdenken anregt, kein leichtbekömmliches Popcorn-Spektakel. Und in der Drastik seiner Darstellung teilweise ziemlich verstörend. Überrascht mich ehrlich gesagt, dass der hier noch ab 12 durchging; ich fand das schon sehr grenzwertig.
Für mich ist es ein sehr wichtiger, wertvoller Film, und sei es nur wegen des Aufruhrs, den er provoziert hat, und der zeigt, dass Religion und Autoritätshörigkeit leider einen immer noch zu großen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat. Sollte man gesehen haben (auch wenn ich das wohl so bald nicht tun werde; das Geschehen nimmt einen teilweise schon sehr mit).
Nach "Pi" war das erst mein zweiter Aronofsky und er hat mich wieder begeistern können. Selbst einem hoch budgetierten, von vielen Effekten dominierten Film kann der Mann noch seinen Stempel aufdrücken. Fasziniert, beeindruckt... "geflasht", das beschreibt meine Empfindung danach wohl am besten.
Zum Abschluss noch eine Bemerkung zum 3D: es hat sich eindeutig gelohnt! Bilder, in die man meint, reingreifen zu können und natürlich auch Gegenstände, die auf einen zuzukommen scheinen. Auch wenn es im weiteren Verlauf und besonders gegen Ende nachließ - so hat ordentliches 3D auszusehen! Sehr gute Arbeit! (auch wenn das definitiv nicht den exorbitanten Aufpreis rechtfertigt! Warum müssen die Karten für 3D-Filme nur so teuer sein?)

bedenklich? 15 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 6 Antworten

Jason Born

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Den Text traue ich mich nicht zu lesen, da bei so einer Ausführlichkeit (un)bewusst zuviel verraten wird und ich auch scharf auf Noah bin. Der nächste Film mit Russell Crowe soll "Tugger" lauten. Dann kann er gleich auf seinem Boot bleiben und sich durch die Welt prügeln:DD Siehe South Park:)


Gabe666

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Cupio: Gern geschehen! :)


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RoboCop
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Gabe666 9.0 "Herausragend"

Eine gute Eigenschaft haben moderne US-Remakes von ausländischen Filmen oder den Klassikern des eigenen Landes zumindest (was nicht heißen soll, dass ich sie per se schlecht finde): häufig nutzen Verleiher den neu angefachten Bekanntheitsgrad des Franchises, um die Originalfilme neu aufzulegen. In erster Linie natürlich aus Profitgründen, aber es gibt auch das ein oder andere Label, dem die Zufriedenheit seiner Kunden verhältnismäßig wichtig ist und dass sich dabei Mühe gibt, speziell wenn das betreffende Werk noch nicht auf Blu-Ray erschien.
Besonders erfreulich ist dieser Begleitmechanismus in der Regel, wenn die Originale hier in Deutschland auf dem Index stehen. Steigt doch so die Chance, dass sich das Label dann die Mühe macht, die damalige Entscheidung anzufechten und eine Neusichtung zu beantragen. Im günstigsten Fall kommt der betreffende Film dann auch, passend zum Kinostart des Remakes, runter vom Index und erstmals ungeschnitten auf den deutschen Markt.
So geschehen bei Paul Verhoevens 80er-Jahre-Kultfilm "Robocop" (wobei ich freilich nicht sagen kann, ob das bei dem Film jetzt genau so ablief). Er wurde im Dezember letzten Jahres endlich rehabilitiert und ist mittlerweile mit haufenweise Bonusmaterial auf Blu-Ray erhältlich. Und das sogar noch in der Unrated-Fassung!
Für einen Fan von Sci-Fi- und Action-Filmen, besonders denen der 80er, war das für mich die ideale Gelegenheit, endlich eine nicht unwesentliche Bildungslücke zu schließen. Und, was soll ich sagen - der Kauf hat sich sowas von gelohnt!
Von Verhoeven kannte ich zuvor schon "Hollow Man", "Showgirls", "Basic Instinct", "Total Recall" und "Flesh + Blood" (letzterer sein allererstes internationales Werk, mit dem er sich für diesen Film quasi empfahl), seinen "Starship Troopers" (welcher als einziger seiner Filme immer noch indiziert ist) nur auszugsweise. Die fand ich schon allesamt klasse (ja, auch "Showgirls"!). Der Paul hat einen Stil, den man sofort erkennt und der einem auch hier ins Gesicht springt: deftige, geradezu comichaft übertriebene Gewalt, satirisch überspitzte, richtig zynische Gesellschaftskritik und einen echt fiesen schwarzen Humor. Verhoeven schert sich einen Dreck um Konventionen und trifft einen genau da, wo es weh tut.
"Robocop" ist eine bitterböse Satire auf den wachsenden Einfluss von Konzernen auf Politik und Justiz sowie die Technisierung der Gesellschaft. In gewisser Hinsicht sogar visionär, wenn man einige Entwicklungen der jüngeren Geschichte bedenkt (beispielsweise die Insolvenz des Handlungsortes Detroits). Verhoeven zeichnet in seinem Film das Bild Detroits als das einer verwahrlosten Stadt, in der die Lücke zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft und die Geschäftemacher den Politikern längst ihre Entscheidungen dirigieren. Die Polizei wurde privatisiert und sieht sich, aufgrund extremer Meinungsverschiedenheiten mit ihren neuen Entscheidungsträgern sogar gezwungen, zu streiken. Um der Überhand nehmenden Kriminalität Herr zu werden, die auch ein groß angelegtes Projekt zum Neubau der Stadt gefährdet, will die Leitung des mächtigsten Konzerns der Stadt auf mechanische Gesetzeshüter setzen. Nach einer katastrophalen Vorführung eines Roboter-Prototyps entschließt man sich, einen Menschen als Ausgangsmaterial für den neuen Superpolizisten zu nehmen und findet das ideale Versuchskaninchen in dem ehrbaren Polizisten Alex Murphy, der von einer Gangsterbande brutal in Stücke geschossen wurde. Als übermenschlicher Cyborg steht er nun wieder auf und befolgt anfangs auch die ihm einprogrammierten Befehle. Jedoch kehren mit der Zeit Erinnerungen an sein früheres Leben zurück und der Mensch in ihm beginnt sich wieder zu regen. Er startet einen erbarmungslosen Rachefeldzug gegen seine Mörder, deckt dabei die kriminellen Machenschaften der Firmenspitze auf und stellt sich letztendlich gegen seine Erschaffer (oder zumindest einen von diesen). Soviel zur Handlung, die aber den meisten sicher schon bekannt sein dürfte.
Der Film bewegt sich handwerklich wirklich auf einem erstklassigen Niveau. Peter Weller ist die Idealbesetzung für den Hauptcharakter, und obwohl er den größten Teil des Films in einer Rüstung steckt, die seine Mimik und Gestik sehr einschränkt, gelingt es ihm doch, dem mechanischen Körper eine menschliche Komponente zu verleihen. Um die Bewahrung der Menschlichkeit geht es in dem Film letztlich ja auch, das ist seine zentrale Botschaft. Und die wird so auch wirklich gut rübergebracht.
Als Bösewichte überzeugen Ronny Cox und Kurtwood Smith (die man leider beide kaum noch in großen Produktionen sieht) und der junge Miguel Ferrer gibt als Cox' Konkurrent einen herrlich schmierigen Emporkömmling ab. In einer starken weiblichen Rolle (damals noch weitaus weniger üblich als heute, trotz "Alien" und "Terminator") als Murphys Partnerin sieht man Nancy Allen (die fiese Zicke aus Brian de Palmas "Carrie"), die in der Rolle auch wirklich klasse ist.
Zu der großartigen Besetzung kommt noch ein beeindruckendes, futuristisches Szenenbild. Besondere Erwähnung verdient aber Special-Effects-Mastermind Rob Bottin (u.a. "The Howling", John Carpenters "The Thing" und der bereits erwähnte "Total Recall") der das coole Design von Robocops Rüstung schuf und darüber hinaus für die herrlich überzogenen Splatter-Effekte verantwortlich zeichnete. Der Mann ist wirklich ein Meister seines Fachs und einer der besten Make-Up- und Special-Effects-Künstler, die es gibt. Um ihn wurde es die letzten Jahre leider auch sehr ruhig. Ich fände es jedenfalls wirklich toll, wenn er mal wieder seine Fähigkeiten für eine ambitionierte Produktion zur Verfügung stellen würde.
Die Stop-Motion-Effekte, welche für die Sequenzen mit dem Roboter-Prototypen, gegen den Robocop später auch kämpfen muss, zum Einsatz kamen, sind dagegen leider eindeutig als solche zu erkennen und wirken aus heutiger Sicht ziemlich trashig und unfreiwillig komisch. Aber gut, damals ging das einfach nicht besser. Und irgendwie hat der Film so auch einen amüsanten Charme.
Neben den ansonsten toll inszenierten Actionszenen hat Verhoeven hier natürlich auch viel Raum bekommen, seine bitterböse Gesellschafts- und Medienkritik auf den Zuschauer loszulassen. Die Handlung wird immer wieder durch Nachrichtenschnipsel und völlig überzogene, zuweilen richtig bösartige Werbespots unterbrochen, mit denen er trocken das Zeitgeschehen kommentiert und seine Meinung zum Konsumwahn und zur zunehmenden Gleichgültigkeit der Bevölkerung gegenüber gefährlichen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen abliefert. Als besonders eindrückliches Beispiel sei da mal der Spot zu einem Spiel genannt, bei dem die Mitspieler die Rolle rivalisierender Weltmächte einnehmen und sich gegenseitig bombardieren müssen. Eine so dreiste, wenn auch nicht ernst gemeinte, Verharmlosung des Kalten Krieges und des Wettrüstens der Weltmächte beziehungsweise allgemein von Auseinandersetzungen zwischen mächtigen Staaten war damals wohl zuviel für die deutschen Jugendschützer. Die betreffende Szene war nämlich einer der Hauptgründe für die damalige Indizierung. Man sollte eigentlich meinen, dass eine so offensichtliche Satire von erwachsenen Menschen auch als solche erkannt wird. Aber bei den "Spezialisten" von BPjM und Konsorten war sowas damals wohl zuviel verlangt (und ist es zuweilen anscheinend immer noch, wenn man mal bedenkt, was heute noch so alles auf dem Index landet bzw. immer noch draufsteht).
"Robocop" ist für mich eine großartige Parabel über die Frage, was den Menschen eigentlich ausmacht und gleichzeitig eine bitterböse Abrechnung mit dem Kapitalismus und der amerikanischen Gesellschaft im Allgemeinen. Die Systemkritik ist heute noch so aktuell wie damals, wenn nicht sogar aktueller denn je. Garniert wird das ganze mit drastischen, aber nie unnötigen, Gewaltexzessen, die entweder zur Emotionalisierung (so bei Murphys Hinrichtung) oder zur Überzeichnung (bei der fehlgeschlagenen Roboter-Vorführung) dienen. Und untermalt mit einem großartigen, sehr einprägsamen Score von Basil Pouledoris, der wirklich perfekt zu den Bildern passt.
Wenn man "Robocop" nicht gesehen hat, hat man echt was verpasst. Der Film ist spannend, actionreich, zuweilen sehr lustig, in den richtigen Szenen emotional und regt einen zum Nachdenken an. Und es empfiehlt sich wirklich, sich die Unrated-Version bzw. den Director's Cut des Films anzusehen, denn selbst in den USA musste der Film für ein R-Rating damals in den Gewaltszenen entschärft werden, wodurch nach Auffassung von Regisseur Verhoeven aber Pointen zerstört wurden. Da die neu erschienene Blu-Ray glücklicherweise ausschließlich die Unrated enthält, dürfte es mittlerweile aber für kaum jemanden noch ein Problem darstellen, sich den Film in all seiner Pracht ansehen zu können.
Wenn jetzt noch die beiden Fortsetzungen auf Blu-Ray erscheinen (auch wenn sie, besonders was den dritten Teil angeht, allgemein einen schweren Stand haben), sowie die Miniserie "Prime Directives" (die auch wieder in die gleiche Kerbe wie der Erstling schlagen soll) und Verhoevens "Starship Troopers" vom Index genommen werden, wäre alles perfekt.
PS: Was den zweiten Teil betrifft, so ist zu diesem aktuell auch ein Comicband erschienen, der auf Frank Millers ursprünglichem Drehbuch dazu basiert. Für interessierte Fans mit Sicherheit einen Blick wert.

bedenklich? 23 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 4 Antworten

HulktopF

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lol, ich hab das ding nie geliked und wollt guckn was abgeht,drück drauf und was sagt mir movipilot "darfst du nicht entliken,sonst gibts haue" WTF???? XDDD


Gabe666

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Kenn ich. Ist so ein komischer Bug. Brauchst dir aber keine Sorgen zu machen, ich seh hier keinen Like von dir drunter. :)


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BlackLevel

Mir gefallen deine aussagekräftigen Kommentare, sowie dein Profilbild aus dem Hellraiser-Franchise.. Daher eine Anfrage.
lg

alex023

Danke, gerne akzeptiert.

Mimuschka

hei, danke für die lobesworte. unsere übereinstimmung ist ja bei den prozenten und den favorisierten filmen eher niedrig, aber kontrast ist ja immer (oder: oft) ganz nett um die eigene sicht zu hinterfragen. von daher: gerne :-)

_Garfield

Danke für die netten Worte, Anfrage wurde natürlich unverzüglich angenommen.

ElmStreet84

Hi Gabe, danke für die Anfrage! Nehm ich echt gerne an, leider bist du mir zuvor gekommen, wollte auch eine an dich schicken! :D

In diesem Sinne, auf eine gute Freundschaft und einen tollen Austausch! :)

Misfits_Films

Hi.
Sehr gerne nehme ich an, und schicke beste Grüße von Berlin nach Weimar :-)

Gruß
Marc Reißnecker

Fohlensammy

Danke für die Anfrage, hab ich doch gerne angenommen! :)

Cameron

Hey. danke für die Anfrage, gerne angenommen. Nein, der Name steht nicht für James Cameron, den hab ich irgendwie zufällig so gewählt... gruss zurück.

Azazil

FA wird gerne angenommen. Ich sehe schon an deiner Lieblingsfilmliste dass wir gut miteinander auskommen werden, zumindest größtenteils :)

Ratso Rizzo

Hey!
Ach du, die Übereinstimmung muss ja auch nicht zwangsweise hoch sein, aber wenn ich mir so deine Lieblingsfilme angucke, kann unser Filmgeschmack nicht so verschieden sein ;) Dass du öfter über meine Kommentare stolperst, wundert mich allerdings. Bin doch sehr inaktiv, was das angeht, obwohl ich ein fleißiger passiver News-Leser bin (was daran liegt, dass ich mal Praktikant in der Redaktion war - vielleicht bist du ja deswegen früher öfter über meinen Namen gestolpert). Wie auch immer, ich freu mich über die Anfrage!


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